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Die Industrialisierung - Ein Vergleich der gymnasialen Lehrpläne in Bayern und Baden-Württemberg

von Franziska Marschick (Autor)

Seminararbeit 2007 21 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Die Industrialisierung
1. Begriffsbestimmung
2. Das geschichtliche Ereignis
3. Bedeutung für Deutschland
3.1 Bedeutung für Bayern
3.2 Bedeutung für Baden-Württemberg

II. Der Lehrplan als Vermittlungsinstanz
1. Definition
2. Geschichte des Lehrplans
3. Länderspezifische Lehrpläne

III. Die Industrialisierung im Lehrplan - Vergleich zwischen den Lehrplänen des Gymnasiums in Bayern und Baden- Württemberg
1. Erwähnung der Industrialisierung im Lehrplan des bayerischen Gymnasiums
1.1 Achte Jahrgangsstufe
1.2 Zwölfte Jahrgangsstufe
1.3 Vergleich achte und zwölfte Jahrgangsstufe
2. Erwähnung der Industrialisierung im Bildungsplan des baden- württembergischen Gymnasiums
2.1 Achte Jahrgangsstufe
2.2 Zwölfte Jahrgangsstufe
2.3 Vergleich achte und zwölfte Jahrgangsstufe
3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede
3.1 Jahrgangsstufen
3.2 Spiralprinzip
3.3 Stundenangaben
3.4 Regionalität

Literaturverzeichnis
Internetquellen

Einleitung

Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft und Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt (Verfassung des Freistaates Bayern, Art. 131, Abs. 2).

Die Jugend ist in Ehrfurcht vor Gott, im Geiste der christlichen Nächstenliebe, zur Brüderlichkeit aller Menschen und zur Friedensliebe, in der Liebe zu Volk und Heimat, zu sittlicher und politischer Verantwortlichkeit, zu beruflicher und sozialer Bewährung und zu freiheitlicher demokratischer Gesinnung zu erziehen (Verfassung des Landes Baden-Württemberg, Art. 12, Abs.1)

Im ersten Punkt stimmen die beiden Zitate der Landesverfassungen von Bayern und Baden-Württemberg noch überein, doch schon ab dem zweiten Bildungs- und Erziehungsziel wird deutlich, dass verschiedene Schwerpunktsetzungen gewählt wurden.

Dies ist nur ein Beispiel für die Vielfalt an anders lautenden Gesetzen in den einzelnen Bundesländern Deutschlands. Bei den Lehrplänen verhält es sich ganz ähnlich. Durch die föderalistische Struktur der BRD hat jedes Land sein eigenes Curriculum, was zu einer gewissen Unüberschaubarkeit führt. Dies wird zum Problem, wenn Bildung verglichen und optimiert werden soll und bedarf einer genauen Analyse. Um konkrete Aussagen über die Funktionen und die Effizienz der einzelnen Bildungssysteme zu machen, ist es nötig ein Phänomen der Geschichte herauszugreifen und in verschiedenen Lehrplänen zu untersuchen.

In der folgenden Arbeit werden die Lehrpläne des Gymnasiums in Bayern und Baden-Württemberg mit dem Schwerpunkt auf das Ereignis „Industrialisierung“ in Deutschland untersucht[1]. Zuerst wird das Phänomen Industrialisierung und dessen Bedeutung kurz erläutert. Anschließend folgt eine Darstellung der Ergebnisse zur Lehrplanforschung. Daraufhin werden die Curricula des Gymnasiums in Bayern und Baden-Württemberg mit dem Schwerpunkt „Industrialisierung“ miteinander verglichen.

I. Die Industrialisierung

Im Folgenden wird ein kurzer geschichtlicher Überblick über die Industrialisierung als Phänomen des 19. Jahrhunderts in Deutschland gegeben.

1. Begriffsbestimmung

In dem Begriff ‚Industrialisierung` steckt das Substantiv ‚Industrie`, vom lateinischen „industria“, was „Fleiß, Betriebsamkeit“ bedeutet. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wird es im speziellen Sinne von „Gewerbefleiß, Gewerbe“ verwendet und Ende dieses Jahrhunderts als „gewerbliche Fabrikation, Produktion materieller Güter“[2].

Häufig spricht man auch von der Industriellen Revolution. Die Erste Industrielle Revolution bewirkte durch wissenschaftlich-technischen Fortschritt die Umwandlung der jahrtausendealten Agrargesellschaft in eine Industriegesellschaft[3]. Somit ist „Industrialisie-rung“ ein in den deutschen Wortschatz integrierter Begriff[4].

2. Das geschichtliche Ereignis

Die Industrialisierung setzte in Großbritannien kurz nach Mitte des 18. Jahrhunderts ein. In Deutschland spricht man von der Industrialisierung seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Als bedeutsames Datum wird oft auch das Jahr 1835 genannt, in dem die erste Eisenbahnverbindung zwischen Nürnberg und Fürth eröffnet wurde.

Darauf folgte die Zweite Industrielle Revolution nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der Übergang zur Automatisierung und die Dritte Industrielle Revolution, der verstärkte Einsatz modernster Informationstechniken[5].

3. Bedeutung für Deutschland

Im Zuge der Industrialisierung kam es zur zunehmenden Urbanisierung und der anwachsenden Zahl von Arbeitern in Deutschland. Diese arbeiteten oftmals unter sehr schlechten Bedingungen[6], was zur Stärkung des Sozialismus und schließlich u.a. zur Gründung der SPD führte[7].

3.1 Bedeutung für Bayern

Die wirtschaftliche Situation Bayerns um 1835 war tatsächlich noch eher geprägt von einer starken Dominanz der Landwirtschaft, für einen Flächenstaat wie Bayern typisch. [...] Die große Mehrheit der Gewerbebetriebe hatte weniger als zehn Beschäftigte, solche mit mehr als 100 Beschäftigten waren selten und eigentlich auf die industriellen Zentren Nürnberg und Augsburg beschränkt. [...] In den ländlichen Regionen drangen die Neuerungen kaum vor, die Infrastruktur blieb vorindustriell. Dazu trug sicherlich auch bei, dass Bayern weit weg war von den Häfen und ihren vergleichsweise kurzen Verbindungen zum industriell vorauseilenden England (Vierengel, 98-12).

Bayern profitierte also von der Industrialisierung nicht in dem Maße, wie es in anderen Ländern der Fall war. Dieser länderspezifische Aspekt wird oft übersehen, wenn von der Industrialisierung in Deutschland die Rede ist[8]. Zur Industrialisierung und dem damit verbundenen Aufschwung kam es im Freistaat erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis dahin dominierte der landwirtschaftliche Sektor[9].

Das bayerische Wirtschaftswunder ist vergleichsweise jung. Denn der Freistaat kann nicht gerade auf eine langer Industrietradition zurückblicken. Zwar startete hier im Dezember 1835 auf einer 15 Kilometer langen Strecke zwischen Nürnberg und Fürth die erste deutsche Eisenbahn [...] Doch es war damals höchst umstritten, ob der Staat solche technischen Neuerungen und die Industrialisierung vorantreiben sollte (Kröhnert 172).

Gründe für die nicht in dem Ausmaß stattfindende Industrialisierung sind u.a. die fehlenden Rohstoffe Bayerns[10], der Einfluss der katholischen Kirche und die Furcht des Königs vor den sozialen Folgen einer gezielten Industrialisierungspolitik[11].Somit hatte die Industrialisierung im 19. Jahrhundert keinen nennenswerten Einfluss auf die Struktur Bayerns. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts begann auch im Freistaat die Umwandlung von der Agrar- zur Industriegesellschaft.

3.2 Bedeutung für Baden-Württemberg

Die Industrialisierung war für Baden–Württemberg – trotz der geographischen nahen Lage und ähnlichen Bedingungen – deutlich bedeutsamer als für Bayern[12].

Arm an Bodenschätzen, nutzten die Menschen schon früh die technische Innovation zur Entwicklung ihres Landes. Zahlreiche Unternehmen, die bis heute das Rückgrat der baden-württembergischen Wirtschaft bilden, entstanden im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, viele von ihnen im Bereich des Maschinen- und Fahrzeugbaus. Als Carl Benz im Jahr 1886 in Mannheim den ersten brauchbaren Motorwagen baute und zum Patent anmeldete, begann die Geschichte des baden-württembergischen Automobilbaus“ (Kröhnert 160).

Im Gegensatz zum Freistaat veränderte sich die ökonomische Struktur Baden-Württembergs schon im 19. Jahrhundert deutlich und führte zum Erstarken der Industrie.

[...]


[1] Sicherlich wäre es interessant die Lehrpläne aller Schularten der beiden Bundesländer zu untersuchen, jedoch ist das im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich. Der Vergleich der Lehrpläne des Gymnasiums wurde gewählt, da somit eine guter Vergleich erzielt werden kann und es die Schulart mit der längsten Schullaufbahn und somit auch dem größten Anteil Geschichtsunterricht ist.

[2] Vgl. Duden 2001, 362.

[3] Vgl. Herrmann 35.

[4] Es wird bei Gebieten, die an wirtschaftlichem Status verlieren, sogar von „Deindustrialisierung“ gesprochen (vgl. Kröhnert 43).

[5] Vgl. ebd. 36.

[6] Vgl. Vierengel 97-12; 99-14.

[7] Das ‚Elend` der Arbeiter wurde in dieser Zeit auch in der Literatur verarbeitet, wie z.B. in „Die Weber“ von Gerhard Hauptmann

[8] So auch im Duden, 2006 267: „So war der Prozess der Industrialisierung in Deutschland kurz vor der Gründung des Deutschen Reiches 1870/71 bereits weit voran geschritten.

[9] „Noch gegen Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitete ein Drittel aller Bayern in der Landwirtschaft. Nur vereinzelt gab es nennenswerte Industrie“ (Kröhnert 172).

[10] Vgl. Vierengel 98-12.

[11] Vgl. Treml 79 f.

[12] Die Zusammenlegung des ehemaligen Großherzogtums Baden und des Königreichs Württemberg zum Bundesland Baden–Württemberg erfolgte erst im Jahre 1952. Im Folgenden wird jedoch aus Gründen der besseren Lesbarkeit der Begriff „Baden-Württemberg“ verwendet.

Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638798068
ISBN (Buch)
9783638797429
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v75278
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Abteilung für Didaktik der Geschichte
Note
2,6
Schlagworte
Industrialisierung Vergleich Lehrpläne Bayern Baden-Württemberg Geschichte Jahrhunderts Geschichtsunterricht Spiralprinzip Deutschland 8. Klasse 12. Klasse 18. Jahrhundert 19. Jahrhundert

Autor

  • Franziska Marschick (Autor)

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