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Prostitution - Zahlen, Daten, Fakten - eine Einschätzung der Situation in Deutschland

Seminararbeit 2002 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

0 Einleitung

1 Zahlen, Daten, Fakten - eine Einschätzung der Situation 5 in Deutschland
1.1 Der finanzielle Tagesbedarf einer Beschaffungsprostituierten
1.2 Erscheinungsformen der Beschaffungsprostitution

2 Das Problem des HI-Virus / Aids
2.1 HIV - Übertragungswege Übertragung durch intra-venösen Drogenkonsum
2.1.2 Übertragung durch ungeschützten Sexualverkehr
2.1.3 Ansteckungsgefahr
2.2 Beschaffungsprostitution als Zielgruppe der HIV- und Aids- Aufklärung

3 Prostitution - ein Teufelskreis der Gewalten
3.1 Charakteristik der Kunden auf dem Drogenstrich
3.2 Was wird von den Frauen verlangt?
3.3 Die Konkurrenz auf dem Strich
3.4 Prostitutionskontrolle durch die Polizei

4 „DROP OUT“ - am Rande der Gesellschaft und des eigenen Ichs
4.1 psychische Langzeitfolgen
4.1.1 Auswirkung auf private Sexualität und zwischenmenschliche Beziehungen
4.1.2 Teufelskreis Drogen - Prostitution
4.2 Soziale Ausgrenzung
4.2.1 Die Szene als Zweckgemeinschaft
4.3 gesundheitliche Folgen
4.3.1 Verschärfung der gesundheitlichen Situation durch Aids

5 Resümee

Quellenverzeichnis

0 Einleitung

Realistisch gesehen, ist der deutsche Markt voll mit diversen Drogen und es kommen immer wieder neue hinzu. In den letzten Jahren bestimmten die sogenannten Designerdrogen die Medienlandschaft. Die Heroingebraucher, vor allem die weiblichen, sich prostituierenden Drogenabhängigen, tauchen da höchstens mal im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Aids-Virus auf. Doch die wahren Ausmaße dieser Sucht bleiben im Verborgenen. Diese Arbeit soll zeigen, dass der Zustand vieler Beschaffungsprostituierter besorgniserregende Ausmaße annimmt. Dabei werde ich auf Gefahren, Risiken und Probleme der Beschaffungsprostitution eingehen.

Das erste Kapitel beinhaltet eine Einschätzung der Zahl an Prostituierten in Deutschland. Außerdem werden Grundinformationen geliefert, wie zum Beispiel der Tagesbedarf oder der Preis einer Beschaffungsprostituierten. Ergänzend kommen die möglichen Formen der Beschaffungsprostitution hinzu.

Das medienintensivste Thema in bezug auf die Beschaffungsprostitution, und zwar Aids, soll Thema des folgenden Kapitels sein. Da das Aids-Problem am ehesten im öffentlichen Interesse steht, wird ausführlich über mögliche Infektionswege referiert.

Nachfolgend schließt sich dann das Kapitel an, das die extreme Gewaltbelastung von weiblichen Beschaffungsprostituierten aufzeigen soll. Unterschieden wird hier zwischen gewalttätigen Freiern, Zuhältern und konkurrierenden Prostituierten und der Polizeigewalt.

Abschließend wird im Kapitel 4, die soziale und gesundheitliche Not der Frauen näher erläutert. Besonderer Bezug wird dabei auf die psychische Belastung, resultierend aus einer Drogenkariere mit Prostitutionserfahrung, die soziale Ausgrenzung und die gesundheitlichen Schäden, genommen. Wobei hier die physischen Schäden resultierend aus Gewalttaten mit eingeschlossen werden müssen, die aber nicht noch mal extra aufgeführt werden.

Die Schwierigkeit dieser Arbeit lag darin, die verschieden Kreisläufe einer Drogenkariere zu splitten und dennoch die Zusammenhänge klar werden zu lassen.

In der Vorlesung „Sexualpädagogik“ haben wir über den Begriff „Sexualität“ diskutiert und dabei viele verschiedene Bedeutungen aufgezeigt. Dabei wurde mir deutlich, daß Sexualität nicht immer etwas „Schönes“ sein muß, sondern auch mit Gewalt, Ekel, Schuld- und Schamgefühl in Zusammenhang gebracht werden kann. Diese Arbeit gab mir die Möglichkeit mich intensiv damit zu beschäftigen und hintergründige Einblicke in die Situation der betroffenen Frauen zu bekommen.

1 Zahlen, Daten, Fakten - eine Einschätzung der Situation in Deutschland

Die Beschaffungsprostitution rückte eigentlich erst mit dem Aufkommen von Aids in das Licht der Öffentlichkeit. In Deutschland gibt es dazu kaum Analysen. Deshalb basieren die meisten Angaben auf Schätzungen. Das Dunkelfeld ist einfach zu groß, um exakte Aussagen zu treffen.

Die zahlenmäßigen Angaben darüber, wieviel Frauen zu einem bestimmten Zeitpunkt der Prostitution nachgehen, bewegen sich in der Literatur zwischen ca. 50.000 und 400.000. Die Generalsekretärin des Sozialen Dienstes katholischer Frauen geht von 200.000 Prostituierten in der Bundesrepublik Deutschland aus. Der Bordellbetreiber Maiworm gibt aufgrund eigener Annahmen und Berechnungen eine Größenordnung von 60.000 bis 120.000 Prostituierten in Deutschland an. (BM FSFJ 1997, S.7-11) Hauptsächlich findet man diese in Großstädten, wie Berlin, Frankfurt am Main, München, Hamburg u.s.w. (Weymann 1993, S.148)

Aufgrund der hohen Schwarzmarktpreise von Heroin, sind die Abhängigen meist gezwungen illegalen Aktivitäten nachzugehen, für die weiblichen Fixer (intra-venöse Drogenabhängige) stellt die Beschaffungsprostitution die lukrativste Geldquelle dar. (Böllinger, Stöver, Fietzek 1995, S.45)

1.1 Der finanzielle Tagesbedarf einer Beschaffungsprostituierten

Regelmäßiger Heroinkonsum in Form von Drogenmissbrauch kann, meiner Meinung nach, nur schwer legal finanziert werden. (Lind-Krämer, Timper-Nittel 1992, S.237) Schätzungen zufolge liegt der Tagesbedarf bei 100-200 DM/Tag. (Brakhoff 1989, S.10) Um einen Tagesbedarf von nur 100DM zu decken, braucht die Fixerin, wenn die Prostitution ihre einzige Geldquelle ist, ca. 2-3 Freier pro Tag. „Nach Aussagen der Frankfurter Schutzpolizeiinspektion bedienen Beschaffungsprostituierte durchschnittlich 6 Freier am Tag. Darunter sollen nur wenige Stammkunden sein.“ (Weymann 1993, S.76)

Die Preise bei einer Prostituierten, die mit Anschaffen ihre Drogensucht finanziert, sind im allgemeinen sehr niedrig. Für 30-50 DM erhält ein Freier Geschlechtsverkehr ohne Kondom. (Weymann 1993, S.150) Ist der Beschaffungsdruck sehr hoch, kann es auch mal vorkommen, dass sie sich schon für 20 DM verkauft. (Heckmann, Koch, S.346) Je höher der Beschaffungsdruck der abhängigen Frauen ist, desto leichter ist es für den Freier, den Preis zu drücken. Dies nutzen die meisten der Freier schamlos aus. (Brakhoff 1989, S.11)

1.2 Erscheinungsformen der Beschaffungsprostitution

Es gibt zwei Grundformen dieser Prostitution:

1. Prostitutionsähnliches Verhalten im Bekanntenkreis (szeneninterne Prostitution)

2. Prostitution im Sinne einer Geschäftsbeziehung / Dienstleistung für jedermann

( Austausch von Sex ßà Geld/Heroin)

(Kreuzer 1987, S.76)

Außerdem kann man unterscheiden zwischen:

- bloßer sexuellen Freizügigkeit
- Wahllosigkeit der Intimpartner
- Entgeltliche Beziehungen
- Gewerbsmäßige Prostitution

Am häufigsten arbeiten die Beschaffungsprostituierten auf dem „Srtaßenstrich“ (Weymann 1993, S.76) Die Vorzüge des „Straßenstrichs“ liegen in der Anonymität und der Reibungslosigkeit. Man kann schnell vor der Polizei flüchten und sich den „Schuss“ gleich nach dem Gelderwerb setzen (sich Heroin spritzen). (Brakhoff 1989, S.97) Da die Frauen das „Anschaffen“ als etwas sehr unangenehmes, sogar ekelhaftes empfinden, gehen sie meist nur sporadisch auf den „Strich“, je nach Bedarf. (Lind-Krämer, Timpel-Nittel 1992, S. 237ff)

2 Das Problem des HI-Virus / Aids

AIDS (Acquired Deficiency Syndrome) ist eine Immunschwächekrankeit mit latentem Ausgang, für welche auch bislang kein Heilmittel gefunden wurde. (Weymann 1993, S.147) Um so wichtiger ist die Vermeidung einer Infektion, welche Folge von ungeschütztem Sexualverkehr und gemeinsamer Benutzung von Spritzbestecken sein kann. (Bundesministerium für Gesundheit 1999, S.6)

Erste Aidsfälle bei intra-venösen Drogenabhängigen in Deutschland traten 1982 auf. (Weymann 1993. S.147) Obwohl Aids lange Zeit vorwiegend Randgruppen wie homosexuelle Männer, Fixerinnen und Fixer betraf, ist es heute keine Krankheit der Minderheiten mehr, sondern wird zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem. (Brockhaus, Frauen und Aids / Im Visier und übersehen)

Drogenabhängige, die intra-venös spritzen, stellen die zweit größte Betroffenengruppe dar. Die überwiegende Zahl der HIV-Neuinfektionen erfolgt jedoch weiterhin über homosexuelle Kontakte unter Männern mit häufigem Partnerwechsel.

Das Aufkommen von Aids führt zu einer kontinuierlichen Verschärfung der Situation intra-venöser Drogenabhängiger. Jeder fünfte Heroinabhängige ist nach Schätzungen HIV-infiziert. (Böllinger, Stöver, Fietzek 1995, S.55)

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Details

Seiten
19
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638148610
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7697
Institution / Hochschule
Hochschule Mittweida (FH) – Sozialpädagogik
Note
1
Schlagworte
Prostitution Zahlen Daten Fakten Einschätzung Situation Deutschland Sexualpädagogik

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