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Politische Sprache. Bedeutung, Merkmale und Funktionen

Hausarbeit 2006 20 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Definition und Merkmale von Sprache

Wozu Kommunikation?

Welche Relevanz hat Sprache demnach für die Politik?

Merkmale politischer Sprachverwendung
Öffentlichkeit
Gruppenbezogenheit
Mehrfachadressiertheit / Inszeniertheit
Konsens-/Dissensorientiertheit

Ebenen politischer Sprachverwendung
Politikvermittlung

Funktionen politischer Sprache
regulative Sprachfunktion
poskative Sprachfunktion
informativ-persuative Sprachfunktion
integrative Sprachfunktion

Rahmenbedingungen von Politikvermittlung

Bedeutung für den politischen Sprecher
Zielgruppe
Inhalte
Medien

Literatur

Einleitung

(Der Schüler) Zi-lu sprach zu Konfuzius: "Wenn Euch der Herrscher des Staates Wei die Regierung anvertraute - was würdet Ihr zuerst tun?" Der Meister antwortete: "Unbedingt die Worte richtigstellen." Darauf Zi-lu: "Damit würdet Ihr beginnen? Das ist doch abwegig. Warum eine solche Richtigstellung der Worte?" Der Meister entgegnete: "Wie ungebildet du doch bist, Zi-lu! Der Edle ist vorsichtig und zurückhaltend, wenn es um Dinge geht, die er nicht kennt. Stimmen die Worte und Begriffe nicht, so ist die Sprache konfus. Ist die Sprache konfus, so entstehen Unordnung und Mißerfolg. Gibt es Unordnung und Mißerfolg, so geraten Anstand und gute Sitten in Verfall. Sind Anstand und gute Sitten in Frage gestellt, so gibt es keine gerechten Strafen mehr. Gibt es keine gerechten Strafen mehr, so weiß das Volk nicht, was es tun und was es lassen soll. Darum muß der Edle die Begriffe und Namen korrekt benutzen und auch richtig danach handlen können. Er geht mit seinen Worten niemals leichtfertig um."

Konfuzius (551-479 v.Chr.)

Im Rahmen des Seminars Politikvermittlung in der Mediendemokratie habe ich mich dazu entschlossen, eine Hausarbeit über das Thema Politische Sprache zu schreiben, denn das Hauptmedium was uns Menschen zur Verfügung steht und was uns als Menschen ausmacht, ist die Fähigkeit, unsere Gedanken und Gefühle über Sprache anderen mitzuteilen. Sprache ist somit das vermittelnde Element in sämtlichen menschlichen Beziehungen.

Sie ist das bedeutsamste Medium auf dem die Politikvermittlung in der Mediendemokratie basiert. Ohne Sprache keine Vermittlung ohne Vermittlung keine Demokratie. Damit vermitteln stattfinden kann, bedarf Sprache diverser Instrumente der Verbreitung, der von Menschen geschaffenen technischen Medien.

Um die Bedeutsamkeit von Sprache für die Politik zu verdeutlichen, werde ich im folgenden zunächst auf die allgemeine Definition von Sprache sowie deren Merkmale und die Frage nach deren Nutzungsursachen eingehen. Anschließend werde ich auf den Stellenwert von Sprache für die Politik und deren Merkmale eingehen, durch die sich die politische Sprache von dem allgemeinen Sprachgebrauch unterscheiden lässt, wobei ich in der gesamten Hausarbeit das Hauptaugenmerk auf die gesprochene Sprache lege. Ich stelle unterschiedliche Sprachebenen vor, die in Zusammenhang mit speziellen sprachlichen Funktionen stehen und gewissen Rahmenbedingungen unterliegen, die das Politische konstituieren. Abschließend werde ich die Bedeutung der verschiedenen Faktoren für politische Sprecher in der Praxis aufzeigen.

Definition und Merkmale von Sprache

„Sprache bedeutet im weitesten Sinn ... ein konventionelles System von Zeichen zu Kommunikationszwecken. ... Entscheidend für die Theorie vom Funktionieren der Sprache sind folgende Grunderkenntnisse: Die Beziehung zwischen Zeichen (z.B. sprachlicher Äußerung) und Bezeichnetem (ein Ausschnitt aus der außersprachl. Wirklichkeit) hängt von der jeweiligen Sprachgemeinschaft ab; dieselbe Wirklichkeit kann unterschiedlich bezeichnet werden. “ (Meyers Grosses Taschenlexikon, Stichwort Sprache, S.172ff).

Anders formuliert ist Sprache die Grundlage für Kommunikation (aus dem lateinischen communicare, teilen, mitteilen, teilnehmen lassen) zum Zwecke des wechselseitigen Übermittelns „von Daten oder von Signalen, die einen festgelegten Bedeutungsinhalt haben...“. (http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunikation)

Sprache ist somit immer auch ein Merkmal einer Gemeinschaft sowie dieser Gemeinschaft angehörenden Teilgemeinschaften. Letztere können sich von der Gesamtgemeinschaft unterscheiden, was durch unterschiedliche sprachliche Charakteristika gekennzeichnet ist. Dieses bezieht sich sowohl auf die gesprochene Sprache als auch auf die Geschriebene. So ist Deutsch ist die Sprache der Bundesrepublik, bayrisch hingegen die Dialektform einer Teilgemeinschaft, die nicht von jedermann verstanden wird. Folglich ist Sprache ein Mittel der Identifikation und ein Zeichen der Gruppenzugehörigkeit. Neben der Unterscheidung von gesprochener und geschriebener Sprache kann formelle von informeller Sprache abgegrenzt werden. Gesetzestexte als Beispiel verschriftlichter Sprache unterliegen dem strikten Schema der Rechtssprache, die einen stark formellen Charakter hat. Wahlkampfreden als gesprochene Sprache hingegen sind in der Regel weniger formell, unterliegen keinem strikten Schema und sind emotionalisierender formuliert.

Sowohl Greiffenhagen als auch Dieckmann sehen Sprache als ein „Instrument gesellschaftlicher Kontrolle“ (Greiffenhagen, 1980, S.11), da durch die Verwendung bestimmter Begriffe und vor allem auch durch die Vermeidung bestimmter Begriffe ein Normsystem verbalisiert werde, das sich das Individuum als Mitglied einer (Teil)-Gemeinschaft aneigne, um die Zugehörigkeit zu zeigen. (vgl. Greiffenhagen, 1980, S. 11 und Dieckmann, 1980, S.47). Aufbauend hierauf nennen sie das Merkmal von „Sprache als Träger gesellschaftlicher Normierung“ (Greiffenhagen, 1980, S.12), denn durch die Verwendung bestimmter Begriffe würden auch immer Emotionen und somit Werte vermittelt, die Einflüsse auf das Verhalten und Handeln einer Gesellschaft hätten, da sie von den Empfängern beurteilt würden.

Weiterhin weisen sie der Sprache einen realitätskonstituierenden Charakter zu, denn, „indem ich Dinge und Verhältnisse bezeichne und benenne, erkenne ich sie in ihrem Zusammenhang.“ (Greiffenhagen, 1980, S. 11) und somit machen mir die Wörter einer Sprache „durch Benennung die außerlinguistische Realität verfügbar“ und tragen gleichzeitig zur Interpretation von der Wirklichkeit bei (Dieckmann 1980, S.47).

Wozu Kommunikation?

Wozu bedient man sich denn eigentlich der Sprache? Wie man bereits erkennen konnte, steht das Übermitteln von Informationen mit einem bestimmten Bedeutungsinhalt hierbei im Vordergrund. Die Frage, die nun auftaucht, ist aber die nach dem Wieso. Wieso übermittelt man Informationen? Was ist das Ziel der Kommunikation?

Bei der Beantwortung dieser Frage kommt ein zweiter wichtiger Aspekt ins Spiel: Kommunikation mittels Sprache dient immer gleichzeitig auch als Grundlage zielgerichteten Handelns in einer Gemeinschaft. Im Sinne von bewusstem Agieren, aktiv werden, Dinge verändern bedarf das Handeln in einer Gemeinschaft einer Erklärung, Erläuterung oder Rechtfertigung, um seine Ziele erreichen zu können.

Besonders vor dem Hintergrund einer demokratischen Gemeinschaft wird die Notwendigkeit der Sprache als unerlässliches Fundament jeglichen Handelns innerhalb des Kollektives augenfällig. Wer agiert, muss begründen; wer handelt, muss dafür Sorge tragen, dass sein Handeln verstanden und von der Gemeinschaft befürwortet oder toleriert wird, damit diese weiterhin als demokratische Einheit funktionieren kann.

Wenn die Betonung aber auf demokratisch liegt, ist es zudem zwingend erforderlich, dass ebenso ein Reagieren, möglich ist. Reagieren wiederum kann sowohl über die sprachliche Ebene stattfinden, als auch über die Handlungsebene, wobei auch hier ein Ineinandergreifen der beiden nicht ausgeschlossen ist. Kommunikation in demokratischen Gesellschaften ist also ein wechselseitiger Prozess zwischen Sender und Empfänger.

Natürlich, und das kann man im Hinblick auf vereinzelte (und auf unser Land bezogen auch historische) Gegebenheiten nicht leugnen, ist Handeln auch möglich, wenn die Kommunikation nur einseitig verläuft und ein Reagieren unterdrückt wird. Allerdings kann dann nicht mehr von einer demokratischen Gesellschaft gesprochen werden.

Welche Relevanz hat Sprache demnach für die Politik?

Um dieser Fragestellung nachzukommen, möchte ich zunächst auf die Definition von Politik eingehen, welche folgendes beinhaltet:

„auf die Durchsetzung bestimmter Ziele bes. im staatlichen Bereich u. auf die Gestaltung des öffentlichen Lebens gerichtetes Verhalten von Individuen, Gruppen, Organisationen, Parteien, Klassen, Parlamenten und Regierung. ... Ihre Legitimation findet P. in einem demokrat. System letztlich in der Zustimmung (der Mehrheit) der Betroffenen,... .“ (Meyers Taschenlexikon, Stichwort Politik, S. 247)

Besonders der letzte Satz weist auf den hervorstechenden Stellenwert der Sprache in der Politik hin: Ohne Kommunikation mittels Sprache ist ein demokratisches System nicht lebensfähig. Zielgerichtetes Handeln braucht öffentliche Kommunikation, um legitimiert und somit realisiert zu werden. Zustimmung der Betroffenen kann nur erfolgen, wenn diese wissen, wem oder was sie zustimmen können, wenn sie wissen, welche Möglichkeiten ihnen offen stehen, welche Alternativen es gibt, wer ihre Interessen wahrt und vertritt. Aufgabe eines politischen Akteurs ist es daher, die Betroffenen mit diesen Informationen zu versorgen, um handlungsfähig zu werden. Sein Handeln bedarf sowohl im Vorfeld als auch im Nachhinein Erläuterungen, Diskussionsbereitschaft, Rechtfertigungen, Darstellen von Konsequenzen, Abwägungen, Anweisungen, Beratungen, etc. . Die hierauf folgende Reaktion seitens der Adressaten ermöglicht im besten Fall sein angestrebtes Handeln, da es durch Zustimmung der Mehrheit legitimiert wird. Sprache ist also die Brücke, über die der Politiker zu seinem Ziel = Handlungsfähigkeit kommt. Es gibt keine Schleichwege und keine Abkürzungen. Er muss diese Brücke überqueren. „Sprache ist somit nicht nur ein wichtiges Mittel des Politikers, sondern das Element, in dem sein Beruf sich vollzieht.“ (M. Greiffenhagen, 1980, S.1) Die Abhängigkeit von Sender und Rezipient macht auch Doris Graber deutlich, die „politische Kommunikation als die Konstruktion, das Senden, das Empfangen und die Verarbeitung von Botschaften, die einen bedeutsamen Einfluß auf die Politik haben“, (.vgl. W. Schulz, 1997, zit.n. Doris Graber, S. 39) definiert.

Wo immer sich der Politiker auch befindet, was er auch tut, er ist auf die Sprache stets angewiesen, um seinen Beruf ausüben zu können. Sie verleiht ihm unter günstigen Bedingungen die Handlungsfähigkeit und somit die Macht, regieren zu können. Aus Sprache resultierendes politisches Handeln kann demnach als „Kampf um Macht und Herrschaft, um Teilnahme an der Machtausübung und ihre Sicherung zur Durchsetzung bestimmter Vorstellungen und Interessen.“ (Girnth, zit.n. Grünert, 2002, S.1) ausgelegt werden, das stets mit Kommunikation in einem Interdependenzverhältnis steht: Kommunikation ohne folgendes, angekündigtes Agieren kann zu Machtverlust führen, weil die Glaubwürdigkeit verloren geht. Handeln ohne vorausgehende oder folgende Kommunikation kann zu Machtverlust führen, weil die Zustimmung fehlt.

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Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638855976
ISBN (Buch)
9783668224216
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74895
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Sozialwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Politische Sprache Bedeutung Merkmale Funktionen

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Titel: Politische Sprache. Bedeutung, Merkmale und Funktionen