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Die Repräsentation der Frau in der domus am Beispiel des römischen Gastamahls

Hausarbeit 2006 19 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die römische domus im Kontext weiblicher Einflusssphäre
2.1 Der Aufbau der römischen domus
2.2 Bedeutung der Architektur für die Stellung der Frau im Haushalt

3. Convivium als weibliches Machtinstrument
3.1 Begriffsdefinition convivium
3.2 Frauen als Teilnehmerinnen am convivium

4. Zusammenfassung

1. Einleitung

„Wer von den Römern zum Beispiel würde sich schämen, seine Gattin zum Gastmahl mitzunehmen? Oder wessen Gemahlin hält sich nicht in den wichtigsten Räumen des Hauses auf und könnte sich nicht jederzeit in der Öffentlichkeit zeigen? Bei den Griechen ist das ganz anders. Dort nämlich lässt man eine Frau zu derartigem nicht zu – es sei denn die Einladung beschränkt sich auf die nächsten Verwandten -, und sie verlässt kaum je den innersten Teil des Hauses, Frauengemach genannt, den außer den nächsten Familienangehörigen niemand betreten darf.“[1]

In diesen Versen von Nepos offenbart sich das Spannungsverhältnis der römischen Frau in der domus. Einerseits wurde von den Frauen erwartet, sich den traditionellen häuslichen Pflichten wie der Kindererziehung und der Handarbeit zu widmen. Auf der anderen Seite stand sie im zentralen Fokus der persönlichen Bühne ihres Gatten. In dieser Funktion hatte sie wichtige repräsentative Aufgaben wahrzunehmen. Über die Möglichkeiten und Grenzen dieser repräsentativen Funktion der Frau im Haushalt soll es im Folgenden gehen. Die eigentliche Frage richtet sich daher vor allem danach, ob die römische Frau in der domus tätsächlich einen aktiven Anteil am römischen Gastmahl (convivium) hatte, oder ob sie nicht vielmehr lediglich als ein „Repräsentationsobjekt“ ihres Mannes fungierte.

Hierbei muss bemerkt werden, dass wir ausschließlich männliche Stimmen über die Teilnahme von Frauen an convivia zu Rate ziehen können. Insofern spiegeln sie lediglich die männlichen Phantasien und Wünsche wieder. Quellenaussagen über das römische Gastmahl entstammen vorwiegend der satirischen bzw. satirisch geprägten Literatur unter anderem von Horaz und bedürfen daher einer kritischen Würdigung.

In der Forschungsliteratur erwiesen sich die konträren Ansichten von Andrew Wallace - Hadrill sowie Elke Stein – Hölkeskamp als besonders diskussionswürdig.

Die verwendete Methodik bedarf klärender Worte. Zunächst wird die römische domus im Kontext weiblicher Einflusssphäre betrachtet. Neben einer Beschreibung des Aufbaus der römischen domus wird ein besonderer Stellenwert auf die Dichotomie von Architektur und deren Bedeutung für die Stellung der Frau im Haushalt gelegt. Lediglich vor dem Hintergrund der architektonischen Gestaltung der domus und der sich daraus ergebende Konflikt zwischen Zurückgezogenheit und Präsenz ist eine Betrachtung der Rolle der Frau als Teilnehmerin am convivium überhaupt erst möglich.

Schwerpunktmäßig wird das convivium als weibliches Machtinstrument betrachtet. Aufgrund der zur Verfügung stehenden Quellentexte wird hier die Phase der späten römischen Republik und der frühen Kaiserzeit beleuchtet. Vor diesem Hintergrund interessiert vor allem, welche Bedeutung das römische Gastmahl für die Frau in der domus hatte. Namentlich, ob das convivium den Frauen eine Form der politischen Partizipation bot, von der sie sonst weitestgehend ausgeschlossen waren.

2. Die römische domus im Kontext weiblicher Einflusssphäre

2.1 Der Aufbau der römischen domus

Seit dem 4. Jh. v. Chr. findet das Atrium Haus eine rapide Verbreitung. Dieser Bautyp tritt zunächst nicht nur als Privathaus (Rom, Palatin, 6. Jh. v. Chr.), sondern auch als öffentliches Gebäude in Erscheinung (z.B. atrium publicum am Forum in Cosa). Das Römische Stadthaus entwickelte sich aus dem einfachen Atriumhaus und ist von einem festen Raumensemble geprägt. Ein wichtiges architektonisches Element ist die offene Gestaltung der domus. Entgegen unserer heutigen Vorstellung eines privaten Hauses war die domus im Wesentlichen ein öffentlicher Ort, der nur wenig Rückzugsmöglichkeiten bot. Um dem Vorwurf der Sittenlosigkeit zu entgehen, sollte die domus idealerweise so gestaltet sein, dass das darin stattfindende Leben für alle sichtbar war.[2] Das Zentrum der langrechteckigen, und auf eine Durchblicksachse angelegten Struktur war das Atrium. In der Mitte des Atriums befand sich ein Auffangbecken für Regenwasser (impluvium). Das Atrium war ein offener und verschieden geformter Lichthof[3] Als Zentrum des Hauses kombiniert das Atrium Wirtschafts – Wohn -, Hallen- bzw. Korridorbereich und Garten. Das Atrium enthielt Herd, Speisetisch (carbiculum) und Hausaltar (Lararium). Das Ehebett (lectus adversus) der Hausherren sowie ein Webstuhl gelten ebenfalls als feste Bestandteile des Atriums. Von der Straße erschließt sich ein oft zweiteiliger Flur (vestibulum), der auf das Atrium mit dem impluvium in der Mitte stößt. „ An das Atrium grenzen die Schlafräume (cubicula). Den hinteren Teil des Atriums bilden die alae (türlose, in ganzer Höhe offene Seitenräume für verschiedene Funktionen, z. B. als Abstell – oder Speiseraum oder als Raum für die Ahnenbilder (ala)) sowie das tablinum, das wiederum den Durchgang zum Garten (hortus) ermöglicht.“[4] Dieser bildet als schmale, hoch ummauerte Fläche den hinteren Abschluss des Atrium Hauses.

Gegen Ende der Republik wurden die römischen Häuser architektonisch anspruchsvoller. Insbesondere der Garten wurde in wohlhabenden Familien häufig um einen Säulengang (peristylium) erweitert, der häufig von weiteren Räumen flankiert wurde.

2.2 Bedeutung der Architektur für die Stellung der Frau im Haushalt

Die architektonische Gestaltung der domus darf keineswegs als willkürlich betrachtet werden. Jedes Element der domus verfolgte einen ganz bestimmten Zweck und muss stets in den sozialen und gesellschaftlichen historischen Kontext eingeordnet werden. Zunächst muss man sich die Dichotomie zwischen öffentlichem und privatem Raum veranschaulichen, da sich hieran Geschlechtermerkmale ablesen lassen. Während das forum, als der Ort der politischen Aktivität der männlichen Domäne zugeordnet wird, wird die domestische Sphäre als der Wirkungsbereich der Frau beschrieben. Antike Grabinschriften wie „ Hier liegt Marcus ` (Frau) Amymone, die beste und schönste, eifrig mit ihrer Wolle, fromm sittsam, sparsam, uneigennützig, häuslich.“[5] geben Aufschluss darüber, welche Eigenschaften für die römische Frau gesellschaftlich als erstrebenswert galten.

Die domus stellte eine unabhängige soziale und wirtschaftliche Einrichtung dar. Sie war ein Ort der repräsentativen Kommunikation und führte so zu einer Überlappung von privatem und öffentlichem Raum.[6] Damit war sie die persönliche Bühne des Mannes, in der es darauf ankam, „ wie das Haus eines achtbaren und führenden Mannes aussehen soll. Seine Bestimmung ist der Gebrauch. Auf ihn ist der Bauplan abzustellen.“[7] Vor diesem Hintergrund scheint es plausibel, dass die domus permanent in Konkurrenz mit anderen domi s tand.

Betrachtet man den Grundriss der domus, so ist festzustellen, dass das Atrium das Zentrum und damit das Herzstück der domus darstellt. Zahlreiche Quellen liefern Anhaltspunkte dafür, dass das Atrium, als das Zentrum der domus auch der Ort war, an dem die Kinder spielten. „ Wenn die Kinder aufgehört haben, sich um sich selber zu drehen, kommt es ihnen so vor, das Atrium drehe sich und die Säulen liefen herum, dass sie kaum glauben können, das ganze Dach drohe nicht von oben auf sie zu stürzen.“[8] Anhand dieser Quellenaussagen wird schnell deutlich, dass das Atrium nicht nur das Zentrum patronaler Praxis war, sondern darüber hinaus eine große Symbolkraft besaß. Nepos platziert die mater familias in das Zentrum des Atriums und unterstreicht damit ihre herausragende Stellung und Zentralität im römischen Haushalt.[9] Traditionell bedingt symbolisiert das Atrium die Einigkeit und Beständigkeit der familia anhand dreier klassischer Elemente. So wird die Vergangenheit durch eine Ahnengalerie (imagines maiorum) im Atrium repräsentiert. Seneca´s Kritik „ Die Ahnenbilder im Atrium auszustellen und die Namen ihrer Familie in langer Reihe sowie in vielen Verzweigungen der Stammbäume miteinander verbunden im vordersten Teil des Hauses anbringen ( …)“[10] verdeutlicht die Symbolkraft der imagines. Bereits beim Betreten des Hauses wurde der Besucher mit der Familienikonographie konfrontiert. Demonstrativ wurde in dazugehörigen Inschriften über den Erfolg der Familie informiert.[11] Des Weiteren repräsentiert das im Atrium platzierte Ehebett (lectus adversus) die Zukunft der familia und gilt als Fruchtbarkeitssymbol . Die Fruchtbarkeitssymbolik des Ehebetts wird zudem dadurch deutlich, dass ein solches bei Ehelosigkeit fehlte. Die Gegenwärtigkeit wird durch den sich ebenfalls im Atrium befindenden Webstuhl repräsentiert. Die mythische Erzählung von der altrömischen Matrone Lucretia verdeutlicht die augusteische Idealvorstellung des 5. vorchristlichen Jahrhunderts. „(….) sondern sie saß noch spät in der Nacht, mit der Wolle beschäftigt, im Atrium des Hauses unter ihren bei Lampenlicht arbeitenden Sklavinnen.“[12]

[...]


[1] Nep. pref. 6-8 in: Kunst, C., Quelle 56a.

[2] vgl. Kunst, C., Römische Wohn – und Lebenswelten, Quellen zur Geschichte der Römischen Stadt, Darmstadt 2000, S. 169.

[3] Krause, C., Das Römische Haus, in: Andresen, C., Erbse, H., Gigon, O., Schefold, K., Stroheker, K., Zinn, E.( Hg.), Lexikon der Alten Welt, Zürich 1965, S. 1199.

[4] Höcker, C., Das Römische Haus, in: Cancik, H., Schneider, H. ( Hg.), Der Neue Pauly, Enzyklopädie der Antike, Bd. 5, Stuttgart 1998, S. 207.

[5] CIL VI 11 602 = ILS 8402 in: Kunst, C., Quelle 56d.

[6] Wallace – Hadrill, A., Engendering the Roman House, in: Kleiner, D., Matheson, S. ( Hg.), Women in Ancient Rome, New Haven 1996, S. 104ff..

[7] Cic. off.I 138 – 139 in: Kunst, C., Quelle 51 c.

[8] Lucr. IV 400 – 403 in: Kunst, C., Quelle 59d.

[9] Nepos pref. 6 – 8 in: Kunst, C., Quelle 56 a.

[10] Sen. benef. III 28,2 in: Kunst, C., Quelle 59b.

[11] vgl. Kunst, C., Römische Wohn – und Lebenswelten, Quellen zur Geschichte der Römischen Stadt, Darmstadt 2000, S. 205.

[12] Liv. I 57, 8 – 9 in: Kunst, C., Quelle 56c.

Details

Seiten
19
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638814881
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76685
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Historisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Repräsentation Frau Beispiel Gastamahls Proseminar

Autor

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