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Examensgutachten - Diagnostische Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Förderschulen

Hausarbeit 2007 23 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhalt

Pädagogisch-psychologisches Gutachten
1. Persönliche Daten
2. Untersuchungsanlass:
3. Fragestellung:
4. Vorgehensweise und verwendete Verfahren:
5. Anamnese
5.1 Familiäre Situation (A1, A4, A5)
5.2 Schulischer Werdegang und aktuelle Schul- und Klassensituation (A1-A5)
5.3 Arbeits- und Sozialverhalten (A1-A8)
5.4 Interessen und Stärken des Schülers (A1-A4)
5.5 Unterricht und Lernstand (A1-A3)
5.6 Verhalten während der Testsituation
6. Ergebnisse der Untersuchungen
6.1 Überprüfung der Rechtschreibkompetenz und der Rechtschreibstrategien mit Hilfe der Hamburger Schreibprobe (HSP 4/5) (A5)
6.2 Überprüfung der kognitiven Fähigkeiten mit Hilfe des Grundintelligenztests Skala 2 (CFT 20) (A6)
6.3 Überprüfung der mathematischen Kompetenz mit Hilfe des deutschen Mathematiktests (DEMAT 2+) (A7)
7. Interpretation der Ergebnisse
7.1 Lernstand Deutsch: Rechtschreibung
7.2 Bereich der kognitiven Fähigkeiten
7.3 Lernstand Mathematik (A2, A5-A7)
8. Fördervorschläge
8.1 Deutsch
8.2 Vertrauen in die eigenen Leistungsfähigkeit stärken
8.3 Mathematik
Literatur

Pädagogisch-psychologisches Gutachten

1. Persönliche Daten

Name des Probanden (PB): S.

Geschlecht: männlich

Alter zum Untersuchungszeitpunkt: 12;1 Jahre

Nationalität: deutsch, mit türkischem Pass

Institution: Förderschule für Lernhilfe

Klassenstufe: 5

Name der Gutachterin (GA): Tanja Swetlitschkin

Untersuchungszeitraum: 12.03.2007-23.03.2007

2. Untersuchungsanlass:

Das vorliegende Gutachten wurde im Rahmen der Prüfungen zum Ersten Staatsexamen für das Lehramt an Förderschulen an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/Main erstellt. S. wurde der GA von dessen Klassenlehrer (KL) Herr O. vorgestellt.

3. Fragestellung:

Da die letzte Überprüfung des PB bereits zwei Jahre zurückliegt und er vom KL besonders im Bereich des Schreibens als sehr schwach eingestuft wird, sollen seine intellektuellen Fähigkeiten, sowie der Lernstand in den Fächern Deutsch und Mathematik überprüft werden. Ziel der Überprüfung ist es, den Lernfortschritt des PB besonders in diesen
Bereichen festzustellen, um Anhaltspunkte für die weitere Förderung zu erhalten.

4. Vorgehensweise und verwendete Verfahren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5. Anamnese

5.1 Familiäre Situation (A1, A4, A5)

Nach Angaben des KL sei S. am XX.02.1995 in Deutschland geboren. Türkisch sei aber S. Muttersprache, die auch zu Hause vorwiegend gesprochen werde. Der KL berichtet, dass S. noch zwei ältere Brüder habe, mit denen er sich gut verstehe. Das Verhältnis von S. zu seinen Eltern sei ein traditionell türkisches Vertrauensverhältnis. Vermutlich seien seine Eltern beide berufstätig.

Der Kontakt zwischen Elternhaus und Schule sei eher problematisch, da die Eltern Schwierigkeiten hätten, die Beschulung ihres Kindes auf einer Förderschule zu akzeptieren. Inhaltlich sei diesbezüglich daher nur wenig Kooperation möglich. Der KL gibt an, S.s Vater nicht zu kennen, da er nie an Elternsprechtagen teilnähme.

5.2 Schulischer Werdegang und aktuelle Schul- und Klassensituation (A1-A5)

S. ist schulpflichtig seit dem Schuljahr 2001/02. Er habe zunächst eine Vorklasse besucht. Danach sei er im Schuljahr 2002/03 als bedingt schulfähig in die erste Klasse einer Grundschule eingeschult worden. Seine Lernschritte seien hier, trotz intensiven inner- und außerschulischen Fördermaßnahmen und differenzierten Lernangeboten weiterhin langsam und kleinschrittig gewesen. Außerdem sei S. immer häufiger durch aggressives Verhalten, mit körperlichen Ausschreitungen aufgefallen. Ende 2004 habe die Grundschule ein Antrag auf sonderpädagogische Überprüfung gestellt, da S. den Anforderungen in Klasse 3 nicht mehr gerecht geworden sei. Diese Überprüfung habe unterdurchschnittliche Fähigkeiten im kognitiven Bereich, sowie sehr niedrige Werte bezüglich seiner Fertigkeiten ergeben.

Seit August 2006 besucht S. die Förderschule für Lernhilfe. Dort sei er zunächst in die Klasse 4 gekommen, inzwischen besucht er die Klasse 5. Die Klasse besteht derzeit aus 15 Schüler/innen, davon sind 8 Jungen und 7 Mädchen; 14 Schüler/innen stammen aus nicht-deutschen Elternhäusern. S. sei im Klassenverband mittlerweile gut integriert und verstehe sich nach eigenen Aussagen fast mit allen Jungen in der Klasse und habe ungefähr 4 Freunde dort. Diese Aussage deckt sich mit der Einschätzung des KL, da dieser angab, dass S. sich immer besser in die Klassengemeinschaft einfüge und weniger Konflikte mit seinen Mitschülern habe. Im Vergleich zu früher, wo S. massivste Verhaltensstörungen an den Tag gelegt haben soll, sei sein Verhalten nach Angaben des KL nun etwas gemäßigter, obwohl S. zeitweise noch zu Gewaltbereitschaft neige. S. solle trotz allem einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben und man könne gut mit ihm über das Vorgefallene reden. S. besuche die Schule für Lernhilfe nach eigener Aussage gerne. Seit Februar 2007 nimmt S. auf eigenen Wunsch hin drei Mal die Woche an der Nachmittagsförderung seiner Schule teil, die ihm laut eigener Aussage Spaß mache.

5.3 Arbeits- und Sozialverhalten (A1-A8)

Nach Angabe der KL sei S. ein freundlicher, aber verschlossener Schüler. Gegenüber dem KL zeigte er ein offenes und respektvolles Verhalten. In den von der GA beobachteten Situationen zeigte sich S. teilweise kooperativ und einsichtig.

Laut Aussage des KL beteilige S. sich am Unterrichtsgeschehen nur sporadisch und würde schnell in eine passive Rolle verfallen. Bei der Bearbeitung schriftlicher Aufgaben sei er bemüht und motiviert, obwohl er hier viel Zeit benötige. Er habe Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und werde selten in der vorgegebenen Zeit mit seinen Aufgaben fertig. Hierfür macht der KL seine häufig auftretenden Verständnisprobleme verantwortlich, da er lange brauchen würde, bis er die Aufgabenstellung verstehe. Zusätzlich habe S. eine überaus akkurate und ordentliche Arbeitshaltung, die den Arbeitsprozess verlangsamen würde. Er stelle an sich selbst die Anforderung, dass seine Aufgabenerledigung immer perfekt sein müsse und würde deshalb ebenfalls viel Zeit verlieren. Ein weiteres Problem bestände in der Merkfähigkeit des Schülers, da er Lerninhalte schlecht speichern könne.

In den Beobachtungssituationen der GA beteiligte sich S. scheinbar motiviert am Unterrichtsgeschehen. In unruhigen Unterrichtsmomenten ließ S. sich vom Geschehen ablenken und hörte auf sich weiterhin mit seiner Arbeit zu beschäftigen.

5.4 Interessen und Stärken des Schülers (A1-A4)

Nach eigenen Angaben sind Kunst und Sachunterricht S.s Lieblingsfächer, da er dort kreativ und erfinderisch sein könne. S. nimmt auch an der Schwimm-AG teil, die er laut eigener Aussage gerne besucht. In seiner Freizeit hat er viel Freude am Fußballspielen, Schwimmen und Fahrradfahren. S. ist laut eigenen Aussagen gerne draußen und geht gerne mit seinen Eltern in den Garten zum grillen. Außerdem würde er Hunde lieben und bekäme bald einen geschenkt. Der Schüler interessiert sich nach eigener Aussage für Autos. Er wolle nach der Schule gerne Kfz-Mechaniker werden, da sein Bruder ihm viel über diesen Beruf erzählt habe. Nach Beobachtungen der GA scheint S. eine hohe Arbeitsmotivation zu haben und ist bemüht darum alles ordentlich und richtig zu machen.

5.5 Unterricht und Lernstand (A1-A3)

Laut Auskunft der KL habe S. v. a. Schwierigkeiten im Fach Deutsch, was der Schüler ebenfalls bestätigt. Er lese sehr stockend, langsam und unbetont. Seine Aussprache sei sehr undeutlich und er verfüge nur über einen geringen Grundwortschatz. Aufgrund dessen habe der Schüler Schwierigkeiten beim sprachlichen Ausdruck, da ihm häufig die Begriffe, um etwas zu erklären fehlen würden. Diese Aussagen des KL kann die GA bestätigen, da es S. in der Testsituation oft schwer fiel, sich deutlich auszudrücken. Erst nach mehrmaligem Nachfragen, konnte die GA herausfinden, was S. tatsächlich meint. Seine Schrift sei sehr ordentlich und gut lesbar. In der Rechtschreibung habe S. Probleme. Er habe wenig Rechtschreibbewusstsein und das Formulieren von Texten falle ihm schwer.

Im Mathematikunterricht habe er weniger große Probleme. Im Rechnen erreiche er gute Leistungen. Allerdings machen sich auch hier seine Leseschwierigkeiten beim Lösen von Textaufgaben bemerkbar, da ihm das sinnentnehmende Lesen noch schwer falle. S. gibt ebenfalls an, dass ihm das Lösen von Textaufgaben noch Probleme bereiten würde, ansonsten mache ihm Mathematik Spaß.

5.6 Verhalten während der Testsituation

S. steht der Testsituation insgesamt offen gegenüber. Er kennt solche Überprüfungen und zeigt sich nach kurzer Zeit aufgeschlossen. Außerdem schien er nach einigen Überlegungen erfreut zu sein, für diesen besonderen Anlass aus seiner Klasse ausgewählt worden zu sein. Auf Fragen antwortet er anfangs etwas zögerlich, nach einiger Zeit beginnt er auch, von selbst etwas über sich zu erzählen. Das Thema Hund ist hier ein guter Gesprächsanlass.

Die HSP 4/5 ist der erste Test, der nach einem kurzen Vorgespräch zur Auflockerung mit S. durchgeführt wird. Er ist während der Testdurchführung sehr konzentriert und fragt nur selten etwas nach. Beim Lösen der Aufgaben arbeitet er langsam und ordentlich. Der CFT 20 wurde nach einer kurzen Pause nach der HSP durchgeführt. Anfangs fällt es S. schwer sich zu konzentrieren. Außerdem hat er große Schwierigkeiten die Aufgabenstellung zu verstehen. Erst nach mehrmaligem Besprechen der Beispielaufgaben gelingt es ihm den ersten Teil des Tests zu lösen. Nach Erledigung des ersten Testteils muss die GA eine längere Pause einlegen, da S. sich nicht mehr konzentrieren kann und nur widerwillig die Aufgaben löst. Als die GA vorschlägt mit dem Test an einem anderen Tag fortzufahren, beteuert S. den Test fertig machen zu wollen.

Die Bewältigung des zweiten Testteils gelingt ihm nun deutlich besser, da er verstanden hat, wie der CFT 20 aufgebaut ist. Er arbeitet zügig und ohne Unterbrechungen. Der DEMAT 2+ ist der letzte Test der mit S. durchgeführt wird. Bereits bei der ersten Aufgabe äußert der Schüler Verständnisprobleme und will die Aufgabe nicht bearbeiten. Die GA erklärt ihm die genaue Aufgabenstellung und ermutigt ihn zum arbeiten. Die die restlichen Aufgaben erledigt er dann zügig. Gelegentlich fragt S. etwas nach und klagt über Verständnisschwierigkeiten. S. verbessert häufig seine Ergebnisse. Bei allen Tests betont er, dass er viele Fehler gemacht hat.

[...]

Details

Seiten
23
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638800778
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v75578
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,0
Schlagworte
Examensgutachten Diagnostische Hausarbeit Rahmen Ersten Staatsprüfung Lehramt Förderschulen

Autor

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Titel: Examensgutachten - Diagnostische Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Förderschulen