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Schülervorstellungen zur Geschichte

Eine Untersuchung zum Quellenverständnis von SchülerInnen

Hausarbeit 2007 36 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Chancen und Grenzen des Quelleneinsatzes im Geschichtsunterricht

3 Zur eigentlichen Untersuchung

4 Der Untersuchungsplan
4.1 Die Quellenauswahl
4.2 Die Konstruktion des Leitfadens

5 Durchführung des Interviews

6 Die Auswertung

7 Fazit

Literaturangaben

Anhang

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit soll anhand eines Interviews versuchen, Einblick in das Geschichtsbewusstsein und das Quellenverständnis bei Schülern zu gewähren. Zu diesem Zweck wurde ein Interview mit einem 10-jährigen Schüler einer 5. Hauptschulklasse geführt. Es soll demnach die Frage geklärt werden „„Welchen Quellenzugang und Quellenverständnis haben Schüler?“

Im ersten Kapitel soll zunächst kurz auf Chancen und Möglichkeiten des Einsatzes von Quellen im Geschichtsunterricht eingegangen werden. Gerade im Hinblick auf die Forschungsfrage spielt dieser Punkt eine wichtige Rolle. Die Meinungen zum Quelleneinsatz im geschichtlichen Unterricht differieren zum Teil sehr. Während die Nutzung von Quellen auf der einen Seite grundlegend für den Geschichtsunterricht ist bzw. sein sollte, kann eine unsachgemäße oder ungenügende Auseinandersetzung mit ihnen für den Unterricht kontraproduktiv sein. Seitens der Lehrkraft gilt es, den Schülern Kompetenzen für einen sachgemäßen Umgang mit Quellen – gleich welcher Art – zu geben.

Ab dem zweiten Kapitel kommt es dann zum eigentlichen Schwerpunkt dieser Arbeit. Es wird zunächst die Vorbereitung des Untersuchungsplans vorgestellt. Danach wird die Durchführung des Interviews beschrieben und der eigentliche Hauptteil dieser Untersuchung lässt sich in Punkt 6 – Die Auswertung nachlesen. In diesem Punkt der Arbeit soll versucht werden, die Aussagen des Schülers angemessen zu interpretieren, um so zu erfahren, über welche geschichtlichen Konzepte er verfügt und inwieweit ein Quellenverständnis bei ihm vorhanden ist. Die Auswertung in diesem Zusammenhang wird zum Teil durch das Abgleichen der Aussagen mit denen einer Mitschülerin des Jungen erfolgen. So soll deutlich werden, inwiefern sich ein eventuelles Quellenverständnis entweder deckt oder differiert. Im letzten Kapitel soll ein Resümee gezogen werden, in welchem beide Schüler noch einmal kurz verglichen werden und der Frage nach der Ursache von Gleichheiten oder Unterschieden im Umgang mit Quellen nachgegangen werden.

2 Chancen und Grenzen des Quelleneinsatzes im Geschichtsunterricht

Die Quellenarbeit gewinnt für den Geschichtsunterricht zunehmend an Bedeutung. Für den Historiker war sie immer Grundlage seiner Forschungen, in der Schule jedoch wurden den Schülern bis vor kurzem meist fertige Produkte in Form von Jahreszahlen, theoretischen Modellen oder Systemen vorgelegt, die sie zu lernen – oder, das trifft es meiner Meinung nach besser – sich zu merken hatten.

Wichtig war ein großer Umfang abfragbaren Wissens, dass den Geschichtsunterricht für Kinder schnell zu einer langweiligen Pflichtlektion werden ließ, die sie wöchentlich im Unterricht zu erfüllen hatten. Heutzutage geht man immer mehr zu handlungsorientiertem Lernen über. Schüler sollen selber Wege gehen, sollen Lösungen finden. Dass die intrinsische Motivation der Kinder in der Regel viel größer ist, wenn sie selber etwas „machen“ können, wurde in vielen wissenschaftlichen Studien belegt und ist mittlerweile allgemein bekannt.

Wie also soll man Kinder zu selbsterfahrendem Lernen antreiben, wenn man sie Stunde für Stunde, Einheit um Einheit mit Theorien, mit Jahreszahlen und vor allem mit permanentem Frontalunterricht „traktiert“?

An dieser Stelle wird deutlich, welche Vorteile die Quellenarbeit für den Geschichtsunterricht bringt, denn auf keine andere Art ist Geschichte realer, als in der Quellenarbeit. Hier liegt die Chance, Schüler selbstständig erfahren zu lassen. Gerade über die Arbeit mit Bildern fällt es den Schülern einfacher, als es bei Textquellen der Fall ist. Textquelleninterpretation wird außerdem erschwert - wenn sich die Texte nicht schon durch eine alte Schriftart auszeichnen und damit schwerer zugänglich sind – durch eine Grammatik, die den Schülern heute sehr fern liegt. In den Medien ist immer wieder der Rede davon, dass die deutsche Sprache verloren geht, was sich also selbstredend nicht vereinfachend auf die Nutzung alter Schriften auswirkt.

Die Interpretation einer Quelle – dabei ist es gleich, ob eine Sach-, Bild- oder Textquelle erschlossen werden soll – setzt also eine Reihe von Kompetenzen voraus, die sich erschwerend auf den Umgang mit eben jenen Quellen auswirken können und zur Folge haben, dass viele Geschichtslehrer nur unzureichend mit Quellen arbeiten. Martina Langer-Plän hat in diesem Zusammenhang eine Untersuchung zum Verständnis von Textquellen durchgeführt, welche sie zu dem Schluss kommen ließ, dass SchülerInnen einer 9. Klasse nicht im Stande waren, sachgemäß zwischen einer Textquelle und einem Darstellungstext aus dem Schulbuch zu unterscheiden.[1] Eine andere Untersuchung von Günther-Arndt und Sauer zeigt, dass zwar vermehrt so genannte „Methodenseiten“ Eingang in die Schulbücher finden. Deren Wirksamkeit ist jedoch nur unzureichend erforscht.[2] In diesem Zusammenhang wird wichtig, welche Relevanz die Unterstützung der Lehrkraft gerade im Hinblick auf die benötigten Kompetenzen hat. Es muss zur Aufgabe der Lehrer werden, sich selber intensiver mit Quellen auseinanderzusetzen, wenn es Ziel sein soll, dass ihre Schüler im Umgang mit historischen Quellen sicherer sein sollen. Erst wenn so gesichert ist, dass der Lehrer imstande ist, die geforderten Kompetenzen wirklich zu vermitteln – also die Schwierigkeiten im Umgang mit Quellen deutlich zu machen und Lösungswege an die Herangehensweise zur Interpretation anzubieten – kann Quellenarbeit die Erfolge bringen, die man sich eigentlich von ihr verspricht.

3 Zur eigentlichen Untersuchung

Um empirische Zugänge zu den Konzepten Jugendlicher bezüglich historischen Wissens und Verstehens zu erlangen, gibt es eine Reihe an Techniken. Da es sich im Fall der vorliegenden Arbeit um eine qualitative Untersuchung handelt, in deren Rahmen nur ein Schüler befragt werden soll, bietet sich vor allem das Leitfadeninterview an. Man kann diese Untersuchung als Form der Feldforschung verstehen, da die Untersuchung im Lebensraum Schule stattfindet. „Feldforschung ist eine empirische Forschungsmethode zur Erhebung empirischer Daten mittels Beobachtung und Befragung im „natürlichen“ Kontext.“[3]

Generell unterliegen Interviews der Gefahr, dass der Proband durch ungeschickte Fragestellungen, durch nonverbale Reaktionen des Interviewers, als auch durch Ängste des Interviewten, die volle Meinung zu äußern, beeinflusst wird.

Im Rahmen des Leitfadeninterviews scheint diese Wahrscheinlichkeit in Relation zu anderen Interviewtechniken ziemlich gering, denn charakteristisch für ein Leitfadeninterview ist dessen relative Offenheit. Fragen und Inhalte werden vorformuliert, wodurch dem Leitfaden eine Richtung gegeben wird. Diese gilt es jedoch nicht Punkt für Punkt abzuarbeiten. Vielmehr werden die Inhalte anhand des geführten Gespräches „entwickelt“, sodass man zum einen zwischen den Punkten wechseln kann, wenn es sich ergibt und zum anderen ebenso vorher unerwartete Inhalte näher erfragt werden können, wenn sie dem Interviewer als sinnvoll erscheinen.

4 Der Untersuchungsplan

4.1 Die Quellenauswahl

Ausgehend von einer Schülerin bzw. einem Schüler einer 5. Klasse versuchten meine Kommilitonin und ich zunächst, uns auf einen Inhalt zu einigen, von welchem wir wussten, dass er bereits in der Klasse behandelt wurde. In der Jahrgangsstufe 5 der betroffenen Schule wurde im Fach Geschichte einige Zeit vor Planung und Durchführung unseres Interviews die Unterrichtseinheit „Leben in vorgeschichtlicher Zeit“ abgeschlossen.

Nach eingehender Prüfung des Schulbuches und den Inhalten des vorangegangenen Unterrichts entschieden wir uns im Hinblick auf diesen Umstand für das Thema „Der Ötzi“, welches im Schulbuch als „Der Mann aus dem Eis“ behandelt wurde. Es erschien uns zum einen für SchülerInnen interessant und zum anderen wies es eine gute Eignung zur Untersuchung unserer eigentlichen Forschungsfrage, nämlich dem Quellenverständnis von Schülern auf. Der unterrichtende Geschichtslehrer der Klasse stimmte uns in diesen Punkten zu.

Leider war es im Zusammenhang dieses Interviewinhalts nicht möglich, dem Probanden eine originale Sachquelle vorzulegen, weshalb wir uns auf zwei Fotografien einigten. Die erste zeigte den gefrorenen Leichnam Ötzis in seiner ursprünglichen Position, die er beim Auffinden in den Gletschern im Jahre 1991 innehatte. Bei der zweiten Fotografie handelte es sich um eine Darstellung des Ötzi, die die Figur in Kleidung und mit Gegenständen zeigt, wie sie am Fundort gefunden wurden. Dabei handelt es sich um die Fotografie eines Ausstellungsstücks aus einem Museum.

Beide Bilder waren in ähnlicher Form bereits im Geschichtsbuch der Klasse abgedruckt. Davon versprachen wir uns, dass das Bild einen gewissen Wiedererkennungswert hatte und der Schüler eine Verknüpfung zwischen den gezeigten Bildern und den Inhalten des Unterrichts herstellen konnte. Außerdem wollten wir durch den Einsatz einer Quelle und einer Darstellung feststellen, inwiefern die Probanden in der Lage waren, beide zu unterscheiden oder gar einzuordnen.

Neben der Tatsache, dass keine schriftlichen Quellen vorhanden waren, sprach im Übrigen ebenfalls für eine Bildquelle, dass wir – selbst wenn wir andere Inhalte gewählt hätten – einem Erstunterrichtsschüler im Fach Geschichte keine umfassenden historischen (-methodischen) Kenntnisse abverlangen konnten, über welche er beim Arbeiten mit einer Textquelle hätte verfügen „sollen“. Darüber hinaus erschien uns eine Bildquelle als gute Möglichkeit, den Schüler zu freien, spontanen Äußerungen zu animieren, die als weitere Grundlage für das Leitfadeninterview dienen sollten.

4.2 Die Konstruktion des Leitfadens

Nachdem die Quelle festgelegt war, begannen wir mit der Ausarbeitung des Leitfadens, welcher eine gewisse Struktur, aber auch Spielräume für spontane Äußerungen und sich entwickelnde Inhalte haben sollte. Wir sichteten das Schulbuch und die Unterlagen der Klasse erneut, um unsere Fragestellungen und einigermaßen realistische Erwartungen festzulegen. Lediglich die Phasen des Interviews wurden dementsprechend vorher durch uns bestimmt, wobei wir ebenfalls einige wenige mögliche Fragen für jede Phase notierten.[4] Wichtig für uns war in diesem Zusammenhang, dass das Interview keiner Wissensabfrage oder Prüfung dienen sollte, schließlich wollten wir etwas über die Vorstellungen von SchülerInnen zur Geschichte erfahren.

Der Interviewleitfaden entstand in Anlehnung an Helmut Beilner[5], welcher bereits Interviews mit Schülern in verschiedenen Jahrgangsstufen durchgeführt hat. Sein Vorschlag bezieht sich allerdings auf den Umgang mit Textquellen, weshalb der von uns genutzte Leitfaden einige kleine Abänderungen erfuhr:

1) Freie Assoziation

Dem Schüler wird zuerst das Bild mit der Leiche des Ötzis vorgelegt. Er wird gebeten, sich das Bild in Ruhe anzugucken und sich dazu zu äußern. Einleitende Fragen könnten z.B. sein:

„Was siehst du?“ „Was fällt dir zu dem Bild ein?“

Es wird erwartet, dass sich der Schüler spontan zu der Quelle äußert und versucht die Quelle in einen historischen Kontext einzuordnen. Zudem wollen wir dadurch etwas über das Vorwissen des Schülers erfahren. Anhand dieser ersten Äußerungen sollen darüber hinaus weitere Fragen aus dem Gespräch entwickelt werden.

2) Zentrale Begriffe erläutern

Der Schüler wird aufgefordert zentrale Begriffe, die er im Zusammen­hang mit der Quelle oder im Fortverlauf des Interviewgespräches nennt, zu erläutern. Dadurch können weitere Anknüpfungspunkte entstehen und Fehlinterpretationen von Seiten des Interviewers vermieden werden. Mögliche Fragen wären z.B.: „Könntest du mir ... näher erklären?“, „Du hast vorhin von ... gesprochen, was genau meintest du damit?“ „Was genau bedeutet das?“

3) Fragen zum Quellenverständnis

Um nähere Informationen zu dem Quellenverständnis des Schülers zu bekommen ist es unserer Meinung nach wichtig, gezielt Fragen zu stellen, falls während des Interviews keine Angaben vom Schüler gemacht werden. Da es sich in Rahmen dieses Interviews um die Fotografie einer Sachquelle und um eine Fotografie eines rekon­struierten Modells handelt, ist es sehr interessant zu erfahren, ob der Schüler sich dieses Unterschieds bewusst ist. Kann der Schüler in diesem Fall zwischen einer Quelle und einer Darstellung unterscheiden?

[...]


[1] vgl. Langer-Plän, Martina: Problem Quellenarbeit. Werkstattbericht aus einem empirischen Projekt. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 54 (2003), H. 5/6, S. 335

[2] vgl. Günther-Arndt, Hilke / Sauer, Michael: Einführung: Empirische Forschung in der Geschichtsdidaktik. Fragestellungen-Methoden-Erträge. In: Günther-Arndt, Hilke / Sauer, Michael (Hrsg.): Geschichtsdidaktik empirisch. Untersuchungen zum historischen Denken und Lernen, Berlin 2006, S. 12

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Feldforschung

[4] Vgl. Friebertshäuser, Barbara: Interviewtechniken – ein Überblick. In: Prengel, Annedore (Hg.): Handbuch Qualitative Forschungsmethoden in der Erziehungswissenschaft, Weinheim 1997, S. 376

[5] vgl. Beilner, Helmut: Empirische Zugänge zur Arbeit mit Textquellen in der Sekundarstufe I. In: Beilner, Helmut; Langer-Plän, Martina: Quellen in Geschichtswissenschaft und Geschichtsunterricht. Exemplarische Zugänge zur Rekonstruktion von Vergangenheit. Neuried 2004, S. 107f.

Details

Seiten
36
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638821964
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76708
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Institut für Geschichte
Note
2
Schlagworte
Schülervorstellungen Geschichte Schülervorstellungen Geschichte

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Titel: Schülervorstellungen zur Geschichte