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Zum Drama "La muerte y la doncella" von Ariel Dorfman

Unterrichtsentwurf 2006 22 Seiten

Didaktik - Spanisch

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Vorüberlegungen

3. Einsatz der Musik

4. Begleitende Übungen während der gesamten Unterrichtseinheit

5. Arbeitsaufträge

6. Filmeinsatz

7. Abschluss der Unterrichtseinheit

8. Schluss.

9. Bibliografie

10. Anhang

1. Einleitung

Im Folgenden soll versucht werden, eine Unterrichtseinheit zu dem Drama „La muerte y la doncella“ des chilenischen Autors Ariel Dorfman zu skizzieren. Dabei werden verschiedene Medien eingesetzt und jeweils unterschiedliche Möglichkeiten des Einsatzes aufgezeigt. Es entsteht also kein einseitig durchgängiger Unterrichtsentwurf, sondern es werden verschiedene Möglichkeiten des Ablaufs in den unterschiedlichen Unterrichtsphasen gegeben.

Die Wahl eines modernen lateinamerikanischen Dramas weist die Schüler nicht nur auf aktuelle lateinamerikanische Literatur hin, sondern es könnte eventuell sein, dass auch das für Jugendliche wohl eher uninteressante Genre „Drama“ an Attraktivität gewinnt. Schließlich handelt es sich um ein bis zum Ende spannendes Stück mit aktuellen Themen, die nicht nur auf die lateinamerikanischen Länder beschränkt sind, sondern eine universelle Gültigkeit besitzen.

2. Vorüberlegungen

Bevor ein Text im Unterricht eingesetzt wird, sollten einige Vorüberlegungen getroffen werden.

Zunächst sollte sich der Lehrende überlegen, für welche Jahrgangs- bzw. Leistungsstufe der Text geeignet ist. Dabei sind sowohl der Anspruch, den das Vokabular an die Schüler stellt, als auch die grammatikalischen Anforderungen zu bedenken.

Das Drama „La muerte y la doncella“ arbeitet mit einem fortgeschrittenen Wortschatz. Außerdem sind verschiedenste grammatikalische Phänomene vorhanden, z.B. die verschiedenen Vergangenheiten oder unterschiedliche Formen des Subjuntivo. Man könnte also vorschlagen, den Text mit einem schon fortgeschrittenen Kurs zu bearbeiten, der entweder schon mindestens vier Jahre Spanischunterricht gehabt hat, oder mit einem Leistungskurs.

Eine sinnvolle Ausgabe für die Schullektüre bietet der Reclamverlag an. Sie eignet sich besonders wegen der vielseitigen Vokabelhilfen.[1] Die Schüler könnten sie z.B. als Eigentum erhalten und so auch den Text markieren.

Darüber hinaus sollte sich der Lehrende der Lernziele bewusst sein, die er mit Hilfe der Lektüre erreichen möchte. In diesem Fall könnten die Lernziele also beispielsweise die Erweiterung des Wortschatzes oder des landeskundlichen Wissens und auch, je nach Gewichtung, die Erweiterung der schriftlichen oder der mündlichen Kompetenz betreffen.

In einer weiteren Vorüberlegung sollte sich der Lehrende mit den Themen beschäftigen, die die Schüler in diesem Text ansprechen.

In dem Drama “La muerte y la doncella” des chilenischen Autors Ariel Dorfman geht es um das Folteropfer der Militärdiktatur Pinochets in Chile, Paulina Salas, die einem ihrer früheren Peiniger bei sich zu Hause wieder begegnet.

Eines Abends wartet Paulina auf ihren Mann, den Anwalt Gerardo Escobar, Vorsitzender einer Kommission zur Untersuchung der Todesopfer der Diktatur. Ihr Mann bringt den Besucher Dr. Roberto Miranda mit, in dem Paulina einen ihrer früheren Peiniger von vor 15 Jahren wieder zuerkennen glaubt. Paulina gelingt es, im Laufe des Abends Dr. Miranda zu fesseln und ihn in ihre Gewalt zu bringen. Unter Androhung des Todes versucht sie, ihm ein Geständnis seiner früheren Verbrechen abzuzwingen. Mit Hilfe der Überzeugungskraft Gerardos, der als Anwalt und Fürsprecher Mirandas fungiert, gelingt es ihr schließlich, ein Geständnis auf Tonband aufzunehmen. Trotz dieses Geständnisses will Paulina Dr. Miranda schließlich doch erschießen, allerdings bricht der Text an dieser Stelle ab. In der Schlussszene sieht man Paulina und Gerardo selbst als Theaterzuschauer. Das Ende des Dramas bleibt also offen.

Der Text spricht eine Reihe kontroverser Themen an und wirft viele Fragen auf.

Zunächst einmal könnten die Schüler sich mit dem Aspekt der Vergangenheitsbewältigung befassen. Es stellt sich die Frage, ob es ausreicht, durch eine Kommission nur die Fälle der Todesopfer und Verschollenen einer Diktatur aufzuklären, oder ob nicht vielmehr auch Opfer von Gewaltverbrechen ein Recht auf Justiz haben. Die Frage der Vergangenheitsbewältigung ist in Deutschland durch die Verbrechen des Nationalsozialismus nach wie vor aktuell und wird auch durch die Aufarbeitung der Stasitätigkeit in der DDR zunehmend thematisiert. Des Weiteren werden die Schüler in den Nachrichten beinahe täglich mit Diktaturen und Verbrechen konfrontiert, so dass dieses Thema ebenfalls ständig aktuell bleibt.

Ein weiteres Thema des Dramas ist die Selbstjustiz, die Paulina ausführt, und wie diese zu bewerten ist.

Darüber hinaus könnte auch die Frage des Vertrauens in einer Ehe für die Schüler von Bedeutung sein. Schließlich hat Paulina während ihrer Gefangenschaft den Namen Gerardos niemals preisgegeben. Gerardo hingegen versucht Dr. Miranda bei seinem Geständnis zu helfen und hintergeht Paulina somit. Außerdem hatte er sie auch während ihrer Gefangenschaft mit einer anderen Frau betrogen. Die Frage des Vertrauens ist ein alltägliches Thema, mit dem die Schüler eventuell schon eigene Erfahrungen gemacht haben und das sie sicherlich beschäftigen würde.

3. Einsatz der Musik

Ein interessanter Einstieg in die Arbeit mit dem Drama wäre das Vorspielen eines Teils des Liedes „Der Tod und das Mädchen“ von Franz Schubert, auf das sich der Titel des Dramas bezieht.

Da ein solcher Einstieg in die Textarbeit für die Schüler wahrscheinlich neu ist, könnte auf diese Weise Neugierde geweckt werden. Auch eine gewisse Erwartungshaltung bezüglich des Textes und Interesse sind mögliche Ziele dieses Einstiegs.

Die Musik begleitend müssten die Schüler einen Arbeitsbogen ausfüllen (siehe Anhang, S. 2) und anschließend einige Fragen beantworten. Möglich sind u.a. folgende Fragen: “¿De qué podría hablar el texto?, ¿Qué sentimientos tienes al escuchar la música?, ¿A qué tipo de personalidad podría gustar?, ¡Da un título a la música!.”[2] oder auch “¿Cómo se presenta la muerte?”.

Durch die Beantwortung dieser Fragen würde natürlich auch die mündliche Kompetenz der Schüler gestärkt werden.

Eine weitere Möglichkeit, mit dem Lied zu arbeiten, ergibt sich gegen Ende der Unterrichtseinheit. Man könnte das gesamte Lied einmal vorspielen und den Schülern dazu den folgenden deutschsprachigen Text des Dichters Matthias Claudius austeilen.

Der Tod und das Mädchen von Mathias Claudius

Das Mädchen:
Vorüber! Ach, vorüber!
Geh, wilder Knochenmann!
Ich bin noch jung, geh Lieber!
Und rühre mich nicht an.

Der Tod:
Gib deine Hand, du schön und zart Gebild!
Bin Freund, und komme nicht, zu strafen.
Sei gutes Muts! ich bin nicht wild,
Sollst sanft in meinen Armen schlafen![3]

Nun könnten die Schüler als Hausaufgabe versuchen, einen Zusammenhang zwischen dem Text und dem Drama zu erarbeiten. Es könnte z.B. ein Zusammenhang zwischen der Figur des Doktor Miranda und dem Tod aus dem Liedtext hergestellt werden. Auch ein Zusammenhang zwischen der Stimmung, die das Lied und der Text hervorrufen, und der Stimmung des Dramas ist denkbar. So würde natürlich die schriftliche Kompetenz der Schüler gefordert sein und die Aufgabe hätte zusätzlich noch einen fächerübergreifenden Aspekt mit dem Fach Deutsch, da der Text schließlich von einem deutschen Dichter stammt.

[...]


[1] Dorfman, Ariel. La muerte y la doncella. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2005.

[2] Nolte, C. Ariel Dorfmans “La muerte y la doncella”. Der Film zum Buch und andere kreative Arbeitsformen. In: Hispanorama 85 (1999), S. 82.

[3] Schultz, Hans Jürgen. Es gibt was Bessres in der Welt. Ein Matthias Claudius Buch. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1989. S. 59 – 60.

Details

Seiten
22
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638872317
ISBN (Buch)
9783656057932
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v79415
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
Schlagworte
Drama Ariel Dorfman Unterrichtsentwurf Hauptseminar Fachdidaktik Spanisch Literatur Spanischunterricht

Autor

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