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Finanzierungsmöglichkeiten für nicht börsennotierte Unternehmen

Seminararbeit 2007 50 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Mittelstand in Deutschland
1.1 Definition und Bedeutung des Mittelstandes
1.2 Herausforderungen für den Mittelstand

2. Finanzierungsmöglichkeiten für nicht börsennotierte Unternehmen
2.1 Innenfinanzierung
2.1.1 Selbstfinanzierung
2.1.2 Finanzierung über Rückstellungen
2.2 Außenfinanzierung
2.2.1 Fremdfinanzierung
2.2.1.1 Finanzierung über Kredite
2.2.1.2 Vor- und Nachteile der Fremdfinanzierung
2.2.2 Einlangen- / Beteiligungsfinanzierung
2.2.2.1 Einlagen von Altgesellschaftern
2.2.2.2 Aufnahme neuer Gesellschafter
2.2.2.3 Private Equity
2.2.3 Mezzanine Finanzierungsinstrumente
2.2.3.1 Stille Beteiligung
2.2.3.2 Nachrangdarlehen
2.2.3.3 Genussrechte
2.2.3.5 Wandel- und Optionsanleihen
2.2.3.6 Zusammenfassung
2.2.4 Kreditsubstitute
2.2.4.1 Factoring
2.2.4.2 Leasing
2.2.4.3 Asset Backed Securities

3. Case Study
3.1 Kurzer historischer Überblick der MeinSchuh GmbH
3.2 Typischer Ablauf einer Akquisitionsfinanzierung
3.2.1 Vorbereitung des Verkaufs
3.2.2 Vorprüfung / Pre-Due Dilligence
3.2.3 Verhandlung / Letter of Intent
3.2.4 Due Dilligence
3.2.5 Vertragsabschluss und Kaufpreiszahlung
3.3 Wertsteigerung des Unternehmens
3.3.1 Eigentümerstruktur
3.3.2 Kapitalstruktur
3.3.3 Vermögensstruktur
3.3.4 Organisationsstruktur
3.4 Ausstieg aus dem Unternehmen (Exit)

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 – Unternehmenswert der MeinSchuh GmbH

Abbildung 2 – Finanzierungsstruktur der Übernahme der MeinSchuh GmbH

Abbildung 3 – Finanzierung der Übernahme der MeinSchuh GmbH

Abbildung 4 – Finanzierungsstruktur vor und nach dem Verkauf der MeinSchuh GmbH an einen strategischen Investor

1. Mittelstand in Deutschland

1.1 Definition und Bedeutung des Mittelstandes

Vor der Auseinandersetzung mit Finanzierungsmöglichkeiten für nicht börsennotierte mittelständische Unternehmen, sollte zunächst der Begriff des Mittelstandes geklärt werden. Dies ist umso wichtiger, da dieser Begriff in der öffentlichen Diskussion nahezu undifferenziert genutzt wird. So bezeichnen sich neben kleinen Betrieben wie zum Beispiel Handwerksbetriebe auch viele Unternehmen mit hohen Umsätzen als Mittelständler. Da es keine allgemeingültige Definition für den Mittelstand gibt, wird im folgenden auf die Definition des Instituts für Mittelstandsforschung zurückgegriffen.[1]

Der Mittelstand setzt sich nach dieser Definition aus kleinen und mittleren Unternehmen zusammen, deren Anzahl der Beschäftigten unter 499 liegt und deren Umsatz 50 Millionen nicht übersteigt. Nach dieser Abgrenzung sind insgesamt rund 97,7 % der rund 3 Millionen deutschen Unternehmen dem Mittelstand zuzurechnen. Die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung des Mittelstandes wird durch folgende Aspekte besonders deutlich. So entfallen rund 70,8 % der Beschäftigten auf den Mittelstand. Darüber hinaus trägt der Mittelstand mit 82,9 % der Auszubildenden die Hauptlast der betrieblichen Ausbildung. Er tätigt 51,5 % der Bruttoinvestitionen und sorgt für 46,7 % der Bruttowertschöpfung der Unternehmen. Aus diesen Zahlen wird die ausgesprochen hohe Bedeutung des Mittelstandes für die deutsche Wirtschaft deutlich. Die Sicherstellung einer adäquaten Finanzierung für den Mittelstand spielt somit für die volkswirtschaftliche Entwicklung Deutschlands eine entscheidende Rolle.[2]

1.2 Herausforderungen für den Mittelstand

Der Wandel in der deutschen Finanzierungslandschaft stellt den Mittelstand vor eine Vielzahl von Herausforderungen. Die zentralen Stichworte dabei lauten Basel II, Rating und alternative Finanzierungsformen.

Die Kernidee von Basel II besteht darin, die Höhe der Eigenkapitalhinterlegung von Krediten, abhängig von der Zahlungsunfähigkeit des Schuldners zu machen. Grundlage für die Kreditvergabe seit Basel II sind bankinterne und/oder externe Ratings. Diese Ratings dienen den Banken zur Ermittlung ihrer notwendigen Eigenkapitalhinterlegung und bestimmen, ob und wenn ja, zu welchen Zinskonditionen ein Unternehmen einen Kredit bekommt. Um ein gutes Rating zu erhalten, das den Zugang zu günstigen Zinskonditionen ermöglicht, ist die Eigenkapitalquote eines Unternehmens von entscheidender Bedeutung. Dieser Wandel stellt für deutsche mittelständische Unternehmen insofern eine besondere Herausforderung dar, weil diese im internationalen Vergleich eine sehr geringe Eigenkapitalquote aufweisen. Das Eigenkapitalpolster mittelständischer Unternehmen ist jedoch auch im Vergleich zu kapitalmarktorientierten Großunternehmen deutlich geringer ausgeprägt. Dies liegt einerseits daran, dass Familienunternehmen ihren Finanzbedarf traditionell über den klassischen Hausbankkredit finanzieren. Andererseits liegt der Grund für die schwache Eigenkapitalquote der meisten mittelständischen Unternehmen an ihrer skeptischen Einstellung gegenüber neuen Finanzierungsformen. Die skeptische Einstellung gegenüber neuen Finanzierungswegen befindet sich jedoch langsam im Wandel, so dass sich Mittelständler in den letzten Jahren zunehmend intensiv mit ihrer Finanzierung beschäftigten.[3] Der deutsche Mittelstand muss sich aufgrund der alarmierend niedrigen Eigenkapitalquote von durchschnittlich unter 10 Prozent[4] neuen Finanzierungsquellen öffnen und Alternativen zum klassischen Bankkredit finden. Auf diese Weise kann die Unternehmensfinanzierung auf eine breitere Basis gestellt, die Eigenkapitalquote erhöht und somit auch das Rating und der Zugang zu günstigeren Zinskonditionen verbessert werden.

2. Finanzierungsmöglichkeiten für nicht börsennotierte Unternehmen

2.1 Innenfinanzierung

Bei der Innenfinanzierung versuchen Unternehmen ihren Finanzierungsbedarf zunächst durch Erzielung und Einbehalt von Gewinnen abzudenken. Die Innenfinanzierung findet also durch den Einsatz oder die Freisetzung vorhandenen Vermögens statt. Es erfolgt somit im Gegensatz zur Außenfinanzierung keine Zufuhr finanzieller Mittel von außen. Diese Form der Finanzierung ist für viele Unternehmen neben dem Bankkredit traditionell noch immer die wichtigste Finanzierungsquelle.[5]

2.1.1 Selbstfinanzierung

Je nach Art des Ausweises des zurückbehaltenen Gewinns in der Bilanz, kann zwischen offener und stiller Selbstfinanzierung unterschieden werden. Sind die einbehaltenen Gewinne bilanziell ersichtlich und wurden nicht ausgeschüttet, dann bezeichnet man diese Form der Innenfinanzierung als offene Selbstfinanzierung. Der thesaurierte Gewinn aus der offenen Selbstfinanzierung unterliegt dabei der Einkommenssteuer beziehungsweise der Körperschaftssteuer, sowie der Gewerbesteuer. Aus diesem Grund steht dem Unternehmen für die Finanzierung, nur der Betrag nach Steuern zur Verfügung.

Im Gegensatz zur offenen Selbstfinanzierung sind die erwirtschafteten Gewinne bei der stillen Selbstfinanzierung nicht aus der Bilanz des Unternehmens ersichtlich. Durch bilanzpolitische Maßnahmen, wie zum Beispiel die Unterbewertung von Aktiva werden stille Reserven gebildet, die erst bei ihrer Auflösung der Ertrags- beziehungsweise der Körperschaftssteuer unterliegen.[6]

2.1.2 Finanzierung über Rückstellungen

Bei Rückstellungen handelt es sich um Zahlungsverpflichtungen, die hinsichtlich des Grundes, der Höhe und Fälligkeit noch nicht sicher feststehen. Rückstellungen können demnach gebildet werden, wenn aus dem normalen Geschäftsbetrieb heraus Verpflichtungen entstehen, die zu einem späteren Zeitpunkt zu Auszahlungen führen können. Deshalb werden Rückstellungen bilanziell zum Fremdkapital gezählt. Der Finanzierungseffekt beruht darauf, dass die mit den Rückstellungen verbundenen Aufwendungen erst in späteren Perioden mit tatsächlichen Liquiditätsabflüssen verbunden sind. Die dadurch im Unternehmen gebundenen Mittel können zu Finanzierungszwecken verwendet werden.[7]

2.2 Außenfinanzierung

Die Außenfinanzierung bezeichnet einen Mittelzufluss, der nicht aus dem Leistungserstellungsprozess des Unternehmens resultiert, sondern von außen zugeführt wird. Unterschieden wird dabei gemäß der Rechtsstellung der Kapitalgeber zwischen Eigen-(Beteiligungs-)Finanzierung und Fremd-(Kredit-)Finanzierung.

Die nach wie vor am häufigsten genutzte Form der Außenfinanzierung ist der klassische Bankkredit. Gestiegener Wettbewerb um Kapital und die zunehmende Zurückhaltung der Hausbanken bei der Vergabe von Krediten, tragen zu einer stärkeren Auseinander-setzung der Unternehmen mit neuen Finanzierungsformen und Finanzierungswegen bei. Folglich wächst der Stellenwert eigenkapitalstärkender Finanzierungswege wie zum Beispiel Mezzanine und alternativer Finanzierungsformen wie Leasing und Factoring.[8]

2.2.1 Fremdfinanzierung

Bei der Fremdfinanzierung wird dem Unternehmen Kapital von außen durch kurz-, mittel- oder langfristige Kredite zugeführt. Vorteile einer solchen Fremdfinanzierung sind, dass die Kapitalgeber in der Regel keinen unmittelbaren Einfluss auf die Unternehmensleitung ausüben und nicht am Gewinn beteiligt sind. Stattdessen erhält der Kreditgeber für seine Kapitalüberlassung Zinsen vom Kreditnehmer, die verhandelt werden können.

Nachteilig dagegen ist die Tatsache, dass das Fremdkapital nur zeitlich begrenzt zur Verfügung steht und das die Fremdfinanzierung zu Zins- und Tilgungszahlungen führt. Bei anhaltender Unfähigkeit, den Zins- und Tilgungszahlungen nachzukommen, besteht zudem Insolvenzgefahr wegen Illiquidität und Überschuldung.[9]

2.2.1.1 Finanzierung über Kredite

Bei der Kreditfinanzierung wird dem Unternehmen Kapital für einen exakt begrenzten Zeitraum zu fest vereinbarten Zinsen zur Verfügung gestellt. Der Kreditgeber hat auf der rechtlichen Grundlage eines Darlehensvertrags einen Anspruch auf den Kreditzins und Rückzahlung zum vereinbarten Termin. Im Insolvenzfall hat der Geldgeber einen Quotenanspruch auf die Insolvenzmasse, jedoch keine unternehmerischen Mitspracherechte.

Es existieren viele unterschiedliche Arten von Krediten, die häufig nach ihrer Fristigkeit differenziert werden. Für kurzfristige Kredite gilt zumeist eine Laufzeit von weniger als einem Jahr. Bei einer Laufzeit von ein bis fünf Jahren werden Kredite als mittelfristig und bei einer Laufzeit von über fünf Jahren als langfristig bezeichnet. Weiteres Einteilungskriterium ist die Verwendungsart der Kredite.

Mit der Einräumung eines Kredits geht der Kreditgeber das Risiko ein, dass der Kredit nicht rechtzeitig, nur teilweise oder gar nicht getilgt wird. Um dieses Risiko einschätzen zu können ist eine vorausgehende Kreditwürdigkeitsprüfung durch das Kreditinstitut, Grundvoraussetzung für jede Kreditvergabe. Grundlage der Kreditwürdigkeitsprüfung bei der Vergabe von Krediten ist die Prüfung der Bonität des Unternehmens anhand eines Ratings. Zu den wichtigsten Kriterien für ein gutes Rating und eine positive Bonitätsbeurteilung gehört neben einer guten Ertragskraft, vor allem eine ausreichende Eigenkapitalausstattung des Unternehmens.[10]

Die Kosten für Kredite hängen seit Basel II im Wesentlichen von eben diesem Rating des Kreditnehmers ab. Das Rating bestimmt nicht nur das Risiko einer Kreditvergabe, sondern auch die Höhe der Eigenkapitalhinterlegung des gewährten Kredits. Somit erhalten solide Unternehmen mit geringem Risiko die besten Zinskonditionen, die 7% unterschreiten können. Viele mittelständische Unternehmen, deren Bonität nicht ganz so gut ist und die Kreditvergabe demnach mit einem leicht höheren Risiko für Kreditinstitute verbunden ist, erhalten Kredite zum Zinssatz von ungefähr 7-12%.[11]

Die Rückzahlung der Kredite ist aber auch je nach Rating durch den Kreditnehmer abzusichern. Die Besicherung des Kredits kann auf vielfältige Weise geschehen. So können Sachen und Rechte verpfändet, Forderungen abgetreten oder Bürgschaften und Garantien Dritter vorgelegt werden. Der Wert der Sicherheiten kann einem wesentlichen Teil oder auch der ganzen Kreditsumme entsprechen.

Bilanziell stellen Kredite Fremdkapital dar und sind als Verbindlichkeiten zu passivieren. Sie erhöhen den Verschuldungsgrad eines Unternehmens und wirken sich negativ auf die Eigenkapitalquote und das Rating aus.

2.2.1.2 Vor- und Nachteile der Fremdfinanzierung

Grundsätzlich spricht für die Aufnahme von Fremdkapital in der Unternehmensfinanzierung die feste Kalkulationsgrundlage durch exakt planbare Zahlungsströme, sowie die Vielseitigkeit möglicher Strukturierungsvarianten. Die Verzinsungslast ist nicht überzogen und in der Regel dem Risiko angemessen. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich durch die Begebung von Fremdkapital, die Eigentums-verhältnisse am Unternehmen nicht verändern. Auch in der Mittelverwendung bietet sich ein breites Spektrum von Einsatzmöglichkeiten.

Aus steuerlicher Sicht ist die Aufnahme von Fremdkapital aufgrund der Abzugsfähigkeit der vom Emittenten zu zahlenden Zinsen vorteilhaft.

Je nach verfolgtem Zweck kann zwischen kapitalmarktnaher oder kreditnaher Finanzierung gewählt werden. Anzumerken ist jedoch, dass kapitalmarktnahe Finanzierung über Schuldscheindarlehen oder Anleihen in der Regel nur für große und etablierte mittelständische Unternehmen, mit einem größeren Finanzierungsbedarf geeignet ist.

Der größte Nachteil von Fremdkapital ist die vertraglich vereinbarte Verpflichtung zur fortlaufenden Leistung des Zahlungsstroms in unveränderter Höhe. Dies berücksichtigt in den seltensten Fällen mögliche Liquidationsengpässe von Unternehmen. Die Tatsache, dass Nachverhandlungen bei schlechterer Geschäftslage meist kaum möglich sind, kann auch zur Insolvenz von Unternehmen führen. Ein weiterer Nachteil bei der Aufnahme von Fremdkapital ist der für Schuldner in den vergangenen Jahren gestiegene Informations- und Dokumentationsaufwand für kreditähnliche Finanzierungen. Die Kapitalgeber sind auch aufgrund von Basel II wesentlich risikobewusster und anspruchsvoller geworden. Zur besseren Einschätzung und Beurteilung des Rendite-Risiko-Profils verlangen sie deutlich mehr Informationen gegenüber den vergangen Jahren. Die Befriedigung der gestiegenen Informationswünsche der Kapitalgeber zwingt den Kapitalnehmer zur zeit- und kostenintensiven Pflege seiner Bilanz.[12] Die intensivere Auseinandersetzung der Unternehmensführung mit der Bilanz des Unternehmens kann aber auch zu Vorteilen für das Unternehmen führen, wenn dadurch Finanzierungslücken entdeckt und alternative Finanzierungswege erschlossen werden.

2.2.2 Einlangen- / Beteiligungsfinanzierung

Die Einlagen-/ Beteiligungsfinanzierung beinhaltet alle Formen der Beschaffung von Eigenkapital durch Kapitaleinlagen. Diese können dabei sowohl von bereits vor-handenen oder neu aufgenommenen Gesellschaftern der Unternehmung erfolgen. Eine Bilanzierung als Eigenkapital ist nur dann zulässig, wenn das Kapital eine Haftungs-funktion besitzt. Dies ist nach dem Institut der Wirtschaftsprüfer dann gegeben, wenn das Kapital langfristig zur Verfügung steht (mindestens fünf Jahre), mit einer Nachrangerklärung ausgestattet ist und die Vergütung erfolgsabhängig, mit einer vollen Teilnahme am Verlust, versehen ist. Werden diese Kriterien nicht erfüllt, so ist das Kapital als Fremdkapital zu bilanzieren.

Die Beschaffung von Eigenkapital ist für den Erfolg eines Unternehmens von entscheidender Bedeutung. Dies liegt vor allem daran, dass das Eigenkapital eine wichtige Haftungs- und Verlustausgleichsfunktion gegenüber vorrangigen Kapital-gebern übernimmt. Eine beruhigende Eigenkapitalausstattung signalisiert somit Vertrauen gegenüber Kunden, Lieferanten und auch Fremdkapitalgebern. Durch zuführen von Eigenkapital wird die Liquidität eines Unternehmens erhöht. Die Vergütung der Eigenkapitalüberlassung erfolgt in Form von Gewinnausschüttungen. Es fallen demnach für diese Form der Kapitalüberlassung keine festen Zinszahlungen an. So lange also kein Gewinn erwirtschaftet wird, erfolgt auch kein Geldabfluss aus dem Unternehmen. Deshalb kann das Kapital gut zur Finanzierung von Maßnahmen eingesetzt werden, die das Unternehmen zurück in die Gewinnzone bringen. Bei einer Fremdfinanzierung dagegen wäre die Flexibilität des Unternehmens diesbezüglich stark eingeschränkt, weil das Kapital in Form von Zinszahlungen aus dem Unternehmen, unabhängig von der Gewinnsituation, abgeflossen wäre.[13]

2.2.2.1 Einlagen von Altgesellschaftern

Altgesellschafter sind Investoren, die dem Unternehmen bereits reines Eigenkapital zur Verfügung gestellt und damit Mitspracherechte im Unternehmen erworben haben. Sollte das Unternehmen weiteres Eigenkapital benötigen und die Altgesellschafter keinen Einflussverlust am Unternehmen erleiden wollen, so können diese eine Erhöhung des Eigenkapitals durch weitere Einlagen ihrerseits durchführen. Damit bleibt die Machtstruktur unter den einzelnen Gesellschaftern erhalten. Die gilt zumindest solange alle Altgesellschafter gleichmäßig an der Kapitalerhöhung teilnehmen.

Die Möglichkeit der Kapitalerhöhung durch Altgesellschafter ist eine liquiditäts-schonende Variante bei der Generierung von Eigenkapital, ohne dass Informationen oder Mitspracherechte an unternehmensexterne Personen oder Institutionen gegeben werden müssen. Die Nutzung dieses Finanzierungsinstrumentes kommt deshalb immer dann in Betracht, wenn zum Beispiel keine Bankkredite mehr zu bekommen sind und deshalb eine Finanzierung mit Eigenkapital unbedingt notwendig wird. Einlagen von Altgesellschaftern sind aber auch dann sinnvoll, wenn bei Aufnahme von zusätzlichem Kapital keinem Externen Einsicht in interne Zahlen und Einfluss auf das Unternehmen zugestanden werden soll. Zu beachten ist jedoch dabei, dass diese Finanzierungs-variante von den Vermögensverhältnissen der Altgesellschafter abhängig ist.[14]

2.2.2.2 Aufnahme neuer Gesellschafter

Neben der Möglichkeit Eigenkapital durch Altgesellschafter zu generieren, kann Eigenkapital auch von unternehmensexternen Kapitalgebern kommen. Stellen diese reines Eigenkapital zur Verfügung, erwerben sie den Status eines Gesellschafters mit den dazugehörigen Mitsprache- und Kontrollrechten. Neue Gesellschafter können dabei sowohl Privatpersonen als auch institutionelle Investoren sein. Die Aufnahme neuer Gesellschafter setzt jedoch ein Einverständnis der Altgesellschafter voraus, um die entsprechenden rechtlichen Voraussetzungen für diese Art der Kapitalerhöhung zu schaffen. Weitaus schwieriger als die Schaffung der rechtlichen Voraussetzungen ist das Suchen potenzieller Investoren. Dies liegt daran, dass ein Einstieg als Gesellschafter in ein Unternehmen eine größere Investition darstellt und zudem eine teilweise aktive Mitarbeit bei der Unternehmensführung erfordert. Auch die Tatsache, dass ein Ausstieg aus dem Unternehmen, außer bei börsennotierten Aktiengesellschaften, nur mit hohem Zeit- und Geldaufwand möglich ist, erschwert die Investorensuche zusätzlich.

Die Kosten eines solchen Finanzierungsinstruments sind nicht außer Acht zu lassen. Weil die neuen Gesellschafter einen verhältnismäßig hohen Betrag im Unternehmen investieren können sie mit ihrer Einlage keine weitreichende Diversifizierung ihres Vermögens erreichen. Es besteht für sie ein höheres Risiko, dass sich in höheren Renditeforderungen niederschlägt.[15]

Einlagen von neuen Gesellschaftern erhöhen, ebenso wie die Einlagen von Alt-gesellschaftern, das bilanzielle Eigenkapital des Unternehmens. Darüber hinaus führen sie zu einem bessren Rating und ermöglichen so günstigere Finanzierungskonditionen.

Als Motiv für die Aufnahme neuer Gesellschafter ist vor allem die Einbindung bestimmter Personen in die Führung und finanzielle Verantwortung des Unternehmens zu nennen. Dies können Mitarbeiter zur Steigerung der Motivation, Geschäftspartner zur Festigung der Geschäftsbeziehung oder auch Familienmitglieder zur Wahrung des familiären Einflusses sein. Neue Gesellschafter sind auch immer dann eine Alternative, wenn die Altgesellschafter kein zusätzliches Eigenkapital mehr ins Unternehmen einbringen können oder wollen. Die Eingliederung neuer Gesellschafter in das Unternehmen kann aber auch zur Lösung der Nachfolgeproblematik vieler Mittelständler beitragen.[16]

2.2.2.3 Private Equity

Der Begriff Private Equity entspricht im weiteren Sinne dem Oberbegriff für jede Form der Bereitstellung außerbörslichen Eigenkapitals für Unternehmen durch Externe, das heißt also außerhalb des bisherigen Gesellschafterkreises stehende Dritte. Im Laufe der Zeit hat sich jedoch eingebürgert den Einsatz von Beteiligungskapital je nach konkreter Phase zu unterscheiden. So bezeichnet der Begriff Venture Capital die risikoreiche Frühphasenfinanzierung von Unternehmen und wird somit häufig für die Wachstums-finanzierung junger, innovativer und schnell wachsender Unternehmen verwendet. Private Equity Gesellschaften finanzieren dagegen in der Regel etablierte Unternehmen in einer reiferen Entwicklungsphase.

Der Ablauf einer solchen Private Equity Finanzierung läuft immer nach dem selben Muster ab. Zunächst wird ein Fonds aufgelegt, um finanzielle Mittel zu erlangen. Anschließend wird ein Auswahlprozess durchgeführt, um so das Risiko einer Unternehmung zu ermitteln. Es werden Schwachstellen identifiziert und das Erfolgspotenzial bestimmt. Anschließend wird mit dem Geld aus dem Fonds und weiteren Krediten die Mehrheit an einem Unternehmen erworben. Zurückgezahlt werden die Kredite aus dem Cash Flow der gekauften Unternehmen. Genau das führt zum Hauptkritikpunkt an der Private Equity Finanzierung. Die hohe Schuldenaufnahme und die damit verbundene hohe Zinsbelastung, die aus dem Cash Flow des Unternehmens bedient wird, kann bei anhaltend schlecht laufenden Geschäften zur existenziellen Bedrohung für das finanzierte Unternehmen werden. Nach einer Restrukturierung, versucht die Private Equity Gesellschaft ihren Erlös auf den Kapitaleinsatz durch einen Verkauf der Anteile nach einer Behaltdauer von drei bis sieben Jahren zu realisieren. Dies kann durch einen Börsengang, einen Weiterverkauf an einen ausgewählten strategischen Investor beziehungsweise an einen anderen Finanzinvestor oder aber durch den Rückkauf der Altgesellschafter geschehen.[17]

Abhängig von den Investitionsphasen und der Form der Finanzierung kann die Rendite einer Private Equity Finanzierung bei 15-30 Prozent, in Einzelfällen sogar bei bis zu 40 Prozent liegen. Das bereits angesprochene Risiko eines vollständigen Verlusts der Investitionen steht diesem Erfolg jedoch gegenüber und macht Private Equity Investitionen nach wie vor zu einem Risikounternehmen.

Um die hohen Renditeforderungen erfüllen und die hohe Zinsbelastung aus dem Cash Flow bedienen zu können, sind Private Equity Fonds auf gesunde, leistungsfähige Betriebe angewiesen. Aus diesem Grund ist Private Equity kein Massengeschäft, sondern nur für wenige, ausgesuchte Unternehmen geeignet. Diese Art der Beteiligungsfinanzierung kommt deshalb nur in geringem Maße für den breiten Mittelstand in Frage.[18] Ein weiterer Grund, warum dieses Finanzierungsinstrument bisher keine große Verbreitung im Mittelstand gefunden hat ist die Tatsache, dass mittelständische Unternehmen häufig kleine Finanzierungsvolumina nachfragen. Für Private Equity Fonds werden kleinere Transaktionen jedoch wegen der hohen Fixkosten und den laufenden Überwachungsprozessen unrentabel. Den größten Nachteile einer Private Equity Finanzierung sehen viele Mittelständler jedoch in der Abgabe von Stimmrechten und Gesellschaftsanteilen an die neuen Kapitalgeber.

Eine Finanzierung über Private Equity bringt neben den oben genannten Nachteilen auch viele Vorteile mit sich. Ein Vorzug dieser Finanzierungsart ist die Verbesserung der Eigenkapitalquote. Eine verbesserte Eigenkapitalausstattung ermöglich eine bessere Bonitätseinstufung bei den Kreditinstituten und verhilft so den Unternehmen zu günstigeren Zinskonditionen bei der Aufnahmen von Krediten. Des weiteren kann durch die Erfahrung der Private Equity Partner und deren Hilfestellung bezüglich dem Aufbau einer starken Organisation und einem effektiven Controlling, ein effektiveres wirtschaften im Unternehmen ermöglicht werden. Dies und eine Optimierung der Finanzierungsstruktur können zu einer erheblichen Verbesserung der Umsatzrenditen führen. Darüber hinaus ermöglicht die Private Equity Finanzierung ein beschleunigtes Unternehmenswachstum. Durch das investierte Kapital können Projekte und expansive Strategien schneller umgesetzt werden. Somit kann sich ein Unternehmen Wettbewerbsvorteile gegenüber seinen Konkurrenten verschaffen.[19]

Grundsätzlich ist Private Equity besonders bei Sonderanlässen der Finanzierung sinnvoll. Sonderanlässe sind durch einen hohen Kapitalbedarf bei fehlenden Sicherheiten gekennzeichnet. Dies ist immer dann der Fall, wenn im Unternehmen Veränderungen anstehen. Dies ist zum Beispiel bei einer Restrukturierung, aber auch insbesondere bei Buy-Out Transaktionen, der Fall.[20] Wie im dritten Teil der Arbeit noch gezeigt wird, kann Private Equity aber auch im Rahmen der Nachfolgelösung eingesetzt werden.

2.2.3 Mezzanine Finanzierungsinstrumente

Der Begriff Mezzanine Kapital steht für Finanzierungsformen, die bilanziell eine Stellung zwischen Eigen- und Fremdkapital einnehmen. Es handelt sich hierbei um ein flexibles Finanzierungsinstrument, dass in unterschiedlichen Gestaltungsformen zur Verfügung steht und so an die unterschiedlichen Bedürfnisse mittelständischer Unternehmen angepasst werden kann. Charakteristisch für Mezzanine Kapital ist im Insolvenzfall die Nachrangigkeit gegenüber anderen Gläubigern und die Vorrangigkeit gegenüber reinem Eigenkapital.

Mezzanine Finanzierung umfasst verschiedene Finanzierungsinstrumente, die teilweise stärker an Fremdkapital oder Eigenkapital orientiert sind.

Eigenkapitalähnliche Mezzanine Instrumente werden als Equity Mezzanine bezeichnet. Hierunter fallen diejenigen mezzaninen Beteiligungsformen, die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch bilanziell als Eigenkapital gelten. Sie sehen also genau wie beim Eigenkapital von Anteilseignern, eine erfolgsabhängige Vergütung, einschließlich einer Verlustteilnahme vor, werden nachrangig bedient und langfristig gewährt. Ein Vorteil dieses sogenannten Equity Mezzanine besteht darin, dass es trotz des Eigenkapitalcharakters des zur Verfügung gestellten Kapitals, nicht zu einer Verwässerung der Stimmrechtsverhältnisse kommt.

Fremdkapitalähnliche Mezzanine Instrumente, die auch als Debt Mezzanine bezeichnet werden, sind als Fremdkapital zu bilanzieren und führen somit aus rein bilanzieller Sicht zu keiner Verbesserung der Eigenkapitalquote eines Unternehmens. Weil diese

Finanzierungsinstrumente jedoch wegen ihrer Nachrangigkeit als Fremdkapital mit Eigenkapitalcharakter gelten, werden sie in ihrer Funktion zum wirtschaftlichen Eigenkapital gezählt. Auch im Rahmen bankinterner Ratings wird das Debt Mezzanine mindestens zu 50 % zum Eigenkapital gezählt und wirkt sich somit positiv auf das Rating und die Bonität eines Unternehmens aus.[21]

In steuerlicher Hinsicht werden mezzanine Finanzierungen in der Regel dahingehend strukturiert, dass sie hinsichtlich Bonität und Rating Eigenkapitalcharakter besitzen, gleichzeitig aber steuerlich der Abzug von Fremdkapitalzinsen möglich bleibt.

Im Folgenden werden die gebräuchlichsten mezzaninen Finanzierungsinstrumente vorgestellt.

2.2.3.1 Stille Beteiligung

Die Stille Beteiligung oder auch stille Gesellschaft wird sehr häufig als mezzanines Finanzierungsinstrument gewählt, was vor allem an der Flexibilität der Ausgestaltung liegt. Charakteristisch an dieser Finanzierungsform ist die Tatsache, dass die Person, die die stille Beteiligung eingegangen ist, nach außen nicht als Gesellschafter in Erscheinung tritt. Es entsteht eine sogenannte Innengesellschaft zwischen Investor und Gesellschaft, die einen gemeinsamen Zweck verfolgen.

Bei stillen Gesellschaften wird grundsätzlich zwischen typischer und atypischer Beteiligung unterschieden. Die typisch stille Beteiligung stellt eine Beteiligung eines Investors an einem Unternehmen durch Einbringung einer Vermögenseinlage dar. Durch seine Einlage ist der Investor an den Gewinnen oder auch Verlusten des finanzierten Unternehmens beteiligt. Mit seienr Beteiligung erhält der stille Gesellschafter jedoch in der Regel keinen Einfluss auf die Unternehmensführung und auch keine Beteiligung am Vermögen der Gesellschaft. Er wird demnach kein rechtlicher Miteigentümer. Ihm stehen vielmehr nur rein schuldrechtliche Ansprüche zu. Die Einlage des stillen Gesellschafters stellt somit grundsätzlich kein Haftkapital dar und kann im Fall einer Insolvenz des Handelsunternehmens, wie ein Darlehen, als Insolvenzforderung geltend gemacht werden. Auch wenn es sich tatsächlich um eine Beteiligung und kein Darlehen handelt.[22]

[...]


[1] Vgl. Deutscher Sparkassen und Giroverband (2005) S.7-8

[2] Vgl. Institut für Mittelstandsforschung Bonn

[3] Vgl. Kolbeck, C. (Hrsg.) (2002) S. 11-13

[4] Vgl. WestLB AG (2005) S.3

[5] Vgl. Schneck, O. (2006) S. 99

[6] Vgl. Perridon, L. / Steiner, M. (2007) S. 464-469

[7] Vgl. Perridon, L. / Steiner, M. (2007) S. 476-478

[8] Vgl. Kobabe, R./ Werner, H.S. (2005) S.29-30

[9] Vgl. Kobabe, R./ Werner, H.S. (2005) S. 85-86

[10] Vgl. Kobabe, R./ Werner, H.S. (2005) S. 87-95

[11] Vgl. Müller, S. (2006)S.200

[12] Vgl. Figgener, S. / Grunow, H.-W. (2006) S. 188-190

[13] Vgl. Müller, S. (2006) S. 180-187

[14] Vgl. Müller, S. (2006) S. 204-207

[15] Vgl. Müller, S. (2006) S.207-210

[16] Vgl. Müller, S. (2006) S.211-212

[17] Vgl. Fel 2001

[18] Vgl. Avida Advisers

[19] Vgl. Modern Products M&A

[20] Vgl. Müller, S. (2006) S. 226

[21] Vgl. Brezski, E. (2006) S. 47-52

[22] Vgl. Figgener, S. / Grunow, H.-W. (2006) S. 204-211

Details

Seiten
50
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638876261
ISBN (Buch)
9783638876391
Dateigröße
647 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v80554
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,7
Schlagworte
Finanzierungsmöglichkeiten Unternehmen

Autor

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Titel: Finanzierungsmöglichkeiten für nicht börsennotierte Unternehmen