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Der Entwicklungsstand Ostmitteleuropas im Spiegel ökonomischer und sozialer Indikatoren im Vergleich mit der „alten“ EU

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 21 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Abriss

3. Der Weg in die EU

4. Der Entwicklungstand im Spiegel wirtschaftlicher Indikatoren
4.1 die Wirtschaftstruktur
4.2 das Bruttoinlandsprodukt
4.2 Außenhandel
4.3 Arbeitslosigkeit

5. Der Entwicklungstand im Spiegel sozialer Indikatoren
5.1 die Lebenserwartung
5.2. die Geburtenrate und die Kindessterblichkeit
5.3 die Analphabetenquote

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am ersten Mai 2004 traten 10 neue Mitglieder der Europäischen Union bei, unter ihnen waren mit Polen, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Ungarn und Slowenien auch 5 ostmitteleuropäische Länder. Am ersten Januar 2007 folgten mit Rumänien und Bulgarien 2 weitere Länder dieser Gruppe in die EU. Die Fläche vergrößerte sich um ca. 34% und es kamen 103 Millionen neue Einwohner hinzu, die mit ihren im Vergleich niedrigeren Lebensstandard eine große Herausforderung für das Europäische Solidarsystem darstellen (Vgl.http://wko.at/statistik/eu/europa-bevoelkerung.pdf).

Damit war es die größte Erweiterungsrunde der Union und stellte bzw. stellt noch immer die größte Herausforderung dar die die EU jemals zu bewältigen hatte. Denn erstmals treten ihr Staaten bei, welche in den Jahren nach 1989 damit „kämpften“ ihr sozialistisches Erbe abzustreifen und ihre Gesellschaften, von in Grundzügen sozialistischen in kapitalistische Gesellschaften, umzuwandeln. Gleichzeitig fand auch in wirtschaftlicher Hinsicht eine Transformation, von einer Planwirtschaft, sozialistischer Prägung, hin zu einer Marktwirtschaft statt.

Man kann davon ausgehen das die Beitritte die wirtschaftlichen Disparitäten, innerhalb der EU noch weiter verstärken werden, daher wird die wirtschaftliche Integration von alten und neuen Mitgliedsstaaten die zentrale Herausforderung der Zukunft sein. Doch nicht nur zwischen neuen und alten EU-Staaten gibt es diese Disparitäten, vielmehr auch innerhalb der einzelnen Beitrittsländer sind sie zu finden. So haben die leistungsfähigsten Regionen der Beitrittsstaaten bereits, zumindest zu der Gruppe der schwächeren EU-15 Regionen, Ostdeutschland, Griechenland oder Süditalien aufgeschlossen (Vgl. Schön,2003, S.27). Während einige Regionen Rumäniens oder Bulgariens nicht einmal 25% des EU Durchschnitts erreichen.

Die vorliegende Arbeit soll Anhand der Analyse wirtschaftlicher und sozialer Indikatoren einen Vergleich zwischen den alten Ländern der EU-15 und den ostmitteleuropäischen Beitrittsländern liefern. Dabei soll zunächst ein Überblick über die Ausgangssituation der damaligen Beitrittskandidaten, nach der Revolution von 1989, gegeben werden und im Folgenden ein kurzer Abriss der Entwicklung, bis zum Beitritt zur EU erfolgen. Abschließend wird sich die Arbeit mit konkreten wirtschaftlichen und sozialen Indikatoren befassen.

Im Endeffekt soll Versucht werden die Frage nach den Vorteilen und eventuellen Nachteilen, die der Beitritt gebracht hat, näher zu beleuchten. Haben sich die Länder nach ihrem Beitritt bzw. im Falle Rumäniens und Bulgariens bis zu ihrem Beitritt positiv entwickelt? Gab es eine Angleichung an die Lebensverhältnis und Standards der Europäischen Union und sind die Länder überhaupt wettbewerbsfähig gegenüber den alten Mitgliedsländern? Oder hat der Beitritt der neuen Länder vielleicht sogar einen Abstieg der alten Länder zur Folge gehabt.

2. Geschichtlicher Abriss

„Noch immer sind die Staaten in Ostmitteleuropa mit den sozialen, kulturellen, politischen und ökonomischen Nachwirkungen ihrer sozialistischen Ära konfrontiert. Insbesondere sozialistische Raumstrukturen wie Siedlungs-, Industrie- und Verkehrstruktur erweisen sich gegenwärtig als hinderlich bei der Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft“(Kühne, 2003, S.32). Als ein Hauptgrund ist vor allem der grundlegende Unterschied zwischen den beiden Wirtschaftsordnungen zu sehen. Das Planwirtschaftliche System basiert auf einer zentralen, staatlichen Lenkung der Markkräfte, während im Marktwirtschaftlichen System das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage die Märkte lenkt. Des Weiteren zeichnete sich die Sozialistische Wirtschaft durch eine verstärkte Förderung des Wachstums von Schwer- und Grundstoffindustrie als „Avantgarde des Sozialismus“ bei gleichzeitiger Vernachlässigung von Nahrungs- und Leichindustrie sowie des Agrar- und Dienstleistungssektors, eine stärkere Spezialisierung der Schwerindustrie und einer meist ideologischen/politischen Gesichtspunkten folgenden Industriestandortwahl aus (Vgl.Kühne,2003,S.34) Am Schwerwiegendsten lastete jedoch das Wegbrechen des Absatzmarktes im Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe und die damit quasi erzwungene Umorientierung auf die Absatzmärkte im Westen. Als Folgen der Öffnung für den Weltmarkt sahen sich die Staaten einer verstärkten Konkurrenz und dem daraus resultierenden Wegfall unrentabler Industrien auf dem Heimatmarkt ausgesetzt, was vor allem die wenig flexiblen und innovativen Staatsunternehmen traf und zu verstärkter Arbeitslosigkeit und sinkendem Lebensstandards führte (Vgl. Kühne, 2003, S.34). Veranschaulicht werden kann dies am Beispiel des Rückgangs des Bruttoinlandsproduktes.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab1: Entwicklung des BIP in % Quelle: OME im Umbruch S.14

Tabelle 1 zeigt dazu ausgewählte ostmitteleuropäische Länder. Deutlich sichtbar wird dabei, das 1990 alle Länder aufgrund des Wegbrechens der östlichen Absatzmärkte in eine Rezessionsphase gerieten, diese konnte jedoch aus wirtschaftlicher Sicht relativ schnell überwunden werden, was vor allem auf die Absatzsteigerungen im EU-Markt zurückzuführen sein dürfte. Aus sozialer Sicht verdeutlichen die Daten der Arbeitslosenquote die, einleitend erwähnten Schockwirkungen der Transformation. Arbeitslosigkeit wurde innerhalb kürzester Zeit zum Massenphänomen, was sich hauptsächlich auf den Rückgang der Industrieproduktion zurückführen lässt. Tabelle 2 zeigt eine enorme Steigerung der Zahlen im ersten Jahr der Transformation, so stiegen die Zahlen Beispielsweise in der Slowakei um das siebenfache.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab2: Arbeitslosenquote in % Quelle: OME im Umbruch S.14

Festzustellen ist, dass auch die Arbeitslosenquote in Deutschland, wenn auch in geringerem Maße stetig steigend ist.

3. Der Weg in die EU

Direkt im Anschluss an die Revolution von 1989 suchte die Europäische Union den Kontakt zu den ostmitteleuropäischen Ländern. Dies geschah zunächst durch Handels- und Kooperationsabkommen, die dann später in Assoziierungsabkommen auf den Gebieten Handel, Verkehr, Umwelt, Industrie und Zoll umgewandelt wurden. Ziel war zunächst der politische Dialog und die Schaffung einer Freihandelszone. Die Bemühungen der Union trugen schnell Früchte und bereits 1994 exportierten die ostmitteleuropäischen Länder mehr als die Hälfte der von ihnen produzierten Waren in die Länder der EU, was anhand von Tabelle 3 verdeutlicht werden soll.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab3: Exportwachstum in die EU in % Quelle: OME im Umbruch S.15

Des Weiteren gaben alle diese Staaten ein Beitrittsgesuch für die Mitgliedschaft in der Union ab. Polen und Ungarn 1994 die Slowakei, Rumänien und Bulgarien 1995, sowie Slowenien und Tschechien 1996 und verpflichteten sich somit die Kopenhagener Kriterien, die die Grundvoraussetzung für einen EU Beitritt darstellen, zu erfüllen. Zu den Kopenhagener Kriterien, von 1993, zählen die Schaffung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, die Einhaltung der Menschenrechte, der Minderheitenschutz, und die Errichtung stabiler

Institutionen als politische Kriterien. Des Weiteren wird eine stabile Marktwirtschaft und die Fähigkeit, dem Wettbewerbsdruck innerhalb der EU standzuhalten als wirtschaftliches Kriterium gefordert. Sowie die Übernahme von Pflichten der Mitgliedschaft und die Bereiterklärung zur Teilnahme an Wirtschafts- und Währungsunion, als integrationspolitisches Kriterium (Vgl.Tebbe,1998, S.21). Da das Erreichen dieser Ziele eine sehr große Hürde für die Beitrittsländer darstellt, verfügt die EU über eine Vielzahl an Hilfsinstrumenten wie Beitrittspartnerschaften, Vor-Beitrittshilfen und bilateralen Partnerschaften (Deutschland half z.B. Lettland bei der Reform des Gerichtswesens).Das wichtigste Instrument stellt jedoch das screening des Acquis Communautaire dar, indem die Fortschritte der Beitrittskandidaten bei der Übernahme des europäischen Rechtsbestandes bewertet werden und gegebenenfalls Mängel angemahnt, aber auch Hilfen bereitgestellt werden. Die Ergebnisse werden in den jährlich oder auch halbjährlich erscheinenden Fortschrittsberichten der europäischen Kommission veröffentlicht. Erst nachdem der Acquis Communautaire vollständig übernommen und umgesetzt wurde wird dem Land der Beitritt gewährt. Dieses Prozedere verzögerte Beispielsweise den Beitritt Rumäniens und Bulgariens um mehr als 2 Jahre (Vgl. Haubrich, 2003, S.2-5).

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Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638838627
ISBN (Buch)
9783638937801
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78620
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Geographie
Note
2,5
Schlagworte
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