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Fußballnationaltrainer Jürgen Klinsmann auf dem Weg zur WM 2006. Seine Arbeit im Fokus der deutschen Presse

Eine Analyse zur Berichterstattung ausgewählter Tageszeitungen und des Sportmagazins "Kicker" im Untersuchungszeitraum vom Juli 2004 bis zum Mai 2006

Magisterarbeit 2007 159 Seiten

Gesundheit - Sport - Medien und Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Forschungsstand

2. Sport und Massenmedien
2.1. Historischer Abriss der Sportberichterstattung
2.1.1. Sport in deutschen Tageszeitungen
2.1.2. Sport im deutschen Rundfunk
2.2. Die Bedeutung des Sports für die Massenmedien

3. Die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs in Deutschland
3.1. Die Fußball-Weltmeisterschaft

4. Die Rolle der Journalisten

5. Der Trainer in der Berichterstattung

6. Das Untersuchungsmaterial
6.1. Die Zeitung
6.1.1. Begriff und Merkmale
6.1.2. Typisierung der Zeitung
6.1.3. Aufgabe und Funktion der Zeitung
6.1.4. Der Zeitungsmarkt in Deutschland
6.2. Die Zeitschrift
6.2.1. Begriff und Merkmale
6.2.2. Typisierung der Zeitschrift
6.2.3. Aufgabe und Funktion der Zeitschrift
6.2.4. Der Zeitschriftenmarkt in Deutschland
6.2.4.1. Sportzeitschriften
6.3. Untersuchte Printmedien
6.3.1. BILD-Zeitung
6.3.2. Frankfurter Allgemeine Zeitung
6.3.3. Hannoversche Allgemeine Zeitung
6.3.4. Kicker Sportmagazin

7. Methodische Vorgehensweise
7.1. Das Untersuchungsziel
7.2. Die Untersuchungsmethode
7.3. Die Inhaltsanalyse
7.4. Themen der Berichterstattung
7.4.1. Auswahl der untersuchten Themen
7.5. Quantitative Inhaltsanalyse
7.5.1. Hypothesenbildung
7.5.2. Definition der Grundgesamtheit
7.5.3. Definition der Analyseeinheiten
7.5.4. Kategorienbildung
7.5.5. Codierung

8. Darstellung der Analyseergebnisse
8.1. Quantitative Auswertung
8.1.1. Auswertung des Gesamtberichterstattung nach Artikeln und Fotos
8.1.1.1. Verteilung der Analyseeinheiten auf das Untersuchungsmaterial
8.1.1.2. Verteilung der Analyseeinheiten auf die Themen
8.1.1.2.1. Artikel
8.1.1.2.2. Fotos
8.1.2. Umfang der publizierten Artikel
8.1.3. Aufmachung der publizierten Artikel
8.1.4. Platzierung der publizierten Artikel
8.1.5. Herkunft der publizierten Artikel
8.1.5.1. - Exkurs: Die Nachrichtenagenturen -
8.1.5.1.1. Die Deutsche Presse-Agentur
8.1.5.1.2. Der Sport-Informations-Dienst
8.1.6. Journalistische Darstellungsformen der Analyseeinheiten
8.1.6.1. - Exkurs: Die journalistischen Darstellungsformen -
8.1.7. Zusammenfassung der quantitativen Ergebnisse
8.2. Qualitative Inhaltsanalyse
8.2.1. Qualitative Auswertung
8.2.1.1. Thema „Torwartfrage“
8.2.1.2. Thema „Trainingsmethoden“
8.2.1.3. Thema „Wohnortdebatte“
8.2.2. Zusammenfassung der qualitativen Ergebnisse

9. Fazit

Literaturverzeichnis

Primärliteratur:

Sekundärliteratur:

Internetdokumente:

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

„Die Fans haben die große Hoffnung, dass wir 2006 Weltmeister werden. Das ist auch meine Zielsetzung“ (Riegler 2004a, 21).

Mit dieser Aussage, die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gewinnen zu wollen, trat Jürgen Klinsmann am 29. Juli 2004 die Nachfolge von Rudi Völler[1] als Teamchef der Nationalmannschaft an. Der eigentlich nur als Notlösung gedachte (vgl. Schulze-Marmeling 2005, 335) und nach langer Trainersuche[2] „überraschend zum neuen Bundestrainer“ (Riegler 2004a, 21) ernannte Klinsmann wollte mit dieser, in der Presse als „mutig“ (Franzke et al. 2004, 29) bezeichneten, Zielsetzung eine neue Aufbruchstimmung in Deutschland erzeugen (vgl. Riegler 2004a, 21). Überraschend war die Entscheidung für den einstigen Weltklassestürmer[3] deshalb, weil Klinsmann als Trainer noch nahezu unerfahren war. Nachdem er seine Trainerlizenz bei einem Sonderlehrgang im Juni 2000 „im Schnellverfahren“ (Wild 2004a, 2) erwarb, war er lediglich als Co-Trainer bei der Los Angeles Galaxy beschäftigt (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Klinsmann). Damit gab es natürlich kritische Stimmen[4] gegen die Verpflichtung des in Göppingen geborenen und seit 1999 im kalifornischen Newport Beach lebenden „Wahl-Kalifornier[s]“ (Schulze-Marmeling 2005, 338). Dennoch wurde ihm und seiner Führungscrew[5] die volle Unterstützung für das „Projekt 2006“ (Müller 2004, 6) von den Bundesliga-Vereinen zugesagt (vgl. Riegler 2004b, 21). Als mutig wurde Klinsmanns Ziel vor allem deshalb bezeichnet, weil der deutsche Fußball zum Zeitpunkt des Beginns seiner Trainertätigkeit, nach dem Vorrunden-Aus bei der Europameisterschaft 2004 in Portugal, in der Krise steckte (vgl. Kühne-Hellmessen 2005, 567).

Um das hoch gesteckte Ziel jedoch erreichen zu können, mussten Änderungen geschaffen werden. Und Klinsmann mit seiner verinnerlichten amerikanischen Lebensweise, zu der u.a. Risikobereitschaft und besonders Optimismus gehören, packte diese Änderungen[6] entschlossen an. Anders als die Bundestrainer vor ihm[7], die die Arbeit ihres jeweiligen Vorgängers mehr oder weniger fortsetzten (vgl. Schulze-Marmeling 2005, 342), reformierte der „neunte[…] Chef der Nationalmannschaft“ (Müller 2004, 6) radikal die traditionellen Strukturen im Deutschen Fußball-Bund (DFB). Mit „allen Kompetenzen und Entscheidungsgewalten“ (Kühne-Hellmessen 2005, 568) ausgestattet, setzte er seine Ideen und Konzepte von Beginn an kompromisslos um. Die Kompromisslosigkeit war darauf zurückzuführen, dass Klinsmann nur zwei Jahre Zeit hatte, seine Reformen zu vollziehen und sein Ziel zu erreichen. Deshalb sollte das gesamte Denken und Handeln auf „dieses eine Ziel, diese eine WM, diesen einen Titel“ (Riegler 2004c, 32) ausgerichtet sein. Dem habe sich alles andere unterzuordnen. Klinsmann sagte in einem „Stern“ - Interview selbst dazu: „Es muss jedem bewusst sein, dass so schnell keine WM mehr nach Deutschland kommt. Das ist unsere einmalige Chance. Und die dürfen wir nicht verpassen“ (vgl. Lang 2005, ID[8] ).

Doch wie der „Kicker“ zu bedenken gab, hatte Klinsmann die „wohl gewaltigste Aufgabe“ (Müller 2004, 6) aller bisherigen Bundestrainer übernommen. Damit lud er sich von Anfang an einen hohen Erfolgsdruck auf, zumal gerade bei der Nationalmannschaft die Erwartungshaltungen stets sehr hoch sind[9]. Dieser Umstand führt dazu, dass es nach sportlichen Rückschlägen zur Kritik seitens der Medien kommt. Bei Klinsmann war dies zum ersten Mal im Oktober 2005 nach ein paar schlechten Testspielen (u.a. einer 1:2-Niederlage gegen die Türkei am 8.10.2005) der Fall. Die Presse kritisierte u.a. die Torwartrotation zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann sowie Klinsmanns Pendeln zwischen Deutschland und Amerika (vgl. Fritsch 2006a, 175; auch Horeni 2005a, 314). Doch der „Dickschädel“, wie ihn die „Welt am Sonntag“ bezeichnete, zog konsequent seinen eigenen Plan durch (vgl. Stützer 2006; ID) und gab zu verstehen, dass er sich „von den Medien […] seinen Weg nicht diktieren“ (Horeni 2005a, 314) lasse. Klinsmann will somit seine Selbständigkeit bewahren und Unabhängigkeit gegenüber den Medien demonstrieren (vgl. http://www.indirekter-freistoss.de/home/studie-derichs1.html ). Damit unterscheidet er sich neben seinem Reformeifer auch im Umgang mit den Medien grundlegend von seinen Amtsvorgängern, die sich beispielsweise (bspw.) von der „BILD-Zeitung“ („BILD“) beeinflussen ließen (vgl. ebd.). So standen sich, mit Ausnahme von Berti Vogts, seit Jupp Derwall alle Trainer der Nationalelf gut mit „BILD“, um eventueller Kritik des Massenblattes aus dem Weg zu gehen (vgl. Jensen 2006; ID). Aber Klinsmann, der im Umgang mit den Medien nach dem Prinzip „Gleiche unter Gleichen“ (Fritsch 2006a, 175) vorging, behandelte auch „BILD“ nicht besser als andere Medienvertreter. Damit nahm er dem Boulevardblatt ihren bis dahin starken Einfluss auf die Nationalmannschaft[10]. Daraus ergibt sich die Frage, die u.a. in dieser Arbeit beantwortet werden soll, ob sich der schwindende Einfluss negativ auf die Berichterstattung von „BILD“ über Klinsmann auswirkt?

Doch woraus gründet sich eigentlich das prinzipielle Interesse der Medien an der Arbeit des Fußball-Bundestrainers? Zunächst einmal ist der Sport im Allgemeinen ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, der sich in den letzten Jahren immer mehr zu einem Massenphänomen entwickelt hat (vgl. Nullmeier 2003, 7). Vor allem der Spitzensport, und hier insbesondere der Fußball, stößt dabei auf großes Interesse in der Bevölkerung[11]. Damit einher geht eine hohe gesellschaftliche Bedeutung[12] der beliebten Ballsportart. Da die Medien aus wirtschaftlicher Sicht daran interessiert sind, hohe Auflagen (Printmedien) sowie hohe Einschaltquoten (Hörfunk, Fernsehen) zu erzielen, wird Fußball in der Berichterstattung der Medien umfassend berücksichtigt. Aus diesem Grund steht der Trainer als „zentrale Person im Leistungssport […] [im] Rampenlicht des öffentlichen Interesses“ (Zieschang et al. 1986, 9). In Deutschland konzentriert sich das Interesse besonders auf den Nationaltrainer, weil er in der Verantwortung für die deutsche Nationalmannschaft steht. Die Nationalelf, eine Auswahl der besten Spieler Deutschlands, gilt als „Repräsentant der Nation“ (Väth 1994, 145). Mit ihr identifizieren sich „alle Fußballinteressierten unabhängig von ihrer Vereinssympathie“ (ebd.)[13]. Das macht den Bundestrainer zu einer gesellschaftlichen Identifikationsfigur. Auf Grund seines Bekanntheitsgrades sowie dem gesellschaftlichen Interesse an seiner Person ist „Öffentlichkeitsarbeit [...] ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit“ (Schulze 2006, ID).

Im speziellen Fall Klinsmann kann ein besonders hohes öffentliches Interesse an seiner Person konstatiert werden, da er die Aufgabe hatte, die Nationalmannschaft auf das „größte Sportereignis, das seit Jahrzehnten“ (http://openpr.de/news/66967.html) in Deutschland stattfand, vorzubereiten. Damit stand die Person Klinsmann seit Beginn der Amtszeit als Bundestrainer im Fokus. Hinzu kamen die zahlreichen Neuerungen und Reformen, die die Medien dazu veranlassten, ihrem gesellschaftlichen Auftrag – der durch die grundlegenden Merkmale Information, Kritik und Meinungsbildung gekennzeichnet ist (vgl. Zieschang et al. 1986, 30) – nachzukommen.

Auf Grund der gesellschaftlichen Bedeutung des Nationaltrainers und seiner daraus resultierenden medialen Berücksichtigung, die im Fall Klinsmann auf Grund der oben genannten Umstände sehr hoch war, liegt das Interesse der vorliegenden Untersuchung darin, die Berichterstattung über die Arbeit des Fußball-Bundestrainers Jürgen Klinsmann zu analysieren. Mit Hilfe ausgewählter Printmedien, der „BILD-Zeitung“, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“), der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ („HAZ“) sowie der Zeitschrift „Kicker Sportmagazin“ („Kicker“), soll die Berichterstattung in der deutschen Presse exemplarisch verglichen werden, wobei eventuelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufgezeigt werden sollen. Die Printprodukte, die sich hinsichtlich ihrer Vertriebsart (Abonnement/Straßenverkauf), ihres Verbreitungsgebiets (regional, überregional, national), ihrer Erscheinungsweise sowie ihrer Mediengattung[14] unterscheiden, können dabei als repräsentativ für die deutsche Presse angesehen werden. Zusätzlich soll herausgearbeitet werden, wie die Printmedien die Arbeit Klinsmanns bewerten. Wie oben beschrieben, verlor „BILD“ mit der Anstellung Klinsmanns ihren bis dahin starken Einfluss auf die Nationalmannschaft. Deshalb kann vermutet werden, dass sich das veränderte Verhältnis zum Bundestrainer negativ auf die Berichterstattung von „BILD“ über Klinsmann auswirkt. Bei den anderen Medien stellt sich die Frage, ob sie gemäß ihrem journalistischen Selbstverständnis berichten? Als Methode zur Erreichung des Untersuchungsziels dient die Inhaltsanalyse. Sie besteht aus einem quantitativen und einem qualitativen Analyseinstrument. Die quantitative Vorgehensweise soll dazu dienen, formale (wie z.B. Anzahl, Umfang und Herkunft der Artikel) und inhaltliche (Themen) Aspekte zu untersuchen und zu quantifizieren, das heißt (d.h.) auszuzählen. Innerhalb der qualitativen Untersuchung dient eine Valenzanalyse dazu, die Berichterstattung der Printmedien zu bewerten. Berichten die Untersuchungsobjekte positiv, neutral beziehungsweise (bzw.) sachbezogen oder negativ? Wie ist der jeweilige Tenor der Presse über die Arbeit Klinsmanns?

Die Magisterarbeit beschäftigt sich zunächst mit grundlegenden Aspekten zur Sportberichterstattung in den Medien. Hierbei wird zuerst ein historischer Abriss der Berichterstattung über den Sport gegeben, woraufhin der Sport in den Tageszeitungen sowie im Rundfunk (auf Grund der Rolle des Fernsehens als Leitmedium im Sport sowie im Fußball) gesondert vorgestellt wird. Anschließend stellt der Autor die Bedeutung des Sports für die Massenmedien heraus, die in erster Linie in der Rolle des Sports als Garant für hohe Auflagen und Einschaltquoten liegt. Das magische Dreieck aus Sport, Medien und Wirtschaft ist in dieser Beziehung von entscheidender Relevanz. Das nächste Kapitel soll die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs, als Teilbereich des Sports, in Deutschland verdeutlichen und Gründe für das hohe Interesse an dieser Sportart nennen. Anschließend folgt ein kurzer Blick auf das Ereignis Weltmeisterschaft, die das eigentliche Ziel der gesamten Arbeit Klinsmanns als Bundestrainer darstellt.

Da es in dieser Arbeit um die Inhalte der Medien, am Beispiel der Arbeit des Nationaltrainers Jürgen Klinsmann, geht, und zudem eine Bewertung dieser Aussagen vorgenommen wird, kommt den Kommunikatoren (Journalisten) in der vorliegenden Untersuchung eine tragende Funktion zu. Deshalb handelt das folgende Kapitel von den Journalisten und ihrer vorrangigen Aufgabe als Selektierer bzw. „Gatekeeper“ und Vermittler von Informationen und Inhalten in den Medien. Sie sind es, die mit ihrer Berichterstattung dem öffentlichen Interesse am Spitzensport, insbesondere dem Fußball, nachkommen. Im nächsten Kapitel geht es um die spezielle Berichterstattung der Journalisten über den Trainer, der im Spitzensport eine zentrale Stellung einnimmt. Zwischen den Gruppen der Trainer auf der einen sowie den Journalisten auf der anderen Seite besteht ein Spannungsverhältnis, das an einigen Beispielen exemplarisch aufgezeigt werden soll. Dann wird das Untersuchungsmaterial vorgestellt und allgemeine Informationen zu den Analysegegenständen, den Zeitungen und Zeitschriften, gegeben.

Im Folgenden liegt das Hauptaugenmerk auf der empirischen Untersuchung. Hier wird zunächst die verwendete Methode der Inhaltsanalyse beschrieben. Nachdem der Gegenstand der Arbeit, d.h. die Themen der Berichterstattung über Jürgen Klinsmann, aufgezeigt werden und die Auswahl auf die untersuchten Themen begründet wird, werden die eigene Vorgehensweise sowie später die quantitativen Ergebnisse dargestellt. Der Zusammenfassung des quantitativen Teils folgt die qualitative Analyse, deren Ergebnisse wiederum in einer Zusammenfassung dargeboten werden. Am Ende folgt das Fazit, das einen Rückblick auf die Arbeit und die festgestellten Ergebnisse liefern soll.

1.1. Forschungsstand

Die vorliegende Arbeit lässt sich zunächst der Medien- und Kommunikationswissenschaft zuordnen. Ihre wichtigsten Forschungsfelder können zusammen mit der so genannten Lasswell – Formel, die den Kommunikationsprozess verdeutlicht, dargestellt werden (vgl. Schulz 2003c, 157). Die Formel lautet:

Who Says what In which channel To whom With what effect?

Das Modell besagt, dass ein Kommunikator bzw. Journalist (Who?) in seinem Beitrag bzw. seiner Aussage (Says what?) über ein Ereignis in den Medien (In which channel?) berichtet. Dabei wendet er sich an ein Publikum bzw. an die Rezipienten (To whom?) und beabsichtigt eventuell eine Wirkung (With what effect?) (vgl. Pürer, 1998, 25). Zu den Forschungsfeldern gehören somit die Kommunikatorforschung, die Aussagenforschung, die Medienforschung, die Rezipientenforschung sowie die Wirkungsforschung. Analysiert werden die genannten Forschungsfelder hauptsächlich mit den Methoden der empirischen Sozialforschung, dem Interview, der Beobachtung und der Inhaltsanalyse (ebd., 34).

Da in dieser Arbeit die Aussagen bzw. Inhalte der Medien (die so genannte „Medienrealität“; vgl. Bonfadelli 2002, 14) am Beispiel Klinsmann analysiert werden sollen, kann die vorliegende Untersuchung der Aussagenforschung zugeordnet werden. Als Untersuchungsmethode dient folglich die Inhaltsanalyse[15]. Sie ist auf Grund der massenhaften Verbreitung der Medien und den damit verbundenen Wirkungsvermutungen auf die Rezipienten, die „am häufigsten verwendete Methode zur Analyse von Medienbotschaften“ (Bonfadelli 2002, 79). In der Literatur wird diese Methode dementsprechend häufig behandelt. Der Verfasser stützt sich u.a. auf die Ausführungen von Früh (2001), Bonfadelli (2002) und Rössler (2005).

In Bezug auf das Thema Sport und Massenmedien konstatierte Digel (1983) noch, dass sich sowohl die Sport- als auch die Medienwissenschaften nur marginal damit auseinander gesetzt haben (vgl. Digel 1983, 39). Das hat sich jedoch bis heute geändert. Besonders im Bereich der Printmedien existiert eine Vielzahl von wissenschaftlichen Arbeiten zu den Inhalten der Sportberichterstattung. Zu den dabei untersuchten Themenspektren gehören z.B. die Berücksichtigung olympischer Werte, die Gewaltdarstellung, die Lokalsportberichterstattung sowie die Sportsprache (vgl. Loosen 1998, 13). Daneben findet auch eine Beschränkung der zu analysierenden Inhalte nach Sportarten oder bestimmten Sportveranstaltungen statt. So wird die Presseberichterstattung z.B. anhand sportlicher Großereignisse wie den Olympischen Spielen[16] untersucht. Auch im Bereich des Fußballs sind oft bestimmte Ereignisse, wie z.B. Fußball-Weltmeisterschaften, Gegenstand von empirischen Untersuchungen[17].

Die beispielhafte Auswahl verdeutlicht, dass vorzugsweise Ereignisse und nicht Personen im Zentrum von Analysen über die Sportberichterstattung stehen. Speziell zum Thema Trainer in der Presse bzw. in den Medien liegt keine Medienanalyse vor. Die recherchierten Publikationen zum Thema gehen u.a. auf das allgemeine Verhältnis zwischen Trainern und Journalisten (vgl. Baur 1983) ein, machen Vorschläge zur Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten (vgl. Zieschang et al. 1986; auch Weise 1983), verdeutlichen die hohe Erwartungshaltung verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen, wie z.B. Verein, Vorstand und Medien, am Trainer (vgl. Gerisch 1996) oder geben einen Einblick auf das Bild des Trainers aus Sicht der Medien (vgl. Haffner 1996). Lediglich eine Arbeit, die nun auch schon einige Jahre zurückliegt, geht speziell auf die Berichterstattung über den Fußballtrainer ein (vgl. Weise 1983). Weise geht jedoch nicht methodisch vor, belegt seine Ausführungen nicht mit Zahlen und spricht allgemeine Themen an, die jeden Profi-Trainer betreffen. Außerdem unterscheidet er in seinen Überlegungen nicht zwischen einzelnen Medientypen, sondern spricht generell von den „Massenmedien“ (ebd., 15). Zudem konstatiert auch er, dass „nur wenig Literatur und Daten“ (ebd.) zum Thema vorliegen.

Das bisherige Desinteresse an der Untersuchung von Personen bzw. Trainern in der Sportberichterstattung verwundert, da der Nachrichtenfaktor[18] Personalisierung eine „besonders hohe Relevanz“ (Loosen 1998, 202) für die Sportberichterstattung in den Printmedien besitzt. Auch Becker (1983) fand bei einer Untersuchung von vier Tageszeitungen heraus, dass vor allem Personen eine hohe Aufmerksamkeit in der Berichterstattung zukommt. Entgegen der Darstellung struktureller Aspekte, sei es für Sportjournalisten einfacher, Handlungen an Einzelpersonen festzumachen. Subjektdarstellungen seien außerdem für den Leser anschaulicher und bieten zudem eine höhere Identifikationsmöglichkeit (vgl. Becker 1983, 82).

Insgesamt kann geschlussfolgert werden, dass über den Trainer in der Berichterstattung keine empirischen Analysen vorgelegt wurden. Damit stellt die Inhaltsanalyse am Beispiel des Fußball-Bundestrainers Jürgen Klinsmann einen ersten Versuch dar, die Berichterstattung über die Trainerperson in verschiedenen Medientypen empirisch zu untersuchen.

2. Sport und Massenmedien

2.1. Historischer Abriss der Sportberichterstattung

Die Geschichte des Sportjournalismus beginnt in England. Hier gab es ursprünglich die erste Sportnachricht, den ersten Sportjournalisten, die erste Sportzeitschrift, den ersten Sportteil in einer Tageszeitung und die erste Sportzeitung[19].

Die erste Sportnachricht wurde im Jahr 1681 veröffentlicht. Das Blatt „True Protestant Mercury“ berichtete darin über einen Boxwettkampf. Mehr als 100 Jahre später konnte aber erst von einem professionellen Sportjournalismus gesprochen werden. 1792 erschien erstmals mit „The Sporting Magazine“ eine Sportzeitschrift, die sich zunächst auf den Pferde- und Jagdsport konzentrierte (vgl. Weischenberg 1976, 120f.).

Als erste Tageszeitung brachte seit 1817 der „Morning Herald“ regelmäßig Berichte über Sportthemen, 1818 folgte „The Globe“ mit täglichen Sportmeldungen. Die erste reine Sport-Tageszeitung mit dem Titel „Sporting Life“ erschien 1821. Danach konnte auch die konservative Presse dem Sport nicht mehr aus dem Weg gehen. Die „Times“ startete 1829 mit einem eigenen regelmäßig erscheinenden Sportteil (vgl. Weischenberg 1976, 121f., auch Binnewies 1975, 18).

Der erste Sportjournalist war Pearce Egan. Nachdem er zunächst 1812 ein Sportbuch mit mehreren Bänden veröffentlichte, war er ab 1824 als Herausgeber der Londoner Tageszeitung „Bell´s Life“ für einen, zur damaligen Zeit, außergewöhnlich umfangreichen Sportteil verantwortlich (vgl. Weischenberg 1976, 121).

In Kontinentaleuropa gilt die 1878 in Wien gegründete „Allgemeine Sportzeitung“ als erstes deutschsprachiges Sportfachblatt (vgl. ebd., 124f.).

In Deutschland begann die Entwicklung der Sportfachpresse mit Ausgaben über den Turnsport. 1842 erschien die erste Turnerzeitschrift „Allgemeine Turn-Zeitung“ in Erlangen, herausgegeben von dem Arzt Michael Friedrich Richter. Später folgten „Der Turner“ in Dresden sowie die „Deutsche Turn-Zeitung“ mit Sitz in Leipzig. Auch der Pferde- und Radsport fand durch die Zeitungen „Der Sporn“ (gegründet 1862) und die 1881 gegründete „Velociped“ in den folgenden Jahren Aufnahme in die Berichterstattung (vgl. ebd., 122f.).

Bis dahin galt die Zeitung in Deutschland jedoch nur als Informationsblatt für „eine privilegierte Schicht wie Adel und Regierung“ (Binnewies 1975, 18). Noch „vor 1900 wurden nur für ganz bestimmte Leserschichten Mitteilungsblätter bzw. Zeitschriften gedruckt“ (ebd., 19). Erst die weitere Ausweitung der Sportfachpresse und die zunehmende Sportbegeisterung in der Bevölkerung für die so genannten Massensportarten[20] führten dazu, dass auch die Tageszeitung den Sport in ihre Berichterstattung integrierte und der Sport somit von einem breiteren Leserpublikum erreicht werden konnte (vgl. Weischenberg 1976, 126). Gerade auch aus finanzieller Sicht konnte sich die Presse dem immer mehr Anhänger gewinnenden Sport nicht mehr entziehen (vgl. Fischer 2004, 71). Bezüglich ihrer langen Geschichte[21] entdeckten die Printmedien den Sport also erst relativ spät. Dennoch besitzt die Presse durch ihre Vorreiterposition eine besondere Bedeutung für den Sport[22].

Ausführlichere Informationen zum Sport in deutschen Tageszeitungen enthält das folgende Kapitel.

2.1.1. Sport in deutschen Tageszeitungen

Am 23. Mai 1886 gab es unter dem Titel „Sportzeitung“ zum ersten Mal eine eigene Sportrubrik in einer deutschen Tageszeitung, den „Münchner Neuesten Nachrichten“ (vgl. Fischer 1993, 39). Seitdem etablierte sich der Sportteil als eigenständige Sparte neben den klassischen Ressorts Politik, Wirtschaft, Feuilleton und Lokales. Zuvor wurden Sportmeldungen im Lokalteil der Zeitungen publiziert, wobei es inhaltlich überwiegend um Pferde- und Radsport ging. Das steigende Interesse der Leser an diesen beiden Sportarten war verantwortlich dafür, dass 1885 beim „Berliner Börsen-Courier“ ein Sportredakteur eigens für die Berichterstattung über den Pferdesport angestellt wurde (vgl. Weischenberg 1976, 126).

Noch vor der Jahrhundertwende stiegen auch Großverleger wie August Scherl in das Geschäft mit dem Sport ein. 1895 erschien mit „Sport im Bild“ die erste Sportillustrierte für alle Sportarten (vgl. ebd., 124). Innerhalb der Boulevardpresse legte die 1904 gegründete „Berliner Zeitung am Mittag“ den Grundstein für den Sport. Sie war die erste Zeitung, die allein für ihr Sportressort sechs Redakteure beschäftigte. Mit der Einführung eines Montag - Morgenblattes richteten auch die „Münchner Neuesten Nachrichten“, nach anfangs starker Skepsis gegenüber dem Sport als allgemeines Interessensgebiet, am 1. Januar 1912 eine eigene Sportredaktion mit Sportredakteur ein (vgl. Fischer 1993, 38f.).

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, der fast zum Einstellen der Sportberichterstattung in den Tageszeitungen geführt hätte, erlebte der Sportteil in der Zeitung eine umso größere Beachtung. Besonders die Printmedien profitierten vom Aufschwung des Sports. Die Berichterstattung konzentrierte sich nun nicht mehr auf die privilegierten Sportarten, wie z.B. Kaiser – Regatten (vgl. Binnewies 1975, 19). Von nun an stand der Massensport, u.a. Sechs-Tage-Rennen, Boxkämpfe und Fußball, im Mittelpunkt. Die Menschen fanden in den Sportteilen der Zeitungen Ablenkung von den Kriegsereignissen (vgl. Fischer 1993, 40). Auch die Akzente der Sportberichterstattung verschoben sich weg von der reinen Information, hin zur Unterhaltung und damit zur Vermarktung des Sports (vgl. Weischenberg 1976, 131).

Nachdem der Sportjournalismus im 2. Weltkrieg von den Nationalsozialisten gleichgeschaltet wurde, um Propaganda betreiben zu können, kam es nach dem Krieg zu einem neuerlichen Aufschwung. Die Montagsausgaben der Tageszeitungen erzielten zu Beginn der 1950er Jahre ausschließlich auf Grund des Sports ihre höchsten Auflagenzahlen (vgl. Fischer 1993, 41). Generell wird seit jeher den Montagsausgaben in den Tageszeitungen die größte Aufmerksamkeit gewidmet, da nach dem Wochenende sowohl ein hohes Angebot an Sportnachrichten, als auch ein erhöhtes Informationsbedürfnis der Rezipienten besteht (vgl. Binnewies 1975, 43).

Im Zuge der Auflagensteigerung kam es in den folgenden Jahrzehnten zu einer stetigen Erhöhung des Umfangs der Sportberichterstattung. Besonders die Olympischen Spiele trugen in dieser Zeit zum quantitativen Wachstum bei. In den 1970er und 1980er Jahren forcierten zudem die Nachrichtenagenturen[23] die Erweiterung des Sportanteils in den Tageszeitungen. Diese Erweiterung des Umfangs galt sowohl für Boulevardzeitungen, als auch für die überregionale, regionale und lokale Tagespresse (vgl. Fischer 1993, 41ff). Binnewies (1973) errechnete in seiner Untersuchung einen durchschnittlichen Anteil der Sportberichterstattung von 9,25 Prozent am gesamten Platzangebot in den Tageszeitungen. Dabei lag der Durchschnittswert in überregionalen Zeitungen bei gut vier Prozent, während Boulevardzeitungen mit etwa 15 Prozent am umfangreichsten über Sportereignisse berichteten (vgl. Görner 1995, 39).

2.1.2. Sport im deutschen Rundfunk

Am 2. Juli 1921 wurde erstmals eine Sportsendung über den Rundfunk[24] ausgestrahlt. Thema des Radiobeitrags war der Boxkampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht zwischen Jack Dempsey und Georges Carpentier im amerikanischen Jersey City (vgl. Weischenberg 1976, 141). In Deutschland war es der „Berliner Sender“, der am 20. April 1924 mit Berichten über das Sportgeschehen des Tages die Rundfunk-Ära des Sports einleitete. Die erste direkte Übertragung eines Sportereignisses fand am 28. Juni desselben Jahres statt. Gesendet wurde eine Ruderregatta in Frankfurt von der „Südwestdeutschen Rundfunk AG“ (vgl. Schwier et al. 2002, 34). Der Fußball hielt erstmals 1925 mit der Übertragung eines Spiels zwischen Arminia Bielefeld und Preußen Münster Einzug in eine deutsche Radiosendung (vgl. Strauss 2002, 153).

1936 schloss sich auch das Fernsehen dem neuen publikumswirksamen Thema Sport an, indem in Berlin die Olympischen Sommerspiele übertragen wurden. In 28 so genannten Fernsehstuben konnten Zuschauer erstmals live die Wettkämpfe verfolgen (vgl. Foltin et al. 1994, 113). Vor allem Übertragungen von Fußball-Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen in den fünfziger und sechziger Jahren waren verantwortlich dafür, dass sich das Fernsehen in dieser Zeit verbreitete und an Beliebtheit gewann (vgl. Schwier et al. 2002, 34).

„Als Höhepunkt der Fernsehsportberichterstattung der fünfziger Jahre gilt die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz, deren Ausstrahlung aus Sicht der Medienwissenschaft als Meilenstein für den Durchbruch des neuen Massenmediums gelten kann“ (Burk et al. 2002, 105).

Während den Fernsehzuschauern seit 1952 mit der ARD[25] nur ein Programm – das neben Informations- und Unterhaltungssendungen auch das Kinderprogramm und den Sport abdeckte – zur Verfügung stand, kam am 1. April 1963 mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) ein zweites Fernsehprogramm hinzu, welches auch in der Sportberichterstattung Konkurrenz für die ARD bedeutete (vgl. Burk et al. 2002, 102). Mit Aufkommen des dualen Rundfunksystems 1984 (vgl. Mathes/Donsbach 2003, 568) entwickelte sich zwischen öffentlich-rechtlichen[26] und privaten Fernsehanbietern[27] ein Wettbewerb um den Sport (vgl. Loosen 2001, 138f.). Die Zahl der Anbieter stieg von zehn im Jahr 1982 auf mehr als 80 Programme im Jahr 2001[28] (vgl. Burk et al. 2002, 102).

Die privaten Sender machten es sich zur Aufgabe, attraktive Sportübertragungsrechte zu erwerben. Um die hohen Rechtekosten zu refinanzieren, wurde der quantitative Umfang der Sportberichterstattung stetig erweitert[29]. Durch die Gründung zusätzlicher sportspezifischer Spartensender, Eurosport und DSF[30] (Deutsches Sport Fernsehen), wuchs der Umfang des Fernsehsports von 1.200 Stunden im Jahr 1984 auf mehr als 20.700 Stunden im Jahr 1998 (vgl. Schwier et al. 2002, 35). Der Sport ist damit zu einem wesentlichen Programmbestandteil avanciert. Im Jahr 1999 machten Sportereignisse neun Prozent des gesamten Fernsehprogramms aus. Trotz der Zunahme des Umfangs der Fernsehsportberichterstattung fand eine Ausweitung des Sportartenangebots nur bei den Spartensendern und im „Pay-TV“ (Bezahlfernsehen) statt. Insgesamt wird der Fernsehzuschauer mit einem „more of the same“ konfrontiert, indem sich die Sender auf den internationalen Spitzensport konzentrieren. So ergab eine Analyse von 90 deutschen Programmen im Jahr 2001, dass über Fußball mit 3.853 Stunden (28 Prozent der Gesamtsendezeit) am längsten berichtet wurde. Mit weitem Abstand folgten auf den weiteren Plätzen Tennis mit elf sowie Motorsport mit zehn Prozent (vgl. Burk et al. 2002, 110f.).

Mit dem eben angesprochenen „Pay-TV“ versuchte zu Beginn des Jahrtausends ein weiterer Konkurrent auf dem Fernsehmarkt, besonders durch den Erwerb begehrter Sportrechte (u.a. mit Hilfe des Fußballs und der Formel 1), das Interesse des Publikums anzusprechen (vgl. Loosen 2001, 138f.). So bietet der Sender Premiere World seit der Bundesligaspielzeit 2000/2001 für Fußball-Fans an, die gesamte Saison, einen einzelnen Spieltag oder ein einzelnes Spiel der Fußball-Bundesliga zu erwerben. Ob sich das Bezahlfernsehen in Deutschland durchsetzen wird, bleibt jedoch abzuwarten (vgl. Burk et al. 2002, 103). Bisher hat die größere Auswahlmöglichkeit im frei empfangbaren „Free-TV“ eine Ausbreitung des „Pay-TV“ erschwert (vgl. Mathes/Donsbach 2003, 587).

2.2. Die Bedeutung des Sports für die Massenmedien

Der geschichtliche Abriss zeigt, dass die Entwicklung des Sports und der Massenmedien in einem engen Verhältnis zueinander gesehen werden muss. Der Sport hat sich bis heute vom einstigen „Ritual zum Medienspektakel“ (Fischer 2004, 58) gewandelt. Die Medien und der Sport sind dabei „eine weitgehend symbiotische Beziehung“ (Schwier 2000, 90) miteinander eingegangen. Für die Medien ist der Sport besonders auf Grund seiner hohen Attraktivität berichtenswert. Neben dem Wettkampfcharakter, der Ungewissheit des Ausgangs und der damit verbundenen Spannung und Unterhaltung, produzieren sportliche Aktivitäten außerdem noch pausenlos Uraufführungen (vgl. Schauerte 2002b, 76).

„Sport ist offensichtlich deswegen zu einem der attraktivsten Programmbestandteile […] geworden, weil sich damit offenbar sowohl Unterhaltungs- als auch Informationsbedürfnisse [31] der Zuschauer und Zuhörer befriedigen lassen“ (Darkow 1983; zit. in Görner 1995, 33).

Der Sport ist wiederum von den finanziellen Aufwendungen der Massenmedien abhängig, womit diese auch eine gewisse Macht ausüben. Denn „ohne Öffentlichkeit verkümmert der Sport zum Nicht-Ereignis, zur Provinzialität und visuellen Anonymität“ (ebd.). Allen voran der Hochleistungssport benötigt die Verbreitung durch das Leitmedium Fernsehen, um existieren zu können. Die gegenseitige Abhängigkeit kann mit dem Dreiecksverhältnis Sport – Wirtschaft – Massenmedien beschrieben werden. Schaffrath hat das Beziehungsgeflecht in seiner so genannten Popularisierungsspirale zusammengefasst:

„Je populärer eine Sportart, desto mehr aktive und passive Interessenten gibt es für diese Sportart (gesellschaftliche Bedeutung). Je mehr aktive und passive Interessenten, desto intensiver die mediale Berücksichtigung und vor allem die Fernsehpräsenz (mediale Bedeutung). Je intensiver die mediale Berücksichtigung und vor allem die Fernsehpräsenz, desto attraktiver für TV-Stationen und Sponsoren (wirtschaftliche Bedeutung). Je attraktiver für TV-Stationen und Sponsoren, desto höher die Einnahmen einer Sportart. Je höher die Einnahmen einer Sportart, desto leichter die Möglichkeit, attraktiven Sport anzubieten. Und je attraktiver der offerierte Sport, desto populärer ist die Sportart...!“ (Schaffrath 1999b, 30).

Das Fernsehen orientiert sich dementsprechend an Massensportarten wie dem Fußball und der Formel 1, welche als Hochleistungssport die größte Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich ziehen[32] (vgl. Wipper 2003, 68). Randsportarten, wie z.B. Rudern oder Tischtennis, werden hingegen nahezu außen vor gelassen (vgl. Gleich 2001, 170f.). Um über die attraktivsten Sportarten berichten zu können, kämpfen die Medien um die Übertragungsrechte. Die seit der Einführung des dualen Rundfunksystems (s. oben) zunehmende Konkurrenz auf dem Fernsehmarkt hat bis heute zu einem Preiskampf geführt, den man als inflationär bezeichnen kann[33] (vgl. Schauerte 2002a, 194). Der steigende wirtschaftliche Stellenwert des Sports hat nicht nur zu quantitativen (Umfangssteigerung), sondern auch zu qualitativen Änderungen in der Sportberichterstattung geführt. Neben der Fokussierung auf bestimmte Großereignisse wie Olympische Spiele oder Fußball-Weltmeisterschaften, ist auch eine verstärkte Live-Berichterstattung sowie die Tendenz zur Unterhaltung festzustellen (vgl. ebd., 197).

Auch für die Printmedien, insbesondere die Boulevardzeitungen, ist der Sport ein unverzichtbares Verkaufsargument und Mittel zur Auflagensteigerung (vgl. Bizer 1988, 138f.). Gerade auf Grund der intermediären Konkurrenz durch das Fernsehen, den Hörfunk und das Internet (alle diese Medien haben den Vorteil der höheren Aktualität gegenüber den Printprodukten) ist die Presse gezwungen worden, vermehrt auf Hintergrundberichterstattung und weniger auf reine Ergebnisberichte zu setzen (vgl. Weischenberg 1988, 68). Reagiert haben die Tageszeitungen außerdem, indem sie mehr personalisierte Themen behandeln, vermehrt Kommentare und Interviews abdrucken sowie den Leser durch das Veröffentlichen von Leserbriefen und -umfragen stärker mit einbeziehen. Besonders Fotos und Grafiken werden eingesetzt, um optische Anreize zu bieten (vgl. Wilke 2003a, 439). Trotz anfänglicher Anpassungsprobleme haben die Printmedien mittlerweile eine Komplementärrolle eingenommen (vgl. Görner 1995, 40) und bestätigt, dass „noch niemals ein neues Medium ein älteres verdrängt hat“ (Pürer et al. 1996, 226). Dementsprechend ist die Sportberichterstattung in der Presse im Bewusstsein der Sportinteressierten immer noch fest verankert:

„Keiner, der sich – intensiv oder auch nur, um mitreden zu können – zum Beispiel über eine Fußball-Weltmeisterschaft am Bildschirm informiert, wird anderentags versäumen, Kommentare und Hintergründe in seinem Blatt nachzulesen“ (Bizer 1988, 137).

Heute lesen über 40 Prozent der Deutschen regelmäßig den Sportteil ihrer Zeitung. Damit ist das Interesse der Leser am Sport größer als am Wirtschaftsteil oder Berichten aus Wissenschaft und Technik (vgl. Roeben 2005, 33). Trotz großen Leserinteresses und der Anpassung der Printjournalisten an die Konkurrenzsituation, sind an der Berichterstattung in der Presse eine verstärkte Tendenz zur Unterhaltung und Boulevardisierung sowie die Beschränkung auf wenige publikumswirksame Sportarten zu kritisieren. Diese Tendenz ist wiederum nicht zuletzt der zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung des Sports für die Medien geschuldet (vgl. Görner 1995, 40). So führt z.B. die Boulevardisierung, d.h. die Orientierung am Publikumsgeschmack, dazu, dass sich die so genannte seriöse Presse in Form und Inhalt immer mehr an die Straßenverkaufszeitungen annähert (vgl. Donsbach 2003, 111).

Im Hörfunk besitzt der Sport heute insgesamt eine eher marginale Bedeutung (vgl. Schwier et al. 2002, 35). Während bei den öffentlich-rechtlichen Anbietern der Programmanteil des Sports bei zwei Prozent liegt, beträgt er bei privaten Sendern sechs Prozent. Auf Grund des hohen Anspruchs an aktuellen Meldungen ist im Hörfunk kaum Platz für kritische Informationen und Hintergrundberichterstattung (vgl. Scholz 2001, 536).

Im Ende der 1990er Jahre hinzugekommenen neuen Medium Internet verzeichnet der Sport eine zunehmende Relevanz. Bereits 1998 wurde die Fußball-WM in Frankreich im World Wide Web übertragen (vgl. Loosen 2001, 138f.). Seit dem ist im Internet ein ständig wachsendes Angebot sportiver Inhalte zu verzeichnen (vgl. Bieber et al. 2002, 211).

Alles in allem kann resümiert werden, dass der Sport in der gegenwärtigen Medienlandschaft einen zentralen Stellenwert besitzt. Der Sport ist zu einem „Garanten für hohe Einschaltquoten und Marktanteile geworden“ (Schauerte 2002b, 109). Der wirtschaftliche Faktor im Beziehungsgeflecht zwischen dem Sport und den Medien wird dabei besonders durch den Kampf um Fernsehübertragungsrechte deutlich, die seit der Einführung des dualen Rundfunksystems exorbitant gestiegen sind. Die mit der wirtschaftlichen Bedeutung einhergehende quantitative Erweiterung des Sportprogramms bzw. der Berichterstattung hat dabei nicht zu einer qualitativen Steigerung geführt, sondern ein „more of the same“ produziert. Diese Entwicklung muss skeptisch betrachtet werden, da es durch die Fokussierung auf einzelne publikumswirksame Sportarten zu einer Übersättigung und damit zu einem Akzeptanzverlust bei den Rezipienten kommen kann (vgl. ebd., 86). Dem Rezipienten kommt im Geflecht Sport – Medien – Wirtschaft daher eine tragende Rolle zu. Denn der Wert der Ware Sport wird nicht nur durch das Angebot (durch die Medien), sondern auch die Nachfrage geregelt (vgl. Görner 1995, 60f.).

Die eben beschriebene Sportartenfokussierung trifft in den deutschen Medien insbesondere auf den Fußball zu. Er hat einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert in Deutschland. Das nächste Kapitel soll dies verdeutlichen. Außerdem sollen Gründe aufgezeigt werden, warum das so ist.

3. Die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs in Deutschland

Der Fußball hat sich in seiner mehr als hundertjährigen Geschichte zu einem Kulturgut entwickelt (vgl. Eisenberg 2000, 81). So wie wir ihn heute kennen, entstand der Fußball Mitte des 19. Jahrhunderts im „Mutterland“ England, wo in Universitäten und so genannten Public Schools[34] Fußballspiele ausgetragen wurden (vgl. Eisenberg 2000, 62; auch Schulze-Marmeling 1992, 15). Die Vertreter der Fußballmannschaften mehrerer solcher Bildungseinrichtungen gründeten auf Grund des Wunsches nach Vereinheitlichung der Regeln im Jahr 1863 die „Football Association“ (FA). Da diese die Voraussetzungen für die Institutionalisierung des Fußballspiels schuf, kann ihre Gründung als Geburtsstunde des modernen Fußballs angesehen werden kann (vgl. Eisenberg 2000, 62).

Nach Deutschland kam der Fußballsport erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts (vgl. Daalmann 1998, 46). Hier war es ein Turnlehrer, der 1875 die ersten deutschen Fußballregeln aufschrieb und mit seinen Schülern Fußball spielte (vgl. Eisenberg 2000, 98). Das Spiel verbreitete sich zunächst an Gymnasien, wurde dementsprechend in der Mittelklasse der Bevölkerung populär. Durch Zulassung von Arbeitersportvereinen in den 1920er Jahren und den damit verbundenen Vereinsgründungen etablierte sich der Fußball in der Arbeiterklasse (vgl. Daalmann 1998, 46). Erstmals professionell ausgeübt wurde der Fußballsport mit Gründung der Bundesliga im Jahr 1963 (vgl. Eisenberg 2004, 52).

Die Popularität und Professionalisierung[35] konnte der Fußball jedoch nur mit Hilfe der Massenmedien erreichen. „Erst durch Presse, Radio und Fernsehen wurde es möglich, daß [sic!] sich immer mehr Menschen für den Fußball interessierten“ (Bausenwein 1995, 475). So war es bspw. dem Fernsehen zu verdanken, dass der WM-Sieg der deutschen Nationalmannschaft von 1954 zu einem Ereignis mit nationaler Tragweite wurde (vgl. Daalmann 1998, 48). Er war außerdem „für die Identitätsbildung der Deutschen“ (ebd., 47) von herausragender Bedeutung. Nach den zwei verlorenen Weltkriegen löste der WM-Gewinn beim deutschen Volk ein neues Lebensgefühl sowie Selbstbewusstsein aus.

Die Identifikation mit und das Interesse an der Nationalelf bzw. dem Fußball im Allgemeinen spiegelt sich auch heute besonders in den hohen Zuschauerzahlen im Fernsehen wider. Von den 25 meist gesehenen Fernsehsendungen von 1992 bis 2006 waren 23 Live-Übertragungen von Spielen der Fußball-Welt- und Europameisterschaften. An 19 der 23 Fußballspiele war die deutsche Mannschaft beteiligt (vgl. Gerhard 2006, 469). Ein Grund für das mediale Interesse an der deutschen Elf mag zum einen in der Identifikation mit ihr liegen, zum anderen aber auch in den kontinuierlich starken Leistungen bei Endrunden-Turnieren. Bei 15 WM-Teilnahmen gewann sie in den Jahren 1954, 1974 und 1990 den WM-Pokal. Zudem wurde sie 1966, 1982, 1986 und 2002 Vize-Weltmeister. Hinzu kommen bei insgesamt neun EM-Teilnahmen drei Titel (1972, 1980, 1996) sowie zwei Vize-Meisterschaften in den Jahren 1976 und 1992 (vgl. http://stats.fussball-forum.de/?Deutschland%20-%20Erfolge). Nicht zu Unrecht wird Deutschland deswegen als Turniermannschaft bezeichnet, die „sich im Laufe eines Turniers immer steigern kann“ (Böttiger 1993, 168). Die Erwartungshaltungen in der Öffentlichkeit und den Medien sind dementsprechend bei jedem Ländervergleich sehr hoch. Alles andere als der Titel wird als Enttäuschung angesehen (vgl. Daalmann 1998, 45).

Der gesellschaftlich hohe Stellenwert des Fußballs in Deutschland lässt sich des Weiteren mit Hilfe der folgenden Zahlen verdeutlichen:

In Deutschland gibt es rund 25.800 Vereine mit mehr als 6,3 Millionen Mitgliedern, die alle dem DFB[36] angeschlossen sind. Knapp 172.000 Mannschaften nehmen am regelmäßigen Spielbetrieb teil. Damit ist Fußball eindeutig die Sportart Nummer eins in Deutschland und der DFB der größte Sportverband im Deutschen Olympischen Sportbund[37] (vgl. http://www.dfb.de/dfb-info/eigenprofil/mitglieder/right.php).

Das Fußballinteresse in der Bevölkerung ist sehr hoch und steigt zudem noch weiter an. Interessierten sich 1998 noch 47 Millionen Deutsche über 14 Jahre für den Fußball (vgl. Schaffrath 1999a, 22), waren es 2004 schon mehr als 50 Millionen bzw. 77 Prozent der deutschen Bevölkerung (vgl. SPORTFIVE GmbH 2004, 9).

Das Interesse schlägt sich auch in der Rezeption der Fußballberichterstattung in den Medien nieder. Der Fußball hat sich zum „Auflagengarant und Quotengigant“ (Schaffrath 1999a, 25) entwickelt. Eine Studie der SPORTFIVE GmbH[38] aus dem Jahr 2004 zeigt, dass Fußball hauptsächlich über das Fernsehen konsumiert wird. 28,4 Millionen Menschen bzw. 57 Prozent aller Fußballinteressierten nutzen das audio-visuelle Medium als regelmäßige Informationsquelle. Doch auch die regionalen Tageszeitungen werden stark genutzt. 20,7 Millionen bzw. 41 Prozent informieren sich in ihrem Blatt. Das Radio hat mit 7,95 Millionen bzw. 16 Prozent auch noch einen relativ hohen Nutzungswert. Sportzeitschriften (5,78 Millionen/12 Prozent) und überregionale Tageszeitungen (4,51 Millionen/9 Prozent) dienen den Menschen in vergleichsweise geringer Zahl als Informationsmedium für Fußball. Das Internet hat sich als Fußballmedium noch nicht etabliert. Lediglich 1,59 Millionen bzw. drei Prozent der Befragten geben es als Quelle für den beliebten Mannschaftssport an (vgl. SPORTFIVE GmbH 2004, 68). Insgesamt ist Fußball „medien- und bevölkerungsübergreifend [...] die bevorzugt rezipierte Sportart“ (Schauerte 2002a, 200) in Deutschland.

Auch wenn die Zahlen den gesellschaftlichen Stellenwert des Fußballs bzw. das Interesse an ihm hierzulande belegen, ist ungeklärt, worin seine „geheimnisvolle Anziehungskraft“ (Bausenwein 1995, 13) besteht. Deshalb soll an dieser Stelle versucht werden, einige Gründe dafür, dass Fußball ein Massenphänomen ist, anzubringen. Ein Grund besteht darin, dass der Fußball die Ideale unserer Gesellschaft abbildet. So ist bspw. der Erfolg das Wichtigste. Die bessere Leistung in einem Duell führt zu Anerkennung. Außerdem werden gesellschaftliche Werte, wie Fairness und Chancengleichheit im Fußball vorgelebt (vgl. Weiß 2004, 222). Des Weiteren beschreibt Hansen folgende Gründe:

„Fußball fasziniert, weil Dank der Einfachheit und Überschaubarkeit des Spiels jeder [...] mitreden kann. [...] Fußball ist Volkssport Nummer eins. Und zu Recht fühlen sich in Krisenzeiten, wenn der Fortbestand der Nation von der Besetzung des defensiven Mittelfeldes abhängt, alle männlichen Deutschen über 15 Jahre berufen, als kompetente Bundestrainer zu urteilen. In keiner anderen Disziplin ist Expertenwissen so breit verteilt wie im Fußball. Auf keinem anderen Gebiet herrscht eine so große Egalität des Gesprächs, wie in der Diskussion über Fußball: jung und alt, Kinder und Greise haben gleiches Recht!“ (Hansen 1993, 13).

Neben seiner Einfachheit macht auch die Unvorhersehbarkeit des Spielausgangs den Reiz am Fußball aus. Schon der für seine Fußball-Philosophien bekannte Alt-Bundestrainer Sepp Herberger antwortete auf die Frage, warum sich Menschen Fußballspiele anschauen: „Weil se net wisse´ wie´s ausgeht“ (Bausinger 2000, 51). Auch Leyenberg bekräftigt das Einzigartige am Fußball: „Kein Spiel [...] ist wie das andere. Das ist über hundert Jahre so geblieben“ (Leyenberg 1999, 572).

Es gibt noch viele weitere Gründe für die gesellschaftliche Bedeutung[39], dennoch sollen die wenigen Beispiele hier genügen.

3.1. Die Fußball-Weltmeisterschaft

„Fußball-Weltmeisterschaften sind in Deutschland das bedeutendste Sportereignis überhaupt“ (Daalmann 1998, 45). Mit der nur alle vier Jahre stattfindenden Sportveranstaltung werden die höchsten Fernsehreichweiten erzielt[40]. Allein in Deutschland besitzen 48,5 Millionen Menschen Kenntnisse über die Fußball-Weltmeisterschaft, 34,3 Millionen sind daran interessiert[41] (UFA Sports GmbH 1998, 78ff). International gilt die Weltmeisterschaft im Fußball nach den Olympischen Spielen als der wichtigste globale Sportevent (vgl. Väth 1994, 144). Doch im Gegensatz zu den Olympischen Spielen, wo viele Athleten eine Goldmedaille gewinnen können, siegt bei der WM nur eine Mannschaft (vgl. Gloede 1982, 61).

Entsprechend der hohen Zuschauerakzeptanz stellt das internationale Kräftemessen auch für die Berichterstattung der Medien eine Ausnahmestellung dar.

Der äußerst hohe Nachrichtenwert wird im wesentlichen durch die Faktoren der Sportart Fußball, den hohen Identifikationsgrad der Rezipienten und auch der Berichterstattung mit den teilnehmenden (National-)Mannschaften bestimmt. Weitere spezifische Bedingungen sind die Eingrenzung der Veranstaltung auf einen kurzen Zeitraum an einem Ort sowie der Turniercharakter des Wettkampfs, der durch das entscheidende K.o.-System eine Finalisierung der Berichterstattung und damit der Spannung provoziert“ (Horky 2003, 12f.).

Alle diese Faktoren lassen eine Fußball-Weltmeisterschaft zu einem Großereignis mit hoher Medienresonanz werden. Die FIFA Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland übertraf in punkto Medienpräsenz alles bisher da gewesene. Mit über 400 Fernseh- und Radiosendern, weit mehr als 40.000 Stunden Programm und gut 10.000 Journalisten war die WM 2006 „das größte Medien-Ereignis der Geschichte“ (Gruener 2006, 260).

Wie oben beschrieben, ist Fußball erst durch die Massenmedien zu seiner hohen Bekanntheit gelangt und konnte so seine Popularität steigern. Das bedeutet, dass den Journalisten in Presse, Rundfunk und Fernsehen als „Macher“ der Berichterstattung über den Sport im Allgemeinen und den Fußball im Speziellen ein entscheidende Rolle zuteil wird. Durch sie gelangt der Sport erst ins Bewusstsein der Rezipienten, denn „ein sportliches Ereignis, über das nicht berichtet wird, hat für die Öffentlichkeit gar nicht stattgefunden“ (Binnewies 1983, 121). Da es in dieser Arbeit um die Inhalte der Medien, am Beispiel der Arbeit des Nationaltrainers Jürgen Klinsmann, geht, und zudem eine Bewertung dieser Aussagen mit Hilfe der Valenzanalyse vorgenommen wird, kommt den Journalisten in der vorliegenden Untersuchung eine tragende Rolle zu. Deshalb handelt das folgende Kapitel von der Funktion der Journalisten als Vermittler der Kommunikationsinhalte.

4. Die Rolle der Journalisten

Den Journalisten kommt „als Ausgangspunkt des Massenkommunikationsprozesses […] eine zentrale Stellung zu“ (Schauerte 2002b, 10). Ihre Aufgabe besteht vorrangig in ihrer Funktion als Vermittler von Nachrichten und Informationen (vgl. Digel 1983, 14). Dabei sind sie täglich gezwungen, aus der bestehenden Informationsvielfalt einige wenige Ereignisse auszuwählen und zu entscheiden, was veröffentlicht wird (vgl. Binnewies 1983, 120; auch v. Stein 1988, 54).

Die Rolle der Journalisten als Selektierer wird in der Kommunikatorforschung als Gatekeeper („Schleusenwärter“) - Funktion beschrieben (vgl. Digel 1983, 15). Die Nachrichtenauswahl wird demnach von verschiedenen Kriterien bestimmt. Neben persönlichen Erfahrungen, Einstellungen und Erwartungen des Journalisten, spielen auch organisatorische und technische Zwänge von Redaktion und Verlag eine Rolle. Bei der Auswahl orientieren sich die Journalisten eher an Kollegen und Vorgesetzten, Vorstellungen von den Bedürfnissen der Rezipienten sind kaum vorhanden. Die redaktionelle Linie des Mediums stellt ein weiteres Kriterium dar (vgl. Horky 2001, 32). Außerdem bestimmen zum großen Teil eingehende Agenturmeldungen die Auswahl der Inhalte. Die Nachrichten der Agenturen werden dabei weitestgehend übernommen, was wiederum auf die organisatorischen Zwänge (Zeitdruck, geringe personelle Kapazitäten) zurückzuführen ist (vgl. Mast 2004, 53). Beispielhaft verdeutlicht Becker den Selektionsmechanismus: Von 1195 Zeilen Sportinformation, die die „Hessisch Niedersächsische Allgemeine“ an einem Tag im Jahr 1982 an Agenturmeldungen erhielt, konnten insgesamt nur 150 Zeilen oder 1,2 Prozent des Informationsangebotes berücksichtigt werden. Der Rest der an diesem Tag zur Verfügung stehenden Seite, setzte sich aus Tabellen, Fotos, einem Leserbrief und zwei Beiträgen eigener Redakteure zusammen (vgl. Becker 1983, 74).

Des Weiteren hängt die Auswahl der Informationen von verschiedenen Nachrichtenfaktoren ab. Galtung/Ruge erstellten einen Katalog von zwölf Kriterien[42], die bestimmen, welche Nachrichten durch die Medien publiziert werden (vgl. Mast 2004, 54).

Im Sportjournalismus wirkt sich in besonderem Maße zudem das gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeitsverhältnis des Sports und der Medien, das bereits beschrieben wurde, auf die Nachrichtenauswahl durch den Sportjournalisten aus. Er muss sich mit seiner „Berichterstattung an der marktwirtschaftlichen Prämisse der Verkäuflichkeit orientieren“ (v. Stein 1988, 138). Der Sportjournalist unterliegt also nicht nur den wirtschaftlichen Interessen des Verlages bzw. der Hörfunk- oder Fernsehanstalt, sondern auch den Interessen der Öffentlichkeit bzw. den Rezipienten (vgl. Zieschang et al. 1986, 31). Deren Interessen liegen vorzugsweise im Spitzensport und vor allem in der Rezeption der Fußballberichterstattung[43]. Im untersuchten Segment der Printmedien sind es die Boulevardblätter, die sich überwiegend am Publikumsgeschmack orientieren. Da sie nur im freien Verkauf zu erwerben sind und nicht durch ein Abonnement bezogen werden können, versuchen sie, mit Sensationsberichterstattung und dem Einsatz optischer Effekte, möglichst viel Publikum zu erreichen und die Verkaufszahlen zu erhöhen (vgl. v. Stein 1988, 138; auch Binnewies 1983, 120).

Infolge der Selektion sowie Interpretation der Informationen durch die Journalisten, geben die Medien demzufolge die Themen vor, die von den Rezipienten überhaupt rezipiert werden können (vgl. Görner 1995, 57)[44]. Sie konstruieren somit ein künstliches „Abbild der Welt“ (Mast 2004, 54), das sich stark von der Realität unterscheidet (vgl. v. Stein 1988, 52). Die Printmedien konstruieren diese so genannte Medienrealität über verschiedene Konstruktionsprinzipien, so z.B. „durch Art und Umfang der Aufmachung, Thematisierung, Schlagzeilen oder Fotos“ (Görner 1995, 59). Anhand der gewählten Darstellung und Gestaltung eines Beitrags messen sie den Themen bzw. Personen über die berichtet wird, unterschiedliche Bedeutung zu[45] (vgl. Baur 1983, 32).

Die beschriebenen Selektionskriterien zeigen, dass der Fußballtrainer mehrere Voraussetzungen erfüllt, um in die Berichterstattung aufgenommen zu werden. Erstens ist er im Bereich des Fußballs tätig. Der Fußball als Publikumsmagnet kommt demzufolge den wirtschaftlichen Interessen der Verleger zugute. Außerdem besitzt der Trainer „als Hauptverantwortlicher für Mannschaftsführung und Mannschaftsspiel“ (Väth 1994, 16) eine zentrale Stellung im Fußball und ist allein für den sportlichen Erfolg verantwortlich[46]. Damit erfüllt er zusätzlich den Nachrichtenfaktor der Personalisierung. Das folgende Kapitel geht näher auf den Trainer in der Berichterstattung ein und zeigt zudem das Spannungsverhältnis zwischen den Medien und dem Trainer auf.

5. Der Trainer in der Berichterstattung

Der Trainer, als zentrale Person im Leistungssport, hat heute ein umfangreiches Spektrum an Aufgaben und Anforderungen zu bewältigen (vgl. Zieschang et al. 1986, 9; auch Teipel 1996, 32). Dazu zählen nicht mehr nur Trainingsarbeit, Wettkampfvorbereitung oder die Auswertung von Wettkampfleistungen (vgl. Gerisch 1996, 120), sondern insbesondere auch die Arbeit mit den Medien.

„Mit der Übernahme des Traineramtes tritt der Trainer ins Spannungsfeld Spitzensport – Sportpublizistik, er gerät gleichsam ins Schlaglicht des öffentlichen Interesses“ (Baur 1983, 27).

Weise zeigt anhand von verschiedenen „Aufmerksamkeitsregeln“[47], welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit Trainer Teil der Berichterstattung werden. Dazu zählt er z.B. den Nachrichtenfaktor „Personalisierung“ (s. oben). Die Trainerpersönlichkeit stehe auf Grund seiner Verantwortung für die sportliche Leistung „immer auf dem Prüfstand“ (Weise 1983, 16), weshalb ihm durch die Massenmedien eine besondere Aufmerksamkeit zuteil werde, z.B. in Pressekonferenzen, aktuellen Situationsberichten oder Spielvorschauen. Auch das Thema Trainerwechsel, das durch die Aufmerksamkeitsregel „Krise“ ausgelöst wird, sei eine „Konstante im Fußballgeschäft“ (ebd.) und dementsprechend oft thematisiert[48]. Dabei werde in Zeiten des Misserfolgs der Ruf nach personellen Konsequenzen laut, die in erster Linie den Trainer betreffen, als dem zumeist „schwächste[n] Glied“ (ebd., 17) neben Spielern und Vorstand. Zudem werden „Spekulationen über mögliche Nachfolger“ (ebd.) in der Berichterstattung angestellt[49].

Der Trainer wird, das zeigt das Beispiel des Trainerwechsels, für den Erfolg bzw. Misserfolg seiner Mannschaft ganz allein verantwortlich gemacht (vgl. Bausenwein 1995, 469). Gerade Bundestrainer unterliegen einer „strengen Erfolgskontrolle“ (Haffner 1996, 6) und stets hohen Erwartungen[50]. Ihre Arbeit als Trainer im Spitzensport ist dabei vor allem durch den Code „Sieg-Niederlage“ bestimmt. Besonders heute im professionalisierten und kommerzialisierten Spitzenfußball, wo der Erfolg den bedeutendsten Wert darstellt, „ist das Handeln des Fußballtrainers auf das Ziel gerichtet, als Sieger aus dem Spiel hervorzugehen“ (Tokarski et al. 2002, 37). Bleibt der sportliche Erfolg aus bzw. werden die Erwartungen nicht erfüllt, folgt oft Kritik aus den Medien bzw. der Öffentlichkeit. Berti Vogts sei hier als Beispiel genannt:

„Vogts [...] sah sich nach dem Ausscheiden im WM-Viertelfinale gegen Kroatien [...] erneut heftigster Kritik ausgesetzt. [...] Kämpfertyp, der Vogts ist, setzte er auf einen Neuanfang, der aber [...] kümmerliche Vorstellungen brachte (2:1 gegen Malta, 1:1 gegen Rumänien). Der Druck der Medien war nun so gewachsen, daß [sic!] der Bundestrainer am 7.9.1998 seinen Rücktritt erklärte“ (Schulze-Marmeling et al. 1999, 474f.).

Auch Klinsmann stand als Bundestrainer oft in der Kritik. So z.B. nach der 1:4-Niederlage gegen Italien, der „schlimmste[n] Niederlage seit Jahren“ (Horeni 2006a, 1) für die deutsche Nationalelf, wie die „FAZ“ schreibt. „BILD“ geht hier sogar so weit, zu fragen, ob man „94 Tage vor einer WM den Trainer kippen [kann]?“ (Straten 2006, 11). Doch jeder Trainer geht mit Kritik anders um. Während Vogts keinen anderen Ausweg als den Rücktritt mehr sah, sprach Klinsmann nach dem Italienspiel seinerseits kritisch über die Medien[51]. War die Kritik von Klinsmann noch sachlich und in der Wortwahl durchdacht, so entlud sie sich bei Teamchef Rudi Völler in einer Wutrede[52].

Am Beispiel des Rücktritts von Berti Vogts wird der starke Einfluss der Medien auf die Trainerperson sowie dessen Position deutlich. Einerseits kann negative Kritik der Medien in Zeiten des Misserfolgs zu Trainerentlassungen führen (vgl. Zieschang et al. 1986, 30). Andererseits können Trainer bei Erfolg ihrer Mannschaft geradezu „heroisiert“ (Haffner 1996, 5) werden[53]. In dieser Diskrepanz liegt eine große Schwäche der journalistischen Kritik. Haffner bezeichnet das „Hochjubeln“ (Haffner 1996, 5) und „Runterreißen“[54] (ebd.) in diesem Zusammenhang als „verantwortungslos“ (ebd.). Denn die Journalisten beeinflussen mit ihrer Berichterstattung das Bild des Trainers in der Öffentlichkeit (vgl. Binnewies 1983, 121). Auch Zieschang et al. (1986) betonen, das positive oder negative Wertungen beim Publikum meinungsbildend wirken (vgl. Zieschang et al. 1986, 30). Weise hingegen konstatiert, dass Medien vorhandene Meinungen und Einstellungen beim Mediennutzer zwar bekräftigen, aber dennoch kaum verändern können[55] (vgl. Weise 1983, 18).

Insgesamt kann festgehalten werden, dass sich Trainer und Journalisten in einem Spannungsverhältnis befinden, was sich in ihren gegensätzlichen Interessen äußert. Auf der einen Seite muss der Journalist den eigenen Ansprüchen, möglichst objektiv und umfassend zu berichten (vgl. Donsbach 2003, 119ff), den Ansprüchen des Verlegers (wirtschaftliche Interessen) und den Ansprüchen der Rezipienten genügen. Er benötigt ständig neue Informationen und unterliegt dabei dem Selektionszwang, Zeitdruck sowie der Forderung nach Exklusivität und Unterhaltung (vgl. Baur 1983, 206). Besonders das zahlreiche Publikum des Spitzensports fordert vom Journalisten neben der reinen Leistungsdarstellung, auch die unterhaltende Berichterstattung von Hintergrundinformationen ein (vgl. ebd., 13). Ein Trainer gilt für diese Zwecke als kompetenter Gesprächspartner, der als Fachmann und Experte die „Begleitumstände einer sportlichen Leistung in seinem Tätigkeitsbereich am besten kennt“ (ebd., 25). Bei der unterhaltenden Darstellung geht jedoch ein Stück weit Objektivität verloren (vgl. ebd., 11). Diese Objektivität muss der Journalist auch in Bezug auf den Trainer wahren, für den aber wiederum ein positives Image in der Öffentlichkeit von Bedeutung ist (vgl. ebd.). Um der „Gefahr der Kumpanei“ (Väth 1994, 185) sowie der „´Hofberichterstattung´“ (Wipper 2003, 142) zu entgehen, muss der Journalist trotz des Unterhaltungsanspruchs seine Unabhängigkeit bewahren. Denn auch Kritik an schlechten Spielen sowie das Aufzeigen von Krisen oder Streitigkeiten gehört zur Berichterstattung dazu (vgl. Väth 1994, 185). Das Verhältnis ist also paradox. Trotz gegenseitiger Interessen (Journalist muss objektiv sein, Trainer fordert und benötigt jedoch durchweg positive Berichterstattung für sein Image in der Öffentlichkeit[56] ) sind „beide Seiten […] aufeinander angewiesen [und] teilweise abhängig voneinander“ (Gerisch 1996, 125).

6. Das Untersuchungsmaterial

In diesem Kapitel wird das Untersuchungsmaterial genauer dargestellt. Hierzu werden Begriff, Merkmale, Typisierung sowie die Aufgabe und Funktion von Zeitungen und Zeitschriften herausgearbeitet. Des Weiteren soll die Angebotssituation auf beiden Pressemärkten, sowohl auf dem Zeitungs- als auch auf dem Zeitschriftenmarkt, kurz erläutert und mit Hilfe von Zahlen belegt werden. Anschließend werden alle untersuchten Printmedien im Einzelnen vorgestellt, wobei nicht nur die Geschichte, sondern auch das jeweilige Selbstverständnis der Zeitungen bzw. Zeitschrift eine Rolle spielen.

6.1. Die Zeitung

6.1.1. Begriff und Merkmale

Die sprachgeschichtliche Wurzel des Begriffs „Zeitung“ stammt aus dem 13. Jahrhundert vom angelsächsischen Wort „tidan“ und heißt übersetzt „sich in der Zeit ereignen“ (vgl. Schaffrath 2000, 433). In Deutschland trat der Begriff „Zeitung“ erstmals im 14. Jahrhundert in der kölnisch-flämischen Handelssphäre unter dem Wort „zidinge“ bzw. „zidunge“ auf, (vgl. Wilke 2003b, 461) was auf das mittelniederdeutsch-niederländische „tidinge“ für Botschaft oder Nachricht zurückzuführen ist (vgl. Straßner 1999, 1). Demnach bedeutete der Begriff „Zeitung“ ursprünglich „Botschaft, Kunde oder Nachricht von einem Ereignis in der Gegenwart“ (Schaffrath 2000, 433).

Dies sind nur wenige Beispiele aus der Literatur, die versuchen, den Zeitungsbegriff einzuordnen. Auf Grund der Vielzahl der vorhandenen Begriffsdefinitionen konstatiert Dovifat: „´Es gibt mehr als hundert Begriffsbestimmungen der Zeitung. Je erschöpfender sie sind, umso unverständlicher werden sie´“ (Dovifat 1976; zit. in Schaffrath 2000, 433).

Auch wenn keine einheitliche Definition über die Bedeutung des Wortes „Zeitung“ vorliegt, wird das Printprodukt, hier im speziellen die Tageszeitung, gegenüber anderen Medien durch vier spezifische Merkmale abgegrenzt. Diese Merkmale werden in der Literatur kongruent behandelt (vgl. Pürer et al. 1996, 24f.; Straßner 1999, 5; Schaffrath 2000, 433 sowie Wilke 2003b, 460):

- Publizität, d.h. die Zeitung ist in ihrem jeweiligen Verbreitungsgebiet öffentlich und allgemein zugänglich (vgl. Schaffrath 2000, 433). Gerade bei Lokal- und Regionalzeitungen sind der Publizität zwar räumliche und vertriebsbedingte Grenzen gesetzt, dennoch ist „das Grundrecht des einzelnen auf Information gewährleistet“ (Pürer et al. 1996, 25).
- Aktualität, d.h. die Zeitung bezieht sich auf die Gegenwart, beeinflusst diese und hat neues bzw. gegenwärtig wichtiges zum Thema (vgl. Wilke 2003b, 460). Beim Begriff der Aktualität steht besonders der zeitliche Aspekt im Vordergrund. Dahingehend vermittelt die Tageszeitung als aktuellstes Produkt unter den Printmedien werktäglich das jüngste Gegenwartsgeschehen (vgl. Pürer et al. 1996, 24).
- Periodizität: Dieses Merkmal gilt als das „Kardinalkriterium“ (Straßner 1999, 5) der Zeitung. Periodizität meint, dass das Printmedium regelmäßig und kontinuierlich erscheint (vgl. ebd., 5). Für die Tageszeitung gilt hier, dass sie mindestens zweimal pro Woche publiziert wird (vgl. Schaffrath 2000, 434).
- Universalität, d.h. in ihr kommen Themen aller Art vor (vgl. ebd., 433). Die Zeitung schließt kein Thema aus (vgl. Wilke 2003b, 460) und deckt somit ein „möglichst breite[s] Spektrum der Berichterstattung“ (Straßner 1999, 5) ab.

Die genannten spezifischen Zeitungsmerkmale bringt Dovifat in einer kurzen und sehr treffenden Definition unter. Er sagt, dass die „´Zeitung […] jüngstes Gegenwartsgeschehen in kürzester regelmäßiger Folge der breitesten Öffentlichkeit [vermittelt]´“ (Dovifat 1976; zit. in Schaffrath 2000, 433).

Zu den vier klassischen Kriterien kommen zudem noch zwei weitere zeitungsspezifische Merkmale hinzu, die jedoch auf die anderen Medien Hörfunk und Fernsehen nicht zutreffen und im digitalen Zeitalter des Internets an Trennschärfe verloren haben:

- Disponibilität, d.h. die Zeitung ist ortsunabhängig und jederzeit frei verfügbar.
- Die Zeitung als Printmedium ist fixiert in Schrift und Druck (vgl. Schaffrath 2000, 433; auch Mast 2004, 19).

Demnach trifft das Merkmal Disponibilität auf „online“ abrufbare Zeitungen bzw. Informationen mehr denn je zu. Hörfunk-, Fernseh- und Online-Produkte weisen zudem, im Gegensatz zur gedruckten Variante auf Papier, keine Fixierung durch den Druck auf.

6.1.2. Typisierung der Zeitung

Nach den Merkmalen der Aktualität und Periodizität wird die Zeitung in Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen unterteilt. Während Tageszeitungen dem Namen nach tagesaktuell berichten, publizieren Wochenzeitungen mehr Hintergrundinformationen sowie Kommentare und ordnen Themen in Zusammenhänge ein (vgl. Schaffrath 2000, 434). Sonntagszeitungen besitzen eine Sonderstellung auf dem Zeitungsmarkt (vgl. Mast 2004, 209). Auf Grund der wöchentlich einmaligen Erscheinungsweise sind sie eher den Wochenzeitungen zuzuordnen. Indem sie sonntags tagesaktuell berichten, füllen sie die Lücke, die durch die Tageszeitung an diesem Tag entsteht (vgl. Meyn 2001, 107).

Ein weiteres Unterscheidungskriterium ergibt sich nach dem Merkmal der Publizität bzw. dem Verbreitungsgebiet, wobei es lokale, regionale und überregionale bzw. nationale Zeitungen gibt. Die meisten Zeitungen werden dabei in einem kleinen, begrenzten Gebiet abgesetzt (Regional-/Lokalzeitungen), einige wenige Blätter sind mit dem größten Teil der Auflage in ganz Deutschland verbreitet (überregionale bzw. nationale Zeitungen) (vgl. Wilke 2003a, 433).

Innerhalb der Vertriebsform sind Abonnementzeitungen von Straßenverkaufszeitungen zu trennen (vgl. Schaffrath 2000, 434f.). Wer eine Zeitung im Abonnement bezieht, ist für einen bestimmten Zeitraum zum Kauf dieser Zeitung verpflichtet. Dahingegen sind Straßenverkaufszeitungen bzw. die Boulevardpresse nur im Einzelverkauf zu bekommen (vgl. Wilke 2003a, 433). Innerhalb der Gattung der Tageszeitungen beispielsweise gehören die meisten Ausgaben zu den Abonnementzeitungen. 97 Prozent der tagesaktuellen Printmedien werden verpflichtend bereitgestellt (vgl. Straßner 1999, 18), wobei der Rest im Einzelverkauf abgesetzt wird (vgl. Wilke 2003a, 433). Auf Grund des geringen Marktanteils setzen Straßenverkaufszeitungen auf dick gedruckte Schlagzeilen, viele Fotos und Sensationsmache in politischen, gesellschaftlichen oder kriminalistischen Themen. Die Unterschiede zu den Abonnementzeitungen in Aufmachung und Inhalt dienen dazu, aufzufallen und damit verkauft zu werden (vgl. Straßner 1999, 18).

Die bisher genannten Unterscheidungsmerkmale schließen sich jedoch nicht gegenseitig aus, sondern sind kombinierbar: Es existieren nicht nur lokale/regionale Abonnementzeitungen und lokale/regionale Straßenverkaufszeitungen, sondern auch überregionale Abonnementzeitungen sowie überregionale Straßenverkaufszeitungen (vgl. Wilke 2003a, 433). Außerdem werden neben den Tageszeitungen auch die Wochen- und Sonntagszeitungen sowohl im Abonnement als auch im Straßenverkauf verbreitet (Straßner 1999, 19).

Eine weitere Einteilung erfährt die Zeitung nach dem Merkmal der Universalität. Das breite Spektrum der Berichterstattung wird durch die klassischen Ressorts Politik, Wirtschaft, Feuilleton, Lokales und Sport abgedeckt. Außerdem kristallisieren sich weitere Themenschwerpunkte heraus, wie z.B. Reise, Auto und Verkehr oder eigenständige Medienressorts, die u.a. das aktuelle Fernsehprogramm beinhalten (vgl. Schaffrath 2000, 435).

Als eigenständigen Zeitungstypus haben sich die Anzeigenblätter herausgebildet (vgl. Straßner 1999, 19). Bei ihnen handelt es sich um „periodisch, überwiegend einmal wöchentlich erscheinende Druckwerke, die unentgeltlich und unbestellt verbreitet werden“ (Wilke 2003a, 439). Sie enthalten nicht nur lokale Geschäftsanzeigen und private Kleinanzeigen, sondern beinhalten auch einen – zumeist auf das lokale Geschehen bezogenen – Textteil. Anzeigenblätter besitzen eine Vielzahl an Titeln und eine hohe Gesamtauflage. So erschienen Anfang 2001 mehr als 1300 Ausgaben mit einer Gesamtauflage von 90,7 Mio. Exemplaren. Trotz ihrer hohen Zahl tragen sie mit ihrer geringen journalistischen Leistung kaum zur publizistischen Vielfalt bei (vgl. Wilke 2003a, 440).

6.1.3. Aufgabe und Funktion der Zeitung

Zeitungen sollen so sachlich, verständlich und vollständig wie möglich informieren, damit der Leser das Geschehen in der Öffentlichkeit kritisch wahrnimmt, eigene Interessen ausbildet und politische Zusammenhänge versteht (vgl. Meyn 2001, 34). Zu den Hauptaufgaben der Zeitung, die auch den Massenmedien im Allgemeinen zugeschrieben werden, zählt Meyn Information, Mitwirkung an der Meinungsbildung, Kontrolle und Kritik, Unterhaltung und Bildung.

Die Zeitung bietet die Möglichkeit, den Menschen Themen oder Konflikte erst bewusst zu machen, Öffentlichkeit herzustellen und selbst Stellung zu beziehen (vgl. ebd., 33f.). Indem sie die Leser informiert, setzt die Zeitung ihre Rezipienten über bestimmte Themen in Kenntnis, gibt Auskunft, berichtet und orientiert (vgl. Straßner 1999, 22). Ferner leistet das Printmedium eine Integrationsfunktion des Einzelnen in eine großräumig gewordene Gesellschaft. Heutzutage reicht die direkte Kommunikation nicht mehr aus, wodurch Menschen auf die Tageszeitung angewiesen sind, um miteinander ins Gespräch zu kommen (vgl. Meyn 2001, 34).

„Das gesamte Geschehen ihrer Umwelt erschließt sich den Bürgern über die Tageszeitung. Ihre interpersonale, die Gruppenkommunikation, die Nutzung anderer Medien, alles wird von der Lektüre der Zeitung beeinflusst […] Das Fehlen des Stimulus Zeitung ließe die Kommunikation wie das aktive Leben insgesamt erlahmen. Gäbe es keinen Themen-Input über die Zeitung, würde über das Neue, neu Hinzukommende nicht geredet werden“ (Straßner 1999, 23).

Demzufolge fördert die Zeitung nicht nur die Kommunikation der Menschen untereinander, sondern legt mit ihren publizierten Themen auch fest, worüber geredet wird. Die durch die Zeitung vermittelten aktuellen Informationen helfen den Lesern zudem, ihr Wissen zu erweitern, sich eine eigene Meinung zu bilden, Dinge einzuordnen und zu beurteilen sowie Entscheidungen zu treffen (vgl. Straßner 1999, 25).

Eine weitere Funktion erfüllt die Zeitung durch Kontrolle und Kritik. Auf Grund der in der Verfassung verankerten Pressefreiheit[57] besitzen die Medien ein uneingeschränktes Recht auf Kritik, solange diese nicht den Persönlichkeitsschutz verletzt oder die durch das Strafrecht festgelegten Grenzen übertritt (vgl. Straßner 1999, 24). Ihre Kontrollfunktion erfüllt sie, indem u.a. Missstände oder Skandale von Regierung, Parlament oder anderen Institutionen aufgedeckt werden. Auch die Kritik an Personen des öffentlichen Lebens, wie z.B. Politiker, ist gestattet (vgl. Meyn 2001, 37).

6.1.4. Der Zeitungsmarkt in Deutschland

Trotz Konkurrenz durch die elektronischen Medien Hörfunk, Fernsehen und Internet konnte sich die Zeitung als „das älteste Massemedium, […] glorreich gegen alle folgende behaupten“ (Straßner 2000, 18). Während 1954 insgesamt 1500 Zeitungsausgaben erschienen, waren es im Jahr 2002 sogar 1567 Ausgaben. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die verkaufte Auflage von 13 Millionen auf rund 30 Millionen wovon 23,2 Mio. auf Tageszeitungen, 4,5 Mio. auf Sonntagszeitungen und 1,8 Mio. auf Wochenzeitungen fielen (vgl. Mast 2004, 16).

Dennoch ist eine fortschreitende Konzentration des Pressemarktes zu verzeichnen. Nicht nur die Zahl der Vollredaktionen[58], sondern auch die Anzahl an Zeitungsverlagen halbierte sich seit den 1950er Jahren nahezu. Im Jahr 2002 gab es noch 135 Vollredaktionen in Gesamtdeutschland, die für 349 Zeitungsverlage tätig waren. Innerhalb dieser Zeitungsverlage existiert eine Konzentration auf fünf große Tageszeitungsverleger, wobei der Axel Springer Verlag den Markt der Straßenverkaufszeitungen – allen voran der „BILD-Zeitung“ - anführt (vgl. Schaffrath 2000, 444).

Die deutsche Tagespresse ist in besonderem Maße von einer Titelvielzahl der lokal und regional verbreiteten Zeitungen gekennzeichnet. Von 369 verschiedenen Tageszeitungen im Jahr 1997 fielen 354 auf lokale und regionale Abonnementzeitungen (vgl. ebd., 442).

Führend bei den Regionalzeitungen ist heute die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ mit 935.550 verkauften Exemplaren. Zur Tagespresse zählen zudem derzeit zehn überregional verbreitete Blätter. Hier gilt die „Süddeutsche Zeitung“ mit einer verkauften Auflage von 444.974 als die wichtigste, vor der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ mit 365.484 Exemplaren. Ebenfalls zu den Tageszeitungen gehören neun Straßenverkaufszeitungen, wobei „BILD“ mit 3.439.352 Exemplaren eine absolute Sonderstellung einnimmt, auch wenn die Auflagenzahlen leicht rückläufig sind. Neben der „BILD“ sind noch der Kölner „Express“ (231.000) und die „Berliner B.Z.“ (184.491) wichtige Boulevardblätter.

[...]


[1] Rudi Völler war vom 2. Juli 2000 bis zum 24. Juni 2004 Teamchef der Nationalmannschaft (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fballbundestrainer). Er führte die Nationalelf im Jahr 2002 zur Vize-Weltmeisterschaft (vgl. Kühne-Hellmessen 2005, 567).

[2] Zur Trainersuche vgl. Punkt 7.4.

[3] Jürgen Klinsmann erzielte in seiner Spielerkarriere unter anderem (u.a.) 47 Tore in 108 Länderspielen sowie 110 Tore in 221 Bundesligaspielen für den VFB Stuttgart (1984-1989) und den FC Bayern München (1995-1997). Sein größter Erfolg war der Gewinn der Weltmeisterschaft 1990 in Italien (vgl. www.klinsmann.us).

[4] So zum Beispiel (z.B.) Udo Lattek („Ich finde es […] riskant, dass […] jemand an die Spitze kommt, der noch nie eine Mannschaft geführt hat“; Wild 2004a, 2) oder Jupp Heynckes, der „Klinsmanns geringe Erfahrung“ (Wild 2004b, 23) monierte.

[5] Das Führungstrio der Nationalelf bildeten neben Klinsmann noch Assistenztrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff (vgl. Punkt 7.4.).

[6] Die Änderungen bzw. Reformen sowie Neuerungen Klinsmanns werden in Punkt 7.4. ausführlich dargestellt.

[7] Zu den vorherigen Cheftrainern gehören der Reihe nach Otto Nerz (1926-1936), Sepp Herberger (1936-1964), Helmut Schön (1964-1978), Jupp Derwall (1978-1984), Franz Beckenbauer (1984-1990), Berti Vogts (1990-1998), Erich Ribbeck (1998-2000) und Rudi Völler (2000-2004) (vgl. Kühne-Hellmessen 2005, 552ff).

[8] „ID“ bedeutet Internetdokument. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird bei Internetquellen mit Autorenangabe nur der Autor und das Jahr angegeben. Die vollständige Internetadresse wird im Literaturverzeichnis unter „Internetdokumente“ aufgeführt. Internetquellen ohne Autor werden hingegen vollständig in den Fließtext eingebaut.

[9] Vgl. Punkt 3.

[10] „BILD“ hatte bis zur Ernennung Klinsmanns zum Bundestrainer in der „Nationalmannschaft immer laut mitgeredet“ (Fritsch 2006a, 175). So z.B. bei der Ernennung Franz Beckenbauers zum Teamchef 1984 oder der Nominierung von Lothar Matthäus (heute „Sport-BILD“ - Kolumnist) bei der Europameisterschaft 2000 (vgl. Fritsch 2006a, 175).

[11] Vgl. Punkt 2.2.

[12] Vgl. hierzu Punkt 3.

[13] Der Bekanntheitsgrad der deutschen Nationalmannschaft liegt nach einer Studie der Vermarktungs-Agentur SPORTFIVE im Jahr 2002 unter den Fußball-Interessierten in Deutschland bei 100 Prozent (vgl. Horky 2003, 7).

[14] „BILD” ist eine täglich erscheinende nationale Straßenverkaufszeitung. Die „FAZ” gehört zu den überregionalen Abonnementzeitungen und wird täglich publiziert. Die „HAZ“ gilt als regionale Abonnementzeitung mit ebenfalls täglicher Erscheinungsweise. Der „Kicker“ gehört als Medientyp Zeitschrift zu den national verbreiteten Printmedien und erscheint zweimal wöchentlich.

[15] Nähere Informationen zur Inhaltsanalyse vgl. Punkt 7.3.

[16] Vgl. hierzu die Arbeit von Schulze (2001).

[17] Vgl. hierzu die Arbeiten von Wipper (2003), Daalmann (1998) und Laaser (1980).

[18] Vgl. Punkt 4.

[19] Eine Unterscheidung zwischen den Begriffen Zeitung und Zeitschrift wird in Punkt 6 gegeben.

[20] Zu den Massensportarten zählt Fischer (1993) u.a. den Fußball, dessen Bedeutung als gesellschaftliches Massenphänomen im Punkt 3. noch genauer untersucht wird.

[21] Die erste periodisch erscheinende Zeitung erschien 1609 unter dem Titel „Aviso“ in Wolfenbüttel. Deutschland gilt daher auch als das „Ursprungsland der Zeitung“ (Schaffrath 2000, 436). Schon am Ende des 15. Jahrhunderts gab es mit der Ausbreitung der Drucktechnik so genannte Einblattdrucke sowie Flugblätter und Flugschriften, die nicht periodisch erschienen und verschiedene Meldungen auf einem Blatt enthielten (vgl. ebd.).

[22] Heinemann konstatiert, dass die Printmedien entscheidend zur „Verbreitung des Sportinteresses“ (Heinemann 1988, 148) beigetragen haben. Auch Schwier bekräftigt, dass regionale und überregionale Zeitungen mitbestimmend für die „Verankerung des Sports im öffentlichen Bewusstsein moderner Gesellschaften gewesen“ (Schwier 2000, 96) sind.

[23] Zur Bedeutung der Nachrichtenagenturen für die Sportberichterstattung in den Medien vgl. Punkt 8.1.5.1.

[24] Rundfunk bezeichnet „die für die Allgemeinheit bestimmte Veranstaltung und Verbreitung von Darbietungen aller Art in Wort, in Ton und in Bild unter Benutzung elektrischer Schwingungen ohne Verbindungsleitung oder längs oder mittels eines Leiters. Der Begriff schließt Darbietungen ein, die verschlüsselt verbreitet werden oder gegen besonderes Entgelt empfangbar sind. […] Im rechtlichen und im wissenschaftlichen Sprachverständnis versteht man unter Rundfunk heute Hörfunk und Fernsehen. [...] Neben dem Begriff Hörfunk hat sich im deutschen Sprachgebrauch auch das aus dem Englischen stammende Radio eingebürgert“ (Mathes/Donsbach 2003, 546f.).

[25] Die ARD entstand bereits 1950 als sich alle Landesrundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland zur Arbeitsgemeinschaft öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) zusammenschlossen. Seit Weihnachten 1952 verbreitete der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR), als eine der zur ARD gehörenden Landesrundfunkanstalten, in seinem Sendegebiet einen täglichen Fernsehprogrammdienst (vgl. Mathes/Donsbach 2003, 555).

[26] Zu den öffentlich-rechtlichen Fernsehanbietern gehören neben der ARD und dem ZDF die Dritten Fernsehprogramme, u.a. der Hessische Rundfunk (HR), der Westdeutsche Rundfunk (WDR) und der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) (vgl. Mathes Donsbach 2003, 565).

[27] Dazu gehören z.B. RTL und SAT1.

[28] Im Vergleich dazu hat sich das Angebot im Hörfunk durch das duale Rundfunksystem noch dynamischer entwickelt. Mit bundesweit 246 Programmen, davon 59 öffentlich-rechtliche und 181 private Hörfunkprogramme, ist die Anzahl der Anbieter etwa 20 Mal größer als Mitte der 1980er Jahre (vgl. Mathes/Donsbach 2003, 578ff).

[29] Neben der eigentlichen Berichterstattung wurde der Sport dabei in ein unterhaltendes Rahmenprogramm eingebettet (vgl. Blödorn 1988, 102). Bspw. dauerte die Übertragung des Fußball-Länderspiels zwischen Deutschland und England vom Oktober 2000 alles in allem 240 Minuten (vgl. Gleich 2001, 169f.).

[30] Eurosport ist ein Gemeinschaftsunternehmen, das aus 16 Sendern der European Broadcasting Union (EBU) besteht. Das DSF ging 1993 aus dem Vollprogramm Tele 5 hervor (vgl. Burk et al. 2002, 103).

[31] Information und Unterhaltung gehören zu den Hauptaufgaben der Massenmedien. Vgl. hierzu Punkt 6.1.3.

[32] So werden bspw. mit der Übertragung von Fußball-Weltmeisterschaftsspielen die höchsten Reichweiten erzielt. Das letztjährige WM-Halbfinalspiel zwischen Deutschland und Italien im ZDF sahen 29,66 Mio. Zuschauer, was einem Marktanteil von 84,1 Prozent entspricht. Dies war die „höchste je in Deutschland seit Einführung der Personenreichweite 1975/76 gemessene Fernsehreichweite“ (Geese et al. 2006, 454). Im Vergleich dazu sahen das Finale zwischen Italien und Frankreich in der ARD 25,88 Mio. (72,3 Prozent Marktanteil) Zuschauer. Dieses Spiel war damit das meist gesehene WM-Endspiel ohne deutsche Beteiligung (vgl. ebd.).

[33] Bspw. erwarben ARD und ZDF die Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga im Jahr 1987 noch für 18 Millionen DM. Für den Zeitraum von der Saison 2000/2001 bis 2003/2004 wurden „KirchMedia“ für insgesamt drei Milliarden DM die Übertragungsrechte zugesprochen (vgl. Burk et al. 2002, 114).

[34] Public Schools wurden Internate in ländlichen Gegenden in England genannt (vgl. Eisenberg 2000, 62).

[35] Der Begriff Professionalisierung meint einerseits, dass Spieler ihren Lebensunterhalt komplett aus den Einnahmen ihres Hauptberufs Fußball bestreiten und andererseits, dass Vereine als Wirtschaftsunternehmen auftreten, indem sie z.B. Angestellte beschäftigen, die sich um Einnahmen und Ausgaben aus dem Fußballgeschäft kümmern (vgl. Mikos 2002, 36).

[36] Der DFB wurde am 28. Januar 1900 in Leipzig gegründet (vgl. Daalmann 1998, 46). Bausenwein bezeichnet ihn als „der Welt stärkster Fußballverband“ (Bausenwein 1995, 16).

[37] Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ging am 20. Mai 2006 aus einer Vereinigung des Deutschen Sportbundes (DSB) mit dem Nationalen Olympischen Komitee für Deutschland (NOK) hervor

und zählt ca. 27 Millionen Mitglieder sowie 89.000 Vereine (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Olympischer_Sportbund).

[38] Die Grundgesamtheit dieser Studie stellt die deutsche Gesamtbevölkerung ab 14 Jahre dar. Dies sind 64,43 Mio. Menschen (vgl. SPORTFIVE GmbH 2004, 9).

[39] Vgl. hierzu Weiß (2004; s. Literaturverzeichnis) sowie Schulze (2004): Fußball – Ambivalenzen einer populären Sportart. In: Jütting, D. H. (Hrsg.): Die lokal-globale Fußballkultur – wissenschaftlich beobachtet. Münster [u.a.]: Waxmann. S. 181-193.

[40] Vgl. Punkt 2.2.

[41] Grundgesamtheit der UFA Fußballstudie bildete die deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren, insgesamt 63,25 Mio. Personen. Die Untersuchung wurde durchgeführt vom 13. Oktober 1997 bis 20. November 1997 (vgl. UFA Sports GmbH 1998, S. 294f.)

[42] Die Nachrichtenfaktoren sind: Frequenz, Schwellenfaktor, Eindeutigkeit, Bedeutsamkeit, Konsonanz, Überraschung, Kontinuität, Variation, Bezug auf Elite-Nationen, Bezug auf Elite-Personen, Personalisierung und Negativismus. Ihre Funktion besteht darin, eine Nachricht interessant zu machen (vgl. Horky 2001, 33). Ereignisse mit stark ausgeprägten Nachrichtenfaktoren haben dabei die größte Chance, in die Berichterstattung aufgenommen zu werden (vgl. Schulz 2003b, 356).

[43] Vgl. Punkt 3.

[44] Dieser Sachverhalt wird in der medien- und kommunikationswissenschaftlichen Wirkungsforschung als Agenda Setting – Ansatz beschrieben. Dieser besagt, dass die Massenmedien mit ihrer Berichterstattung eine Tagesordnung von Themen vorgeben, indem sie über bestimmte Themen zu einem gewissen Zeitpunkt viel und über andere wenig berichten. Damit stellen sie eine Agenda, d.h. Rangordnung von Themen auf (vgl. Jarren et al. 2001, 360). Die Rezipienten halten damit genau die Themen für wichtig, die in den Medien behandelt werden (vgl. Meyn 2001, 38).

[45] Auch diese Arbeit soll anhand der formalen Kriterien Umfang, Aufmachung und Platzierung die Bedeutung aufzeigen, die dem Bundestrainer Klinsmann in der Berichterstattung zuteil wird.

[46] Vgl. folgendes Kapitel.

[47] Synonym für das Wort “Aufmerksamkeitsregel“ steht der Begriff „Nachrichtenfaktor“.

[48] Aktuelles Beispiel eines Trainerwechsels ist die Entlassung von Felix Magath beim FC Bayern München (FCB). „Wir [müssen] die aktuellen Entwicklungen sehen und darauf reagieren. Die Sorge um die Qualifikation für die Champions League in der kommenden Saison hat uns zu der Entscheidung veranlasst“ (Mesch et al. 2006, ID), sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge zur Trennung von Magath. Magath musste nach mehreren schwachen Leistungen des FCB in der laufenden Bundesligasaison seinen Platz an Ottmar Hitzfeld abgeben (vgl. ebd.).

[49] Das zeigt sich auch im untersuchten Fall Klinsmann, dessen Amtsantritt eine gut vierwöchige Trainersuche vorausging, in der mehrere Kandidaten als Nachfolger von Rudi Völler gehandelt wurden. Vgl. Punkt 7.4.

[50] Vgl. Punkt 3. Klinsmann steigerte die hohen Erwartungen noch, indem er den Gewinn des WM-Titels als Ziel seiner Arbeit vorgab.

[51] „Was sich […] abgespielt hat, war teilweise unter der Respektsgrenze von einigen Medien. […] Viele dieser Einwürfe […] hatten mit dem Spiel in Italien überhaupt nichts mehr zu tun. Da wird Politik gegen einen gemacht, die zu weit geht und respektlos ist […]“ (Horeni 2006b, 35).

[52] Die Wutrede entstand, nach dem die ARD-Experten Gerhard Delling und Günter Netzer im Anschluss an das EM-Qualifikationsspiel gegen Island (6.09.2003) wiederholt Kritik an der Spielweise der deutschen Mannschaft äußerten (vgl. http://sport.ard.de/sp/fussball/news200309/08/wutrede_archiv.jhtml).

[53] Bspw. wurde Rudi Völler kurz nach Beginn seiner Amtszeit als Bundestrainer im Jahr 2000 nach den ersten drei gewonnenen Spielen als „Rudi Riese“ (Gertz 2000, ID) bezeichnet.

[54] Die Diskrepanz wird am Beispiel Klinsmann deutlich. Nach dem Konföderationen Pokal 2005 lobt „Die Welt“, dass Klinsmann der Nationalelf, und damit auch ganz Deutschland, neue Tugenden – Optimismus, Eigenverantwortung, Selbstbewusstsein – eingeimpft habe. Doch nach einigen schlechten Testspielen im Herbst schwingt die Stimmung gegen Klinsmann um, indem wiederholt die Wohnsitzdebatte (auch Thema dieser Arbeit) gestartet wird (vgl. Fritsch 2006a, 174f.).

[55] Die Wirkung der Berichterstattung über Klinsmann auf den Rezipienten kann im Rahmen dieser Arbeit nicht untersucht werden, da sich die Untersuchung - wie eingangs erwähnt - im Feld der Aussagenforschung verorten lässt. Fragen zur Wirkung der Massenmedien auf die Rezipienten beantwortet die Wirkungsforschung. Vgl. hierzu Schauerte (2002b) sowie Schenk (2002).

[56] So kann bspw. eine negative Berichterstattung zu einem Imageverlust führen, wodurch wiederum der ´branchenübliche´ Mechanismus“ (Gerisch 1996, 126) einsetzt und der Trainer entlassen wird (vgl. ebd.).

[57] 1949 wurde das Grundrecht auf Pressefreiheit in Artikel fünf des Grundgesetztes verfassungsrechtlich verankert. Der Artikel besagt: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten“ (Mast 2004, 133; auch Risse 1990, 73).

[58] Als Vollredaktionen, auch publizistische Einheiten genannt, gelten Zeitungsverlage, deren jeweilige Ausgaben in ihrem politischen Teil bzw. Zeitungsmantel übereinstimmen. Dabei ist es gleich, ob sich der sonstige Inhalt oder die Titel der einzelnen Blätter voneinander unterscheiden (vgl. Wilke 2003a, 425).

Details

Seiten
159
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638741354
ISBN (Buch)
9783638845052
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v77075
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,7
Schlagworte
Fußballnationaltrainer Jürgen Klinsmann Arbeit Fokus Presse

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Titel: Fußballnationaltrainer Jürgen Klinsmann auf dem Weg zur WM 2006. Seine Arbeit im Fokus der deutschen Presse