Lade Inhalt...

Ein Bericht über den Einfluss der Fußballweltmeisterschaft 2006 unter dem Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden™“ auf Stereotype der Gäste

von Sozialwissenschaft B.A. Gürcan Kökgiran (Autor) Uwe Albrecht (Autor) Anna-Lena Schmitt (Autor) Andreas Schott (Autor)

Studienarbeit 2007 139 Seiten

Soziologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Teil 1 Die sozialwissenschaftliche Untersuchung über die optionale Stereotypenverschiebung der Gäste während der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland

Einleitung

I. Einführung
1. Das WM Gastgeberkonzept
Über das Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden™“
2. Forschungsfrage und ihre Explizierung
3. Zur Stereotypenforschung
3.1. Allgemeine Definitionen
3.1.1. Stereotypie
3.1.2. Selbstbild und Autostereotype
3.1.3. Heterostereotyp, Fremdstereotyp und Fremdbild
3.1.4. Nationalstereotyp, ethnischer Stereotyp
3.2. Genese und Funktionen von Stereotypen
3.3. Einblick in den Stand der Forschung
3.3.1. Die TNS Emnid-Befragung zur Fußballweltmeisterschaft 2006
3.3.2. Das AIESEC-Projekt zur Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland
3.3.3. Traditionelle Erfassungsmethoden von Stereotypen
4. Erkenntnisinteresse
4.1. Zusammenhang von Forschungsinteresse und Theorie
4.2. Die Hypothesen zur Forschungsfrage
5. Das Forschungsfeld und die WM-Rahmenorganisation
5.1. Die WM-Rahmenorganisation – Allgemeiner Überblick
5.2. Die Institutionen
5.2.1 Bundesministerium des Inneren (BMI)
5.2.2. Land Baden-Württemberg
5.2.3. Deutsche Bahn AG (DB AG)
5.2.4. Deutsche Bahn Training (DB-Training)
5.2.5. Koordinationsstelle für Fanprojekte (KOS)
5.2.6. Deutsche Zentrale für Tourismus – (DZT)
5.2.7. Die WM-Städte
Die WM-Stadt Leipzig
5.3. Die Eigenheiten des Forschungsfeldes und seine Eingrenzung: WM-Fan-Meilen und Public Viewings

II. Hauptteil
1. Beschreibung des methodischen Vorgehens
1.1. Quantitative Erhebung – die schriftliche Befragung der Gastgeber und Gäste
1.1.1. Das semantische Differential
1.1.2. Gestaltung und Anforderungen an den Fragebogen
1.1.3. Der Fragebogen für die Gäste
1.1.4. Der Fragebogen für die Gastgeber
1.1.5. Die Eigenschaftsliste zur Erfassung von Stereotypen
1.1.6. Die Kodierung der Fragebögen
1.1.7. Auswahl der Stichprobe und Beschreibung der Entstehungssituation
1.1.1.1. Auswahl statistischer Verfahren
1.1.3.1. Die Irrtumswahrscheinlichkeit p
1.1.3.2. Werte der Korrelationskoeffizienten nach Spearman
1.2. Qualitative Erhebung
1.2.1. Strukturelles
1.2.2. Erhebung der Daten
1.2.3. Aufbereitung des Materials
1.2.4. Methodik der Auswertung
2. Darstellung der Ergebnisse
2.1. Quantitative Daten
2.1.1. Deskriptive Angaben
Die Gruppe der Gäste und Gastgeber
A. Aufteilung nach Geschlechtern
B. Die Altersstruktur aller Befragten:
C. Nationalitäten der Gäste
D. „Sind Sie das erste Mal in Deutschland?“
E. Die Gruppe der Gastgeber unterteilt in autochthone Deutsche und Menschen mit Migrationshintergrund
2.1.2. Überprüfung der Hypothesen
Die Irrtumswahrscheinlichkeit p
Werte der Korrelationskoeffizienten nach Spearman
2.1.2.1. Überprüfung der Hypothese 1: „Änderung des Fremdbildes der Gäste“
2.1.2.2. Überprüfung der Hypothese 2: „Der Grad der Zufriedenheit mit der Organisation und der Einfluss auf die Heterostereotypie“
2.1.2.4. Überprüfung der Hypothese 3: „Bewertung der Gastgeber I“
2.1.2.5. Überprüfung der Hypothese 4: „Bewertung der Gastgeber II“
2.1.2.6. Überprüfung der Hypothese 5: „Die Veränderung der Eigenschaften“
2.1.2.7. Überprüfung der Hypothese 6: „Verschiebung politischer Eigenschaften“
2.1.2.8. Überprüfung der Hypothese 7: „Das Motto der WM I“
2.1.2.9. Überprüfung der Hypothese 8: „Das Motto der WM II“
2.1.3. Ergänzende Daten
2.1.3.1. Darstellung der einzelnen Eigenschaftspaare im Vergleich vorher / nachher
2.1.3.2. Heterostereotypen ausgewählter Nationen
2.1.3.3. Das Selbstbild der Gastgeber
2.1.3.4. Bewertung der Gastgeber unter dem Geschlechteraspekt
2.1.3.5. Weitere Aspekte
2.1.3.5.1. Willkommensein in Deutschland
2.1.3.5.2. Würden Sie Deutschland noch einmal besuchen?
2.1.3.5.3. Wie zufrieden sind Sie mit den Sicherheitskräften?
2.1.3.5.4. Die gefühlte Sicherheit während der WM 2006 in Deutschland
2.1.3.5.5 Zufriedenheit mit der Organisation?
2.1.3.5.6. Unterteilung der Befragten nach dem angegebenen Interesse für Fußball
2.1.3.5.7. Das Motto der WM und die Rolle als Gastgeber
2.1.3.5.8. Zufriedenheitsgrad über das Bild, das Deutschland während der Weltmeisterschaft abgegeben hat
2.1.3.5.9. Welches Team wurde bei der Fußball WM 2006 in Deutschland unterstützt?
2.2. Qualitative Daten
2.2.1. Einleitung
2.2.2. Kategoriensysteme
2.2.2.1. Organisation
2.2.2.2. Soziale Dimension
2.2.3. Fazit

III. Diskussion der Ergebnisse

IV. Anhang
1. Fragebogen Gastgeber
2. Fragebogen Gäste
3. Prozentualer Anteil aller Befragten Gäste nach ihrem Herkunftsland

V. Literaturverzeichnis

Danksagung

Am Ende eines Projektes und am Anfang der Präsentation seiner Ergebnisse wird einem bewusst, gar bewusster, wie viele Menschen an der Verwirklichung einer Arbeit tatsächlich beteiligt waren.

Vor neun Monaten schlug Uwe Albrecht seinem Kollegen Gürcan Kökgiran – beide studieren im Studiengang Sozialwissenschaft mit Schwerpunkt Interkulturelle Beziehung an der Hochschule Fulda – eine Studie über die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland vor. Der Anlass war das Motto dieser Weltmeisterschaft: „Die Welt zu Gast bei Freunden™“.

Beide setzten sich in der Folgezeit zusammen und schrieben ein Exposé darüber, welche Punkte man im Zusammenhang des Mottos mit dem WM-Rahmenprogramm zu untersuchen anstrebte. Infolge und nach der Vorstellung des Exposés kam nach Monaten intensiven Forschens dieser Bericht zustande. Gleich in der Anfangsphase stießen Anna-Lena Schmitt und Andreas Schott hinzu und gestaltete diese entscheidend Studie mit. An dieser Stelle soll all denjenigen gedankt werden, ohne deren Unterstützung und Mitwirkung diese Arbeit nicht zum Abschluss gekommen wäre.

Zuerst gebührt unser außerordentlicher Dank unserem Dekan Prof. Dr. Heinrich Bollinger, vor allem für sein Vertrauen, das er in dieses Projekt von Anfang an gesetzt hat. Neben der großzügigen persönlichen, strukturellen und finanziellen Unterstützung, die er uns zukommen ließ, wirkte sich sein Vertrauen in dieses Projekt motivierend für uns aus. In ihm besaßen wir in unserem Fachbereich einen besonderen Fürsprecher, ohne dessen Betreuung dieser Bericht wenig Aussicht auf Erfolg gehabt hätte.

An unsere Studiengangsleiterin Prof. Dr. Gudrun Hentges ergeht ebenso unser besonderer Dank. Auch sie stand uns als Ansprechpartnerin mit Rat und Tat stets zur Verfügung. Sie gewährte uns während der Vorlesungszeit Freiräume, um an unserem Projekt weiter zu arbeiten. Ferner hatten wir auch mit ihr eine Befürworterin des Projektes.

Wir danken auch unserer Studiengangskoordinatorin Antje Carson (M.A.) für die stete Hilfsbereitschaft, besonders für die Unterstützung in organisatorischen Belangen in der Vorbereitungsphase des Berichtes.

Einen besonderer Dank möchten wir an Michael Kreißl richten, der für die Auswertungsphase der Fragebögen von Herr Prof. Dr. Bollinger angeworben wurde, um uns in die Statistik- und die „SPSS“-Welt einzuführen.

Seine Kompetenz und Erfahrung auf diesem Gebiet waren von bedeutendem Wert in der Auswertungsphase. Er gab uns viele wichtige Ratschläge bei der Auswertung sowie beim Entwerfen des Projektberichtes und war eine große Hilfe bei der Bewältigung von Problemen.

Bei Frau Prof. Dr. Almut Zwengel möchten wir uns für die Unterstützung während der gesamten Laufzeit unseres Projektes bedanken.

Doch von unschätzbarer Bedeutung waren der Einsatz folgender Kommilitonen und Kommilitoninnen, die Zeit und Mühen während den quantitativen und qualitativen Datenerhebung während der WM opferten, aber auch schon im Vorfeld der Studie in ihrer Freizeit an den Vorbereitungen für diese Studie fleißig teilnahmen. Diesen kann nicht lange genug gedankt werden, da diese Arbeit ohne deren Einsatz schlichtweg nicht zustande gekommen wäre. So möchten wir Benjamin Gebel und Eileen Ullrich für die Hilfe bei der Erstellung der Fragebögen und ihren Einsatz bei der quantitative Datenerhebung danken. Kristina Kammler kümmerte sich um die Mediengruppe und war bei der quantitativen Datenerhebung dabei. Darüber hinaus war sie mit den BMI-Berichten und Recherche beauftragt. Laura Paul half bei der Erstellung der Fragebögen mit, kümmerte sich um die BMI- Berichte und führte im Vorfeld wichtige Interviews in der WM-Stadt Leipzig. Stefan Enders, Alberto Cerezo und Philipp Weidemann stellten sich als unermüdlicher Interviewer während den qualitativen Erhebungen mit Kamera heraus. Philipp arbeitete daneben auch in der Sponsorengruppe. Tobias Engelhardt gestaltete unsere Homepage und nahm an den Befragungen teil. Laura Tschan war an der Erstellung von Fragebögen beteiligt und führte in mehreren WM-Städten quantitative Datenerhebungen durch. Sie nahm an einer DB-Training Schulung teil und war für die WM-Stadt Hamburg zuständig.

David Kemnade war in der Mediengruppe tätig und nahm an der quantitativen Datenerhebung in der WM-Stadt Frankfurt am Main teil. Er war für die WM-Stadt Dortmund zuständig. Seda Güler nahm an den Befragungen teil und war für die WM-Stadt Hannover zuständig. Wir danken allen für ihren unermüdlichen Einsatz.

In der Auswertungsphase arbeitete Boris Hoettinger zunächst an der Gliederung und war später entscheidend bei der Darstellung der qualitativen Ergebnisse beteiligt. Jakob Maschke war an der redaktionellen Erstellung des Berichtes und der Transkription und Bearbeitung von Interviews und Filmaufnahmen beteiligt. Beide arbeiteten an der quantitativen wie auch qualitativen Auswertung mit und ihre Anregungen waren stets inspirierend und flossen an vielen Stellen der Auswertung in den Bericht ein. Hüsniye Sagirmahmutoglu brachte sich immer dort ein, wo eine helfende Hand benötigt wurde. Ihr Aufgabengebiet war die Medienanalyse, Literaturrecherche und die strukturelle Dokumentation der Forschungsergebnisse. Ihnen allen danken wir für den Einsatz und das Vertrauen.

Wir danken auch Frau Heidi Lauer und Frau Bianca Jörges für ihre freundliche Unterstützung bei der umfangreichen Korrespondenz. Daneben danken wir allen Dozenten, Kommilitonen und Kommilitoninnen, die uns in irgendeiner Form ihre Hilfe zukommen ließen, die wir aber hier nicht erwähnten.

Teil 1 Die sozialwissenschaftliche Untersuchung über die optionale Stereotypenverschiebung der Gäste während der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland

Einleitung

Am 09. Juni 2006 begann mit dem Eröffnungsspiel in der Allianzarena in München die Fußballweltmeisterschaft 2006. Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel, bezeichnete die Fußball-WM als „eine einmalige Chance für Deutschland, sich der Welt als gastfreundliches, fröhliches und modernes Land der Ideen zu präsentieren." Das WM-Organisationskomitee (OK) der FIFA hatte für dieses Ereignis das Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden™“ entworfen. Die Organisatoren – viele einflussreiche Institutionen, Wirtschaftsunternehmen und politische Organisationen – wollten die internationalen Fußballfans willkommen heißen und Deutschland als ein weltoffenes und gastfreundliches Land präsentieren.

Die Konzeption der WM-Rahmenorganisation umfasste unter anderem Fan-Meilen und Public Viewings in den zwölf WM-Städten sowie ein vielfältiges Kunst- und Kulturprogramm. Das WM-Rahmenprogramm in den WM-Städten vor Ort sah eine Vielzahl von Veranstaltungen vor und stellte dadurch einen speziellen örtlichen Rahmen für die Masse der zu erwartenden internationalen, aber auch heimischen Besucher zur Verfügung.

So hatte beispielsweise das WM-Organisationskomitee (OK) die Koordinationsstelle für Fanprojekte (KOS) bei der Deutschen Sportjugend mit der Umsetzung des Mottos „Die Welt zu Gast bei Freunden™" im Fanbereich beauftragt.

Aus der Konzeption des zur „Fußball WM 2006“ zugrunde liegenden Rahmenprogramms und dessen Umsetzung entstand ein Forschungsfeld, das im Hinblick auf die Forschungsfrage „ ob die Organisation und deren Umsetzung der WM 2006 in Deutschland unter dem Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden™“ das Fremdbild der Gäste von Deutschland und seinen Bewohnern beeinflussen“ wird, untersucht wurde.

Es wurde also die optionale Stereotypenverschiebung der Gäste innerhalb der WM-Rahmenorganisation erforscht.

Das Forschungsfeld bot für uns drei Untersuchungsdimensionen:

1. Eine organisatorische Dimension
2. Eine soziale Dimension
3. Die Schnittstelle dieser beiden Dimensionen, also die künstlich generierten Untersuchungsfelder (Fan-Meilen und Public Viewings), in denen soziale Interaktionen statt gefunden haben.

Durch die WM-Rahmenorganisation entstand eine komplexe Realität par excellence. Sie fiel (a) durch ihren „Ausnahmezustand“ vom Alltäglichen vor Ort auf, (b) wegen der dem Ort des Geschehens zugrunde liegenden Konzeption und (c) deren organisatorischen Umsetzung. Merkmale der WM-Rahmenorganisation für die Stereotypie relevante Bezugspunkte wie Gastfreundlichkeit, Organisation, Service und weitere Punkte wurden von den Gästen während eines euphorischen Erlebens rezipiert. Die geschaffene Realität bot Bezugstandards, die im Rahmen der WM konzeptionell definiert wurden.

Im Vorfeld der Fußball-WM wurden Interviews mit Vertretern des Bundesministerium des Inneren, des Kultusministeriums Baden-Württembergs, der WM-Stadt Leipzig, der Deutschen Bahn-Training und der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) geführt, sowie gedruckte und elektronische Medien ausgewertet.

Die Datenerhebungsphase, vom 09.06. bis 09.07.2006, fand in den WM-Städten Frankfurt a. M., Kaiserslautern, Hamburg, Leipzig und Berlin statt und beinhaltete die quantitative wie auch die qualitative Erhebung von Daten, die im Hinblick auf das Erkenntnisinteresse und die Hypothesen in diesem Bericht ausgewertet wurden.

I. Einführung

1. Das WM Gastgeberkonzept

Die WM 2006 bot ein enormes Potential zur Imagepflege für das Gastgeberland Deutschland. Die Bundesregierung, das von Franz Beckenbauer geleitete Organisationskomitee (OK) und die WM-Städte beschlossen gemeinsam, Deutschland als freundlichen, weltoffenen und sympathischen Gastgeber zu präsentieren. Die Welt sollte zu Gast bei Freunden sein.

Dieses Gastgeberkonzept wurde mit dem Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden™“ auf den Punkt gebracht, was zugleich ein Novum in der WM-Geschichte darstellte, da es zum ersten Mal ein Slogan für solch ein Fußballereignis gab. Das Motto sollte dazu beitragen, dass sich die Bewohner des Landes als „Gastgeber“ identifizierten und die Gäste willkommen heißen.

Die Ziele und Kernbotschaften dieses Gastgeberkonzeptes beinhalteten folgende Punkte:

1. Es sollte während der WM ein positives Bild von Deutschland und seinen Bewohnern vermittelt werden, was durch die Rolle des Gastgebers unterstrichen werden sollte.
2. Zweitens wollte man durch die Fußballweltmeisterschaft Deutschland als wirtschaftlichen Standort stärken.
3. Drittens sollte Deutschland als touristisches Ziel angepriesen werden.

Ein wichtiges Element bei der Umsetzung war hierbei, die Wohnbevölkerung Deutschlands für das Event an sich zu begeistern.

Wesentliche Bausteine für die Umsetzung des Gastgeberkonzeptes stellten das Standort-Marketing für Deutschland, die Service- und Freundlichkeitskampagne und das Kunst- und Kulturprogramm dar. In Kooperation von Bund und Ländern wurde ein nationales Sicherheitskonzept erstellt und die Infrastruktur ausgebaut. Hinzu zählten natürlich auch die organisatorischen Vorbereitungen der WM-Städte mit den Fan-Meilen, die Ausbildung von Volunteers, interkulturelle Weiterbildungen für den Dienstleistungssektor und das Polizeipersonal inklusive sprachlicher Weiterbildung.

Über das Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden™“

Das offizielle Motto der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland für das Rahmenprogramm stammt von André Heller und wurde am 19. November 2002 im FIFA WM-Stadion in Gelsenkirchen vorgestellt.

Das Motto wurde sinngemäß ins Englische „A time to make friends™“, ins Französische „Le rendez-vous de l'amitié“ und ins Spanische „El mundo entre amigos“ übersetzt.

Die WM-Volunteers, freiwillige Helfer während der WM, trugen T-Shirts, auf deren Rückseite die englische Version des Mottos „ A time to make friends™“ aufgedruckt war.

Das Bundesverkehrsministerium druckte 55 Willkommenstafeln mit dem Aufdruck „Willkommen“ in verschiedenen Sprachen, 51 Infotafeln mit „Die Welt zu Gast bei Freunden“ und 19 Infotafeln mit der Aufschrift „A time to make friends“. Die Kosten für die Willkommenstafeln trug der Bund, die Informationstafeln wurden von der FIFA finanziert.

Am 9. Februar 2006 brachte die Deutsche Post AG fünf Zuschlagbriefmarken für den Sport heraus, wovon sich vier auf die Fußballweltmeisterschaft 2006 bezogen. Auch wurden silberne WM-Gedenkmünzen mit der Randschrift „Die Welt zu Gast bei Freunden“ gedruckt.

2. Forschungsfrage und ihre Explizierung

Die Forschungsfrage:

„Wird die Organisation der WM 2006 in Deutschland und deren Umsetzung unter dem Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden™“ jenes Fremdbild der Gäste, die zur WM nach Deutschland gereist sind, von a) Deutschland und b) von den Bewohnern Deutschlands beeinflussen?“

Der zentrale Forschungsgegenstand dieser Studie stellt die Beeinflussung des Fremdbildes der Menschen dar, die sich auf großen sportlichen und soziokulturellen Events begegnen und dem Phänomen der sozialen Distanzierung in Form von negativer Stereotypisierung. Mit der Fußball-WM 2006 unter dem Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden™“ hatten die an der Rahmenorganisation der WM beteiligten Institutionen eine Zielsetzung gesteckt, die neben dem Gedanken der Völkerverständigung, auch einen positiven wirtschaftlichen Effekt, sowie eine positive Außendarstellung Deutschlands anstrebte.

Nun existieren in der Stereotypenforschung verschiedene theoretische Ansätze rund um das Fremdbild. Im Hinblick auf die weit reichende Organisation der Fußball-WM 2006 in Deutschland galt es zu betrachten, welche Zusammenhänge der von den Organisatoren generierte Rahmen zur Verschiebung der Heterostereotype der Gäste bieten kann. Im Bezug auf den soziokulturellen Ansatz in der Stereotypenforschung untersuchten wir den temporären Einfluss durch die Inszenierung der WM auf Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen. Der Forschungsfrage lag die Annahme zugrunde, dass in Verbindung mit der „dynamischen“ Definition von Stereotypien nach Dröge (Dröge 1967) davon ausgegangen werden kann, dass stereotype Überzeugungen von außen durch künstlich geschaffene Veränderungen beeinflusst werden können.

Der Untersuchungsgegenstand lag im Forscherinteresse einer auf die interkulturelle Beziehung abzielenden Sozialwissenschaft. Als Studenten des BASIB Studienganges der Hochschule Fulda lag es nahe, das sich im Rahmen der Fußball-WM 2006 in Deutschland eröffnende Feld empirisch zu untersuchen. Dabei vereinigte das Forschungsfeld drei Dimensionen, die aus sozialwissenschaftlicher Perspektive mit einem Schwerpunkt auf interkulturelle Beziehungen sinnvoll zu erforschen schienen. Die erste Seite des Forschungsfeldes beinhaltete eine organisatorische Dimension, die zweite eine kommunikativ-gesellschaftliche und die dritte Dimension bildete die Schnittstelle dieser beiden. Im theoretischen Teil fokussieren wir die Stereotypenforschung dieser Schnittstelle, eben immer dann und immer dort, wenn sich Menschen innerhalb der WM-Rahmenorganisation aus verschiedenen kulturellen Rahmen begegneten.

Mit dem Ergebnis der Untersuchung soll eine tendenzielle Aussage über die anvisierte Zielsetzung der WM-Rahmenorganisatoren „das heterostereotype Bild der Gäste von Deutschland und den Bewohnern positiv zu verschieben" gemacht werden, auch im Hinblick einer erstrebten interkulturellen Verständigung. Unser Erkenntnisinteresse galt der Frage, ob die konzeptionelle Zielsetzung der Organisation – die Präsentation Deutschlands als gastfreundliches Land und die positive Beeinflussung des Fremdbildes der Gäste – ausgehend von unseren Forschungsergebnissen als Erfolg oder Misserfolg gewertet werden kann.

3. Zur Stereotypenforschung

3.1. Allgemeine Definitionen

3.1.1. Stereotypie

Schematisierte, auf relativ wenige Orientierungspunkte reduzierte, längerfristig unveränderte und trotz neuer oder sogar gegenteiliger Erfahrungen starre, verfestigte Vorstellung über spezielle Wesens- und Verhaltensmerkmale anderer Menschen, Menschengruppen und jeglicher sozialen Beziehungsformen. (vgl. Hartfiel 1982)

3.1.2. Selbstbild und Autostereotype

Das Selbstbild (vgl. Hartfiel 1982) meint die Gesamtheit der Vorstellungen, Urteile, Bewertungen einer Person über sich selbst. Mit Autostereotyp bzw. dem Selbstbild also ist die relativ starre Vorstellung, die eine Person (zumeist positiv) über sich selbst hat, verbunden.

3.1.3. Heterostereotyp, Fremdstereotyp und Fremdbild

Bezeichnungen für verfestigte, oft vorurteilsgeladene Vorstellungsbilder eines Individuums oder einer Personengesamtheit über andere Personen, Gruppen, größere soziale Gebilde und fremde Gesellschaften, denen bestimmte Eigenschaftsprofile unterstellt werden. (vgl. Hartfiel 1982)

3.1.4. Nationalstereotyp, ethnischer Stereotyp

„Da wir unsere soziale Umwelt in eine Vielzahl Gruppen aufteilen, verfügen wir auch über viele Arten von Stereotypen (z.B. Geschlechterstereotyp, Rassenstereotyp). Beruht die Charakterisierung einer Person auf der Kenntnis ihrer Nationalität oder Volksgruppenzugehörigkeit, spricht man von einem nationalen bzw. ethnischen Stereotyp. (Stapf, Stroebe, Jonas, 1986:15)“.

3.2. Genese und Funktionen von Stereotypen

Beschäftigt man sich mit dem Phänomen „Stereotyp“ ist die primäre Frage neben der Definition des Begriffs, wie es überhaupt zur Bildung von Stereotypen kommt und welche Funktionen ihnen innewohnen.

Allerdings kann man die zuletzt genannten Aspekte des Phänomens nicht voneinander trennen, da die Entstehung von Stereotypen an deren Funktionalität gebunden ist.

So konstatierte schon Lippmann, dass Stereotype „Ökonomien der Wahrnehmung und Reizverarbeitung (Gredig, 1994:10)“ seien. Stereotype und -typisierungen strukturieren und systematisieren die Umwelt in überschaubare Partien und fungieren somit als Orientierungshilfe im alltäglichen Leben.

„Hierin liegt die Ökonomie. Denn der Versuch, alle Dinge frisch und im Detail zu betrachten statt als Typen und Verallgemeinerungen, erschöpft und kommt bei eiligen Angelegenheiten praktisch überhaupt nicht in Frage (Lippmann, 1990:67)“.

Die Kategorisierung und Verallgemeinerung wird an dieser Stelle also als kognitiver Prozess dargestellt, Stereotypen dienen als „Referenzsystem“ (Gredig, 1994:20).

Darüber hinaus wohnt ihnen aber auch eine soziale Funktion inne. Die Entstehung von und die Integration in Gruppen hängt von der Schaffung eines Wir-Gefühls ab. Das Charakteristikum der einen Gruppe ist wiederum an die Relation zu einer anderen Gruppe gebunden, die „Abgrenzung von“ und die „Eingrenzung in“ durch Verallgemeinerungen und Typisierungen bietet Orientierung.

„Die Charakteristika der eigenen Gruppe ... erhalten den Großteil ihrer Bedeutung erst in Relation zu wahrgenommenen Unterschieden zu anderen Gruppen und zu den Wertkonnotationen dieser Unterschiede (Gredig, 1994:25)“.

Mit der Stereotypenbildung aufgrund von Intergruppenverhalten und Gestaltung sozialer Identität hat sich vor allem Tajfel in seinem sozialpsychologischen Ansatz beschäftigt.

Eine weitere Funktion von Stereotypen ist die politische, beziehungsweise die so genannte „Sündenbock-Theorie“. Durch die Lenkung des „revolutionären“ Potentials an die Peripherie (durch Stereotype) kann man diesem Ansatz zufolge politische Macht integrieren und stabilisieren und von dem innenpolitischen Raum fernhalten. Dieses „Sündenbock-Prinzip“ findet seine Vertreter unter denen des psychologischen Ansatzes und in Form der so genannten Frustrations-Aggressions-Theorie aus individuell- motivationaler Seite im motivationalen Ansatz.

Dass Stereotype durch kognitive Prozesse entstehen, steht außer Frage. Allerdings muss dieser Prozess an bestimmte Determinanten gebunden sein. Diese Determinanten können also (sozial-)psychologisch oder politisch gefärbt sein.

In der Wissenschaft und Literatur existiert ein weiterer Ansatz, der so genannte soziokulturelle Ansatz. Dieser Ansatz geht von der Prämisse aus, dass im Entstehungsprozess von Stereotypen diese an einen bestimmten Rahmen gebunden sind, innerhalb dessen Typisierungen generiert werden.

Dieser Rahmen oder Raum sei kulturell, beziehungsweise soziokulturell abgegrenzt. Durch Sozialisation und Internalisierung werden bestimmte Stereotype übernommen, welche innerhalb dieses Raumes mehr oder weniger konsensual vertreten sind.

Unter diesem Ansatz werden fünf Aspekte subsumiert, welche die soziokulturellen Bedingungen für die Entstehung von Stereotypen erklären: Gruppenbildungen und Gruppenkonflikte, Bildung und Schicht, Bezugsgruppen, soziokulturelle Normen und Sozialisation (Stapf, Stroebe, Jonas, 1986:19).

Demnach spielen vor allem die soziokulturellen Normen und die Sozialisation eine eminente Rolle bei der Entstehung und Entwicklung von Stereotypen.

„Da soziokulturelle Normen ein kulturell verbreitetes Bezugssystem für die Bewertung von Verhalten und Persönlichkeitseigenschaften liefern (Sherif & Sherif 1969), üben sie einen Einfluss auf Bewertung der einen Nation oder Volksgruppe zugeschriebenen Attribute und damit die Einstellung zu dieser Gruppe aus (Stapf, Stroebe, Jonas,1986: 21)“. Der Einfluss der Sozialisation ist ebenfalls an den sozialen und kulturellen Rahmen gebunden, in der sie stattfindet. Innerhalb der Sozialisation kommt es zur Internalisierung von kultur- und gesellschaftsbedingten und akzeptierten Normen und Werten. Diese implizieren wiederum Informationen und Bewertungen über zum Beispiel andere ethnische beziehungsweise nationale Gruppen. In diesem Zusammenhang sind auch die Massenmedien als weiterer Faktor zur Informationsvermittlung und Basis für Schlussfolgerungen und Überzeugungen nicht zu vernachlässigen (Stapf, Stroebe, Jonas, 1986:22).

Zusammenfassend werden in Wissenschaft und Theorie Stereotype aus unterschiedlichen Ansätzen (dem kognitiven, dem psychologischen, dem motivationalen und dem soziokulturellen) heraus erklärt und ihnen werden bestimmte Funktionen (kognitiv, sozial, politisch, individuell-motivational) zugeschrieben.

Betrachtet man die Literatur zum Gegenstand „Stereotype“ wird schnell sichtbar, dass zwar einige Definitionen und Erklärungsansätze vorgenommen wurden, jedoch kein Konsens über Inhalt und Charakter des Begriffs und der sozialen Erscheinungsform „Stereotyp“ herrscht. Oft wird der Begriff nicht abgegrenzt, mit „Vorurteil“ gleichgesetzt und mit rein negativen und unveränderbaren Konnotationen und Merkmalen versehen.

Besonders die so genannte Rigidität von stereotypen Überzeugungen ist häufig anzutreffen.

„soll Rigidität (…) nicht in der relativierenden Gestalt einer Kann-Formel, sondern als unerlässlicher Bestandteil in die Definition von Stereotypen eingehen (wird) (Gredig 1994:15)“.

Allerdings wird diese Aussage nicht übergreifend vertreten und in wie fern es für bestimmte Ansätze, Definitionen oder Situationen ausgeklammert werden kann, ist im Weiteren klärungsbedürftig.

3.3. Einblick in den Stand der Forschung

3.3.1. Die TNS-Emnid-Befragung zur Fußballweltmeisterschaft 2006

TNS Emnid, ein Markt-, Media- und Meinungsforschungsinstitut im Projektbereich der empirischen Sozialforschung, hat im Auftrag des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung eine demoskopische Untersuchung zum „Image von Deutschland – Fußballweltmeisterschaft 2006“ durchgeführt.

Die telefonischen und partiell persönlich-mündlichen Repräsentativbefragungen wurden in elf Ländern (Brasilien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Mexiko, Niederlande, Südafrika, USA, Polen und Russland) im Zeitraum vom 17. August 2004 bis zum 12. September 2004 durchgeführt.

Die Untersuchung fokussierte zwei Themenschwerpunkte. Zum einen wurden Fragen zum (Fremd-)Image von Deutschland und den Deutschen im Ausland gestellt, zum anderen ging es um die Kenntnis und die Erwartungen des Auslands an Deutschland als Austragungsort der Fußball-WM 2006.

Folgende Themen wurden genauer abgefragt:

Ein Eigenschaftsprofil in Bezug auf die Deutschen, die Beurteilung der bilateralen Beziehungen, das Ansehen der deutschen Bundesregierung im Ausland, die Beurteilung Deutschlands in politikrelevanten Bereichen, eine Eigenschaftstypologie Deutschlands, die Bekanntheit des Austragungsortes der WM 2006, die zu erwartende Medienrezeption der WM 2006, die Beurteilung verschiedener Aspekte der WM 2006 und das persönliche Interesse am Fußball.

Die Untersuchung wurde von unterschiedlichen, in den jeweiligen Ländern ansässigen Instituten mit je 500 Personen (Polen: 1000 Personen) durchgeführt.

Die Fragebögen wurden in die Sprachen der jeweiligen Länder übersetzt, die durchschnittliche Interviewdauer lag bei 7 Minuten. Die Fragen wurden zumeist skaliert abgefragt, mit der Beurteilungsoption von „sehr positiv“ (1) bis zu „sehr negativ“ (6), die mittleren Codes (3 und 4) werden als neutral eingestuft.

Das Eigenschaftsprofil der Deutschen wurde in Form semantischer Differentiale abgefragt. Hierbei sollten die Eigenschaften „gastfreundlich“, „tolerant“, „sympathisch“, „fröhlich“, „fleißig“ und „weltoffen“ anhand der 6er-Skala beurteilt werden. So konnten die Probanden die Deutschen zum Beispiel als „fröhlich“ (1, sehr stark zutreffend) bis „ernst“ (6, sehr stark zutreffend) einschätzen.

Die Ergebnisse wurden größtenteils anhand des so genannten „Saldos“ angegeben, dass heißt, dass die positiven mit den negativen Ergebnissen verrechnet werden, der Saldo kann einen Wert zwischen „+100“ (alle Personen antworten positiv) und „-100“ (alle Personen antworten negativ) annehmen.

Zusammenfassend präsentiert TNS Emnid die Ergebnisse bezüglich des Images von Deutschland insofern, als dass im Schnitt die Deutschen als eher „fleißig“ und „fußballbegeistert“ eingeschätzt wurden. Hinsichtlich der „emotionalen“ Züge „Gastfreundlichkeit“, „Toleranz“, „Sympathie“ und „Fröhlichkeit“ wurden diese im Fremdbild weniger positiv beurteilt.

In Bezug auf die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland sei das Ergebnis der Erwartungen der potentiellen Gäste, dass die WM in Deutschland „perfekt“ organisiert werden wird, eine hohe Sicherheit gewährleistet werde und die Stimmung enthusiastisch werden wird.

3.3.2. Das AIESEC-Projekt zur Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland

Die internationale Studentenorganisation AIESEC hat zur WM 2006 Gäste aus aller Welt zu unterschiedlichen Aspekten der WM und Deutschland als Austragungsort befragt.

Das Projekt wurde in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Marketing der Universität Leipzig durchgeführt. Es wurden Befragungen in allen 12 WM-Städten durchgeführt, von mehr als 150 Mitgliedern aus über 20 Ländern der Studentenorganisation. Die quantitativen Befragungen fanden vor den jeweiligen Vorrundenspielen statt, im Zeitraum vom 9. bis zum 14. Juni, die Ergebnisse wurden noch während der WM, am 22. Juni 2006, präsentiert.

Das Projekt setzte sich als Forschungsfrage „Fühlt sich Die Welt zu Gast bei Freunden™?“ in Anlehnung an das Motto der WM „Die Welt zu Gast bei Freunden™“.

Der Fragebogen wurde folgendermaßen konzipiert:

Es wurden unterschiedliche Aspekte zu den einzelnen WM-Städten wie zum Beispiel die Frage nach der Stimmung, der Sauberkeit, den Shopping-Möglichkeiten, zur Freundlichkeit der Gastgeber und zur Organisation der WM befragt. Insgesamt umfasst der Fragebogen 20 Fragen zur WM und 4 Fragen zu persönlichen Angaben. Die Interviewten hatten jeweils eine 10er-Skala zur Beantwortung der Fragen zur Verfügung, die „0“ zählte als niedrigste Bewertung, die „10“ als höchste Bewertung. Der Fragebogen wurde in alle 17 Sprachen der WM-Teilnehmerländer übersetzt. Die Datenbasis umfasste 3930 Fragebögen und soll im Ergebnis ein repräsentatives Bild der Gäste über Deutschland präsentieren.

Im Ergebnis wurden die Durchschnittswerte der Bewertungen der einzelnen Städte dargestellt. Dabei wurde der Stadt mit dem besten Wert der Rang 1 und den zwei Städten mit den schlechtesten Werten der Rang 3 vergeben. Die Städte, welche sich dazwischen befinden, bekamen den Rang 2 zugewiesen.

Nach Analyse der Einzelergebnisse kam AIESEC[1] schließlich zum dem Fazit, dass sich „Die Welt zu Gast bei Freunden™“ fühle und gratuliert den WM-Organisatoren, den WM-Städten und den Gastgebern.

3.3.3. Traditionelle Erfassungsmethoden von Stereotypen

Die älteste und „zugleich am häufigsten“ (Ganter, 1997:6) verwendete Erhebungsmethode geht auf die Arbeit von Katz und Braly aus dem Jahre 1933 zurück und stellt eine einfache Art der Erfassung von Stereotypen dar. Bei der so genannten Katz/Braly-Methode, die auch als Eigenschaftslisten-Verfahren bezeichnet wird, sollen individuelle Eigenschaftszuschreibungen für soziale Gruppen gemessen werden.

Den befragten Personen wird eine Liste mit Adjektiven vorgelegt, welche sie bestimmten, ebenfalls aufgelisteten ethnischen Gruppen zuordnen sollen. Die am häufigsten genannten Charakteristika einer jeweiligen sozialen Gruppe werden dann in einer Rangliste zusammengefasst und so als Stereotype interpretiert.

Die Popularität, die diese Erfassungsmethode genießt, kann mit der relativen Einfachheit der Durchführung begründet werden: „The obvious advantage of this technique is its simpilicity. It is easy to administer and easy to interpret, at least at the group level.“ (Gardner, 1994:7)

Auch die Brigham-Methode arbeitet mit der Vorgabe einer Liste von Attributen. Im Gegensatz zu der Katz/Braly-Methode werden hierbei von den befragten Personen nicht einfach Eigenschaften genannt, die diese in Verbindung zu ethnischen Gruppen setzen sollen. Bei der Brigham-Methode sollen die befragten Personen den Prozentsatz angeben, in wie weit nach ihrer Vorstellung die genannten Attribute in der zu beurteilenden sozialen Gruppe existent sind. Mit dieser Methode ist somit die Möglichkeit gegeben, differenziertere Angaben der aufgeführten Attribute über eine soziale Gruppe zu machen, als es die Katz/Braly-Methode zulässt. Zudem kann davon ausgegangen werden, dass die Befragten jedes der vorgelegten Attribute berücksichtigen, „so dass sich ein umfassenderes, nicht nur auf wenige besonders „typische“ Merkmale beschränktes Bild der jeweiligen Stereotypen ergibt.“ (Ganter,1997:9)

Das Verfahren von McCauley und Stitt ist die „diagnostic ratio“ und baut im ersten Schritt nahezu analog auf die beschriebene Brigham-Methode auf. Nachdem die Befragten prozentuale Angaben gemacht haben, wie ausgeprägt die genannten Attribute in der zu beurteilenden sozialen Gruppe existieren, sollen diese in einem zweiten Schritt die Intensität der selben Attribute, ebenfalls mit Angaben von Prozenten, in Bezug auf alle Menschen schätzen.

Die von Osgood entwickelte Methodik des „semantischen Differentials“, wurde in den deutschen Sprachraum durch Hofstätter in Form des „Polaritätenprofils“ in die Stereotypenforschung eingeführt. (Ganter,1997:11) Beide Methoden zur Erfassung von Stereotypen arbeiten dabei mit einer vorgegebenen Liste von bipolaren Adjektivpaaren wie z.B. aktiv – passiv oder stark – schwach. Die einzelnen Adjektive der jeweiligen Gegensatzpaare stellen dabei die beiden Endpunkte auf einer Skala von 1-7 dar. Die Ziffer 4 verweist dabei auf eine neutrale Position. So haben die Befragten nicht nur die Möglichkeit, die aufgeführten Eigenschaften differenziert zu gewichten, sondern auch die Möglichkeit, eine neutrale Angabe in Bezug auf bestimmte Gruppen zu machen. Die Befragten sollen zu jeder Adjektivskala auf der vorgegebenen Liste einen Punkt markieren, um, wie schon bei der Brigham-Methode, am Ende ein umfassendes Meinungsbild von den interviewten Personen zu bekommen.

[...]


[1] www.aiesec.de/leipzig

[...]


Details

Seiten
139
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638695503
ISBN (Buch)
9783638712194
Dateigröße
3.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v74936
Institution / Hochschule
Hochschule Fulda
Schlagworte
Bericht Einfluss Motto Welt Gast Freunden™“ Stereotype Gäste Die Welt zu Gast bei Freunden Studie Stereotypieforschung Fußballweltmeisterschaft 2006 Fußballweltmeisterschaft 2006 Motto Slogan Fußballweltmeisterschaft Einstellungsforschung der Fremde WM Forschung Stereotypen Vorurteile

Autoren

Teilen

Zurück

Titel: Ein Bericht über den Einfluss der Fußballweltmeisterschaft 2006 unter dem Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden™“ auf Stereotype der Gäste