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"Es war doch nicht alles schlecht! Oder?" Die Kinderbetreuung in der DDR

Seminararbeit 2007 24 Seiten

Frauenstudien / Gender-Forschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erziehung und Bildung in der DDR
2.1 Arbeitende Mütter und staatliche Erziehung
2.2 Das einheitliche sozialistische Bildungssystem

3. Kleinkindbetreuung
3.1 Geschichte der Krippen in der DDR
3.2 Krippenerziehung
3.3 Alltag in einer Kinderkrippe

4. Erziehung im Vorschulalter
4.1 Geschichte der Kindergärten
4.2 Alltag im DDR Kindergarten

5. Erzieherinnen in der DDR

6. Schlussbetrachtung

7. Abkürzungsverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen der Vorlesung „Kulturgeschichte der DDR“ habe ich mich bei dieser Hausarbeit für das Thema der Kinderbetreuung in der DDR entschieden. Die Mehrheit der Kinder besuchten eine Kinderkrippe oder/ und einen Kindergarten. Diese Art der Betreuung war für die Bürger der DDR eine Selbstverständlichkeit, da in den meisten Familien beide Elternteile Vollzeit arbeiteten. Aus diesem Grund verbrachten die Kinder den Großteil ihres Tages in einer Betreuungseinrichtung.

Zu dem Thema meiner Hausarbeit kam ich durch die aktuelle Diskussion um die Problematik der Kinderbetreuung in Deutschland. Mir viel auf, dass wenn man mit ehemaligen Bürgern der DDR dieses aktuelle Problem diskutiert wird besonders die Kinderbetreuung als positives Merkmal herausgestellt. Gern wird dieses Argument mit dem Satz: Es war ja gar nicht alles schlecht“ eingeleitet. Weshalb ich ihn auch als Titel meiner Arbeit gewählt habe. In dieser Hausarbeit möchte ich nun überprüfen ob die Kinderbetreuung in der DDR wirklich so positiv war oder ob es negative Seiten gab.

Um zu verstehen warum die Kinderbetreuung im ehemaligen Arbeiter und Bauernstaat so wichtig war werde ich zuerst auf die Berufstätigen Mütter eingehen. Danach folgt eine Darstellung des einheitlichen sozialistischen Bildungssystems in dem sowohl die Kindergärten als auch die Kinderkrippen eingegliedert waren.

Der dritte Punkt befasst sich mit den Kinderkrippen. Zuerst soll die Geschichte der DDR Krippen dargestellt werden, um dann die Erziehung in diesen Einrichtungen vorzustellen. Der letzte Teil dieses Kapitels soll einen kurzen Einblick in einen Krippentag geben und aufzeigen wie straff der Tagesablauf der kleinen geplant war.

Im vierten Punkt geht es dann weiter mit den Kindergärten. Auch hier wird zuerst die Entwicklung des Kindergartes dargestellt. Im folgenden Kapitel werden die Probleme des Alltages im Kindergarten dargestellt.

Im letzen Punkt dieser Arbeit werde ich mich mit den Erzieherinnen befassen. Ich werde aufzeigen welche Ausbildung nötig war um den Beruf ausüben zu dürfen und die positiven wie auch negativen dieses Berufes in der DDR beleuchten.

Mein Ziel ist es die Kinderbetreuung in Krippe und Kindergarten möglichst objektiv darzustellen. Ein Problem welches mir recht schnell auffiel war, dass es zwar genug Literatur zu diesem Thema gibt, man aber sehr genau differenzieren muss ob sie in West- oder Ostdeutschland, vor oder nach der Wende verfasst wurde.

2. Erziehung und Bildung in der DDR

2.1 Arbeitende Mütter und staatliche Erziehung

Die Erziehung der Kinder in der DDR oblag zu einem Großteil dem Staat. Das lag daran, dass die Kinder, auch schon die kleinsten, viel Zeit in Betreuungseinrichtungen verbrachten. Dies war nötig, weil auch die Frauen der DDR rege an der Arbeitswelt teilnahmen. Einer der Grundsätze der DDR war die Gleichberechtigung beider Geschlechter. Dies war zumindest der offizielle Grund der angegeben wurde wenn es um die Partizipation der Frauen am Arbeitsleben ging. Doch hatten die Frauen auch keine wirkliche Wahl, sie mussten Arbeiten gehen, da die DDR die Mitarbeit aller Bürger forderte um die Existenz des sozialistischen Staates zu gewährleisten. Besonders nach dem 2. Weltkrieg brauchte man jede verfügbare Arbeitskraft um die Infrastruktur wieder aufzubauen und eine florierende Wirtschaft zu schaffen. Aus diesem Grund wurde Arbeitslosigkeit, besonders Selbstgewollte oder selbstverschuldete als asozial angesehen die im schlimmsten Fall auch nicht ohne Folge blieb. So konnte es zum Beispiel sein, dass diese Personen in Haft kamen und ihnen sogar die Kinder weggenommen wurden. Um sicherzustellen, dass auch die Mütter Arbeiten gehen konnten musste also ein funktionierendes Netzwerk aus Betreuungseinrichtungen geschaffen werden. Die kleinsten wurden in den Kinderkrippen betreut. Schon in einem alter von acht Wochen wurden sie von den Krippen aufgenommen[1]. Ab drei Jahren folgte für die DDR Kinder der Kindergarten den sie bis zu ihrem sechsten Lebensjahr besuchten bis sie eingeschult wurden. Aber auch nach der Schule gab es die Möglichkeit, dass die Kinder Horten weiter betreut wurden. Für den sozialistischen Staat hatte das weitreichende Betreuungsnetzwerk gleich mehrere Vorteile. Zum einen konnte, wie schon erwähnt, sichergestellt werden, dass viele Mütter ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen konnten und somit dem Staat dienen konnten.

Zum anderen konnte der Staat die Erziehung der Kinder aber auch nach seinen Bedürfnissen beeinflussen. So heißt es im kultur-politischen Wörterbuch unter dem Begriff Vorschulerziehung:

„Unter Berücksichtigung des Entwicklungsstandes der Kinder ist ihnen das Ästhetische der sozialistischen Lebensweise zu erschließen, und sie sind zu befähigen, aktiv an der ästhetischen Gestaltung des Lebens im Kindergarten mitzuwirken. Weiterhin sind die Kinder mit ausgewählten Kunstwerken (Lieder, Märchen u.ä.) unseres Volkes, der Völker der Sowjetunion und der anderen sozialistischen Völker bekannt zu machen und zu befähigen, diese ästhetisch zu erfassen und zu erleben. […] Alle Kinder sollen sich zu sozialistischen Persönlichkeiten entwickeln.“[2]

Aus diesem Zitat geht auch hervor, dass sich das Erziehungsmodell der DDR stark an der Pädagogik der Sowjet Union orientierte. „ Von ihr übernahm sie u.a. die Erkenntnisse über die Bedeutung der frühen emotionalen Bildung. Lenin hob hervor, daß die Schule nach dem Sieg der Revolution zum Werkzeug des Kampfes für den Aufbau der neuen Gesellschaft werden muß, daß sie dazu berufen ist, die kommunistische Ideologie zu verbreiten.“[3]

Um sicherzustellen, dass alle Kinder der DDR die gleichen Erzieherischen Inhalte und Ideologien und vermittelt wurden, wurde 1965 das Gesetz zum einheitlichem sozialistischen Bildungssystem erlassen. Auch alle Betreuungseinrichtungen und natürlich das Schulsystem unterstanden dem Gesetz des e.s.B.’s (einheitlichen sozialistischen Bildungssystems). Dieses wird im folgenden Kapitel dargestellt und soll mit einer Grafik veranschaulicht werden.

2.2 Das einheitliche sozialistische Bildungssystem

1965 wurde in der Deutschen Demokratischen Republik das einheitliche sozialistische Bildungssystem durch die Volkskammer fixiert. In diesem System waren alle Bildungseinrichtungen - von der Krippe bis zur Universität - zusammengefasst. Das Gesetz schrieb eine allgemeine Schulpflicht von 10 Jahren vor, auf die eine Berufsschulpflicht und Beendigung der Lehre folgte. Da die DDR Bildung als allgemeines Bürgerrecht ansahen, wurden weder Schulgeld noch Studiengebühren erhoben.

Das Ministerium für Volksbildung entschied über die Lehrpläne, die in der gesamten DDR galten. So war sicher gestellt, dass die Schüler in Dresden das gleiche lernten wie die Schüler in Eisenach oder in anderen Städten. Unterstellt war das einheitliche sozialistische Bildungssystem dem Ministerrat der DDR.

Im Kultur-politischen Wörterbuch der DDR von 1970 werden die Ziele und Grundsätze des einheitlichen sozialistischen Bildungssystems wie folgt zusammengefasst:

„ hohe Bildung des ganzen Volkes, Herausbildung allseitig und harmonisch entwickelter sozialistischer Persönlichkeiten, die das gesellschaftliche Leben bewußt gestalten, um höchste Ergebnisse in der Arbeit ringen, die wissenschaftlich- technische Revolution meistern, im Sinne der sozialistischen Ideologie und der Grundsätze der sozialistischen Moral denken und handeln, bewußt an der Entfaltung der sozialistischen Demokratie mitwirken, Verantwortung übernehmen und gesellschaftlich tätig sind, die ständig um die Erhöhung ihrer Kenntnisse ringen, gesund leben, ihre Freizeit sinnvoll gestalten, sich mit Literatur und Kunst beschäftigen und regelmäßig Sport treiben, also über ein hohes Kulturniveau verfügen.“[4]

Das einheitliche sozialistische Bildungssystem Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[5]

Wie in dem vorhergegangenen Schaubild dargestellt, waren auch schon die kleinsten Teil des e.s.B. In den Krippen wurden Kinder von der achten Lebenswoche bis zum dritten Lebensjahr betreut. Mit drei Jahren folgte der Übergang in den Kindergarten, in dem die Kinder weitere drei Jahre zubrachten. Weder der Besuch der Krippe noch des Kindergartens waren Pflicht, da jedoch der Großteil der Eltern berufstätig war wurden die Betreuungseinrichtungen auch von den meisten genutzt um die Kinder untergebracht zu wissen. Mit etwa sechs Jahren folgte dann der Eintritt in das Schulleben. Die ersten vier Schuljahre bis die Kinder etwa zehn Jahre alt waren besuchten sie die Unterstufe der allgemein bildenden Polytechnischen Oberschule (POS). Nach der Unterstufe folgte dann der Besuch der Mittelstufe. In diesen ersten sieben Schuljahren sollten den Schülern grundlegende Technische zusammenhänge näher gebracht werden. Dies wurde zum Beispiel durch Werk- und Schulgartenunterricht erreicht. Ab der fünften Klasse wurden aber ebenfalls Fremdsprachen gelehrt. So lernte jedes DDR Kind Russisch. Nach der siebten Klasse in einem Alter von etwa dreizehn Jahren folgte der Besuch der Oberstufe. In der neunten und zehnten Klasse wurde der Unterricht Berufsvorbereitend gestaltet und es entschied sich welche weitere Schulische Laufbahn die einzelnen Schüler einschlugen. Es fand also eine Auslese zwischen lernstarken und lernschwachen Schülern statt. Nach zehn Jahren POS hatten die Schüler die Möglichkeit auf die Erweiterte Oberschule (EOS) zu wechseln, eine Berufsausbildung zu beginnen oder eine Berufsausbildung mit Abitur zu absolvieren. Wer auf die EOS gehen konnte und durfte wurde nicht nur allein durch die Leistungen der Schüler bestimmt, sondern war auch eine politisch motivierte Entscheidung. So wurden Schüler die nicht in der FDJ waren erst gar nicht zum Abitur zugelassen. Wer allerdings die EOS besuchen durfte, konnte dort nach zwei Jahren sein Abitur machen und anschließend eine Universität oder Hochschule besuchen. Wobei es bei der Wahl wer letztendlich auf die Universität wechseln durfte auch wieder politische Kriterien gab, die erfüllt werden mussten. Aber auch für diejenigen die nach der Schule eine Berufausbildung absolvierten gab es verschiedene Möglichkeiten der Weiterbildung.

[...]


[1] Nachdem 1976 das Babyjahr in der DDR eingeführt wurde, wurde dies auch von den meisten Müttern genutzt und die Kinder wurden erst mit einem Jahr in eine Krippe gegeben.

[2] Kultur-politisches Wörterbuch . Seite 566- 567

[3] Wenn Mutti früh zur Arbeit geht. Seite 12

[4] Kultur-politisches Wörterbuch. Seite 118

[5] Wenn Mutti früh zur Arbeit geht. Seite 158

Details

Seiten
24
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638838337
ISBN (Buch)
9783668103337
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78609
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Schlagworte
Oder Kinderbetreuung Kulturgeschichte

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Titel: "Es war doch nicht alles schlecht! Oder?" Die Kinderbetreuung in der DDR