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Geschäftsführung ohne Auftrag - Das Journalismusverständnis von Walter Dirks

Diplomarbeit 2002 95 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhalt

0. Einleitung
0.1 Thema und Ziel der Arbeit
0.2 Methoden und Quellen
0.3 Der Stand der Dirks-Forschung

1. Walter Dirks - biographische Annäherungen
1.1 Vom »singenden Stotterer« zum »linkskatholischen Partisan«
1.2 Geistesgeschichtliche Wurzeln Dirks'
1.2.1 Romano Guardini, Ernst Michel, Theodor Steinbüchel und die »Aufhebung« des katholischen Milieus
1.2.2 »Die unvollendete Aufklärung« und die »Republik als Aufgabe«

2. Das Journalismusverständnis
2.1 Journalistische Arbeit und Massenmedien
2.2 Das Selbstverständnis journalistischer Arbeit
2.2.1 Intellektuelle ohne Legitimation
2.2.2 Die Funktionen journalistischer Arbeit: Kritik und Integration
2.2. 2.1 Die »Kritik als Beruf«
2.2. 2.2 Die Integration als Beruf
2.2. 2.3 Die Verantwortlichkeit für die journalistische Arbeit
2.2.3 Die Orientierungspunkte journalistischer Arbeit
2.2.4 »Sagen, was ist« - Meinungsjournalismus in der Perspektive der Aufklärung

3. Ausblick: zur Aktualität von Dirks' Journalismusverständnis
3.1 Bedingte Legitimation und Professionalisierung
3.2 Dirks' normatives Verständnis journalistischer Arbeit und eine Medien-Ethik
3.3 »Philosophischer Journalismus« für die Meinungselite
3.4 Anstelle eines Epilogs

4. Abkürzungen

5. Literatur und Quellen
5.1 Primärliteratur und -quellen
5.2 Sekundärliteratur
5.3 Mündliche Quellen

0. Einführung

»Geschäftsführung ohne Auftrag ist das Eingreifen in einen fremden Rechtsbereich im Interesse des eventuell verhinderten Berechtigten.« Was soll der juristische Begriff aus dem Lexikon (...)? [Er] kennzeichnet (...) die Funktion des Journalisten. Von keiner etablierten Macht ausgebildet, eingesetzt und legitimiert, mischt er sich von sich aus ins Geschäft der Meinungsbildung, in der Hoffnung, die Interessen des »eventuell verhinderten Berechtigten« einigermaßen zu wahren: der Gesellschaft, der Geschichte.[1]

0.1 Thema und Ziel der Arbeit

(1) Diese Arbeit versucht, die Grundlinien des Verständnisses von Journalismus, des Berufsverständnisses von Journalistinnen und Journalisten und des implizierten journalistischenEthos bei Walter Dirks zu systematisieren und kritisch darzustellen.

Diese Untersuchung hat Grenzen.

1. Walter Dirks ist ein kontextueller Denker. Sein lebensweltlicher Kontext mit den spezifischen katholischen, sozialistischen und familiären Elementen ist bei der Überprüfung eines theoretischen Journalismusverständnisses zu berücksichtigen. Eine wissenschaftliche Biographie über Walter Dirks steht aber noch aus.

2. Die Jahre 1917/19 und 1989/90 können als markante Wendepunkte in der europäischen und deutschen Geschichte verstanden werden. Die Russische Revolution, der Beginn der ersten deutschen Republik markieren einen Umbruch von den übernommenen Ordnungen der letzten Jahrhunderte zu staatlichen Versuchen von Demokratie und Sozialismus, die fast siebzig Jahre deutsche, europäische und weltweite Geschichte geprägt haben. Der Zusammenbruch der Sowjetunion und die Vereinigung der beiden deutschen Nachkriegsstaaten haben zu einem Umbruch nicht nur der politischen Strukturen geführt. Die Folgen sind noch nicht abzusehen.

Unter allem Vorbehalt gegenüber dem Urteil der historischen Experten und ohne Einmischung in die Definitionen und Bestimmungen des Begriffs »Epoche«, scheint der Fall der Mauer nicht nur von bonner Populisten als Symbol einer beendeten Epoche verstanden werden zu können.

Walter Dirks hat beinahe[2] diese ganze Epoche journalistisch begleitet und ist von der Auseinandersetzung mit ihr geprägt worden.[3] Diese Epoche ist zu zwei Dritteln für mich nicht miterlebte Geschichte. Das gibt Grenzen des Vorverständnisses und der Interpretationsmöglichkeiten an.

3. Walter Dirks ist gebildet gewesen, gar humanistisch gebildet. Er hat Zeit seines Lebens von Berufs wegen und aus Interesse viel gelesen. In seiner Publizistik findet sich davon Vieles wieder. Da sich Walter Dirks aber nicht als Wissenschaftler verstanden hat, hat er manche erlesene Erkenntnis einfließen lassen, ohne die Quelle zu kennzeichnen. Er hat sich immer als Teilnehmer eines umfassenden Gespräches mit anderen Publizisten, Intellektuellen, Musikern, Philosophen, Wissenschaftlern und Politikern gesehen. Wo er in seinen Publikationen Bezüge nicht selbst herstellt, sind sie oft nur zu vermuten. Theologische Grundlinien, die für diese Arbeit von Interesse sind, sind aufgrund meines eigenen Theologiestudiums sicher am ehesten erkannt worden. Da von Dirks auch keine Tagebücher zur Verfügung stehen, die über seine Produktionsprozesse und seine Lese- und Gesprächsfrüchte Auskünfte geben, bleibt meist die rein textimmanente Interpretation.

4. Dirks ist in erster Linie Journalist, Publizist und Schriftsteller. Dort, wo er von seinem Selbstverständnis des journalistischen Berufs[4] spricht, geschieht das in Entsprechung zu seinen Äußerungen über den Journalismus und den Journalisten, die Journalistin. Es wäre spannend seine eigenen Erwartungen an die journalistische Profession anhand seiner eigenen Veröffentlichungen zu überprüfen. Das leistet diese Arbeit nicht. Sie arbeitet nur die Theorie bei Dirks, seine formalen Aussagen über die journalistische Arbeit heraus und überprüft sie nicht an Dirks' Praxis.

5. Die Themen der Publizistik Dirks' hängen eng zusammen. Da es auf den folgenden Seiten ausschließlich um seine Überlegungen zum journalistischen Beruf geht, werden andere Bereiche seiner Publizistik nur insoweit referiert, als sie zum Verständnis der behandelten Frage von Belang sind.[5]

6. Dirks' Texte sind aus der Tagesaktualität entstanden und für den Tag geschrieben. Hier werden sie systematisch untersucht, d.h. der historische Kontext wird, nur insofern er für das Verständnis von Zitaten wichtig ist, erläutert.

(2) Die Arbeit will (positiv) eine Darstellung der Position Dirks' anhand seiner Publikationen zum untersuchten Thema bieten. Sie versucht, denlebensweltlichen und biographischen Kontext Walter Dirks' zu skizzieren (1.1) und sein Denken geistesgeschichtlich zu verorten (1.2). Da Journalismus nicht im luftleeren Raum stattfindet, sondern in konkreten Medienlandschaften und Mediensystemen, unter bestimmten Produktionsbedingungen, werden die Äußerungen Walter Dirks' zu Medienstrukturen und -funktionen und in ihrer Bedeutung für den journalistischen Beruf referiert (2.1). Sein Journalismusverständnis wird auf diesen Grundlagen herausgearbeitet (2.2) und auf seine Relevanz in der Diskussion um das Berufsverständnis von Journalistinnen und Journalisten hin abschließend überprüft und bewertet (3.). Der Anspruch, die umfassende Literatur zum journalistischen Beruf der letzten Jahrzehnte zu berücksichtigen, wird nicht erhoben. Ausgangspunkt sind die von Dirks vorgegebenen Positionen. Ihre Fruchtbarkeit für ein zeitgemäßes, heute noch gültiges Verständnis eines kritischen und engagierten Journalismus, soll aufgezeigt werden.

0.2 Methode und Quellen

(1) Eine hermeneutische Textinterpretation, das ist es, was methodisch zu leisten versucht wird, muß sich an der Erfüllung dreier Bedingungen messen lassen:

1. Offenlegung und kontrollierter Einsatz des Vorverständnisses und des besonderen, situationsbezogenen Interesses einschließlich der vorverständniskritischen und möglichst mmanenten Auslegung des Interpretandums;
2. Kritische Ü berprüfung des Geltungsanspruchs, den das Interpretandum erhebt, bzw. unterstellt;
3. Beantwortung der Anwendungs- bzw. Aneignungsfrage und gegebenenfalls Vollzug einer begründeten Anwendung bzw. Aneignung.[6]

Die immanente Auslegung bezieht sich unter Berücksichtigung der Sekundärliteratur primär auf die Publikationen von Walter Dirks. Ausführlicher werden dabei besonders diejenigen Quellen zitiert, die nicht leicht zugänglich sind. Das sind zum einen die nicht anderweitig publizierten Typoskripte von Hörfunkbeiträgen, soweit sie im Archiv der sozialen Demokratie in der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn im Depositum Walter Dirks zu finden sind, ergänzt durch Material, das mir Ulrich Bröckling zur Verfügung stellte. Zum anderen persönliche Stellungnahmen und Manuskripte, die bisher nicht publiziert sind. Bei letzteren Texten wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben, da die Korrespondenz Walter Dirks' für diese Untersuchung nicht berücksichtigt wird. Zur Zeit ist der Nachlaß weder vollständig im AdsD, noch archivarisch erschlossen, ein Findbuch liegt noch nicht vor. Ich stütze meine Untersuchung in erster Linie auf Dirks' Veröffentlichungen, die bibliographisch und archivarisch erfaßt sind. Andere, zufällig oder durch Hinweise gefundene, Äußerungen werden nur hinzugezogen, um Positionen aus Veröffentlichungen zu verdeutlichen.[7] Wertvolle Hinweise erhielt ich aus Gesprächen mit Wolfgang Schroeder und Ulrich Bröckling.

(2) Der zeitliche Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf den Jahren von 1945 bis 1990. In diesem Zeitraum finden sich die meisten Reflexionen zum journalistischen Beruf. Da sich Dirks in seinen Grundpositionen über die Jahrzehnte treu geblieben ist[8], läßt sich die zeitliche Schwerpunktsetzung auch deshalb vertreten, weil die bisherige wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Dirks sich verstärkt auf die erste Hälfte seines Lebens konzentriert.

(3) Noch eine Anmerkung zur Verwendung einiger Begriffe. In seinen Reflexionen und Äußerungen zum Journalismusverständnis trennt Dirks nicht streng zwischen den Begriffen »Journalist«, »Schriftsteller« und »Publizist«. Er füllt sie meist mit gleichen Gehalten. So veröffentlicht er einen Vortrag über das Selbstverständnis des Schriftstellers[9] mit unwesentlichen Änderungen auch als Artikel über die Aufgabe des Publizisten[10]. Hat er sich in früheren Jahren selbst als Publizist bezeichnet, so will er 1983 von den Publizisten schweigen: »das ist kein Beruf, den ich auf den Meldezettel setzen möchte«[11]. Dahinter stecken zwei Einsichten: die Grundfunktionen und Orientierungspunkte sind für alle drei gleich, sie leiten sich aus ihrer Herkunft als Intellektuelle ab[12] ; und: die Position des Publizisten in der intellektuellen Diskursgemeinschaft, wie er sie in Frankreich sieht,[13] gibt es so in Deutsch- and nicht. In dieser Arbeit werden deshalb die Begriffe »Publizist«, »Schriftsteller« und »Journalist«, wenn nicht anders vermerkt, synonym verwendet und den jeweils referierten Texten Dirks' angepaßt. Das kommt nicht zuletzt der Lesbarkeit zugute.

Einen Kampf zwischen Lesbarkeit und verantwortlichem Sprachgebrauch, zwischen emanzipierter Gerechtigkeit und grammatikalischer Richtigkeit gilt es in der Wahl weiblicher oder männlicher Substantive zu führen. Es geht in dieser Arbeit um ein geschlechtsübergreifendes Selbstverständnis journalistischer Arbeit, auch wenn nicht immer die Doppelsetzung »Journalist und Journalistin« verwendet wird, und die Schreibweise »JournalistIn« soeben das erste und einzige Mal aufgetaucht ist.

0.3 Der Stand der Dirks-Forschung

Dirks ist schon zu Lebzeiten wissenschaftlich beachtet worden. Die wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigen sich bis auf wenige Ausnahmen mit seinem Werk vor 1950. Die Schwerpunkte liegen dabei auf seiner Faschismustheorie und seinem Sozialismusverständnis.[14] In der Publizistik, der Geschichtswissenschaft und Politologie gilt das Interesse besonders den Anfangsjahren (1945-50) der Frankfurter Hefte[15] (sicher auch, weil sich der Untersuchungsgegenstand gut abgrenzen ließ), sowie den Publikationen, an denenDirks mitgearbeitet hat: der Rhein-Mainischen Volkszeitung[16], der Frankfurter Zeitung[17] und der DEUTSCHEN REP UB LIK[18]. Sie werden (mit Ausnahme der FZ) als Foren des Linkskatholizismus[19] untersucht, was ihrer Bedeutung sowohl in den letzten Jahren der Weimarer Republik, als auch in den Nachkriegsjahren und ersten Jahren der Bundesrepublik Deutschland entspricht: als Stimme sowohl in der innerkirchlichen Auseinandersetzung wie im politischen Ringen um die neue Republik[20].

Die Auseinandersetzung mit Dirks in der Zeit des Nationalsozialismus ist spärlich.[21] Umfassende wissenschaftliche Untersuchungen zur Zeit nach 1950, zu seiner Arbeit beim WDR, im Deutschen Ausschuß für das Erziehungs- und Bildungswesen stehen noch aus. Arbeiten zu seinem Verständnis des journalistischen Berufes fehlen noch, wenn auch zu seinen runden Geburtstagen manch Ehrendes auf ihn als Publizisten und Journalisten gesagt und geschrieben worden ist.

Die folgende Untersuchung will ein Beitrag zur Dirks-Forschung sein, insofern seine Äußerungen über den Beruf des Journalisten immer auch Selbstbeschreibungen sind. Und sie will in die nach wie vor aktuellen Diskussionen um das Selbstverständnis von Journalistinnen und Journalisten die anspruchsvolle Position Walter Dirks' einbringen.

Am Beginn meines eigenen journalistischen Berufsweges will ich mir dabei durchaus an der Person und der Position Walter Dirks' einen eigenen Standpunkt erarbeiten. Ich möchte im Interesse intellektueller Redlichkeit nicht verschweigen, daß ich Walter Dirks aufgrund seiner politischen Optionen Sympathie entgegenbringe, mich siner Einschätzung der gegenwärtigen ökologischen, weltwirtschaftlichen und politischen Lage als einer Krise anschließe, daß ich seinen »Mut zur kritischen Sympathie« (D. Sölle) mit der katholischen Kirche teile und seiner Zeitgenossenschaft[22] an der politischen Entwicklung und Diskussion großen Respekt entgegenbringe. Aber das muß den Blickwinkel ja nicht allzusehr verengen.

1. Walter Dirks - biographische Annäherungen

Streitbarer Katholik - linkskatholischer Partisan - zorniger alter Mann - Pazifist - Sozialist kritischer Theoretiker - Merker - politischer Journalist - Kulturpublizist: die Reihe der Bezeichnungen für Walter Dirks ließe sich noch fortführen. Schillernd muten sie an und faszinierend; die Fülle eines neunzigjährigen Lebens können solche Schlagworte kaum ins Wort fassen. Die folgenden Abschnitte geben einen Einblick in sein Leben und einige, für das Thema der Untersuchung relevante, geistige Verwurzelungen und Grundideen.[23] [24] [25]

1.1 Vom »singenden Stotterer« zum »linkskatholischen Partian«

Walter Georg Dirks[26] wird am 8. Januar 1901 in Dortmund-Hörde geboren. Er ist das fünfte von sechs Kindern. Sein Vater Anton ist Bierkaufmann und später Gastwirt. Er führt seinen Sohn schon früh zur Musik, zum Klavierspiel. Seine Kindheit und Jugend sind geprägt von der Begeisterung zur Musik, dem westfälisch- katholischen Umfeld und der politischen Atmosphäre des Ruhrgebiets. Letztere wird ihm vor allem von seiner Mutter Luise (geb. Risse) und seinem Großvater Franz Risse nahegebracht. Die Mutter arbeitet als Fürsorgerin[27] und bezieht schon dem Achtjährigen gegenüber Stellung für die aufständischen Bergarbeiter.[28] Dirks ist dennoch kein jugendlicher Ruhrsozialist, der mit dem wehenden Banner der Revolution in der Hand den politischen Kampf führt. Er stottert und hat als Jugendlicher Integrationsschwierigkeiten.[29] Als Schüler des staatlichen, humanistischen Gymnasiums in Dortmund wird er Mitglied im katholischen Jugendbund »Quickborn«[30] und beginnt 1920 an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Paderborn mit dem Studium der Philosophie und Theologie. Er möchte Priester werden, aus Lebensangst, wie er später sagt.[31]

Als Pfarrer zu wirken, traut er sich nicht zu, aber er hofft auf eine geeignete Aufgabe als Priester und Musiker in der Kirche.

Er sieht sich durch seine (führende) Mitarbeit[32] im Quickborn von dieser Lebensangst befreit, sieht auch den Sinn des kirchlich verordneten Pflichtzölibats nicht mehr ein und ist der katholischen Zentrale in Rom gegenüber zunehmend kritisch eingestellt. Nach seinen Freisemestern in Münster und einem letzten Semester in Paderborn bricht er 1923 seine philosophisch-theologischen Studien ab. Im »Gaublatt des westfälischen Quickborn« veröffentlicht Dirks 1921 seine ersten Artikel; schon bald kommen grundsätzliche pazifistische Äußerungen hinzu, ausgelöst durch die Erschießung seines Bruders Ewald am 29.01.1923 durch einen betrunkenen französischen Besatzungssoldaten. Der Einfluß der Schriften Friedrich Wilhelm Foersters und Ernst Michels ist in den Artikeln zu erkennen. Die von ihm angestrebte und gewünschte Politisierung des Quickborn scheitert allerdings. Ende 1923 wird Dirks für einige Monate Privatsekretär Romano Guardinis (1885-1968), der die Empfehlung Ernst Michels unterstützt, Dirks zum Leiter des Kulturressorts der »Rhein- Mainischen Volkszeitung« (RMV) zu machen. Friedrich Dessauer (1881-1963), der Herausgeber der RMV[33] in Frankfurt,[34] nimmt Dirks, der sich bald zum »enfant terrible« der RMV entwickeln wird, »sehr widerstrebend und mit allen Bedenken auf Drängen von Romano Guardini«[35] schließlich am 1. April 1924 in die Redaktion als Leiter des Feuilletons auf. In der kleinen Redaktion der Tageszeitung schreibt Dirks auch als politischer Kommentator, Musikkritiker, Chronist und Leitartikler. Seine Leitgedanken: »die Republik, das geeinte Europa, der Sozialismus und der Pazifismus«[36]. Dabei bemüht er sich, durch die hauptsächlich von Katholiken gelesene Zeitung, die katholische Kirche zu bewegen, sich hinter die Republik zu stellen, ihr Kulturkampfgetto zu verlassen und sich für die Moderne zu öffen. Schon bald gehört er zu den führenden Köpfen dieser Zeitung, die er selbst als »sozialradikal und pazifistisch«[37] beschreibt. Neben der Arbeit in der RMV publiziert er in der Zeitschrift DEUTSCHE REP UB LIK und ist von 1928 bis 1931 Schriftleiter »Des Friedenskämpfers«, herausgegeben vom Friedensbund deutscher Katholiken. Er gehört in Frankfurt zu dem Kreis um Siegfried Kracauer, Theodor W. Adorno, Martin Buber, Paul Tillich und Elisabeth Langgässer.[38] Im Café Laumer trifft er sich seit 1924 regelmäßig mit einigen führenden, linkskatholischen Intellektuellen Frankfurts: Ernst Michel, Theodor Steinbüchel, Josef Nielen, Alois Eckert, Werner Thormann und Heinrich Scharp.[39] Vehement setzt sich Dirks in dieser Zeit für die Republik ein. Er ist ein Verteidiger der modernen Kultur auch gegen Ressentiments, wie sie z.B. im Blasphemie-Prozeß um George Grosz 1929 ihren Ausdruck findet und plädiert für ihn als Gutachter vor Gericht. Er betont die Freiheit der Kunst und wendet sich gegen die Kriminalisierung von Religionskritik. In dieser Zeit ist seine Intention zur Meinungsbildung innerhalb des Katholizismus unverkennbar; gleichzeitig erweist er sich als »aufgeschlossener, katholischer Nonkonformist«[40].

Dirks beginnt früh, vor den Gefahren des Nationalsozialismus zu warnen und den Faschismus, unter Einfluß von Werner Thormann, zu analysieren. Beide hatten sich dabei an der Analyse des italienischen Faschismus geschult. Dabei kennzeichnet Dirks' Publizistik dieser Jahre verstärkt analytisches Bemühen, selbstkritische Prüfung der eigenen Standorte, des eigenen Begriffssystems, genaue Unterscheidungen, Transparent-Machen von Bezügen, politisch soziale Identifizierungen von Ideologien, Entlarvung ihrer Träger und ihrer Interessen, eindringliche Warnung vor der drohenden 'faschistischen' Lösung und Ermunterung der 'demokratischen' Akteure.[41]

Auf eigenen Wunsch wird er 1931 bei der RMV beurlaubt und studiert Soziologie in Frankfurt und Gießen besonders bei Theodor Steinbüchel, was sein analytisches Instrumentarium erweitert. Er bezieht ein halbes Gehalt und verpflichtet sich, einen Artikel pro Woche für die RMV zu schreiben. Im Dissertations-Studium lernt Dirks die 1932 erstmals vollständig veröffentlichten Frühschriften Karl Marx' (Ökonomisch-philosophischen Manuskripte) kennen, die er ausführlich bearbeitet[42]. Der frühe Marx ist für sein Verständnis des Marxismus prägend, das darin aber auch seine Begrenzung findet.[43] Er beginnt bei Steinbüchel mit einer Dissertation über den Freiheitsbegriff bei Georg Lukács, in dessen Schriften, besonders in »Geschichte und Klassenbewußtsein« von 1923, er einen »Wahlverwandten«[44] entdeckt. Wegen der zunehmenden Gefährdung der Republik durch die Wahlerfolge der NSDAP kehrt er aber wieder ganz zur RMV zurück. Nach der Machtübergabe an die NSDAP verfaßt er noch eine Hommage zum fünfzigsten Todestag von Karl Marx, die auf der Titelseite der RMV erscheint.[45]

Dirks erkennt sehr früh, daß die Nationalsozialisten von denMilitärs und den Kapitaleignern unterstützt werden, eine Einsicht, die im katholischen Lager überhaupt nicht verbreitet war. Außerdem hat Dirks »den zunehmend verarmenden Mittelstand als soziale Basis des Faschismus im Blick«[46].

Unter dem Vorwurf des Landesverrates aufgrund seiner exponierten Stellung im Friedensbund, seiner Artikel und dem Vortrag an der Universität Bonn zum Thema »Faschistische Lockung und antifaschistische Entscheidung« kommt Walter Dirks vom 17. Juli 1933 bis zum 31. August 1933 in Schutzhaft. Nach einer Hausdurchsuchung durch die Gestapo verbrennt Dirks' Bruder Josef alle Unterlagen der Dissertationsarbeit kurz vor ihrer Fertigstellung[47]. Über dubiose Prozesse und Eingriffe in die Besitzverhältnisse übernehmen die Nationalsozialisten bald die RMV. Walter Dirks wird am 1. Februar 1934 fristlos entlassen und erthält Berufsverbot. Er überlebt durch Musikvorberichte frankfurter Aufführungen für den »Frankfurter Generalanzeiger«, die nicht mit Namen gekennzeichnet zu werden brauchen, und einigen Aufträgen beim Sozialfunk des Reichssenders Frankfurt. Im Sommer 1935 erwirkt die Frankfurter Zeitung (FZ) die Aufhebung des Berufsverbots, und Dirks arbeitet sich in der Redaktion rasch hoch als Musikredakteur und zum verantwortlichen Redakteur für die Tiefdruckbeilage »Berichte und Bilder«. Seine Arbeiten werden zunehmend literarischer. Er wählt das, »was man die 'innere Emigration' hat nennen können - und was doch der Hauptsache nach der Versuch gewesen ist, im Lande mit einigem Anstand zu überleben«[48].

In Berichten über die Wagner-Festspiele in Bayreuth[49] und durch die Veröffentlichung des »Briefes an einen christlichen Soldaten«[50], die er nicht mit Namen kennzeichnet, kommt es aber zu einem deutlichen Bruch in seiner Publizistik, die er als anpassende Entgleisungen später auch nicht verschweigt. Gleichwohl sind zwischen den Zeilen kritische, differenzierende Äußerungen zu finden.[51] Es ist schwierig, Dirks' Publizistik in diesen Jahren gerecht zu werden. Daß er mit dem Nationalsozialismus nicht sympathisiert, belegt auch die Kontinuität seiner Arbeiten nach 1945 mit denen zur Zeit der Weimarer Republik.

Die FZ gilt als liberales Aushängeschild des Propagandaministeriums für das Ausland. Man hat dort größere Freiheiten, bekommt z.T. eigene Weisungen von der Goebbels-Behörde.

Am 22. April 1941 heiraten Walter Dirks und Marianne Ostertag. Sie werden vier Töchter bekommen.

Mit der Schließung der FZ und seiner Entlassung am 31. August 1943 erhält Dirks wieder Berufsverbot wegen »politischer Unzuverlässigkeit« und wird aus dem Schriftleiterverband ausgeschlossen[52]. Er schreibt nie veröffentlichte Werbetexte für die Deutsche Reichspostreklame GmbH in Berlin. Seit 1944 ist das Ende des Krieges für Dirks abzusehen und er erarbeitet für den Herder-Verlag ein Verlagskonzept für die Nachkriegszeit. Es soll am Aufbau und der Stützung der Demokratie orientiert sein und der christlichen Orientierung nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus dienen. Eine Zeitschrift scheint diesem Anliegen am ehesten entgegenzukommen. Dirks wird zum Volkssturm einberufen, verpaßt aber den Abmarsch in Frankfurt am 26. März 1945 um eine halbe Stunde.[53]

Nach Kriegsende setzen die Amerikaner Dirks und andere frühere Kollegen der FZ in Verwaltungsposten ein. Dirks wird am 20. April Referent des Landesarbeitsamtes Hessen. Mit Eugen Kogon[54] plant er seit dem Juni 1945 die Herausgabe einer Zeitschrift für Kultur und Politik: die »Frankfurter Hefte« (FH), deren erste Ausgabe im April 1946 erscheint. Die FH werden das Standbein seiner künftigen publizistischen Tätigkeit. Aus seinen Plänen, alle antifaschistischen Kräfte unmittelbar nach Kriegsende zu einer Sozialistischen Einheitspartei[55] zu bündeln, wird nichts. Hat Dirks geglaubt, die vergangenen Jahre hätten die Gruppierungen der Weimarer Republik geeint, und sie hätten aus den bitteren Erfahrungen der Unterdrückung gelernt, so sieht er bald ein, daß Kommunisten und Sozialdemokraten weiter ihr eigenes Süppchen kochen wollen.[56] Dirks engagiert sich daraufhin bei der Gründung der hessischen CDU. Es ist der Versuch, die sozialistischen Traditionen seiner Weimarer Zeit in die neugegründete Partei einzubringen als »Sozialismus mit menschlichem Antlitz«[57] oder »Sozialismus aus christlicher Verantwortung«[58], wie er es in den Programmentwurf der hessischen CDU einbringen will. An der Dominanz des Adenauer-Blocks scheitert sein »umwegiger Sozialismus«[59], mit dem er in der CDU Bauern und Arbeiter, Gewerkschaften, Kirchen und das republikanische Bürgertum im Aufbau der neuen Republik unter sozialistischem Vorzeichen vereinen will.[60] Dirks zieht sich aus der politischen Parteiarbeit zugunsten seiner publizistischen Tätigkeit zurück.[61] Die FH werden zu einem »Ort oder vielmehr zu einer Nische, wo sich eine zivile, friedensfördernde und aufgeklärte Denkweise verankern konnte«[62]. Und das erfolgreich: 1947 haben sie bereits eine Auflage von 50.000 Exemplaren und können den noch vorliegend 150.000 Abonnementswünschen wegen der Papierkontigentierung nicht nachkommen[63]. Dirks versteht sich als freier Publizist. Neben seiner Tätigkeit bei den FH verfaßt er regelmäßig Leitartikel für die FNP und die NRZ. 1949 wird ihm die Intendanz des NWDR angetragen, die er ebenso ablehnt, wie 1955 die Intendanz des WDR. Er sieht sich als Publizist, als Schriftsteller, nicht als Medienmanager. Die politische Diskussion beobachtet er mit Sorge. Er sieht in der Politik Adenauers das leichtfertige Verspielen der Einheit, die Verhinderung einer sozialistischen Erneuerung. Als er seine Besorgnis (und auch Resignation) 1950 in dem Artikel »Der restaurative Charakter der Epoche«[64] veröffentlicht, prägt er damit ein Schlagwort für die Zeit der Kanzlerschaft Adenauers.

Was ferner geschehen kann, ist Arbeit am Bewußtsein der Zeit, Arbeit am öffentlichen Gewissen, an der öffentlichen Meinung. Sagen, was ist. Theoretische, publizistische und pädagogische Arbeit. Ferner Studium: eine viel genauereTatbestandsaufnahme der sozialen Wirklichkeit, als sie hierzulande üblich ist, mit genaueren Methoden, redlich, intensiv. Tausende von einzelnen, Hunderte von Gruppen sind da am Werk. Es ist eine Arbeit, die ihre Frucht tragen kann, wenn die Zeit gekommen ist, - für den Fall, daß die Zeit kommt.[65]

Dirks engagiert sich beim Aufbau der katholischen Volksarbeit in Frankfurt, nimmt Kontakt zum frankfurter »Institut für Sozialforschung« auf und gibt zusammen mit Adorno die »Frankfurter Beiträge zur Soziologie« heraus. Ab 1953 kommentiert er alle zwei Wochen beim SWF die deutsche Innenpolitik. Im selben Jahr beruft ihn Bundespräsident Heuß in den »Deutschen Ausschuß für das Erziehungs- und Bildungswesen«, dem er bis 1965 angehört. Zusammen mit Kogon engagiert er sich für die Ruhr-Festspiele Recklinghausen und wirbt für den konsequenten Auf- und Ausbau der Einheitsgewerkschaft als politischer Kraft für die neue Republik.

[...]


[1] Dirks, Walter: Vorwort, in: Geschäftsführung ohne Auftrag, 9.

[2] Walter Dirks' erste Veröffentlichungen erscheinen 1921.

[3] Vgl. Ulrich Bröckling: Einleitung, in: Dirks, Walter: Für eine andere Republik. Politische Essays und Kommentare, autobiographische Aufsätze 1969-1987. Herausgegeben von Fritz Boll, Ulrich Bröckling und Karl Prümm. Mit einem Vorwort von Walter Dirks (5-11) und einer Einleitung von Ulrich Bröckling (13-37), Gesammelte Schriften Bd. 8, CH-Zürich 1991 [= Für eine andere Republik], 13f.

[4] »Beruf« wird in diesem Kontext umfassender verstanden als nur die Beschreibung journalistischer Erwerbsarbeit. In Anlehnung an Max Webers soll damit ein umfassendes (Selbst)Verständnis begriffen werden. Vgl. Weber, Max: Politik als Beruf, Berlin 71982 und Weber, Max: Wissenschaft als Beruf, in: Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, Tübingen 41973, 594ff.

[5] Die Bibliographie Walter Dirks' verzeichnet in 71 Jahren (1920-1991) 4108 Publikationen. Dabei hat Bröckling die kleineren Beiträge aus der RMV, FNP und FZ nicht mit aufgenommen. Vgl. zur Auswahl: Dirks, Walter: Bibliographie. Eingeleitet und bearbeitet von Ulrich Bröckling, herausgegeben vom Archiv der sozialen Demokratie in der Friedrich-Ebert- Stiftung, Bonn 1991, 7-11.

[6] Buck, Günter/Böhler, Dietrich: Probleme menschlichen Handelns und Verstehens, in: Funkkolleg Praktische Philosophie / Ethik, hrsg. vom Deutschen Institut für Fernstudien an der Universität Tübingen, 1980, Studienbegleitbrief IV, 71.

[7] Sind Beiträge in die Gesammelten Schriften aufgenommen worden, so wird nach der dortigen Fundstelle zitiert. Die entsprechenden Titelabkürzungen sind im Literaturverzeichnis in eckigen Klammern [=] angegeben.

[8] Von der Kontinuität der Positionen Dirks mit Brüchen in der Zeit von 1934-1943 geht die Forschung geschlossen aus: Vgl. u.a. Schlette, Heinz Robert: Eine journalistische Lebensarbeit. Zu den »Gesammelten Schriften« von Walter Dirks, in: Orientierung 55 (1991) 78f.; Schroeder, Wolfgang: Politische Publizistik zwischen Widerstand und Anpassung, in: NG/FH 37 (1990) 1119-1126 und Prümm, Karl: Walter Dirks und Eugen Kogon als katholische Publizisten der Weimarer Republik, Heidelberg 1984.

[9] Dirks, Walter: Die soziale Verantwortlichkeit des Schriftstellers, Vortrag beim deutsch-französischen Schriftstellertreffen in Lahr, 25.-29.08.1947, in: Dokumente 3 (1947) 486-493, und als MS, 12 S., AdsD, Depositum Walter Dirks, Nr. 124.

[10] Dirks, Walter/Kogon, Eugen: Die Rolle des Publizisten, in: FH 2 (1947) 1185-1199 [Walter Dirks: 1185-1192].

[11] Dirks, Walter: Überlegungen zum Selbstverständnis journalistischer Arbeit, [Vortrag am 17.09.1983 in der Katholischen Akademie Freiburg] in: Dirks, Walter (Hg.): Überlegungen zum Selbstverständnis journalistischer Arbeit, München - Zürich 1984, 9-27, 13.

[12] Das wird weiter unten inhaltlich geklärt, hier geht es nur um die weitere Begriffsverwendung. Vgl. Dirks, Walter: Überlegungen zum Selbstverständnis journalistischer Arbeit, [Vortrag am 17.09.1983 in der Katholischen Akademie Freiburg] in: Dirks, Walter (Hg.): Überlegungen zum Selbstverständnis journalistischer Arbeit, München - Zürich 1984, 9-27, 12f. und Dirks, Walter: Der Staat und die Intellektuellen, Rundfunkvortrag und Diskussion, in: gehört - gelesen 10 (1963) 872-904.

[13] So schreibt er im Nachruf des französischen Publizisten Emmanuel Mounier: »Ein 'Publizist' ist nicht ganz dasselbe, wie ein 'Schriftsteller'. Er steht gleichsam zwischen ihm und dem Journalisten und hat Anteil an den Funktionen beider, indem er, sich am Ereignis des Tages entzündend, mit dem Mittel des geschriebenen Wortes der Gesellschaft hilft, zu ihrem wahren Bewußtsein zu kommen. Ein Publizist gilt und wirkt um so mehr, je mehr in einem Lande und in einer Zeit die Republik des Geistes und der Geister lebendig ist, in der die Denkenden als Schreibende und als Lesende miteinander kommunizieren, einander zurufen, bestätigen, verwerfen. Also gilt in Deutschland der Publizist nicht viel, denn bei uns (Fortsetzung...)

[13] (...Fortsetzung) zieht man den Monolog vor und denkt und argumentiert in scharf getrennten Überzeugungsblöcken. Also gilt in Frankreich (in Paris...) der Publizist mehr, weil dort jenes allgemeine Gespräch noch stattfindet, in dem jeder bedeutsame Gedanke, der irgendwo ausgesprochen wird, auch tatsächlich vernommen, beantwortet, verantwortet wird.« - Dirks, Walter: Die Verantwortung der Person. Im Gedenken an Mounier, in: FR, 01.04.1950.

[14] Vgl. u.a.: Lönne, Karl-Egon: »Gegen die faschistische Koalition«. Zur publizistischen Arbeit von Walter Dirks in den letzten Jahren der Weimarer Republik, in: Orientierung 55 (1991) 80-83, als Überblick über das publizistische Wirken Dirks' in der Weimarer Republik. Prümm, Karl: Walter Dirks und Eugen Kogon als katholische Publizisten der Weimarer Republik, Heidelberg 1984. Die Habilitationsschrift des Literaturwissenschaftlers geht den beiden konträren, publizistischen und ideologischen Ursprüngen der späteren gemeinsamen Herausgeber der FH nach und untersucht umfassend die Faschismusanalysen Walter Dirks'. Seiterich-Kreuzkamp, Thomas: Links, frei und katholisch - Walter Dirks. Ein Beitrag zur Geschichte des Katholizismus der Weimarer Republik. Mit einem Nachwort von Walter Dirks, Frankfurt am Main - Bern - New York 1986. In seiner Dissertation zeichnet Seiterich-Kreuzkamp eine empathische (Werk-) Biographie bis 1933 nach. Er stützt sich bevorzugt auf Interviews mit Zeitzeugen und Walter Dirks, sowie die (Fortsetzung...)

[14] (...Fortsetzung) Habilitationsschrift von Prümm. Prümm, Karl: Essay, in: Feuilletons im Nationalsozialismus, 23-87; Prümm, Karl: Einleitung, in: Gegen die faschistische Koalition, 13-47. Im Herbst d.J. erscheint eine Untersuchung, die für diese Arbeit noch nicht berücksichtigt werden konnte: Bröckling, Ulrich: Katholische Intellektuelle in der Weimarer Republik. Zeitkritik und Gesellschaftstheorie bei Walter Dirks, Romano Guardini, Carl Schmitt, Ernst Michel und Heinrich Mertens, München 1992.

[15] Stankowski, Martin: Linkskatholizismus nach 1945. Die Presse oppositioneller Katholiken in der Auseinandersetzung für eine demokratische und sozialistische Gesellschaft, Köln o.J. (1976) 66-136; Schneider, Sigrid: Rezension: Stankowski, Martin: Linkskatholizismus nach 1945. Die Presse oppositioneller Katholiken in der Auseinandersetzung für eine demokratische und sozialistische Gesellschaft, Köln o.J. (1976), in: Publizistik 23 (1978) 158f. Stankowskis von der FU Berlin (Publizistik) angenommene Dissertation untersucht u.a. die FH bis 1950. Neben einer Inhaltsanalyse, wertet er eine Fragebogenerhebung unter den FH-Lesern aus. Aufgrund der bekannten Schwierigkeiten der Repräsentativität beigelegter Fragebogen, können die Ergebnisse aber nicht unumstritten sein. Ewald, Hans Gerd: Die gescheiterte Republik. Idee und Programm einer »Zweiten Republik« in den Frankfurter Heften (1946 - 1950), Frankfurt am Main - Berlin - New York - Paris 1986. Die politikwissenschaftliche Dissertation (Bundeswehrhochschule München) geht einem zentralen inhaltlichen Anliegen der FH in den ersten Jahren ihrer Gründung nach, der Idee einer »Zweiten Republik« unter sozialistischen Vorzeichen. Sie beleuchtet dabei auch die Einflüße der Autoren und Herausgeber. Ideen- und wirkungsgeschichtliche Überblicke geben: Schroeder, Wolfgang: Sozialismus aus christlicher Verantwortung. Walter Dirks Publizistik von 1945 - 1950, in: Orientierung 52 (1988) 67-69 und Prümm, Karl: Entwürfe einer »Zweiten Republik«. Zukunftsprogramme in den Frankfurter Heften 1946 - 1949, in: Koebner, Thomas/Sautermeister, Gert/Schneider, Sigrid: Deutschland nach Hitler. Zukunftspläne im Exil und aus der Besatzungszeit 1939 - 1949, Opladen 1987, 330-343.

[16] Lowitsch, Bruno: Der Frankfurter Katholizismus in der Weimarer Republik und die »Rhein-Mainische Volkszeitung«, in: Ludwig, Heiner/Schroeder, Wolfgang (Hg.): Sozial- und (Fortsetzung...)

[16] (...Fortsetzung) Linkskatholizismus. Erinnerung - Orientierung - Befreiung, Frankfurt am Main 1990, 46-74; Lowitsch, Bruno: Der Kreis um die Rhein-Mainische Volkszeitung, Wiesbaden, Frankfurt am Main 1980; Blankenberg, Heinz: Politischer Katholizismus in Frankfurt am Main 1918 - 1933, Mainz 1981, besonders 89-124. Neben der Vorstellung der Persönlichkeiten der RMV und des frankfurter, politischen Katholizismus vermitteln beide Autoren einen sehr fundierten Einblick in die Diskussionszirkel im katholischen Frankfurt der Weimarer Republik. Das gibt wichtige Aufschlüsse für die geistesgeschichtlichen Wurzeln Dirks.

[17] Gillessen, Günther: Auf verlorenem Posten. Die »Frankfurter Zeitung« im Dritten Reich, Berlin 1986 und dazu: Lilienthal, Volker: Rezension: Gillessen, Günther: Auf verlorenem Posten. Die »Frankfurter Zeitung« im Dritten Reich, Berlin 1986, in: Publizistik 37 (1987) 136-140. Gillessens Darstellung gibt für die Arbeit an Dirks nicht viel her und ist in der Gesamtdarstellung der FZ zu wohlwollend geraten.

[18] Seiterich, Bernhard: Demokratische Publizistik gegen den deutschen Faschismus: Die DEUTSCHE REPUBLIK, eine politische Wochenschrift der späten Weimarer Republik. Ein Beitrag zur Geschichte der demokratischen Presse, Frankfurt am Main, Bern, New York, Paris 1988. Unter den Autorenporträts der im gleichen Verlag wie die RMV erscheinenden DR findet sich auch ein Porträt Walter Dirks'. Seiterich arbeitet u.a. auch die Vorlagen des Chefredakteurs der DR Werner Thormann für die Faschismusanalysen Walter Dirks sehr umfassend in dieser Disseration (Freiburg/Breisgau) heraus.

[19] Der Begriff »Linkskatholizismus« wird mit dem Namen Walter Dirks oft in Verbindung gebracht, ebenso mit Heinrich Böll, Carl Amery, Reinhold Schneider, Alfred Horné, Theo Pirker u.a. Er ist als Begriff nicht sehr glücklich gewählt und nicht klar umrissen, da er zumindest zwei Abgrenzungslinien impliziert: gegen die Amtskirche und gegen eine bestimmte politische Richtung in den (rechten) Traditionen des Zentrums und der CDU/CSU. Eingeführt wurde er von den Gegnern der Linkskatholiken »zur defensiven Abgrenzung oder eher als agressiver Kampfbegriff« (Schroeder, Wolfgang: Gewerkschaftspolitik zwischen DGB, Katholizismus und CDU 1945 bis 1960. Katholische Arbeiterführer als Zeitzeugen in Interviews, Köln 1990, 340) in Zeiten des kämpferischen und diffamierenden Antikommunismus. Es hat nie eine organisierte Bewegung der Linkskatholiken gegeben, sie waren sich eher einig in ihrer »linkskatholischen Mentalität« (Heer, Friedrich: Der Linkskatholizismus, in: Zeitschrift für Politik (Fortsetzung...)

[19] (...Fortsetzung) 5 (1958) 134). Der im französischen Sprachgebrauch übliche Begriff der »catholiques de gauche« trifft das Gemeinte wahrscheinlich am ehesten. Vgl. auch Schmidt, Ute: Linkskatholische Positionen nach 1945 zu Katholizismus und Kirche im NS-Staat, in: Ludwig, Heiner/Schroeder, Wolfgang (Hg.): Sozial- und Linkskatholizismus. Erinnerung - Orientierung - Befreiung, Frankfurt am Main 1990, 130-147.

[20] »Der starke Drang zur politischen Aktion in Form der Publizistik ist so zu einem Teil die Kompensation der Vereinzelung, zugleich aber auch immer das öffentliche Zeugnis gegen die immer noch als übermächtig empfundene Macht von Kirche und Katholizismus, und das einzige zur Verfügung stehende Instrument, dieser Macht wirksamen Widerstand leisten zu können.«, Stankowski, Martin: Linkskatholizismus nach 1945. Die Presse oppositioneller Katholiken in der Auseinandersetzung für eine demokratische und sozialistische Gesellschaft, Köln o.J. (1976), 3.

[21] Indirekt und eher unkritisch: Gillessen, Günther: Auf verlorenem Posten. Die »Frankfurter Zeitung« im Dritten Reich, Berlin 1986. Kritischer die Anmerkungen von Schroeder, Wolfgang: Politische Publizistik zwischen Widerstand und Anpassung, in: NG/FH 37 (1990) 1119-1127.

[22] Vgl. zum Begriff »Zeitgenossenschaft«: Schlette, Heinz Robert: Zeitgeist, Zeitdeutung, Zeitgenossenschaft, in: Klein, Nikolaus/Weber, Karl/Schlette, Heinz Robert (Hg.): Biotope der Hoffnung. Zu Christentum und Kirche heute. Ludwig Kaufmann zu Ehren, Olten - Freiburg im Breisgau 1988, 36-46.

[23] Es geht hier nicht um eine grundsätzliche Sichtung und Wertung seiner Publikationen und Positionen. So fehlt eine ausführliche Darstellung seiner Faschismusanalysen ebenso wie die systematische Auseinandersetzung mit seinem Sozialismusverständnis. Sie sind für das Journalismusverständnis Dirks' nicht relevant.

[24] Vgl. den Titel: Dirks, Walter: Der singende Stotterer. Autobiographische Texte, München 1983.

[25] Schroeder, Wolfgang: Gewerkschaftspolitik zwischen DGB, Katholizismus und CDU 1945 bis 1960. Katholische Arbeiterführer als Zeitzeugen in Interviews, Köln 1990, 339.

[26] Vgl. bis 1933 den detailreichen Überblick in: Seiterich-Kreuzkamp, Thomas: Links, frei und katholisch - Walter Dirks. Ein Beitrag zur Geschichte des Katholizismus der Weimarer Republik. Mit einem Nachwort von Walter Dirks, Frankfurt am Main - Bern - New York 1986. Außerdem: Dirks, Walter/Glotz Peter: Walter Dirks - »mit einer verzweifelten Hoffnung«. Ein Gespräch zwischen Walter Dirks und Peter Glotz, in: FR 15.02.1989; Dirks, Walter/Hermann, Ingo: Walter Dirks im Gespräch mit Ingo Hermann, in: Zeugen des Jahrhunderts. Porträts aus Wirtschaft und Gesellschaft. Hrsg. von Karl B. Schmelting, Frankfurt am Main 1981, 57-84; Dirks, Walter/Schroeder, Wolfgang: [Interview] in: Schroeder, Wolfgang: Gewerkschaftspolitik zwischen DGB, Katholizismus und CDU 1945 bis 1960. Katholische Arbeiterführer als Zeitzeugen in Interviews, Köln 1990, 351-365, sowie 339-350; Prümm, Karl: Walter Dirks und Eugen Kogon als katholische Publizisten der Weimarer Republik, Heidelberg 1984, 17-87; Schroeder, Wolfgang: Politische Publizistik zwischen Widerstand und Anpassung, in: NG/FH 37 (1990) 1119-1126; Focke, Franz: Sozialismus aus christlicher Verantwortung. Die Idee eines christlichen Sozialismus in der katholisch-sozialen Bewegung und in der CDU, Wuppertal 1978, 162-209, Dirks, Walter: Biographie, unveröffentlichtes MS, 1 S., o.O., o.J. (1945/46), AdsD, Depositum Walter Dirks, Nr. 52. Autobiographische Äußerungen und Aufsätze finden sich vorallem in: Dirks, Walter: Der singende Stotterer. Autobiographische Texte, München 1983; Dirks, Walter: Für eine andere Republik; Dirks, Walter: War ich ein linker Spinner? Republikanische Texte - von Weimar bis Bonn, München 1983. Vgl. auch die Vorworte und Einleitungen zu den Bänden der Gesammelten Schriften von Walter Dirks.

[27] Walter Dirks hat sie in einem liebevoll geschriebenen, literarischen Porträt dargestellt: Dirks, Walter: Mulier fortis. Leben einer Fürsorgerin, in: FZ, 29.01.1939 und in: Feuilletons im Nationalsozialismus, 157-164.

[28] »Da war ein Bergarbeiterstreik, das muß wohl 1908 oder 1909 gewesen sein. Wir standen am Fenster und sahen auf den Zug der streikenden Arbeiter, und die Gendarmen ritten daneben und schlugen mit der Scheide (...) ihrer Säbel auf die Köpfe und Rücken der Arbeiter. Ich werde den Satz, den meine Mutter an diesem Fenster sagte, nie vergessen: 'Da meinen die Leute, das sei Privateigentum, dabei lebt doch die ganze Stadt von diesen beiden großen Werken.' Und die Leute, die sie meinte, die nannte sie 'die da oben'.« - Dirks, Walter/Glotz, Peter: Walter Dirks - »mit einer verzweifelten Hoffnung«. Ein Gespräch zwischen Walter Dirks und Peter Glotz, in: FR 15.02.1989.

[29] Lowitsch, Bruno: Der Kreis um die Rhein-Mainische Volkszeitung, Wiesbaden, Frankfurt am Main 1980, 25.

[30] Der »Quickborn« wurde als katholischer Jugendbund 1909 ursprünglich als Vereinigung abstinenter Gymnasiasten in Neiße/Schlesien gegründet und war ein Teil der Wandervogelbewegung. 1909 konnte der Bund die Burg Rothenfels, erwerben, die zum Zentrum des Verbandes und der liturgischen Bewegung wurde. Seit 1920 wirkte der Religionsphilosoph Romano Guardini im Quickborn mit und prägte eine Generation von Katholiken, die sich sowohl einem engagierten Laien- Katholizismus wie der liturgischen Bewegung zuwandten. »Jugendbewegtes Wandern und Musizieren, die Überwindung starker Geschlechtertrennung, der Einfluß der liturgischen Erneuerung, die Auseinandersetzung mit der nichtkatholischen Freideutschen Jugend, aber auch die partielle Emanzipation von klerikaler Bevormundung, prägten den Quickborn, der sich aus einem Jugendbund mit stark romantischen Zügen bald zu einer reformkatholischen Kulturbewegung erweiterte.«, Republik als Aufgabe, 33, Anm. der Herausgeber.

[31] Dirks, Walter/Hermann, Ingo: Walter Dirks im Gespräch (Fortsetzung...)

[31] (...Fortsetzung) mit Ingo Hermann, in: Zeugen des Jahrhunderts. Porträts aus Wirtschaft und Gesellschaft. Hrsg. von Karl B. Schmelting, Frankfurt am Main 1981, 69. Mir scheint es nicht ausgeschlossen, daß Dirks dabei auch mit einem »Lebensangstbegriff« à la Kierkegaard koketiert. Vgl. Dirks, Walter: Kierkegaard und der Beginn der Lebensangst. Zum 100. Todestag des großen dänischen Philosophen, in: Deutsche Zeitung und Wirtschafts-Zeitung, 05.11.1955 und in: Die unvollendete Aufklärung, 182-195.

[32] 1921/22 war Dirks Gaugraf des Westfalengaus und versuchte in dieser Zeit u.a. eine Öffnung des Quickborns auch für Nicht-Gymnasiasten durchzusetzen.

[33] Die RMV war aus der Fusion der Frankfurter Volkszeitung und der Offenbacher Volkszeitung hervorgegangen und erschien im Carolus-Verlag in Frankfurt, den Dessauer 1923 finanziell saniert hatte. Dessauer war Repräsentant des linken Zentrumflügels und Reichstagsabgeordneter. Dieses Spektrum repräsentierte die RMV, deren Auflage von 4.000 im Jahr 1923 auf 25.000 im Jahr 1933 stieg. Sie war entschieden demokratisch, unterstützte die Verfassungsidee der Weimarer Republik und wollte auf eine Schließung des Zentrums nach rechts und auf eine Öffnung zur Sozialdemokratie hinarbeiten. Vgl. Lowitsch, Bruno: Der Kreis um die Rhein-Mainische Volkszeitung, Wiesbaden, Frankfurt am Main 1980, 5-20.

[34] Dirks, Walter: Vorläufer Ernst Michel, in: Orientierung 50 (1986) 69-71, 70.

[35] Brief Dessauers an Msgr. Dr. Herr vom 11.02.1926, zitiert nach: Lowitsch, Bruno: Der Kreis um die Rhein- Mainische Volkszeitung, Wiesbaden, Frankfurt am Main 1980, 25. Lowitschs These, daß Guardini allein (ohne Michel) Dirks Dessauer empfohlen habe, stimmt allerdings nicht. Michel stand mit Dirks in regem Briefkontakt und hatte kommissarisch die Leitung des Feuilletons der RMV inne.

[36] Schroeder, Wolfgang: Politische Publizistik zwischen Widerstand und Anpassung, in: NG/FH 37 (1990) 1120.

[37] Dirks, Walter: Biographie, unveröffentlichtes MS, 1 S., o.O., o.J. [1945/46], AdsD, Depositum Walter Dirks, Nr. 52.

[38] Seiterich, Bernhard: Demokratische Publizistik gegen den deutschen Faschismus: Die DEUTSCHE REPUBLIK, eine politische Wochenschrift der späten Weimarer Republik. Ein Beitrag zur Geschichte der demokratischen Presse, Frankfurt am Main, Bern, New York, Paris 1988, 72.

[39] Blankenberg, Heinz: Politischer Katholizismus in Frankfurt am Main 1918 - 1933, Mainz 1981, 100f.

[40] Seiterich-Kreuzkamp, Thomas: Links, frei und katholisch - Walter Dirks. Ein Beitrag zur Geschichte des Katholizismus (Fortsetzung...)

[40] (...Fortsetzung) der Weimarer Republik. Mit einem Nachwort von Walter Dirks, Frankfurt am Main - Bern - New York 1986, 191.

[41] Prümm, Karl: Walter Dirks und Eugen Kogon als katholische Publizisten der Weimarer Republik, Heidelberg 1984, 35.

[42] Bröckling, Ulrich im Gespräch am 14.07.1992.

[43] So Schroeder, Wolfgang: Sozialismus aus christlicher Verantwortung. Walter Dirks Publizistik von 1945 - 1950, in: Orientierung 52 (1988) 67-69.

[44] So Bröckling, Ulrich im Gespräch am 14.07.1992.

[45] Walter Dirks: Auch ein Jubiläum. Zur fünfzigsten Wiederkehr des Todestages von Karl Marx, in: RMV, 21.02.1933 und in: Gegen die faschistische Koalition, 128-133.

[46] Maaser, Wolfgang: Rezension Walter Dirks: Gesammelte Schriften, Zürich 1988ff, in: Medienwissenschaften 9 (1991) 41-48, 42.

[47] Bröckling, Ulrich: Einleitung, in: Sozialismus oder Restauration, 21; Lowitsch, Bruno: Der Kreis um die Rhein- Mainische Volkszeitung, Wiesbaden, Frankfurt am Main 1980, 26., Seiterich-Kreuzkamp, Thomas: Links, frei und katholisch - Walter Dirks. Ein Beitrag zur Geschichte des Katholizismus der Weimarer Republik. Mit einem Nachwort von Walter Dirks, Frankfurt am Main - Bern - New York 1986, 90f. Seiterich- Kreuzkamp geht von einer abgeschlossenen Dissertation aus. Wieweit die Dissertation Dirks' gediehen war, läßt sich wohl nicht mehr klären, wie Bröckling (Gespräch vom 14.07.1992) meint. Er sieht in den Marxismus-Aufsätzen der ersten Jahre in den FH ein Niederschlag von Dirks wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit Marx und Lukàcs.

[48] Walter Dirks: Nachwort in: Seiterich, Bernhard: Demokratische Publizistik gegen den deutschen Faschismus: Die DEUTSCHE REPUBLIK, eine politische Wochenschrift der späten Weimarer Republik. Ein Beitrag zur Geschichte der demokratischen Presse, Frankfurt am Main, Bern, New York, Paris 1988, 293-296, 296.

[49] Die insgesamt für die FZ, besonders aber für das Feuilleton, überaus positive Darstellung Gillessens (Auf verlorenem Posten. Die »Frankfurter Zeitung« im Dritten Reich, Berlin 1986), nach der die FZ sich weitgehend aus einer totalitären Verstrickung hat heraushalten können, muß korrigiert werden. Gillessens Ergebnisse aus der Befragung der Redaktionsmitglieder, auch Dirks', deckt sich z.B. nicht mit der angepaßten Berichterstattung Dirks' über die Bayreuther Festspiele.

[50] Walter Dirks: Brief an einen christlichen Soldaten, in: Die Schildgenossen 19 (1940) 101-103, 145-147, 186-188, 221- 223.

[51] Vgl. hierzu Dirks' ausführliches Vorwort und Prümms Einleitung in: Feuilletons im Nationalsozialismus. Mit einem Vorwort von Walter Dirks (5-22) und einem Essay von Karl Prümm (23-87).

[52] Dirks, Walter: [Biographie], unveröffentlichtes MS, 1 S., o.O., o.J. [1945/46], AdsD, Depositum Walter Dirks, Nr. 52.

[53] Dirks hat zwei Kriege erlebt und war in keinem Soldat. Im Ersten Weltkrieg war er für eine Dienstverpflichtung um (Fortsetzung...)

[53] (...Fortsetzung) einige Tage zu jung. Als Freiwilliger hat er sich wegen des politisch gegen den Krieg und Preußen eingestellten Umfeldes nicht gemeldet. Als Ungedienter war er im Zweiten Weltkrieg erst zu alt. Dann habe er bei einer Musterung um 1944 nach eigenen Angaben gegenüber U. Bröckling einen sehr wohlgesonnenen Musterungsarzt gehabt, der ihm mit den Worten »Das reicht noch nicht«, immer neue Gebrechen und Krankheiten attestiert habe und ihn dann ausmusterte (Informationen aus dem Gespräch mit Bröckling, Ulrich am 14.07.1992).

[54] Eugen Kogon (02.02.1903 - 24.12.1987) ist bekannt geworden durch seine Analysen über das System der Konzentrationslager (»Der SS-Staat«). Er war im Konzentrationslager Buchenwald interniert. Ursprünglich aus konservativen Kreisen stammend, hatten ihn die Erfahrungen zur Zeit des Nationalsozialismus sehr verändert. In der Weimarer Republik war er als Redakteur »Der Schöneren Zukunft« in Wien ein Gegenspieler Dirks und der RMV gewesen. Kogon war im Herausgebergremium der FH derjenige, der mehr in organisatorischen Kategorien dachte und die Kontakte zu den Parteien, Gewerkschaften und anderen Institutionen hielt. Von 1951 bis 1968 war er Professor für wissenschaftliche Politik an der TH Darmstadt. Zur Person Kogons vgl.: Dirks, Walter: Politische Kultur. Eugen Kogon, Politologe und Publizist, in: Orientierung 47 (1983) 14f. und Prümm, Karl: Walter Dirks und Eugen Kogon als katholische Publizisten der Weimarer Republik, Heidelberg 1984.

[55] Vgl. Dirks, Walter: [Vorschlag für eine sozialistische Einheitspartei], vier hektographierte Blätter, 29.05.1945, AdsD, Depositum Walter Dirks, Nr. 124 und in: Sozialismus oder Restauration, 33-36.

[56] »Als meine Freunde in Frankfurt den Schock über das Scheitern der ersten direkten Versuche [der Gründung einer sozialistischen Einheitspartei, WK] verarbeitet hatten, meinten sie, ihre Vision weniger rein und konsequent, aber dennoch wirksam aus den sich bildenden Formationen in einem (Fortsetzung...)

[56] (...Fortsetzung) längeren Prozeß erreichen zu können. (Aus dieser Absicht sind u.a. die 'Frankfurter Hefte' entstanden.)« Dirks, Walter: Gedächtnis und Erinnerung. Zum 8. Mai 1985, Zürich 1985, 35.

[57] Dirks, Walter: Politische Kultur. Eugen Kogon, Politologe und Publizist, in: Orientierung 47 (1983) 15.

[58] Nach: Dirks, Walter: Vorläufer Ernst Michel, in: Orientierung 50 (1986) 69-71, 71.

[59] »Das Schlüsselwort der ersten Nachkriegsjahre lautet 'Koalition'. Durch eine politische Interpretation der christlichen Botschaft wollte man auch die christlichen Gruppen ansprechen, die der sozialistischen Idee bisher ablehnend gegenüberstanden, wie die Bauern und Bürger. Walter Dirks prägt im Hinblick auf diese Gruppe den Begriff des 'umwegigen Sozialismus'.« - Schroeder, Wolfgang: Gewerkschaftspolitik zwischen DGB, Katholizismus und CDU 1945 bis 1960. Katholische Arbeiterführer als Zeitzeugen in Interviews, Köln 1990, 342.

[60] Vgl. Focke, Franz: Sozialismus aus christlicher Verantwortung. Die Idee eines christlichen Sozialismus in der katholisch-sozialen Bewegung und in der CDU, Wuppertal 1978.

[61] Auf die Frage, warum er 1946 schon wieder von der aktiven Mitarbeit in der CDU zurückgetreten sei, antwortet Dirks: »Im Grunde, weil die von uns mitbegründete CDU uns nicht mehr paßte. Aber hinzu kam, daß ich nicht gerne kämpfe, ich schreibe lieber. Formell begründete ich das: Als Journalist glaubte ich Distanz zu den unmittelbaren Machtfaktoren haben zu müssen. Ich fühlte mich den Gruppen verpflichtet, von denen ich hoffte, daß sie produktiv sind für den Aufbau der deutschen Gesellschaft.« - In: Dirks, Walter/Schroeder, Wolfgang: [Interview] in: Schroeder, Wolfgang: Gewerkschaftspolitik zwischen DGB, Katholizismus und CDU 1945 bis 1960. Katholische Arbeiterführer als Zeitzeugen in Interviews, Köln 1990, 351-365, 357.

[62] Schmidt, Ute: Linkskatholische Positionen nach 1945 zu Katholizismus und Kirche im NS-Staat, in: Ludwig, Heiner/Schroeder, Wolfgang (Hg.): Sozial- und Linkskatholizismus. Erinnerung - Orientierung - Befreiung, Frankfurt am Main 1990, 147.

[63] Stankowski, Martin: Linkskatholizismus nach 1945. Die Presse oppositioneller Katholiken in der Auseinandersetzung für eine demokratische und sozialistische Gesellschaft, Köln o.J. (1976), 28.

[64] Dirks, Walter: Der restaurative Charakter der Epoche, in: FH 5 (1950) 942-954 und in: Sozialismus oder Restauration, 326-348.

[65] Dirks, Walter: Der restaurative Charakter der Epoche, in: Sozialismus oder Restauration, 326-348, 348.

Details

Seiten
95
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638150422
ISBN (Buch)
9783638717052
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v7949
Institution / Hochschule
Hochschule für Musik und Theater Hannover – Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung
Note
1,85
Schlagworte
Walter Dirks Journalistik Medienethik Journalistisches Ethos

Autor

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Titel:  Geschäftsführung ohne Auftrag  - Das Journalismusverständnis von Walter Dirks