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Die Dame bei Morungen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 16 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Hauptteil
B.1. Überblick über die zu untersuchenden Lieder
B.1.1. Lied I (122,1-123,9)
B.1.2. Lied V (126,8-126,39)
B.1.3. Lied XVII (136,1-136,24)
B.1.4. Lied XXV (140,32-141,14)
B.1.5. Lied XXX (143,22-144,16)
B.1.6. Lied XXXIV (147,4-147,16)
B.2. Fragenkatalog
B.2.1. Die Frage nach der Begrifflichkeit
B.2.2. Mit welchen Attributen belegt Morungen die Dame?
B.2.3. Gibt es im Text Hinweise auf einen möglichen Ehestand der Dame?
B.2.4. Gibt es Hinweise auf eine mögliche Standesdifferenz zwischen Minnesänger und Minneherrin?
B.2.5. Wie verhält sich die Minneherrin dem Sänger gegenüber?

Schluss

A. EINLEITUNG:

Heinrich von Morungen gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des klassischen Minnesangs. Er lebte vermutlich um 1200 und ist in den ostmitteldeutschen Raum einzuordnen. Er wird gemeinhin mit der Burg Morungen bei Sangershausen in Thüringen in Verbindung gebracht. Morungen gehörte dem Ministerialadel an und es lassen sich Beziehungen zum Stauferhof sowie zum Meißner Hof vermuten[1].

115 Strophen in 35 Tönen sind von ihm überliefert, die meisten finden sich in der großen Heidelberger Liederhandschrift. Vielfach wurde eine thematische oder chronologische Ordnung dieser Texte angestrebt, die jedoch bis heute nicht abschließend bzw. verbindlich erfolgt ist.

Heinrich von Morungen wird der dritten Phase des Minnesangs zugeordnet, die auf 1190 – 1210/20 datiert wird. Sie gilt zudem als zweite Hochphase. Charakteristikum dieses Abschnitts ist die aufkeimende Individualität der einzelnen Dichter. Morungen wird in der Forschungsliteratur aufgrund seiner Bildlichkeit der Sprache und der absoluten Überhöhung der Dame eine besondere Stellung im Rahmen des Hohen Minnesangs zugeschrieben. Eine gewisse Idealisierung der Dame ist im Minnesang zwar durchaus üblich, jedoch spitzt Morungen diese eindeutig zu.

Tervooren hebt die besondere Bedeutung der Dame für das Werk Heinrichs von Morungen ganz klar hervor:

„Die fast monomanische Zentrierung des lyrischen Ichs auf die Minneherrin sowie seine als existenziell empfundene Abhängigkeit von ihr ist das ausschließliche Thema seiner Lieder.“[2]

Ich werde nun im Folgenden untersuchen, welchen Stellenwert die Dame in dem Werk Morungens hat und wie er sie darstellt. Dies möchte ich anhand einiger Lieder, die meiner Meinung nach die wichtigsten Merkmale dieser Darstellung abbilden, erläutern.

B. HAUPTTEIL:

Im Folgenden werde ich die Lieder I (122,1-123,9)[3], V (126,8-126,39), XVII (136,1-136,24), XXV (140,32-141,14), XXX (143,22-144,16) und XXXIV (147,4-147,16) kurz vorstellen und anhand eines eigens zusammengestellten Fragenkatalogs versuchen, die Bedeutung der Dame bei Morungen in genau diesen Liedern zu skizzieren. Ich werde untersuchen, ob man grundlegende Charakteristika in Bezug auf die Darstellung der Dame in diesen Liedern finden kann und welche Bedeutung dies für das Werk Morungens hat.

Bevor ich mit der näheren Untersuchung der Lieder beginne, möchte ich noch einen zentralen Bestandteil der Dichtung der Hohen Minne festhalten. Die Dame, die besungen wird, existiert nie in der realen Welt. Sie ist nur die Idee einer Frau, d.h.

„[d]ie frouwe ist als literarisches Motiv und als Exempelfigur weniger Idealisierung bestimmter historischer Personen, als vielmehr Hypostasierung einer Idee, der Idee des Weiblichen.“[4]

Vermutungen, Heinrich von Morungen habe in Lied I Beatrix von Burgund, die Gemahlin Friedrichs II., besungen[5], sind nie belegt worden. Gemeinhin gilt, dass, je unspezifischer der Inhalt eines Liedes blieb, das Identifikationsangebot für die Zielgruppe umso höher war.

B.1. Überblick über die zu untersuchenden Lieder

B.1.1. Lied I (122,1-123,9)

Dieses Lied gilt als eines der wenigen Lieder, auf die die Bezeichnung Preislied oder Frauenpreis tatsächlich zutrifft. Morungen hat es nach romanischem Vorbild gestaltet. Das zentrale Thema ist die absolute Überhöhung der Frau. Diese erreicht Morungen hier durch eine erstmalige Würdigung der körperlichen Schönheit der Frau.

Die Echtheit der dritten Strophe wird vielfach bezweifelt[6], u.a. da „ […] das Lob des Mundes und vor allem der Zähne der Minnedame im gegebenen Kontext als unpassend empfunden wurde.“[7].

B.1.2. Lied V (126,8-126,39)

Lied V zeigt eindeutig die magische und dämonische Macht der Minnedame sowie der Minne an sich. Morungen nutzt den Vergleich zu den Elben und das Motiv des Todes um diese Anschauung zu intensivieren. Elben sind weibliche Naturdämonen, deren Begegnung tödlich sein kann. Morungen lehnt sich hiermit an den gemeinen Volksglauben an.

B.1.3. Lied XVII (136,1-136,24)

In diesem Lied zeigt sich die Beständigkeit des Sängers, der trotz des Wissens um die Vergeblichkeit seiner Mühe an dem Minnedienst festhält. Diese Form der Treue zeigt sich auch in dem Motiv des Dienens von Kindheit an. Das lyrische Ich klagt zwar über die Zurückweisung der Dame, ist jedoch nicht gewillt, den Dienst zu beenden. Diese paradoxe Haltung lässt sich bei einigen Minne-Dichtern nachweisen.

Anlehnungen an Ovid und die Mariendichtung sind auch in diesem Lied feststellbar[8].

[...]


[1] Alle biographischen Angaben in Bezug auf Heinrich von Morungen habe ich – sofern nicht anders gekennzeichnet - übernommen aus: Tervooren, Helmut: Heinrich von Morungen. In: Ruh, Kurt u.a. (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Berlin 1981. S. 804 – 815.

[2] Tervooren, Helmut: Heinrich von Morungen. In: Ruh, Kurt u.a. (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Berlin 1981. S. 811.

[3] Dazu werde ich folgende Edition nutzen: Tervooren, Helmut: Heinrich von Morungen. Lieder. Mittelhochdeutsch und Neuhochdeutsch. Stuttgart 1992. In den Klammern habe ich aus Gründen der Vollständigkeit die Lachmannsche Zählung hinzugefügt.

[4] Schweikle, Günther: Die frouwe der Minnesänger. Zu Realitätsgehalt und Ethos des Minnesangs im 12. Jahrhundert. In: ders.: Minnesang in neuer Sicht. S. 55. Vgl. auch Willms, Eva: Liebesleid und Sangeslust. Untersuchungen zur deutschen Liebeslyrik des späten 12. und frühen 13. Jahrhunderts. München 1990. S.116f.

[5] vgl. Menhardt, H.: Heinrich von Morungen am Stauferhofe? In: ZfdA 73 (1936). S. 253.

[6] Vgl. Kasten, Ingrid: Deutsche Lyrik des Frühen und Hohen Mittelalters. Frankfurt 2005. S. 749.

[7] ebenda

[8] Vgl. Kersting, Peter: Maria-Frouwe. Über den Einfluß der Marienverehrung auf den Minnesang bis Walther von der Vogelweide. München 1965.

Details

Seiten
16
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638870788
ISBN (Buch)
9783638870795
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v77254
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,0
Schlagworte
Dame Morungen Hauptseminar

Autor

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