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Vergleichende Untersuchung zu Entwicklungen auf Tagungsmärkten unter besonderer Berücksichtigung der Tagungshotels, dargestellt am Beispiel von Deutschland und Frankreich

Diplomarbeit 2007 121 Seiten

Touristik / Tourismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1 Der Tagungs- und Kongressmarkt als Teil des Geschäftsreisemarktes
1.1 Die Einordnung des Tagungs- und Kongressmarktes in den Geschäftsreisemarkt
1.2 Die Anbieter auf dem Tagungs- und Kongressmarkt
1.2.1 Die Tagungs- und Kongressstätten
1.2.2 Tagungshotels als Anbieter auf dem Tagungs- und Kongressmarkt
1.2.3 Die externen Dienstleister
1.3 Die Nachfrager auf dem Tagungs- und Kongressmarkt
1.3.1 Die Veranstalter von Tagungen und Kongressen
1.3.2 Die Stellung von Professional Congress Organizer (PCO) auf dem Tagungs- und Kongressmarkt
1.3.3 Die Teilnehmer an Tagungen und Kongressen
1.3.4 Zu den Anforderungen der Nachfrager an Tagungs- und Kongressleistungen unter besonderer Berücksichtigung der Hotelleistungen

2 Zu quantitativen und qualitativen Entwicklungen in der deutschen und französischen Tagungshotellerie
2.1 Ein Versuch der Darstellung von quantitativen Entwicklungen in der Tagungshotellerie
2.2 Die qualitativen Entwicklungen in der Tagungshotellerie
2.2.1 Die in der Tagungshotellerie agierenden Organisationen
2.2.2 Instrumente zur Qualitätssicherung und -Entwicklung in der Tagungshotellerie

3 Chancen und Risiken für Tagungshotels auf dem deutschen und dem französischen Tagungs- und Kongressmarkt
3.1 Chancen für Tagungshotels
3.1.1 Die Öffnung neuer Märkte
3.1.2 Der Beitritt zu Tagungspools
3.1.3 Der Beitritt zu Hotelkooperationen und Hotelketten
3.1.4 Kundenbindungsprogramme in der Tagungshotellerie
3.1.5 Das Preis-Leistungs-Verhältnis deutscher Tagungshotels
3.2 Risiken für Tagungshotels
3.2.1 Die Kosteneinsparungen seitens der Unternehmen
3.2.2 Der Konkurrenzdruck aus Osteuropa
3.2.3 Das Preis-Leistungs-Verhältnis französischer Tagungshotels
3.2.4 Der Pharmakodex
3.3 Strategien und Maßnahmen, die sich für Tagungshotels aus den Chancen und Risken ergeben

Anlagenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Grundtypen des Kongress- und Tagungsmarktes

Abbildung 2: Standard Tagungspauschale

Abbildung 3: ICCA country and city ranking measured by number of meetings organised in 2006

Abbildung 4: Entwicklung Anteil Hotels am Tagungsstättenangebot in Deutschland

Abbildung 5: Die gewählten Veranstaltungsstätten

Abbildung 6: In welchen Tagungsstättenführern ist Ihr Hotel vermerkt?

Abbildung 7: Dans quels guides de lieux de conférences votre hôtel est-il mentionné?

Abbildung 8: Die vierteljährliche Entwicklung der Hotelpreise im europäischen Vergleich

Abbildung 9: Entwicklung von Hoteltarifen 2007 im europäischen Reisesektor

Abbildung 10: Entwicklung von Hoteltarifen 2006 im europäischen Reisesektor

Abbildung 11: Top Ten der weltweit teuersten Städte 2006

Abbildung 12: Durchschnittliche Zimmerpreise nach Kategorie

Einleitung

Der Tagungs- und Kongressreiseverkehr nimmt im Rahmen des Geschäftsreiseverkehrs eine wichtige Bedeutung ein. 35 % aller Geschäftsreisen werden unternommen, um Kongresse[1] und Tagungen oder andere Veranstaltungen zu besuchen.[2] Durch die fortschreitende Globalisierung wird es zunehmend wichtiger, Geschäftspartner zu treffen und Informationen zwischen zwei Unternehmen oder innerhalb international vertretenen Unternehmen auszutauschen. Des Weiteren schreitet die Entwicklung in vielen Branchen der Wirtschaft in einer derartigen Geschwindigkeit fort, dass es für Unternehmen unabdingbar geworden ist, sich so häufig wie möglich auf den neuesten Stand des Fachwissens zu bringen, um wettbewerbsfähig bleiben zu können. Dafür sind Tagungen und Kongresse eine effektive Möglichkeit.

Im Rahmen dieser Diplomarbeit soll ein Vergleich der Tagungs- und Kongressmärkte Deutschlands und Frankreichs sowie deren Entwicklungen angestellt werden. Dabei liegt der Schwerpunkt der Analyse auf der Tagungshotellerie der beiden Märkte, denn 88 % aller Tagungen und Kongresse werden in Hotels abgehalten.[3] Die Wahl der Länder fiel deswegen auf Deutschland und Frankreich, weil beide unter den weltweit ersten drei bedeutendsten Kongressländern rangieren, direkte Konkurrenten sind und sich demzufolge besonders für eine Analyse qualifizieren.[4]

In Deutschland hat die strukturierte, regelmäßige Erfassung von Tagungs- und Kongressstatistiken erst vor wenigen Jahren begonnen.[5] In Frankreich gibt es zum Tagungs- und Kongressmarkt und zur Tagungshotellerie nur sehr wenige Studien und Statistiken. Nach intensiver Recherche kann an dieser Stelle behauptet werden, dass offensichtlich ein Vergleich beider Länder auf dem Gebiet der Tagungshotellerie bisher noch nicht angestellt wurde. Daher ist das Thema dieser Diplomarbeit von hoher Relevanz und Nützlichkeit für die Weiterentwicklung der Tagungshotellerie innerhalb des Tagungs- und Kongressmarktes. Besonders im Hinblick auf die geographische Nähe, die daraus resultierende direkte Konkurrenz, aber auch enge wirtschaftliche Zusammenarbeit Deutschlands und Frankreichs, ist die Kenntnis der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum jeweiligen Konkurrenz- bzw. Partnermarkt unabdingbar. Diese Informationen soll die vorliegende Diplomarbeit liefern. Außerdem kann sie als Grundlage für weiterführende Studien dienen.

Das Ziel dieser Diplomarbeit ist es, anhand der Analyse und Auswertung eines selbst erstellten Fragebogens und der vorhandenen Sekundärdaten aufzuzeigen, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten auf dem deutschen und französischen Markt existieren. Daraus resultierend sollen die Chancen und Risiken herausgearbeitet werden, die sich auf den beiden Tagungsmärkten ergeben. Letztendlich werden Strategien und Maßnahmen entwickelt werden, mit denen diese Chancen genutzt und Risiken vermieden werden können. Der Fokus der Untersuchung liegt dabei auf der Tagungshotellerie Deutschlands und Frankreichs.

Die vorliegende Diplomarbeit gliedert sich in drei Teile. Im ersten Kapitel wird ein Überblick über den Tagungs- und Kongressreisemarkt präsentiert. Nach einer Abgrenzung zum Geschäftsreisemarkt im Allgemeinen erfolgt eine Darstellung der Anbieter und Nachfrager, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Tagungshotels gelegt wird. Als Grundlage für den zweiten Teil der Arbeit werden mit Hilfe von vorhandenen Statistiken und eines selbst erstellten Fragebogens die quantitativen und qualitativen Entwicklungen auf dem Tagungs- und Kongressmarkt von Deutschland und Frankreich ermittelt und ausgewertet. Die Ergebnisse werden anschließend im zweiten Kapitel der Arbeit dargestellt. Neben der quantitativen Entwicklung wird hier der Blick besonders auf Instrumente gerichtet, die auf den beiden Märkten angewendet werden, um die Qualität des Angebots innerhalb der Tagungshotellerie zu sichern und zu verbessern. Im dritten Teil der vorliegenden Diplomarbeit werden schließlich die Chancen und Risiken erläutert, die für Tagungshotels auf dem Markt bestehen und die entsprechenden Strategien und Maßnahmen erarbeitet.

1 Der Tagungs- und Kongressmarkt als Teil des Geschäftsreisemarktes

1.1 Die Einordnung des Tagungs- und Kongressmarktes in den Geschäftsreisemarkt

Der Tagungs- und Kongressmarkt wird innerhalb der Tourismuswirtschaft dem Geschäftsreisemarkt zugeordnet und ist daher eine bestimmte Form der Geschäftsreise.[6] Um den Tagungs- und Kongressmarkt näher erläutern zu können, muss daher zuerst der Begriff der Geschäftsreise definiert werden. Geschäftsreisen werden als

„(…) berufsbedingte Ortsveränderungen von kurzer Dauer mit mindestens einer Übernachtung (…) oder ohne Übernachtung (…)“[7]

definiert.

Die International Congress & Convention Association (ICCA) definiert den Geschäftstourismus wie folgt:

"Business tourism is the provision of facilities and services to the millions of delegates who annually attend meetings, congresses, exhibitions, business events, incentive travel and corporate hospitality."[8]

Die Geschäftsreise unterscheidet sich in drei Punkten grundlegend von der Urlaubsreise. Zum Ersten liegt der Geschäftsreise eine berufliche Motivation zugrunde. Die Motive für eine Urlaubsreise sind personeller Natur, beispielsweise der Wunsch nach Erholung und Spaß. Zum Zweiten ist die Geschäftsreise in den meisten Fällen fremdbestimmt, denn der Vorgesetzte trifft die Entscheidung für die Reise. Bei der Freizeitreise entscheidet der Reisende selbst. Das dritte Unterscheidungskriterium ist der Zeitpunkt bzw. der Zeitraum der Reise. Während der für die Geschäftsreise genutzte Zeitfonds als Arbeitszeit betrachtet wird, so wird für die Urlaubsreise die Freizeit genutzt.[9]

Eine Reise, die zum Vergnügen unternommen wird, ist Teil des Konsums einer Person. Daher fließen in die Entscheidung für oder gegen die Reise Komponenten, wie etwa die finanzielle oder gesundheitliche Situation der Person, mit ein. Die Geschäftsreise wird hingegen als Investition betrachtet, ist daher als Bestandteil bzw. als Vorleistung der Produktion einer Dienstleistung oder eines Produktes zu sehen. Sie erfolgt weitgehend unabhängig von der persönlichen Situation der reisenden Person. Die Geschäftsreise wird daher klar von der Freizeitreise abgegrenzt und als eigenständiges Segment des Tourismus betrachtet.[10]

Der Geschäftsreiseverkehr wird auf internationaler Ebene, besonders im asiatischen Raum, mit dem englischen Begriff MICE bezeichnet. Diese Abkürzung steht für vier Formen von Geschäftsreisen. M steht dabei stellvertretend für Meetings (geschäftliche Zusammenkünfte), I für Incentive-Travel (Incentive-Reisen), C für Conferences and Conventions (Konferenzen und Tagungen) und E für Exhibitions (Messen und Ausstellungen). Spricht man in Deutschland von der MICE-Industrie, so wird das E häufig mit dem Begriff „Events“ übersetzt. In Deutschland wird der Begriff zwar verwendet, allerdings werden die einzelnen Geschäftsreiseformen meist getrennt voneinander betrachtet. Des Weiteren bleibt bei der internationalen Definition die „klassische Geschäftsreise“ außen vor. Bei der deutschen Betrachtung des Geschäftsreiseverkehrs spielt sie jedoch eine wesentliche Rolle.[11]

Der Geschäftsreise-Tourismus umfasst hierzulande folgende vier Formen von Geschäftsreisen:

- Die klassische Geschäftsreise

Eine klassische Geschäftsreise ist dadurch gekennzeichnet, dass sie anlässlich „(…) wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Unternehmen und sonstigen Organisationen mit verschiedenem Standort (…)“[12] durchgeführt wird. Die zugrunde liegende Veranlassung für die Reise kann dabei sehr unterschiedlich sein. Ein Anlass für eine klassische Geschäftsreise kann die Erstellung von Leistungen im Rahmen der Produktion sein, wie beispielsweise Wartungs- oder Reparaturarbeiten. Aber auch der Vertrieb von Produkten oder Dienstleistungen wird als klassische Geschäftsreise betrachtet, sofern dabei ein Ortswechsel unternommen werden muss. Bei klassischen Geschäftsreisenden handelt es sich generell um Individualreisende.[13]

- Die Messe- und Ausstellungsreise

Messe- und Ausstellungsreisende können einerseits Mitarbeiter von Unternehmen sein, die auf der jeweiligen Messe eigene Produkte oder Dienstleistungen vorstellen oder verkaufen; auf der anderen Seite können Messe- und Ausstellungsreisende auch Fachbesucher sein, die Informationen über neuartige Produkte einholen oder Verträge mit den Ausstellern abschließen. Dabei differenziert man, je nach Reichweite, in regionale und überregionale Messen und Ausstellungen. Obwohl beide unter einem Begriff zusammengefasst werden, unterscheiden sich Messen und Ausstellungen grundsätzlich voneinander. Auf Messen werden Produkte und Dienstleistungen in der Regel nur dem Publikum präsentiert und nicht zum Verkauf angeboten, wie dies bei Ausstellungen generell der Fall ist. Das Ziel der Produktpräsentation ist es, das Unternehmen und das Produkt beim potenziellen Kunden bekannt zu machen und ein gewünschtes Image zu vermitteln. Messen sind demzufolge ein besonders beliebtes Instrument des Marketing-Mix von Unternehmen.[14]

- Die Incentive-Reise

Incentive-Reisen beanspruchen eine Sonderstellung innerhalb des Geschäftsreise-Tourismus, da sie im Allgemeinen nicht aus beruflichen Gründen unternommen werden. Sie sind aber dennoch mit dem Beruf verknüpft, weshalb sie zu den Geschäftsreisen hinzu gezählt werden. Die Society of Incentive Travel Executives (SITE) definiert Incentive –Reisen wie folgt:

„(…) ein modernes Führungsinstrument, welches zur Erreichung ungewöhnlicher Unternehmensziele eingesetzt wird, indem man die Beteiligten, entsprechend ihres Anteils an der Zielerreichung, mit einer außergewöhnlichen Reiseerfahrung belohnt.“

Der Begriff „Incentive“ stammt aus dem Englischen und bedeutet in der Übersetzung „Anreiz“. Viele Unternehmen bieten Ihren Mitarbeitern Incentives, um sie zu höherer Leistungsbereitschaft anzuspornen oder um überdurchschnittliche Leistungen zu belohnen. Auch Kunden können durch Incentives zu höherer Kaufbereitschaft animiert werden, oder das Unternehmen nutzt dieses Instrument zur Kundenbindung. Eine Incentive-Reise ist somit eine spezielle Form des Incentive. Trotz der Tatsache, dass sie meist kostspieliger ist, ist sie deutlich beliebter als andere Incentive-Arten, wie Geld- oder Sachprämien, denn dadurch, dass sie Emotionen auslöst, bleibt sie länger im Gedächtnis und ist somit als Motivationsfaktor deutlich effizienter.[15]

- Die Kongress- und Tagungsreise

Beim Tagungs- und Kongresstourismus kommen meist ortsfremde Personen in speziell dafür vorgesehenen Räumlichkeiten zusammen, um berufliche Informationen auszutauschen. Die Teilnehmer treffen sich zum Meinungsaustausch über ein Thema, welches die Interessen Aller bündelt.

„Der Kongress- und Tagungstourismus umfasst die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus Reise und Aufenthalt von überwiegend beruflich motivierten Personen ergeben, die für weniger oder mehr als 24 Stunden in Destinationen reisen – (welche für sie weder Aufenthaltsort (…) noch hauptsächliche Arbeits- bzw. Wohnorte sind) – und an externen Veranstaltungen mit internationalem oder nationalem Charakter teilnehmen!“[16]

Der Tagungs- und Kongressreiseverkehr wird deshalb dem Geschäftsreisetourismus zugeordnet, weil mit ihm typische Bestandteile des Tourismus verknüpft sind, wie beispielsweise der Transport zum Tagungsort, die Beherbergung bei mehrtägigen Veranstaltungen und sonstige Dienstleistungen, die mit der Reise und dem Aufenthalt verknüpft sind.[17]

Im Tagungs- und Kongresswesen gibt es eine Vielzahl verschiedener Begriffe, mit denen Veranstaltungen bezeichnet werden. Der Begriff „Kongress- und Tagungsreisen“ umfasst alle Reisen zu Kongressen, Tagungen, Konferenzen und Seminaren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Grundtypen des Kongress- und Tagungsmarktes

Quelle: Schreiber, (Kongress- und Tagungswesen), S. 7.

Abbildung 1 beschreibt die vier „Grundtypen des Kongress- und Tagungsmarktes“[18], die sich in Größe, Dauer, Form, Entscheidungszeitraum und Organisation voneinander unterscheiden (Vgl. Abb. 1). Zusätzlich zu diesen vier Grundtypen existieren Sonderformen des Tagungs- und Kongressreiseverkehrs, wie z. B. die Kongress-Messe oder der Messe-Kongress. Unternehmen verschiedenster Branchen lassen Kongresse in regelmäßigen Abständen, die zwischen einem und vier Jahren variieren können, stattfinden. Die anderen Veranstaltungstypen werden in der Regel einmalig durchgeführt.[19]

Die Tagungs- und Kongressreise unterscheidet sich von den anderen Geschäftsreiseformen darin, dass ihr neben einer beruflichen Motivation auch eine nebenberufliche Motivation zugrunde liegen kann. Beispielsweise kann eine Person zu einer sportlich, politisch oder anders orientierten Tagungs- oder Kongressveranstaltung reisen ohne dass diese Reise im Zusammenhang mit dem vom Reisenden ausgeübten Beruf steht. Des Weiteren werden Tagungs- und Kongressreisen als eine Form von Gruppenreisen betrachtet. Auch wenn die An- und Abreise nicht in der Gruppe erfolgt, wird dennoch ein gemeinsames Ziel verfolgt, nämlich Kenntnisse über ein bestimmtes Fachgebiet zu erwerben oder Kontakte zu knüpfen.[20]

1.2 Die Anbieter auf dem Tagungs- und Kongressmarkt

Die Angebotsseite des Tagungs- und Kongressmarktes umfasst zwei Anbietergruppen. Zum einen sind dies die Anbieter von Tagungs- und Kongressstätten und zum anderen die Anbieter von externen Dienstleistungen. Letztere sind jene Dienstleister, welche bei der Organisation und Abwicklung der Tagung in Anspruch genommen werden.[21] Die beiden Anbietergruppen müssen miteinander kooperieren um dem Nachfrager ein möglichst komplettes Angebot zu präsentieren. Hierbei kommt den Tagungshotels als Anbieter auf dem Tagungs- und Kongressmarkt eine besondere Stellung zu, da es ihnen möglich ist, die Veranstaltungsstätte sowie die externen Dienstleistungen bereitzustellen und so alle Leistungen von einem einzigen Anbieter angeboten werden.

Im Folgenden werden die Rollen der einzelnen Anbieter aus Sicht des deutschen Tagungs- und Kongressmarktes erläutert. Die aufgeführten Statistiken beziehen sich auf deutsche Unternehmen und Veranstaltungsreisende. Dabei sind die grundlegenden Strukturen des Anbietermarktes identisch mit den französischen Strukturen. Auf die Besonderheiten des französischen Tagungs- und Kongressmarktes wird im zweiten Kapitel näher eingegangen.

1.2.1 Die Tagungs- und Kongressstätten

Es existieren verschiedene Arten von Tagungs- und Kongressstätten, welche jeweils unterschiedliche Charakteristika aufweisen. Bei der Definition dieser verschiedenen Typen wurde eine Mindestbestuhlung von 20 Personen im größten Raum zugrunde gelegt.[22] Häufig werden Veranstaltungen auch in firmeneigenen Veranstaltungsräumen abgehalten. Diese werden an dieser Stelle jedoch dadurch, dass sie kaum als Leistung angeboten werden und deswegen auf dem Markt so gut wie gar nicht auftreten, nicht weiter betrachtet.

Tagungen und Kongresse können in Kongresszentren abgehalten werden. Diese bieten meist zahlreiche Räume, die häufig unterschiedlich groß sind, um möglichst viele unterschiedliche Anforderungen der Kunden befriedigen zu können. Überdies bieten Kongresszentren ein umfassendes und auch meist modernstes Angebot an Tagungstechnik. Man findet sie hauptsächlich in Großstädten, wo genügend Nachfrage vorhanden ist, damit diese Großeinrichtungen wirtschaftlich arbeiten können. Meist sind sie auch an eine Messegesellschaft angebunden, welche sie bedient.[23] In Deutschland ist das Internationale Congress Centrum (ICC) in Berlin das größte Kongresszentrum, gefolgt vom Congress Center Messe Frankfurt, dem Congress Centrum Hamburg (CCH), dem Internationalen Congress Center München (ICM) und dem Congress Center Düsseldorf (CCD).[24] Diese fünf Kongresszentren haben sich zusammen mit den Kongresszentren der Stadt Köln und Stuttgart als die sieben größten Kongresszentren Deutschlands zu der Marketingkooperation „Seven Centers“ zusammengeschlossen.[25] Die Kongresszentren stellen in Deutschland nur einen Anteil von rund 4 % aller Veranstaltungsstätten dar. Lediglich 14 % aller Veranstaltungen finden dort statt. Doch aufgrund der großen Raumkapazitäten entfallen 50 % aller Teilnehmer auf die Kongresszentren.[26]

Über ein geringeres Angebot an Räumen verfügen in der Regel Stadt- und Mehrzweckhallen. Sie befinden sich meist in mittleren und kleinen Städten und werden für eine Vielzahl von verschiedenen Veranstaltungen genutzt. Diese können zum Beispiel sportlicher, wissenschaftlicher oder auch kultureller Natur sein. Trotz einer wachsenden Bedeutung für Firmenveranstaltungen bieten diese Hallen nicht das Maß an technischem Standard, welches große Kongresszentren bieten.[27]

Ein besonders großer Teil aller Tagungen und Kongresse wird in Tagungshotels abgehalten. Auf das Hotel als Tagungsstätte wird in Gliederungspunkt 1.2.2 genauer eingegangen.

Hochschulen und Universitäten sind besonders attraktiv für wissenschaftliche Kongresse und Seminare, da sie über ein besonders großes, preislich günstiges und, bezüglich der Größe, auch vielfältiges Raumangebot verfügen sowie meist auch die benötigte Technik aufgrund des Vorlesungsbetriebs vorhanden ist. Allerdings gibt es hier Einschränkungen bezüglich der Nutzungszeiträume. Im Allgemeinen stehen die Räume für externe Personen und Unternehmen nur außerhalb der Vorlesungszeit zur Verfügung. Des Weiteren können Hochschulen oft keine Zusatzleistungen, wie etwa die ausreichende gastronomische Bewirtung der Gäste, anbieten.

Messe- und Ausstellungshallen werden für große Ausstellungen genutzt. Es können dort aber auch andere Großveranstaltungen beispielsweise sportlicher oder kultureller Art stattfinden. Sie zeichnen sich in der Regel durch eine ausgezeichnete Verkehrsanbindung und eine sehr gute technische und räumliche Ausstattung aus.

Bildungseinrichtungen und Akademien sind genau so wie Hochschulen räumlich und technisch gut ausgestattet. Jedoch verfügen sie nicht über gastronomische oder Beherbergungsleistungen. Sie werden im Rahmen des Tagungs- und Kongresswesens meist für Weiterbildungsmaßnahmen genutzt.[28]

Letztendlich gibt es noch eine Vielzahl außergewöhnlicher Veranstaltungsstätten, die auch „Special (Event) Locations“ genannt werden und die das traditionelle Angebot etwas variieren. Die beliebtesten außergewöhnlichen Veranstaltungsstätten sind Schlösser und Burgen, ehemalige Klöster und Weingüter, stillgelegte Fabrikgebäude, Kinos, Musicaltheater und Konzerthäuser.[29] Die Nachfrage nach diesen Tagungsstätten ist relativ neu und stark wachsend.[30] Sie resultiert aus dem Trend der zunehmenden Erlebnisorientierung und dem Wunsch nach Individualität. Unternehmen oder Organisationen möchten sich von der Masse abheben und ihren Gästen etwas „Besonderes“ bieten. Dabei fallen für den Veranstalter meist Mehrkosten an, da die nötige technische Ausstattung nicht vorhanden ist. Es steht der Erlebnisfaktor im Vordergrund. Der Vorteil bei dieser Art von Veranstaltungsstätten ist, dass das Rahmenprogramm oft mit eingeschlossen ist.[31]

1.2.2 Tagungshotels als Anbieter auf dem Tagungs- und Kongressmarkt

„Unter einem Tagungs- und Kongresshotel ist ein auf die Zielgruppe Tagungs- und Kongressreisende spezialisiertes Hotel zu verstehen, welches sich von anderen Hotels durch sein Leistungsangebot abgrenzt und entsprechend professionell Veranstaltungen unterschiedlicher Art durchführen kann.“[32]

Das Tagungshotel stellt auf dem Tagungs- und Kongressmarkt die wichtigste Tagungsstätte dar. Mehr als 85 % aller Veranstaltungen werden in Hotels abgehalten.[33] Der Grund dafür, dass die Veranstalter meistens Hotels als Veranstaltungsstätten auswählen, ist, dass vom Hotel alle gewünschten Leistungen „unter einem Dach“ angeboten werden. Der Veranstalter hat die Möglichkeit hier sowohl die Beherbergungs- und Bewirtungsleistung für die Tagungsteilnehmer als auch die Tagungsräume mit der benötigten Tagungstechnik zu buchen. Zusätzlich können die Gäste die Sport- und Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbad und Fitness- oder Wellnessbereich des Hotels nutzen.[34] Viele Hotels bieten als zusätzliche Dienstleistung auch die Buchung und Organisation von Rahmenprogrammen an.

Der Veranstalter kann ein so genanntes „Meeting Package“ buchen. Diese Tagungspauschalen sind in unterschiedlichen Ausführungen buchbar, und die einzelnen Elemente sind meist auch kombinierbar.

„Eine Tagungspauschale (Meeting Package) ist ein Angebotspaket, welches verschiedene tagungsspezifische Dienstleistungen des Hotels beinhaltet und zu einem Pauschalpreis angeboten wird. Die Tagungspauschale erlaubt dem Tagungs- und Kongressveranstalter auf den ersten Blick einen Vergleich mit seinem verfügbaren Budget und den Angeboten verschiedener Hotels.“[35]

Dieses komplexe Angebot umfasst in der Regel bei der reinen Tagungspauschale die Miete für die Tagungsräume, die Tagungstechnik und die Betreuung. Bei Komplettpauschalen sind in der Regel die Beherbergungsleistung sowie die Bewirtungsleistung mit Kaffeepausen, Getränken und Mittagessen mit eingeschlossen. Oft bieten Tagungshotels eine Vielzahl von verschiedenen Tagungspauschalen für verschiedene Arten von Veranstaltungen und unterschiedliche Zielgruppen. So bietet zum Beispiel das „Maritim“ Hotel in Stuttgart vier verschiedene Tagungspauschalen, die nach Angebot und Preisen gestaffelt sind: Die „Standard Tagungspauschale“, wie in Abbildung 2 beschrieben, die „Komfort Tagungspauschale“, die „Maritim Tagungspauschale“ und die „Premium Tagungspauschale“ (Vgl. Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Standard Tagungspauschale

Quelle: www.maritim.de

1.2.3 Die externen Dienstleister

Die Anbieter externer Dienstleistungen ergänzen mit ihrem Dienstleistungsangebot die Leistungen der Veranstaltungsstätten. Diese externeren Dienstleister sind beispielsweise Transportunternehmen, die den Transport von und zu der Tagungsstätte sowie Transferfahrten während des Aufenthalts durchführen. Weitere Anbieter externer Dienstleistungen sind Beherbergungs- und Gastronomieunternehmen, Anbieter von Veranstaltungstechnik, Personalvermittler sowie weitere Dienstleister die zur Durchführung des Rahmenprogramms in Anspruch genommen werden.[36]

- Die Transportunternehmen

Bei einer Veranstaltung nutzen die Teilnehmer Transportmittel zur An- und Abreise zu und von dem Veranstaltungsort sowie eventuell auch während der Veranstaltung. Bei der An- und Abreise sind die drei Verkehrsmittel Flugzeug, Bahn und PKW von größter Bedeutung. Dabei ist die Nachfrage nach den einzelnen Verkehrsmitteln abhängig von der Entfernung des Wohnortes der Teilnehmer zum Veranstaltungsort.[37] Als Kriterien für die Wahl des Transportmittels gelten auch die Dauer sowie die Kosten des Transports, die Betreuung und Serviceleistungen vor und während des Transports und die Tatsache, ob es eine Direktverbindung gibt.[38]

Bei Geschäftsreisen außerhalb Deutschlands ist das Flugzeug das meist genutzte Verkehrsmittel. Bei außereuropäischen Reisen fällt die Wahl bei 91 % der Geschäftsreisen auf das Flugzeug, bei 28 % auf den Mietwagen und bei 13 % auf die Bahn. Im europäischen Ausland wird bei 59 % aller Geschäftsreisen das Flugzeug als Transportmittel gewählt. Die Bahn folgt mit 17 % und der Mietwagen wird nur bei 15 % der Reisen gewählt. Innerhalb Deutschlands werden mit 90 % der Privat-Pkw und der Firmenwagen am häufigsten genutzt. 25 % aller Geschäftsreisenden nutzen die Bahn, und nur
11 % aller Geschäftsreisenden nutzen das Flugzeug für die Fortbewegung im Inland.[39]

Angesichts der hohen Flugfrequenzen, des besonders großen Streckennetzes und der Regelmäßigkeit des Linienflugverkehrs, wird dieser im Allgemeinen dem Charterflugverkehr, welcher diese Merkmale nicht aufweist, vorgezogen. Die meisten Linienfluggesellschaften bieten neben den Beförderungsklassen Economy-Class und First-Class die so genannte Business-Class an, welche speziell auf die Wünsche Geschäftsreisender ausgerichtet ist. Sie bietet einen höheren Sitzkomfort als die Economy-Class und Leistungen, die es dem Reisenden ermöglichen während des Fluges zu arbeiten, wie zum Beispiel einen Anschluss für den Laptop, Internet oder Telefon- und Faxservice.

Viele Fluggesellschaften bieten Firmenkunden spezielle Firmenförderungsprogramme an, die die Unternehmen durch attraktive Preisvergünstigungen als Kunden an die Fluggesellschaft binden sollen. Meist wird vertraglich ein Mindestreisevolumen vereinbart, bei dessen Erreichen der Kunde entweder Prämien auswählen kann oder Rabatte auf künftige Flüge bekommt. Zusätzlich werden Bonussysteme angeboten, die das gleiche Prinzip der Kundenbindung verfolgen. Bei diesen Bonussystemen kann der einzelne Kunde, hier der Geschäftsreisende, Flugmeilen sammeln, welche er bei Erreichen einer gewissen Meilenzahl in einen Flug eintauschen kann. Die Bahn und auch viele Mietwagengesellschaften bieten inzwischen ähnliche Firmenförderungsprogramme und Bonussysteme an.[40]

Vor Ort werden dann während der Veranstaltung Taxi- und Busunternehmen mit den Transfers zwischen den Beherbergungs- und Veranstaltungsstätten beauftragt. Es ist auch üblich, dass Kongresszentren in Kooperation mit dem Öffentlichen Personennahverkehr ein Kongressticket anbieten, welches den Teilnehmern die kostenfreie Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel gewährt.[41]

- Die Beherbergungsunternehmen

Ein Beherbergungsunternehmen kann als Veranstaltungsstätte genutzt werden, welche alle Leistungen „unter einem Dach“ zur Verfügung stellt oder aber nur als Zusatzleistung, wenn die Veranstaltung selbst beispielsweise in einem Kongresszentrum stattfindet. Wenn letzteres der Fall ist wird das Beherbergungsunternehmen zu den externen Dienstleistern gezählt. An einem Veranstaltungsort sollte immer ein ausreichendes Angebot an Hotels vorhanden sein. Dabei ist die Quantität der Hotels ebenso bedeutend wie die Qualität.

Zur Unterbringung der Tagungsteilnehmer muss ein ausreichendes Angebot an Hotels der 3- und 4-Sterne Kategorie vorhanden sein. Die Referenten und „VIPs“ werden häufig auch in Hotels der Luxusklasse untergebracht. Wichtig dabei ist, dass die Hotels der genannten Kategorien über genügend Zimmerkapazitäten verfügen, damit der Veranstalter nicht zu viele verschiedene Hotels buchen muss. Ansonsten wird die Veranstaltungslogistik erschwert. Denn je mehr verschiedenen Hotels genutzt werden, desto komplizierter und umfangreicher wird die Organisation der Transfers und die Anfahrtszeiten werden verlängert.[42]

Bei der Qualität der Hotels ist zum einen, wie oben erwähnt, die Kategorie von Bedeutung, zum anderen ist es von Vorteil, wenn die Hotels zu den so genannten Business-Hotels zählen. Unter diese Kategorie fallen die Geschäftsreisehotels und die Tagungshotels. Dabei werden diese Begriffe meist synonym verwendet. Diese Hotels sprechen vor allem Geschäfts- und Tagungsreisende als primäre Zielgruppe an. Ein Business-Hotel bietet gewisse zusätzliche Leistungen an, so genannte „Inhouse-Services“, um die Ansprüche der Geschäftsreisenden zu erfüllen. Es kann beispielsweise über einen „Business-Floor“ verfügen, eine gesonderte Etage, auf der die Zimmer mit zusätzlichen Elementen ausgestattet sind, die ein effektives Arbeiten ermöglichen sollen. Diese Zimmer besitzen beispielsweise einen größeren Schreibtisch, einen Internetanschluss, zusätzliche Nachrichtensender oder auch einen Faxanschluss. Zusätzlich bieten viele Hotels ein so genanntes „Business-Center“ an, in dem die Gäste unter anderem Bürogeräte ausleihen können oder Übersetzungs- und Sekretariatsleistungen in Anspruch nehmen können.[43]

Tagungshotels verfügen darüber hinaus über eine Vielzahl von Räumen mit verschiedenen Größen und Bestuhlungsmöglichkeiten. Diese Tagungs-, Konferenz- oder Seminarräume sind mit bestimmter Tagungstechnik ausgestattet. Die Details zur Ausstattung der Tagungshotels werden in Gliederungspunkt 1.3.4 näher erläutert.

- Die Gastronomie

Der Bewirtung während der Veranstaltung wird laut Beckmann die größte Bedeutung unter den externen Dienstleistungen zugeschrieben. Sie rangiert in der Reihenfolge der Bedeutung für die Tagungsteilnehmer ganz oben in der Liste.[44]

Bei den Anbietern von Veranstaltungsräumen ist es meist so, dass sie einen Exklusivvertrag mit einem Gastronomiebetrieb haben oder aber der Gastronomiebetrieb ist eine Tochtergesellschaft des Anbieters selbst. In diesem Fall kann der Anbieter direkten Einfluss auf die Qualität des Angebots nehmen.[45]

Bei Tagungshotels erfolgt die Bereitstellung der Gastronomieleistungen aus dem Betrieb heraus. Die Food & Beverage Abteilung des Hotels übernimmt das gesamte Catering für die Veranstaltung. In der Regel sind die gastronomischen Leistungen wie Lunch Buffet oder Kaffeepause während der Veranstaltung in der vom Hotel angebotenen Tagungspauschale inkludiert.

- Die Anbieter von Veranstaltungstechnik

Nicht jede Veranstaltungsstätte verfügt über die gesamte Bandbreite der Konferenztechnik. Darüber hinaus ist es für die Anbieter sehr aufwändig und kostenintensiv dauerhaft auf dem neusten Stand der Technik zu sein, da deren Halbwertzeit sich fortwährend verkürzt. Die Veranstaltungsstätten müssen jedoch in der Lage sein, die geforderte Technik jederzeit schnellstmöglich über einen Kooperationspartner beschaffen und bereitstellen zu können.[46]

Viele Agenturen haben sich auf Messebau und als Bestandteil dessen auch auf Veranstaltungstechnik spezialisiert. Dabei bieten Sie die Bereitstellung verschiedenster Geräte sowie die technische Betreuung der Veranstaltung. Denn während der Veranstaltung ist es wichtig, dass immer eine Person anwesend ist für die Koordination der Technik und für die Behebung eventuell auftretender technischer Probleme.

- Die Personalvermittler

Für den Ablauf der Veranstaltung benötigt der Veranstalter Personal für verschiedene Dienstleistungsbereiche. Dieses Personal steht in der Regel in keinem dauerhaften Arbeitsverhältnis zu dem Veranstalter sondern kommt – meist als freiberufliche Mitarbeiter – nur für den Zeitraum der Veranstaltung zum Einsatz.

Mehrere Hostessen übernehmen beispielsweise den Empfang der Gäste oder den Garderobenbetrieb und stehen jederzeit für Informationen über die Veranstaltung zur Verfügung. Für den Auf- und Abbau von Ausstellungen oder der Bestuhlung werden häufig Helfer eingestellt. Wenn nicht durch den Gastronomiebetrieb bereitgestellt, wird häufig auch die Hilfe von Service-Mitarbeitern benötigt. Besonders bei internationalen Kongressen ist die Mitarbeit von Dolmetschern und Übersetzern unabdingbar.[47]

Die Bereitstellung dieses Personals haben sich unzählige Agenturen zur Berufung gemacht. Da für diese Aushilfstätigkeiten meist nur Studenten oder Freiberufler zur Verfügung stehen, haben die meisten dieser Agenturen eine Personalkartei entwickelt, in die sich Bewerber online eintragen können. Hieraus können dann je nach Bedarf und Anforderungen die passenden Bewerber ausgesucht und weitervermittelt werden.

- Die Dienstleister des Rahmenprogramms

„Rahmenprogramme sind gesellschaftliche und fachliche Veranstaltungen, die das Gesamtprogramm abrunden (…).“[48]

Das Rahmenprogramm ist ein wichtiger Bestandteil eines Kongresses oder einer Veranstaltung. Durch die wachsende Erlebnisorientierung der Gesellschaft und den Wunsch nach Individualität sind außergewöhnliche Erlebnisse besonders beliebt. Da die Entscheidung vieler Teilnehmer für oder gegen die Teilnahme an einer Veranstaltung daher auch von deren Erlebnischarakter abhängt, rückt das Rahmenprogramm zunehmend in den Vordergrund. Darüber hinaus werden die Teilnehmer oft auch von Personen begleitet, die nicht an der Veranstaltung selbst teilnehmen. Für diese Begleitpersonen wird ein so genanntes „Beiprogramm“ konzipiert, das ähnlich wie das Rahmenprogramm, welches vor bzw. nach der Veranstaltung stattfindet, der Unterhaltung und Entspannung dienen soll.[49] Laut der aktuellsten Tagungsmarktstudie des German Convention Bureau e.V. (GCB) und der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) werden daher 40 % aller Veranstaltungsreisen mit Rahmenprogrammen verknüpft.[50]

Wenn ein Professional Congress Organizer (PCO) mit der Durchführung einer Veranstaltung beauftragt wurde, organisiert dieser auch meist das Rahmenprogramm. Dabei fungiert der PCO oder die Agentur als Vermittler zwischen dem Veranstalter und den einzelnen, meist touristischen, Dienstleistern, deren Leistungen dann zu einem Rahmenprogramm kombiniert werden. Wird die Veranstaltung vom Veranstalter selbst organisiert, wird oft ein Reisebüro oder eine Eventagentur mit der Organisation des Rahmenprogramms beauftragt.

1.3 Die Nachfrager auf dem Tagungs- und Kongressmarkt

Die Nachfrager auf dem Tagungs- und Kongressmarkt setzen sich zusammen aus den Veranstaltern, den PCO und den Tagungs- und Kongressteilnehmern. Die Veranstalter sind in der Regel die Ansprechpartner bezüglich der Veranstaltungsorganisation und somit auch die Entscheidungsträger für die Inhalte und Leistungen. Sie wählen den Ort der Tagung und die Tagungsstätte. Die Anforderungen der Tagungsteilnehmer geraten zunehmend in den Fokus der Betrachtung der Anbieter, da deren Zufriedenheit ausschlaggebend ist für die Messung des Erfolgs einer Veranstaltung.[51]

1.3.1 Die Veranstalter von Tagungen und Kongressen

Die Veranstalter von Tagungen und Kongressen setzen sich aus Unternehmen und Verbänden, Vereine und Institutionen zusammen. Diese Differenzierung ist das Ergebnis der Marktsegmentierung[52] die im Rahmen der Marktforschung auf dem Tagungs- und Kongressmarkt durchgeführt wird. Dabei wird unter Anderem ermittelt, aus welchem Bereich der jeweilige Veranstalter kommt, also ob er in der Privatwirtschaft oder in der öffentlichen Wirtschaft agiert und wie groß die Nachfrage in den beiden Bereichen ist. Dabei werden in Deutschland 67 % aller Veranstaltungen von der Privatwirtschaft veranlasst. Bei den Verbänden, Vereinen und Institutionen beläuft sich die Nachfrage auf 33 % aller Veranstaltungen.[53]

Die dominierenden Branchen im Hinblick auf die Anzahl der Veranstaltungen sind in Deutschland die Branche „Handel, Banken, Versicherungen“ mit durchschnittlich 15 % aller Veranstaltungen und „Kommunikation, Medien“ mit 12 %. Betrachtet man jedoch die Anzahl der Teilnehmer, so steht die Branche „Chemie, Pharma, Kosmetik“ mit 8 % aller Teilnehmer an zweiter Stelle nach „Handel, Banken, Versicherungen“ mit 15 %. Auch bei der Häufigkeit der Veranstaltungen ergeben sich Unterschiede zwischen den Unternehmen und den Verbänden. Während Groß-Unternehmen im Durchschnitt acht Tagungen und Kongresse pro Jahr durchführen, veranstalten Verbände lediglich fünf Tagungen im Jahresdurchschnitt. Die Teilnehmerzahl überwiegt jedoch bei den Verbänden mit durchschnittlich 195 Personen deutlich gegenüber den Unternehmen. Dort liegt die durchschnittliche Teilnehmerzahl bei 95 Personen pro Tagung.[54]

Die Organisation von Veranstaltungen wird entweder durch die unternehmensinterne Travel Management Abteilung durchgeführt, oder es wird ein Professional Congress Organizer damit beauftragt. Bei kleinen und mittleren Unternehmen wird die Organisation auch häufig von den Mitarbeitern der Personalabteilung übernommen.

1.3.2 Die Stellung von Professional Congress Organizer (PCO) auf dem Tagungs- und Kongressmarkt

Der PCO ist eine Kongressagentur, die als Bindeglied zwischen dem Veranstalter und den Leistungsträgern agiert. Das GCB zählt die PCO in seiner Studie zum deutschen Kongressmarkt 1999/2000 innerhalb der Nachfrager auf dem Tagungs- und Kongressmarkt zu den Veranstaltern von Tagungen und Kongressen.[55]

Der PCO übernimmt im Auftrag des Kunden die gesamte Organisation der Veranstaltung. Er plant die Tagungen oder Kongresse, bereitet sie vor, führt sie durch und bereitet sie nach. Bei etwa der Hälfte aller Tagungen wird die Hilfe eines PCO in Anspruch genommen.[56] Besonders bei internationalen, mehrtägigen Veranstaltungen mit mehr als 500 Teilnehmern werden PCO mit der Durchführung der Veranstaltung beauftragt. PCO werden häufiger mit der Organisation von Veranstaltungen beauftragt, die außerhalb des Landes stattfinden sollen, in dem der Veranstalter seinen Sitz hat, als dies bei inländischen Veranstaltungen der Fall ist.[57]

Wird ein PCO mit der Organisation einer Veranstaltung beauftragt, so umfasst seine Verantwortlichkeit jeden Aspekt der Planung und des Managements der Veranstaltung. Dies beinhaltet auch die Bereitstellung von Leistungen, die nicht direkt den Kongress betreffen. Das Leistungsspektrum reicht beispielsweise von der Konzeptentwicklung über Hotelzimmerreservierungen, Transport von und zu der Kongressstätte und Dienstleistungen bezüglich der Konferenztechnik bis hin zur Finanzabwicklung und statistischen Erfassung des Kongresses. Auch Marketingaufgaben wie die Kommunikationspolitik werden vom PCO übernommen. Dabei steht der PCO in ständigem Kontakt mit der Kontaktperson des veranstaltendem Unternehmen oder der veranstaltenden Organisation (Verbände, Vereine oder Institutionen) um die jeweiligen Interessen zu wahren.[58]

Es gibt verschiedene Gründe aus denen ein Veranstalter es vorzieht einen PCO mit der Organisation zu beauftragen, statt die Vorbereitung selbst zu übernehmen. Es kann ein Mangel an Erfahrung oder Personal vorliegen oder der Veranstaltung nutzt den Kostenvorteil, der sich daraus ergibt, dass der PCO durch den Mehrwert an Erfahrung und die bessere Verhandlungsposition wesentlich ökonomischer arbeiten kann.[59]

1.3.3 Die Teilnehmer an Tagungen und Kongressen

Betrachtet man die Teilnehmer von Tagungen und Kongressen, so muss man - genau wie beim Geschäftsreisenden im Allgemeinen - unterscheiden zwischen dem „Kunden“ und dem “Konsumenten“. Im Gegensatz zur Freizeitreise, bei der der Kunde die gleiche Person darstellt wie der Konsument, sind es bei der Kongressreise zwei unterschiedliche Personen. Der Kunde ist in den meisten Fällen das Unternehmen, das einen oder mehrere Mitarbeiter als Repräsentanten in seinem Namen zu der jeweiligen Veranstaltung schickt. Dabei trifft das Unternehmen bzw. der Vorgesetzte des Reisenden die Entscheidung für die Reise und das Unternehmen trägt auch die Kosten. Der Konsument hingegen ist der Kongressreisende selbst. Er trifft nicht die Entscheidung für die Reise und trägt auch nicht die Kosten. Aber er nimmt alle Dienstleistungen, die während der Reise erbracht werden, persönlich in Anspruch, demzufolge „konsumiert“ er die Reise. Dabei entsteht ein Interessenkonflikt zwischen dem Unternehmen und dem Reisenden. Das Unternehmen möchte die Reisekosten auf ein Minimum reduzieren, wohingegen der Reisende ein Maximum an Komfort wünscht. Ausgenommen davon sind selbständige Unternehmer sowie Organisationen und Verbände, die eigene Veranstaltungen organisieren.[60] Die übrigen Teilnehmer, die nicht im Auftrag ihres Unternehmens geschickt wurden, sind meist Selbstzahler. Sie nehmen aus privatem oder beruflichem Interesse an der Veranstaltung teil und buchen die Veranstaltung selbst über eine Agentur. Daher sind bei der Organisation von Veranstaltungen nicht nur die Wünsche und Anforderungen der Veranstalter zu berücksichtigen, es muss auch in besonderem Maße auf die Ansprüche der Tagungsreisenden selbst eingegangen werden. Denn der Erfolg eines Kongresses wird an der Zufriedenheit der Teilnehmer gemessen.[61]

Um die Anforderungen der Teilnehmer ermitteln zu können, muss Marktforschung betrieben werden. Es erfolgt eine Segmentierung der Nachfrage. Neben den allgemeinen Segmentierungskriterien wie Geschlecht, Alter, Bildungsgrad oder Position im Unternehmen, kann die Segmentierung beispielsweise nach der Häufigkeit der Teilnahme an Veranstaltungen, der Anreiseentfernung, der Dauer des Aufenthalts, der Reiseziele, der Ausgaben für die Teilnahme an der Veranstaltung, der Wahl des Verkehrsmittels oder der Wahl der Beherbergung erfolgen. So werden bestimmte Typen von Veranstaltungsteilnehmern ermittelt, um die Marketingaktivitäten vor und nach der Veranstaltung gezielt einsetzen zu können und so die potenziellen Gäste zur Teilnahme zu motivieren und sie auch bestmöglich zufrieden zu stellen.[62]

Bei internationalen Veranstaltungen besteht ein Großteil der Teilnehmer aus Ausländern, welche große Distanzen zurückgelegt haben um teilnehmen zu können. Besonders bei diesen Personen ist eine umfassende Betreuung notwendig, damit sie sich wohl fühlen. Dabei ist es auch wichtig, die möglichen Begleitpersonen in die Veranstaltungsplanung mit einzubeziehen, zum Beispiel bezüglich des Rahmenprogramms (Siehe Gliederungspunkt 1.2.3).[63]

[...]


[1] Die Begriffe Tagung, Kongress und Veranstaltung werden in dieser Diplomarbeit weitestgehend synonym verwendet.

[2] Vgl. VDR, (Geschäftsreiseanalyse 2006), S.3.

[3] Vgl. ghh consult GmbH, (Kongressmarkt 2006), S. 4.

[4] Vgl. UIA, (Meeting Statistics 2005).

[5] Beispielsweise existiert die regelmäßige Untersuchung des GCB „Der Deutsche Tagungs- und Kongressmarkt“ seit 1999; die jährlich erscheinende VDR Geschäftsreiseanalyse seit 2003.

[6] Vgl. Schreiber, (Kongress- und Tagungswesen), S. 3.

[7] Freyer, Naumann, Schröder, (Geschäftsreise-Tourismus), S. 2.

[8] ICCA, http://www.iccaworld.com/aeps/aeitem.cfm?aeid=107 (Stand 02.05.2007).

[9] Vgl. Freyer, Naumann, Schröder, (Geschäftsreise-Tourismus), S. 2.

[10] Vgl. Freyer, Naumann, Schröder, (Geschäftsreise-Tourismus), S. 4 f.

[11] Vgl. ebd., S. 18 f.

[12] Freyer, (Tourismus), S. 77.

[13] Vgl. Freyer, Naumann, Schröder, (Geschäftsreise-Tourismus), S. 19.

[14] Vgl. ebd., S. 21 f.

[15] Vgl. Freyer, Naumann, Schröder, (Geschäftsreise-Tourismus), S. 22 f.

[16] Schreiber, (Kongress- und Tagungswesen), S. 5.

[17] Vgl. Freyer, Naumann, Schröder, (Geschäftsreise-Tourismus), S. 20.

[18] Schreiber, (Kongress- und Tagungswesen), S. 6 f.

[19] Vgl. Freyer, Naumann, Schröder, (Geschäftsreise-Tourismus), S. 20 f.

[20] Vgl. ebd., S. 19 f.

[21] Vgl. Beckmann, (Kongressmanagement), S. 80 f.

[22] Vgl. Schreiber, (Standortfaktoren), S. 89.

[23] Vgl. Schreiber, (Standortfaktoren), S. 90; Beckmann, (Kongressmanagement), S. 24.

[24] Vgl. ghh consult GmbH, (Marktstudie), S. 5.

[25] Vgl. www.sevencenters.de (Stand: 16.03.2007).

[26] Vgl. GCB, (Kongressmarkt 1999), S. 13 ff.

[27] Vgl. Schreiber, (Standortfaktoren), S. 90 f.; Beckmann, (Kongressmanagement), S. 24.

[28] Vgl. Schreiber, (Standortfaktoren), S. 92 f.; Beckmann, (Kongressmanagement), S. 25.

[29] Vgl. GCB, (Kongressmarkt 1999), S. 18.

[30] Vgl. Beckmann, (Kongressmanagement), S. 26.

[31] Vgl. Schreiber, (Standortfaktoren), S. 90 ff.

[32] Henschel, (Hotellerie), S. 132.

[33] Vgl. GCB, (Kongressmarkt 1999), S. 34.

[34] Vgl. Henschel, (Hotellerie), S. 127.

[35] Henschel, (Hotellerie), S. 142.

[36] Vgl. Beckmann, (Kongressmanagement), S. 32 f.

[37] Vgl. Beckmann, (Kongressmanagement), S. 34.

[38] Vgl. Freyer, Naumann, Schröder, (Geschäftsreise-Tourismus), S. 42.

[39] Vgl. ebd., S. 33.

[40] Vgl. Freyer, Naumann, Schröder, (Geschäftsreise-Tourismus), S. 47 ff.

[41] Vgl. Beckmann, (Kongressmanagement), S. 35.

[42] Vgl. Beckmann, (Kongressmanagement), S. 37 f.

[43] Vgl. Freyer, Naumann, Schröder, (Geschäftsreise-Tourismus), S. 61 ff.

[44] Vgl. Beckmann, (Kongressmanagement), S. 38.

[45] Vgl. ebd., S. 37.

[46] Vgl. Beckmann, (Kongressmanagement), S. 37.

[47] Vgl. Schreiber, (Standortfaktoren), S. 97.

[48] Schreiber, (Rahmenprogramm), S. 261.

[49] Vgl. ebd., S. 261 f.

[50] Vgl. GCB, DZT, EVVC, (Kongressmarkt 2006), S. 6.

[51] Vgl. GCB, (Kongressmarkt 1999), S. 25.

[52] Unter Marktsegmentierung versteht man im Marketing die Aufteilung eines heterogenen Gesamtmarktes in homogene Marktsegmente (Käufergruppen).

[53] Vgl. ghh consult GmbH, (Kongressmarkt 2006), S. 3.

[54] Vgl. ghh consult GmbH, (Potenzial-Analyse), S. 9.

[55] Vgl. GCB, (Kongressmarkt 1999), S. 25.

[56] Vgl. Maugé, (Kongress-Marketing), S. 291.

[57] Vgl. GCB, (Kongressmarkt 1999), S. 54.

[58] Vgl. Carey, (Meeting Management), S. 12 f.

[59] Vgl. ebd., S. 13.

[60] Vgl. Swarbrooke, Horner, (Business Travel), S. 22 f.

[61] Vgl. Freyer, Naumann, Schröder, (Geschäftsreise-Tourismus), S. 14 ff.

[62] Vgl. Richter, (Strategien), S.46 f.; Freyer, Naumann, Schröder, (Geschäftsreise-Tourismus), S. 103.

[63] Vgl. Beckmann, (Kongressmanagement), S. 78 ff.

Details

Seiten
121
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638804707
ISBN (Buch)
9783638807791
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v79099
Institution / Hochschule
Hochschule Harz Hochschule für angewandte Wissenschaften
Note
2,3
Schlagworte
Vergleichende Untersuchung Entwicklungen Tagungsmärkten Berücksichtigung Tagungshotels Beispiel Deutschland Frankreich

Autor

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Titel: Vergleichende Untersuchung zu Entwicklungen auf Tagungsmärkten unter besonderer Berücksichtigung der Tagungshotels, dargestellt am Beispiel von Deutschland und Frankreich