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Sitzungsprotokoll: Der Einfluss des Jüdischen auf den Expressionismus - Ernst Stadler, Fahrt über die Kölner Rheinbrücke bei Nacht

Essay 2006 7 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Expressionismus und jüdischer Einfluß

Ernst Stadler

Fahrt über die Kölner Rheinbrücke bei Nacht

Interpretationsansätze

Literatur:

Expressionismus und jüdischer Einfluß

Die jüdische Philosophie hat stark auf den Expressionismus eingewirkt. Dies ist kennzeichnend dafür, dass in Zeiten des Umbruch und der Krise oft eine Rückwendung zum Religiösen stattfindet. Erst durch Moses Mendelssons Übersetzungen 1780 beginnen die Juden die deutsche Sprache zu übernehmen. Dies ist somit ein epochales Ereignis und ein erster Schritt zur Auseinandersetzung mit jüdischen Quellen. Vor allem bestimmte Bereiche des Judentums sind für deutsche Intellektuelle erst spät zugänglich, das Judentum ist in seiner Form viel mythischer als das Christentum. Text und Schrift spielen im Judentum eine weitaus wichtigere Rolle als im Abendland. Der Expressionismus zielt auf eine bewusste jüdische Problematik und hat viele jüdische Wortführer. Oft wird bei expressionistischen Gedichten ein Bezug zur Talmud, der Kabbala und anderen jüdischen Texten vermutet. Es erwacht zu dieser Zeit immer mehr der Stolz, jüdisch zu sein.

Ein Beispiel für den jüdischen Einfluss im Expressionismus sind die Gedichte Else Lasker-Schülers. Ihr Werk Mein Volk zielt auf das jüdische Volk. Das Wasser als kleines Rinnsal ohne Zugang zum Ozean steht für die Dichterin selbst, die allein ist, weit weg von ihrem Volk. Diese Trennung ist jedoch nicht absolut. Sie lehnt zwar die orthodoxen Formen ihres Glaubens ab, wird sich aber nie von ihrer Religion lösen können. Sie lebt fernab von ihrem Volk in Palästina, so kommt eine Sehnsucht zum Ausdruck. Ein weiteres Indiz für den jüdischen Einfluss in Mein Volk ist die Verwendung des Wortes Mostvergorenheit, das für koscher steht. Drei Jahre nach Mein Volk folgt An Gott, später Sulamith, das aus den Hoheliedern Salomos stammt.

Der Prozess von Franz Kafka, der inhaltlich noch zum Expressionismus gezählt wird, kann dazu genutzt werden, um herauszufinden, was das Jüdische in der damaligen Zeit zu bedeuten hatte. Typisch für Kafkas Stil ist das schnelle Schreiben, er nimmt kaum Veränderungen an seinen Werken vor, aber der Sinn des Textes geht ihm meist erst später auf. Die rhetorische Struktur der Kabbala spielt für Kafka u.a. eine Rolle in der Prosa. Es erfolgt eine Auseinandersetzung mit der mündlichen und schriftlichen Mystik der Kabbala, die eine Überlieferung der göttlichen Dinge und den Versuch nach dem Ursprünglichen zu suchen darstellt. Kabbala bedeutet soviel wie Überlieferung, Übernahme, Weiterleitung, ihre Wurzeln liegen in der Thora. Jahrhunderte lang werden auch christliche, gnostische und andere Elemente übernommen, getrieben von dem Streben nach spiritueller Erfüllung.

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Details

Seiten
7
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638846721
Dateigröße
343 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78797
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)
Note
1.3
Schlagworte
Sitzungsprotokoll Einfluss Jüdischen Expressionismus Ernst Stadler Fahrt Kölner Rheinbrücke Nacht

Autor

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Titel: Sitzungsprotokoll: Der Einfluss des Jüdischen auf den Expressionismus - Ernst Stadler, Fahrt über die Kölner Rheinbrücke bei Nacht