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Chancen und Grenzen der Offenen Ganztagsschule

Hausarbeit 2007 21 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ganztagsschule im Primarbereich
2.1 Die Ziele und Grundsätze der Offenen Ganztagsschule
2.2 Der Tagesablauf
2.3 Die Angebote
2.4 Die Personalstruktur
2.5. Die Finanzierung

3. Bewegung, Spiel und Sport in der Offenen Ganztagsschule
3.1 Die Handlungsfelder für Bewegungs-, Spiel- und Sportangebote in der Offenen Ganztagsschule
3.2 Die Auswirkung von Bewegung, Spiel und Sport im Offenen Ganztag
3.3 Risiken der Offenen Ganztagsschule für den Sport aus der Sicht des Landessportbundes und der Sportjugend NRW

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit den Programmen „Schule von acht bis eins“ oder „Dreizehn Plus“ fördert die Landesregierung schon seit einigen Jahren die Einrichtung von Ganztagsangeboten für Kinder an nordrhein-westfälischen Schulen.

Mit der Offenen Ganztagsschule schlägt die Landesregierung einen neuen Weg ein. Dieser wird in der vorliegenden Hausarbeit beschrieben.

In dem zweiten Kapitel geht es allgemein um die Ganztagsschule im Primarbereich. Hierbei werden zunächst die Formen der Ganztagsschulen erläutert und im Anschluss daran wird explizit auf die Offene Ganztagsschule eingegangen. Dabei werden die Ziele und Aufgaben sowie ein Einblick in das Gesamtkonzept gewährt.

Im dritten Kapitel wird insbesondere das Thema Bewegung, Spiel und Sport im Offenen Ganztag thematisiert. Zunächst werden die verschiedenen Angebote vorgestellt und danach wird auf Bedeutung der Bewegung im Leben eines Kindes sowie die Auswirkungen eingegangen. Wie sehen die Risiken für den Landessportbund und der Sportjugend NRW aus?

Im letzten Kapitel erfolgt eine Zusammenfassung sowie eine Stellungnahme.

2. Die Ganztagsschule im Primarbereich

Die Ergebnisse der internationalen PISA-Studie zur Schulleistung haben gezeigt, dass Deutschland in der Schulbildung nur einen Rang im Mittelfeld belegt. Genauso wurde festgestellt, dass der Bildungserfolg in Deutschland stark von der sozialen Herkunft abhängt.

Das Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“ (IZBB) des Landes soll dieser Entwicklung entgegenwirken. Das Ziel ist es die Bildungschancen und die Bildungsqualität durch ein Gesamtkonzept von Bildung, Erziehung und Betreuung zu verbessern. Die Einführung der Ganztagsschulen dient dafür als Ansatzpunkt.

Laut der Kultusministerkonferenz (KMK) wird in der Bundesrepublik Deutschland zwischen drei Ganztagsschulformen unterschieden und zwar in die vollgebundene, in die teilweise gebundene sowie in die offene Ganztagsschule.

Die „voll Gebundene“ Ganztagsschule ist dadurch charakterisiert, dass es für alle Schüler eine Anwesenheitspflicht von morgens bis nachmittags gibt. Bei dieser Schulform werden die Angebote meist von Lehrkräften und von sozialpädagogischen Fachkräften in einem rhythmisierten Tagesablauf integriert. Das bedeutet, dass insgesamt mehr Zeit zur Verfügung steht und somit der Unterricht und das Freizeitangebot über den ganzen Schultag hinweg verteilt werden kann.

Die „teilweise Gebundene“ Ganztagsschule entspricht der gebundenen Form, jedoch mit dem Unterschied, dass sie nicht für alle Schüler verpflichtend ist, sondern meistens nur für ein bis zwei Jahrgangsstufen. Diese Form dient häufig als Einstieg in die Umorganisation der Schule in eine Ganztagsschule.

Bei der Offenen Form hingegen ist die Anwesenheit für die Schüler am Nachmittag freiwillig. Die Schüler müssen sich zu Beginn eines Schuljahres verbindlich für das Ganztagsangebot anmelden und mindestens an drei Tagen in der Woche teilnehmen. Der Ablauf sieht so aus, dass der Unterricht ausschließlich am Vormittag stattfindet und am Nachmittag die Freizeitangebote sowie die Hausaufgabenbetreuung. Diese werden meistens von außerschulischen Fachkräften durchgeführt.

Die Offene Ganztagsschule ist die am meisten praktizierte Form in Deutschland. Mit ihrer zeitlichen Rahmenbedingungen ermöglicht sie eine intensive und vor allem eine individuelle Förderung. Die Offene Ganztagsschule ist ein Ort, an dem die Schüler von und mit anderen lernen und sich in kulturellen, sozialen und politischen Projekten ausprobieren können. Neben dem täglichen Unterricht haben die Schüler die Möglichkeit an einem abwechslungsreichen Freizeitprogramm teilzunehmen.

Das Ziel der Landesregierung ist dementsprechend ein intensiver Ausbau der Offenen Ganztagsschulen im Primarbereich. Dafür werden zwischen 2003 und 2007 insgesamt vier Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.

Im Schuljahr 2003/2004 gingen in Nordrhein – Westfalen 235 Offene Ganztagsschulen an den Start, darunter waren sieben Sonderschulen.

Bis 2007 sollen 200.000 Ganztagsplätze für 25 % aller Grundschulkinder eingerichtet werden.

2.1 Die Ziele und Grundsätze der Offenen Ganztagsschule

Die Offene Ganztagsschule soll durch Zusammenarbeit von Schule, Kinder- und Jugendhilfe, Institutionen aus Kultur und Sport sowie durch außerschulischen Partnern eine Lernkultur entwickeln, die die Schüler in ihren Begabungen und Fähigkeiten unterstützt, fördert und vor allem fordert.[1]

Durch zusätzlich zur Verfügung stehendes Personal und Zeitressourcen können somit unterschiedlich begabte Kinder besser und vor allem deutlich individueller gefördert werden. Fördermaßnahmen können gezielt und ohne Zeitdruck von Sonderpädagogen und anderen Fachkräften durchgeführt werden.

Kinder mit besonderen Begabungen haben im Ganztag hingegen die Chance, ihre Talente zu entdecken, zu entfalten und auszuprobieren.

Hierdurch entsteht eine Unabhängigkeit von der sozialen Schicht oder der Herkunftskultur. Alle Kinder werden differenziert gefördert. Dadurch kann die Bildungsbenachteiligung kompensiert werden und die Chancengleichheit für alle Kinder, insbesondere auch für die Kinder aus benachteiligten Familien wieder hergestellt werden.

Das Ziel ist es also mehr Zeit für Bildung und Erziehung zu investieren sowie umfassende Angebote zur individuellen Förderung anzubieten. Dazu gehören zum Beispiel die Bereiche Musik, Kunst und Bewegung, Spiel und Sport.

Die Offene Ganztagsschule übernimmt nicht nur pädagogische, sondern auch gesellschaftliche Funktionen. Sie bietet ihre Angebote nicht nur an regulären Unterrichtstagen an, sondern auch an unterrichtsfreien Tagen sowie in den Schulferien. Beide Elternteile müssen nicht mehr auf eine anspruchsvolle Berufstätigkeit verzichten und können somit uneingeschränkt ihrer beruflichen Weiterentwicklung nachgehen.

Die Offene Ganztagsschule ist nicht nur für Familien vom Vorteil, sondern auch für Alleinerziehende oder junge Frauen, denn diese können dadurch z.B. ihre Berufsausbildung zu Ende führen.

Wie bereits schon erwähnt, setzt die Landesregierung auf einen intensiven Ausbau der Offenen Ganztagsschulen. Demzufolge geht sie davon aus, dass langfristig gesehen die Horte nicht mehr erforderlich sein werden. Daher werden Horte ab 2008 im Umfang von bis zu 20% der 2005 zur Verfügung stehenden Landesmittel weiter gefördert, bis auch diese durch Offene Ganztagsschulen ersetzt werden können.[2] Es werden jedoch nicht alle Horte abgeschafft. Horte mit besonderen Fördermaßnahmen für Kinder oder die sich in Ballungsgebieten befinden, werden noch über einen längeren Zeitraum gefördert.[3]

Ein weiterer Grundsatz der Offenen Ganztagsschule ist die Gemeinschaft und das soziale Lernen. Den Kindern bleibt mehr Zeit, ihr individuelles Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl durch vielfältige neue Erfahrungen zu stärken. Sie können ihre Ich-Kompetenz weiterentwickeln und vor allem ihre kooperative Handlungskompetenz steigern.

Diese Strukturen des Tagesablaufs und die festgelegten Regeln im Umgang miteinander können unter Umständen „problematisches“ kindliches Verhalten verbessern. Regelmäßig gemachte Hausaufgaben fördert das Selbstvertrauen der Kinder und steigert ihr Wohlbefinden.[4]

Die Offene Ganztagsschule im Primarbereich verfolgt also drei Hauptziele:

- Eine Verbesserung der Bildungsqualität und der Bildungschancen sowie eine umfangreiche individuelle Förderung.
- Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
- Ein Ganztagsangebot aus einer Hand unter dem Dach der Schule.

Die Kooperation der Schulen mit Partnern aus Kinder- und Jugendhilfe, Kultur und Sport ist dabei eine zentrale Grundlage für die Offene Ganztagsschule. Land, Kommunen und freie Träger sorgen gemeinsam für eine verlässliche und anspruchsvolle Qualitätsentwicklung. Diese enge Zusammenarbeit ist nötig, um ein attraktives und qualitativ hochwertiges Angebot zu schaffen, welches für die Schüler interessant und abwechslungsreich ist.

[...]


[1] Runderlass des Ministeriums für Schule, Jugend und Kinder zur Offenen Ganztagsschule im Primarbereich vom 26.01.06. Seite 1.

[2] Runderlass des Ministeriums für Schule, Jugend und Kinder zur Offenen Ganztagsschule im Primarbereich vom 26.01.2006. Seite 1.

[3] Ebd. Seite 1.

[4] Autorenteam Bochum: So funktioniert die Offene Ganztagsgrundschule. Mülheim an der Ruhr. 2006. Seite 18

Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638830577
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78365
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Schlagworte
Chancen Grenzen Offenen Ganztagsschule

Autor

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Titel: Chancen und Grenzen der Offenen Ganztagsschule