Lade Inhalt...

Berufsbild des Journalisten - Eine Sozialanalyse der Gegenwart

Seminararbeit 2002 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung
Annäherung an mögliche Inhalte einer „Sozialanalyse der Gegenwart“

2. Der Journalist im gesellschaftlichen Kontext
2.1 Soziale Zuordnung: der Journalist als demographische Einheit
2.1.1 Vorstellung der Studien zur Ermittlung der gesellschaftlichen Einordnung als Grundlage weiterer Analyseschritte
2.1.2 Die Sozialenquete: Der Journalist in soziodemographischen Daten (Schwerpunkt Neue Bundesländer)
2.2 Soziale Verantwortung: der Journalist als Multiplikator und gesellschaftliche Machtinstanz
2.2.1 Soziale Verantwortung von Journalisten gegenüber Gesellschaft und Demokratie - Sind Trends erkennbar?
2.2.2 Selbstsicht heutiger Journalisten in ihrer Rolle als sozial Verantwortliche
2.3 Soziale Sicherheit: der Journalist als Arbeitnehmer
2.3.1 Beschäftigungslage und Marktstimmung
2.3.3 Chancen für Journalisten

3. Abschließende Zusammenfassung mit Ausblick Alle dargestellten Tendenzen auf einen Blick

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Annäherung an mögliche Inhalte einer „Sozialanalyse der Gegenwart“

„sozial [lat.]: gesellschaftlich, die menschl. Gesellschaft und ihr (geregeltes) Zusammenleben betreffend; die gesellschaftl. Stellung betreffend; dem Gemeinwohl, der Allgemeinheit dienend; hilfsbereit “ (Bd. 21 Meyer-Lexikon 1999: S.90)

Eine Sozialanalyse der Gegenwart des Berufsbildes des Journalisten könnte vieles beinhalten. Gilt es, das Verhalten von Journalisten als Ergebnis gesellschaftlicher Umstände zu untersuchen oder soll der Einfluss der Medien auf gesellschaftliche Probleme untersucht werden? Es kann die soziale Verantwortung der Journalisten thematisiert werden, die unter dem Stichwort „Medienethik“ spätestens seit Erfurt wieder öffentlich diskutiert wird. Wie weit geht das Recht auf Information und wo beginnt die Verletzung von Persönlichkeitsrecht? Wo sollte Unterhaltungsjournalismus enden, wo beginnen rückschrittliche staatliche Restriktionen? Inwieweit muss ein Journalist sich selbstreflexiv verhalten und für Folgen seines Tuns verantwortlich gemacht werden dürfen?

Neben der sozialen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft kann auch die soziale Sicherheit der Journalisten innerhalb des gesellschaftlichen Gefüges Thema dieser Arbeit sein, also die durch Verantwortliche in Unternehmen und Politik garantierte soziale Versorgung derer, die fest angestellt oder freischaffend als Journalist arbeiten und derer, die zeitweise oder auf Dauer ihren Beruf nicht ausüben können. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, Konkursanmeldungen von Medienkonzernen, Pressekonzentration, abnehmendem Einfluss der Gewerkschaften und fortschreitender Technokratie muss die tatsächliche Umsetzung sozialrechtlicher Vorgaben ständig untersucht werden, aber auch die ständige Überprüfung von Sozialsystemen auf Bezahlbarkeit und Sinnhaftigkeit zugelassen werden. Innerhalb des Themas der sozialen Lage der Journalisten könnten demographische Untersuchungen zu sozialen Unterschieden in Bezug auf die Art des Arbeitsverhältnisses (frei oder fest angestellt), auf die Form des Arbeitgebers (Print- oder Rundfunkbereich, privat oder öffentlich-rechtlich), auf die Geschlechtszugehörigkeit, auf den Standort (neue und alte Bundesländer), auf das Alter der betroffenen Journalisten et cetera durchgeführt und hier besprochen werden.

Naheliegend wäre auch eine Untersuchung der sozialen Stellung von Journalisten im Spiegel der Gesellschaft, respektive ihres Publikums. Wie hoch ist das Ansehen von Journalisten in Bezug auf Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Einschätzung ihrer Arbeit als Kommunikatoren? Wie viel Macht wird Journalisten als sogenannten „Gatekeepern“ zugetraut, inwieweit werden sie als „Anwälte der Armen“ angesehen? Im Folgenden werde ich versuchen, mich in Bearbeitung einiger soeben angesprochener Aspekte einer Sozialanalyse der Gegenwart anzunähern, also dem Berufsbild des Journalisten im gesellschaftlichen Kontext.

Ich habe mich nach Sondierung der übrigen an mein Thema grenzenden Referate bzw. Hausarbeiten dazu entschlossen, zunächst einige Quellen der Forschung zu erläutern, insbesondere auf eine näher einzugehen mit einem schwerpunktmäßigen Blick auf die Lage in den neuen Ländern. Anschließend möchte ich die Problematik sozialer Verantwortung und aktueller Tendenzen der Wahrnehmung dieser Problematik durch Journalisten herausarbeiten. Als dritten Punkt beschäftige ich mich mit der sozialen Lage von Journalisten und versuche auch, auf aktuelle Medien- und Arbeitsmarktstimmungen einzugehen.

2. Der Journalist im gesellschaftlichen Kontext

2.1 Soziale Einordnung: der Journalist als demographische Einheit

2.1.1 Auswahl von Studien zur Ermittlung der gesellschaftlichen Einordnung von Journalisten als Grundlage weiterer Analyseschritte

Auch wenn Siegfried Weischenberg, Armin Scholl und Martin Löffelholz 1993 für sich beanspruchten, mit einer von Münster aus durchgeführten Befragung die erste umfassende repräsentative Studie[1] über Journalisten in Deutschland erarbeitet zu haben (vgl. Scholl 1993: S.11), gab es doch vorher schon entsprechende Untersuchungen zur Kommunikatorforschung (vgl. Mahle 1993: S.91). Einige der innerhalb dieser Münsteraner Studie veröffentlichten Zahlen erweisen sich zudem im Nachhinein als nicht besonders zuverlässig (vgl. Mahle 1993: S.97-105). Die fast zeitgleich erscheinende „Sozialenquete über die Journalisten in den neuen Ländern der Bundesrepublik Deutschland“ dreier vom Bundespresseamt beauftragten Forschungseinrichtungen (vgl. Schneider/Schönbach 1993: S.35) beschäftigt sich der Vollständigkeit halber und um des möglichen Vergleiches willen ebenfalls mit Berufsvertretern aus den alten Bundesländern, sodass auch hier durchaus von einer repräsentativen Studie gesprochen werden kann. Schwerpunkt der „Sozialenquete“ ist neben der Ermittlung herkömmlicher soziodemographischer Daten[2] die soziale Absicherung, die berufliche und die finanzielle Situation der befragten Journalisten aus Ost und West. Aktuellere Zahlen liefert auch teilweise der „Bericht der Bundesregierung über die Lage der Medien in der Bundesrepublik Deutschland“, im Folgenden „Medienbericht“ genannt. Die Daten des „Medienberichtes“ können jedoch nur begrenzt zur Ergänzung dienen, da sie sich vorrangig auf die Unterscheidung medienspezifischer Berufsgruppen[3] konzentrieren, bzw. auf die Unterscheidung zwischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und Arbeitslosen. Um vermutlich auf aufwändige und langwierige Forschungen zu verzichten, wurde im „Medienbericht“ die Bundesanstalt für Arbeit als Datenquelle herangezogen, bzw. auch die teilweise zu kritisierende Münsteraner Studie.

2.1.2 Die Sozialenquete: Der Journalist in soziodemographischen Daten

(Schwerpunkt Neue Bundesländer)

Während in den neuen Ländern im Januar 1993 etwa 4.800 Menschen als fest angestellte Journalisten arbeiteten (vgl. Mahle 1993: S.102), waren es im Westen über 25.000. Die ostdeutschen Journalisten waren zum Großteil in Redaktionen von Tageszeitungen beschäftigt, gefolgt von Rundfunkanstalten, Zeitschriften und Nachrichtenagenturen als Arbeitgebern. Bei den Betrachtungen der knapp 600 repräsentativ befragten fest angestellten Redakteuren und Volontären in den neuen Ländern wurde zunächst unterschieden zwischen ostdeutschen Journalisten, die bereits vor der Wiedervereinigung den Beruf ausübten, zwischen solchen, die danach den Beruf ergriffen und zwischen jenen, die nach der Wende als „Westimporte“ in die neuen Länder kamen. Das Gros der im ostdeutschen Journalismus Beschäftigten machte Anfang der Neunziger mit 61% noch die Gruppe der „Altgedienten“ aus, die oft schon vor der Einheit in der gleichen Position beschäftigt waren. Fast zu gleichen Teilen verteilten sich die übrigen Befragten auf die beiden anderen Gruppen mit 21% (vorher nicht journalistisch tätige Ostdeutsche) und 18% (Westdeutsche). Da es sich um Durchschnittswerte unabhängig vom Medienunternehmen gehandelt hatte, wurde gesondert betont, dass die größte personelle Kontinuität in den ehemaligen SED-Bezirkszeitungen festgestellt wurde. Gleichzeitig arbeiteten zum Zeitpunkt der Befragungen mehr Frauen in ostdeutschen Redaktionen als in den alten Ländern mit einem Gesamtanteil von 35% gegenüber dem gesamtdeutschen Anteil von 31%. Auch jüngere Journalisten erhielten im Osten öfter eine Chance, was das Durchschnittsalter von 36,4 Jahren gegenüber 38,5 Jahren im Westen belegt. Besonderes Merkmal der ostdeutschen Redaktionen ist der hohe Anteil an Seiteneinsteigern, d.h. derjenigen Redakteure, die keine systematische journalistische Ausbildung genossen haben.

Auch der Unterschied im Einkommensvergleich von ost- mit westdeutschen Journalisten ist deutlich. Während das Durchschnittseinkommen von redaktionellen Mitarbeitern im Osten bei 3.300 DM lag, lag es gleichzeitig im Westen bei 3.800. Auch in der Steigerung des Einkommens im Laufe der Karriere gibt es ein starkes Ost-West-Gefälle. Lediglich bei den Frauen fällt das Ergebnis für ostdeutsche Journalistinnen positiver aus: sie verdienen im Schnitt „nur“ 500 DM weniger als die männlichen Kollegen, in den alten Ländern liegt das Gefälle bei 900 DM.

Seit Oktober 2001 verdienen Volontäre im ersten Ausbildungsjahr 1.592 Euro, Redakteure im fünften Berufsjahr 3.430 Euro bis maximal 4.388 Euro ab dem 25. Berufsjahr. Das nach Tarifvertrag höchste Gehalt können Redakteure in einer sogenannten „besonderen Stellung“, sprich als verantwortliche Ressortleiter oder Chefredakteure, mit bis zu 5.034 Euro verdienen. (vgl. DJV 2002: Berufschancen)

2.2 Soziale Verantwortung: der Journalist als Multiplikator und gesellschaftliche Machtinstanz

2.2.1 Soziale Verantwortung des Journalisten gegenüber Gesellschaft und Demokratie - Sind Trends erkennbar?

„Es stellt sich die Frage, inwieweit durch veränderte Wettbewerbsbedingungen auch im Bereich des Nachrichtenjournalismus die Befriedigung kurzfristiger Erlebnisbedürfnisse der Zuschauer und erhoffter Markterfolg neben der Recherche und der Begleitung von Staat und Gesellschaft (‚Vierte Gewalt’) wichtiger geworden sind.“ (Gleich/Groebel 1993: S.191)

[...]


[1] Name der Studie: „Journalismus in Deutschland“

[2] Herkunft, Alter, Geschlecht

[3] auch Bild- und Tontechniker, Buchbinder, Drucker und Photographen

Details

Seiten
18
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638149051
ISBN (Buch)
9783640676118
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7756
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Lehrstuhl f. Kom.wissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Journalist Berufsbild Arbeitsmarkt Chancen Soziale Sicherheit

Autor

Zurück

Titel: Berufsbild des Journalisten - Eine Sozialanalyse der Gegenwart