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Kultur und Bildung bei Theodor Litt

Hausarbeit (Hauptseminar) 2001 26 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

GLIEDERUNG

KULTUR UND BILDUNG BEI THEODOR LITT

A.

ANFANGSGEDANKE: GEGENWÄRTIGE DEFINITION DER BEGRIFFE KULTUR UND BILDUNG

B.

I. THEODOR LITT: SEIN LEBEN, WIRKEN UND WERK
1.1 Lebenslauf
1.2 Die wichtigsten Werke Theodor Litts
1.3 Zur Persönlichkeit Theodor Litts

II. BEDEUTUNG DER BEGRIFFE „KULTUR“ UND „BILDUNG“ BEI THEODOR LITT AM BEISPIEL FOLGENDEN WERKES
2.1 Litts Werk „Pädagogik“ von 1921
2.1.1 Erstes Kapitel
2.1.2 Zweites Kapitel
2.1.3 Drittes Kapitel
2.1.4 Viertes Kapitel
2.1.5 Fünftes Kapitel
2.1.6 Sechstes Kapitel
2.1.7 Siebtes Kapitel

C.

SCHLUSSBETRACHTUNGEN

LITERATURVERZEICHNIS

ANFANGSGEDANKE: GEGENWÄRTIGE DEFINITION DER BEGRIFFE KULTUR UND BILDUNG

Um den Einstieg zum Thema zu erleichtern, sollen die beiden Begriffe Kultur und Bildung vorab definiert werden.

Weder „Kultur“ noch „Bildung“ haben feste Definitionen; die Bedeutung lässt sich immer nur anhand eines aktuellen Diskussionsstandes der Begriffsbestimmungen festhalten.

Aus pädagogischer Sicht kann man den Begriff „Bildung“ beispielsweise als Hilfe dazu betrachten, um mit der Welt und der Umwelt erfolgreich umgehen zu können.

Weiterhin erscheint Bildung – wie es der kulturanthropologische Ansatz zeigt – als etwas, das dazu dient, sich bestimmte Kulturgüter anzueignen und diese weiter zu entwickeln.[1]

Außerdem kann Bildung „(...) als Arbeit an Verhaltensweisen, die das Leben und Überleben als Individuum und als soziales Wesen in einer Gesellschaft sichern (...)“[2], verstanden werden, wenn man den Begriff aus soziologischer Perspektive sieht.

Was den aktuellen Diskussionsstand der Begriffsbestimmung von Bildung betrifft, kann festgehalten werden, dass der Mensch sowohl bildungsfähig als auch bildungsbedürftig ist, dazu aber Hilfe benötigt. Bildung dauere das ganze Leben, man könne nie ganz frei davon sein.[3]

„Formal ereignet sich im Bildungsprozeß die Begegnung von Mensch und Umwelt. Bildung als lebenslanger Vorgang meint die ordnende Orientierung des Menschen

gegenüber der ständig steigenden Flut von Eindrücken, Informationen, neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, gegenüber veröffentlichter und öffentlicher Meinung sowie gegenüber den folgenschweren Zugriffen der Technologie.“ [4]

Wilhelm Helmann legt dies folgendermaßen dar:

„Die Erziehungswissenschaft der Gegenwart versteht unter B. als Vorgang die geistige Prägung durch die Kräfte des gesellsch. und kulturellen Lebens. Diese werden besonders durch die Schule an den jungen Menschen herangetragen. Aber die Begegnung mit ihnen vollzieht sich auch außerhalb der Schule und über das Jugendalter hinaus. Im weitesten Sinn kann das gesamte Leben als einziger Bildungsvorgang aufgefaßt werden.“[5]

Grundsätzlich kann man sagen, der Mensch verwirklicht seine Person im Fortgang der Bildung, wobei er dabei stets selbst für seine Umwelt Verantwortung zu tragen hat.[6]

Kultur meint im Allgemeinen jene humane Lebensform, durch die sich der Mensch vom Tier unterscheidet – dazu gehört z.B. Sprache, Religion, Kunst, Wissenschaft u.a.

Etymologisch geht die Bedeutung des Wortes „Kultur“ auf das lateinische „colere“ - pflegen, bebauen oder „cultura“ zurück – ursprünglich bedeutete es Ackerbau, aber schon bald Veredlung, Seelenbildung.[7]

Mit Kultur kann die Ganzheit von Techniken, Verhaltensmustern, Wissensinhalten, Wertvorstellungen, Sinndeutungen und Symbolsystemen in Verbindung gebracht werden. Somit kann man unter dem Begriff „Kultur“ wohl die Gesamtheit aller materiellen sowie immateriellen menschlichen Schöpfungen zusammenfassen.[8]

Weiterhin sprechen Horney, Ruppert und Schultze von einer „extrasomatischen, sozialen Verbindung“[9], womit die Tradition, d.h. das Überliefern der Kultur von einer Generation zur nächsten gemeint ist.

Kultur ist eine Form der Anpassung, mittels derer der Mensch seine Bedürfnisbefriedigung erlangt. Man kann von einzelnen Teilen – oder Elementen – der Kultur sprechen, die sich in gegenseitiger Balance befinden, so dass die Änderung in nur einem Element das ganze Gleichgewicht verändert. Gründe für die Veränderung innerhalb eines Kultursystems können beispielsweise Kriege oder Seuchen sein, das Aneignen von Teilen aus fremden Kulturgütern oder auch der Widerstand nachfolgender Generationen.[10]

Daraus ergibt sich der stetige Wandel der Kultur, was es so schwierig macht, dem Begriff eine feste Definition zuzuteilen.

I. LEBEN, WIRKEN UND WERK THEODOR LITTS

1.1 Lebenslauf

Theodor Litt wurde am 27.12.1880 als Sohn eines Oberlehrers in Düsseldorf geboren. Dort ging er aufs Gymnasium und erreichte 1899 sein Abitur, nach dem er sogleich in Bonn und Berlin studierte – alte Sprachen, Philosophie und Geschichte.

Ab 1904 wirkte er als Oberlehrer an Gymnasien in Köln und Bonn.

1919 erhielt Litt an der Universität Bonn eine „ausserordentliche Professur“[11] für Pädagogik.

Ein Jahr lang war Theodor Litt von 1931 bis 1932 Rektor der Universität Berlin. 1937 ließ er sich dort auf eigenen Wunsch emeritieren.

Von 1920 war er bis 1947 als Professor für Philosophie und Pädagogik der Universität Leipzig verpflichtet – allerdings mit einer kurzen Unterbrechung, denn nach dem 2. Weltkrieg nahm er in Leipzig seine Lehrtätigkeit nochmals für zwei Jahre auf, das er jedoch wegen eines Rufs auf den Bonner Lehrstuhl für Pädagogik und Philosophie 1947 wiederum verließ. Diese Jahre werden als die sogenannten „Leipziger Jahre“ Litts bezeichnet. In dieser Zeit entwickelte Litt seine Philosophie und brachte wichtige Werke hervor (siehe u.a. 1.2).

Die Bildungsfrage war in Litts Leipziger Jahren eine der zentralen Fragen, die er sich stets stellte, und zwar im Hinblick auf die ständigen Veränderungen und Gefahren, der die Welt ausgesetzt ist. Dabei kamen u.a. Grundfragen im Bezug auf die Anthropologie auf und in welcher Beziehung diese zu den pädagogischen Problemen stehen. Das sind die Themen, die die Leipziger Zeit vorrangig beherrschen.[12]

Litts Hörsäle waren stets überfüllt – bis zu ca. 700 Studenten besuchten seine Vorlesungen, und nicht nur Studenten seiner Fachrichtung.

Es war seine „(...) mitreißende Redekunst, die jeden Hörer in den Bann schlug und ihn unwillkürlich zu gespannter Aufmerksamkeit zwang (...).“[13]

Leipzig zählte damals zu einer der größten Hochschulen mit seinen ca. 5000 Studenten.

Theodor Litt war jedoch nicht nur an der Universität tätig, sondern hielt auch Vorträge auf Fachdiskussion, Kongressen, aber auch bei Schulproblemen.

Zudem gab es sehr viele Veröffentlichungen Litts auf dem Gebiet der Pädagogik und der Philosophie; es waren beinahe 490.[14]

Obwohl Litt für beide Gebiete in Leipzig zuständig war, lag sein Schwerpunkt jedoch eher auf der Philosophie.

„Zu ihr gehören umfassende Konzeptionen, große Würfe, stärker ausgeprägte eigene Sicht, auch mehr Bekundung von Veränderung im Denken Litts. Auf pädagogischem Gebiet handelt es sich dagegen mehr um Diskussionsbeiträge, um Gelegenheitsschriften.“ [15]

Nach seiner Leipziger Zeit lehrte er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1962 in Bonn; im Februar dieses Jahres starb Theodor Litt, nachdem er einige Monate vorher in einer Vorlesung zusammengebrochen war.[16]

Selbstverständlich könnte der Lebenslauf Litts noch viel detaillierter wiedergegeben werden, worauf jetzt allerdings zugunsten des Hauptthemas verzichtet wird.

1.2 Die wichtigsten Werke Theodor Litts

In seinen Leipziger Jahren entwickelt Litt seine Kulturphilosophie und veröffentlicht bedeutende Werke:

Sein erstes Werk erscheint 1918, „Geschichte und Leben. Von den Bildungsaufgaben geschichtlichen und sprachlichen Unterrichts.“ Mit diesem Werk will Litt einen Weg echter geschichtlicher Bildung finden, nachdem der 1. Weltkrieg sein Erleben stark geprägt hat. Hierzu folgt 1924 eine neue Ausgabe mit „Probleme und Ziele kulturwissenschaftlicher Bildung“ als Untertitel.[17]

„Individuum und Gemeinschaft“ entsteht 1919 als sein zweites Werk, in dem er versucht, den Problembereich, den er bereits im ersten Werk anspricht, weiterhin auszudehnen. Als Hilfe dazu sollen Denkansätze aus Kultur- und Sozialphilosophie dienen. 1923 erscheint davon die zweite Auflage.[18]

1921 entstand das Werk „Pädagogik“, welches im Hauptteil dieser Arbeit betrachtet wird (siehe 2.1, S. 7),

1922 folgt „Erkenntnis und Leben. Untersuchungen über Gliederung, Methoden und Beruf der Wissenschaft.“ Darin kommt sein Bemühen zum Ausdruck, das Verhältnis von Geistes- und Naturwissenschaft zu klären.[19]

Die Fortentwicklung seiner bisherigen Gedanken werden im August des Jahres 1924 deutlich in „Die Philosophie der Gegenwart und ihr Einfluss auf das Bildungsideal.“[20]

1926 erscheint ein Überblick bzw. eine Beurteilung über die Geschichte der Philosophie in seiner „Ethik der Neuzeit“. Im selben Jahr noch gibt er ein Buch heraus mit dem Titel „Möglichkeiten und Grenzen der Pädagogik“.[21]

Das Hauptwerk Theodor Litts nennt sich „Führen oder Wachsenlassen. Eine Erörterung des pädagogischen Grundproblems“, erschienen 1927. Darin erörtert er das pädagogische Fundamentalproblem und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Klärung der erzieherischen Existenz.[22]

Weitere Werke folgen: „Wissenschaft, Bildung, Weltanschauung“ (1928), „(...) eine Erarbeitung ueber das Problem, `ob und inwieweit und in welchen Formen die Arbeit an und in der Wissenschaft der `Bildung` des Menschen dienen koenne.`“[23]

1930 gibt Litt „Kant und Herder als Deuter der geistigen Welt“ heraus.

„Einleitung in die Philosophie“ erscheint 1933.

Weitere Werke sind „Berufsstudium und Allgemeinbildung auf der Universität“, „Die Stellung der Geisteswissenschaften im nationalsozialistischen Staate“, „Die Selbsterkenntnis des Menschen“, „Wege und Irrwege geschichtlichen Denkens“, „Der deutsche Geist und das Christentum“ etc.[24]

[...]


[1] vgl. Köck/Ott, 1994, S. 98/99

[2] Köck/Ott, 1994, S. 99

[3] vgl. Köck/Ott, 1994, S. 99

[4] Köck/Ott, 1994, S. 99 (Hervorhebungen im Original)

[5] Hehlmann, 1971, S. 58

[6] vgl. Köck/Ott, 1994, S. 99

[7] vgl. Hehlmann, 1971, S. 319

[8] vgl. Horney/Ruppert/Schultze, 1970, S. 128

[9] Horney/Ruppert/Schultze, 1970, S. 128

[10] vgl. Horney/Ruppert/Schultze, 1970, S. 128

[11] Lang, 1983, S. 11

[12] vgl. Leipziger Universitätsreden, 1993, S. 9

[13] Leipziger Universitätsreden, 1993, S. 18

[14] vgl. Leipziger Universitätsreden, 1993, S. 18

[15] Leipziger Universitätsreden, 1993, S. 20

[16] vgl. März, 1998, S. 687

[17] vgl. Lang, 1983, S. 12/15

[18] vgl. Lang, 1983, S. 13f.

[19] vgl. Lang, 1983, S. 14

[20] vgl. Lang, 1983, S. 15

[21] vgl. Lang, 1983, S. 16

[22] vgl. Lang, 1983, S. 16

[23] Lang, 1983, S. 16

[24] vgl. Lang, 1983, S. 16ff.

Details

Seiten
26
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638147491
Dateigröße
604 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7505
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Pädadogik
Note
2,3
Schlagworte
Kultur Bildung Theodor Litt

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