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Wovon hängen Emerging Market Bond-Spreads ab?

Seminararbeit 2007 19 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Markt für Emerging Market Anleihen

3. Fundamentale Faktoren

4. Nicht-fundamentale Faktoren
4.1 Überblick
4.2 Liquidität
4.3 Ansteckung
4.4 Risikoneigung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anteil an allen Emerging Market-Emissionen

Abbildung 2: Emerging Markets Spreads

1. Einleitung

Für den Begriff „Emerging Market“ (auch Take-off-Länder, Newly industrialiting countries) existiert keine einheitliche verbindliche Definition.[1] Im Allgemeinen sind aufstrebende Volkswirtschaften Länder, die durch eine Veränderung ihrer Wirtschaftsphilosophie, technologische Entwicklung und beträchtliche Produktivitätssteigerungen ein enormes Wirtschaftswachstum erzielen.[2] Häufig sind diese Ökonomien von hoher Auslandsverschuldung, politischer Instabilität und starken Währungsturbulenzen geprägt. Des Weiteren zeichnen sich die Emerging Markets durch die folgende Kriterien aus:[3]

- relativ hoher Anteil der Industrie am Bruttosozialprodukt
- relativ hoher Anteil industrieller Güter an den Exporten
- Aufgrund der hohen wirtschaftlichen Dynamik ist davon auszugehen, dass die Strukturmerkmale eines typischen Entwicklungslandes bald völlig überwunden sind.

Der größte Teil der Bevölkerung unseres Planeten lebt in Ländern, die zu den Emerging Markets zählen. Die wichtigsten sind: die großen Länder Lateinamerikas (Brasilien, Argentinien, Mexiko, Chile und Venezuela), China, Indien, Russland, die Transformationsländer Mittel- und Osteuropas, Türkei und Südafrika. Gemäß Weltbankdefinition der Einkommensklassen gehören fast alle Emerging Markets zu den Ländern mit mittlerem/hohem Einkommen. Die Skala der jährlichen Pro-Kopf-Einkommen reicht dabei von China (960 US$ in 2002) bis zu Südkorea (9.930 US$).[4]

Ausgangsbasis zur Bestimmung eines Spreads bildet die Rendite zehnjähriger US-Treasury Bonds, die als liquidestes und sicherstes Anleihesegment weltweit gelten. Mit dem Kauf von Emerging Market Bonds geht ein Investor ein höheres Risiko ein, da die Ausfallwahrscheinlichkeit (der Tilgungs- und Zinszahlungen) höher liegt als bei US-Treasury Bonds. Der Spread (Zinsdifferenz) stellt dann den Risikozuschlag, den Investoren für das Halten von Emerging Market Anleihen erhalten, dar.

Theoretisch müsste der Spread also den Anleger genau für sein zusätzliches Risiko entschädigen. Der Spread wird dabei üblicherweise in Basispunkten angegeben (1 Basispunkt = 0,01 Prozent).

Die Anleihen unterschiedlicher Emerging Markets weisen folglich je nach Einschätzung der Investoren individuelle Spreads auf, die im Zeitablauf erheblich variieren. Diese beobachtbaren Variationen im Längs- und Querschnitt werfen die Frage nach den eigentlichen Bestimmungsfaktoren von Emerging Markets Spreads auf.

Zuerst wird im 2. Kapitel der Markt für Emerging Market Anleihen kurz beschrieben. Im 3. Kapitel wird dann die Rolle von fundamentalen Faktoren auf die Spread-Entwicklung untersucht. Gerade die starken Schwankungen der Spreads im Zeitablauf zeigen, dass die Renditeaufschläge nicht allein auf das Länderrisiko (und damit auf fundamentale Faktoren) zurückzuführen sind. Dass sich die Risikosituation in verschiedenen Ländern so schnell und drastisch ändert, dass dies allein die zu beobachtenden spezifischen Spreadveränderungen erklärt, ist unplausibel. Folglich müssen auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Auf die den Einfluss solcher nicht-fundamentaler Faktoren wird im 4. Kapitel eingegangen.

2. Markt für Emerging Market Anleihen

Seit Anfang der 90er Jahre erweist sich der internationale Kapitalmarkt als äußerst ergiebige Quelle zur Finanzierung von Schulden der Emerging Markets. Der Anleihemarkt gewann dabei vor allem durch die Schuldenerleichterungsabkommen der 80er Jahre an Tiefe. Während dieses Abkommens wurden Bankdarlehen, die von einzelnen Ländern (insbesondere aus Lateinamerika) nicht mehr bedient werden konnten, nach einem Schuldenverzicht in langfristige Bonds umgewandelt (Brady-Bonds[5] ).

Das Volumen der ausstehenden Brady-Bonds dürfte heute etwa 150 Mrd. US$ betragen. Um die verpfändeten Aktiva wieder freizusetzen und den Schuldendienst zukünftig zu reduzieren haben einige Staaten begonnen ihre Brady-Bond-Emissionen zurückzukaufen und durch neue Begebungen zu ersetzen. Verbunden mit der größeren Tiefe der Bondmärkte stieg auch die Emissionsaktivität an. Es zeigte sich, dass die Finanzierung durch Anleihen krisenfester ist als Bankkredite. So steigt das ausstehende Volumen der internationalen Anleihen stetig (im Jahr 1994 betrug es ohne die Brady Bonds noch 155 Mrd. US$, im zweiten Quartal 2004 schon 675 Mrd. US$).[6]

Auf Regionaler Ebene dominieren bei der Emission von Anleihen im Bereich der Emerging Markets klar die Länder Lateinamerikas mit einem Anteil von ca. 45% am Gesamtvolumen. Asiatische Länder liegen mit 29% an zweiter und Osteuropa mit 15% an dritter Stelle. (siehe Abbildung 1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anteil an allen Emerging Markets-Emissionen (Stand: 30.09.04)

Quelle: Deutscher Investment Trust (2005), S. 21.

Anleihen von Emerging Markets sind seit einigen Jahren bei ausländischen Anlegern sehr begehrt.[7] Diese Nachfrage trieb die Bewertungsindikatoren an den oberen Rand der historischen Bandbreite, und teilweise sogar darüber hinaus. Die Speads verschiedener Emerging Market-Regionen befinden sich folglich auf historischen Tiefsständen. (siehe Abbildung 2) Zum Enthusiasmus der Anleger trug insbesondere die äußerst positive Entwicklung der makroökonomischen Eckdaten zahlreicher Emerging Markets bei. In den zurückliegenden Jahren haben die Verbesserung der Geld- und Fiskalpolitik, der Finanzsysteme sowie der Handelsbilanzen in aufstrebenden Volkswirtschaften die Schockresistenz gestärkt und damit die Risiken für Investitionen in diese Länder gemindert. Bei Moody´s betrug im Jahr 2005 das Verhältnis der herauf- zu den herabgestuften staatlichen Schuldnern etwa 3:1. Besonderen Symbolcharakter für die positive Entwicklung im Emerging Markets Sektor hatte das Verhalten von Argentinien und Brasilien im Jahr 2005. Diese beiden Länder nutzten einen teil ihrer wachsenden Währungsreserven um IWF-Darlehen in Höhe von 25 Mrd. USD zurückzuzahlen.[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Emerging Markets Spreads

Quelle: IMF (2006), S. 23.

Trotz der durchaus positiven politischen und wirtschaftlichen Entwicklung vieler Emerging Market Länder, sind derartig niedrige Renditeaufschläge nicht allein anhand fundamentaler Kennzahlen erklärbar. Folglich müssen noch andere – nicht-fundamentale Erklärungsfaktoren – existieren.

[...]


[1] Vgl. Allianz Dresdner Asset Management (2002), S. 5.

[2] Vgl. Füss (2002), S.3.

[3] Vgl. World Bank: http://www.worldbank.org/data/countryclass/countryclass.html.

[4] Vgl. Deutscher Investment Trust (2005), S.22.

[5] benannt nach dem früheren US-Finanzminister Nicholas Brady, der zur Lösung der Schuldenprobleme von Entwicklungsländern 1989 einen Maßnahmenkatalog ausgearbeitet hat.

[6] Vgl. Deutscher Investment Trust (2005), S. 23-24 und McGuire/ Schrijvers (2003), S.67-68.

[7] Hierbei dominieren die Kapitalströme privater Investoren, die in den letzten Jahren mehr als 90% der gesamten Kapitalströme in Emerging Markets ausmachten. Öffentliche Kapitalgeber, wie die Weltbank, der Internationale Währungsfonds oder Regierungen einzelner Länder, spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle. (Vgl. Deutscher Investment Trust, 2005, S. 23.)

[8] Vgl. Upper/ Wooldridge (2006), S. 3.

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638812801
ISBN (Buch)
9783638814379
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76736
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,3
Schlagworte
Wovon Emerging Market Bond-Spreads Hauptseminar Finanzmarktanalyse

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