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Die pädagogischen Konzepte Maria Montessoris und Jean-Jacques Rousseaus im Vergleich

Essay 2007 9 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

„Die pädagogischen Konzepte Maria Montessoris und Jean-Jacques Rousseaus im Vergleich“

Maria Montessoris Erziehungsvorstellungen

Maria Montessoris Pädagogik liegt ein Menschenbild zu Grunde, dass das Kind als Retter der Menschheit sieht, welches uns die „tiefsten Eigenschaften der menschlichen Natur enthüllt“[1]. Es wird häufig von Erziehung vom Kinde aus gesprochen, da Montessori eine Anerkennung und ein Verstehen des Kindes und der Kindheit forderte. Sie bemühte sich, die Menschen zum Umdenken zu bewegen, basierte ihr Konzept doch auf einem anderen Verständnis von Erziehung, Lehre und Entwicklung als es in der vorherrschenden Gesellschaft vorzufinden war.

Sie war unzufrieden mit den Erwartungen, die an Kinder und ihre Entwicklung sowie Bildung gerichtet wurden. In herkömmlichen Schulen würden Kinder in ihrer Natur verkannt und in eine Richtung gedrängt, statt dass sie individuell gefördert werden. Es geht in erster Linie darum, dass „alle dasselbe tun [müssen]“[2]. Dabei ist es laut Montessori die Aufgabe aller Erziehung die „natürliche Schwäche [des Kindes] in künftige Stärke [zu] verwandeln“[3]. Da dies nicht in Montessoris Sinne umgesetzt wird, beginnt sie ihren so genannten Kampf für das Kind[4]. Bezüglich der Ziele der notwendigen Veränderungen stellt das Kind selbst den Richtungsweiser dar. Da Kinder auf Grund ihres Explorisationsdrangs über die Fähigkeit zur Polarisation der Aufmerksamkeit verfügen und sich so ihre Umwelt Stück für Stück anhand ihrer Erfahrungen vertraut machen können, stellt die Selbstbestimmung des Kindes die Erziehungsmaxime dar. Diese Polarisation der Aufmerksamkeit sollte voll ausgeschöpft werden und der Erzieher sollte seinen Einflussbereich auf die Motivation durch positive Verstärkung begrenzen, während sich ein Kind dem eigenen Interesse nach und dem eigenen Lerntempo angemessen voll und ganz einer Sache widmet. Jedoch ist der Handlungsspielraum des Erziehers nicht allein auf Passivität beschränkt. Er nimmt die Rolle eines Helfers ein, der besonders im Vorfeld die Möglichkeit hat, das Lernumfeld des Zöglings aktiv zu gestalten und somit Einfluss auf die stattfindenden Lernprozesse zu nehmen. Hier rückt das Montessori-Material ins Zentrum des Konzepts. Die so genannten Sinnesmaterialen sollen zum Beispiel bestmöglich die Sinne der Kinder schulen. Für Montessori ist es besonders wichtig, dass Kindern die Möglichkeit geboten wird, sich in einer vorbereiteten, an seine Bedürfnisse angepassten Umgebung mit allen Sinnen zu entfalten. Laut ihr sind die „besten Methoden […] diejenigen, die beim Schüler ein Maximum an Interesse hervorrufen, die ihm die Möglichkeit geben, allein zu arbeiten, selbst seine Erfahrungen zu machen und die erlauben, die Studien mit dem praktischen Leben abzuwechseln.“[5]. Montessori erhebt den Anspruch, dass ihr Konzept und ihre Materialen eben diese bestmöglichen Methoden darstellen und dem Kind all die Erfahrungen und Lernprozesse ermöglicht, die es für eine gesunde Entwicklung braucht. Kinder sollen demnach „in einer freien Umgebung zuverlässige Hilfsmittel“[6] vorfinden und „ganz umgeben [sein] vom Material, dass ihre Arbeitslust anreizt“[7].

Die Befreiung des Kindes aus den Zwängen der Erwachsenenwelt, um ihnen Freiheit und Selbständigkeit zu ermöglichen, ist das Ziel, dass Montessori im Kind selbst zu lesen vermochte. Von Geburt an strebt das Kind nach Freiheit, was von Montessori als biologisches Grundgesetz menschlichen Lebens bezeichnet wird. Der Geist des Kindes braucht Autonomie, um seinen natürlichen Lernwunsch nach eigenem Maße zu befriedigen. Für alle pädagogischen Bereiche und Situationen entwickelte sie Methoden, Materialien und Pläne. Doch auch wenn der Gebrauch der Materialien nicht verpflichtend ist, lenkt er Kinder nicht doch in eine vorgegebene Richtung? Wo bleibt da die angepriesene Freiheit?

Ein weiterer wichtiger Begriff der Montessori-Pädagogik ist die Individualität. Eigenes Lerntempo, persönliche Interessenslagen und Fähigkeiten sollen durch die Lernmethoden berücksichtigt und gefördert werden. Es ist wohl unumstritten, dass die Montessori-Schulen Kindern vor allem in den jüngeren Jahrgängen mehr Möglichkeiten bieten, die eigenen Interessen auszuleben und weniger Leistungsdruck ausüben. Doch allein die Formulierung der sensiblen Phasen, die die Entwicklung der Kinder nach klaren Schemata einteilt und ihnen ebenso unterschiedliche Erziehungsstufen zuordnet[8] steht im Widerspruch zu dem Begriff der Individualität. Ist ein Kind nach Montessori irreversibel geschädigt, wenn in der Entwicklung etwas schief läuft? Auch enden die sensiblen Phasen, wenn ein Mensch das 18. Lebensjahr erreicht hat, sodass dies die Frage aufwirft, ob danach keine Entwicklung und Veränderung mehr möglich ist?

[...]


[1] Montessori, M.: Texte und Diskussion. Hrsg.: Böhm, W. Bad Heilbrunn 21978, S.13

[2] Ebd., S.15

[3] Ebd., S.7

[4] Vgl. ebd., S.12

[5] Montessori, M.: Von der Kindheit zur Jugend. Hrsg.: Oswald, P. Freiburg 1966, S.118

[6] Montessori 1978, S.20

[7] Ebd., S.20

[8] Vgl. ebd., Kapitel II.4.

Details

Seiten
9
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638740043
ISBN (Buch)
9783656647942
Dateigröße
382 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v75600
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Institut für Pädagogik
Note
1,7
Schlagworte
Konzepte Maria Montessoris Jean-Jacques Rousseaus Vergleich

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Titel: Die pädagogischen Konzepte Maria Montessoris und Jean-Jacques Rousseaus im Vergleich