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Möglichkeiten zur Prävention und Intervention bei Arbeitssucht

Seminararbeit 2007 20 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Konzeptionelle Grundlagen
2.1. Zum Begriff der Arbeitssucht
2.2. Ursachen und Auslöser der Arbeitssucht
2.3. Folgen der Arbeitssucht

3. Ausgewählte Maßnahmen zur Prävention und Intervention
3.1. Präventive Möglichkeiten zur Vermeidung von Arbeitssucht
3.1.1. Frühzeitige Identifikation potenziell betroffener Mitarbeiter und Bewerber
3.1.2. Prävention mittels Personalentwicklung
3.1.3. Unternehmensinterne Führungsstrategie als präventiver Faktor
3.1.4. Vorbeugende Maßnahmen außerhalb der betrieblichen Umgebung
3.2. Interventionsmaßnahmen nach Feststellung der Sucht
3.2.1. Einflussmöglichkeiten der Kollegen und Vorgesetzen
3.2.2. Wechsel der Arbeitsumgebung
3.2.3. Sabbaticals und Austritt aus dem Arbeitsleben
3.2.4. Außerbetriebliche Behandlungsmöglichkeiten

4. Zusammenfassung und Ausblick

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Menschen, die täglich lange arbeiten und sich auch am Wochenende kaum Freizeit gönnen, genießen in unserer heutigen Leistungsgesellschaft ein hohes Ansehen. Überstunden und Arbeitsmitnahme in den Urlaub werden mit Karriere und Leistungsfähigkeit assoziiert. Die negativen Begleiterscheinungen dieses Verhaltens werden in der Öffentlichkeit hingegen völlig ausgeblendet. Übermäßiges Arbeiten kann sich zur Arbeitssucht entwickeln und stellt wie z. B. die Alkohol- oder die Spielsucht eine Krankheit dar, die sich für die Betroffenen lebensbedrohlich entwickeln kann. Aber auch die Wirtschaftsorganisationen, die auf den ersten Blick von dem Arbeitseifer ihrer Mitarbeiter zu profitieren scheinen, sind hohen Risiken ausgesetzt. Die Sucht nach Arbeit einzudämmen, sollte daher ein erklärtes Ziel des Personalmanagements sein.[1]

Hauptgegenstand dieser Arbeit wird daher die Untersuchung von vorbeugenden Maßnahmen zur Verhinderung der Arbeitssucht sein und von Möglichkeiten, die Krankheit nach dem Ausbruch aufzuhalten.

In den konzeptionellen Grundlagen dieser Arbeit wird der Begriff der Arbeitssucht zunächst näher erläutert. Es wird insbesondere auf die Ursachen und Auslöser sowie auf die Folgen der Arbeitssucht eingegangen. Im dritten Kapitel erfolgt die Erörterung ausgewählter Präventions- und Interventionsmöglichkeiten der Sucht. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf den Maßnahmen, die von betrieblicher Seite ergriffen werden können. Im letzten Kapitel erfolgt ein Ausblick auf die zukünftig zu erwartende Entwicklung der Arbeitssucht in der Bevölkerung und die noch zu ergreifenden Maßnahmen im Kampf gegen die Krankheit.

2. Konzeptionelle Grundlagen

In diesem Grundlagenteil soll zunächst der Begriff Arbeitssucht näher untersucht werden. Es werden die Ursprünge des Begriffs dargestellt und eine Definition gegeben. Im Anschluss werden die Symptome der Sucht näher erläutert und die Probleme der Diagnose angesprochen. Die Ursachen und Auslöser der Sucht werden ausführlich dargestellt, da dort die Präventionsmaßnahmen ansetzen. Im letzten Teil des Kapitels werden die Folgen der Sucht erläutert, die sich für die Betroffenen und die Unternehmen, in denen sie tätig sind, ergeben.

2.1. Zum Begriff der Arbeitssucht

Den angloamerikanischen Ausdruck 'workaholism', der als Pendant zum deutschen Begriff 'Arbeitssucht' angesehen werden kann, wurde 1971 erstmals von Wayne Oates geprägt. Er lehnte diesen Ausdruck an das Wort alcoholism (deutsch: Alkoholabhängigkeit) an, um deutlich zu machen, das Arbeit für manche Menschen - wie Alkohol für Alkoholsüchtige - zum Zwang werden kann.[2]

Der Unterschied zwischen Alkoholsucht und Arbeitssucht besteht darin, dass bei Ersterer eine Substanz eingenommen wird, die zu einer körperlichen Abhängigkeit führt (Substanzsucht) während es sich bei der Arbeitssucht um eine Prozesssucht handelt. Prozesssüchte zeichnen sich dadurch aus, dass Menschen von Aktivitäten oder Interaktionen abhängig werden und sich nicht mehr selber kontrollieren können.[3]

Der Begriff der Arbeitssucht ist in der offiziellen psychiatrischen und psychologischen Terminologie nicht vorhanden. Auch in der Literatur konnte sich bislang keine einheitliche Definition durchsetzen.[4] Da diese Arbeit den Begriff Arbeitssucht vor dem personalwirtschaftlichen Hintergrund betrachtet, wird auf die Definition von Meißner zurückgegriffen, die den Fokus ihrer Arbeit auch auf dieses Gebiet legt. Außerdem gehört ihre Arbeit zu den aktuellsten Werken dieses Themas und berücksichtigt die bisherigen Forschungsergebnisse.

"Arbeitssucht ist eine innere zwanghafte und pathologische Fixierung auf die Arbeit (Erwerbsarbeit), auf die Arbeitsergebnisse bzw. auf das Arbeiten, die der Süchtige sich ausliefert bzw. hingibt und damit die Verantwortung des eigenen Handelns im Umgang mit sich selbst und seinem Umfeld abgibt und die Kontrolle darüber verliert. " [5]

In der Literatur werden unterschiedliche Typen von Arbeitssüchtigen unterschieden. Da diese noch nicht hinreichend erforscht sind, wird in dieser Arbeit ausschließlich auf den zwanghaften Arbeitssüchtigen eingegangen, der auch als rastloser Arbeitssüchtiger bezeichnet wird und als typischer Arbeitssüchtiger gilt.[6]

Symptome der Arbeitssucht

Die rastlosen oder auch zwanghaften Arbeitssüchtigen zeichnen sich durch ihre Beständigkeit im Arbeiten aus. Sie unterliegen sehr oft dem Zwang nicht nur an Werktagen länger als ihre Kollegen zu arbeiten, sondern nehmen auch am Wochenende oder im Urlaub ihre Arbeitsunterlagen mit. Sie haben ihre Arbeiten meistens schon lange Zeit vor Fristablauf beendet. Sie versuchen dann entweder die eigentlich beendete Arbeit aufgrund ihrer perfektionistischen Haltung noch weiter zu verbessern oder nehmen sich dann sofort neuer Projekte an.[7]

Außerdem wollen sie in keinerlei Hinsicht die Kontrolle verlieren. Sie wollen alles selbst erledigen. Sie delegieren ihre Arbeiten nicht an andere und nehmen auch keine fremde Hilfe an, da sie sich für fähiger halten die Aufgaben zu erledigen. Um einen Kontrollverlust zu vermeiden, planen sie im Voraus ihre Schritte sehr genau. Teamfähigkeit und Flexibilität sind ihnen fremd. Die starke Ausrichtung ihres Lebensinhalts auf die Arbeit führt zu einer Ausblendung des Privatlebens. Familie und Freunde werden völlig vernachlässigt. Ihr häufig depressives und reizbares Auftreten führt dazu, dass auch ihre Mitmenschen, die sich zunächst noch um ihre Aufmerksamkeit bemüht haben, den Kontakt abbrechen und sie sozial isoliert sind.[8]

Schwierigkeiten bei der Diagnose der Arbeitssucht

Obwohl die Symptome der Krankheit weitestgehend bekannt sind, stellt sich die Diagnose von Arbeitssucht oft schwierig dar. Es gibt viele Menschen, die überdurchschnittlich lange arbeiten und nicht als arbeitssüchtig bezeichnet werden können. Einige müssen z. B. viel arbeiten, um für sich und ihre Familie einen ausreichenden Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Andere machen Überstunden, da sie gerade mit einem Großprojekt ihrer Firma betraut wurden. Diese Menschen sind zunächst nicht arbeitssüchtig. Wenn aber die finanzielle Notlage beendet oder das Projekt abgeschlossen ist und diese Menschen nach Ausreden suchen weiterhin viel zu arbeiten, kann dies ein erstes Indiz für Arbeitssucht sein. Sie haben sich an die tägliche Anspannung gewöhnt und können nicht mehr ohne dieses Gefühl leben.[9]

Ein weiteres Problem bei der Diagnose ist der gesellschaftliche Umgang mit der Arbeitssucht. Vielfach ist überhaupt nicht bekannt, dass die Sucht eine ernstzunehmende Krankheit ist. Menschen, die viel arbeiten, werden in unserer Gesellschaft hoch geschätzt. Sie gelten als besonders belastbar und es wird nicht angenommen, dass sie krank sein könnten. Das Unwissen über Arbeitssucht verhindert in vielen Fällen eine Diagnose.[10]

[...]


[1] Vgl. Meißner 2006, S. 60ff.

[2] Vgl. Robinson 2000, S. 19

[3] Vgl. Wilson-Schaef, Fassel 1994, S. 58ff.

[4] Vgl. Poppelreuter, Evers 2000, S. 73ff.

[5] Meißner 2005, S. 36

[6] Hess 2006, S. 36

[7] Vgl. Fassel 1991, S. 35ff., siehe auch Robinson 2000, S. 65ff.

[8] Vgl. Robinson 2000, S. 58ff.

[9] Vgl. Schwochow 1999 S. 41ff.

[10] Vgl. Wolf, Meins 2004, S. 18

Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638857352
ISBN (Buch)
9783638859707
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v79664
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,3
Schlagworte
Möglichkeiten Prävention Intervention Arbeitssucht

Autor

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Titel: Möglichkeiten zur Prävention und Intervention bei Arbeitssucht