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Werkanalyse von Peter Greenaways "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" - Erhebt Greenaway die Filmkulisse zur Theaterbühne?

Seminararbeit 2007 12 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1. Definition von Filmkulisse und Theaterbühne hinsichtlich wesentlicher Bestandteile und Funktionalität
2.2. Die Unterschiede zwischen Theaterbühne und Filmkulisse

3. Erörterung der Leitfrage Bezug nehmend auf räumliche und theatralische Zeichen

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Der britische Maler, Filmregisseur, Konzeptkünstler und Ausstellungsinszenator Peter Greenaway, 1942 in Newport, Wales, Großbritannien geboren, wird gerne in Zusammenhang mit dem Begriff der „ Postmoderne “ genannt. Er „zählt zu einer Kategorie von Medienkünstlern, die eine bestimmte Themenstellung in verschiedenen Medien bearbeiten und unterschiedliche Zitierweisen in ihrer Arbeit vermischen.“[1] Greenaway selbst wehrt sich gegen eine „Etikettierung seines Filmwerks als postmodern “[2] und sagte in einem Interview:

„ That rigid stupid word. (...) It has become such a portmanteau word, it means anything for anybody.“[3]

Greenaway „stellt mit seinem Gesamtwerk, das unterschiedliche Medien und Wissensgebiete einbindet, ein künstlerisches System vor.“[4] Er vereint in seinen Filmen Bildtraditionen der Malerei und Fotografie, wie auch von Theater, Oper und Architektur. 1988 entstand der Film Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber. Greenaway selbst bezeichnet diesen Film als ein „zeitgenössisches Melodram“[5], „eine ausschweifende, unwahrscheinliche, aber nicht unmögliche Geschichte, die in einem Restaurant spielt, wo es abwegig erscheint, dass wirklich alles gegessen wird, sei es auch nur als Experiment.“[6] Es ist die Geschichte des französischen Küchenchefs Richard, des monströsen und vulgären Gangsterchefs Albert, seiner attraktiven Frau Georgina und ihres Liebhabers Michael, eines unscheinbareren Buchhändlers.

Fasziniert von der „Schönheit des Schrecklichen“ zeigt Greenaway die Auslebung der menschlichen Körperlichkeit bis hin zum Kannibalismus als bestrafenden Akt der Sühne. Inspiration findet Greenaway als Barock – Enthusiast in der Opulenz und Dekadenz des 16. und 17. Jahrhunderts. Sein Werk findet Anlehnung vor allem im „Theatre of Blood“, des jakobinischen Theaters in England.

Ob Greenaway die Filmkulisse seiner Werke zur Theaterbühne erhebt, soll nun anhand der genaueren Betrachtung erörtert werden.

2.1. Definition von Filmkulisse und Theaterbühne hinsichtlich wesentlicher Bestandteile und Funktionalität

Zu jedem Theater gehört eine Bühne, auf welcher die Darsteller agieren.

Die Bühne ist der hinter der Bühnenöffnung (Portal) liegende Raum mit Szenenflächen, zu welchen die Vorbühne (vor dem Portal), die Hauptbühne sowie die Hinter- und Seitenbühnen einschließlich der jeweils zugehörigen Ober- und Unterbühnen zählen.

Die traditionellste Bühnenform ist die Guckkastenbühne. Es gibt aber auch Raumbühnen, Arenabühnen und Rundumbühnen ( Globe – Theatre in London).

Hinter, oder neben der Hauptbühne in einem Theater befindet sich meist auch eine Seitenbühne ( auch Hinterbühne ), welche vor allem zur Lagerung und dem „Verschwinden lassen“ der verschiedenen Kulissen dient.

Kulisse bedeutet im ursprünglichen Sprachgebrauch ein „verschiebbarer, mit bemalter Leinwand bespannter Rahmen als seitlicher Abschluss der Bühne und zur Vortäuschung eines Schauplatzes.“[7]

Heute zählt zur Kulisse jedes Dekorationsstück auf der Bühne.

Auch zur Filmkulisse gehören, wie im Theater, Stellwände, Requisiten und anderes Dekorationsmaterial. Die meisten Filmkulissen, die der Veranschaulichung dargestellter Handlungen im Film dienen, sind allerdings fest installiert oder gebaut.

Was die meisten Filmkulissen der heutigen Produktionen angeht, handelt es sich zumeist um fertig eingerichtete angemietete Wohnungen, Häuser, Schlösser, etc. Um solche Örtlichkeiten ausfindig zu machen, gibt es eigene Agenturen, die sich zur Aufgabe gemacht haben, geeignete Drehorte zu finden, zu vermitteln, oder an zu mieten. Die jeweiligen Ausstatter und Dekorateure müssen dann nur noch kleine Details auf Wunsch der Regisseure ergänzen. Hierfür bedienen sie sich aus Theater – und Filmfundi, leihen sich die betreffenden Gegenstände in Kaufhäusern und Geschäften, oder kaufen sie speziell für die Filmproduktion.[8]

2.2. Die Unterschiede zwischen Filmkulisse und Theaterbühne

Im Großen und Ganzen gelten für die Filmkulisse die meisten Faktoren wie bei der Theaterkulisse, mit dem Unterschied, dass eine Filmkulisse in einem Filmstudio, einem beliebigen Haus ( meist für eine Filmproduktion angemietet ), oder unter freiem Himmel eingerichtet wird und nicht wie eine Theaterkulisse auf der Bühne installiert wird. Manche Filmkulissen sind wegen ihrer immensen Ausmaße durchweg computeranimiert. Hinzu kommt, dass eine Filmkulisse meist so konzipiert sein muss, dass sie von allen Perspektiven und Seiten bedreht werden kann, d.h. eine zentralperspektivische Einstellung reicht oft nicht aus. Gerade bei Dialogen werden die Darsteller erst aus der Sicht des Einen und dann des Anderen gefilmt, so bedarf es auch der jeweiligen Hintergründe, bzw. Kulissen als Hintergrund. Auch sind Filmkulissen meist viel aufwendiger gestaltet ( siehe als Beispiel die Filme „Herr der Ringe“, „Troja“, „Die unendliche Geschichte“, oder „Ben Hur“ ) als Theaterkulissen, stehen diesen auch weit aus höhere Budgets zur Verfügung, was im Verhältnis zu den großen Einnahmen aufgrund der Besucherzahlen im Kino wiederum ein vertretbarer Einsatz ist.

[...]


[1] Spielmann, Yvonne: Intermedialität. Das System Peter Greenaway. München: Fink,1994

[2] Petersen, Christer: Jenseits der Ordnung. Das Spielfilmwerk Peter Greenaways. Strukturen und Kontexte. Kiel: Ludwig, 2001. S. 103

[3] Ebd.

[4] Spielmann: Intermedialität. S.165

[5] Greenaway, Peter: Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber. Drehbuch. Zürich: Haffmanns Verlag AG, 1989. S.5

[6] Greenaway: Der KochDrehbuch. S. 5

[7] Wahrig – Burgfeind, Dr. Renate ( Hrsg. ): Fremdwörterlexikon. München: dtv, 1999

[8] Persönliche Erfahrung aus Praktikum bei Ufa-Produktion 2006

Details

Seiten
12
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638835855
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78076
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Theaterwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Werkanalyse Peter Greenaways Koch Dieb Frau Liebhaber Erhebt Greenaway Filmkulisse Theaterbühne

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