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Eine Buchbesprechung zu Theodore Ziolkowski - "Das Amt der Poeten - Die deutsche Romantik und ihre Institutionen"

Hausarbeit 2007 16 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Institution
2.1 „Der Begriff der Institution in der Literaturtheorie“
2.2 „Der Begriff der Institution in der soziologischen Theorie“
2.3 „Der Begriff der Institution im romantischen Denken“

3. Die verschiedenen Institutionen in der Literatur der Romantik
3.1 Das Recht
3.2 Das Irrenhaus
3.3 Die Universität
3.4 Das Museum
3.5 Das Bergwerk

4. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Thema dieser Hausarbeit ist das Buch „Das Amt der Poeten. Die deutsche Romantik und ihre Institutionen“ von Theodore Ziolkowski.

Theodore Ziolkowski, geboren 1932, ist emeritierter Professor für Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Princeton University in den USA.[1]

Das Buch behandelt sehr ausführlich und mit zahlreichen Beispielen aus der Literatur der Romantik deren zentrale Thesen. Ziolkowski greift dabei nicht nur auf Klassiker der Romantik wie Heinrich von Ofterdingen, Bonaventuras Nachtwachen oder Die Bergwerke zu Falun zurück, sondern auch auf dem gemeinen Germanistikstudenten wie mir eher unbekannte Werke wie Johann Christian Reils Rhapsodieen über die Anwendung der psychischen Curmethode auf Geisteszerrüttungen und Friedrich Carl von Savignys Vom Beruf unsrer Zeit für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft, um nur einige Beispiele zu nennen. Anhand dieser und anderer Schriften der romantischen Epoche klärt Ziolkowski, wie sich verschiedene Institutionen, Literatur und zeitgenössisches Denken gegenseitig beeinflusst haben.

Im Verlauf meiner Hausarbeit werde ich mich zuerst mit dem Institutionsbegriff in zwei unterschiedlichen Theorien, der literaturtheoretischen und der soziologischen, sowie dem Institutionsbegriff im romantischen Denken beschäftigen. Es folgen Skizzen der Institutionen ,Recht’, ,Irrenhaus’, ,Universität’, ,Museum’ und ,Bergwerk’.

In der Schlussbemerkung werde ich eine der im Folgenden besprochenen Institutionen kurz aufgreifen und deren Wechselwirkung mit der Romantik an zwei Beispielen skizzieren.

Ich möchte darauf hinweisen, dass diese Hausarbeit nie die vollständigen Thesen und Ergebnisse Ziolkowskis wiedergeben kann, sondern nur einen teilweise sehr kurzen Überblick über die sehr umfangreiche Arbeit Ziolkowskis zu den Institutionen der deutschen Romantik.

2. Die Institution

Betrachtet man die Protagonisten in Werken romantischer Literatur, so fällt auf, dass sie oft genügend Zeit und Geld haben, um die Welt der Berge zu genießen, Bildungsreisen zu unternehmen oder sich Tag und Nacht dem Trinken in Bars und Kneipen widmen. Ganz anders gestaltet sich das Leben romantischer Autoren. Diese mussten ihren Lebensunterhalt verdienen, indem sie ganz normalen Berufen nachgingen, sie konnten sich keine Arbeitslosigkeit leisten. Als repräsentative Beispiele sind hier unter anderen Novalis, Hoffmann und Eichendorff zu nennen: Novalis war Beamter und Bergbauingenieur in Sachsen, Hoffmann Richter am Kammergericht in Berlin und Eichendorff untergeordneter Beamter in Preußen[2]. Trotzdem entwarfen romantische Schriftsteller in ihren Werken ein idealisiertes Bild vom Leben, das keineswegs die Realität ihres eigenen Lebens widerspiegelte. Dies bedeutet aber nicht, dass sich romantische Autoren der eigenen Realität willentlich entzogen, vielmehr sieht Ziolkowski „die Beziehung zwischen Leben und Literatur“ als produktiven „Austausch zwischen zwei einander komplementären Sphären“.[3]

Betrachtet man dies aus dem im Hinblick der biographischen Sicht erhöhten Blickwinkel der Literaturgeschichte, so stehen die Romantiker immer in Beziehung mit bestimmten Institutionen. Sie gestalten diese Institutionen mit und werden gleichzeitig von ihnen beeinflusst, ihre Ideen werden aufgenommen und sie erhalten selbst neue Einflüsse. Ziolkowski schreibt dazu:

„In den Institutionen nehmen die regulativen Ideen Gestalt an, welche die Individuen in bezug auf ihre Gesellschaft teilen. Als in der Regel unbewusste Vorraussetzungen gehen sie so auch in die Werke derjenigen ein, die unter anderem auch Schriftsteller sind.“[4]

2.1 „Der Begriff der Institution in der Literaturtheorie“

In der Literaturtheorie gibt es bezüglich des Begriffs der „Institution“ zwei Ansätze, den amerikanischen und den deutschen oder europäischen Ansatz. Beiden gemeinsam ist die Tatsache, dass die Literatur als Institution angesehen wird, genau wie Kirche, Staat oder Universität.

Die amerikanische Sichtweise betrachtet jedoch, im Gegensatz zur deutschen/ europäischen Sichtweise, die Institution aus einer Perspektive innerhalb derselben. Umgekehrt unterscheidet sich die deutsche Sichtweise insofern von der amerikanischen, als sie die Literatur von außen betrachtet, die Institutionstheorie sich nicht vorrangig nur mit Literatur, sondern allgemeiner mit Kunst beschäftigt und dass in diesem Zusammenhang Kunst nicht als Absolutum betrachtet wird, sondern als Ware. Nach Ziolkowski ist bei dieser Ansicht die Tatsache problematisch, dass die deutsche Institutionstheorie sehr abstrakt bleibt und sich selten mit der „spezifischen Analyse einzelner Künstler oder Werke“ beschäftigt.[5] Allerdings bedient sich Ziolkowski in seinem Werk keines dieser beiden Ansätze, vielmehr entwickelt er selbst einen Ansatz, der seiner Ansicht nach „in die Mitte zwischen beiden Methoden“[6] gehört und im folgenden Kapitel erläutert wird.

2.2 „Der Begriff der Institution in der soziologischen Theorie“

In soziologischer Hinsicht beschreibt der Begriff der Institution einen Apparat oder eine Struktur, der Menschen angehören und die sie durch ihr Tun prägen, also sozusagen eine übergeordnete Instanz des einzelnen Menschen, die zwischen dem Individuum und der Kultur, der es angehört, steht. Dabei leistet der Einzelne seinen Beitrag zur Gesellschaft über den Umweg der Institution, der er angehört. Nur durch eine Verknüpfung, also ein System von Institutionen, kann eine Gesellschaft oder Kultur funktionieren. Allerdings ist der ,Beginn’ oder die ,Geburt’ einer Institution mit einem prägenden Individuum verbunden, das die Institution ins Leben ruft. Ziolkowski zitiert hier James K Feibleman, der Ignatius von Loyola und den Jesuitenorden als Beispiel für diese These anführt.[7] Im in dieser Hausarbeit behandelten Werk Ziolkowskis möchte dieser genau diese prägenden Individuen näher beleuchten und umgekehrt darauf eingehen, wie die beschriebenen Institutionen die Romantiker selbst prägten, also die Wechselwirkung zwischen Individuum und Institution.[8]

2.3 „Der Begriff der Institution im romantischen Denken“

Ziolkowski geht davon aus, dass das romantische Denken an nichts so fest glaubte „wie an die Vorstellung einer zentralen Kraft, die alle Unternehmungen des Zeitalters durchdringt und ihnen einen gemeinsamen Ton verleiht“.[9] Diese, von Hegel „Geist der Zeit“[10] genannte Kraft ist die Beziehung zwischen „Politik, Staatsverfassung, Kunst, Religion, Philosophie“[11], beziehungsweise der Ursprung dieser Institutionen. Nach Ziolkowski zeigt sich der „Geist der Zeit“ in den repräsentativen Institutionen einer Epoche. Um also eine Epoche wie die der Romantik zu verstehen, muss man sich deren Institutionen genauer ansehen.

3. Die verschiedenen Institutionen in der Literatur der Romantik

3.1 Das Recht

Theodore Ziolkowskis Wahl des Rechts als Institution der romantischen Literatur beruht einerseits auf der Tatsache, dass nicht wenige Werke der Romantik in ihrer Handlung juristische Begebenheiten zumindest andeuten, wenn sie nicht sogar als tragende Elemente der Handlung benutzt werden (Ziolkowski führt dazu Werke von Goethe, von Kleist und Hoffmann an[12] ). Andererseits waren nicht wenige zur Zeit der Romantik tätige Schriftsteller Jurastudenten; einige davon, wie beispielsweise Hoffmann, waren mehr oder minder juristisch tätig (Hoffmann, wie schon erwähnt, als Richter in Berlin). Der Stellenwert des Rechts im Deutschland der Romantik und die damit einhergehende Popularität des Rechtsstudiums hatten verschiedene Gründe. Zum einen wurde das Recht in Deutschland seit jeher an der Universität vermittelt, im Unterschied zu England, Frankreich und den Vereinigten Staaten, wo das Studium des Rechts traditionell eine praktische Ausbildung war. Zum anderen waren die deutschen Rechtsfakultäten eher mit heutigen Fakultäten für Sozialwissenschaften zu vergleichen. Daher schrieben sich in der Regel auch angehende Verwaltungsbeamte für das Studium der Jurisprudenz ein, was die Anzahl der Jurastudenten im Deutschland der Romantik erklärt. Der entscheidende Grund war aber vermutlich die Tatsache, dass deutsches Recht seit Jahrhunderten aus einer Mischung aus germanischem Gewohnheitsrecht, kanonischem Recht und römischem Recht bestand, das zu Beginn der Romantik in immer größeren Konflikt mit dem sogenannten Naturrecht geriet. Das Naturrecht „suchte den Grund der universellen Menschenrechte nicht länger in Gott oder einer göttlichen Natur, sondern ausschließlich in der menschlichen Vernunft“.[13] Aus diesem Konflikt entstand der sogenannte Kodifikationsstreit, der zu einer lebhaften Debatte der gebildeten Schicht Deutschlands führte. Die meisten Schriftsteller der Romantik sympathisierten in diesem Streit mit dem althergebrachten, herkömmlichen Recht und waren sich vor allem in der Abneigung des ,Code Napoleon’ einig, der seit den napoleonischen Kriegen ebenfalls Gegenstand der Rechtsstreitigkeiten war. Es war daher nicht weiter verwunderlich, dass viele Schriftsteller der Romantik während ihrer Ausbildung Jura studierten und im Verlauf ihrer literarischen Karriere die ,Institution Recht’ mehr oder minder in ihre Werke einfließen ließen.

[...]


[1] http://www.klett-cotta.de/autoren_z.html?&uid=48&cHash=a43095d6b2

[2] Ziolkowski (1992), S. 10 ff.

[3] Ebenda, S. 11.

[4] Ebenda, S. 12.

[5] Ziolkowski (1992), S. 18.

[6] Ebenda, S. 19.

[7] S. 19: James K. Feibleman, „The Institutions of Society“, London 1956, S. 162.

[8] Ziolkowski (1992), S. 19 ff.

[9] Ziolkowski (1992), S. 22.

[10] Georg Friedrich Wilhelm Hegel, „Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie I“. In: „Werke“, hrsg. Von Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel, 20 Bände, Frankfurt am Main 1971, Bd. 18, S. 69.

[11] Ziolkowski (1992), S. 23.

[12] Ebenda, S. 83ff.

[13] Ziolkowski (1992), S. 99ff.

Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638815093
ISBN (Buch)
9783638816571
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76062
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,7
Schlagworte
Eine Buchbesprechung Theodore Ziolkowski Poeten Romantik Institutionen

Autor

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