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Als erstes stirbt die Wahrheit - Krisenberichterstattung der deutschen Medien

Hausarbeit 2002 15 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Begriffsklärung

2. Hauptteil
2.1 Die Wahrheit stirbt zuletzt! Seriöse Berichterstattung – nur in Friedenszeiten?
2.2 Wie sieht Krisenberichterstattung im Alltag aus?
2.3 Krisenberichterstattung: eine Gradwanderung zwischen Manipulation/ Propaganda und Information
2.4 Der aseptische Krieg im Fernsehen

3. Fazit

4. Anlage

5. Literaturverzeichnis

„Die für mich wesentliche Rolle des Kriegsberichterstatters: das Grauen des Krieges darzustellen und den Opfern eine Stimme zu geben.“ Sonia Mikich[1]

1. Einleitung

„Der beste, der nützlichste Journalist ist der tote Journalist.[2] “, so bringt es Wiglaf Droste in seiner Kurzgeschichte „Kollateraljournalisten, aus der Serie: Nato, übernehmen Sie!“ auf den Punkt. Weiter schreibt er über zwei deutsche Stern -Journalisten, die während einer Recherche erschossen wurden, dass sie „ihrem Blatt kaum besser hätten dienen können als mit ihrem Tod.[3] “ So makaber dieser Satz auch klingen mag, scheint er doch auf den Punkt zu bringen, was nur hinter vorgehaltener Hand, wenn überhaupt, ausgesprochen wird.

1.1 Aufbau der Arbeit

In meiner Hausarbeit möchte ich die Fragestellung untersuchen, wie objektiv die deutschen Medien über internationale Krisenherde berichten. Können sich die Medien, bei ihrer Berichterstattung dem Druck von Auflage und Einschaltquote entziehen? Welcher Druck lastet auf den Journalisten und wie wirkt er sich auf ihre Arbeit aus? Gelten bei der Krisenberichterstattung andere Regeln als im journalistischen Alltag? Wie sehen die realen Arbeitsbedingungen in Krisengebieten aus?

1.2 Begriffsklärung

Zunächst möchte ich einige zentrale Begriffe definieren, die mir in diesem Zusammenhang wichtig erscheinen.

Objektivität [4] : Begriff für die überindividuelle, unabhängig vom Einzelnen bestehende Wahrheit eines bestimmten Gegenstandes (Objekts), Sachverhalts oder einer Aussage. Auch die Eigenschaft der Unabhängigkeit von individuellen Umständen, historischen Zufällen oder beteiligten Personen schließt der Begriff Objektivität ein.

Krise [5] : bezeichnet allgemein eine schwierige Situation. Ich werde mich in meiner Hausarbeit auf alle bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Staaten und Gruppen beziehen.

Berichterstattung [6] : journalistische Veröffentlichungen in den Medien in Wort, Bild und Film ohne Wertung.

Kommentar [7] : Meinungsbeitrag in Presse, Rundfunk und Fernsehen. Als subjektiv wertende Beurteilung ist der Kommentar eine Form der Kritik.

Manipulation [8] : Beeinflussung, Steuerung fremden Denkens, Fühlens und Verhaltens, meist ohne dass sich die Betroffenen der Steuerung bewusst werden.

Zur Manipulation gehört auch die gezielte Desinformation, Übertreibung, bewusstes Verknappen und Weglassen, sowie den Sinn von Informationen zu verdrehen.

Propaganda [9] : gezielte Verbreitung bestimmter politischer, religiöser, wirtschaftlicher, aber auch künstlerischer oder humanitärer Ideen. Allgemein versteht man unter Propaganda die publizistische Beeinflussung (Inhalte und Methoden) sowie die Beeinflussung durch Werbe- und Wahlkampagnen.

Klassische Werkzeuge der Propaganda sind unter anderem das Übertreiben von eigenen Vorteilen und Verschweigen der eigenen Nachteile. Andere Meinungen werden zensiert oder übergangen, falsche Behauptungen bewusst aufgestellt und Gegner direkt persönlich angegangen.

2. Hauptteil

2.1 Die Wahrheit stirbt zuerst! Seriöse Berichterstattung – nur in Friedenszeiten?

Objektive Berichterstattung – eine oft gehörte Redewendung. Wie schon in der Einleitung definiert, scheint es sich dabei um einen Idealzustand der Berichterstattung zu handeln. Welcher Journalist kann schon von sich behaupten, völlig vorurteilsfrei zu berichten? Ein seriöser Berichterstatter wir natürlich versuchen, diesen Idealzustand anzustreben, aber wirklich objektive Berichterstattung kann es nicht geben. Jedem Bild, jeder Aussage, jedem Text geht die Selektion voraus. Wen interviewen, wen nicht interviewen? Welche Fakten? Welche Zitate? Jede Nachricht, egal ob aus dem In- oder Ausland wird von den Redakteuren und Redaktionen zusammen gesetzt. Sie alle haben ganz subjektive Gestaltungsprinzipien. Es ist ihr tägliches Geschäft und die Leser, Hörer und Zuschauer sind gefordert, den Redaktionen kritisch zu vertrauen.

Die Wahrheit stirbt zuerst? Um nur ein paar Stichworte zu nennen: ausgewogen, sachlich, inhaltlich korrekt, fair, informativ, anregend (Nachdenken, Diskussion), unabhängig/ unparteiisch, komplexe Themen aufgreifen und sachlich richtig einem Laienpublikum näher bringen. So sollte Berichterstattung sein. Das sind hohe Ansprüche an Medien, die auch noch unterhalten sollen und unter dem Druck von Auflage und Einschaltquoten arbeiten müssen. Es ist schwierig, diese immer zu erfüllen.

Doch objektiv ist nicht mit neutral gleichzusetzen. Da bei einem bewaffneten Konflikt die Seite des Opfers und des Aggressors nicht gleich stark sind, ist es die Pflicht der Medien auf dieses Ungleichgewicht hinzuweisen und den Opfern eine Stimme zu geben beziehungsweise ihnen ihre Stimme wieder zu geben, in ihrem Dasein zwischen den Fronten. Krisenberichterstattung: ein Handwerk, da aus dem Leiden anderer schöpft könnte man zynisch sagen. Aber wer, wenn nicht die Journalisten sollen und können Zeugnis ablegen über das Geschehen zwischen und hinter den Fronten.

Je klarer und präziser ihr Blick ist, desto glaubwürdiger ist ihre Berichterstattung. Das „Zauberwort“ heißt hier: Genauigkeit.

Doch ist dies immer möglich im Alltag an der Front? Diese Frage sollte sich ein seriöser Berichterstatter nicht stellen, da ungenaue Informationen nicht über die Medien weiter gegeben werden sollten. Genauigkeit setzt unter anderem räumliche Nähe, gute Kontakte und eine Arbeit ohne Druck aus der heimischen Redaktion voraus. Entsprechen diese Voraussetzungen der Realität?

2.2 Wie sieht Krisenberichterstattung im Alltag aus?

„In the field herrscht das Tempo-Diktat. Schnelligkeit ist der Maßstab aller Dinge und wenn Nachricht über eine Truppenbewegung fünf Minuten eher auf RTL als auf Sat1 läuft, ist dies ein Erfolg. Schnelligkeit ist gefragt. So genannte „instant experts“ fallen in Herscharen in die Krisengebiete ein. Man nehme ein Team, ein Flugzeug und einen Stapel Agenturmeldungen und beim Anflug sind die „Experten“ schon für das erste Interview „vorbereitet“. Selbstgedrehtes, Selbstrecherchiertes und Hintergrundgespräche werden weniger verwendet, weil sie teuer und zeitaufwendig sind. Immer schnell, immer aktuell. Die Journalisten sind der Tyrannei der Aktualität unterworfen. Widersprüche und Grautöne geraten so oft unter die Räder. Bekommen wir nur noch Berichte über Berichte frei Haus geliefert? Schnelligkeit oder Glaubwürdigkeit – welch` eine Wahl. Dabei gilt doch noch immer: „Man weiß nur, was man sieht.“[10]

[...]


[1] langjährige Auslandskorrespondentin der ARD, seit Anfang 2002 Leiterin der „Monitor“-Redaktion.

[2] Droste, W., 2002: Kollateraljournalisten, aus der Serie: Nato, übernehmen Sie!, In: Bombardiert Belgien! & Brot und Gürtelrosen, S. 87.

[3] Droste, W., 2002: a. a. O., S. 87.

[4] Zwahr, A., 1999: Meyers großes Taschenlexikon

[5] Zwahr, A. 1999: a. a. O.

[6] Zwahr, A. 1999: a. a. O.

[7] Zwahr, A. 1999: a. a. O.

[8] Zwahr, A. 1999: a. a. O.

[9] Zwahr, A. 1999: a. a. O.

[10] Sager, D., 2002: journalist-Forum, In: journalist, Nr. 2, S. 23

Details

Seiten
15
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638837194
ISBN (Buch)
9783656619772
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78276
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Otto-Suhr-Institut
Note
1,5
Schlagworte
Wahrheit Krisenberichterstattung Medien Journalismus Journalisten Einschaltquote Auflage Krisenherd

Autor

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