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Ein kurzer Überblick über die stoische Weltanschauung, ihre Anhänger und ihre Auswirkungen bis heute

Seminararbeit 2003 8 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Ein kurzer Überblick über die stoische Weltanschauung, ihre Anhänger und ihre Auswirkungen bis heute

Mit den Begriffen Stoa, Stoiker oder stoische Weltanschauung kann heutzutage jemand, der sich nicht aus beruflichen, studientechnischen oder ähnlichen Gründen ohnehin näher mit der Philosophie befasst, kaum mehr etwas anfangen. Da die Stoiker aber meiner Meinung nach doch einige interessante Thesen aufgestellt haben und ihre Philosophie außerdem sehr lebensnah und Praxis bezogen ist, habe ich mich dafür entschieden, meine Ausarbeitung über die Stoiker und ihre Weltanschauung zu schreiben.

Die stoische Lehre geht auf Zenon aus Kition (334 – 262 v. Chr.) zurück, der ca. 300 v. Chr. in der stoa poikile, einer bunt ausgemalten Säulenhalle in Athen, seine Lehrtätigkeit aufnahm und bis zu seinem Tode fortsetzte. Daher haben die Stoiker auch ihren Namen erhalten

(gr.: Stoa = Säulenhalle). Zenon kam, nachdem er Schiffbruch erlitten hatte, als junger Mann nach Athen und schloss sich dort dem Kyniker Krates an,[1] dessen Schüler er einige Jahre blieb, bevor er in der Stoa die Möglichkeit zur Lehre bekam. Unter seinen Schülern waren auch seine Nachfolger Kleanthes aus Assos (331 – 232 v. Chr.) und Chrysippos aus Soloi (281 – 207 v. Chr.).

Der Stoizismus wird in drei Zeitabschnitte eingeteilt: die alten Stoiker, deren Hauptvertreter Zenon, Kleanthes und Chrysippos waren, die mittleren Stoiker, zu denen Panaetios und Poseidonios zählen und die jüngeren oder römischen Stoiker, bei denen v. a. Seneca, Marc Aurel, Cicero und Epiktet wichtig waren.

Die stoische Theorie in Reinform wird eigentlich nur von den alten Stoikern vertreten, die mittleren Stoiker änderten ihre Theorien als Reaktion auf heftige Kritiken von außen schon stark ab und bei den römischen Stoikern sind die Einflüsse aus anderen philosophischen Richtungen schon so stark, dass man sie schon fast als Eklektiker[2] bezeichnen könnte.[3]

Auf diese Dreiteilung will ich hier jedoch nicht näher eingehen, da das den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen würde. Daher beginne ich nun zunächst einmal mit den Zielen und Anschauungen der Stoiker im allgemeinen.

Die Stoiker unterteilten ihre Philosophie in Logik, Physik und Ethik. Die Ethik ist dabei der wichtigste Teil, Logik und Physik sind nur Vorstufen. Zur Logik gehörten neben der Logik im engeren Sinne, also der Technik der syllogistischen Beweisführung und der Dialektik, auch die Erkenntnistheorie und die Sprachwissenschaft. Die Physik umfasste alle Naturwissenschaften und dazu noch Theologie und Metaphysik. Das höchste Ziel war die Ethik, das heißt das Streben nach einem tugendhaften Leben.

Um die Beziehungen zwischen den drei Teilgebieten des Systems zu veranschaulichen, benutzten die Stoiker Bilder. So verglich man die Logik mit einer Mauer, die Physik mit Bäumen, die von dieser Mauer geschützt wurden, und die Ethik mit den Früchten, die diese Bäume trugen. Oder man verglich die Philosophie als Ganzes mit einem Körper, dessen Knochen und Sehnen der Logik, dessen Fleisch und Blut der Physik und dessen Seele der Ethik entsprach.[4]

Um später auf die Frage eingehen zu können, wie nach der Meinung der Stoiker ein glückliches Leben erlangt werden kann, werde ich hier zunächst kurz die stoische Seelenlehre und Handlungstheorie beschreiben.

Im Gegensatz zu Platon und Aristoteles, die sich die Seele des Menschen als in drei Teile gegliedert vorstellten[5], gingen die Stoiker von der Einheit der Seele aus. Sie hatten also eine monistische Weltanschauung, unterschieden aber acht Vermögen der Seele voneinander: Die Vermögen der fünf Sinne, das Sprachvermögen, das Fortpflanzungsvermögen und das hegemonikon. Das hegemonikon ist das Vermögen, das den Menschen zu einem aktiven Teil der Natur werden lässt, es ist das Führungsvermögen der Seele. Diese Vorstellung ist wie folgt zu verstehen: Auf den Menschen treffen ständig sehr viele Eindrücke aus der Außenwelt auf, die erst mit Hilfe des hegemonikons geordnet und dort zu Wahrnehmungen und Erfahrungen weiterverarbeitet werden. Im hegemonikon entstehen aus den Eindrücken Vorstellungen, so genannte phantasiai. Die Vorstellungen, die auf den Menschen einwirken kommen einfach von außen, über diese Einwirkung hat der Mensch keine Kontrolle. Was ihm jedoch frei steht, ist die Entscheidung, ob er diese Vorstellungen als gut oder schlecht empfindet, ob er ihnen zustimmt oder nicht. Die Fähigkeit des hegemonikon zur Zustimmung wird auch als synkatathesis bezeichnet. Genau diese Fähigkeit des Menschen ist es, die ihn zu einem frei handelnden Lebewesen macht. So ist der Mensch in den Augen der Stoiker verantwortlich und frei in seinem Handeln, obwohl er in einer deterministischen Welt lebt, in der die Zukunft schon durch Vergangenes bestimmt ist und somit alles prinzipiell vorhersagbar ist.[6]

[...]


[1] Die kynische Schule wurde von Antisthenes gegründet. Propagiert wurde u.a. Bedürfnislosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber den landläufigen Tugenden, gegenüber Kunst, Wissenschaft, und begrifflicher Spekulation. Praktiziert wurde Egoismus, Derbheit, Schamlosigkeit u.ä. Der Begriff „Zyniker“ kommt von hier.

Vgl. Peter Möller: Sokrates und Sokratische Schulen unter http://www.philolex.de/sokrates.htm

[2] Eklektiker: (gr.: „auswählen, auslesen“) Jemand, der weder ein eigenes philosophisches System aufstellt, noch ein anderes übernimmt, sondern aus verschiedenen Systemen das ihm Passende auswählt.

Aus: Duden – Fremdwörterbuch, 3. Auflage, Bibliographisches Institut Mannheim/Wien/Zürich

[3] Barbara Guckes: Stoische Ethik – eine Einführung, S. 2

[4] Vgl.: Mark Aurel und die Stoa unter http://userpage.fu-berlin.de/~haustedt/antike/birleyone.htm

sowie Barbara Guckes: Stoische Ethik – eine Einführung, S.3

[5] Diese drei Teile waren: Der erkennende Seelenteil (logistikon), dessen Tugend die Einsicht ist, der mutige Seelenteil (thymeoides), dessen Tugend die Tapferkeit ist und der begehrende Seelenteil (epithymetikon), dessen Tugend das Maßhalten ist. Vgl.: Meyers Enzyklopädisches Lexikon

[6] Vgl.: Barbara Guckes: Stoische Ethik – eine Einführung, S. 6 - 11

Details

Seiten
8
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638897761
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v78961
Institution / Hochschule
Universität Konstanz – Fachbereich: Philosophie
Note
1,0
Schlagworte
Weltanschauung Anhänger Auswirkungen Willensschwäche Stoiker

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