Lade Inhalt...

Ethnisierung von Haushaltsarbeit am Beispiel von Au-Pairs aus der Slowakei

Hausarbeit 2005 20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rahmenbedingungen
2.1 Rahmenbedingungen der Frauenerwerbs- und Hausarbeit in Deutschland
2.2 Einwanderungspolitik

3. Migration in den Arbeitsplatz Haushalt
3.1 Handlungslogiken von Erwerbs- und privater Arbeit
3.2 Ethnisierung von Hausarbeit

4. Au- pair
4.1 Probleme in der Vermittlungstätigkeit
4.2 Motivation
4.2.1 Motive der Au-pairs
4.2.2 Motive der Familien
4.3 Gegenseitige Wahrnehmung von Au-pair und Gastfamilie
4.4 Eigendynamik der Migration und Nachfolgestrategien

5. Fazit

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich mit der Ethnisierung von Haushaltsarbeit befassen. Hierbei möchte ich mich mit dem Thema zunächst allgemein befassen, um im zweiten Teil als konkretes Beispiel die Migration von Au-pairs aus Osteuropa näher auszuführen. Zunächst werde ich im allgemeinen Teil die allgemeinen Rahmen­be­dingungen aufführen. Hierzu gehören zunächst die Möglichkeiten in Deutschland Familien – und Haushaltsarbeit mit der Berufstätigkeit zu vereinbaren. Diese lässt sich oft nur durch die Delegierung von Haushaltsarbeit an Dritte bewältigen.

Die Möglichkeit, diese an Migrantinnen zu delegieren sind durch die Einwanderungs­politik enge Grenzen gefasst, die ich in Abschnitt 2.2 ausführen werde.

Im 3. Abschnitt befasse ich mich allgemein mit den Handlungslogiken von Erwerbs- und privater Haushaltsarbeit, um aufzuzeigen, dass sich aus den spezifischen Logiken der jeweiligen Arbeit spezifische Probleme ergeben, insbesondere dort, wo Haushaltsarbeit gegen Bezahlung ausgeführt wird. Im Weiteren werde ich in Abschnitt 3.2 allgemein auf die Ethnisierung von Haushaltsarbeit eingehen, woran schließt sich der spezielle Teil meiner Arbeit anschließt.

Im 4. Teil meiner Arbeit werde ich mich mit der Migration von Frauen aus Osteuropa als Au-pair befassen. Hier beziehe ich mich auf eine Studie von Sabine Hess, die sechs Frauen vor, während und nach ihrem Aufenthalt in Deutschland begleitet hat. Hierbei werde ich die zunächst auf die allgemeinen Rahmenbedingungen – hier sind insbesondere Problemkonstellationen in der Vermittlungstätigkeit zu nennen - unter denen Au-pairs nach Deutschland kommen eingehen.

Im Weiteren möchte ich die Motive der Au-pairs und ihrer Gasteltern ausführen. Der Aufenthalt und ihre Arbeit werden von einer Sicht aufeinander, die durch die Kategorien Ethnizität und Geschlecht maßgeblich mitbestimmt ist, geprägt. Auch die in Abschnitt 3.1 ausgeführten Handlungslogiken von privater Haushalts- und Erwerbsarbeit spielen während ihres Aufenthalts und in der konkreten Umsetzung ihres Arbeitsverhältnisses eine wichtige Rolle, auf die ich dort weiter eingehen werde.

Zuletzt werde ich anhand des Beispiels der Au-pairs darstellen, inwieweit Migration eigendynamische Effekte erzeugt, die zur Aufrechterhaltung der Migration beitragen können.

2. Rahmenbedingungen

Zunächst möchte ich mich mit den Rahmenbedingungen beschäftigen, unter denen Migration in Arbeitsstellen im Haushalte in Deutschland möglich, notwendig, eingeschränkt oder illegalisiert wird. Hier ist auf der einen Seite die steigende Nachfrage nach Hilfe im Haushalt durch die steigende Berufstätigkeit der Frauen zusehen, auf der anderen Seite die einschränken den rechtlichen Rahmenbedingungen.

2.1 Rahmenbedingungen der Frauenerwerbs- und Hausarbeit in Deutschland

Die Möglichkeiten von Frauen mit Kindern heute beruflich tätig zu sein, unterliegt verschiedenen Rahmenbedingungen[1]: Zu nennen ist hier die weiter bestehende Lohnschere, die es zumeist unattraktiv bis unmöglich erscheinen lässt, wenn die zumeist geringer verdienende Frau nach der Geburt von Kindern weiter arbeitet, und der Mann die Führung des Haushalts und die Betreuung der Kinder übernimmt. Diese Lohnschere wird durch eine weiter bestehende Tendenz zur geschlechtsspezifischen Berufswahl aufrechterhalten bzw. verstärkt. Die Zuständigkeit für die Führung des Haushalts verbleibt infolge dessen überwiegend in der Zuständigkeit der Frau. Auch die bestehenden Arbeitsmarktstrukturen lassen kaum einen Raum für die Erwerbstätigkeit der Frau während der Erziehungsphase. So ist eine Teilzeittätigkeit nicht immer problemlos umsetzbar, oder zumindest mit Einbußen in der Berufskarriere verbunden, da ein beruflicher Aufstieg im Normalfall mit einer Vollzeitbeschäftigung verbunden ist. Eine weitere Hürde für die Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben findet sich in der Abwesenheit bzw. Unflexibilität von Kinderbetreuungseinrichtungen. Diese sind – wenn überhaupt vorhanden bzw. verfügbar - in ihren Öffnungszeiten zumeist höchstens auf eine Halbtagstätigkeit der erziehenden Mutter (bzw. – wenn auch seltener - des Vaters) ausgerichtet. Auch das bestehende Steuersystem setzt mit dem Ehegattensplitting Anreize dafür, dass der geringer verdienende Partner – im Normalfall wie angeführt die Frau - keinem Beruf nachgeht.

Die hier aufgeführten Rahmenbedingungen lassen der Mehrzahl von Familien nur zwei Möglichkeiten offen. Die erste besteht darin, zumindest während der Phase, in der Kinder betreut werden müssen, die “klassische Arbeitsteilung“ aufrechtzuerhalten, d.h. die zumeist geringer verdienende Frau kümmert sich um den Haushalt während der Mann weiter seiner Erwerbsarbeit nachgeht. Die zweite Möglichkeit ist die Delegierung der Arbeit in der Familie an Dritte. Hier sind als die bedeutsamsten Formen zunächst die teilweise Delegierung bestimmter Arbeiten an eine wenige Stunden in der Woche arbeitende Haushaltshilfe zu nennen, sowie der Rückgriff auf andere Familienange­hörige, wie die Mutter bzw. Schwiegermutter zur Betreuung der Kinder zu nennen. Diese Möglichkeit ist jedoch insbesondere aufgrund der hohen Mobilität des modernen Arbeitslebens und einer daraus folgenden räumlichen Trennung von der Verwandtschaft häufig nicht möglich. Sofern die Möglichkeit, eigene Verwandte in die Haushalts- und Erziehungsarbeit mit einzuspannen nicht möglich ist, kann schließlich auf Tagesmütter oder Kindertagesstätten als Betreuungsmöglichkeit zurückgegriffen werden. Diese sind jedoch nicht jederzeit verfüg- oder finanzierbar. Allgemein lässt sich feststellen, dass im Zuge des Modernisierungsprozesse ein gestiegener Bedarf an Dienstleistungen in der Betreuung, der Pflege und im häuslichen Bereich festzustellen ist[2]. Die Ursachen sind neben der steigenden Berufstätigkeit der Frau - bei weiterhin bestehender geschlechts­spezifischer Aufteilung im Reproduktionsbereich- in der Alterung der Gesellschaft, sich verändernden Familienstrukturen, sowie steigender Mobilität zu sehen. Der damit einhergehende steigende Bedarf nach Haushaltsarbeiterinnen[3] sowie Pflege- und Betreuungskräften wird zunehmend von Migrantinnen gedeckt. Somit kann von einer Ethnisierung von Haushaltsarbeit gesprochen werden, auf die ich in Abschnitt 3.2 näher eingehen werde.

2.2 Einwanderungspolitik

Bedeutend für die Bedingungen, unter denen Migrantinnen in Deutschland leben und arbeiten können, ist die deutsche und europäische Einwanderungspolitik. Die seit den 1980ern institutionalisierten Arbeitsmigrationsformen in Deutschland sind als „Ausnahmen“ von der Norm der Nicht-Einwanderung zu sehen und in der „Anwerbestoppausnahmeverordnung“ reguliert. Einreise- und Aufenthaltsgenehmigungen werden seither zeitlich befristet und lediglich gegen Vorweis eines Arbeits- bzw. Studienplatzes vergeben. Offizielle Arbeitsmigration existiert nur noch in Form der Saisonarbeit - insbesondere in der Landwirtschaft und der Gastronomie - (max. 3 Monate) oder von Werkverträgen (max. 3 Jahre) für Beschäftige von Firmen mit Sitz im Ausland. Andere Einreisemöglichkeiten (Kranken- und Pflegepersonal; WissenschaftlerInnen, Fachkräfte mit Hochschulabschluss, Künstler, Artisten und Fotomodelle) sind zahlenmäßig vernachlässigbar[4]. Diese wenigen legalen Aufenthaltsmöglichkeiten sind vornehmlich auf die Migration von Männern ausgerichtet. Die noch verblieben Möglichkeiten der Migration nach Deutschland lassen kaum Möglichkeiten für Frauen aus dem nicht-europäischen Ausland, legal in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Dies bedeutet in der Konsequenz eine überdurchschnittliche Illegalisierung der Migration von Frauen-spezifischen Migrationsmustern. Diese finden somit überwiegend Anstellungen im „informalisierten Dienstleistungssektor“, vor allem in der Sexindustrie und in Privathaushalten[5]. Die deutsche Einwanderungspolitik in Verbindung mit dem bestehenden EU-Grenzregime, mit der damit verbundenen und intendierten starken Eingeschränktheit einer dauerhaften Niederlassung führt jedoch nicht zu der beabsichtigten Verhinderung dauerhafter Migration. Vielmehr verursacht diese Einwanderungspolitik vielfältige Effekte, wie z.B. die Flexibilisierung der Migration in Form von Pendelmigration[6].

Die Nachfrage nach preiswerten Haushaltshilfen oder Kinderbetreuung durch ausländische, insbesondere osteuropäische Frauen ist, wie oben angeführt, vorhanden, aber in der offiziellen Einwanderungspolitik komplett ausgeblendet und somit legal nicht möglich. Migration in den Arbeitsplatz Privathaushalt ist also nur auf zwei Wegen umsetzbar: illegal oder – für die Dauer eines Jahres – als Au-pair[7]. Migration in Haushalte ist somit insbesondere auch als eine Nische für undokumentierte Frauen zu sehen, die in diesem weitgehend unregulierten und nahezu unkontrollierten Sektor –geschützt durch die Privatsphäre- einen hohen Schutz vor staatlicher Kontrolle genießen.

[...]


[1] im folgenden: Rerrich, 2002, S. 21 ff.

[2] Heubach 2002, S. 168

[3] Ich habe mich für diesen Begriff entschieden, da er den Arbeitscharakter der Haushaltsarbeit nicht verunsichtbart. Im Weiteren verwende ich stets die weibliche Form, da es sich in der großen Mehrzahl der Fälle um Frauen handelt, und sich meine Arbeit mit geschlechtsspezifischen Problemen der Haushaltsarbeit von Frauen beschäftigt.

[4] Hess 2005, S. 89

[5] Hess 2005, S. 96

[6] Hess 2005, S. 238

[7] Hess 2005, S. 98

Details

Seiten
20
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638808293
DOI
10.3239/9783638808293
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Erscheinungsdatum
2007 (Juni)
Note
1,0
Schlagworte
Ethnisierung Haushaltsarbeit Beispiel Au-Pairs Slowakei Migration Räume Gesellschaften

Autor

Zurück

Titel: Ethnisierung von Haushaltsarbeit am Beispiel von Au-Pairs aus der Slowakei