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Die Erlebnisgesellschaft. Unteruchung mit dem Fokus auf Bedeutung alltagsästhetischer Schemata und den Erlebnismarkt

Hausarbeit (Hauptseminar) 2000 17 Seiten

Medien / Kommunikation - Methoden und Forschungslogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichis

1. Einleitung

2. Die alltagsästhetischen Schemata
2.1 Begriff und Bedeutung alltagsästhetischer Schemata
2.2 Die drei alltagsästhetischen Schemata

3. Der Erlebnismarkt
3.1 Erlebnis als Handlungsziel
3.2 Rationalität der Erlebnisnachfrage
3.3 Rationalität des Erlebnisangebots
3.4 Dynamik des Erlebnismarktes

4. Schluß

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

“Erlebnisgesellschaft hat an Reiz verloren. Partnerschaft und Familie gewinnen wieder an Wert,”1 so eine Überschrift in der Ostseezeitung vom 4.08.2000.

Der Begriff “Erlebnisgesellschaft” wurde vom Kultursoziologen Gerhard Schulze, aufgrund von empirischen Untersuchungen der Sozialstruktur der BRD in den achtziger Jahren, geschaffen. Die Gesellschaft wurde mit Hilfe komplexer Schematas in fünf verschiedene, soziale Milieus eingeteilt. Die Ergebnisse seiner umfangreichen Arbeit veröffentlichte er in seinem gleichnamigen Buch. Ziel seiner Forschung war es u.a. den Einfluß der Erlebnisorientierung auf die Veränderung der Gesellschaft sowie neue soziale Strukturen zu beschreiben und diese von kulturtypischen, existentiellen Problemen her zu verstehen.

“Vom weltbezogenen Subjekt zur subjektbezogenen Welt: dies ist der große kulturgeschichtliche Einschnitt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.”2 Ob dies für dies für die heutige Gesellschaft noch zutreffen mag, ist fraglich. So ist Prof. Stefan Hardil der Auffassung, daß eine ständige Erlebnisorientierung als erschöpfend empfunden werde. Dagegen haben Familie und Partnerschaft wieder an Stellenwert gewonnen.3

Doch Schulze stellt diesbezüglich fest: “Es wäre erstaunlich, wenn sich die Erlebnisgesellschaft nicht transformieren würde. Genau deshalb, weil sie sich auf einer sehr allgemeinen Ebene treu bleibt, erzeugt die Erlebnigesellschaft neue Muster.”4

Ziel dieser Arbeit soll es sein einige Sachverhalte, die Schulze in seinem Buch “Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart”5 erforscht hat, näher zu beschreiben. Schwerpunkte bilden dabei der Begriff und die Bedeutung alltagsästhetischer Schemata sowie der Erlebnismarkt. Aus Gründen des Umfangs können jedoch nicht alle relevanten Aspekte in Schulzes Argumentation angesprochen werden. Daher wird auch u.a. in dieser Hausarbeit keine Ausführung bezüglich der fünf sozialen Milieus (Niveau-, Harmonie-, Integrations-, Selbstverwirklichungs-, Unterhalungsmilieu) vorgenommen werden.

2. Die alltagsästhetischen Schemata

Im folgenden soll der Begriff der alltagsästhetischen Schemata sowie ihre Bedeutung geklärt werden und im anschließend Kapitel eine nähere Beschreibung dieser erfolgen.

2.1 Begriff und Bedeutung alltagsästhetischer Schemata

Alltagsästhetische Schemata können als “Bündelungen” bzw. als “Muster des Erlebens” verstanden werden. Dabei weist Schulze unterschiedlichen Verhaltenweisen ähnliche ästhetische Bedeutungen zu. Dies kann beispielsweise nach folgendem Prinzip ablaufen: Der Besuch eines Museums ist ähnlich dem Besuch eines Konzertes und auch dem Lesen oder Schreiben von Gedichten; Verhaltensweisen, wie dem Lesen einer Bildzeitung oder dem Besuch einer Discothek, sind mit den erstgenannten jedoch kaum vereinbar bzw. diesen “unähnlich”. Aufgrund von solchen Bündelungen gelangt Schulze zu drei Schemata bzw. drei kollektiven Mustern.6

Diese sind wiederum in weitere ästhetische Bedeutungsfelder (Genuß, Lebensphilosophie und Distinktion) eingeteilt. So weist sich das Genußschema durch einen hedonistischen Charakter aus und kann folglich aus Unterhaltung, Spannung, Sinnlichkeit, etc. bestehen. Die Distinktion verleiht ästhetischen Stilen den Charakter von Erkennungsmarken, die die Funktion der sozialen Abgrenzung haben. Die Menschen betonen demzufolge wozu sie nicht gehören. Die antikonventionelle Distinktion zum Beispiel lehnt Konventionsbestimmtheit und Sicherheitsdenken ab. Dagegen besitzt das Bedeutungsfeld der Identifikation bzw. der Lebensphilosophie Bekenntnischarakter (“Das sind meine Ziele, meine Leitbilder, etc.”).7

Die alltagsästhetischen Schemata geben also Kombinationsmöglichkeiten an, um so individuelle Stile bilden zu können. Dabei ist zu beachten, daß Menschen sich bei der Suche nach ihrer persönlichen Lebensweise teilweise in kollektiv eingefahrenen Bahnen bewegen.8

Gerade die Ästhetisierung des Alltagslebens zwingt uns dazu eine Vielzahl von Geschmacksentscheidungen zu treffen. Dabei läßt sich die Beziehung einzelner Menschen zu den alltagsästhetischen Schemata als eine Relation von Nähe und Distanz verstehen.9

2.2 Die drei Alltagsästhetischen Schemata

Im folgenden sollen die drei alltagsästhetischen Schemata (Hochkultur-, Trivial-, Spannungsschema) näher beschrieben werden.

Das Hochkulturschema zeichnet sich durch die Kultur der alten Klasse aus. Lektüre gehobener Literatur, klassische Musik und Opernbesuche sind als typische Zeichen zu verstehen. Mit Schöngeistigkeit, Ambitioniertheit und auch Harmlosigkeit kann dieses Schema treffend charakterisiert werden.10

Das Genußschema der Kontemplation ist gekennzeichnet durch mediative Entspannung, die Zurücknahme des Körpers und stilles Betrachten. Dementsprechend schreibt Schulze: “Heftigere körperliche Reaktionen ….verstoßen gegen den Kodex vergeistigter Empfangshaltung des kunstgenießenden Publikums.”11 Die antibarbarische Distinktion der Kultivierten und Gebildeten richtet sich gegen Bildzeitungsleser, biertrinkende Vielfernseher, Massentouristen und expressives Verhalten wie Lärm und der Betonung des Körperlichen.12 Die Perfektion dominiert die Lebensphilosophie. Diese muß jedoch selten sein, denn ihre Normalität würde zu Desinteresse führen. “Deshalb die ständige Zelebration des Besonderen, des unverbrachten Einfalls, des überragenden kulturgeschichtlichen Ranges, …”.13

Das Trivialschema wiederum manifestiert sich durch deutschen Schlager, Liebesfilm, Fernsehquiz und Heimatromane. Kitsch und schlechter Geschmack sind Charaktereigenschaften dieses alltagsästhetischen Schematas. Im Genußschema spielt der Körper, in einer harmonischen Bewegung entsprechend der Rhythmik der musikalischen Formen, eine aktivere Rolle. Daher auch die Vorliebe für Blas-, Marsch- und Volksmusik. Das schöne Erlebnis der Gemütlichkeit ist gekennzeichnet durch Sicherheit, Geborgenheit, Altgewohntem, Angenommensein durch die anderen und der Befriedigung aller körperlichen Bedürfnisse im Inneren.14 Die Distinktion ist eine antiexzentrische. Sie richtet sich gegen alles außerhalb der Gemeinschaft, der man sich selbst zugehörig fühlt, gegen alles Fremde, Individualisten und Provokateure.15 In der Lebensphilosophie ist ein Streben nach Harmonie zu erkennen. Diese zeigt sich in der inhaltlichen Neigung zum Positiven, in formalem Traditionalismus und der Betonung der sozialen Gruppe statt der Individualität. So flieht man vor den Zwängen des Lebens, den Konflikten sowie allem Neuen und Unbekannten in Szenarien des irdischen Glücks (Familie, beruflichen Erfolg, Liebe und Besitz).16

Typische Zeichen des Spannungsschemas sind das Auto, Telefon und andere Medien,

elektronische Instrumente, Rock, Pop, Jazz, Reggae, etc.. Die höhere Geschwindigkeit des Alltagslebens zeichnet sich in der durch Radio, Kassettenrecorder oder Fernseher verursachten Unruhe zu Hause, durch häufiges Verreisen, Ausgehen bis spät in die Nacht oder in der Abwechslung von Szenen aus.17 Im Genußschema ist der Körper von zentraler Bedeutung. Man möchte ihn austoben und präsentieren. Daher werden viel Geld und Zeit für die äußere Erscheinung investiert. Da der Spannungzustand konstant gehalten werden soll, ergibt sich ein starkes Bedürfnis nach Abwechslung. Das Streben nach Abwechslung wiederum zeigt deutlich die Angst vor Gewöhnung und Langeweile und äußert sich in der Freude am Unerwarteten, Neugier, dem Bedürfnis nach immer wieder anderen Reizen.18 Die Distinktion richtet sich gegen Langweiler jeder Art; dazu zählen beispielsweise Konservative, Reihenhausbesitzer, biedere Familienväter, Hausfrauen, langsamfahrende Verkehrsteilnehmer, etc.. Die Angehörigen dieses Schematas emfpinden ihre Person selbst als interessant, aufregend, faszinierend und einmalig. Sie haben den Wunsch, nicht alt zu sein und auch nicht zu werden. Ihre antikonventionelle Distinktion lehnt insbesondere Konventionsbestimmtheit, Sicherheitsdenken und Abwehr von Veränderungen ab.19

[...]


1 Grimm, R. 2000 (URL: http://www.ostsee-zeitung.de/ze/start_38174.html)

2 Schulze, G. 2000 (URL: http://www.das-parlament.de/12-1703/beilage/b-a-1.html)

3 Vgl. Grimm, R. 2000 (URL: http://www.ostsee-zeitung.de/ze/start_38174.html)

4 Schulze, G. 2000 (URL: http://www.das-parlament.de/12-1703/beilage/b-a-1.html)

5 Schulze, G.: Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart.Campus Verlag,

8. Auflage,Frankfurt/ Main, New York, 2000

6 Vgl. Schulze, G. in: H.-S. Soeffner (Hrsg.), 1988 (S. 77)

7 Vgl. Schulze, G. in: H.-S. Soeffner (Hrsg.), 1988 (S. 72)

8 Vgl. Schulze, G., 2000 (S. 125)

9 Vgl. Schulze, G., 2000 (S. 127ff)

10 Vgl. Schulze, G., 2000 (S. 142f)

11 Schulze, G., 2000 (S. 143)

12 Vgl. Schulze, G., 2000 (S. 145f)

13 Schulze, G., 2000 (S. 150)

14 Vgl Schulze, G., 2000 (S. 150f)

15 Vgl Schulze, G., 2000 (S. 152)

16 Vgl. Schulze, G., 2000 (S. 152f)

17 Vgl. Schulze, G., 2000 (S. 154)

18 Vgl. Schulze, G., 2000 (S. 155)

19 Vgl Schulze, G., 2000 8S. 155f)

Details

Seiten
17
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638150347
ISBN (Buch)
9783638787062
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7936
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Schulze Erlebnisgesellschaft alltagsästhetischen Schemata Erlebnismarkt

Autor

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Titel: Die Erlebnisgesellschaft. Unteruchung mit dem Fokus auf Bedeutung alltagsästhetischer Schemata und den Erlebnismarkt