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Die Diskussion um die Low-Cost-Hypothese für umweltgerechtes Verhalten

Seminararbeit 2004 17 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Begriff „Umweltsoziologie“

3 Grundlagen der Rational-Choice-Theorie (RC-Theorie) und deren Anwendung im Umweltbereich
3.1 Zentrale Aspekte der RC-Theorie
3.2 Der Homo oeconomicus
3.3 Das Problem der Kooperation
3.4 Umweltbewusstsein versus Umweltverhalten
3.5 Die „Low-Cost-These“ am Beispiel des Umweltverhaltens
3.5.1 Kerngedanke der „Low-Cost-These“
3.5.2 Umweltverhalten in Low-Cost-Situationen

4 Studie zum Umweltverhalten von Diekmann und Preisendörfer
4.1 Erhebungsgrundlagen und zentrale Variablen
4.2 Ergebnisse der Studie zum Thema „persönliches Umweltverhalten“ und „Umweltbewusstsein“
4.3 Das Verhalten der Befragten in Low-Cost-Situationen

5 Einflüsse von moralischen Appellen und Anreizsystemen auf das Umweltbewusstsein

6 Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Low-Cost-These des Umweltverhaltens

Abbildung 2: Subjektive Einschätzung des Umweltverhaltens

1 Einleitung

Das Thema Umweltschutz ist nicht ein Phänomen unserer Zeit. Bereits im Jahre 1888 wurde der Begriff „Naturschutz“ durch den Musikprofessor Ernst Rudorff geprägt.[1] Während man sich früher vor allem mit der Erhaltung von Lebensräumen und der Knappheit von Rohstoffen auseinanderzusetzen hatte, wendet sich heute die Aufmerksamkeit vor allem Problemen wie Abfallbeseitigung und die begrenzte Aufnahmefähigkeit der Umwelt zu.[2] Technische Innovationen, welche der Industrie zu einer emissionsmindernden und ressourcenschonenden Produktionsweise verhelfen sollen, werden immer wichtiger.[3]

In der Bevölkerung findet das Thema Umweltschutz ein stetig wachsendes Interesse und zunehmenden Anklang. Viele Menschen fürchten sich vor den Folgen von Umweltzerstörungen: „Wurde 1985 auf eine offene Frage nach dem am meisten ängstigenden Bereich nur 4% der Befragten die Angst vor Umweltzerstörung genannt, waren es 1988/89 bereits 18% und 1992 sogar 22%, damit hatte die Angst vor einer Umweltzerstörung den ersten Rang erreicht.“[4]

Trotz dieser Ängste vor Umweltkatastrophen engagieren sich nur wenige Menschen im Umweltbereich. Das Engagement ist meist mit hohen Kosten verbunden und der Nutzen, welcher ein einzelner aus diesem Engagement ziehen kann, ist dagegen im Vergleich zum Aufwand relativ gering.

In dieser Arbeit werde ich mich speziell auf die Problematik der Anwendung der Rational-Choice-Theorie im Bereich Umwelt konzentrieren, wobei ich hierbei besonders die Aspekte der Low-Cost-Theorie beleuchten möchte.

2 Der Begriff „Umweltsoziologie“

In der Soziologie beschäftigt man sich seit einigen Jahrzehnten umfassend mit dem Thema Umwelt. Mit Hilfe von empirischen Untersuchungen wird auf Umweltprobleme aufmerksam gemacht. Diekmann und Preisendörfer definieren Umweltsoziologie als „[…] jener Teil soziologischer Forschung, der sich mit sozial produzierten ökologischen Problemen und den gesellschaftlichen Reaktionen auf ökologische Probleme befasst.“[5] Dabei stehen folgende drei Fragen im Vordergrund: Als erstes stellt sich die Frage, welche Folgen und Nebenwirkungen Handlungen individueller Akteure (Personen) und korporativer Akteure (Organisationen, Vereine, Firmen) nach sich ziehen. Zweitens soll danach gefragt werden, welche Bedingungen gegeben sein müssen, damit Veränderungen in der Umwelt als ökologisches Problem angesehen werden. Drittens ist die Frage wichtig, wie eine Gesellschaft auf ökologische Probleme reagiert.[6]

3 Grundlagen der Rational-Choice-Theorie (RC-Theorie) und deren Anwendung im Umweltbereich

Im Folgenden werde ich mich mit der Rational-Choice-Theorie und deren Anwendung im Bereich Umwelt beschäftigen. Dabei werde ich besonders auf die zentralen Aspekte der Low-Cost-These eingehen.

3.1 Zentrale Aspekte der RC-Theorie

Die „Rational-Choice-Theorie“ oder auch „Theorie rationalen Handelns“ genannt, versucht kollektive Prozesse und soziale Ereignisse auf der Makroebene der Gesellschaft zu erklären.[7]

Bausteine der RC-Theorie sind, dass erstens die Akteure den Ausgangspunkt bilden, zweitens diese über Ressourcen verfügen, Präferenzen haben und somit zwischen mindestens zwei Alternativen wählen können. Zu den Akteuren gehören allgemeine Personen, in manchen Fällen ist von korporativen Akteuren wie z.B. dem Staat oder Firmen die Rede. Ressourcen beinhalten Zeit, Preise, Einkommen, gesetzliche Verbote etc. Präferenzen zeigen auf, was eine Person bevorzugt. Der dritte Aspekt der RC-Theorie weist auf ein Entscheidungsproblem hin: Wie verhält sich eine Person, welche bestimmte Präferenzen und Ressourcen zur Verfügung hat? Hierbei wird sich eine Person oft so entscheiden, dass der für sie erwartete Nutzen möglichst maximal ausfällt.[8]

3.2 Der Homo oeconomicus

Im Vordergrund der Theorie über den Homo oeconomicus steht, dass das Individuum seinen Nutzen möglichst maximieren will und dabei vor allem das ökonomische Eigeninteresse in den Vordergrund rückt. Durch Anreize soll versucht werden, die Interessen des Homo oeconomicus mit den Erfordernissen für umweltfreundliches Verhalten in Einklang zu bringen. Wie dies in der Realität umgesetzt werden kann, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt klären.[9]

Für das Modell des Homo oeconomicus ist die Entscheidungsregel der Maximierung des Erwartungsnutzens relevant, wobei hierbei als Nutzenargumente nur „harte“, d.h. objektive, messbare Größen wie Zeit oder Geld zugelassen sind. Für die soziologische Sicht der RC-Theorie ist das Modell des Homo oeconomicus jedoch nicht ausreichend, da für die Soziologen u.a. nicht-ökonomische Faktoren wie altruistische Handlungen, der Einfluss sozialer Strukturen etc. einen wichtigen Bestandteil der Theorie ausmachen.[10]

3.3 Das Problem der Kooperation

Die Kooperationsproblematik lässt sich am besten anhand eines Beispiels veranschaulichen: In der Nähe einer Ortschaft ist der Ausbau eines Sportflughafens geplant, was für die Anwohner zu einer erheblichen Erhöhung der Lärmbelästigung führen würde. Die einzig mögliche Chance, diesen Ausbau zu stoppen, besteht darin, dass sich die Anwohner zusammenschließen und gemeinsam gegen dieses Vorhaben vorgehen (durch Leserbriefe, Demonstrationen usw.). Für den Einzelnen bedeutet dies jedoch einen gewissen Verlust der Freizeit und ist damit mit hohen Kosten verbunden. Hinzu kommt, dass das Engagement vergeblich bleibt, wenn sich nicht genügend Anwohner finden, welche auch z.B. an Demonstrationen teilnehmen. Nehmen aber ausreichend Personen an der Demonstration teil, wird diese erfolgreich enden, auch ohne die Teilnahme einer einzelnen Person. Somit fehlt in vielen Fällen der Anreiz zum Kollektivzusammenschluss und das Problem des Trittbrettfahrers entsteht.[11]

3.4 Umweltbewusstsein versus Umweltverhalten

Im Allgemeinen herrscht meist noch die Auffassung vor, dass Umweltbewusstsein automatisch zu Umweltverhalten führt. Umweltbewusstsein wird vom Rat für Umweltfragen als „[…] Einsicht in die Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen durch diesen selbst, verbunden mit der Bereitschaft zur Abhilfe“ definiert.[12] Ergebnisse von Studien widerlegen jedoch diese Annahme: „In einer Metaanalyse von 128 amerikanischen Studien kommen Hines et al. (1986/87) zu einer durchschnittlichen Korrelation zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten in Höhe von 0,35 und auf einer Basis von 17 Studien berichten Eckes und Six (1994) eine durchschnittliche Korrelation von 0,26.“[13]

Dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit oft Welten liegen, veranschaulichen folgende Beispiele: In der westdeutschen Alternativszene gibt es bei weitem mehr Porschefahrer als beim Rest der Bevölkerung, Hauseigentümer von Energiesparhäusern im Grünen wirken zwar auf den ersten Blick besonders umweltfreundlich, müssen jedoch meist eine lange Fahrt zum Arbeitsplatz in Kauf nehmen.[14]

3.5 Die „Low-Cost-These“ am Beispiel des Umweltverhaltens

Im Folgenden werde ich den Kerngedanken der Low-Cost-These und das Verhalten in Low-Cost-Situationen näher erläutern.

3.5.1 Kerngedanke der „Low-Cost-These“

Im Mittelpunkt der Low-Cost-These steht der Gedanke, „[…] dass Umwelteinstellungen das Umweltverhalten am ehesten in Situationen beeinflussen, die mit geringen Kosten und Unannehmlichkeiten verknüpft sind. Je geringer der Kostendruck in einer Situation, umso leichter fällt es den Akteuren, ihre Umwelteinstellungen auch in ein entsprechendes Verhalten umzusetzen.“[15]

Technisch ausgedrückt heißt dies, dass zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten eine höhere Korrelation für Low-Cost-Situationen zu erwarten ist. Der Begriff Kosten wird dabei in weiterem Sinne verwandt, hiermit sind nicht rein finanzielle Kosten gemeint.

Weiterhin wichtig ist, „[…] dass nicht nur additives Einwirken von Umwelteinstellungen und Kostenaspekten auf das Umwelthandeln vermutet wird, sondern ein Interaktionseffekt in der Form, dass die Verhaltenswirksamkeit von Einstellungen in Abhängigkeit von der „Kostenintensität der Situation“ differiert.“[16]

Wie aus Abbildung 1 ersichtlich, ergeben sich die Kosten für umweltfreundliches Verhaltens, welches auf der x-Achse eingezeichnet ist, aus der Differenz des Nettonutzens der nicht umweltfreundlichen Verhaltensalternative und des Nettonutzens der umweltfreundlichen Verhaltensmöglichkeit. „Je größer diese Differenz, desto mehr hat das Verhalten High-Cost-Charakter.“[17]

[...]


[1] Vgl. Cornelsen, Dirk (1991): Anwälte der Natur, S.9.

[2] Vgl. Diekmann, Andreas/ Preisendörfer, Peter (2001): Umweltsoziologie – Eine Einführung, S. 10.

[3] Vgl. Ebenda, S. 12.

[4] Rogall, Holger (2000): Bausteine einer zukunftsfähigen Umwelt- und Wirtschaftspolitik, S. 96.

[5] Diekmann, Andreas/ Preisendörfer, Peter (2001): Umweltsoziologie – Eine Einführung, S. 19.

[6] Vgl. ebenda, S. 19f.

[7] Vgl. ebenda, S. 62.

[8] Vgl. Diekmann, Andreas/ Preisendörfer, Peter (2001): Umweltsoziologie – Eine Einführung, S. 63ff.

[9] Vgl. Diekmann, Andreas/ Preisendörfer, Peter (1996): Homo oeconomicus. Anwendungen und Probleme der Theorie rationalen Handelns im Umweltbereich, S. 90.

[10] Vgl. ebenda, S. 91ff.

[11] Vgl. Diekmann, Andreas/ Preisendörfer, Peter (2001): Umweltsoziologie – Eine Einführung, S. 69.

[12] Diekmann, Andreas/ Preisendörfer, Peter (1998): Umweltbewusstsein und Umweltverhalten in Low- und High-Cost-Situationen, S. 446.

[13] Diekmann, Andreas/ Preisendörfer, Peter (2001): Umweltsoziologie – Eine Einführung, S. 114.

[14] Vgl. ebenda, S. 115.

[15] Diekmann, Andreas/ Preisendörfer, Peter (1998): Umweltbewusstsein und Umweltverhalten in Low- und High-Cost-Situationen, S.439.

[16] Diekmann, Andreas/ Preisendörfer, Peter (2001): Umweltsoziologie – Eine Einführung, S. 118.

[17] Ebenda, S. 118.

Details

Seiten
17
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638796293
ISBN (Buch)
9783638844949
DOI
10.3239/9783638796293
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v75190
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Schlagworte
Diskussion Low-Cost-Hypothese Verhalten Seminar Handelns“

Autor

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