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Der Einfluss von Musik auf die Entwicklung des Kindes

Diplomarbeit 2007 137 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

1 Was ist Musik?
1.1 Die Ursprünge der Musik
1.1.1 Der kosmische Ursprung des Klanges
1.1.2 Der biologische Ursprung der Musik
1.1.3 Musik, Magie und Religion
1.2 Musikinstrumente
1.3 Die menschliche Stimme
1.4 Musik im Alltag
1.5 Musik im Kopf

2 Musik kann verändern
2.1 Die Wirkung von Musik
2.2 Was sagt die Antike dazu?
2.3 Die mathematische Ebene der Musik
2.4 Die Wirkung von Musik auf Pflanzen und Tiere
2.5 Emotionale Wirkung von Musik
2.6 Musik, Ausdruck des Göttlichen?
2.7 Negativer Umgang mit Musik
2.7.1 Reizüberflutung – Wenn Stille schmerzt
2.8 Kann Hardrock wirklich schädlich sein?

3 Heilender Einfluss von Musik
3.1 Geschichtliche Entwicklung
3.1.1 Antike
3.1.2 Vom Mittelalter bis zur Romanik
3.1.3 Das 20. Jahrhundert
3.2 Welche Faktoren bestimmen die Wirkung von Musik?
3.3 Ergotrope Musik
3.3.1 Dort wo man singt, da lass dich ruhig nieder?
3.3.2 Das Gefährliche an ergotroper Musik
3.4 Trophotrope Musik
3.4.1 Musik für den Schlaf – Musik im Schlaf
3.4.2 Lauschen lernen
3.5 Musikalische Hausapotheke
3.6 Musik in Medizin und Wissenschaft
3.6.1 Die Hörkur des Alfred Tomatis
3.6.2 Wie entsteht ein Konzert im Gehirn?
3.6.3 Klingende Medikamente

4 Was ist Therapie
4.1 Therapieformen
4.1.1 Psychotherapie
4.1.2 Familientherapie
4.1.3 Gestalttherapie
4.1.4 Psychopharmakotherapie
4.1.5 Funktionelle Therapien

5 Musiktherapie
5.1 Fragen und Antworten
5.2 Das musiktherapeutische Setting
5.3 Arbeitsgebiete
5.4 Von der Eignung einer Therapie
5.5 Die Einzelmusiktherapie
5.6 Die Gruppenmusiktherapie
5.7 Rezeptive Musiktherapie
5.7.1 Zur Methode der rezeptiven Musiktherapie
5.7.2 Von der Musik, die an nichts erinnert
5.8 Aktive Musiktherapie
5.8.1 Musikalische Improvisation – Spiel ohne Maske
5.8.2 Improvisieren, was einem völlig fremd ist
5.8.3 Von der Macht des Instruments

6 Schulpraxis: Dieses Wissen in den Unterricht integrieren
6.1 Kinder sind sensibel
6.2 Was können Lehrer/innen tun, um den Schülern zu helfen?
6.2.1 Aktive Imagination mit Kindern
6.2.2 Übung zur Konzentration und Motivation
6.2.3 Therapeutische Musik für Kinder
6.3 Hat das auch Einfluss auf Lehrer/innen?
6.4 Verhaltenskreative Kinder und Musik
6.4.1 Welche Möglichkeiten stehen zur Verfügung?
6.4.2 Methodische Hilfen
6.4.3 Das Besondere an der Trommel
6.5 Musikalische Übungen
6.5.1 Imitation
6.5.2 Illustration
6.5.3 Interaktion
6.5.4 Nachahmen rhythmischer Phrasen
6.5.5 Ich schenk dir meinen Ton
6.5.6 Ein Dirigent und ein lebendiges Klavier
6.5.7 Klangwolke
6.5.8 Stopp and Go
6.5.9 Laut – leise
6.5.10 Improvisieren zu melodisch oder rhythmischen Rahmen

7 Lehrplanbezug

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Monographien

Zeitschriftenartikel

Internetquellen

Videoquellen

Softwarequellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bild der Wissenschaft, August 2003

Abbildung 2: Bild der Wissenschaft, August 2003

Abbildung 3:Tischitz B. Seminarunterlage 2006

Abbildung 4:Tischitz B. Seminarunterlage 2006

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: selbst erstellt

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

Schon seit meiner frühesten Kindheit ist Musik, aktiv und auch passiv, für mich „ Lebens-Not-wendig “. Meine Mutter erzählte mir, das ich bereits im Gitterbett Musik brauchte um einschlafen zu könne. Als Kleinkind hatte ich dann bereits meinen eigenen Kassetten-Radio, den ich, wenn ich fertig war, aus dem Gitterbett schmiss. Mein Musik-Konsum bestand also schon damals nicht aus ständiger Berieselung, sondern buchstäblich aus Zuhören. Das ist bis heute so geblieben, ich kann nicht Musik im Hintergrund laufen haben. Wenn ich Musik höre, dann bewusst, ich wähle eine CD aus, muss Zeit haben, um mich hinzusetzen oder zu legen, um dann zu lauschen und zu hören.

Was die aktive Musik betrifft, wurde ich schon mit 5 Jahren mit einem Tasteninstrument vertraut, spielte bereits einige Stücke in der ersten Klasse zu Weihnachten so vor, dass meine Mitschüler mitsingen konnten. Dann kam leider mein größter Einschnitt, der mich zumindest von den Musiklehrern wegbrachte, was zur Folge hatte, dass ich Musik nicht zu meinem Broterwerb machen konnte. Da in unserer Volksschule, Blockflötenunterricht angeboten wurde, nahm ich anfangs mit Freuden daran teil. Doch diesen Unterricht leitete der Direktor der Schule, in seinem letzten Jahr, vor der Pension. Dieser war wirklich von einer alten Schule, er pflegte uns Kinder, bei unsauberen Tönen mit einem Metallstäbchen auf die Finger zu schlagen. Das reichte mir, er war zwar ab dem Besuch der 2. Klasse Volksschule bereits nicht mehr da, doch ich wollte keinen Instrumentalunterricht mehr besuchen. Ich begann mir alles selbst beizubringen, zuerst wie gesagt die Tasteninstrumente, dann die Gitarre und zuletzt, als Erwachsener mit 18 Jahren, die Geige, die mein Kindertraum war. Mit 20 Jahren begann dann mein erster Instrumentalunterricht auf der Geige, leider viel zu spät um Musiker werden zu können.

Doch die Liebe zur Musik blieb. Auch das Wissen über die Macht der Musik, die Menschen verändern kann. Deshalb war es für mich von Anfang an klar, dass ich meine Diplomarbeit in Musik und Psychologie schreiben werde.

Einleitung

In meiner Arbeit möchte ich zuerst Musik definieren. Ich versuche die Ursprünge und ihre Zusammenhänge aufzuklären. Denn Musik war schon von alters her nicht nur ein Genussmittel, sondern diente für vielerlei Zwecke.

Ich möchte ihre Wirkungen auf uns Menschen näher betrachten. Musik verändert und Musik kann heilen. Negativer Umgang mit Musik kann aber auch krank machen. Doch den Schwerpunkt möchte ich auf die Heilkraft der Musik legen.

Dann werde ich Therapie erklären, um in weiterer Folge Musik und Therapie miteinander zu vereinen.

Dem Resultat „Musiktherapie“ soll dann ein weiteres Kapitel gewidmet werden, um zuletzt dieses Wissen in den Grundschulunterricht, als Volksschullehrer, integrieren zu können.

1 Was ist Musik?

Musik entstand aus dem griechischen Wort musiké. Musiké bedeutet „die musikalische Gesamtdarstellung des Menschen in Wort, Ton und Bewegung.“[1]

Musik ist gestaltete Zeit und kann nur als Ablauf in der Zeit erlebt werden. Aus diesem Grund gibt es eine rhythmische Ordnung des Rohmaterials. Als Rohmaterial kann das Geräusch, der Klang und der Ton bezeichnet werden. Dieses Rohmaterial in einer rhythmischen Ordnung ausgeführt, egal ob es dabei um eine vorprogrammierte rhythmische Ordnung geht (Noten), oder ob diese Ordnung durch den Musiker spontan (Improvisation) durchgeführt wird, nennt man Musik.

Es ist schwierig zu unterscheiden, was Musik ist und was nicht. Musiktheoretiker würden davon ausgehen, dass es sich nur bei bewusst von Menschen erzeugter Musik um Musik, handelt. Ich würde aber auch das Vogelgezwitscher oder verschiedene Geräusche der Umgebung und Umwelt (Lokomotivgeräusche usw.) dazuzählen. Schließlich haben avantgardistische Komponisten die Grenzen von Musik gesprengt, indem sie z. B. auf Rhythmus, Harmonie und sogar auf Melodie verzichteten.[2]

1.1 Die Ursprünge der Musik

Musik ist eine der größten menschlichen Leistungen aller Zeiten und Kulturen. Ihre Macht, zum Guten oder Bösen, zu Leben und Tod, Jugend und Alter, Gesundheit und Krankheit in Beziehung zu treten, ist seit Urzeiten bekannt.

Das Wort "Musik" umfasst eine große Vielfalt von Erfahrungen verbunden mit einer langen Geschichte. Für den modernen Menschen ist es ein komplexes Endprodukt, das sich aus vielen Elementen entwickelt hat.

1.1.1 Der kosmische Ursprung des Klanges

Es ist ein alter Menschheitsglaube, dass der Klang eine kosmische Elementargewalt am Beginn des Weltgeschehens war. Es gibt eine Reihe von Legenden über die Erschaffung des Weltalls, in denen der Klang eine bedeutende Rolle spielt.

Die Ägypter glaubten, dass der Gott Thot die Welt erschaffen habe, und zwar nicht durch Gedanken oder Tat, sondern allein durch seine Stimme. Aus seinem Munde und dem Klang seiner Stimme seien vier weitere Gottheiten entsprungen, die mit ähnlicher Macht begabt waren und die Welt dann gestalteten und belebten.

Auch in den Weisheitslehren der persischen und indischen Schöpfungsgeschichte ist das Weltall aus Klangsubstanz geschaffen worden. Die Welt soll durch einen ursprünglichen Klang geschaffen worden sein, der aus dem Urgrund aufstieg und zu Licht wurde, dieses Licht wandelte sich nach und nach in Materie. Aber diese Stoffwerdung war niemals völlig abgeschlossen, denn jedes Geschöpf und jedes Ding behielt in sich einen größeren oder kleineren Anteil der Klangsubstanz, aus der es geschaffen wurde.

Auch in der Bibel heißt es: „Gott sprach … und es wurde …“[3] Er schaffte also Himmel und Erde allein durch den Klang seiner Stimme.

Die alten Babylonier und Griechen sahen einen Zusammenhang zwischen Klang und Kosmos durch die mathematischen Gesetze von den Klangschwingungen in Verbindung mit Zahlen und Astrologie. Pythagoräische Philosophen betrachten die Tonleitern als Bauelement des Kosmos. Sie glaubten auch, dass Klang als Naturelement im Universum vorhanden ist, für menschliche Ohren jedoch nicht wahrnehmbar sei. Sie nannten die unhörbaren Klänge, die die Himmelskörper auf ihren Bahnen erzeugten, "Sphärenharmonie".

1.1.2 Der biologische Ursprung der Musik

Darwins ausführliche Studie über den Ursprung der Musik gründet sich auf seine Evolutionstheorie. Er diskutiert die bedeutungsvolle Tatsache, dass alle Arten von Tieren sich in Lauten ausdrücken, insbesondere die Vögel, deren Stimmen verschiedene Gefühle äußern, wie z. B. Not, Angst, Zorn, Triumph oder einfach Fröhlichkeit.[4] Er stellte fest, dass die Lieder der meisten Vögel ein Lock- oder Rufsignal für das andere Geschlecht wären. Andere Wissenschaftler meinten, die Vögel sängen aus anderen Gründen, z. B. um miteinander wettzueifern oder einander nachzuahmen. Darwin beobachtete auch, dass manche Vögel verschiedene musikalische Leistungen unterscheiden können und dass das Kanarien- oder Finkenweibchen immer den besten Sänger zum Gefährten wählt.

Darwin kam zum Schluss, dass "musikalische Klänge wahrscheinlich, wenn auch vage und unbestimmt, aus dem tiefen Grund ererbter Assoziationen starke Gefühle eines längst vergangenen Zeitalters erwecken können."[5]

Darwin führt im Übrigen aus: "Der leidenschaftliche Redner, Sänger oder Musiker, der in seinen Hörern mit verschiedenen Lautstärken und Tonlagen starke Gefühle erweckt, ist sich dessen wohl kaum bewusst, dass er dieselben Mittel wie seine halbmenschlichen, urzeitlichen Vorfahren verwendet, mit denen sie heftige Leidenschaften ihrer Gefährten im Wettkampf und in der Liebe wachriefen."[6]

Die musikalische Leistung der Vögel ist zweckbestimmt und zielt auf die Fortpflanzung der Art. Darwin rätselte über die Tatsache, dass der Mensch sich weiterhin mit einer anscheinend sinnlosen Tätigkeit abgab, die nicht wissenschaftlich erklärt werden konnte. Er stellt fest, dass "weder die Freude an der Musik, noch die Fähigkeit, musikalische Klänge zu erzeugen, für den Menschen bezüglich seiner täglichen Lebensgewohntheiten irgendeinen Zweck erfüllen. Sie müssen daher zu seinen rätselhaftesten Begabungen gerechnet werden. William Wallace, ein amerikanischer Musikwissenschaftler, kommentiert diese Bemerkung folgendermaßen: "Das Bestehen der Wissenschaftler auf dem Nützlichkeitsprinzip ist fatal für jegliche Hypothese über Musik."[7]

Obwohl Tiere auf Rhythmus anscheinend nicht reagieren, werden doch manche Tiere von Tonfarbe, Frequenz und Intensität in einer musikalischen Klangfolge offensichtlich beeindruckt. Diese Eindrücke aufzunehmen, erfordert keinen hohen Intelligenzgrad. Manchmal lockt schon die Vibration eines Tones eine Spinne oder Schlange an. Es wird auch behauptet, dass Kühe mehr Milch geben, wenn im Hintergrund Musik gespielt wird.

1.1.3 Musik, Magie und Religion

Der Urmensch begriff die Naturerscheinungen als magische Phänomene und glaubte auch, dass der Klang übernatürlichen Ursprungs sei. "Klang", sagt Alfred Einstein, "muss für den primitiven Menschen etwas Unfassbares und daher geheimnisvoll und magisch gewesen sein."[8]

Wir können annehmen, dass Klänge für ihn die Stimmungen, Drohungen oder Befehle der ihn umgebenden Geister zum Ausdruck brachten. Klänge waren für ihn ein Kommunikationsmittel zur allgegenwärtigen unsichtbaren Welt um ihn her und hatten ihren unverwechselbaren Sinn. Dieses Phänomen wurde in vielen Teilen der Welt beobachtet. Einige primitive Stämme in Neuguinea z. B. glauben, dass die Stimmen der Geister aus den Flöten, den Trommeln und dem Stiergebrüll zu vernehmen sind. Auch in verschiedenen Indianerstämmen, sucht die Mutter, nachdem das Kind geboren wurde, nach dem ihm eigenen Klang. Wenn Sie ihn gefunden hat, singt sie ihn dem Kind vor. Das Kind wird von dieser Lebensmelodie getragen, bis zu seinem eigenen Tod. Wenn es traurig ist, oder verzweifelt, geht es in die Wildnis hinaus und hört, ob es vielleicht von der eigenen Lebensmelodie abgekommen ist.[9]

Der primitive Mensch identifizierte sich mit seiner Umgebung, indem er die Klänge nachahmte, die er hörte, entweder singend oder auf einem Instrument. Aber diese Nachahmung beschränkte sich nicht nur auf den Einzelmenschen, sondern beschreibt ein Massenerlebnis, bei dem die Eingeborenen Naturkonzerte abhalten.

Obwohl unsere Vorstellungen vom Menschen, von Religion und Gesellschaft im Laufe der Geschichte auch vielen Wandlungen unterworfen waren, so sind doch bestimmte Auffassungen und Haltungen davon merkwürdig unberührt geblieben. In allen bekannten Zivilisationen wird die Musik für göttlichen Ursprung gehalten. Überall wurde sie nicht als Menschenwerk, sondern als das Werk eines übernatürlichen Wesens angesehen. In der Geschichte der bildenden Kunst gibt es hierzu nichts Vergleichbares. Der Gedanke, dass in der Musik Göttliches lebt, ist heute noch lebendig. Selbst dann, als der Glaube an den göttlichen Ursprung der Musik durch Entwicklung und Forschung der Vergangenheit angehörte, behielt man die sprachlichen Begriffe, mit denen Art und Wirkung von Musikerlebnissen beschrieben wurden, aus dem alten Glauben bei.

1.2 Musikinstrumente

„Ein Musikinstrument ist ein Gegenstand, der mit dem Ziel konstruiert oder verändert wurde, Musik zu erzeugen. Im Prinzip kann jeder Gegenstand, der Töne oder auch nur Geräusche hervorbringt, als Musikinstrument dienen, jedoch wird der Ausdruck normalerweise nur für solche Gegenstände verwendet, die zu diesem Zweck hergestellt oder verändert wurden.“[10]

Wie wir schon bei den Naturvölkern gesehen haben, schrieb man gewissen Musikinstrumenten in Urzeiten magische Kräfte zu. Das Material, woraus das Instrument bestand, z. B. Knochen oder Holz, wurde noch mit seinem Ursprung in Zusammenhang gesehen und wirkte auf Pflanze, Tier oder Mensch, von dem es stammte. Die Form des Instrumentariums oder sein Klang hatten häufig sexuelle Symbolik. Einige Instrumente wurden speziell für Heilungsriten angewandt, zuweilen wie ein medizinisches Gerät. In einigen Teilen Afrikas verwendet der Medizinmann heute noch eine Zaubertrommel, die er z. B. über dem Magen des Patienten spielt. Die griechische Mythologie berichtet von Musikinstrumenten, die die Götter erfunden und gespielt und den Menschen gegeben haben sollen. Pan spielte die Panflöte, Apollo hatte aus einem Schildkrötenpanzer die Leier gemacht, das Lieblingsinstrument der griechischen Götter.

Musikinstrumente sind reale, fassbare Gegenstände, die der Mensch gestalten, verbessern und verändern kann. Die Instrumente, nicht jedoch die Musik selbst, verloren bald ihren Bezug zur übernatürlichen Welt. Aber einige von ihnen üben immer noch eine gewisse Faszination auf Kinder aus. Ich denke da vor allem an mich selbst, als Kind (im Vorschulalter) wünschte ich mir nichts sehnlicher als eine Geige. Ein Nachbarjunge aus dem Haus meiner Tante, der etwa gleich alt war wie ich, hatte eine Geige. Dieses Instrument faszinierte mich, doch mein Vater war leider dagegen, so musste ich warten, bis ich mir mit 18 selbst eine Geige kaufen konnte.

Der primitive wie auch der moderne Musiker hat sich immer mit seinem Instrument identifiziert, das eine Ergänzung seines Körpers ist und seine psychomotorischen Impulse freisetzt und in Klang wandelt. Die Handhabung eines Musikinstrumentes erfordert auch bewusste Kontrolle von Bewegung in Zeit und Raum sowie Beachtung gewisser akustischer Gesetze.

Manchmal wird auch die menschliche Stimme als Musikinstrument bezeichnet.

1.3 Die menschliche Stimme

In den Kehlkopf sind zwei Stimmbänder gespannt. Mund, Nase und Rachen werden als Ansatzrohr bezeichnet. Beim normalen Atmen sind die Stimmbänder komplett entspannt und geben dadurch die Luftröhre frei. Beim Sprechen oder Singen werden die Stimmbänder angespannt und die Luftröhre wird bis auf einen kleinen Spalt, die Stimmritze, verschlossen. Wenn jetzt die Luft durch die Luftröhre strömt werden die Stimmbänder in Schwingungen versetzt, ähnlich einer Saite auf einem Musikinstrument. Die im Ansatzrohr befindliche Luft schwingt mit. Ein Klang entsteht.

Die menschliche Stimme hat einen Frequenzbereich von etwa 100 bis 1000 Herz. Je entspannter die Stimmbänder sind, desto geringer die Schwingung, dadurch entsteht ein tiefer Ton. Werden die Stimmbänder angespannt werden die Schwingungen schneller und ein hoher Ton entsteht. Die Grundtonhöhe hängt allerdings auch von der Länge und Stärke der Stimmbänder ab, deshalb haben Männer eine tiefere Stimme als Frauen.

Die Laute, die wir zur sprachlichen Verständigung brauchen, entstehen im Ansatzrohr. Beispielweise sind die Stimmbänder bei den Lauten A, E, I, O und U fast immer gleich, die Vokale werde durch die Veränderung der Mund und Rachenhöhle erzeugt.[11]

Nach Auffassung der Psychoanalytikerin Hildemarie Streich verkörpert die Stimme die verborgene Person, ihre Individualität, ihre Einzigartigkeit. Geboren werden heißt zum Klingen gebracht werden, eine Stimme haben. Es bedeutet eigenes Leben, eigenes Wachstum, eigene Entwicklung haben. Der Klang der Stimme ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck.

"In Träumen erscheint die Stimme oft als Anzeichen für das Werden einer Person oder für die Schwierigkeiten, die ihrer Entwicklung im Wege stehen. In manchen Träumen erscheint das Singen als befreiende Kraft, die erstmals die Möglichkeit eines Daseins erschließt, das vorher ungenutzt oder unterdrückt war. Im Singen kann der Mensch sein eigenes, natürliches Wesen zum Ausdruck bringen."[12]

1.4 Musik im Alltag

Überall erleben wir Musik- sie hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten durch eine immer weiter fortschreitende technische Verfügbarkeit quantitativ ungeheuer ausgebreitet, während unsere Urgroßeltern nur live gespielte Musik erleben konnten. Es gibt kaum eine Stunde, in der sie uns nicht erreicht – über Radio und Fernsehen, CD und Walkman. Wir stehen mit Musik auf, frühstücken mit Musik, machen Schulaufgaben mit Musik. Bei dieser Art des Musikhörens erleben wir die Musik als eine Ablenkung im Hintergrund – unsere Konzentration ist ihr nur zu einem Teil gewidmet. Dies gilt zum Beispiel auch beim Auto fahren oder in Restaurants, Geschäften und Cafés. Jeder von uns wird sich – sogar unter diesen Vorzeichen eines eher beiläufigen Musikkonsums – an besonders schöne Musikerlebnisse erinnern. An eine besonders schöne Melodie, an einen Schlager, einen zündenden Rhythmus eines Orchesters. Natürlich kennt jeder neben den „Highlights“ auch negative Erfahrungen: Situationen und Momente, in denen uns Musik ungute Gefühle bereitet, ja sogar als Lärm erscheint. Beide Erlebnisformen haben offenbar etwas damit zu tun, dass wir in unterschiedlichen Momenten unterschiedlich gut der Musik zuhören können – genauso, wie wir ja auch der menschlichen Sprache mal gut und mal weniger gut zuhören können. Fest steht, Musik kann die Gefühle jedes Menschen individuell ansprechen. Dabei besteht kein Zwang – wie in der Sprache – zur begrifflichen Verallgemeinerung. Gerade deshalb ist es zum Beispiel schwer, musikalische Erlebnisse mit Hilfe der Sprache zu beschreiben – welche Worte auch gewählt werden, immer geht etwas verloren, immer umfasst das Musikerlebnis mehr als einzelne Begriffe. Wir können annehmen, dass diese Offenheit des Erlebens zu einem nicht geringen Teil die besondere Faszination der Musik ausmacht.[13]

1.5 Musik im Kopf

Musik ist für den Menschen seit Jahrtausenden eine der wichtigsten Kunst- und Kommunikationsformen. Jedoch erst in den vergangenen 20, 30 Jahren fanden Wissenschaftler aus den Bereichen der Neurophysiologie der Medizin, der Biologie etc. heraus, was im menschlichen Gehirn passiert, wenn wir Musik hören. Nervenärzte und Neurophysiologen fanden heraus, dass das neurovegetative System des Menschen besonders aufnahmebereit ist für musikalisch-akustische Reize. Die Hörzellen reagieren schon auf Reizenergien, die ca. zehnmillionenmal kleiner sind als zum Beispiel die Energie, die beim Berühren eines Gegenstandes den Tastsinn anspricht. Von allen menschlichen Sinnen ist der Hörsinn der sensibelste. Zugleich ist er besonders eng mit unseren Gefühlen verbunden. Die Ursache dafür liegt in einer quasi „direkten“ Verbindung der Ohren mit dem sogenannten „Limbischen System“, einer Art Gefühlszentrum unseres Gehirns. Das Gehörorgan spielt auch eine besondere Rolle. Schon im pränatalen, das heißt vorgeburtlichen Stadium, reagiert der Fötus auf akustische Reize, erlebt zum Beispiel das rhythmische Gehen und Atmen der Mutter, ihren Herzschlag. Die Geburt bedeutet so gesehen den Verlust dieser akustisch-musikalischen Umwelt. Neugeborene Babys reagieren auf laute Töne mit einem Anstieg der Atemfrequenz, sie bewegen sich stärker und blinzeln schneller als bei leisen Tönen. Babys, die erst wenige Tage alt sind, können bereits Tonhöhen unterscheiden – demgegenüber ist eine differenzierte visuelle Wahrnehmung erst Wochen nach der Geburt möglich.[14]

Auch wenn Menschen im Koma sind oder sterben, das Gehör ist das Letzte, was noch funktioniert. Menschen, die Nahtod Erlebnisse hatten, berichten davon, dass sie die Angehörigen zwar hörten, doch nicht darauf antworten konnten.[15]

2 Musik kann verändern

Wie Musik auf den Menschen wirkt, ist eine Frage, auf die Musiker, Musikhörer und Musiktheoretiker vermutlich seit den Anfängen der Musik eine Antwort gesucht haben. Eine zeitlos gültige und unterschiedliche Kulturen umspannende Antwort gibt es nicht. Denn wie Musik wirkt, hängt nicht allein von der Musik und ihren kulturellen und historischen Voraussetzungen ab, sondern auch in hohem Maße vom individuellen Menschen, der sie hört, von seinem Geschmack, seinen Erwartungen und anderen Voraussetzungen, die er oder sie mitbringt, sowie auch vom situativen Kontext, in dem die Musik gehört wird.[16]

2.1 Die Wirkung von Musik

Der Musik werden die unterschiedlichsten emotionalen und psychologischen Wirkungen zugeschrieben.

Ich möchte im Folgenden einige aufzählen:

- Lindernde Wirkung zur Entspannung und Krampflösung
- Stimulierende, spannungssteigernde Wirkung
- Strukturierende oder auflösende Wirkung, die der Imagination freies Spiel lässt und so präzise Suggestionen und daher persönliche Vorstellungen hervorruft
- Zerstörung oder Sammlung
- Lust und Bereitschaft, mit anderen zu kommunizieren, oder aber Isolation
- Besessenheit oder Befreiung
- Engagement oder Ablehnung, usw.

Bis heute konnte die Musikwissenschaft allerdings nicht klären, in welchem Grad die unterschiedlichsten emotionalen und psychologischen Wirkungen der Musik mit den kulturellen Rahmenbedingungen zusammenhängen.[17]

All dies hängt aber auch in hohem Maße von der Art der Musik und von der Persönlichkeit des Individuums ab, das heißt von der Empfänglichkeit, die es der gebotenen Musik gegenüber mitbringt. Dieser letzte Faktor ist umso bedeutsamer, je weniger anschaulich, konstruiert und präzise die Musik ist. Musik kann ein Mittel sein zum Träumen, bei dem Bilder um ihrer selbst willen erfunden werden, die man verfolgt, aufgibt, wieder fasst, mit denen man spielt, oder die man zu einer kleinen Welt zusammenfügt. Anders wiederum kann man Musik als eine Technik des Ausdrucks auffassen, die eine geschichtliche Entwicklung hat, eine Tradition und strenge Regeln, und deren Ziel die technische Perfektion ist, wobei sie allerdings einen mehr professionellen Charakter annimmt.

Je nach der Persönlichkeit und der Einstellung des Einzelnen kann Musik mit mehr oder weniger Gefühl, mehr oder weniger Emotionen gehört und gespielt werden, was ganz deutlich wird, wenn man etwa verschiedene Interpretationen ein und desselben Werkes miteinander vergleicht. Es kann auch ihre Suggestion auf affektiver Ebene ganz unterschiedliche Wirkungen haben: Während eine Person auf eine bestimmte affektgeladene Musik mit starken Gefühlen und Emotionen reagiert, kann eine andere sie als aufreizend empfinden und sich auf intellektueller Ebene dagegen zur Wehr setzen, etwa durch Bemängelung und Kritik im Allgemeinen, oder an einem bestimmten Instrument, oder der Aufnahmequalität usw. Hierdurch kann man sich der unmittelbaren Wirkung der Musik entziehen, sei es weil es jemandem unangenehm ist Emotionen zu zeigen oder die potenzielle Einwirkung zu stark erscheint.[18]

Man kann sich bemühen sich eine bestimmte Art von Musik zu Eigen zu machen, sie innerlich zu erleben, um eine Bereicherung seiner Persönlichkeit zu erfahren. Hier kann man geradezu von einem Vorgang der Inkorporation sprechen.

Leider sind aber solche Versuche oftmals zum Scheitern verurteilt, jeder von uns wird sich an eine Gelegenheit erinnern, da er besonders nervös, abgespannt oder sorgenvoll war und sich bei einem heiteren Musikstück zu entspannen und zu beruhigen suchte: und gerade in diesem Augenblick war die Musik unerträglich. Es war nämlich die Distanz zwischen der erstrebten Entspannung und dem tatsächlichen Spannungszustand zu groß, sodass das Ziel außer Reichweite lag. Und es gibt auch nichts Ärgerlicheres, als in einem Zustand besonderer Gereiztheit mit jemandem zusammenzutreffen, der eine geradezu „unverschämte“ Ruhe, wenn nicht gar Apathie ausstrahlt. Der Versuch kann aber dennoch gelingen: dann nämlich, wenn man zunächst mit einer Art von Musik beginnt, die dem augenblicklichen Zustand entspricht und nach und nach, über verschiedene andere Stücke, den gewünschten Zustand der Entspannung anstrebt. Es zeigt sich, dass hier zwei komplementäre Bewegungen stattfinden: die des Ichs zur Musik und die der Musik zum Ich. Diese Wechselwirkung erfolgt in spontaner und fließender Weise, sowohl bei der aktiven Produktion von Musik als auch beim passiven Hören.

Auch hier spreche ich von Erfahrung, wenn ich beispielsweise sehr zornig und wild war, gerade dann war der Moment, in dem ich mich an das Klavier setzte und geradezu meine gesamte Aggression in die Tasten hämmerte. Ich improvisierte und erzeugte wilde Stücke, die direkt aus meinem Inneren kamen. Ich hämmerte nicht nur herum sondern meine Seele erfand schräge Harmonien und wilde Rhythmen, die Töne waren so laut wie möglich und abgehackt. Doch desto länger ich spielte, die Klänge schienen sich zu verwandeln, sie wurden immer milder, weicher, harmonischer und nach einiger Zeit ruhig, fast zärtlich. Wenn ich dann vom Klavier aufstand war ich ein verwandelter Mensch. Ich hatte mich verändert, die Musik hat mich verändert, oder habe ich die Musik verändert? Ich weiß es nicht, es war ein Wechselspiel zwischen mir und der Musik. Zwischen meinen Emotionen und meiner Kreativität. Doch die Art der Kreativität hatte sich in Abhängigkeit meines Tuns verändert. Sie führte mich von Unruhe zu Ruhe, ja es war sogar möglich mich von Aggression zur Gelassenheit und Liebe zu führen.

Musik kann aber, je nach der persönlichen Problemstellung, in der einen oder anderen Richtung stimulieren. Die „sanfte, tröstliche“ Musik kommt nur einem dieser Aspekte entgegen. Stimulierende, mitreißende Musik hingegen bedeutet eine Aktivierung. Diese Effekte sollte jeder kennen, um im täglichen Leben aus der Musik und ihrer „psychoprophylaktischen Wirkung größtmöglichen Nutzen zu ziehen“[19] ; leider kennen sie aber auch gewisse Industrie- und Handelsunternehmen allzu gut und setzten sie als Mittel der Konditionierung ein. Gerade dieser Aspekt scheint, ob wir es wollen oder nicht, eine große Zukunft zu haben. Geschäfte, Fabriken, Krankenhäuser werden auf diese Weise einer ständigen musikalischen Konditionierung ausgesetzt. Vor allem aber in der Werbung von TV und Radio ist diese Art von Konditionierung nicht mehr wegzudenken.

So werden Menschen ohne ihr Wissen konditioniert, ihnen werden Bedürfnisse und Gefühle suggeriert, ohne die es sich scheinbar nicht zu leben lohnt.[20]

2.2 Was sagt die Antike dazu?

Bereits die antiken Philosophen Platon (427-347 v. Chr.) und Aristoteles (384-322 v. Chr.) haben Theorien darüber entwickelt, welche Tonarten und Instrumente welche Wirkung auf die Hörer ausüben. Platon schreibt z. B. in seinem Werk „Der Staat“, dass die lydische Tonart weich und schlaff sei und entsprechend wirke, die dorische dagegen sei aufrüttelnd und erwecke zusammen mit der phrygischen die Tapferkeit und Männlichkeit.[21]

Ob die antiken Tonarten tatsächlich diese Wirkungen jemals gehabt haben, wissen wir nicht. Doch in jedem Fall finde ich es der Beachtung wert, dass bereits vor ca. 2500 Jahren, die Wirkungen von Musik systematisch untersucht worden sind.

2.3 Die mathematische Ebene der Musik

Musik besitzt eine mathematische Ebene, wie schon im ersten Kapitel über die Ursprünge der Musik dargelegt. Für Gottfried Wilhelm Leibnitz ist Musik z. B. ein unbewusstes Rechnen der Seele. Wobei natürlich wieder die Frage des kulturellen Hintergrundes aufgeworfen werden muss. Denn in anderen Kulturen gibt es andere harmonische Systeme. Selbst die Zeit in der jeweiligen Kultur hat da ihren Einfluss. Man denke nur an das Mittelalter und ihre Quinten und Quarten-Harmonik. Andere Tonsysteme sind aufgrund anderer ästhetischer Vorstellungen entstanden. So werden in der indonesischen Gamelan-Musik Instrumente in Paaren gespielt, die leicht gegeneinander verstimmt sind. Erst das Ergebnis wird als lebendiger Klang wahrgenommen.[22]

Man sieht also, wenn die Seele durch und mit Musik unbewusst rechnen würde, dann rechnet sie überall und zu jeder Zeit anders.

2.4 Die Wirkung von Musik auf Pflanzen und Tiere

Wie auch bereits im ersten Kapitel „biologischer Ursprung von Musik“ erwähnt, wirkt Musik nicht nur auf Menschen, sondern auch auf Pflanzen und Tiere. Dissonanzarme und rhythmisch fließende Musik soll eine positive Wirkung auf das Wachstum von Zimmerpflanzen haben. Bananenstauden sollen schneller wachsen, wenn sie mit dem Radetzkymarsch beschallt werden.[23] Ich habe das selbst noch nicht ausprobiert, doch ich denke, da ist was dran.

Dorothy Retallack ist eine professionelle Musikerin, die eine berühmte Serie von Experimenten mit Pflanzen und Musik durchführte. Sie verwendete klassische Musik und Acid Rock-Musik. Dabei fand sie heraus, dass Pflanzen, die dem Hardrock ausgesetzt wurden, sich von den Lautsprechern abzuwenden begannen. Sie schienen mehr Wasser zu brauchen, und am sechzehnten Tag des Experimentes waren fast alle eingegangen. Die Pflanzen, denen klassische Musik vorgespielt wurde, begannen sich um die Lautsprecher herumzuranken.[24]

In manchen Kuhställen wird klassische Musik, z. B. Mozart gespielt, um die Kühe zu einer besseren Milchleistung zu animieren.

In diesem Zusammenhang möchte ich einen Artikel aus der Welt.de von 27. Jänner 2006 zitieren: „Obwohl die empirische Basis schmal ist, gilt es als gesicherte Erkenntnis, dass Mozarts Musik bei Kühen den Milchfluss anregt. Bei einem Versuch der Landesvereinigung der Milchwirtschaft in Nordrhein-Westfalen steigerte die "Kleine Nachtmusik" die Milchleistung von 180 Kühen um 0,6 Prozent. "Herzilein" von den Wildecker Herzbuben ließ sie dagegen um 2,5 Prozent sinken, woran zunächst zu erkennen ist, dass der Schaden, den Musik anrichten kann, größer ist als ihr möglicher Nutzen.

Untersuchungen in Großbritannien, Rumänien und Amerika kommen zu ähnlichen Ergebnissen, wobei allerdings der spezifische „Mozart-Faktor“ in einem nicht näher bestimmten Klassik-Brei verschwindet. Wir wollen uns hier aber nicht mit Fragen der empirischen Evidenz befassen. Wir würden auch ohne Daten daran glauben, dass sich Kühe beim Melken von Mozart positiv beeinflussen lassen, während lärmende Volksmusik, aber auch Rock und Punk von ihnen als störend empfunden werden, was sofort zu krampfartiger Milchverweigerung führt. Die Erklärung für dieses Phänomen ist einfach. Nach Hegel beruht die Wirkung der Musik darauf, dass sie vorstellungslose Empfindungen hervorruft, die zu einer Erhebung der Seele führen. Hegel spricht hier natürlich von reiner Musik, die es nur als Begriff gibt. Aber wenn man die Wildecker
Herzbuben, die Toten Hosen und Mozart zur Auswahl hat, gibt es keinen
Zweifel, dass Letzterer der Musik an sich am nächsten kommt.

Die durch Musik angeregte anschauungslose Empfindung einer seelischen
Erhöhung, mindestens jedoch seelisch-körperlicher Erleichterung, traut man
dem Rindvieh ohne weiteres zu, zumal im Zustand des Gemolkenwerdens. Sein während dieses Vorgangs ins Leere gerichteter Blick weist auf einen Zustand entspannten bei sich Seins hin. Die Kuh befindet sich in einem inneren Raum wunschlosen Allempfindens, der zum vollkommenen Glück wird, wenn mozartsche Klänge ihn füllen. Völlig gelöst gibt die Kuh dann noch den letzten
Tropfen.“[25]

Eine neuere Untersuchung an Mäusen und deren neurologische Reaktion auf unterschiedliche Rhythmen ist ebenso interessant: Nach einem Zeitraum von 8 Wochen, in denen sie ständigen Trommelschlägen ausgesetzt waren, hatten sie sehr viel größere Schwierigkeiten, durch ein Labyrinth hindurch zu ihrem Fressen zu finden, als die Mäuse, die Strauss- Walzer gehört hatten. Nach weiteren drei Wochen konnte die „Trommelgruppe“ den Weg zum Fressen gar nicht mehr finden. Als das Hirngewebe untersucht wurde, fand man abnormes Wachstum der Neuronen im Hippocampus, einer Struktur, die mit Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis in Verbindung gebracht wird. Man fand weiterhin abnorme Mengen von „Boten-RNA“, einer chemischen Verbindung, die entscheidend für das Speichern von Erinnerungen ist. So ist bewiesen, dass eine negative Art von Rhythmus die Gedächtniskapazität reduziert, indem er die Hirnströme – bekannt als Theta-Wellen – im Hippocampus stört, und dies führt zum Verlust des Kurzzeitgedächtnisses. Die Forscher mutmaßten, dass das Wachstumsmuster der Neuronen später ernsthafte Lernbehinderungen zur Folge haben könnte.[26]

„Wenn die Gehirne von Mäusen in dieser Weise auf Rhythmen reagieren, die durch und durch gehen, dann ist es sehr wohl möglich, dass unser eigener menschlicher Denkprozess ebenfalls gestört werden könnte.“[27]

2.5 Emotionale Wirkung von Musik

Wir erleben immer wieder starke emotionale Wirkungen von Musik bei Konzerten. Da geschieht es, dass Teenager reihenweise umfallen oder Weinkrämpfe bekommen. Oder ich denke an Elton John und seine Abschiedshymne für Lady Diana. Dieser Song bewegte die Welt.

Was geschieht hier?

Was wollen diese Beispiele belegen?

Ich denke es gibt eine Sehnsucht im Menschen nach starken emotionalen Wirkungen. Diese sind ja aus dem religiösen Umfeld bekannt. Auch in der Religion war Musik zu allen Zeiten wichtig um Stimmungen und bestimmte Gefühle zu erzeugen. Heutige Konzerte sind auch etwas wie Rituale. Es wird zelebriert und der Künstler bewegt die Menge mit seiner Stimme und seiner Musik. Durch die Lautstärke wird alles auch mit allen Sinnen gleichsam physiologisch wahrgenommen. Aus diesem Grunde wir der emotionale Teil unseres Gehirns gestärkt und erweitert. Charles Darwin, der sein Leben völlig der Wissenschaft gewidmet hat, musste am Ende seines Lebens erkennen, dass ihm etwas verloren gegangen ist. Er spricht am Ende seiner Autobiografie über Kunst und Musik: „Der Verlust dieser Geschmacksempfindung ist ein Verlust an Glück und dürfte möglicherweise nachteilig für den Intellekt, noch wahrscheinlicher für den moralischen Charakter sein, da er den emotionalen Teil unserer Natur schwächt.“[28]

Damit, so meine ich, hat Darwin den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn aus der Entwicklungspsychologie erfahren wir, dass alle Fähigkeiten, die wir nicht verwenden, sich zurückbilden. Und wir wissen heute, dass jene Menschen, die einen sehr hohen IQ haben, aber keine Emotionale Intelligenz aufweisen eigentlich mit und in der Gesellschaft nicht gut bestehen können.

2.6 Musik, Ausdruck des Göttlichen?

„Das Ziel und der letzte Grund aller Musik sollte nichts anderes sein als die Verehrung Gottes und die Recreation des Gemüths.“[29]

Die Schönheit und Tiefe der Musik schenkt uns oft die Gewissheit, dass uns eine höhere Macht zur Seite steht. Wenn Komponisten in der Lage sind, durch ihre Musik ein Gefühl für die göttliche Gegenwart zu vermitteln, dann wird Musik zu einer Brücke zwischen Gott und der Menschheit. Viele große Komponisten widmeten Gott ihr Leben und ihr Werk. Ihre Musik ist erfüllt von großer Liebe und dem Wunsch die Seele zu erbauen. J.S. Bach verstand seine Musik als Synthese menschlicher und himmlischer Harmonien. Es wird berichtet, dass Schumann spürte, wann die Engel über ihm schwebten, um ihm die schönsten Offenbarungen zu bringen, die er in seiner Musik zum Ausdruck brachte. Händel glaubte, die Musik für den Messias käme direkt von Gott. Die genannten Komponisten und mit ihnen viele weitere waren in Verbindung mit dem Ursprung allen Seins. Deshalb konnten sie uns mit ihrer Musik den tiefsten Ausdruck ihrer einzigartigen Individualität geben.[30]

„Wenn dieser Kern beziehungsweise diese Energie in uns einen Widerhall findet, dann können wir sie als Sprungbrett für unsere eigenen schöpferischen Unternehmungen nutzen.“[31]

2.7 Negativer Umgang mit Musik

Wie sich Musik - vor allem zu laute - negativ auf unseren Körper auswirken kann, werde ich im nächsten Kapitel, im Abschnitt „ergotrope Musik“ ausführen. Hier geht es mir weniger um die körperlichen Vorgänge, sondern mehr um das Hörverhalten unserer Gesellschaft. Reizüberflutung sehe ich ebenfalls als ein wichtiges und aktuelles Thema wie die Frage, inwieweit wir heute überhaupt noch fähig sind, "zuzuhören".

2.7.1 Reizüberflutung – Wenn Stille schmerzt

Betrachtet man die heutige akustische Umgebung, so scheint es, als würde nicht der Lärm krank machen, sondern vielmehr die Stille.

Der Lärm ist als akustische Umweltbelastung der Preis, den wir für die Errungenschaften unseres modernen Lebens zahlen müssen. Es ist zwar schön, innerhalb weniger Stunden in den sonnigen Süden jetten zu können, aber der Fluglärm ist ein Störfaktor ersten Ranges. Es ist auch sehr angenehm, mit dem eigenen Auto individuell jedes Ziel erreichen zu können, doch über den Verkehrslärm – vor allem in der Nacht – beschweren sich immer mehr Stadtbewohner.

Doch genauso wie von Umweltlärm sind wir auch von Musik ständig umgeben, seit sie aus allen Ecken dröhnt. Besonders profitieren Kaufhäuser und Werbeindustrie von diesem unauffälligen Universalgeriesel. Band einlegen und Knöpfchen drücken und schon trällert die funktionelle Musik durch die Läden. Die Hintergrundmusik soll für den Kunden eine wohlige Kaufatmosphäre schaffen. Wo wir auch hingehen, der musikalische Schatten folgt uns – das Schnitzel wird mit Wiener Walzer serviert, der Einkaufswagen zu Evergreens geschoben und die Rechnung im 4/4-Takt beglichen.

Da die funktionelle Musik hohe Wiederholungsraten aufweist und wir sozusagen das Gefühl haben, immer dasselbe zu hören, schalten wir irgendwann ab und Musik wird zu etwas, das nebenbei läuft, ohne dass wir es noch bewusst registrieren.

Je länger die Reizeinwirkung, desto schwächer die Reaktion!

Das erklärt auch, warum für viele Stille unerträglich geworden ist, denn unsere Gehörnerven sind nicht mehr gewöhnt daran, nicht gereizt zu werden.

2.8 Kann Hardrock wirklich schädlich sein?

Viele Rock-Fans werden sich sicher dagegen wehren, doch es gibt eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen, die Hardrock als schädlich für den Körper, das Gehirn, die Gefühle und die Seele erweisen.[32]

Sicher gibt es andere Arten von Rock, wie z. B. die Beatles, die viele Menschen auch als aufbauend erleben.

Doch wenn man neuesten Forschungsergebnissen traut, dann können einige Krisen unserer Zeit durch die chaotische, hektische Musik noch verschärft werden. Nach John Diamond, leiden viele junge Menschen, die von Hardrockmusik abhängig sind, unter einer Umkehrung ihres Wertesystems, so dass sie unbewusst das wählen, was ihnen selbst schadet. Bestimmte Arten von Rock-Musik lösen in den Menschen selbstzerstörerische und suizidale Tendenzen aus.

John Diamond arbeitet mit Musikern zusammen, um die Qualität ihrer Aufführungen zu steigern. Er erforscht die Lebensenergie in der Musik. Er ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Musik unsere Lebensenergie stärken oder schwächen kann. Er stellt sogar die Behauptung auf, dass Hardrock unsere Systeme beeinträchtigt. Bei bestimmter chaotischer Rockmusik begibt sich der Körper in einen Alarmzustand, der Stress verursacht. Dies führt zu einer Hyperaktivität und Unruhe bei Kindern. Die Nerven werden überbeansprucht, daraus resultiert eine Pseudo-Energie, die zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Erschöpfungszustand führt. Diamond fand auch heraus, dass sich die Noten bei vielen Schulkindern erheblich verbesserten, nachdem sie damit aufgehört hatten, Hardrock zu hören.[33]

Es wird behauptet, dass destruktive Musik nicht nur Energieverlust, Negativität, Depression, Isolation, Hoffnungslosigkeit und aggressives Verhalten zur Folge hat, sondern auch Orientierungsverlust und Konfusion. Der Stress im Körper hat im Gehirn einen Effekt zur Folge, den Diamond „Switching“ nennt, bei dem die linke und die rechte Hemisphäre des Gehirns aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Deshalb greifen wir auf ein primitives Muster neurologischer Organisation zurück. Unser Reptilienhirn übernimmt die Kontrolle. Deshalb werden die Denkmuster durcheinander gebracht. Man macht mehr Fehler, hat keinen Zugang zur Kreativität, das Denken wird roboterhaft und man kann nicht mehr so produktiv arbeiten. Wenn man vor Entscheidungen steht stellen sich Entscheidungsschwierigkeiten ein.[34]

Was können wir dagegen tun?

Sicherlich nicht alle Alben einfach zu konfiszieren. Denn wenn Hardrock als Droge wirkt, dann ist es möglich, dass solche Menschen ohne diese Musik noch aggressiver werden, da es einem Entzug gleichkommen würde. Ein Widerstand würde sich aufbauen, der dazu führt, dass sie niemals andere Musik werden ausprobieren wollen.

Man kann Kindern am besten helfen, wenn man sie mit der Schönheit anderer Musik im Unterricht konfrontiert, selbst wenn sie nicht bewusst zuhören.

3 Heilender Einfluss von Musik

„Die Musik zwingt mich, mich selbst, meine wahre Lage zu vergessen, sie bringt mich in eine andere, mir freundliche Lage; unter der Einwirkung von Musik scheint es mir, als fühlte ich etwas, was ich eigentlich gar nicht fühle, als verstünde ich, was ich nicht verstehe, als könnte ich, was ich nicht kann...“[35]

3.1 Geschichtliche Entwicklung

3.1.1 Antike

Aus der Antike gibt es einige schriftliche Belege, in denen Beispiele der magisch-mythischen Wirkung von Musik aufgeführt sind. So ist es z. B. bei den Sumerern Gilgamesch, der sich mit seinen Trommelschlägen Ober- und Unterwelt gefügig macht; bei den Chinesen Gu Pa, der mit seiner Zither Menschen und Tiere auf gleiche Weise verzaubert wie die Seelen der Verstorbenen; bei den Indern Krishna mit seiner Flöte und bei den Griechen Orpheus, der kraft der Klänge seiner Leier die Mächte der Unterwelt überwindet.

Saul, der erste König Israels, der um 1000 v. Chr. regierte, war offenbar schwermütig und depressiv veranlagt. Seine Ärzte konnten ihn nicht mehr heilen, deshalb engagierte er den Harfenspieler, David, als Musiktherapeuten. David`s Spiel war derart wirkungsvoll, dass Saul ihn schließlich zum Schwiegersohn und Nachfolger im Königsamt machte. Musik im Altertum galt also generell als Abbild der kosmischen, von Göttern geschaffenen Weltordnung. Die chinesischen Herrscher nutzten die Musik als Heilungs- und Erziehungsmittel zur Regulierung menschlicher Gemütsbewegungen.

Auch in der klassischen Antike war man der Ansicht, dass Musik eine erzieherische Macht besaß und formend in das Innere der Seele eindrang. Deshalb wurde sie bei den Pythagoräern (ab 600 v. Chr.) als äußerst wichtiges Mittel zur Persönlichkeitserziehung angesehen. Man verband sie aber auch mit kultisch-religiösen und gesellschaftspolitischen Inhalten.

Platon (427-347 v. Chr.) stellte eine direkte Beziehung zwischen Musik, Staatswesen und Mensch her. Tonarten, Zeitmaße, Instrumentenklänge und musikalische Gattungen wurden nach ihrer erzieherischen Wirksamkeit skaliert und in staatsfördernde sowie in staatsgefährliche unterteilt.

Für Aristoteles reinigt Musik die Seele. Aristeides Quintilianus (200 n. Chr.) behauptete sogar, für jede krankhafte Veränderung der Affekte mittels Musik ein passendes Heilverfahren zu finden.[36]

3.1.2 Vom Mittelalter bis zur Romanik

Im Mittelalter (500-1300 n. Chr.) gewinnt die Philosophie der Pythagoräer Einfluss auf die mitteleuropäische Philosophie. Das Funktionieren des menschlichen Körpers und der Seele wurde in ähnlicher Weise als harmonisches Ganzes interpretiert wie die Musik. Man machte sich Gedanken, wie sich im Puls des Menschen harmonische Verhältnisse aufzeigen lassen. Außerdem versuchte man, wie bereits in der Antike, auch im Mittelalter, den Pulsschlag therapeutisch durch Musik zu beeinflussen.

Die Renaissance, die die Wende zwischen Mittelalter und Neuzeit umfasst, war eine der dynamischsten und schöpferischsten Perioden der Menschheit. Die Gebiete Medizin und Musik erfuhren gewaltige Veränderungen, da sie den Menschen betrafen, der im Begriff war, sich selbst zu entdecken. Musik und alle Künste waren nun eine individuelle Widerspiegelung der Gefühlserlebnisse des Menschen und ein Mittel der Verständigung von Mensch zu Mensch. Auch begann der Mensch, Schönheit und Harmonie als sinnliches Erlebnis zu genießen. Musik war ein wichtiges Mittel der individuellen Selbstverwirklichung und der Verständigung zwischen Komponisten, Interpreten und Zuhörern geworden. Die Zeit war eine des gesellschaftlichen Charmes, Musik wirkte kultivierend und verband die Menschen in den Dörfern wie auch in den Fürstenhöfen. Eine Anzahl musikliebender Ärzte hatte Forschergeist und beobachtete die Wirkung der Musik auf den Menschen und sogar auf Tiere. Da die wissenschaftliche Verbindung mit dem alten Griechenland nicht gebrochen war und die großen Ärzte der Antike noch verehrt und oft zitiert wurden, erforschten einige Ärzte die Vorstellungen der Griechen vom therapeutischen Wert der Musik.

Ab dem 17. Jahrhundert betrachteten die Ärzte das Thema mehr unter physiologischen und psychologischen Aspekten, als unter dem philosophisch-ethischen Blickwinkel der alten Griechen. Es kam zu zwei wesentlichen Einschnitten in der Entwicklung der Medizin: Zum einen wurde der Blutkreislauf entdeckt (William Harvey, 1578-1657), zum anderen die Philosophie der Trennung von Leib und Seele (René Descartes, 1596-1659). Das Funktionieren des Körpers wurde nun mit chemischen Vorgängen erklärt. Krankheiten waren Störungen eines physiologischen Gleichgewichts, das durch den Einsatz von Medikamenten wiederhergestellt werden muss. Die Folge war, dass man die Wirkung von Musik bei Krankheiten, wie auch die Wirkung von Medikamenten, aus physiologischen Mechanismen zu erklären versuchte.

Seit der Renaissance waren überraschend viele Ärzte an Musik interessiert und wo einige in medizinischen Büchern nur kurz auf das Thema zu sprechen kamen, schrieben andere ganze Werke über die Wirkung der Musik auf ihre Patienten und über deren Anwendung in der medizinischen Behandlung. Die Autoren entdeckten Zusammenhänge zwischen körperlichem und musikalischem Rhythmus, Puls und Taktschlag. Sie beobachteten die Wirkung von Musik auf Atmung, Blutdruck und Verdauung. Obwohl man wegen der zunehmenden Erkenntnisse in Physiologie und Neurologie vor allem die physiologischen Effekte der Musik erforschte, erkannten viele Ärzte auch den Wert der Musik als Tröstung, als Ablenkung von geistigen Strapazen oder von schlimmen und angstvollen Gedanken.

Im 19. Jahrhundert wuchs das allgemeine Interesse an medizinischer Behandlung geistiger und körperlicher Krankheiten und so suchten die Mediziner nach ergänzenden Behandlungsmethoden. Hector Chomet schrieb 1846 eine Abhandlung über den Einfluss der Musik auf Gesundheit und Leben, die er vor der Pariser Akademie der Wissenschaften vortrug. Das beweist, welches Interesse dieses Thema bei den Gelehrten hervorrief. Die Arbeit ist gründlich, sie enthält viele Einzelheiten und diskutiert den Gebrauch von Musik als Hilfe zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten. Einige der Schlussfolgerungen des Verfassers sind heute noch gültig.

Ein interessantes Experiment wurde in London Ende des 19. Jahrhunderts durchgeführt. F.K. Harford, kein Arzt, sondern ein bedeutender Musiker, stellte einen Frauenchor zusammen, der von einer Harfe und gedämpften Geigen begleitet wurde und der im Nebenzimmer eines Kranken musizierte. Er empfahl, dass die Damen anonym und vom Patienten ungesehen bleiben und für ihre Dienste bezahlt werden sollten. Er erkannte die Notwendigkeit, die Unterstützung der Ärzte zu gewinnen. Seine Ideen trafen auf ein gewisses Interesse in der medizinischen Welt, ebenso auf viel Kritik. Der Plan verlief im Sande, aber einige seiner Ideen gelten heute noch und werden praktiziert. Das ist eines der wenigen Beispiele eines Therapieplanes, den ein Musiker, und nicht ein Arzt, entworfen hat. Im Laufe der Geschichte bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde die Musik von Ärzten angewandt, die sie verschrieben oder Musiker hinzuzogen, die nicht mit therapeutischen Methoden vertraut waren. Die persönliche Beziehung zwischen dem Musiker und dem Patienten, die Harford verwarf, war jedoch ebenso wichtig wie heute und spielt eine bedeutende Rolle für den Erfolg oder Fehlschlag der Behandlung.[37]

[...]


[1] ORFF Gertrud, Die Orff Musiktherapie, S 9

[2] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Musik

[3] Gen 1, 3

[4] Vgl. DARWIN Charles, The expression of the emotions in man and animals, in: http://etext.virginia.edu/toc/modeng/public/DarExpr.html

[5] ALVIN Juliette, Musiktherapie, S. 19

[6] ALVIN Juliette, Musiktherapie, S. 21

[7] Ebd. S. 21

[8] Ebd. S. 13

[9] Vgl. LE SHAN’S Lawrence, Von der Lebensmelodie, In: http://www.oegpo.at/fileadmin/user_upload/Downloads/autonomiekonzept.pdf

[10] http://de.wikipedia.org/wiki/Musikinstrumente

[11] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Menschliche_Stimme

[12] ALVIN Juliette, Musiktherapie, S. 22

[13] Vgl. WINKLER Ursel, Handbuch der Musiktherapie, S 456 f.

[14] Vgl. VAN DEEST Hinrich, Heilen mit Musik, S 68-74

[15] Vgl. MIMA VISION, Das Leben nach dem Leben

[16] Vgl. GEMBRIS Heiner, Wie Musik auf den Menschen wirkt, S. 236

[17] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Musik#Anwendung

[18] Vgl. LECOURT Edith, Praktische Musiktherapie, S. 10 – 16

[19] LECOURT Edith, Praktische Musiktherapie, S. 15

[20] Vgl. ebd. S. 16

[21] Vgl. PLATON, Der Staat, Buch III, S. 172f.

[22] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Musik#Anwendung

[23] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Musik#Anwendung

[24] Vgl. MERRIT Stephanie, Die heilende Kraft der klassischen Musik, S. 116

[25] FUHR Eckhard, Artikel vom 27. Jänner 2006, www.welt.de

[26] Vgl. MERRIT Stephanie, Die heilende Kraft der klassischen Musik, S. 118

[27] Ebd. S. 118

[28] DARWIN Charles, Autobiographie, S 108

[29] BACH J.S. in: MERRIT Stephanie, Die heilende Kraft der klassischen Musik, S. 302

[30] Vgl. MERRIT Stephanie, Die heilende Kraft der klassischen Musik, S. 306

[31] MERRIT Stephanie, Die heilende Kraft der klassischen Musik, S. 307

[32] Vgl. MERRIT Stephanie, Die heilende Kraft der klassischen Musik, S. 112

[33] Vgl. MERRIT Stephanie, Die heilende Kraft der klassischen Musik, S. 115-116

[34] Ebd. S. 119

[35] TOLSTOI Leo N., Die Kreutzersonate, S. 7

[36] Vgl. KRAUS, Werner, Die Heilkraft der Musik, S. 13

[37] Vgl. KRAUS, Werner, Die Heilkraft der Musik, S. 13-15

Details

Seiten
137
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638784368
ISBN (Buch)
9783638803519
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v76753
Institution / Hochschule
Pädagogische Akademie des Bundes in der Steiermark
Note
1
Schlagworte
Einfluss Musik Entwicklung Kindes

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Titel: Der Einfluss von Musik auf die Entwicklung des Kindes