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Mitbestimmung: Betrachtung aus wirtschaftlicher Sicht

Seminararbeit 2007 19 Seiten

Jura - Zivilrecht / Arbeitsrecht

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung
1) Problemstellung
2) Zielsetzung und Vorgehensweise
3) Begriffsdefinitionen

II Monetäre Betrachtung der Mitbestimmung
1) Kosten der Mitbestimmung
2) Effizienzgewinne der Mitbestimmung

III Property-Rights Theorie versus Partizipationstheorie
1) Property-Rights Theorie
2) Partizipationstheorie

IV Chancen und Risiken der Mitbestimmung für die Wirtschaft
1) Produktivität und Innovation
2) Flexibilität und Bürokratie
3) Europäischer Standortwettbewerb

V Fazit

Literaturverzeichnis

I Einleitung

Der zunehmende gesellschaftliche Wandel, welcher sich im Zeitverlauf der letzten Jahrhunderte vollzogen hat, hat tief greifende Veränderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen bewirkt. Gerade die Entwicklung zur industrialisierten Gesellschaft hat auch die Arbeitswelt und deren Bedingungen vollkommen verändert. Ein wichtiges Element in der Wirtschaft sind die Mitbestimmungsgesetze.

1) Problemstellung

Das Thema dieser Arbeit „Mitbestimmung: Betrachtung aus wirtschaftlicher Sicht“ soll sich im Folgenden mit den speziellen Gegebenheiten der Mitbestimmung in Unternehmen befassen. Die insbesondere nach der Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes im Jahre 2001 zunehmende Kritik der Arbeitgeberverbände und auch vereinzelter ausländischer Investoren, macht es erforderlich, die Mitbestimmung nicht nur ideologisch sondern auch einer wirtschaftlichen Prüfung zu unterziehen. Neben der ökonomischen Betrachtung darf aber eine sozialpolitische und ethische Betrachtung nicht ausbleiben. „Mitbestimmung entfaltet für die soziale Integration und die demokratische Teilhabe der Arbeitnehmer einen großen gesellschaftlichen Nutzen, der bei ihrer Abschaffung zu nicht unerhebliche soziale Folgekosten führen könnte.“[1]

2) Zielsetzung und Vorgehensweise

Diese Arbeit soll inhaltlich die Wirtschaftlichkeit der Mitbestimmung hervorheben, um dem Leser einen, dem Umfang entsprechenden, Einblick in die Materie zu ermöglichen. Zuerst soll der hier relevante Themenbereich abgegrenzt werden. Daraufhin wird eine monetäre Betrachtung der Mitbestimmung, aufgeteilt in Kosten und Effizienzgewinne, vorgenommen werden. Der Leser soll hier die wesentlichen Positionen der Mitbestimmung aufgezeigt bekommen.

Im Folgenden werden zwei herrschende Theorien der Mitbestimmung besprochen und durch diverse Beispiele veranschaulicht.

Nachdem die Kosten und Gewinne sowie die theoretischen Grundlagen aufgezeigt wurden, sollen die Chancen und Risiken diskutiert werden.

Die Arbeit wird mit einem Katalog für gemeinsame juristische und wirtschaftliche Lösungsvorschläge ergänzt und findet in einem Fazit ihr Ende.

3) Begriffsdefinitionen

Die wirtschaftliche Mitbestimmung erfordert die institutionelle Teilhabe der Arbeitnehmer am Willensbildungs- und Entscheidungsprozess. In Deutschland ist sie unterteilt in die unternehmerische- und in die betriebliche Mitbestimmung.[2] Die Unternehmensbestimmung bedeutet die Beteiligung der Arbeitnehmer in die für Unternehmenspolitik zuständigen Organe (z.B. Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft). Betriebsräte hingegen agieren auf Ebene der betrieblichen Mitbestimmung, sie partizipieren an sozialen, personellen, ökonomischen und organisatorischen Entscheidungen.[3]

II Monetäre Betrachtung der Mitbestimmung

Nachfolgend soll versucht werden, die Mitbestimmung und Teile der Mitbestimmung monetär zu bewerten, trotz der Schwierigkeit, quantitative Angaben über die Kosten zu erhalten. Zu den Kosten der Mitbestimmung, die relativ übersichtlich sind, zählen z.B. die Personal- und Sachkosten oder die Durchführung von Betriebsratswahlen.

1) Kosten der Mitbestimmung

Bei der Kostenfrage in der betrieblichen- und unternehmerischen Mitbestimmung soll nachfolgend in direkten und indirekten Kosten unterschieden werden. Zu den direkten Kosten zählen Aufsichtsratstantiemen, Betriebsratsentlohnungen oder Büro- und Materialkosten. Unter dem Punkt f) soll anhand empirischer Datenerhebung ein Versuch unternommen werden, die direkten Kosten zu beziffern. Die indirekten Kosten werden nachfolgend als Transaktionskosten bezeichnet. Hier kommt insbesondere das Coase-Theorem zum Zuge.

Dem Nobelpreisträger der Ökonomie Ronald H. Coase nach beeinflussen Rechtsnormen nicht die Effizienz, solange die Transaktionskosten gleich Null sind (das Coase-Theorem). „Unter Transaktionskosten sind alle Kosten der Rechtsübertragung und Rechtsdurchsetzung wie Werbungs-, Informations-, Vertrags-, Verhandlungs-, Vertragsrealisierungs- sowie Kalkulationskosten evtl. zu erwartender Schäden zu verstehen.“[4] Der Property-Rights (siehe Kapitel 3 Absatz 1) Verfechter und Essener Rechtsanwalt Marcus Kreutz beschreibt in einem NZA– Artikel (Neue Zeitschrift für Arbeitsrecht) fünf Arten von Transaktionskosten: Anbahnungs-, Aushandlungs-, Vertragsdurchsetzungs-, Anpassungs- und Beendigungskosten. Sie sollen im Folgenden kurz geschildert werden.

a) Anbahnungskosten

Anbahnungskosten bestehen aus Such- und Informationskosten. So werden z.B. bei der Suche nach einem neuen Mitarbeiter Zeitungsanzeigen geschaltet und Bewerbungsgespräche geführt. Relevant für die Kosten der Mitbestimmung ist allerdings nur die Unterrichtung des Betriebsrates über eine Neueinstellung. Dem Betriebsrat steht kein Mitwirkungsrecht zu, da die Personalplanung Teil der unternehmerischen Gesamtplanung ist, die dem Arbeitgeber vorbehalten ist.[5]

b) Aushandlungskosten

Auch die Aushandlung von Verträgen verursacht Kosten. Also ob überhaupt und mit welchem Inhalt Verträge abgeschlossen werden, verlangt Investitionen. So sind beispielsweise vom Arbeitgeber die einem Bewerber entstandenen Auslagen und Verdienstausfälle zu ersetzen, wenn er diesen zur Vorstellung aufgefordert hat.[6]

c) Vertragsdurchsetzungskosten

Kosten fallen auch bei der Durchsetzung und Kontrolle von Verträgen an. Um allerdings ein verlässliches Kontrollsystem zu installieren, müssen verschiedene gravierende Hindernisse überwunden werden. Dabei entstehen mindestens drei neue Kostenarten. Erstens entstehen die reinen Anschaffungskosten der Kontrollgeräte. Zweitens ist die Bedienung und Wartung dieser Geräte und damit die Vorhaltung dementsprechenden Personals in die Rechnung mit einzubeziehen. Und drittens ist die Einführung von Kontrollmechanismen mitbestimmungspflichtig, demnach entstehen Informationskosten.[7]

d) Anpassungskosten

Anpassungskosten entstehen, wenn Modifikationen der Verträge vorgenommen werden. Zwar können Verträge sehr detailliert formuliert werden und bei Arbeitsverträgen alle Eventualitäten miteinbezogen werden. Um jedoch alles zu berücksichtigen, ist die Unternehmensumwelt zu dynamisch und ungewiss. Anpassungen sind daher nicht zu vermeiden. Zu den Anpassungskosten zu zählen ist die Erfordernis der Zustimmung des Betriebsrates bei der Erarbeitung von betriebsinternen Richtlinien für Versetzungen und Umgruppierungen genauso wie die Zustimmungspflicht des Betriebsrates bei personellen Einzelmaßnahmen.[8]

[...]


[1] Vgl. Thannisch, R., Die ökonomische Effizienz der Mitbestimmung, S. 3

[2] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, 2005, S. 2064

[3] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, 2005, S. 2065

[4] Richter, R./ Furubotn, E., Neue Institutionenökonomik, 1999, S. 45

[5] Vgl. Kreutz, M., Arbeitnehmermitbestimmung als Berührungspunkt von Recht und Ökonomie,

erschienen in: NZA (Neue Zeitschrift für Arbeitsrecht), 9/2001, S.474

[6] Vgl. Kreutz, M., Arbeitnehmermitbestimmung als Berührungspunkt von Recht und Ökonomie,

erschienen in: NZA (Neue Zeitschrift für Arbeitsrecht), 9/2001, S.474

[7] Vgl. Kreutz, M., Arbeitnehmermitbestimmung als Berührungspunkt von Recht und Ökonomie,

erschienen in: NZA (Neue Zeitschrift für Arbeitsrecht), 9/2001, S.474

[8] Vgl. Kreutz, M., Arbeitnehmermitbestimmung als Berührungspunkt von Recht und Ökonomie,

erschienen in: NZA (Neue Zeitschrift für Arbeitsrecht), 9/2001, S.474, 475

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638829403
ISBN (Buch)
9783638832342
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78249
Institution / Hochschule
Fachhochschule Trier - Hochschule für Wirtschaft, Technik und Gestaltung
Note
1,7
Schlagworte
Mitbestimmung Arbeitsrecht Property-Rights Partizipationstheorie Montanmitbestimmung Effizienzgewinne Flexibilität monetär Europäischer Standortwettbewerb

Autor

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