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Ist Europa ein optimaler Währungsraum?

Seminararbeit 2007 35 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNI

1 ABBILDUNGSVERZEICHNIS

2 ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

3 EINLEITUNG

4 DIE THEORIE OPTIMALER WÄHRUNGSRÄUME UND DIE EUROZONE
4.1 Die Kosten und Nutzen eines gemeinsamen Währungsraumes in Europa
4.2 Die Kriterien der Theorie optimaler Währungsräume
4.2.1 Das Kriterium der Arbeitskräftemobilität in Europa
4.2.2 Das Kriterium der Offenheit der Volkswirtschaften in Europa
4.2.3 Das Kriterium der Produktdiversifikation in Europa
4.2.4 Kritische Würdigung der klassischen Kriterien der Theorie optimaler Währungsräume
4.3 Die wirtschaftspolitischen Kriterien zur Bestimmung optimaler Währungsräume
4.3.1 Das Kriterium der Transferzahlungen in Europa
4.3.2 2.3.2 Das Kriterium der Homogenität der Präferenzen in Europa
4.3.3 Das Kriterium der Zusammengehörigkeit in Europa

5 FAZIT UND AUSBLICK: IST EUROPA EIN OPTIMALER WÄHRUNGSRAUM?

6 EMPIRISCHER ANHANG

7 TABELLENVERZEICHNIS

8 QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS

1 ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Der prozentualer Anteil an EU-Bürgern, die positive Ergebnisse aus der Arbeitskraftmobilität innerhalb der EU erwarten (2005)…

Abbildung 2: Der Offenheitsgrad (EX+IM/BIP) in der EU12 und NMS (2005)

Abbildung 3 Der Anteil des Handels mit der EU12 am Gesamthandel (2005)

Abbildung 4: Der prozentuale Anteil der Wertschöpfung der Sektoren Industrie,

Dienstleistung und Landwirtschaft (2005)…

Abbildung 5: Nominale Gleichgewichtszinssätze 1999 und 2005 in Prozent

Abbildung 6: Das Vertrauen der Bevölkerung in die EU & in die nat. Regierungen

Abbildung A1: Difficulties one expects to face should one wanted to move to another country within the EU-25

Abbildung A2: What has improved or gotten worse after the last time they moved to another region or country, EU25?

Abbildung A3: Proportion of people who have moved outside their region of origin at least once by level of education, EU-25

2 ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 EINLEITUNG

Der Beitritt der zehn osteuropäischen Mitgliedsstaaten – Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowenien, Slowakei, Tschechien, Ungarn und der beiden Mittelmeerstaaten Malta und Zypern – zur Europäischen Union (EU) im Mai 2004 sowie der beiden neuen EU-Mitglieder – Bulgarien und Rumänien – zum 01. Januar 2007 war der erste Integrationsschritt zur Aufnahme dieser Staaten in die Europäische Währungsunion (EWU). In einem zweiten Schritt werden diese Länder in den kommenden Jahren Mitglieder der EWU, die nach dem Beitritt Sloweniens (SL) zum 01. Januar 2007 aus dreizehn EU-Mitgliedsstaaten (EU13) besteht[1], und führen damit nicht nur den Euro als offizielle gemeinsame Währung ein, sondern nehmen auch an der gemeinsamen monetären Politik der EU teil.[2] In der geld- und währungspolitischen Diskussion über Europa als optimalen Währungsraum spielt die EWU aufgrund des anstehenden Beitritts der neuen EU-Mitgliedsländer aktuell eine herausragende Rolle. Für Slowenien und für die in den kommenden Jahren ab 2008 beitretenden Länder stellt sich die Frage, ob die anstehende Währungsintegration mit der bisherigen EU12 optimal ist. Um die Eintrittsberechtigung in die EWU zu erreichen, müssen die neuen europäischen Mitgliedsstaaten ihre geld- und finanzpolitische Reife nachweisen. Dies geschieht anhand der im Vertrag von Maastricht festgelegten ökonomischen Konvergenzkriterien. Diese beziehen sich auf die Höhe der Inflationsrate, des Zinsniveaus, des staatlichen Defizits und der Staatsverschuldung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) sowie auf die Stabilität und die zweijährige Teilnahme der Währung im Europäischen Wechselkursmechanismus II (WKM II). Da mit der Teilnahme an einer Währungsunion die teilnehmenden Länder ihre nationale Geld- und Währungspolitik aufgeben, fällt damit deren Einsatz als Anpassungsmechanismus einer Volkswirtschaft bei internen und externen Störungen weg. Durch die Erfüllung der Konvergenzkriterien vor Beitritt in die EWU soll die Stabilität der europäischen Währung hinreichend gewährleistet werden. Die Kosten der Teilnahme an einer Währungsunion werden üblicherweise mit der Theorie optimaler Währungsräume (OWR) abgeschätzt.

Die folgende Seminararbeit unterstreicht im Kontext der Theorie optimaler Währungsräume, dass die EU13 und die nach Erfüllung der Konvergenzkriterien neu beitretenden mittel- und osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten (MOEL) einen optimalen Währungsraum in Europa darstellen. Im zweiten Kapitel werden dazu einleitend die Argumente für Europa als optimalen Währungsraum analysiert und diskutiert. Dabei wird auf die klassischen und neueren Erkenntnisse der Theorie optimaler Währungsräume zurückgegriffen. Im dritten Kapitel wird abschließend eine kritische Würdigung der entwickelten Standpunkte für Europa als optimalen Währungsraum vorgenommen.

4 DIE THEORIE OPTIMALER WÄHRUNGSRÄUME UND DIE EUROZONE

Die weltweite Diskussion über Kosten und Nutzen eines gemeinsamen Währungsraumes wurde im Jahr 1961 mit einem Beitrag des kanadischen Volkswirtes und Nobelpreisträgers Robert Mundell über die Theorie optimaler Währungsräume eingeleitet. Nach der Veröffentlichung der Theorie über die optimale Abgrenzung eines Währungsgebietes von Mundell entwickelten weitere Volkswirte wie Ronald Mc Kinnon (1963) und Peter Kenen (1969) eigene Kriterien zur Bestimmung optimaler Währungsräume. Erst in den späten 1980er Jahren bzw. Anfang der 1990er Jahre wurde die Theorie optimaler Währungsräume neu belebt. Das Interesse an der Theorie optimaler Währungsräume in Europa lässt sich insbesondere auf den Vertrag von Maastricht (1992) zur Vollendung der monetären Integration in Europa und den aktuell anstehenden Beitritt der MOEL in die EWU[3] zurückführen.

Im folgenden Kapitel 2.1 wird zunächst die Theorie der optimalen Währungsräume veranschaulicht sowie die Kosten und Nutzen eines gemeinsamen Währungsraumes untersucht. Aufbauend werden im Kapitel 2.2 die einzelnen Kriterien der Theorie optimaler Währungsräume im Hinblick auf positive Argumente für Europa als optimalen Währungsraum analysiert und diskutiert.

4.1 Die Kosten und Nutzen eines gemeinsamen Währungsraumes in Europa

Die Theorie optimaler Währungsräume stellt den Standardansatz zur Beurteilung von Kosten und Nutzen der Einführung einer Gemeinschaftswährung im Zuge der Teilnahme an einer Währungsunion dar. Weiterführend strebt die Theorie an, einen Währungsraum nach Optimalitätskriterien zu definieren. Sie folgt dem Ziel, die Frage zu beantworten, unter welchen Bedingungen in einem System fester Wechselkurse die Kosten eines gemeinsamen Währungsraumes durch das Auftreten asymmetrischer Schocks minimiert werden können.[4] Unter einem optimalen Währungsraum versteht man zunächst ein geographisches Gebiet, in dem entweder eine einheitliche Währung oder mehrere Währungen mit unwiderruflich fixierten Wechselkursen als offizielles Zahlungsmittel gelten. In der Literatur über die Theorie optimaler Währungsräume ist ein Währungsraum mit den Merkmalen einer Währungsunion definiert. Die Währungsunion stellt die höchstmögliche Stufe der Integration im Währungsbereich dar. Von einer echten Währungsunion spricht man, wenn sich souveräne Staaten mit unterschiedlichen Währungen zu einem einheitlichen Währungsraum zusammenschließen, wobei zwischen den beteiligten Staaten unwiderruflich fixierte Wechselkurse vorliegen. Weitere Kennzeichen einer Währungsunion sind neben der uneingeschränkten Konvertibilität, eine einheitliche Geldpolitik sowie ein freier und uneingeschränkter Kapitalverkehr. Die Zielsetzung jeder Währungsunion liegt in der Steigerung der ökonomischen Effizienz und Maximierung der Wohlfahrt.[5]

In seinem einflussreichsten Artikel „A Theory of Optimum Currency Area“ (1961) verglich Mundell Vor- und Nachteile von Gebieten mit einer einheitlichen Währung und benannte Kriterien, die für den Zusammenschluss Geltung haben sollten. Während die Nutzen eines optimalen Währungsraumes überwiegend mikroökonomischer Natur waren und aus den Effizienzgewinnen einer Währungsunion resultieren würden, hingen die Kosten vorwiegend mit der Makropolitik zusammen. Ein zentraler Vorteil des gemeinsamen Währungsraumes liegt insbesondere in der Reduzierung der Transaktions- und Umtauschkosten aufgrund der gestiegenen Spekulationsresistenz. Da bei einem immer größer werdenden Währungsraum die Transaktionen mit Ländern außerhalb des Währungsraumes abnehmen, können auch die bisher gebundenen Devisenreserven abgebaut und das freiwerdende Kapital produktiver und gewinnbringend eingesetzt werden. Weiteres Nutzenpotential eines gemeinsamen Währungsraumes liegt in der erhöhten Preistransparenz und der direkten Vergleichbarkeit für die Konsumenten aus dem intensiveren Handel und Wettbewerb innerhalb des gemeinsamen Währungsgebietes. Weitere Vorteile eines gemeinsamen Währungsraumes sind neben der Stabilisierung nationaler Fiskalpolitiken zur Erfüllung der Konvergenzkriterien des Stabilisierungs- und Wachstumspaktes, auch in dem Wegfall des mitgliedsstaatlichen Protektionismus mittels monetärer Abwertung zur Steigerung der nationalen Wettbewerbsfähigkeit in Europa zu sehen. Zwar steigen die Vorteile aus einer gemeinsamen Währung mit der geographischen Größe des Währungsraumes, allerdings ist zu beachten, dass die Währungsunion mit zunehmender Größe heterogener wird und dies wiederum Kosten verursacht. So kann die Zentralbank der Währungsunion nicht mehr auf lokale Bedingungen eingehen. Wenn die Währungsunion hauptsächlich symmetrischen Schocks ausgesetzt ist oder Mechanismen für die Anpassung nach asymmetrischen Schocks vorhanden sind, lässt sich die gemeinsame Geldpolitik im Allgemeinen problemlos durchführen. Dagegen können jedoch durch die Aufgabe der geld- und währungspolitischen Autonomie der nationalen Notenbanken mit dem Auftreten von asymmetrischen Schocks erhebliche Kosten entstehen.[6] Die Theorie optimaler Währungsräume wird vor dem Hintergrund unterschiedlicher sektoraler, regionaler oder nationaler asymmetrischer Nachfrage- und Angebotsschocks analysiert. Optimal ist ein Währungsraum, wenn entweder die asymmetrischen Schocks aus Angebot oder Nachfrage hinreichend selten auftreten, oder aber andere Anpassungsmechanismen als der nominale Wechselkurs vorliegen.

4.2 Die Kriterien der Theorie optimaler Währungsräume

Um trotz der entstehenden Kosten eines gemeinsamen Währungsraumes zu verdeutlichen, dass Europa – auch nach dem Beitritt der MOEL in die EWU - einen optimalen Währungsraum darstellt, werden im folgenden Kapitel die verschiedenen Kriterien der Theorie optimaler Währungsräume dahingehend einzeln geprüft. Dabei stehen in den folgenden Kapiteln 2.2.1 bis 2.2.4 die traditionellen Kriterien der Theorie optimaler Währungsräume - Arbeitsmobilität, Offenheitsgrad und Diversifikationsgrad - im Vordergrund meiner Analyse. Diese hauptsächlich mikroökonomischen Kriterien orientieren sich an der Eignung des Wechselkurses als Anpassungsinstrument auf Veränderungen der Angebots- und Nachfragebedingungen. Aufbauend auf die Analyse der traditionellen Kriterien optimaler Währungsräume werden im Kapitel 2.3 die in der modernen Literatur neu entwickelten wirtschaftspolitischen Kriterien – Transferzahlungen, Homogenität der Präferenzen und Zusammengehörigkeit – dargestellt und unter dem Aspekt „Europa als optimaler Währungsraum“ diskutiert.

4.2.1 Das Kriterium der Arbeitskräftemobilität in Europa

Der grundlegende Gedanke der Arbeit Robert Mundells war, dass die Wahl zwischen festen und flexiblen Wechselkursen nicht unabhängig von den ökonomischen Gegebenheiten eines Landes ist. Seine Analyse des optimalen Währungsraumes kommt zu dem Ergebnis, dass die Aufgabe des Instrumentes der Wechselkursänderung bei rigiden Löhnen und hoher örtlicher Immobilität des Faktors Arbeit mit Nachteilen verbunden ist, wenn Nachfrageschocks auftreten. Nach der Mundell-Analyse kann eine Auf- bzw. Abwertung die Wirkungen der Nachfrageschocks auf das Volkseinkommen und das Preisniveau neutralisieren. Voraussetzungen für einen vorteilhaften Währungsraum sind daher, dass in diesem Raum die Preise und Löhne hinreichend flexibel und die Arbeitskräfte mobil sind.[7] Ein Währungsraum ist nach Mundell dann optimal, wenn zur Abfederung asymmetrischer Schocks eine ausreichende Faktormobilität vorliegen würde.[8]

Bei der Analyse und Beurteilung der Faktormobilität als Anpassungsmechanismus für auftretende asymmetrische Schocks in einem Währungsraum wird Europa im internationalen Vergleich zu den USA aufgrund der niedrigen Arbeitskräftemobilität sehr oft die Fähigkeit abgesprochen, einen optimalen Währungsraum darzustellen.[9] Es scheint, dass die Arbeitsmigration ein Anpassungsinstrument ist, welches stärker in den angelsächsischen Ländern zum Einsatz kommt. Nach einer Statistik der OECD weisen die einzelnen Länder in Europa im Vergleich zu den USA eine sehr viel niedrigere Binnenwanderungsquote auf.[10] So beläuft sie sich in den Eurozone-Ökonomien auf 0,5 – 0,6 Prozent (Italien, Spanien) und auf 1,5 Prozent in Frankreich.[11] Allerdings erscheint ein direkter Vergleich der Faktormobilität zwischen Europa und den USA problematisch, da neben anderen Arbeitsmarktstrukturen auch kulturelle und sprachliche Barrieren innerhalb eines Wirtschaftsraumes kaum Berücksichtigung erfahren.

In der Perspektive der europäischen Öffentlichkeit wird dagegen die geringe Wanderung der Arbeitskräfte sowohl zwischen den Ländern Europas als auch innerhalb dieser Länder damit begründet, dass auch mit der Verwirklichung des EU-Binnenmarktes keine großen Impulse und Anreizpotenziale hinsichtlich der Mobilität des Faktors Arbeit verbunden wurden. Als entscheidender Grund für die hohe Streuung der Arbeitslosenquoten in Europa werden derzeit vor allem die noch vorhandenen politischen und kulturellen Unterschiede in den EU-Mitgliedsstaaten angesehen. Diese Sprach- und Kulturbarrieren führen nach der breiten Meinung der europäischen Öffentlichkeit dazu, dass eine größere Angleichung der nationalen Unterschiede ausgeblieben ist.[12] Ein weiterer Grund für die mangelnde Mobilität der Europäer wird in der zunehmenden Konvergenz der Löhne gesehen. Die bestehenden Lohnniveaudifferenzen führen nach Ansicht der Europäischen Kommission nicht zu Wanderungsbewegungen innerhalb von Europa, weil sie zu gering sind, um die soziologischen, kulturellen und psychologischen Ursachen der Immobilität zu überwinden.

Gleichzeitig spricht für eine zunehmende Verbesserung der Arbeitskräftemobilität in Europa, dass sich durch die gesetzliche Verankerung der europäischen Grundfreiheiten – Warenverkehrsfreiheit, Niederlassungsfreiheit, Kapital- und Zahlungsverkehrsfreiheit und Dienstleistungsfreiheit - im Vertrag der Europäischen Gemeinschaften (EGV) neue positive Perspektiven für die Arbeitskräftemobilität in Europa ergeben haben. Diese Marktfreiheiten sollen helfen, durch die Existenz eines gemeinsamen Binnenmarktes die Mobilität der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital zu sichern und zu fördern. Mit der Möglichkeit der Freizügigkeit und der Niederlassungsfreiheit in der EU ist von der rechtlichen Seite her eine vollkommene Mobilität gewährleistet. In Bezug auf die MOEL gibt es derzeit nach dem „2-3-2-Modell“ eine siebenjährige Übergangsregelung für einige EU-Mitgliedsstaaten, die die Arbeitskräftewanderung und Freizügigkeit zwischen den MOEL und der EU aktuell noch deutlich einschränken können. Erst nach dem Ablauf dieser Übergangsver­einbarungen wird die volle Arbeitsmobilität in der EU praktisch möglich sein. Die zunehmend positive Entwicklung der Arbeitskräftemobilität in Europa wird auch durch die neueste Studie der Europäischen Kommission vom Februar 2005 über die Bereitschaft der EU-Bürger für einen Arbeitsplatzwechsel innerhalb der europäischen Grenzen nachhaltig unterstrichen. Interessant ist, dass die Befragten in Dänemark und Schweden – den beiden Ländern mit der höchsten beruflichen Mobilität – besonders stark vom Nutzen der Jobmobilität überzeugt sind.

Nach Ansicht von über 45,0 Prozent der befragten Unionsbürger der EU25 (ohne Bulgarien und Rumänien) hat sich die eigene Arbeitskräftemobilität innerhalb von Europa äußerst positiv ausgewirkt. In einigen europäischen Ländern beträgt die positive Entwicklung sogar weit über 60,0 Prozent.

Abbildung 1: Der prozentualer Anteil an EU-Bürgern, die positive Ergebnisse aus der

Arbeitskraftmobilität innerhalb der EU erwarten (2005)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Daten entnommen aus: Eurobarometer 64.1, September 2005 (Labour Market Mobility)

Darüber hinaus ist in einer nachfolgenden Studie der Europäischen Kommission über die Arbeitskräftemobilität in Europa festzustellen, dass sich bei über 45,0 Prozent der befragten Unionsbürger nach ihrer Wanderungsbewegung in eine andere Region des eigenen Landes oder einen anderen EU-Mitgliedsstaat keine wesentliche Verschlechterung der persönlichen Lebenssituation ergeben hat.[13] Dagegen waren sogar 38,6 Prozent der befragten Unionsbürger der Auffassung, dass sich durch die Mobilität die generellen Lebensbedingungen insgesamt verbessert haben.[14]

Auch die immer als negatives Argument gegen Europa als einen optimalen Währungsraum angeführte Rigidität des Arbeitsmarktes für alle Arbeitnehmer in Europa ist vor dem Hintergrund der Marktfreiheit in Europa notwendigerweise differenziert zu betrachten. Insbesondere bei den hoch qualifizierten Arbeitnehmern besteht nach einer Studie der Europäischen Kommission vom September 2005 eine hohe Bereitschaft für eine Mobilität innerhalb der Regionen eines Landes und der europäischen Grenzen.[15] Dies wiederum stärkt die Tendenz zu regionalen Disparitäten in Europa, da nach der Abwanderung von hoch qualifizierten Arbeitskräften der Anreiz für Unternehmen sinkt, sich in unterentwickelten Gebieten niederzulassen. Der Gefahr der regionalen Unterschiede durch die Förderung der Arbeitskräftemobilität wird aber versucht durch die Strukturförderung aus dem EU-Haushalt weitestgehend zu begegnen, und lässt sich somit nicht mehr als Argument gegen Europa als optimalen Währungsraum anführen. Letztendlich ist im Hinblick auf die Arbeitskräftemobilität in Europa durch die Einführung der Marktfreiheiten, auch eine deutlich gestiegene Bereitschaft zur Mobilität in der Eurozone zu verzeichnen.

Als Fazit der Beurteilung der Arbeitskräftemobilität lässt sich festhalten, dass man trotz einer Vielzahl von positiven Entwicklungen zur Verbesserung der Freizügigkeit auf dem europäischen Arbeitsmarkt, eher davon ausgehen muss, dass Europa trotz der angestiegenen Mobilitätsbereitschaft der Unionsbürger immer noch relativ verhaltene Arbeitsmigration vorzuweisen hat. Diese Tatsache lässt sich nach wie vor sehr stark auf den soziokulturellen Aspekt zurückführen, auch wenn sich in der neusten Studie der Europäischen Kommission gezeigt hat, dass eine Verschlechterung der sozialen Umstände nach der Arbeitsmigration von Unionsbürgern nicht zwingend erfolgen muss. Trotzdem kann man derzeit davon ausgehen, dass die EU13 im Hinblick auf das Kriterium der Arbeitsmobilität noch keinen optimalen Währungsraum darstellt.

4.2.2 Das Kriterium der Offenheit der Volkswirtschaften in Europa

Als Weiterentwicklung zu dem Mundell-Kriterium der Arbeitsmobilität berücksichtigt Mc Kinnon den Offenheitsgrad bei der Bestimmung des optimalen Währungsraumes. Mc Kinnon definiert einen optimalen Währungsraum als Gebiet, in dem die Geld- und Fiskalpolitik die Ziele des magischen Dreiecks der Volkswirtschaft - Vollbeschäftigung, Zahlungsbilanzgleichgewicht und Preisniveaustabilität - möglichst gut erfüllen.

Die Offenheit einer Volkswirtschaft ist als Teil der wirtschaftlichen Aktivität definiert, der für den internationalen Handel aufgebracht wird. Der Anteil der Exporte am BIP ist der Anteil der heimischen Produktion, der exportiert wird. Mit dem Anteil der Importe am BIP wird gemessen, welcher Anteil des heimischen Konsums für Importe ausgegeben wird.[16] Mit dieser Summe aus wertmäßigen Exporten und Importen relativ zum BIP wird der Offenheitsgrad einer Volkswirtschaft definiert.[17] Nach Mc Kinnon sind die Kosten eines Regimes fester Wechselkurse umso geringer, je höher der Offenheitsgrad einer Volkswirtschaft ist. Je mehr Handel zwei Länder miteinander treiben, umso eher bilden sie einen optimalen Währungsraum.

In der folgenden Abbildung ist der Offenheitsgrad für die EU12 (ohne Slowenien) und die einzelnen MOEL für das Jahr 2005 dargestellt. Mit einem durchschnittlichen Offenheitsgrad in Höhe von 111,0 Prozent weisen die MOEL einen deutlich höheren Durchschnittswert auf als die EU12 mit 73,8 Prozent.[18] Da der Offenheitsgrad der EU12 als sehr hoch einzustufen ist, kann für die neuen Mitgliedsländer das Kriterium des Offenheitsgrades als erfüllt betrachtet werden.[19] Die Höhe des Offenheitsgrades ist in den einzelnen neuen Mitgliedsländern jedoch sehr unterschiedlich.

Die Werte reichen von 71,1 Prozent in Polen (PL) bis 174,5 Prozent in Estland. Die Länder Polen, Zypern (CY) und Lettland (LV) weisen einen unterdurchschnittlichen Wert auf. Dagegen weisen Litauen (LT), Slowenien (SL) und Ungarn (HU), Tschechien (CZ), die Slowakei (SK), Malta (MT) und Estland (EE) einen überdurchschnittlichen Wert auf. Neben der Heterogenität ist besonders anzumerken, dass die einzelnen Werte der MOEL alle höher sind als der EU12-Durchschnitt.

Abbildung 2: Der Offenheitsgrad (EX+IM/BIP) in der EU12 (ohne SL) und NMS (2005)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Berechnungen mit Daten von Eurostat (2005)

Neben der Betrachtung des Offenheitsgrades wird in der nachfolgenden Abbildung der Anteil des Handels mit der EU am Gesamthandel in der EU12 und den MOEL betrachtet, die für eine Wechselkursänderung der Gemeinschaftswährung gegenüber Drittstaaten wichtig ist. Wenn der Währungsraumhandel groß ist, kann es bei Aufwertungen der Gemeinschaftswährung zu erheblichen Wettbewerbsproblemen kommen.[20] Des Weiteren kommt es bei sehr deutlich unterschiedlichen Werten zu einer asymmetrischen Wirkung.

Der Durchschnittswert des Handelsanteils der EU am Gesamthandel der neuen EU-Mitgliedsstaaten ist mit rund 61,8 Prozent etwas geringer als der der EU12 mit 66,5 Prozent und befindet sich damit auf einem vergleichbaren Niveau. Bei den einzelnen MOEL gibt es derzeit noch erhebliche Unterschiede zu verzeichnen. Die Werte reichen von 19,1 Prozent in Litauen bis zu 80,7 Prozent in Estland. Dabei weisen Litauen, Zypern, Lettland und Tschechien einen unterdurchschnittlichen Wert auf. Die EU-Länder Ungarn, Polen, die Slowakei und Estland liegen über dem Durchschnitt.

[...]


[1] Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) (2006), S. 12.

[2] Zur Eurozone/EWU gehören die EU13: AT, BE, DE, ES, FI, FR, GR, IR, IT, LU, NL, PT & neu SL (Stand: 01. Jan. 07)

[3] Die Begriffe EWU, Eurozone und EU12 bzw. EU13 (mit SL) werden in der Seminararbeit synonym verwendet.

[4] Vgl. Auria, L. (1997), S. 22.

[5] Vgl. Auria, L. (1997), S. 24.

[6] Vgl. De Grauwe, P. / Schnabl, G. (2004), S. 68.

[7] Vgl. Traud, G. (1996), S. 11.

[8] Vgl. Mundell, R. (1961), S. 659.

[9] Vgl. Terlau, W: (2004), S. 106.

[10] Vgl. Anhang Tabelle T1: Binnenwanderungsquoten nach Ländern in Prozent der Gesamtbevölkerung

[11] Vgl. Hishow, O. (2006), S. 18.

[12] Vgl. Anhang Abbildung A1: Difficulties one expects to face should one wanted to move to another country within the EU-25

[13] Vgl. Europäische Kommission (2005).

[14] Vgl. Anhang Abbildung A2: What has improved or gotten worse after the last time they moved to another region or country, EU25?

[15] Vgl. Anhang Abbildung A3: Proportion of people who have moved outside their region of origin at least once by level of education, EU-25

[16] Vgl. Baldwin, R. / Wyplosz, C. (2004), S. 343.

[17] Vgl. Mc Kinnon, R. (1963), S. 719.

[18] Die EU12 hat einen deutlich höheren Wert als die USA mit 26,7 Prozent im Jahr 2005

[19] Vgl. Frenkel, M. / Nickel, C. (2002), o. S..

[20] Vgl. Mc Kinnon, R. (2001), o. S..

Details

Seiten
35
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638800495
ISBN (Buch)
9783638803144
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v75550
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – HU Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Europa Währungsraum Wirtschaftsgemeinschaft Euro Währung Geld Geldpolitik EU EZB European Central Bank ECB

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Titel: Ist Europa ein optimaler Währungsraum?