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Problemkonstellationen in Selbsthilfegruppen aus der Perspektive professioneller Selbsthilfeunterstützer

Diplomarbeit 2005 173 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1.0. Einleitung
1.1. Erkenntnisinteresse der Studie

2.0. Begriffsklärung
2.1. Definition "Selbsthilfe"
2.2. Definition "Selbsthilfegruppe"
2.3. professionelle Selbsthilfeunterstützer

3.0. Leistungspotentiale/-grenzen von Selbsthilfegruppen im Spiegel der einschlägigen Forschungsliteratur
3.1. Leistungspotentiale von Selbsthilfegruppen
3.1.1. Selbsthilfegruppen als vierte Säule des Sozialstaates
3.1.2. Selbsthilfegruppen als Bestandteil des Gesundheitswesens
3.2. Leistungsgrenzen- und Problempotentiale
3.2.1. Ausgangslage

4.0. Darstellung der Forschungsmethodik
4.1. Methodologische Vorüberlegungen
4.1.1. Qualitatives Experteninterview
4.2. Durchführung
4.2.1. Zugang zum Feld und Beschreibung des Vorgehens

5.0. Problemkonstellationen in Selbsthilfegruppen aus der Perspektive von Professionellen - Ergebnisse der Studie
5.1. Auswertungsverfahren
5.2. Portraitierung der Interviewpartner
5.3. Ergebnispräsentation
5.3.1. Problemkonstellationen/Leistungsgrenzen innerhalb des Organisationssystems Selbsthilfegruppe
5.3.2. Problemkonstellationen/Leistungsgrenzen in Bezug auf Anforderungen durch das professionelle System und umgekehrt
5.3.3. Problemkonstellationen/ Scheiterungsgründe in einer Selbsthilfegruppe für den Einzelnen
5.3.4. "Heiße Eisen" in der Selbsthilfeszene oder in den Reihen der SH/-unterstützer
5.3.5. Erfassen des Bedarfes an Fortbildungsangeboten
5.3.6. Analyse der Argumentationsstruktur der Interviewten
5.3.7. Reliabilität der Aussagen
5.4. Fehlerdiskussion

6.0 Zukünftiger Forschungsbedarf/offene Fragen

1.0. Einleitung:

Ruppert Neudeck Vorsitzender der Flüchtlingshilfeorganisation "Cap Anamour" und der Organisation "Grüne Helme", äußerte sich zur Hilfe der UN in den zu Weihnachten von einer Tsunami verwüsteten Ländern Südostasiens, in einem sehr eloquenten Artikel vom 06.01.2005 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sinngemäß wiedergegeben stand da zu lesen, dass er die Vorgehensweise der UN für unwürdig halte, die erst damit beginne "protzige" Logistik, wie etwa Parkplätze für die Fahrzeuge der Mitarbeiter, die völlig unangemessen sei vor Ort zu errichten und so in unannehmbarer Weise Geld verschwende, um dann Lager bestehend aus Notunterbringungscontainern zu schaffen, in welchen die Leute von der internationalen Hilfsbereitschaft in Abhängigkeit gehalten werden, anstatt ihnen Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen und ihnen z. B. Baustoffe zu stellen mit welchen sie ihre verlorenen Häuser selbst wieder aufbauen könnten.

Dieser aktuelle Artikel, der sich leider mit den schrecklichen Ereignissen in Südostasien befaßt, hat in seiner Brisanz auch eine gewisse Relevanz für meine hier vorliegende Arbeit.

Diese Hilfe zur Selbsthilfe ist auch nach meiner persönlichen Meinung der richtigere Weg.

Schließlich sollte man die Entwicklungshilfesünden, die seit Generationen in Afrika praktiziert wurden und zum Teil noch werden, nicht in Südostasien wiederholen. Oft genug konnte man beobachten und kann es auch jetzt noch, dass die Menschen in den Hungergebieten Afrikas, erinnert sei an Äthiopien oder Somalia, wohlmeinend von westlichen Helfern in Flüchtlingslagern kaserniert und dort mit allem notwendigen Gütern des täglichen Bedarfes, oft über Jahre hinweg versorgt wurden und werden, ohne darüber nachzudenken, dass diese Menschen dadurch in Abhängigkeit gehalten, quasi entmündigt werden. Man nahm ihnen die Möglichkeit sich selbst zu helfen, und machte sie statt dessen dauerhaft von den Lebensmittelspenden der westlichen Welt abhängig.

Erst langsam erkannte man diese fatalen Folgen einer zu kurz gedachten, wohlmeinenden Hilfeleistung der internationalen Gemeinschaft und beginnt langsam Modelle zu entwickeln, die Menschen aus der Abhängigkeit heraus führen damit sie ihr Leben wieder in die eigenen Hände nehmen.

Die Forderung von Herrn Neudeck ist also durchaus richtig, wobei allerdings auch angesichts der momentanen Notlage der Betroffenen vor Ort nicht übersehen werden darf, dass Lebensmittel, sauberes Trinkwasser und Medikamente vorerst das Wichtigste sind, was sie brauchen. Jedoch muss die Hilfe schon jetzt so angelegt sein, dass sie den Charakter einer Notfallhilfe hat und weitergehende Maßnahmen darauf gerichtet sein müssen, die Menschen unabhängig von dieser Hilfe zu machen.

Hilfe zur Selbsthilfe ist in den letzten Jahren, gerade hier in Deutschland, zu einem Modebegriff, nicht nur im sozialem Bereich, sondern auch in der Politik, der Wirtschaft und anderen Bereichen geworden. So richtig es ist Menschen zu helfen zur Selbsthilfe in der Lage zu sein, dürfen trotz aller Euphorie über diese quasi Zauberformel, die Grenzen der Selbsthilfe nicht außer acht gelassen werden, da man die Betroffenen ansonsten überfordert und sie im Regen stehen läßt.

Was mir jedoch bei der Erstellung meiner Arbeit, die sich ja unter anderem mit Leistungsgrenzen von Selbsthilfegruppen beschäftigt auffiel, ist die Tatsache, dass die Leistungsgrenzen der Selbsthilfe noch gar nicht wirklich ergründet sind und ich keine wirklich umfassende Arbeit auffinden konnte, die sich mit jener Thematik wissenschaftlich beschäftigt.

Ich war zwar nicht in der Lage wirklich alle Veröffentlichungen die sich mit dem Thema Selbsthilfe im weiteren Sinne beschäftigen zu studieren und es ist möglich, dass mir durchaus eine Arbeit entgangen ist, jedoch konnten mir auch wirkliche Fachleute der Selbsthilfe- und Selbsthilfegruppenforschung, wie etwa Herr Wolfgang Thiel oder Herr Jürgen Matzat, auf Anfrage meinerseits, nach einer adäquaten Veröffentlichung zu dem Thema, nicht weiterhelfen. (siehe Anhang).

Ich finde es jedenfalls durchaus merkwürdig, dass diese Hilfe zur Selbsthilfe in bestimmten Kreisen quasi als Allheilmittel propagiert wird, sich offenbar niemand aber wissenschaftlich mit den "Risiken und Nebenwirkungen" dieses "Medikaments" befaßt hat. Wenn die Pharmaindustrie neue Medikamente auf den Markt bringt ist sie verpflichtet auf eben solche Risiken und Nebenwirkungen hinzuweisen, bei der Selbsthilfe, die zwar vielfach auch von professioneller Seite propagiert wird, sich aber andererseits weitgehend der direkten Kontrolle eben jener Professionellen entzieht, hält man das offenbar nicht für notwendig.

Ich sehe meine Arbeit jetzt nicht als ein umfassendes Werk an, das Antworten auf die Frage nach den Problemkonstellationen und Leistungsgrenzen in Selbsthilfegruppen liefert, das kann und soll sie nicht leisten, sondern als ein erstes vorsichtiges Vorfühlen in jenen "dunklen Raum".

Schon dadurch bedingt, dass ich mich in jener Arbeit nur auf die Perspektive von Professionellen auf Problemkonstellationen und Leistungsgrenzen in Selbsthilfegruppen konzentriere und nicht auch die Perspektive von Mitgliedern von Selbsthilfegruppen beleuchte, ist diese Exploration gar nicht in der Lage schlüssige Antworten zu liefern. Schon gar nicht mit einer so kleinen Stichprobenanzahl von nur vier Interviewten. Aber das ist auch gar nicht der Anspruch, sondern nur ein Auffinden von möglicherweise ersten Indizien, die dann hoffentlich von berufener Seite weiterverfolgt werden.

Diese Diplomarbeit gliedert sich grob gesagt in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Im theoretischen Teil beginne ich damit erst einmal die zentralen Begriffe meiner Fragestellung zu definieren, also was ist "Selbsthilfe", eine "Selbsthilfegruppe" und was versteht man unter "professionelle Selbsthilfeunterstützer". Anschließend versuche ich die Leistungspotentiale von Selbsthilfegruppen hinsichtlich ihrer Bedeutung einmal für den Sozialstaat und zum anderen für das Gesundheitssystem herauszustreichen, bevor ich dazu übergehe meine verwendete Forschungsmethode zu beschreiben und meinen Zugang zum Feld zu erläutern. Im praktischen Teil beschreibe ich zunächst die verwendeten Auswertungsverfahren und portraitiere anschließend die Interviewpartner. Daran schließt sich dann die Ergebnispräsentation der Studie an, wobei auch die Argumentationsstruktur der Befragten vorsichtig analysiert, sowie die Reliabilität der Aussagen diskutiert wird. Abschließend erfolgt eine Fehlerdiskussion und ich verweise noch kurz auf offene Fragen und den weiteren Forschungsbedarf.

1.1. Erkenntnisinteresse der Studie

Die Haupterkenntnis die ich mir durch diese Arbeit erhoffe ist zuallererst festzustellen, was Professionelle an Problemkonstellationen und Leistungsgrenzen in Selbsthilfegruppen sehen und wie sie das begründen. Durch die enge Zusammenarbeit der professionellen Selbsthilfeunterstützer mit Selbsthilfegruppen/-mitgliedern und Interessierten auf der einen und anderen Professionellen auf der anderen Seite, haben sie Einblick in beide Felder. Dadurch steht zu erwarten, dass sie einmal tatsächlich beobachtete Leistungsgrenzen, Problempotentiale in Selbsthilfegruppen oder von Mitgliedern der Gruppen an sie heran getragene, Schwierigkeiten schildern können, zum anderen Beobachtungen oder Theorien von Dritten, also anderer Professioneller, erzählen.

Ich beziehe mich in meiner Arbeit jetzt auch nicht auf die gesamte Bandbreite der Erscheinungen die unter dem Begriff Selbsthilfegruppen subsumiert werden können, sondern in erster Linie auf soziale Selbsthilfegruppen, da die Befragten hauptsächlich in ihrer täglichen Praxis mit solchen zu tun haben. Unter Punkt 2.2. verweise ich allerdings kurz auf andere Phänomene die unter diesen Begriff einordenbar sind.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist herauszufinden welche Erwartungen, die von außen durch Professionelle oder Organisationen/Institutionen an solche Gruppen heran getragen werden, von den Unterstützern als bedenklich bewertet werden. Also Erwartungen die solche Gruppen überlasten, sie an Leistungsgrenzen als Ganzes oder zu Überforderungen einzelner Mitglieder führen können.

Einen weiteren Erkenntnisschwerpunkt bilden die sogenannten "heißen Eisen", also Dinge über die man innerhalb der Selbsthilfe-/Selbsthilfeunterstützerszene nicht gerne spricht, die eventuell tabuisiert werden. Ich halte es für sehr wichtig, solche Tabus zu thematisieren, da vor allem eben oft solche "heißen Eisen" es sind, werden sie nur erst einmal angesprochen oder angepackt, die oft den größten Innovationsschub bringen.

Ein weiterer Punkt der mich sehr interessiert bezieht sich auf die Tatsache, dass es immer wieder Menschen gibt die in Selbsthilfegruppen scheitern. Ich erhoffe mir da Antworten von den Interviewpartnern, die Indizien bezüglich dieser Frage liefern. Also Beobachtungen, Aussagen von Betroffenen mit denen sie möglicherweise Kontakt hatten oder Eigentheorien.

Natürlich können aus den Aussagen der Befragten, einmal aufgrund der geringen Stichprobenanzahl und zum anderen durch den Charakter von Beobachtungen oder Erfahrungen, die sich jeweils mit einer speziellen Selbsthilfegruppe verbinden, keine allgemeingültigen Schlüsse abgeleitet werden. Die Aussagen stellen jeweils nur Erscheinungen dar, die sich mit einer bestimmten Gruppe und einem jeweils ganz eigenen Kontext verbinden lassen. Die von mir dargestellten Ergebnisse können also letztlich als Indizien möglicher aufzufindender Phänomene in Selbsthilfegruppen angesehen werden, die auf eine Übertragbarkeit auf eine größere Anzahl von Gruppen erst in einer nachfolgenden Untersuchung hin überprüft werden können. Zum anderen zeigen die Ergebnisse nur die von den Professionellen wahrgenommenen Phänomene auf, die sich aus der Perspektive der Selbsthilfegruppenmitglieder ganz anders darstellen können.

Was mich auch noch interessiert ist, wie die Kontaktstellen den Fortbildungsbedarf von Selbsthilfegruppen/-mitgliedern ermitteln, da sich aus den angebotenen Fortbildungen, indirekt, auch wieder Schlüsse auf Problemkonstellationen, Leistungsgrenzen, Überforderungstendenzen ableiten lassen.

Es macht dabei durchaus einen Unterschied, ob die Kontaktstellenmitarbeiter sich die Angebote quasi selbst zusammenreimen oder ob sie den Bedarf bei der Zielgruppe erheben. Ich möchte deshalb gerne herausfinden ob und wie sie den Bedarf ermitteln.

Eine Auswertung der Fortbildungsangebote, die von Kontaktstellen, z. B. im Internet auf deren jeweiliger Homepage angeboten werden, wäre deshalb erforderlich. Leider konnte ich das in der kurzen, mir zur Verfügung stehenden, Zeit nicht mehr realisieren.

2.0. Begriffsklärung

Bevor ich nun beginne die Leistungspotentiale von Selbsthilfegruppen zu erörtern, möchte ich erst einmal die verwendeten Begriffe Selbsthilfe, Selbsthilfegruppe und professionelle Selbsthilfeunterstützer definieren.

Das ist besonders wichtig, da die Definitionen gerade für den Begriff Selbsthilfe doch sehr weit auseinander liegen können, wie sich im nächsten Abschnitt zeigen wird.

2.1. Definition "Selbsthilfe"

Der Terminus "Selbsthilfe" ist ein alles andere als eindeutig bestimmbarer Begriff, da es den Wissenschaftlern zum einen bereits Probleme bereitet genau zu definieren wo Selbsthilfe beginnt und wo sie endet, zum anderen ist die Bandbreite dessen was als "Selbsthilfe" bezeichnet wird sehr weit.

Die Probleme beginnen eigentlich schon mit dem Wortkonstrukt "Selbsthilfe" selbst.

Kindler(1992) beschreibt das in seinem Buch "Wohlfahrtsverbände und Selbsthilfegruppen zwischen Interessenegoismus und Altruismus" und erläutert, dass schon Luhmann auf diesen "immanenten Widerspruch" zwischen dem Wort "Selbst" und "Hilfe" hinwies, da nach seiner Definition "Hilfe" zumindest die Beziehung zu einem Menschen voraussetzt.[1].

Auch Thomas Webers vom Deutschen Neurodermitikerbund ist sich dieses Dilemmas bewußt, wenn er schreibt: "Selbsthilfe ist ein seltsames Wort: denn entweder wird mir geholfen, dann aber von jemand anderem, einem Helfer. Oder ich schaffe meine Sache alleine, dann ist mir nicht zu helfen."[2]

Aber mit diesem linguistischen Paradoxon ist der Gipfel der Verwirrung noch nicht erreicht, nein, jetzt beginnt sie erst so richtig.

Denn der Terminus "Selbsthilfe" wird von den verschiedensten gesellschaftlichen Gruppierungen und im Zusammenhang mit verschiedensten Aktivitäten beansprucht.

Ob es jetzt im Strafgesetzbuch ist, wo Selbsthilfe mit den §§ 32 und 34 "Notwehr" und "Notstand" gleichgesetzt wird[3], oder ob es sich um wirtschaftliche, kulturelle, gesellschaftliche, politische, soziale und sonstige Gruppen handelt, die sich als Selbsthilfevereinigungen sehen.

Meine Arbeit bezieht sich hauptsächlich auf soziale Selbsthilfe und Selbsthilfegruppen.

Nach Eckhart Pankoke(1997) gehen die Wurzeln der "organisierten" Selbsthilfe auf die mittelalterlichen Stände und Genossenschaften zurück und verknüpfen sich Mitte des 19. Jahrhunderts mit Forderungen des Bürgertums nach bürgerlicher Selbständigkeit, die von Seiten des Proletariats mit dem Ruf nach staatlichen Subventionen zum Zwecke der "Hilfe zur Selbsthilfe" verbunden waren.[4]

Die für den Bereich Sozialwesen maßgeblichste und vor allem naheliegendste Quelle eine Definition von Selbsthilfe zu erhalten, stellt das Fachlexikon der Sozialen Arbeit dar.

Darin wird der Begriff folgendermaßen definiert:

"Selbsthilfe als Prinzip, eigene Probleme aus eigener Kraft bzw. gemeinsame Probleme mit gemeinsamer Anstrengung zu bearbeiten, realisiert sich einerseits in primären Lebenskreisen und Leistungsbereichen des privaten und familialen Alltags (primäre S.), andererseits über die Problemlösungs- und Problembearbeitungsfähigkeit organisierter S. als Gegenkonzept zu bürokratisch oder professionell organisierter "Fremdhilfe".[5]

Das bedeutet also, dass sich Selbsthilfe einmal in primäre und in organisierte Selbsthilfe unterscheiden läßt. Primäre Selbsthilfe würde nach obiger Definition alle Hilfeaktivitäten innerhalb der Familie im weiteren Sinne, sowie den Freundeskreis, aber auch Nachbarschaftshilfe einschließen.

Von organisierter Selbsthilfe kann man demnach sprechen, wenn die Hilfeleistungen auf irgend eine Art quasi institutionalisiert sind, also etwa durch eine Selbsthilfegruppe erbracht werden, nicht nur dem Einzelinteresse dienen und nicht vom professionellem System geleistet werden.

Primäre Selbsthilfe entwickelte sich also zuerst innerhalb von Familien, deren Mitglieder füreinander einstanden und sich im Krankheits- und Pflegefalle um die Angehörigen kümmerten. Primäre Selbsthilfe stellte demnach schon immer eine große Entlastung staatlicher Versorgungssysteme, gerade auch in monetärer Hinsicht, dar, die aber in heutiger Zeit, im Zeitalter der "Arbeitsnomaden", wo familiäre Versorgungssysteme immer mehr aufbrechen, zu erodieren droht.

Organisierte Selbsthilfe ist demnach eine Reaktion auf den zunehmenden Ausfall primärer Selbsthilfe "...durch den Versuch, soziale Bedingungen einer gemeinsamen Problembearbeitung künstlich in Szene zu setzen."[6]

Organisierte Selbsthilfe wird demnach immer dort geleistet, wo das primäre Selbsthilfepotential nicht mehr ausreicht oder wo es so ausgedünnt ist, dass auch einfache Problemkonstrukte zu einer Überforderung führen. Hier springen dann immer öfter Selbsthilfegruppen ein. Die Definition von Selbsthilfegruppen findet sich im Kapitel 2.2.

Auch eine Unterstützung von staatlicher Seite eine "Hilfe zur Selbsthilfe", also eine quasi verordnete Selbsthilfe, läßt sich aus dem BSHG § 1 Abs. 2 ableiten. Darin heißt es, "...Die Hilfe soll ihn soweit wie möglich befähigen, unabhängig von ihr zu leben, hierbei muß er nach seinen Kräften mitwirken."[7]

Diese im Sozialgesetz benannte "Hilfe zur Selbsthilfe" bezieht sich jedoch immer nur auf den Einzelfall und beschränkt sich auf finanzielle Leistungen. Auch die "Hilfe in besonderen Lebenslagen" umfaßt nur monetäre Leistungen, die sich am konkreten Einzelfall orientieren.[8]

Aus dem SGB VIII § 4 Abs. 3 ergibt sich auch ein rechtlicher Anspruch auf Förderung der Selbsthilfe durch die öffentliche Jugendhilfe. Dadurch wird der Selbsthilfe auch von staatlicher Seite ein erheblicher Wert beigemessen.[9]

Nach der Definition der ISAB (Institut für Sozialwissenschaftliche Analysen und Beratung), die von Petra Kammerer und Anne Kuckartz(1994) in ihrer Studie "Professionelle und Selbsthilfe" zitiert wird, ist Selbsthilfe: "primär freiwilliges soziales Engagement in Gruppen und Initiativen".[10] Das ist interessant, da die ISAB offensichtlich nicht zwischen primärer und organisierter Selbsthilfe unterscheidet, sondern Selbsthilfe ausschließlich mit Selbsthilfegruppen und -initiativen gleichsetzt.

Dabei ist allerdings zu beachten, dass sie dabei einen Schritt weiter in der Ausdifferenzierung von Selbsthilfe gehen und sie von der Warte der Sozial- und Gesundheitspolitik aus betrachten.

Danach ist Selbsthilfe eine Form bürgerschaftlichen Engagements mit sozialer, kultureller und gesundheitlicher Zielrichtung, jenseits, und das ist wichtig, von Familie und privater Haushalte aber diesseits des professionellen Systems. Darunter fallen sowohl Eigenhilfe- als auch Fremdhilfeaktivitäten. Selbsthilfe kann demnach sogar von hauptamtlichen Kräften "in gesundheitlichen und sozialen Initiativen und Projekten" im "Übergangsbereich" zu professionellen Dienstleistungen erbracht werden.

Einziges Abgrenzungskriterium zum professionellen Dienstleistungsbereich wäre demnach die Tatsache, das der Hauptteil der Arbeit weiterhin von unentgeltlich tätigen Kräften erledigt wird und nicht von überwiegend bezahlten Mitarbeitern.[11]

Ich kann in dieser Arbeit jetzt nicht alle Definitionen wiedergeben und gegenüberstellen, da dies den Rahmen eindeutig sprengen und die Definition zu redundant erscheinen würde und lasse es mit diesem kurzen Überblick daher bewenden.

Die treffendste und wie ich finde umfassendste Definition die gleichzeitig auch die kürzeste ist, habe ich in dem Buch "Selbsthilfegruppen Ein Leitfaden für die Gruppenarbeit" von Birgit Moos-Hofius und Ilse Rapp(1990) gefunden, sie lautet: "Selbsthilfe ist immer dort entstanden, wo Menschen Notlagen aus eigener Kraft gemeistert haben."[12]

Diese Definition schließt sowohl die primäre, als auch die institutionalisierte Selbsthilfe ein.

2.2. Definition Selbsthilfegruppe

Bevor ich versuche zu definieren was eine Selbsthilfegruppe ist, muss ich noch einmal zusammenfassen was Selbsthilfe bedeutet, da sie gewissermaßen das Grundprinzip ist ohne das Selbsthilfegruppen nicht denkbar wären.

Selbsthilfe entsteht, (wie wir unter Punkt 2.1. erfahren haben) also immer dort, wo Menschen einen Mangel oder ein Problem im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen, kulturellen sozialen oder dem Gesundheits(-system) feststellen von dem sie selbst oder als Angehöriger betroffen sind und daraufhin beschließen, aus eigener Kraft, etwas dagegen zu unternehmen.

Das bezieht sich jetzt nicht auf die primäre also familiale, sondern auf die organisierte Selbsthilfe in Gruppen. Daraus muss man eigentlich ableiten, dass Selbsthilfegruppen eine Defizit orientierte Erscheinung sind. Gäbe es kein Defizit, wäre eine Selbsthilfegruppe nicht denkbar.

Das ist schon einmal eine wichtige Erkenntnis, die ich voranstellen möchte, bevor ich den eigentlichen Versuch unternehme das Phänomen "Selbsthilfegruppe" zu beleuchten. Wenn man also von dieser Defizitthese ausgeht, müsste es eigentlich Selbsthilfegruppen schon immer gegeben haben, da alle menschlichen Gemeinschaften unvollkommene soziale Gebilde darstellten und bis heute darstellen.

Waren dann die Verschwörer um Brutus, die Julius Cäsar ermordeten, nachdem der sich zum Imperator erhoben hatte und damit faktisch den "demokratischen" Senat entmachtete, nicht auch schon eine Selbsthilfegruppe?

Ich lasse diese Frage zunächst einmal unbeantwortet und mache einen Exkurs in die Geschichte der sogenannten "modernen" Selbsthilfegruppen, die immer mit den "Anonymen Alkoholikern" in Verbindung gebracht werden.

Als Geburtsdatum der modernen Selbsthilfegruppenbewegung gilt der Juni 1935, als William Griffith Wilson und Dr. Robert Holbrook Smith, die Anonymen Alkoholiker in den USA gründeten.

Ursache jener Gründung war eine soziale Notlage, die vom professionellen System (Regierung, Gesundheitssystem) nicht ausreichend beachtet und mit herkömmlichen Mitteln auch gar nicht in den Griff zu kriegen war, (also wieder ein Defizit) nämlich einer epidemieähnlich sich verbreitenden Alkoholsucht.

Schuld daran waren zum einen, der Wegfall der Prohibition 1933, von der sich die Regierung einen wirtschaftlichen Aufschwung erhoffte und die Wirtschaftskrise der 30er Jahre, wo Millionen von Arbeitern auf der Straße standen, ohne Hoffnung auf Beschäftigung.

Diese allgemeine "Depression" hatte zur Folge, dass unzählige jener Hoffnungslosen ihr Heil im Alkohol suchten, was zu unliebsamen Folgeerscheinungen, nämlich der massenweisen Alkoholsucht und den daraus resultierenden Problemen führte.[13]

In der Folge entstanden überall in den Vereinigten Staaten in schneller Folge solche Selbsthilfegruppen, aber auch jede Menge anderer Gruppen die nach dem Prinzip der Anonymen Alkoholiker arbeiteten , was den Bedarf deutlich illustriert.

Mitte der 50er Jahre erst, langte die Selbsthilfegruppenbewegung in Deutschland an, wo sich verstärkt in den 60er und 70er Jahren eine Unzahl an Selbsthilfegruppen gründeten.[14] Die 80er Jahre können als der Zeitraum einer allgemeinen Anerkennung von Selbsthilfegruppen und deren Potentialen betrachtet werden und seit Anfang der 90er werden immer mehr Versuche unternommen sie für das soziale Versorgungssystem nutzbringend einzusetzen. Vielfach leider auch Versuche sie zum Zwecke der Kostensenkung zu instrumentalisieren.

Soweit ein kurzer Überblick über die Entstehungsgeschichte.

Doch was ist nun das Besondere an Selbsthilfegruppen, wie lassen sie sich faßbar machen?

Denn die verschiedenartigsten Phänomene vereinigen sich unter dem Begriff: "Selbsthilfegruppe". So fallen darunter z. b. :Laiengruppen, Wohngemeinschaften, nachbarschaftliche Gemeinschaften, Wohlfahrtsverbände, ehrenamtliche Dienste, Genossenschaften, selbstverwaltete Betriebe, therapeutische Gesprächskreise[15] oder sogar Community Based Housing Associations, die sich selbst als Selbsthilfegruppen bezeichnen.[16]. Es ist kaum möglich alle Bereiche aufzulisten oder vorzustellen, in denen Selbsthilfegruppen oder solche, die sich selbst so nennen, arbeiten.

Zu viel hat sich seit den 70er Jahren in diesem Bereich bewegt und das ist auch gut so.

Auf der anderen Seite fällt es aber dadurch immer schwerer das Phänomen Selbsthilfegruppe gegenüber anderen freiwilligen bürgerschaftlichen Vereinigungen abzugrenzen.

Einige jener Erscheinungen bewegen sich am Rande der Selbsthilfe oder in einer Grauzone zwischen Selbsthilfe, Fremdhilfe und zum Teil wirtschaftlichen oder fachlichen Interessen von Professionellen. Auf diese Problematik kann ich jedoch an dieser Stelle nicht näher eingehen, sondern beschränke mich auf die sogenannten sozialen Selbsthilfegruppen.

Es gibt eine furchtbar lange, in typisch deutscher Exaktheit ausformulierte Definition der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e. V., welche lautet:

"Selbsthilfegruppen sind freiwillige, meist lose Zusammenschlüsse von Menschen, deren Aktivitäten sich auf die gemeinsame Bewältigung von Krankheiten, psychischen oder sozialen Problemen richten, von denen sie - entweder selber oder als Angehörige - betroffen sind. Sie wollen mit ihrer Arbeit keinen Gewinn erwirtschaften. Ihr Ziel ist eine Veränderung ihrer persönlichen Lebensumstände und häufig auch ein Hineinwirken in ihr soziales und politisches Umfeld. In der regelmäßigen wöchentlichen Gruppenarbeit betonen sie Authentizität, Gleichberechtigung, gemeinsames Gespräch und gegenseitige Hilfe. Die Gruppe ist dabei ein Mittel, die äußere (soziale, gesellschaftliche) und die innere (persönliche, seelische) Isolation aufzuheben. Die Ziele von Selbsthilfegruppen richten sich vor allem auf ihre Mitglieder und nicht auf Außenstehende; darin unterscheiden sie sich von anderen Formen des Bürgerengagements. Selbsthilfegruppen werden nicht von professionellen Helfern geleitet; manche ziehen jedoch gelegentlich Experten zu bestimmten Fragestellungen hinzu."[17] (kürzer gefasst siehe auch[18] )

Leider mußte ich diese lange Definition jetzt zitieren, da darin eigentlich alle Merkmale des Spezifikums ("echte", soziale) Selbsthilfegruppe enthalten sind.

Die wichtigsten Charakteristika wären also, in knapper Form:

- Freiwillige Zusammenschlüsse von Menschen
- Handeln in eigener Sache
- Selbstbetroffenheit oder Betroffenheit als Angehöriger
- Ziele: Selbstveränderung, Isolation des einzelnen aufheben
- Nicht von Professionellen geleitet.
- Nicht Gewinn orientiert

Zu ergänzen wären nach anderen Autoren noch:

- Keine Gruppenleitung, Prinzip der Egalität[19]
- Begrenzte Teilnehmerzahl (nach Moeller für Gesprächsselbsthilfegruppen 6-12 Mitglieder)[20]
- Schweigepflicht der Mitglieder über alles Gesprochene[21]

Von manchen Autoren wird auch noch der "soziale Wandel", also auch eine Veränderung der sozialen Umwelt, des Lebensumfeldes, als Kennzeichen für Selbsthilfegruppen angesehen.[22] Was ja auch in der Definition der DAG-SHG schon angeklungen ist.

Von Moeller(1981) wird eine solches arbeiten hin auf einen sozialen Wandel sogar ausdrücklich propagiert, da sich eine Verbesserung der eigenen Situation nur durch eine gleichzeitige Veränderung des sozialen Umfeldes erreichen lasse.[23]

Nach Margit Huber(1994) ist ein weiteres, spezifisches Charakteristikum für eine Selbsthilfegruppe die Tatsache, dass solche Gruppen nicht auf Dauer angelegt sind, sondern nur solange Bestand haben, wie das gemeinsame Problem existent ist. Ist es gelöst, hat die Gruppe keine Existenzgrundlage mehr.[24].

Das ist im Prinzip schon richtig, nur wird dabei vergessen, dass es ja nicht nur geschlossene, innenorientierte Selbsthilfegruppen gibt, die keine neuen Mitglieder aufnehmen, sondern die meisten durchaus "offenen" Charakter haben und so ständig neue Mitglieder hinzukommen. Dadurch bedingt können solche Gruppen, oft über Jahrzehnte, mit wechselnder Zusammensetzung, Bestand haben.

Nachdem ich zu erläutern versuchte welche Charakteristika eine Selbsthilfegruppe aufweist, möchte ich nun darstellen wie versucht wird Selbsthilfegruppen von anderen Erscheinungen der Selbsthilfebewegung abzugrenzen.

Dabei sind sich die verschiedenen Autoren und Selbsthilfeunterstützer auch nicht immer einig, wie ich in meiner Literaturrecherche feststellte. Die Grenzen zwischen dem was noch als Selbsthilfegruppe bezeichnet werden kann und dem was nicht mehr darunter fällt, sind oftmals fließend und werden von den unterschiedlichen Akteuren der Szene auch jeweils anders definiert.

Die Klassifizierung von Selbsthilfezusammenschlüssen ist für ein tieferes Verständnis des Gegenstandes wichtig und wurde in der Vergangenheit auch immer wieder unternommen.

Jedoch wird eine einheitliche Klassifizierung dadurch erschwert, wie Rainer Vogel (1990) feststellt, der Trojan (1986) zitiert, der beklagt hatte, dass ".der Begriff `Selbsthilfe` bis an Sinnlosigkeit grenzend, schwammig ausgeweitet" wird.2 5

Nachfolgende Grafik stellt den Versuch einer Abgrenzung zu andern Formen nichtprofessioneller Hilfe dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Wohlfahrt, N./ Breitkopf,H.; Selbsthilfegruppen und Soziale Arbeit, 1995, S.45.

Grafik 1 erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und stellt nur die wichtigsten Selbsthilfeformen außerhalb von Selbsthilfegruppen dar.

Was hierbei deutlich wird ist, dass zwischen Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen unterschieden wird.

Vielleicht wäre es erst einmal wichtig zu unterscheiden was Selbsthilfeorganisationen eigentlich sind.

Selbsthilfeorganisationen werden solche Vereinigungen genannt, die überregional, meist in einem Verband organisiert sind und deren primäres Ziel nicht mehr die Selbstveränderung, sondern eine Veränderung des sozialen, politischen oder gesundheitlichen Systems sind. Sie stellen also Massenorganisationen dar, die, die Interessen ihrer Mitglieder nach außen vertreten und politisch und gesellschaftlich Einfluß nehmen.26 Sie bieten ihren Mitgliedern eine Reihe von Dienstleistungen, wobei aber häufig der kommunikative Austausch jener untereinander, also das Ziel der "Selbstveränderung" zu kurz kommt oder gar nicht mehr geschieht, was Moeller schon 1981 kritisierte.27

Auch Laienhelfergruppen und andere Gruppen, die nicht primär das Ziel einer Selbstveränderung verfolgen, sondern häufig Dienstleistungen für andere erbringen werden hier ausgegrenzt, sowie alle familiären, nachbarschaftlichen und im Freundeskreis erbrachten Hilfeleistungen.

Was diese scharfe Abgrenzung, wie sie in Grafik 1 betrieben wird, aber problematisch erscheinen läßt ist, dass immer mehr Selbsthilfegruppen in der Praxis Dienstleistungen oder Projekte für außenstehende anbieten. Darauf verwiesen auch Wohlfahrt und Breitkopf (1995) bereits.28

Das heißt die typische Selbsthilfegruppe in Reinform gibt es immer weniger und ein Trend hin zu Mischformen ist erkennbar.

Auch die Typisierung all jener Phänomene die unter den Begriff Selbsthilfegruppe fallen sind nicht einheitlich.

So unterscheidet Moeller insgesamt 7 Arten von Selbsthilfegruppen, nämlich:

1. Psychologisch-therapeutische Selbsthilfegruppen
2. Medizinische Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen
3. Bewußtseinsverändernde Selbsthilfegruppen
4. Lebensgestaltende Selbsthilfegruppen
5. Arbeitsorientierte Selbsthilfegruppen
6. Lern- bzw. ausbildungsorientierte Selbsthilfegruppen
7. Bürgerinitiativen29

Die meisten anderen Autoren, wie etwa Trojan,30 Wohlfahrt und Breitkopf,31 Keidel und Meinhold32 usw. differenzieren 4 Typen von Selbsthilfegruppen, wobei es bei den einzelnen Typisierungen auch Unterschiede gibt.

Ich beziehe mich hier auf die Einteilung der SEKO-Bayern, die folgende Unterteilung vornehmen:

Gesprächsselbsthilfegruppen

Nach außen orientierte Selbsthilfegruppen

Selbsthilfeinitiativen

Selbsthilfeprojekte / Selbsthilfeinstitutionen

Ich kann hier nicht alle Typisierungen ansprechen, die in der Literatur auffindbar sind und begnüge mich hier mit den Vorgestellten.

Der Versuch den Begriff der Selbsthilfegruppe zu definieren illustriert anschaulich, dass es trotz mancher Übereinstimmungen bei den Autoren, durchaus keine wirklich abschließende allgemein akzeptierte Meinung darüber gibt. Das soll heißen, dass man sich in den Kernpunkten wohl einig ist, was aber eine Abgrenzung zu anderen freiwilligen bürgerschaftlichen Selbsthilfeaktivitäten betrifft, ein weiter Auslegungsspielraum besteht.

Das zeigt auch wie "bunt" die Palette dessen ist, was sich unter den Begriffen Selbsthilfe und Selbsthilfegruppen subsumieren läßt.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass es Selbsthilfegruppen in Reinform immer weniger gibt und sich statt dessen Mischformen immer mehr durchsetzen, dass die wichtigsten Erkennungsmerkmale aber weiterhin eine Selbstbetroffenheit oder eine Betroffenheit als Angehöriger, eine Selbstveränderung und oder eine Veränderung der sozialen Bedingungen in der Gesellschaft, eine fehlende Gewinnorientierung, sowie das Fehlen einer professionellen Gruppenleitung und letztlich der persönliche Erfahrungsaustausch im direkten Gruppengespräch, sind.

Um am Ende meiner Ausführungen noch einmal auf das Beispiel der Mörder um Brutus zurück zu kommen, läßt sich hier sagen, dass es sich dabei nach der modernen Definition wohl nicht um eine Selbsthilfegruppe handelte.

Nicht nur wegen der ethischen Fragwürdigkeit der Tat, sondern auch weil entscheidende Elemente dessen fehlen, was eine Selbsthilfegruppe ausmacht, wie z. b. das Ziel eine Selbstveränderung herbeizuführen.

Wobei ein Kritiker durchaus behaupten können mag, dass sich der einzelne durch die Tat schon selbst veränderte und möglicherweise eine andere Einstellung zum Wert des menschlichen Lebens dadurch erwarb. Doch entsage ich hier weiteren philosophischen Erwägungen und überlasse es jedem selbst zu urteilen ob es sich um eine Selbsthilfegruppe handelte oder nicht.

Ich halte mich dabei an die Definition einer Selbsthilfekontaktstellenleiterin, die mir einmal in einem persönlichem Gespräch sagte: "Eine Selbsthilfegruppe ist es, wenn die Mitglieder sich selbst so bezeichnen!"

2.3. professionelle Selbsthilfeunterstützer

Der Begriff "professionelle Selbsthilfeunterstützer" ist schon deshalb erklärungsbedürftig, da er das Wort "professionell" enthält.

Professionelle, die mit Menschen zu tun haben, die an einem "Problem" leiden, wie immer das sich jetzt äußern mag, physisch, psychisch, sozial oder emotional, sind zumeist Ärzte, Psychologen, Psychiater oder Sozialarbeiter.

Das zumindest bekommt man zur Antwort, wenn man Menschen fragt, was sie mit obigen Begriff in Verbindung bringen. Und das sind, nach meiner eigenen Erfahrung, nicht nur Menschen, die von Selbsthilfe und Selbsthilfegruppen wenig bis keine Ahnung haben, sondern durchaus auch Professionelle, die in ihrer täglichen Arbeit immer mal wieder mit solchen Gruppen zusammenarbeiten und ansonsten ganz gut darüber Bescheid wissen.

Selten werden mit jenem Begriff unmittelbar Mitarbeiter von Selbsthilfekontaktstellen/-zentren/-büros in Verbindung gebracht (Die natürlich dann oft auch Psychologen oder Sozialarbeiter sind). Weshalb das so ist, wäre auch einmal wert eingehender analysiert zu werden.

Ich beschränke mich an dieser Stelle darauf, die für meine Arbeit relevanten Unterstützer zu benennen.

Der Schwerpunkt meiner Arbeit, was sich ja bereits aus dem Titel ergibt, liegt auf der Perspektive von professionellen Selbsthilfeunterstützern auf Problemkonstellationen in Selbsthilfegruppen.

Das sind im Prinzip dann zuallererst die Mitarbeiter von Selbsthilfekontaktstellen, Selbsthilfezentren oder Selbsthilfebüros oder was es sonst noch für Bezeichnungen gibt. Diese Professionellen arbeiten ja ausschließlich im Selbsthilfebereich und koordinieren, nach ihrem eigenen Verständnis, die Zusammenarbeit zwischen Selbsthilfegruppen auf der einen Seite und die anderer Professioneller, sowie Selbsthilfeinteressierter auf der anderen Seite.

Drei meiner Interviewpartner stammten aus diesem Bereich.

Der vierte Gesprächspartner sollte ein Arzt sein, der einen gewissen Einblick in die Selbsthilfeszene hat, aber auch aufgrund seiner Stellung viel mit anderen Ärzten, Psychiatern und Psychologen in Berührung kommt. Deshalb wählte ich bewußt einen in der Selbsthilfeszene engagierten Arzt vom Gesundheitsamt.

Durch seine, sozusagen "intermediäre" Stellung durfte erhofft werden sowohl seine persönliche Sicht auf die Probleme der Selbsthilfegruppen zu explorieren, als auch einen Einblick in die Haltung gegenüber solchen Gruppen von Seiten der Ärzteschaft zu bekommen.

Mitarbeiter von Selbsthilfekontaktstellen und Ärzte sind wohl die Personen, die am häufigsten mit Selbsthilfegruppen unmittelbar in Berührung kommen, weshalb aus methodologischer Perspektive natürlich sie diejenigen sein mussten, die am ehesten geeignet waren um umfangreiches Datenmaterial, in Hinblick auf meine Fragestellung, zu erheben.

3.0. Leistungspotentiale/-grenzen von Selbsthilfegruppen im Spiegel der einschlägigen Forschungsliteratur

Die Leistungspotentiale, also alles was Selbsthilfegruppen sowohl für ihre Mitglieder, als auch im Gesundheitssystem oder für die Gesellschaft leisten können, ist relativ gut erforscht. Ebenso gibt es, was ihre Stellung und Bedeutung in einem Wohlfahrtsstaat wie Deutschland betrifft, ausreichend Literatur.

Was aber immer noch ein "blinder Fleck" auf der Landkarte der Selbsthilfegruppenforschung ist, ist der Bereich der Problemkonstellationen, worunter sich einordnen lassen, der Bereich der Leistungsgrenzen, der möglichen Gefahren für einzelne, sowie Konflikt- und Problempotentiale sowohl innerhalb der Gruppen, als auch in der Zusammenarbeit mit Professionellen,

Zunächst jedoch möchte ich auf die Leistungspotentiale eingehen.

3.1. Leistungspotentiale von Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen haben ja über ihren unmittelbaren Nutzen, für ihre Mitglieder, hinaus auch eine gesellschaftliche und in steigendem Maße auch eine politische Bedeutung.

Selbsthilfegruppen weisen vielfach nicht nur eine Innen- sondern auch eine mehr oder weniger starke Außenorientierung auf. Das heißt, sie sind nicht nur für ihre unmittelbaren Mitglieder tätig, helfen sich also nicht nur jeweils unmittelbar im Fokus ihrer Eigeninteressen oder Eigenbelastungen selbst, sondern streben auch eine Sozialveränderung an. Das heißt sie machen sich zum Sprachrohr der Menschen mit selber Betroffenheit und versuchen über den unmittelbaren Kreis der Gruppenmitglieder hinaus sozialverändernd tätig zu sein, also beizutragen das Leid der Betroffenen zu lindern und/oder deren Interessen zu artikulieren.

Das geschieht auf vielfache Weise. Einmal dadurch, dass Selbsthilfegruppen oder (häufiger) Selbsthilfeorganisationen öffentliche Informationsveranstaltungen abhalten, zu denen Sozialwissenschaftler und Politiker, häufig auch als Redner, eingeladen werden. Auf diese Art informieren sie, aber sie weisen auch auf konkrete Mißstände oder Defizite hin. Vielfach arbeiten sie mit der lokalen Presse zusammen und können über dieses Medium Druck auf die Politik ausüben und Aufklärungsarbeit leisten.

Oder sie stoßen wissenschaftliche Forschung an, indem sie auf Schwächen des bisherigen Systems aufmerksam machen usw.

In Zeiten eines Erodierens von althergebrachten, "wohlfahrtsstaatlichen Arrangements"33 und der dadurch auch bedingten Verschiebung hin auf eine stärker individualistisch, geprägte Kommunikations- und Informationsgesellschaft, mit negativen Folgen einer zunehmenden "Freisetzung"34 des einzelnen aus familiären Bindungsgefügen, sind Selbsthilfegruppen daher in steigendem Maße als Katalysator gesellschaftlicher Fehlstellungen notwendig.

Aber sind sie dazu auch wirklich in der Lage oder wird ihnen da etwas zugemutet, was sie gar nicht erfüllen können?

Die alten "wohlfahrtsstaatlichen Arrangements" werden immer brüchiger, soll heißen, dass Systeme der sozialen Sicherung, bedingt durch eine ansteigende Massenarbeitslosigkeit, einem zunehmenden demographischen Ungleichgewicht hin auf eine Überalterung der Gesellschaft und massenhafter Kapitalflucht, immer weniger in der Lage sind ihre Aufgaben zu finanzieren.

Alternative Konzepte werden gesucht und müssen erprobt werden. Selbsthilfegruppen gehören zu diesen alternativen Konzepten, doch über welche Potentiale verfügen sie, die sich in einem veränderten Sozialsystem nutzbar machen lassen?

3.1.1.Selbsthilfegruppen als vierte Säule des Sozialstaates

Der Begriff "Sozialstaat" wird in der Bundesrepublik Deutschland vor allem in juristischen und politischen Diskursen verwendet. Von den Sozialwissenschaftlern wird der Begriff "Wohlfahrtsstaat" präferiert.

Beide meinen aber dasselbe, nämlich wie Harry Girvetz, den Kaufmann (1997) zitiert, definiert: "Der Wohlfahrtsstaat ist der institutionelle Ausdruck der Übernahme einer legalen und damit formalen und ausdrücklichen Verantwortung einer Gesellschaft für das Wohlergehen ihrer Mitglieder in grundlegenden Belangen".35

Allerdings sei darauf verwiesen, dass weder im Grundgesetz noch an anderer Stelle der Wohlfahrtsstaat als Institution festgeschrieben ist. (vgl: Art. 20, I GG und Art. 28, I GG)

"Die Sozialstaatlichkeit ist vielmehr ein Charakteristikum des Staates neben anderen,..."36

Das heißt, auch wenn vorrangig die Sozialstaatlichkeit als "Staatsziel" propagiert wird, die sich in Schlagworten wie: 'Sicherung eines menschenwürdigen Existenzminimums', 'Abbau von Wohlstandsdifferenzen', 'Hebung des allgemeinen Wohlstandes' u.ä. wieder findet, so ist sie doch nur ein Teilbereich der Ziele und Aufgaben des Staates.

Während in anderen Ländern die "...institutionellen Komplexe des Sozial- oder Wohlfahrtsstaates..." als 'Sonderbehörden' oder "...selbständige Körperschaften des öffentlichen Rechts..." organisiert sind,

"...äußerst sich die soziale Aktivität des Staates..." in der Bundesrepublik Deutschland "...im wesentlichen im Arbeits- und Sozialrecht."37

Die Bildungspolitik ist in Deutschland übrigens kein Bestandteil der Sozialpolitik, wie in anderen europäischen Staaten.

Durch diese 'Arbeits- und Sozialgerichtsbarkeit' haben diese Bereiche eine relativ "...hohe Eigenständigkeit gewonnen."

Die meisten sozialen Einrichtungen sind hierbei als 'Körperschaften des öffentlichen Rechts' oder als 'gemeinnützige Einrichtungen' organisiert und nicht der Staat ist verantwortlicher Träger, weshalb sie eine gewisse Autonomie auszeichnet.

Man kann im Falle der Bundesrepublik sagen, dass der Sozialsektor einen separaten Bereich neben dem 'staatlich verfaßten politischen System' und der 'privatrechtlich verfaßten Marktwirtschaft' darstellt.

Auf diesen drei Säulen, Staat, Markt und Sozialsektor oder auch 3.Sektor genannt gründet sich der Wohlfahrts- oder Sozialstaat deutscher Prägung.

Was machte jetzt aber in der Vergangenheit den Erfolg des Sozialstaatsmodells aus?

Wo lagen die Bedingungen, die dieses Arrangement bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein zu einem Erfolgsmodell machte, das weltweit kopiert wurde?38

Das möchte ich hier jetzt in aller Kürze versuchen darzustellen.

Kaufmann (1997) begründet dies mit dem vielfachen Nutzen, den dieses 'wohlfahrtsstaatliche Arrangement' sowohl für den Staat, aber auch für den Markt mit sich bringt. Nach Kaufmann sind es vier Nutzen und Bedeutungsaspekte, nämlich der ökonomische und politische Nutzen, sowie die kulturelle und soziale Bedeutung.

Der ökonomische Nutzen ergibt sich für Staat und Markt einmal daraus, dass Kranke, Arbeitsunfähige und ungenügend Qualifizierte durch staatliche Zuwendungen und Förderungen in die Lage versetzt werden wieder Leistung erbringen zu können. Darüber hinaus soll aber auch Müttern, Behinderten, Alten und Invaliden eine Teilhabe gesichert werden, die nicht mehr oder eingeschränkt in der Lage sind Leistungen zu erbringen. Dadurch kommt dem Sozialstaat eine ergänzende Funktion zu, was die Kräfte des Marktes entlastet und in ihrer freien Entfaltung nicht behindert.

Der Sozialstaat trägt somit zu einer Verbesserung der 'Humankapitalbildung' bei und fördert eine Steigerung der Arbeitsproduktivität und die Arbeitsbereitschaft.

Der Wert der Sozialpolitik wird allerdings nur aus volkswirtschaftlicher Sicht deutlich. Allerdings kann dieser 'volkswirtschaftliche Vorteil' aus der Sicht einzelner Unternehmen durchaus als nachteilig empfunden werden, da der 'Sozialaufwand' hoch ist.39

Der politische Nutzen war in einer Zeit starker Umwälzungen der herausragendste Faktor der die Schaffung des Wohlfahrtsstaates begünstigte.

Dem sozusagen Gründervater des modernen Deutschen Wohlfahrtsstaates Bismarck, der zwischen 1881 und 1889 die nach ihm benannte Sozialversicherungsgesetzgebung auf den Weg brachte, ging es nicht um karitative Motive dabei, sondern er verfolgte ein klares politisches Kalkül. Ihm ging es "...vor allem darum, die arbeitenden Massen von Staatsleistungen abhängig zu machen, sie dadurch friedlich und loyal zu stimmen...".40

Das war eine Art Sozialpolitik, wie sie bereits im Rom der Antike verfolgt wurde, nämlich "...die Gewinnung der Unterschichten durch materielle Wohltaten zum Zweck der Machtsicherung des gewählten Cäsars...".41

Daraus geht deutlich hervor, dass Bismarck die Notwendigkeit erkannt zu haben glaubte, einen stabilen Staat auf Dauer nur am Leben erhalten zu können und Unruhen zu vermeiden, wenn er den Menschen eine gewisse Grundabsicherung gewährte.

Dieses Prinzip wurde später auch in den 'Tarif- und Mitbestimmungsgesetzen' mit den Gewerkschaften umgesetzt.

Die kulturelle Bedeutung liegt vor allem darin, dass es oft moralische Aspekte waren, die auf einer christlichen und humanitären Weltanschauung, wie sie in der abendländischen Tradition verankert ist beruhen, die sozialpolitischen Maßnahmen begründeten.

Diese Wertorientierungen wurden gesamtgesellschaftlich über alle Klassen hinweg geteilt.

Es gab also einen Konsens in der moralischen Werteausrichtung die dazu führte, dass dieses Wohlfahrtstaatsmodell ein gemeinsames kulturelles Dach bildete da die Sozialordnung als gerecht angesehen wurde.42

In sozialer Hinsicht ist erst einmal die stützende und stabilisierende Wirkung auf den Kreis der privaten Bindungen, der familialen Lebensformen von herausragender Bedeutung.

Als zentrales Merkmal wurde hierbei die Familie als entlastender und regenerativer Faktor erkannt, der es dem einzelnen erlaubt seine verbrauchten Kräfte im tagtäglichen Kampf ums Dasein wieder zu regenerieren, um seine Kräfte dann erneut zum Nutzen des Gesamtsystems einzusetzen. Diese Entlastungsfunktion, so wurde bereits früh erkannt, bedarf wohlfahrtsstaatlicher Rahmenbedingungen und konkreter Förderungen um dieses Potential voll entfalten zu können.

Oder um es mit Kaufmann zu sagen:

"Die spezifisch soziale Bedeutung der Sozialpolitik liegt aus gesellschaftlicher Perspektive in ihrer Bedeutung für die Erhaltung, d. h. Reproduktion und Regeneration der für die verschiedenen gesellschaftlichen Teilsysteme erforderlichen Humanvermögen."43

Wichtig ist aber, dass diese Wirkungen sich nur im Zusammenspiel ihrer wechselseitigen Ergänzungsfunktion ergeben.

Politisches Einwirken bezieht sich also niemals auf einen Bereich allein, sondern immer auf alle gesellschaftlichen Einzelbereiche.

In der notwendigen Kürze meiner Ausführungen, konnte ich die Erfolgsbedingungen für das sozialstaatliche Arrangement leider nur sehr oberflächlich behandeln, hoffe aber doch deutlich gemacht zu haben, was die Faktoren waren, die zu einem Gelingen dieses Modells beigetragen haben.

Dieses wohlfahrtsstaatliche Modell gerät aber seit einiger Zeit immer mehr in Bedrängnis.

Seit etwa Mitte der 70er Jahre zeichnet sich eine zunehmende 'Krise der Sozialfinanzen' ab, die trotz aller Reformansätze nicht behoben werden konnte.44

Eine zunehmende Überalterung der Gesellschaft und damit verbunden ein drastisches Absinken der Geburtenrate, eine immer noch anwachsende Massenarbeitslosigkeit, beständig zunehmende Kapitalflucht ins Ausland, ein immer schnellerer Anstieg der Kosten im Gesundheitsbereich, durch den Einsatz immer teurerer Medizintechnik (Stichwort: "Apparatenmedizin"), das globale agieren von Unternehmen und Kapitalgesellschaften, usw. um nur einige Faktoren zu benennen, sind die Ursache dafür, dass der Sozialstaat immer weniger in der Lage ist, seinen sozialen Aufgaben gerecht zu werden.

Die nachhaltig belastendsten Faktoren stellen indes die anhaltende Massenarbeitslosigkeit und die Überalterung der Gesellschaft dar. Durch den Einnahmeverlust von mittlerweile weit über vier Millionen potentieller Steuerzahler und das Anwachsen der Ausgaben der Sozialkassen durch eine Überalterung der Gesellschaft gerät das tradierte sozialstaatliche Absicherungssystem, das ja auf Steuereinnahmen einer arbeitenden Bevölkerung basiert, immer mehr in eine Schieflage.45

Auch das Gesundheitssystem in gegenwärtiger Form ist bereits seit Jahren reformbedürftig, da die Kosten für den Umfang der gebotenen Leistungen explosionsartig angestiegen sind. Das in erster Linie nur mit der Massenarbeitslosigkeit und dem demographischen Faktor in Verbindung zu bringen, wäre nur die halbe Wahrheit. Vielfältige andere Faktoren, auf die ich hier aber nicht näher eingehen möchte, tragen daneben die Schuld an der zunehmenden Unbezahlbarkeit des bestehenden Leistungskataloges. Indes eignen sich die besorgniserregenden Zahlen der Massenarbeitslosigkeit und demographische Gegebenheiten sehr gut für Sozialpolitiker als Belege dafür, warum es nötig ist einschneidende Leistungskürzungen, die oft alles andere als "sozial verträglich" und gerecht zu nennen sind, vorzunehmen.

Durch Maßnahmen wie die sogenannte "Praxisgebühr" von 10.- EURO pro Quartal und Versicherten und deutlichen Einschränkungen in den Leistungen sowie erhöhten Zuzahlungen bei der Abgabe von Medikamenten wird nun versucht der Kostenexpansion Herr zu werden.

Auch an anderer Stelle brennt es lichterloh, ob es sich dabei um die neu geschaffene Pflegekasse handelt, deren verfügbares Kapital schon jetzt kaum ausreicht um die Ausgaben zu decken, so dass eine Erhöhung der Arbeitnehmerbeiträge unausweichlich ist oder die Rentenversicherung, die immer mehr in Schieflage gerät, was man in der Tagespresse ständig verfolgen kann.

Von dieser Einsparpolitik, wie sie gegenwärtig betrieben wird, bleiben natürlich auch die Wohlfahrtsverbände nicht unberührt, die viele Leistungen, die sich aus der Übernahme der sozialen Verpflichtungen durch den Staat ergeben, erbringen. Diese NPO's (Non-Profit Organisations ),die wie bereits oben erwähnt nicht der direkten staatlichen Kontrolle unterliegen, sondern eine relative Autonomie genießen, sind natürlich auf die Leistungsentgelte, Zuschüsse und staatlichen Ausgleichszahlungen angewiesen. Durch diese Sparpolitik sind auch Wohlfahrtsverbände immer mehr gezwungen umzudenken, ihr Angebot zu strafen, will heißen, sich auf die profitablen Kernbereiche zu konzentrieren und nicht kostendeckende Angebote auszusortieren.

Das führt natürlich dazu, dass es in bestimmten Bereichen über kurz oder lang zu einer Unterversorgung kommt und der Bürger sich enttäuscht abwendet.

"Der Staat selbst und die Implementeure seiner Sozialpolitik - als welche die Wohlfahrtsverbände vielfach verstanden werden...- verlieren in der Öffentlichkeit als Garanten des Sozialstaatsgebotes (Art. 20 GG) zunehmend an Glaubwürdigkeit."46

Das stellten von Kardorf und Oppl schon 1989 fest. Ein Trend, der sich in der Zwischenzeit eher nicht ins Gegenteil umgekehrt hat, sondern sich eher noch verschärft.

Da die bisherigen drei Säulen des Sozialstaates offenbar nicht ausreichend erscheinen um mit den Problemen, die verstärkt seit dem Fall der Mauer 1989 und dem damit einher gehenden Zusammenbruch der Sowjetunion beschleunigt auftreten, fertig zu werden, treten immer häufiger Selbsthilfegruppen in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Quasi als vierte Säule des Sozialstaates.

Aber können Selbsthilfegruppen diesem Anspruch stand halten? Verfügen sie über die Potentiale, die einen Ausweg aus der gegenwärtigen Misere wahrscheinlich machen?

Dazu muss man erst einmal zu verstehen versuchen, wo Selbsthilfegruppen im wohlfahrtstaatlichen System überhaupt einzuordnen sind.

Sie existieren außerhalb von Haushalten und Familie, sind also über den unmittelbaren Familien, Nachbarschafts und Freundeskreis hinaus organisiert und wirken, zumindest diejenigen, die eine mehr oder weniger starke Außenorientierung aufweisen, auch direkt auf das politische, gesellschaftliche, kulturelle und soziale System ein.

Sie sind aufgrund der Tatsache, das sie freiwillige, bürgerschaftliche Vereinigungen sind, die in aller Regel keine oder sehr begrenzte staatlichen Zuschüsse erhalten, nicht vom Staat vereinnahmt, also auch nicht oder nur schwer vom Staat manipulier- und lenkbar. Soll heißen sie sind in der Erbringung ihrer Leistungen auch nicht an den sozialstaatlichen Leistungskatalog gebunden, wie vielfach die Wohlfahrtsverbände, die stark von staatlichen Geldern abhängig sind. Statt dessen nehmen sie häufig aber als Sprachrohr für ihre Mitglieder, über die Selbsthilfeverbände oder sogar darüber hinaus für alle Gleichbetroffenen sozialverändernde Aufgaben wahr.47

Selbsthilfegruppen existieren also außerhalb staatlicher Einrichtungen und außerhalb der NPO´s, also den Wohlfahrtsverbänden oder ähnlichen Organisationen (obwohl es mittlerweile auch Selbsthilfegruppen unter dem Dach von Wohlfahrtsverbänden gibt und der Paritätische Wohlfahrtsverband sich sogar als eine Interessenvertretung für alle ihm angegliederten Selbsthilfegruppen versteht).48

Selbsthilfegruppen sind hinsichtlich ihrer Organisationsform auch nicht mit jenen Organisationen vergleichbar, (außer vielleicht die in einem bundesweiten Netz agierenden Selbsthilfegruppendachverbände) sie sind informelle Gruppen, die in aller Regel, über keine Verbandsstruktur verfügen und auf freiwilliger Basis selbstverändernd, je nach Gruppenausrichtung, auch mehr oder weniger sozialverändernd wirken. Sie erheben keine Mitgliedsbeiträge und erhalten in aller Regel keine oder eher sporadische staatliche oder kommunale monetäre Förderung oder sonstige Leistungen aus dem Sozialsystem (außer Gesundheitsselbsthilfegruppen, die auf Grundlage des § 20 (4) SGB V von den Krankenkassen unterstützt werden.

Was sind jetzt die spezifischen Potentiale, die Selbsthilfegruppen ausmachen, was können sie tatsächlich leisten?

Einer der wohl wichtigsten Aspekte, ist die Kostenfreiheit, bei Inanspruchnahme der Leistungen. Diese Leistungen beziehen sich jetzt auf Informationsvermittlung sowohl über die Selbsthilfegruppe selbst, als auch über die Leistungen professioneller Dienste und einer, zumeist, telefonischen Beratung von Menschen, die unter einem irgendwie gearteten Leidensdruck stehen. Damit meine ich jetzt auch Verwandte oder Familienangehörige eines Leidenden, die sich über Möglichkeiten der Selbsthilfe beraten lassen. Dieses Beratungs- und Informationskapital könnte von sozialen Diensten, z. B. im Bereich der Rehabilitation oder Prävention verstärkt genutzt werden, da eigenes Personal dann für andere Tätigkeiten zur Verfügung stünde. Außerdem könnte, da Menschen die aufgrund ihres Leidens auf den freien Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben, ihnen wieder eine sinnvolle, erfüllende Aufgabe übertragen werden, was letztlich auch den Leidensdruck minimiert.49

Viele außenorientierte Selbsthilfegruppen arbeiten mit den Kommunalverwaltungen, Versicherungsträgern, Arbeitsämtern, Wohlfahrtsverbänden und Krankenkassen zusammen. Sie spielen dort eine Art Mittlerfunktion zwischen Betroffenen und den Leistungserbringern.50 Dadurch, dass Selbsthilfegruppen unmittelbar mit den Menschen vor Ort zu tun haben und außerdem deren Mitglieder ja selbst Betroffene sind, können sie natürlich den wirklichen Bedarf an Hilfeleistungen oder die Wünsche der Menschen sehr viel exakter einschätzen und gegenüber den offiziellen Stellen formulieren. So können "Versorgungs- und Verwaltungsmängel" abgestellt werden.51 Sie besitzen aufgrund ihrer Nähe zum "Feld" sozusagen einen Wissensvorsprung gegenüber den Profis. Leistungen die von Trägern der sozialen Sicherung erbracht werden, gehen oft genug an den wirklichen Bedürfnissen der Betroffenen vorbei, sind zudem teuer und vielfach unnötig. Die Zusammenarbeit jener Stellen mit Selbsthilfegruppen würde beiden Seiten enormen Gewinn bringen. Den Betroffenen, da sie exakter auf sie zugeschnittene Leistungen abrufen könnten und den offiziellen Stellen, da sie in einigen Bereichen eine Überversorgung und in anderen eine Unterversorgung vermeiden könnten. Gelder würden viel zielgerichteter und effektiver eingesetzt werden. Außerdem würden regelmäßige Treffen der Selbsthilfegruppenmitglieder mit Verantwortlichen dazu beitragen gegenseitige Vorurteile abzubauen.52

Des weiteren führt eine engere Zusammenarbeit zu einer Entwicklung eines Problembewußtseins bei den offiziellen Stellen gegenüber ihren Klienten.

Selbsthilfegruppen sind sehr niedrigschwellig, dadurch dass jeder ungehindert Zugang hat, wenn er nur selbst bereit ist dazu. Es wird also keine Versichertenkarte oder Überweisung benötigt und vor allem sind sie nicht von Professionellen geleitet, sondern es arbeiten dort Laien sozusagen wie Du und Ich. Dadurch fallen Berührungsängste oder Ängste des Ausgeliefertseins oder Gefühle der Unterlegenheit gegenüber Professionellen, was oft beschrieben wird, weg. Dieses Unterlegenheitsgefühl wird oft als "non-compliance" bezeichnet, worauf Margit Huber (1994) verweist. Darüber hinaus ist die hohe Motivation der Menschen in Selbsthilfegruppen ein gewaltiges Potential. Bei ihnen spielen nicht monetäre, sondern ethische, ideelle Beweggründe, z. B. gegenseitige Solidarität, eine Rolle, bei der Dienstleistungserbringung, weshalb sie in aller Regel motivierter und exakter als "bezahltes" Personal arbeiten.53

In diesem Zusammenhang verweist Margit Huber (1994) auf von Ferber, der kritisiert, dass die professionellen Hilfeleistungen oftmals "...mehr an den Bedürfnissen der Dienstleistenden als an denen der Klienten ausgerichtet..." seien.54

Selbsthilfegruppen können auch immer dort tätig werden, wo das offizielle Versorgungssystem Leistungen nicht oder unzureichend erbringen kann. Z. B. haben professionelle Stellen in aller Regel keine Zeit zu einem persönlichen Gespräch mit ihren Klienten. Neben der angespannten Personalsituation in solchen Einrichtungen verhindern auch finanzielle Restriktionen, dass ausreichend Professionelle vorhanden sind, die sich Zeit zu längeren Gesprächen nehmen könnten. In Zeiten knapper Kassen zählen da nur Effektivitätskriterien, die es erzwingen sich nur jeweils auf die "technische" Behandlung des Leidens zu konzentrieren. Für menschliche Wärme ist da kein Platz.

Hier können Selbsthilfegruppen aufgrund ihres therapeutischen Charakters (sie haben auch durchaus therapeutische Wirkungen)55 einspringen, da deren Mitglieder nicht den Restriktionen der öffentlichen Einrichtungen unterliegen. Ihre Handlungsspielräume sind größer, da sie keine Dienstpläne einhalten müssen und so flexibler arbeiten können.56 Wobei hier aber immer die Gefahr besteht, dass sich einzelne Gruppenmitglieder zu sehr verausgaben, in ihrem Bedürfnis helfen zu wollen. Das darf auch nicht übersehen werden.

Die Erzeugung von Produkten professioneller Dienstleister muss eine starke Schematisierung und Standardisierung aufweisen, wohingegen Selbsthilfe-, Laienhilfevereinigungen viele 'ungleichartige' Produkte in jeweils benötigter, kleiner Menge erstellen. Dadurch wird die Versorgung zum einen punktgenauer und effektiver, zum anderen wird eine mögliche Über- bzw. Unterversorgung bestimmter Randgruppen verhindert. Darüber hinaus muss kein hoher Personalstand in Zeiten wo weniger Leistung benötigt wird, trotzdem bezahlt werden.57

Weitere Stärken von Selbsthilfegruppen sind die Reziprozität der Leistungen, Leistungen werden also nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit gegeben, also nach dem Motto: "Gibst Du mir was, kriegst Du was von mir." sowie ein Nebeneinander von unterschiedlichsten Tätigkeiten. Dadurch entstehen "...Produktionsvorteile im Sinne von Verbundvorteilen (economies of scope)."

Auf dem Markt werden vorhandene Kapazitäten zumeist ungleichmäßig ausgelastet, während im privaten Haushalt oder in Selbsthilfegruppen Ressourcen erst dann mobilisiert werden, wenn sie wirklich benötigt werden.58

Das wohl wichtigste Potential, dass solche Gruppen nutzen und sich dadurch von allen übrigen professionellen Einrichtungen unterscheiden, sind die Fähigkeiten der Mitglieder selbst aktiv zu werden. Sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und sich sozusagen durch die Gruppe selbst zu helfen.59

Der "Patient" ist hier nicht mehr das hilflose, unwissende Wesen, das dem Professionellen ausgeliefert ist, also zur Passivität verdammt, sondern eine aktive, handelnde Person die aktiv zu ihrer Heilung oder Lebensqualitätverbesserung beiträgt.

Das wirkt nicht nur einer entmenschlichenden Entmündigung des Patienten entgegen, sondern nutzt auch dem Sozialstaat, da er dadurch bedingt Kosten einsparen kann60, da Menschen die sich aktiv mit ihrem Schicksal auseinandersetzen und sich mit Gleichbetroffenen zusammentun erfahrungsgemäß weniger oft auf die Leistungen des offiziellen Systems zurückgreifen. Das ist jetzt vor allem dahingehend zu verstehen, dass sich unter den Bürgern eine Art "Mitnahmementalität" breit gemacht hat. Etwa in dem Stil: "Wenn ich schon Anspruch auf diese Leistung habe, dann nutze ich sie auch, ob sie jetzt nötig ist oder nicht!" Menschen die sich in Selbsthilfegruppen engagieren verhalten sich da verantwortungsvoller und verlassen sich da aber eher auch auf sich selbst und die Gruppe und nutzen Leistungen nur soweit, wie sie jene auch benötigen.

Selbsthilfegruppen tragen auch zur Qualitätssteigerung im medizinischen System bei. Einmal dadurch, dass sie über sozusagen "Mundpropaganda" "schlechte" Ärzte öffentlich machen und ihren Mitgliedern raten diese nicht mehr aufzusuchen,61 zum anderen, da sie über Selbsthilveverbände und über die Selbsthilfekontaktstellen Einfluß auf die Krankenkassen ausüben.

Aber auch auf andere öffentliche Anbieter können sie einen qualitätsverbessernden Einfluß haben.62

Eine weitere wichtige Möglichkeit sozialverändernd tätig zu sein, stellen die Selbsthilfegruppengesamttreffen dar. Hier haben Selbsthilfegruppen die Chance sich auszutauschen und sich in bestimmten Bereichen oder bei bestimmten Problemkonstellationen zusammenzuschließen um so einen größeren Druck auf die Entscheidungsträger ausüben zu können.63

Selbsthilfegruppen bieten darüber hinaus Menschen die Möglichkeit als Mensch anerkannt und geschätzt zu werden. Ein Kritikpunkt der gerade im Gesundheitssystem unter dem Stichwort: "Apparatenmedizin" immer wieder angesprochen wird. Außerdem helfen sie dabei Schäden die durch das "Medizin-System erst verursacht werden zu reduzieren und steigern den Erfolg einer Behandlung durch ergänzende Hilfen. In den Bereichen psychischer und sozialer Problematiken haben sie eine präventive Bedeutung, da sie z. B. krankmachende Faktoren wie die Isolation von z. B. Arbeitslosen aufbrechen.64 Sie haben also eine die Isolation einzelner durchbrechende Wirkung.65

Häufig stehen professionelle Dienstleistungen auch nicht dann zur Verfügung, wenn sie gerade benötigt werden. So steht ein Betroffener häufig vor dem Problem, dass er gerade dann wenn es ihm schlecht geht, er nicht sofort einen Termin z. B. beim Psychotherapeuten bekommt, sondern oft ein viertel Jahr warten muss.

Eine Selbsthilfegruppe dagegen steht, vorausgesetzt es gibt eine entsprechende vor Ort, sofort zur Verfügung oder jedermann kann selbst eine solche gründen.

Die Mitglieder teilen eine gemeinsame Betroffenheit oder bei kulturellen oder sonstigen Gruppen ein gemeinsames Interesse, das sie verbindet. Sie sind kleine flexible Einheiten, die schnell auf veränderte Bedürfnislagen der Menschen reagieren können.66

Das starre oft überbürokratische offizielle System zeichnet sich dagegen durch eine gewisse Trägheit aus und ist daher dazu oft nicht in der Lage.

Damit meine ich aber nicht, dass Selbsthilfegruppen tatsächlich in der Lage sind alle Fehlstellungen der Gesellschaft auszugleichen.

Selbsthilfegruppen beeinflussen den Wohlfahrtsstaat auch dadurch, dass sie oft innovativ handeln, also mit neuen Konzepten arbeiten und so das althergebrachte System bereichern.

Durch ihre Außenorientierung (nicht alle Gruppen) weisen Sie auf Mängel im System hin, zeigen Politikern Handlungsbedarf auf und sind so aktive Bürger in einem demokratischen Staat. Ein demokratischer Staat lebt von sich engagierenden Bürgern, da er ansonsten erstarrt und verkrustet.

In den letzten Jahrzehnten hat sich immer mehr herauskristallisiert, dass die herkömmlichen Versorgungssysteme in vielen Bereichen an ihre Grenzen stoßen, darüber hinaus ist auch ein Erodieren überkommener sozialer Bindungsgefüge fortschreitend feststellbar.

So sind z. B. Mediziner, die Krebspatienten behandeln vielfach damit überfordert mit den Ängsten ihrer Patienten umzugehen und sehen häufig in ihnen immer noch die hilflosen Kranken, die sich dem Professionellen unterzuordnen haben. Sie werden in Abhängigkeit gehalten, oft wohl auch aus schierer Hilflosigkeit der Professionellen gegenüber den Ängsten der Patienten, so dass ein aktives Potential zur Gesundung bei den Betroffenen sich gar nicht entfalten kann.

Auch sind die Familien in heutiger Form häufig nicht mehr in der Lage den Betroffenen die nötige Stütze zu gewähren. Großfamilien früherer Prägung gibt es nicht mehr und der Partner ist oft emotional total überfordert und fühlt sich allein gelassen.

Der Betroffene fühlt sich daher unverstanden und auf seine Angst zurückgeworfen, da er ja auch niemanden zur Last fallen will mit seinen Befürchtungen. Eine zunehmende innere Isolation kann die Folge sein.

Auch Suchttherapien stoßen zunehmend an ihre Grenzen, da sie dem Abhängigen nur eine gewisse Zeit zur Verfügung stehen und ihn dann mit seinem Problem wieder alleine lassen, so das Rückfälle sehr häufig sind.

Hier haben Selbsthilfegruppen eine ergänzende Funktion, da sie den Menschen genau das bieten können, was die professionellen Versorgungssysteme und schwächer werdende familiale Bindungen nicht zu leisten imstande sind.67

Selbsthilfegruppen können unterstützend in Bereichen tätig werden, wie z. B. seltenen Krankheiten, wo in Zeiten beständiger Einsparungen, immer weniger Mittel der Sozialkassen zur Verfügung stehen. Das ist besonders wichtig, da sie einmal den Betroffenen direkt Unterstützung anbieten können und zum anderen durch Öffentlichkeitsarbeit auf die Notwendigkeit der Bereitstellung von z. B. Forschungsgeldern hinweisen, um zu verhindern, dass bestimmte Bereiche komplett aus dem Blickwinkel der wohlfahrtsstaatlichen Förderung fallen.

Selbsthilfegruppen können auch mit Wohlfahrtsverbänden zusammenarbeiten. Diese synergetische Verbindung bringt für beide Seiten Vorteile. So erweitern Selbsthilfegruppen das Angebotsspektrum der Verbände und sind wiederum, dadurch, dass sie unter dem Dach einer solchen Organisation arbeiten, häufig finanziell besser gestellt, als "freie" Gruppen. Das Problem seine Eigenständigkeit als Gruppe zu verlieren und vom "großen Bruder" geschluckt zu werden, ist dabei aber nicht außer acht zu lassen.

Zusammenfassend kann also gesagt werden:

Selbsthilfegruppen wecken das Potential der Mitglieder, selbst aktiv zu werden und aus einer passiven Abhängigkeitshaltung heraus zu kommen.

Sie können das öffentliche Bewußtsein auf ihre Problematik lenken und z. B. durch die Zusammenarbeit mit Medien auf Fehlstellungen und Mangelerscheinungen hinweisen und politische Entscheidungsträger beeinflussen.

Sie können in Bereichen tätig sein, die das professionelle System nicht zu leisten imstande ist, z. B. Bewältigung von Angst bei Krebspatienten durch das Gespräch mit Gleichbetroffenen.

Sie können (bedingt) Fehlstellungen ausgleichen, die durch ein Erodieren sozialer Bindungsgefüge entstanden sind.

Aufgrund ihrer Unabhängigkeit von staatlichen oder sonstigen Bindungen sind sie in der Lage flexibel auf die Bedürfnisse ihrer Mitglieder einzugehen.

Sie sind niedrigschwellig und stehen im Prinzip jedem offen (außer geschlossene Gruppen).

Eine Mitgliedschaft ist nicht von Vorbedingungen abhängig und man kann sie jederzeit wieder verlassen. Sie sind also absolut freiwillig. Sie sind kostenlos. Es werden in aller Regel keine

Mitgliedsbeiträge erhoben. Sie agieren im unmittelbaren Erfahrungsraum der Mitglieder.

Was Selbsthilfegruppen ganz sicher nicht können, sie können keine Aufgaben des professionellen Versorgungssystems übernehmen.

Sie können also z. B. keine Therapie ersetzen. Sie taugen also nicht als Instrument zur Kosteneinsparung.

Sicherlich habe ich jetzt nicht alle Potentiale die Selbsthilfegruppen innewohnen, in der Kürze meiner Ausführungen erfassen können, doch denke ich, dass ich einen ersten Einblick geben konnte.

Abschließend kann gesagt werden, dass Selbsthilfegruppen sicherlich immer wichtiger für den Sozialstaat werden, da sie in Bereichen tätig sind und Leistungen anbieten, die vom professionellen Versorgungssystem nicht erbracht werden können oder wo Leistungen mangelhaft sind.

Sie werden aber nur auf der Grundlage entsprechender sozialstaatlicher Rahmenbedingungen wirklich dauerhaft und effektiv für die Sozialsysteme entlastend tätig sein können. Das setzt auch voraus, dass das Netz von Selbsthilfekontakt- und Unterstützungsstellen erweitert und mit den nötigen finanziellen und personellen Mitteln ausgestattet wird. Nur durch eine wirkungsvolle Koordination der Unterstützungsleistungen kann sich ein allgemeiner Nutzen für alle Seiten, also Staat, Gesellschaft, Ärzten und Therapeuten und letztlich dem Patienten, ergeben.

Ich glaube in die Zukunft blickend schon, dass Selbsthilfegruppen, in bestimmten Bereichen, zu einer vierten Säule des Sozialstaates werden können, ja vielleicht sogar müssen.

3.1.2.Selbsthilfegruppen als Bestandteil des Gesundheitswesens

Drei Grundsätze der Gesundheits- und Sozialpolitik stehen im Zentrum der sozialstaatlichen Verfassung der Bundesrepublik Deutschland.

Das wären, die Subsidiarität, die Solidarität und die Partipation.

Auf das Gesundheitswesen übertragen bedeutet das für das Subsidaritätsprinzip, frei zitiert nach Hunziker (1983):

"Der einzelne ist zunächst Erstverantwortlicher für seine Gesundheit. Um diese Fähigkeit zu vermitteln, trägt zunächst die Familie die Erstverantwortung für die Gesundheitserziehung. Soweit die gesundheitlichen Bestrebungen des einzelnen und der Familie der Ergänzung, der Förderung und des Schutzes bedürfen, folgt erst die Verantwortung der weitergehenden Gruppierungen."68

Genau der gleiche Grundsatz gilt natürlich auch für den Krankheitsfall. Auch hier liegt letztlich die Erstverantwortung für Selbsthilfe beim einzelnen und seiner Familie. Auch Margit Huber (1994) verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass der Staat nur dort helfend einzuspringen habe, wo die 'individuelle' und 'kollektive' Selbsthilfe versagten.69

Solidarität bedeutet in diesem Zusammenhang : "...die wechselseitige Angewiesenheit von gesellschaftlichen Gruppierungen, soweit die Eigenleistungen von Einzelpersonen und Familien im Gesundheitssektor und vorab im Krankheitsfall trotz aller Anstrengungen nicht ausreicht."70

Die Solidarität verlange in so einem Fall erst nachbarschaftliche Hilfe, dann die Hilfe von Selbsthilfegruppen, Vereinen mit Gesundheitsdiensten, erst wenn diese Hilfsquellen ausgeschöpft seien, dürften der Staat Verantwortung übernehmen. Also zuerst auf kommunaler Ebene, dann Landes- und schließlich Bundesebene.

"Der Grundsatz der Solidarität macht die soziale Hilfeleistung zur subsidiären Pflicht, Pflicht zur Aktivierung, Stärkung oder Ergänzung der Eigenkräfte von Mensch und Familie."71

Die Partizipation schließlich muss als eine 'aktive Partizipation' verstanden werden. Die Hilfeleistungsempfänger sollen eine Mitverantwortung haben, was sich z. B. im Mitspracherecht oder dem Recht auf Mitplanung des Hilfeprozesses äußert.

Würden diese drei Grundsätze von Seiten der Politik, der Ärzteschaft und den manigfaltigen Organisationen die sich auf dem "Gesundheitsmarkt" tummeln, ernst genommen, wäre eine Diskussion über den Nutzen oder Stellenwert von Selbsthilfegruppen in unserer Gesellschaft komplett überflüssig.

Denn aus diesen drei Prinzipien ergibt sich ja bereits für den einzelnen das Recht , ja sogar die Verpflichtung alle ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen zu nutzen, ehe er Leistungen des offiziellen Sozialsystems in Anspruch nimmt.

Statt dessen hört man von Seiten der Politik zwar immer wieder das Bekenntnis zur Subsidiarität, jedoch nur wenn sie sich davon ein Einsparpotential in irgendeinem Bereich erhoffen.

Ansonsten ist das Gesundheitssystem in gegenwärtiger Form eher auf eine Entmündigung des Patienten ausgelegt. Der Kranke soll möglichst alle Anweisungen des Arztes befolgen und möglichst keine Fragen stellen.

Das ist jetzt eine sehr provokante These, die allgemein sicherlich so nicht mehr zutrifft, doch wird schon immer wieder die Kritik laut, dass eine "seelenlose Apparatenmedizin" die Menschen immer mehr entmündigt und in die Passivität drängt, da sie damit verbundene komplexe Behandlungsabläufe nicht mehr verstehen und sich auch niemand die Zeit nimmt sie ihnen zu erklären.

Außerdem ist die Behandlung in unserem Gesundheitssystem sozusagen hoch technisiert und ausdifferenziert, soll heißen, dass z. B. die Ärzte im Krankenhaus nur darauf ausgerichtet sind z. B. bei einem Krebskranken den Tumor herauszuschneiden, aber keinerlei Einblick in dessen psychosoziale Bedürfnisse etwa nach Nähe und dem angstreduzierendem Gespräch haben. Die Zuständigkeit der Krankenhausärzte endet auch, sobald der Patient die Ausgangstür durchschreitet und der Kranke bleibt mit all seinen Ängsten und Sorgen sich selbst überlassen.72

In diesem Zusammenhang hört man in der derzeitigen Kritik am Gesundheitswesen immer wieder den Vorwurf des "Staatsversagens".73

Doch wie kommt dieses Staatsversagen zustande?

In einer Demokratie wie wir sie hier in der Bundesrepublik haben, kommen Gesetze, Durchführungsverordnungen und Leistungskataloge, wie im Gesundheitswesen, durch Mehrheitsentscheidungen zustande. Das bedeutet Politiker werden nichts tun, was sich gegen eine breite gesamtgesellschaftliche Stimmungslage richtet. Sie sind in ihrem Denken und Handeln auf die breite Masse ausgerichtet, so dass, als Konsequenz, wie im Falle des Gesundheitssystems, Randgruppen unterversorgt bleiben. Politiker sind auch nicht gerade dafür bekannt, dass sie langfristig denken. Ihre Entscheidungen richten sich am vierjährigen Wahlzyklus aus, so dass getroffene Entscheidungen zwar oft kurzfristig als stimmenmaximierende Erfolge verbucht werden können, dem Steuerzahler aber langfristig viel Geld kosten und wenig effektiv sind. Des weiteren ist das zentralisierte Gesundheitssystem eher unflexibel und reagiert auf regional vermehrt auftretende Bedürfnisse zumeist gar nicht und auf veränderte gesamtdeutsche Anforderungen nur sehr langsam.

Diese Kritik am gegenwärtigen Gesundheitssystem ist nicht unberechtigt, da immer noch gesellschaftliche Minderheiten, wie Behinderte oder Suchtkranke deutlich schlechter gestellt sind als die breite Masse. Viele nötige Leistungen werden ihnen nicht angeboten, weil die nötigen Gelder dafür einfach nicht bewilligt werden.

Jetzt fordern Politiker immer öfters Leistungen müssten vermehrt vom "freien Markt" oder anderen alternativen Formen erbracht werden.

Tatsache ist aber, dass Anbieter des "freien Marktes" sich auch wieder auf diejenigen konzentrieren, welche die von ihnen angebotenen Dienstleistungen auch bezahlen können, was zur Folge hat, dass bestimmte Gesellschaftsschichten, wie etwa Sozialhilfeempfänger von vornherein aus deren Blickfeld entschwinden. In diesem Zusammenhang sprechen Kritiker von einem "Marktversagen".74

Wer also glaubt teuere Dienstleistungen für Randgruppen aus dem sozialstaatlichen Versorgungskatalog herausnehmen und auf die Kräfte des Marktes verlagern zu können, der befindet sich, alltagssprachlich gesagt "auf dem Holzweg."

Nach der Defizit-These von Oettle, auf die sich Margit Huber (1994) bezieht, entsteht in so einem von Defiziten geprägten Klima Selbsthilfe.

Wenn also in bestimmten Bereichen Sach- Dienst- und Gewährleistungen gar nicht, nicht ausreichend oder zu teuer angeboten oder möglicherweise nicht den Bedürfnissen der Konsumenten gerecht werden, dann entsteht Selbsthilfe.75

Wenn man sich jetzt einmal die Geschichte der "modernen" Selbsthilfebewegung ansieht, dann kann man tatsächlich feststellen, dass Selbsthilfegruppen in Bereichen die auf irgendeine Art defizitär waren entstanden.

Die erste "moderne" Selbsthilfegruppe, nämlich die Anonymen Alkoholiker, die in den 30er Jahren des 20.Jhd. in den Vereinigten Staaten von Amerika gegründet wurden, konnten nur entstehen, da der Staat von dem Phänomen einer massenhaft auftretenden Alkoholsucht überrascht wurde und zu zögerlich begann Maßnahmen zu ergreifen oder weil diese Maßnahmen letztlich nicht ausreichend waren und an den Bedürfnissen der Betroffenen vorbei gingen.

Es waren also Defizite im Gesundheitsbereich, welche die ersten Selbsthilfegruppen entstehen ließen

Dieses Phänomen trifft auch auf Deutschland zu, da in den 50er Jahren, als die ersten Gruppen hier entstanden, auch kaum Behandlungsmöglichkeiten im Suchtkrankenbereich angeboten wurden.

Das der Selbsthilfebereich auch gegenwärtig der einzige Bereich ist, der starke Mitgliederzuwächse zu verzeichnen hat, während die ehrenamtliche Arbeit bei den großen Wohlfahrtsverbänden seit Jahren stagniert, zeigt deutlich wie brüchig unser Gesundheitssystem geworden ist.76

Das hängt aber nicht nur mit einem, wie oben geschilderten, "Staats- und Marktversagen" zusammen, sondern basiert auch auf einem Erodieren althergebrachter Familienstrukturen. Die erste Zelle für Selbsthilfe sozusagen, die Familie, ist in einer fortschreitenden Auflösung begriffen. Außerdem ist eine steigende Zahl von "Ausgegrenzten" festzustellen, also Menschen, die kaum noch eine Chance auf eine befriedigende gesellschaftliche Teilnahme haben, wie etwa die Langzeitarbeitslosen oder die Minderqualifizierten.77

Es gibt immer mehr "Teilfamilien", also immer mehr Familien, die aus einem alleinerziehenden Elternteil und einem oder mehreren Kindern bestehen.

Hat diese fragmentierte Familie dann auch noch das Pech, dass sie ein chronisch krankes Kind versorgen muss, dann ist der einzelne Elternteil schnell völlig überfordert.

Doch auch "intakte" Familien stoßen schnell an ihre Grenzen, wenn sie ein pflegebedürftiges Familienmitglied versorgen müssen. So wurden im Jahre 1994 noch ca. 85 - 95% aller Pflegebedürftigen von Familienmitgliedern versorgt.78 Seitdem ist die Bereitschaft Angehörige zu Hause zu pflegen beständig zurückgegangen.

Diese Tendenzen bahnten sich aber bereits in den 80er Jahren an, wie eine Studie, des "Bielefelder Projekts zur Gesundheitssebsthilfe im Familienhaushalt" von 1986, die 3712 Haushaltsmitglieder unter anderem zur prinzipiellen Handlungsbereitschaft zur Selbsthilfe, also zur Hilfe eines erkrankten Familienangehörigen oder Nachbarn oder Arbeitskollegen schriftlich befragten.

Auf die Frage beispielsweise, "Könnte in ihrem Haushalt eine Person versorgt werden, die aufgrund ihrer Bettlägerigkeit angezogen, gewaschen und gefüttert werden muß und die mit Bettpfannen versorgt werden muß, da sie die Toilette nicht benutzen kann?" antworteten damals bereits 54 %, also von 3712 Befragten immerhin 1103 mit "Nein!"79

Das heißt immer mehr Heimplätze für Pflegebedürftige müssen geschaffen werden, was in Zeiten ohnehin knapper Finanzen, die Sozialsysteme immer mehr ins schlingern bringt. Von der Tatsache, dass diese Art der Unterbringung natürlich, im Sinne einer emotionalen Versorgung der Kranken, nicht die günstigste ist, mal ganz abgesehen.

Eine weitere Herausforderung für das Gesundheitssystem ist eine beständige Zunahme von "chronisch-degenerativen" Krankheiten. Eine verlängerte Lebenserwartung sowie deutliche Verbesserungen in den Arbeits- und Lebensbedingungen, führen immer mehr zu dieser Art von Krankheitsbild, welches das Gesundheitssystem enorm belastet. Was aber noch bedenklicher stimmt, ist, dass mit einer solchen Diagnose häufig eine gesellschaftliche Ausgrenzung und Isolation der Kranken einher geht und sie diese Krankheit als ihr persönliches Versagen auffassen.80 Hier ist das bestehende Gesundheitssystem oftmals überfordert und kann keine geeigneten Hilfemaßnahmen zur Verfügung stellen. Da häufig wie oben geschildert, die primären Selbsthilfenetzwerke, wie Familien erodieren, werden Selbsthilfegruppen hier zunehmend wichtiger.

Ich kann auf die vielfältigen Schwierigkeiten mit denen das Gesundheitssystem momentan konfrontiert ist an dieser Stelle nicht vertiefend eingehen und begnüge mich daher mit den angesprochenen Punkten.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Gesundheitssystem in bisheriger Form immer weniger in der Lage ist auf die in steigendem Maße an es heran getragenen Anforderungen adäquat zu reagieren. Umfassende Reformen der sozialen Versorgungs- und Sicherungssysteme sind erforderlich um eine Grundversorgung auch künftig sicherzustellen.

Das heißt die Formen der Leistungserbringung müssen sich verändern. Sie müssen flexibler werden. Weg von einer gesamtstaatlichen Steuerung hin auf eine mehr kommunal angelegte, die Bedürfnisse der Patienten besser erfassende Form der Versorgung.

Das heißt die Zielgruppen vor Ort müssen in den Behandlungsprozess mit einbezogen und Selbsthilfepotentiale verstärkt gefördert werden.

Das heißt Selbsthilfegruppen müssen stärker als bisher als gleichwertiger Partner in den Behandlungsprozess mit einbezogen werden.

Wurden Selbsthilfegruppen anfänglich von Medizinern noch als "Debattierklubs" oder "Kaffeekränzchen" belächelt oder von anderen kategorisch abgelehnt und sogar als gefährlich angesehen,. ihre Mitglieder würden sich gegenseitig in den Suizid treiben oder sie würden sich gegenseitig psychisch so beeinträchtigen, dass sich ihr Krankheitsbild akut verschlimmern könnte81, so zwei von vielen Thesen, die häufig von Ärzten aufgestellt wurden, ohne dass die zumeist überhaupt eine Ahnung hatten, wie die Arbeit in einer Selbsthilfegruppe aussah, so werden heute ihre Leistungen in zunehmenden Maße anerkannt.

Moeller (1981) vermutete, dass solche Befürchtungen eher aus dem Grund entstanden seien, dass Mediziner Angst hatten man wolle ihnen ins "Handwerk pfuschen" und sie könnten an Autorität einbüßen oder gar überflüssig werden.82

Ganz unbegründet waren diese Ängste vielleicht auch nicht, wenn man an die "Laienbehandler" aus der Zeit des Deutschen Kaiserreiches die bis in die Weimarer Republik hinein zum Teil ihr Unwesen trieben, denkt. So verweist von Ferber (1983) darauf, dass bereits im Brockhaus von 1932 das Unwesen der sogenannten "Kurpfuscher" angeprangert wurde. So soll es in Preußen im Jahre 1930 auf fünf Ärzte einen Laienbehandler gegeben haben.83

Wie sich seitdem herausstellte waren solche apokalyptischen Vorstellungen in Bezug auf Selbsthilfegruppen völlig unbegründet und viele Ärzte haben das große Potential dieser Gruppen erkannt und arbeiten erfolgreich mit ihnen zusammen.

Welch hoher Stellenwert Gesundheitsselbsthilfegruppen mittlerweile sogar von der Politik zugesprochen wird, zeigt die Tatsache, dass diese Art von Gruppen seit dem 1. Januar 1993 im SGB V § 20 (3a) aufgenommen und damit als förderungswürdig eingestuft wurden.

Seitdem konnten die gesetzlichen Krankenkassen Selbsthilfegruppen finanziell unterstützen.

Seit der Gesundheitsreform vom 10.03.2000 sind sie sogar auf Grundlage des veränderten § 20 (4) SGB V. dazu verpflichtet.

Das zeigt deutlich den großen Erfolg im gesundheitlichen Bereich, den diese Gruppen für sich verbuchen können, der wissenschaftlich mittlerweile auch umfangreich genug in vielen Studien dokumentiert ist.

Auch Ulla Schmidt unterstreicht 2001 die Wichtigkeit der Arbeit von Selbsthilfegruppen indem sie erklärt "...dass die Selbsthilfegruppe ein akzeptabler und sehr wichtiger Pfeiler unseres Gesundheitswesens und nicht mehr weg zu denken ist." So wird sie von Marion Hüsges (2003) zitiert84

Viele Ärzte haben heute keine Berührungsängste mehr und empfehlen Patienten sogar oft genug den Besuch einer Selbsthilfegruppe, da sie das ergänzende Potential zur rein medizinischen Behandlung erkannt haben. Einige Ärzte gehen in ihrer Euphorie sogar soweit ihre Patienten an Selbsthilfegruppe zu überweisen, was man gelegentlich in der Literatur lesen kann. Das bringt aber ein anderes heiß diskutiertes Problem mit sich, nämlich ob Selbsthilfe verordnet werden darf?

Ein Grundprinzip der Selbsthilfe ist die Freiwilligkeit. Deshalb lehnen die einen eine solche Praxis ab, da sie ja auch zu einer deutlichen Belastung der Gruppen führen kann, wenn die sich ständig mit unmotivierten Leuten herumärgern müssen, andere sehen das nicht als so schlimm an und sagen: "Die Hauptsache ist das die Leute kommen!"

Im Gesundheitsreformgesetz im Jahr 2000, wurde ein weiterer Paragraph im SGB V verankert, der die Selbsthilfegruppenarbeit deutlich stärkt. Es handelt sich um den §65b SGB V, in dem festgehalten wird, dass die Spitzenverbände der Krankenkassen im Rahmen von Modellvorhaben Einrichtungen zur Verbraucher- und Patientenberatung die sich eine gesundheitliche Information, eine Beratung sowie eine Aufklärung der Versicherten zum Ziel gesetzt haben und die als förderungsfähig anerkannt wurden, finanziell fördern.

Dieses Modellvorhaben hat eine Stärkung und den Ausbau einer 'Patientensouveränität' sowie den 'gesundheitlichen Verbraucherschutz' zum Ziel. Dabei und das ist der Kernpunkt, "sollen solche Organisationen gestärkt werden, die dem Neutralitätsanspruch gerecht werden."85

Dieses Gesetz wurde damit begründet, dass es in Deutschland zwar unterschiedliche Einrichtungen zur Verbraucher- und Patientenberatung gäbe, die sich zudem unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt hätten, deren "...Grundlagen der ideellen und finanziellen Basis dieser Organisationen..." aber "...teilweise wenig transparent..." seien.

Selbsthilfegruppen und -verbände und -organisationen sind aber neutral, da sie in aller Regel weder staatlich noch marktwirtschaftlich noch konfessionell gebunden sind und überdies deren Aufgabe hauptsächlich darin besteht Aufklärungsarbeit für ihre Mitglieder und Interessierte zu leisten.86

Somit schuf man ein weiteres Instrument in dem sich die Gesundheitsselbsthilfe verorten kann. Gleichzeitig wurde aber auch ein weiterer Schritt in eine Professionalisierung der Selbsthilfe unternommen.

Worin bestehen jetzt kurz zusammengefaßt die Potentiale der Selbsthilfegruppen für den Gesundheitsbereich?

Wie ich oben bereits erwähnt habe, besitzen Selbsthilfegruppen ihr ganz spezielles Potential darin, dass sie Menschen aus der Passivität herausholen und ihnen ermöglichen die Verantwortung für sich und ihre Krankheit zu übernehmen. In vielen Studien wurde mittlerweile bestätigt, dass Menschen, die sich aktiv am Heilungsprozess beteiligen viel schneller gesund werden und viel weniger Medikamente und professionelle Unterstützung benötigen. Somit entlasten Selbsthilfegruppen das Gesundheitssystem dadurch, dass sie die Eigenkompetenz der Betroffenen stärken. Sie sind also, was ja nicht unwichtig ist, ein Kosten einsparender Faktor.87

Weiterhin bieten Selbsthilfegruppen das, was auch das beste Gesundheitssystem nicht leisten kann, nämlich emotionale Wärme, und das Gefühl sich verstanden zu fühlen, wenn man sich mit anderen Gleichbetroffenen wöchentlich trifft.88 Der Austausch von Gefühlen und auch Wissen um bestimmte Aspekte des eigenen Leidens, also auch die jeweils eigene subjektive Sicht darauf, sind für viele Betroffene eine unschätzbare Quelle aus der sie schöpfen können. Sie ergänzen das Gesundheitssystem also in Bereichen, die schwer oder gar nicht von professioneller Seite abgedeckt werden können.

Darüber hinaus spielen Selbsthilfegruppen gerade für chronisch Kranke oder behinderte Menschen eine bedeutende Rolle. Sie holen die Menschen aus der Isolation, geben ihnen ihre Menschenwürde zurück und das Gefühl verstanden und gebraucht zu werden. Damit verbunden nimmt das Selbstbewußtsein dieser Menschen zu, sie können sich sehr viel effektiver mit ihrer Krankheit auseinandersetzen und sind auch dem Arzt gegenüber sehr viel selbstbewußter. Sie nehmen nicht mehr jede Behandlung fraglos hin, sondern informieren sich sehr genau. Dadurch bedingt können oft auch chronisch Kranke einen Teil ihrer Leistungsfähigkeit zurückgewinnen und vielleicht wieder einige Stunden pro Tag arbeiten, was einen volkswirtschaftlichen Gewinn darstellt. Das mag für einzelne Ärzte zunächst wohl unbequem erscheinen, jedoch können auch sie viel von Selbsthilfegruppen lernen, wenn sie sich darauf nur erst einmal einlassen.

Die Ärzte profitieren von einer Zusammenarbeit mit diesen Gruppen z. B., dadurch, dass die oft bessere Informationen zu ihrem speziellen Krankheitsbild, gerade bei seltenen Krankheiten, haben und oft auch ein Verzeichnis von Spezialisten auf dem jeweiligen Gebiet führen. Dadurch können Selbsthilfegruppen eine Art "Brückenfunktion" einnehmen, also eine Art Mittler sein, zwischen dem professionellen System und Betroffenen.

Da Selbsthilfegruppen kleine flexible Organisationen sind, sind sie auch viel schneller in der Lage auf veränderte Bedürfnisse der Bürger in der Region zu reagieren. Das können staatliche Stellen oder auch die eher schwerfällig reagierenden Wohlfahrtsverbände in dieser Form nicht. Auch agieren sie im kommunalen Nahraum, also in der unmittelbaren Lebenswelt der Mitglieder und befriedigen dadurch das Bedürfnis nach persönlichen Kontakten, nach Austausch.

Professionelle Dienste, gerade im Gesundheitswesen sind da eher dahingehend ausgelegt, dass der einzelne ein anonymes Wesen ist, das oft auf die Krankenkassenchipkarte reduziert wird oder sich zumindest darauf reduziert fühlt.89

Dadurch, dass innerhalb von Selbsthilfegruppen ohne professionelle Leitung gearbeitet wird, fallen Berührungsängste weg, die gegenüber professionellen Personal häufig vorhanden sind und ein Aufarbeiten von emotionalem Druck oft behindern.

Auch durch die fortschreitende Technisierung des Gesundheitswesens und die damit zusammenhängenden kontraproduktiven Effekte für den Heilungsprozeß, was ich oben unter dem Stichwort "Apparatenmedizin" schon kurz erwähnte, können Selbsthilfegruppen eine Art "Übersetzerfunktion" spielen. Viele Patienten verstehen die Komplexität vieler Behandlungsmaßnahmen oft nicht und das professionelle Personal hat meist nicht die Zeit auf alle Fragen erschöpfend einzugehen. Hier können Selbsthilfegruppen, die ja oft sehr viel Wissen aufgespeichert haben, den einzelnen beraten und latente Ängste nehmen.90

Selbsthilfegruppen haben auch ein größeres präventives Potential als die meisten öffentlichen Vorsorgeeinrichtungen. Dadurch, dass dort Laien, also ganz normale Menschen aus der Nachbarschaft quasi, arbeiten, sind die Menschen auch eher bereit Lehren anzunehmen als von Professionellen.

Diese Gruppen helfen dem Gesundheitssystem also auch von vornherein Kosten einzusparen, wenn sie präventiv tätig sind. Eine Förderung von Seiten der Krankenkassen in diese Richtung, über den § 65 b SGB V, kommt dem Gesundheitssystem also aller Voraussicht nach billiger, als die Kosten, die durch chronisch-degenerative Krankheiten entstehen. Außerdem müssen die Krankenkassen auf diese Weise keine eigenen Präventionsangebote oder wenigstens nicht in diesem Umfang selbst durchführen, was ja auch mit hohen Kosten verbunden ist.

Ein Hauptproblem im momentanen Gesundheitssystem ist die Versorgungshaltung, die Menschen ihm gegenüber entwickeln. Sie rufen wegen jedem kleinen Wehwehchen gleich nach dem Arzt, ohne ihre eigenen Potentiale oder die des primären Selbsthilfebereiches zu aktivieren. Diese "Rundumversorgungsmentalität" aufzubrechen sind Selbsthilfegruppen in der Lage. Sie fördern die eigenen Kompetenzen der Betroffenen und entlasten die Gesundheitsdienste, die sich auf die wirklich notwendige Versorgung konzentrieren können.

Jedoch darf Selbsthilfe keineswegs als allein-seelig-machendes Wundermittel gesehen werden, das die klassische Medizin ersetzen will oder kann, wie es im medizinkritischen Ansatz des Theologen Ivan Illich, den Margit Huber (1994) zitiert, gefordert wird.

Der weist nämlich auf die "...krankmachenden Folgen der zunehmenden Professionalisierung im Gesundheitswesen hin und macht den medizinischen Fortschritt verantwortlich für eine neue Epidemie, die sogenannte Iatrogenesis." Damit meint er, dass "...organisierte Fremdhilfe zu Überproduktion führt..." die den Menschen ihre autonome Handlungsfähigkeit raubt. Das nennt er eine "...Manifestation spezifischer Kontraproduktivität (des Sozialstaates)...".91

Dieser Ansatz muss aber dennoch nicht vollständig verworfen werden, da er ja den Blick auf die Mängel des bestehenden Systems eröffnet und so eine Chance bietet nach alternativen Potentialen Ausschau zu halten, mit denen die Defizite möglicherweise kompensiert werden können. Das glaubt auch Rosemary Eder-Debye (1988) wenn sie schreibt:

"Selbsthilfegruppen können sowohl instrumentelle Hilfe, in Form von Informationsvermittlung aber auch von gegenseitigen Hilfeleistungen, als auch emotionale Unterstützung liefern. Sie scheinen somit einiges an Potential zu besitzen, um die Selbstbehandlungsbereitschaft und -fähigkeit von Laien zu stärken und um emotional unterstützend zu wirken und damit auch eine effektive begleitende Unterstützung bei einer professionellen Behandlung zu liefern."92

Gerade auch im Bereich der Rehabilitation können Selbsthilfegruppen durch ihr aktivierendes Potential bestehende Einrichtungen ergänzen. Mit rehabilitativen Maßnahmen sind hier solche Maßnahmen gemeint, die nicht eine Wiederherstellung der Gesundheit zum Ziel haben, sondern sich auf eine "Verhütung einer Verschlimmerung von Krankheit" beziehen.93 Menschen in Selbsthilfegruppen sind hier viel sensibler in diesem Bereich, da sie sich gegenseitig stützen und voneinander lernen und durch die gewonnene mentale Stärke viel eher in der Lage sind ihre Potentiale zu nutzen um ein lebenswertes Leben mit dem Leiden zu führen.

Wie ich ja oben bereits erwähnte, tut sich das offizielle Gesundheitssystem gerade mit Randgruppen, wie etwa Süchtigen schwer. Tatsache ist auch, dass es bisher keine professionelle Suchtkrankentherapie gibt, die allein bei einem großen prozentualen Anteil der Betroffenen zu dauerhafter Abstinenz führt. Die Rückfallquoten sind zum Teil enorm hoch. Hier stößt das offizielle Gesundheitssystem an seine Grenzen, da es Süchtige eben nicht jahrelang intensiv betreuen kann. Es beschränkt sich zumeist nur auf eine Phase des Entzuges und einer anschließenden mehrwöchigen Therapie. Nach Ende dieser Maßnahmen wird der einzelne wieder auf sich selbst zurückgeworfen und ist häufig damit überfordert. Hier sind Selbsthilfegruppen eine hervorragende Ergänzung, da Studien zeigen, dass Menschen die eine solche besuchen ein deutlich niedrigeres Rückfallrisiko aufweisen.94

Abschließend kann also gesagt werden, dass das Gesundheitswesen in seiner momentanen Form ein nicht mehr zukunftsfähiges Modell darstellt und dringend reformiert werden muss, was in Ansätzen bereits geschieht. Selbsthilfegruppen wird dabei in vielen Bereichen eine wertvolle Ergänzungsfunktion zukommen. Ersetzen können sie eine professionelle Leistungserbringung indes nicht.

3.2. Leistungsgrenzen- und Problempotentiale

Der Forschungsstand in diesem Bereich ist in Deutschland bisher mehr als dürftig und trotz Recherche auch über den DAG-SHG, sowie verschiedener Regionalbüros, Selbsthilfekoordinationsstellen und des Literaturarchivs der SEKIS, sowie Koryphäen im Bereich Selbsthilfegruppenforschung, wie etwa Wolfgang Thiel oder Jürgen Matzat (siehe Anhang) gelang es mir nicht wirklich umfassende, aussagekräftige Forschungsergebnisse zu meiner Fragestellung zu eruieren.

Ich habe mich in meiner Recherche bewußt auf Deutschland beschränkt, da Studien die in anderen Ländern, zu diesem Thema, möglicherweise durchgeführt worden sind, aufgrund der unterschiedlichen Selbsthilfetraditionen sowie der jeweiligen andersartigen politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen, nicht so ohne weiteres auf deutsche Verhältnisse übertragbar sind.

3.2.1.Ausgangslage

Um überhaupt einmal einen Ansatzpunkt zu haben, musste ich mir einen Überblick verschaffen, musste ich natürlich wissen was es eventuell an Literatur zu meiner Fragestellung gibt und ob und wie das Thema von den professionellen Selbsthilfeunterstützern selbst behandelt oder nicht behandelt wird.

Das heißt, es war nötig die Ausgangslage zu klären.

Das tat ich auf zweierlei Weise, nämlich indem ich eine Vorrecherche in der Selbsthilfeunterstützerszene vornahm und mir unter anderem auch Literaturtipps beschaffte, zum anderem dadurch, dass ich die gängige Literatur sichtete.

Als ich mich entschloß über dieses Thema zu schreiben, begann ich in einer ersten unsystematischen Vorrecherche sämtliche Selbsthilfekontaktstellen, die mir einfielen, aber auch den Dachverband für Selbsthilfegruppen DAG SHG oder die Nationale Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen NAKOS anzumailen und bat um Informationen zu meiner Fragestellung oder Literaturhinweise oder wo ich ansonsten Material für meine Arbeit bekommen könnte.

[...]


[1] Kindler, Kilian, Wohlfahrtsverbände und Selbsthilfegruppen zwischen Interessenegoismus und Altruismus, 1992, S. 12-13 und 63-65. Siehe auch Dembach, Bernd, Zwischen Selbsthilfe und Expertenorientierung, 1990, S.103.

[2] Webers, Thomas, Was ist Selbsthilfe? In: Braun, Joachim, ISAB (Hrsg.), Praxishandbuch für Selbsthilfekontaktstellen, 1995, S.7

[3] StGB, 1999, S.21-22.

[4] siehe auch: Moos-Hofius,B./Rapp,I.;Selbsthilfegruppen Ein Leitfaden für die Gruppenarbeit, 1990, S.8

[5] Pankoke, Eckhart, Fachlexikon der Sozialen Arbeit, 1997, S.815-817

[6] Pankoke, Eckhart, Fachlexikon der Sozialen Arbeit, 1997, S.816

[7] Stascheit, Ulrich (Hrsg.), Gesetze für Sozialberufe, 2003, Nr. 20 BSHG §1

[8] ebenda. § 27

[9] Stascheit, Ulrich (Hrsg.), Gesetze für Sozialberufe, 2003, Nr. 110, SGB VIII § 4

[10] Kammerer, P./ Kuckartz, A.;Professionelle und Selbsthilfe, 1994, S.15.

[11] Braun, J,/ Kettler, U,/ Becker, I.; Selbsthilfe und Selbsthilfeunterstützung in der Bundesrepublik Deutschland, 1996, S.10f.

[12] Moos-Hofius, B./Rapp,I.; Selbsthilfegruppen Ein Leitfaden für die Gruppenarbeit, 1990, S. 8.

[13] Moeller, M. L.; Selbsthilfegruppen, 1996, S.62-76.

[14] Ebda. S.77-83

[15] Osorio, Manuel, Intermediäre Organisationen, 1990, S.23.

[16] Heinz, Werner, Selbsthilfe bei der Altbauerneuerung - Wohnungspolitische Alternative oder kostensparender Lückenbüßer?; 1984, S.93 und 94.

[17] Matzat, J., Was sind Selbsthilfegruppen? - Informationen über Grundsätzliches, aus: Braun, B.; Selbsthilfegruppen - eine Chance für Jeden, 1991, S.20-21

[18] Regionalzentrum für Selbsthilfegruppen Mittelfranken e. V.; Broschüre: Wege entstehen beim Gehen, 2003, S.3.

[19] Vogel, Rainer, Gesprächsselbsthilfegruppen, 1990, S. 13

[20] Moeller, M.L.; Fachlexikon der sozialen Arbeit, 1997, S.818-819

[21] Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit (Hrsg.), Moeller, M.L.(Projektleiter), 1984, S.19.

[22] Osorio, Manuel, Intermediäre Organisationen, 1990, S.23-28.

23 Moeller, Michael,L.; Anders Helfen Selbsthilfegruppen und Fachleute arbeiten zusammen, 1981, S.24

[24] Huber, Margit, Möglichkeiten und Grenzen der Laienhilfe im Gesundheitswesen, 1994, S.69

25 Vogel, Rainer, Gesprächs-Selbsthilfegruppen Interviews mit Aussteigern und Dabeigebliebenen, 1990, S.11-12.

26 Moos-Hofius, B. / Rapp, I.; Selbsthilfegruppen Ein Leitfaden für die Gruppenarbeit, 1990, S.9 und 10.

27 Moeller, Michael, L.; Anders Helfen Selbsthilfegruppen und Fachleute arbeiten zusammen, 1981, S. 24

28 Wohlfahrt, N./Breitkopf, H.; Selbsthilfegruppen und Soziale Arbeit, 1995, S.47-49.

29 Moeller, Michael, L.; Selbsthilfegruppen Anleitungen und Hintergründe, 1996, S.98-112.

30 Borelli, S. / Bauerdorf, R.; Medizinische Selbsthilfegruppen in Deutschland, kein Erscheinungsdatum, S.14 und 15

31 Wohlfahrt, N./Breitkopf, H.; Selbsthilfegruppen und Soziale Arbeit, 1995, S.47-49.

32 Selbsthilfekoordination Bayern, Selbsthilfeunterstützung in Bayern, Heft 2, Selbsthilfegruppen in Bayern,

kein Datum, S.2

33 Begriff entlehnt von: Kaufmann, Franz-Xaver, Herausforderungen des Sozialstaates, 1997, S.27.

34 Beck, Ulrich, Risikogesellschaft Auf dem Weg in eine andere Moderne, 1986, S.115ff.

35 Kaufmann, Franz-Xaver, Herausforderungen des Sozialstaates, 1997, S.21.

36 Kaufmann, Franz-Xaver, Herausforderungen des Sozialstaates, 1997, S.22.

37 Kaufmann, Franz-Xaver, Herausforderungen des Sozialstaates, 1997, S.23.

38 Döring, Diether, Sozialstaat in der Globalisierung, 1999, S.7.

39 Kaufmann, Franz-Xaver, Herausforderungen des Sozialstaates, 1997, S.34-37.

40 Habermann, Gerd, Der Wohlfahrtsstaat Die Geschichte eines Irrwegs, 1997, S.176,177.

41 Habermann, Gerd, Der Wohlfahrtsstaat Die Geschichte eines Irrwegs, 1997, S.177.

42 Kaufmann, Franz-Xaver, Herausforderungen des Sozialstaates, 1997, S.41-42.

43 Kaufmann, Franz-Xaver, Herausforderungen des Sozialstaates, 1997, S.43-46.

44 Plaschke, Jürgen, in: Fachlexikon der sozialen Arbeit, 1997, S.1037.

45 Döring, Diether, Sozialstaat in unübersichtlichem Gelände. In: Döring, Diether, Sozialstaat in der

Globalisierung, 1999, S.7-32.

46 v. Kardorff, E./Oppl, H.; Selbsthilfe und die Krise der Wohlfahrtsgesellschaft - Wohlfahrtsstaat und Verbände in der politischen Handlungsklemme. In: v. Kardorff,E./Oppl,H.; Selbsthilfe und Krise der Wohlfahrtsgesellschaft, 1989, S. 13.

47 Breuer, S./Kolb-Specht, I.; Gesundheitsbezogene Selbsthilfe und unabhängige PatientenberatungsstellenIn: Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e. V., Selbsthilfegruppenjahrbuch 2003, S.119.

48 Wohlfahrt, N./Breitkopf, H.; Selbsthilfegruppen und soziale Arbeit Eine Einführung für soziale Berufe,

1995, S. 53, 54.

49 Huber, Margit, Möglichkeiten und Grenzen der Laienhilfe im Gesundheitswesen, 1994, S.122

50 Dobler, M./Enkerts, V./Kranich, C./Trojan, A.; Wünsche Wissen Widerstand, 1985, S.50f.

51 Klages, H./Braun,J./Röhrig, P.(Hrsg.), Soziale Selbsthilfe Entwicklungsperspektiven und Unterstützungsmöglichkeiten durch die Sozial- und Gesundheitspolitik von Bund, Ländern und Gemeinden,1987, S.53

52 Roier-Schied, Lydia, Zwischen Konkurrenz und Kooperation: Zur Rolle der Selbsthilfegruppen im Sozialleistungssystem, 1988, S.248-250.

53 Huber, Margit, Möglichkeiten und Grenzen der Laienhilfe im Gesundheitswesen, 1994, S.121, 124.

54 Huber, Margit, Möglichkeiten und Grenzen der Laienhilfe im Gesundheitswesen, 1994, S. 124.

55 Trojan, A./Halves, E.; Selbsthilfegruppen - Eine Alternative zu sozialstaatlichen Leistungen? In: Bauer,R./Dießenbacher,H.(Hrsg.) Organisierte Nächstenliebe, 1986, S.157f.

56 Huber, Margit, Möglichkeiten und Grenzen der Laienhilfe im Gesundheitswesen, 1994, S.122.

57 Huber, Margit, Möglichkeiten und Grenzen der Laienhilfe im Gesundheitswesen, 1994, S.126.

58 ebenda S.127.

59 Asam, W./Heck, M./Knerr, I./Krings,M.; Hilfe zur Selbsthilfe Ein Konzept zur Unterstützung von Selbsthilfegruppen, 1989, S. 30.

60 Schulz-Nieswandt, Frank, Wirkungen von Selbsthilfe und freiwilliger Fremdhilfe auf öffentliche Leistungssysteme, 1989, S.43f.

61 Roier-Schied, Lydia, Zwischen Konkurrenz und Kooperation: Zur Rolle der Selbsthilfegruppen im Sozialleistungssystem, 1988, S.252.

62 Badelt, Christoph, Selbsthilfe - eine verborgene ökomomische Macht. In: Kickbusch, I./Trojan, A.;

Gemeinsam sind wir stärker Selbsthilfegruppen und Gesundheit, 1981, S.236f.

63 Moeller, Michael, L.; Anders Helfen Selbsthilfegruppen und Fachleute arbeiten zusammen, 1981, S.104f.

64 Klages, H./Braun,J./Röhrig, P.(Hrsg.), Soziale Selbsthilfe Entwicklungsperspektiven und Unterstützungsmöglichkeiten durch die Sozial- und Gesundheitspolitik von Bund, Ländern und Gemeinden,1987, S.53.

65 Asam, W./Heck, M./Knerr, I./Krings,M.; Hilfe zur Selbsthilfe Ein Konzept zur Unterstützung von Selbsthilfegruppen, 1989, S. 30.

66ebenda, S.30

67 Badelt, Christoph, Selbsthilfe - eine verborgene ökomomische Macht. In: Kickbusch, I./Trojan, A.; Gemeinsam sind wir stärker Selbsthilfegruppen und Gesundheit, 1981, S.236f.

68 Hunziker, Anton, Gesundheitspolitik und ambulante Krankenpflege, 1983, S.76f.

69 Hunziker, Anton, Gesundheitspolitik und ambulante Krankenpflege, 1983, S.76.

70 Hunziker, Anton, Gesundheitspolitik und ambulante Krankenpflege, 1983, S.76f.

71 Hunziker, Anton, Gesundheitspolitik und ambulante Krankenpflege, 1983, S.77.

72 Röhring, Peter, Kooperation von Ärzten mit Selbsthilfegruppen, 1989, S.59.

73 Huber, Margit, Möglichkeiten und Grenzen der Laienhilfe im Gesundheitswesen, 1994, S.41f.

74 ebenda, S.40, 41.

75 Huber, Margit, Möglichkeiten und Grenzen der Laienhilfe im Gesundheitswesen, 1994, S.40.

76 Wohlfahrt, N./Breitkopf, H.; Selbsthilfegruppen und soziale Arbeit Eine Einführung für soziale Berufe,

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77 Dammann, Bernd, Das Verhältnis von Alternativen und Etablierten Trägern der Wohlfahrtspflege angesichts der Probleme einer "Neuen" Sozialpolitik. In: Bauer,R./Dießenbacher,H.(Hrsg.) Organisierte Nächstenliebe, 1986, S.117f.

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79 Van Eimeren, W./Horisberger, B. (Hrsg.), Gesundheitsselbsthilfe und professionelle Dienstleistungen, 1987, S. 39.

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81 Moeller, Michael, L.; Anders Helfen Selbsthilfegruppen und Fachleute arbeiten zusammen, 1981, S.59f.

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83 Von Ferber, Laienpotential, Patientenaktivierung und GesundheitsselbsthilfeIn:von Ferber, Ch./Badura, B.(Hrsg.), Laienpotential, Patientenaktivierung und Gesundheitsselbsthilfe, 1983, S. 284, 285.

84 Hüsges, Marion, Selbsthilfegruppen als stützender Pfeiler. In: Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e. V., Selbsthilfegruppenjahrbuch 2003, S.51.

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88 Daum, Karl-Werner, Selbsthilfegruppen Eine empirische Untersuchung von Gesprächs-Selbsthilfegruppen, 1984, S.10,11.

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91 Huber, Margit, Möglichkeiten und Grenzen der Laienhilfe im Gesundheitswesen, 1994, S.34.

92 Eder-Debye, Rosemary, Social Support und medizinische Versorgung ..., 1988, S.344.

93 Huber, Margit, Möglichkeiten und Grenzen der Laienhilfe im Gesundheitswesen, 1994, S.55.

94 Trojan, A./Halves, E.; Selbsthilfegruppen - Eine Alternative zu sozialstaatlichen Leistungen? In: Bauer,R./Dießenbacher,H.(Hrsg.) Organisierte Nächstenliebe, 1986, S.157f.

Details

Seiten
173
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638745390
ISBN (Buch)
9783638770415
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76387
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,0
Schlagworte
Problemkonstellationen Selbsthilfegruppen Perspektive Selbsthilfeunterstützer

Autor

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Titel: Problemkonstellationen in Selbsthilfegruppen aus der Perspektive professioneller Selbsthilfeunterstützer