Lade Inhalt...

Empowerment als Methode der Sozialen Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung

Hausarbeit 2002 26 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Empowerment
1.1 Empowerment als Methode der Sozialen Arbeit
1.2 Geschichte und Begriff Empowerment
1.3 Prozeß Empowerment
1.3.1 Kennzeichen des Prozesses
1.3.2 Bedingungen für das Entstehen von Empowermentprozessen
1.4 Das Konzept Empowerment
1.4.1 Grundidee
1.4.2 Bedeutung von Menschen in marginalen Positionen
1.4.3 Empowerment auf verschiedenen Ebenen
1.4.4 Akzeptanz und Anerkennung
1.4.5 Grenzen des Konzepts

2 Menschen mit Behinderung
2.1 Behinderung
2.2 Geistige Behinderung
2.3 Einstellung in der Gesellschaft

3 Empowerment und Behinderung
3.1 Empowerment und Selbstbestimmung
3.1.1 Begriffsbestimmung
3.1.2 Selbstbestimmung und Behinderung
3.2 Bedeutung für die Arbeit mit behinderten Menschen

4 Resümee

Literaturverzeichnis

0 Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Empowermentgedanken in der Arbeit mit Menschen mit (geistiger) Behinderung.

Das erste Kapitel stellt eine Einleitung in das Empowermentgeschehen dar. Dabei wird der Begriff Empowerment, seine Bedeutung und sein geschichtlicher Ursprung erklärt. Im zweiten und dritten Abschnitt wird der Prozeß und das Konzept näher erläutert. Empowerment muß flexibel bei der Arbeit mit unterschiedlichen Personen eingesetzt werden. Deshalb haben wir uns im zweiten Kapitel speziell mit Menschen mit (geistiger) Behinderung auseinandergesetzt. Das dritte Kapitel beschäftigt sich dann mit der praktischen Anwendung von Empowerment, bei der Arbeit mit (geistig) behinderten Erwachsenen.

Während der Auseinandersetzung mit dem Thema Empowerment mußten wir feststellen, daß die Autoren teilweise unterschiedliche Auffassungen über die Anwendung und Bedeutung des Empowermentkonzeptes hatten. Deshalb ist es schwer eine einheitliche Richtlinie zum Empowerment zu finden. Aus diesem Grund ist es notwendig, spezielle Gruppen einzeln zu betrachten, darum haben wir uns nur mit der Personengruppe mit geistiger Behinderung auseinandergesetzt.

1 Empowerment

1.1 Empowerment als Methode der Sozialen Arbeit

Um Empowerment als eine Methode der Sozialen Arbeit zu beschreiben, steht zuerst die Klärung des Begriffs „ Methode „ im Vordergrund :

Methoden der Sozialarbeit sind Vorgehens – und Verfahrenskonzepte, die für den Umgang und der Lösung von und mit Problemen ausschlaggebend sind.

Methoden kann man verallgemeinern, sie „ machen Aussagen über die Ziele, Gegenstände und Mittel des Handelns; sie sind zielgerichtet, prozeßorientiert und systematisch“ ( zitiert nach: Methoden der Sozialen Arbeit/Sozialpädagogik, Kreft/Milenz 1988, S.383).

Voraussetzung ist, dass dem professionellen Helfer/innen Ziele, Vor– und Nachteile einer Methode bekannt sind, um sie fachgerecht für einen Menschen in einer Problemlage anwenden zu können

1.2 Geschichte_und Begriff_Empowerment

Der Begriff Empowerment stammt aus dem anglo – amerikanischen Sprachraum und ist ein „ importierter Wegweiser für die Praxis der sozialen Arbeit und der psychosozialen Hilfe“ ( vgl. Theunissen/Plaute 1995, S. 11).

Das Wort Empowerment selbst ist ein normativer Begriff ( vgl. Herriger 1997, S. 11).

Normativ bedeutet bildungssprachlich eine Norm, die als Richtschnur dient oder einen Maßstab darstellt ( vgl. Brockhaus 1991, S. 697; vgl. Duden 1996, S.528).

Im Wörterbuch selbst ist der Begriff „ Empowerment „ nicht vorhanden, nur die Bestandteile des Wortes: „ empower „ und „ power „.

„ Power „ wird in der deutschen Sprache in verschiedene Arten übersetzt. Es kann Kraft, Stärke, Wucht als auch Überzeugungskraft bedeuten, aber auch Macht, Herrschaft und Einfluß über jemanden sowie Vollmacht, Berechtigung und Befugnis zu haben.

Außerdem zeigt der Begriff auch im physischen, technischen und elektrischen Sinne Kraft, Energie, Leistung und Strom; im politischen Sinn Macht und in der Mathematik Potenz an ( vgl. PONS 1991, S.407). Die Übersetzung von „ empower „ hingegen bedeutet, jemanden ermächtigen und /oder befähigen etwas zu tun ( vgl. Brockhaus Band 29 1996, S.236).

Sieht man sich die Übersetzung aus den Wortbestandteilen für den Begriff „Empowerment“ an, erkennt man darin die Bedeutung dieses Wortes: Kraft und Befähigung/Ermächtigung.

Damit könnte es als sozialarbeiterische Methode, die immer physische und psychische Sinne anspricht, bedeuten, jemanden zu Befähigen aus eigener Kraft und Stärke Problemlagen anzugehen und etwas zu tun.

Theunissen und Plaute übersetzen den Begriff mit „ Selbst – Bemächtigung Betroffener“ ( vgl. Theunissen/Plaute 1995, S.8).

Allerdings ist darauf hinzuweisen, daß die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs „ Empowerment“ in der anglo – amerikanischen Sprache und in der Fachliteratur sehr vielfältig ist. Empowerment bedeutet unter anderem „ stärker werden“, „ handlungsfähig werden“, „ sich durchsetzen können“ (vgl. Stark 1996, S.153).

Im gesamten Empowerment- Konzept steht der Mensch an sich im Mittelpunkt, wobei in jedem Fall der Betroffene mit seinen Ressourcen und Potentialen Beachtung findet. Dadurch, daß bei jedem Einzelnen die Fähigkeiten, Erfahrungen und Fertigkeiten anders ausgeprägt oder vorhanden sind, ist Empowerment kein starres System, sondern kann individuell angewandt werden (vgl. Stark 1996, 1998; Theunissen/Plaute 1995).

Das Konzept Empowerment und die Herangehensweisen unterscheiden sich bei Stark und Theunissen/Plaute kaum.

1.Definition Theunissen/Plaute

„ Empowerment steht für einen Prozeß, in dem Betroffene ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen, sich dabei ihren Fähigkeiten bewußt werden, eigene Kräfte entwickeln und Ressourcen nutzen(...).Leitperspektive ist die selbstbestimmte Bewältigung und Gestaltung des eigenen Lebens.“ (vgl. Theunissen/Plaute 1995, S.12).

2.Definition Stark

„ Empowerment ist also als ein Prozess zu betrachten, in dem Menschen, Organisationen oder Gemeinschaften ihren ökologischen und sozialen Lebensraum gestalten und so mit einschränkenden Bedingungen und problematischen Situationen kreativ und ihren Bedürfnissen gemäß umgehen lernen. Der Blickwinkel richtet sich hier gezielt auf die Ressourcen und Stärken der Menschen, auf ihre Potentiale zur Lebensbewältigung und – gestaltung – auch unter den eingeschränkten Bedingungen des Mangels oder dem Hintergrund vielfältiger persönlicher und sozialer Defizite.“ (zitiert nach Stark 1996, S.108).

1.3 Prozeß Empowerment

Prozeß bedeutet allgemein einen Ablauf, Verlauf, Herkunft bzw. Entwicklung einer bestimmten Situation oder Geschehnisses. Ein „ sozialer Prozeß ist eine Sammelbezeichnung für alle auf zwischenmenschliche Beziehungen beruhenden Vorgänge. Soziale Prozesse sind das Ergebnis sozialen Handelns, daß in seinem Ablauf an dem Verhalten anderer orientiert ist...“ ( vgl. Brockhaus 1992, S. 570 f.)

Der Empowerment – Prozeß steht dafür, daß der einzelne Betroffene seine Probleme bzw. seine Angelegenheiten selbst in die Hand nimmt und versucht, mit eigenen Kräften und mit Hilfe der vorhandenen Ressourcen, diese zu bewältigen. Von jedem Einzelnen wird gefordert, daß er sich selbsttätig für sich einsetzt und an sich arbeitet (vgl. Theunissen/Plaute 1995, S.12, S.72).

Allerdings muß auch gesagt werden, daß die Prozesse von Empowerment Zeit zur Entfaltung brauchen, wobei dies bei jedem Mensch unterschiedlich ist. Außerdem muss Raum für Selbstorganisation vorhanden sein, damit sich die Kraft für die selbstbestimmte Bewältigung und Gestaltung des eigenen Lebens entwickeln kann (vgl. Theunissen/Plaute 1995, S.12; Klöck 1998, S.37). Hieraus wird deutlich, daß Engagement für die eigene Person im Vordergrund steht und das für die Entwicklung und den Ausbau der versteckten bzw. nicht erkannten Ressourcen die Zeit keinen unbedeutenden Faktor darstellt. Empowerment – Prozesse entstehen nicht von heute auf morgen, sie entwickeln sich mit Hilfe von professionellen Helfer/innen bei jedem Betroffenen individuell unterschiedlich.

1.3.1 Kennzeichen des Prozeß

Prozesse werden bei STARK nicht als eine geradlinige Abfolge von zeitlich aufeinander abgestimmten Geschehnissen verstanden. Eine große Rolle spielen innere Gesichtspunkte (persönliche, emotionale, kognitive), als auch äußere Einflüsse ( Umwelt, Umfeld). Diese Aspekte stehen in einem Abhängigkeitsverhältnis und kennzeichnen so einen Empowerment – Prozeß ( vgl. Stark 1996, S. 111 f.).Dies bedeutet, daß der Empowerment – Prozeß nicht gelenkt werden kann, da durch unterschiedliche Ereignisse, die im Verlauf der Entwicklung dieses Prozesses auftreten können ( z. B. Wohnortwechsel, Arbeitsstellenwechsel ), bei jedem einzelnen Menschen verschiedene Reaktionen hervorruft, die individuell verarbeitet werden.

Er ist geprägt von Motivationsverlust oder Motivationssteigerung, von Innehalten und Umwege gehen (vgl. Herriger 1997,S.78).

Zu Beginn eines Prozesses steht immer das Bewußtwerden eines Problems, gegen das der Betroffene etwas unternehmen möchte. Die Aufgabe von professionellen Helfer/innen ist es, dem Menschen seine eigenen Stärken bewußt zu machen, um die bestehenden Schwierigkeiten durch selbstständiges Handeln zu lösen.

Ziel ist es, Menschen zu ermutigen, selbst für ihre Interessen aktiv zu werden, um „einen Prozeß der Gestaltung und Gestaltbarkeit sozialer Lebensräume“ zu beginnen (vgl. Stark 1993, S.43).

Erst dadurch werden vorhandene Probleme beseitigt, denn nur derjenige kann Veränderungen an seiner Situation erzielen, wenn er sich über eigene Fähigkeiten und Stärken bewußt ist.

[...]

Details

Seiten
26
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638148603
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7696
Institution / Hochschule
Hochschule Mittweida (FH) – Sozialarbeit
Note
1,5
Schlagworte
Empowerment Methode Sozialen Arbeit Behinderung Methoden Sozialarbeit

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Empowerment als Methode der Sozialen Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung