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Konzept für eine Unterrichtseinheit in Deutsch zum Thema Metaphernanalyse

Unterrichtsentwurf 2007 25 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

0. Einleitung

1. Rahmen und Kontext der Unterrichtseinheit
1.1 Die Schule
1.2 Die Klasse
1.3 Der Deutschunterricht
1.4 Die Projektphase

2. Metaphernanalyse in der didaktischen Umsetzung
2.1 Vorkenntnisse und Wiederholung
2.2 Textbeispiele als Motivation
2.3 Lernziele
2.4 Mögliche Erweiterungen
2.5 Reflexion zu Methoden und Medien

3. Analyse der Fachliteratur

4. Resümée

5.Literaturangaben
5.1 Pädagogische und didaktische Fachliteratur
5.2 Metapherntheorie
5.3 Sonstige Unterrichtsmaterialien

0. Einleitung

In dieser Proseminararbeit wird eine UE (Unterrichtseinheit) im Rahmen einer dreiwöchigen Projektphase im Wahlpflichtfach Deutsch zum Thema Metaphernanalyse vorgestellt. Zunächst kommt der Kontext der UE (die Schule, die Klasse, der Deutschunterricht und das geplante Gesamtprojekt) in den Blick, um dann die in dieser Projektphase eingebettete dritte UE ausführlich didaktisieren und dabei auf notwendige Vorkenntnisse, Lernziele, Motivations- und Erweiterungsmöglichkeiten, Methoden- und Medienfragen eingehen zu können. Nach der Analyse der Fachliteratur folgen ein kurzes Resumee, die Literaturangaben und der Anhang bestehend aus Arbeitsblättern und meiner Power Point Präsentation.

1. Rahmen und Kontext der Unterrichtseinheit

1.1 Die Schule

Bei meiner Planung der UE habe ich an ein O.R.G. mit drei Zweigen gedacht (Sport, Musik und Naturwissenschaft), in dem SchülerInnen ihren Schwerpunkt nicht im Fremdsprachenunterricht haben, im Wahlpflichtfach Deutsch aber herausgefordert werden wollen. Das heißt nicht, dass SchülerInnen nicht trotzdem motiviert werden müssen, um aktiv am Unterricht teilzunehmen, aber es darf ein höheres Niveau (als im Regelunterricht) vorausgesetzt werden.

1.2 Die Klasse

Im O.R.G haben die SchülerInnen drei Wochenstunden Deutsch, aber nur zwei Stunden als Wahlpflichtfach, weshalb das Projekt für drei Wochen konzipiert ist. Das Metaphernprojekt habe ich für eine siebente Klasse erstellt, bei der ich davon ausgehe, dass die SchülerInnen zwar Interesse für das Fach Deutsch mitbringen, für Lernstoff und Unterrichtsthemen aber dennoch schwer zu begeistern sind, da sie sich lieber mit Themen und Problemen aus ihrem Alltag beschäftigen, z.B. auch außerhalb des Deutschunterrichts die eigene mitgebrachte Lektüre lesen oder Briefe schreiben. Es geht daher vor allem darum, den Lernstoff mit der Lebenswelt der SchülerInnen in Verbindung zu setzen und sie für das Thema Metaphern über Textbeispiele zu gewinnen, die für sie im Alltag nicht nur relevant sein könnten, sondern es tatsächlich sind. Es ist daher sinnvoll, vor der Textauswahl abzuklären, ob die Klasse die Liedtexte bereits kennt, und wenn ja, ob sie diese mag oder nicht. Wenn die Klasse mit den Inhalten der Liedtexte nichts anfangen kann und die Musik ablehnt, werden die Textbeispiele wenig zur Motivation der Klasse beitragen. Daher gehe ich in meiner Unterrichtsanalyse von der Idealsituation aus, dass die SchülerInnen Grönemeyer kennen und seine Texte mögen. Insofern es sich bei den Metaphern Grönemeyers meist um Bilder subjektiver Gefühle handelt, gilt es in der Metaphernanalyse diese in abstrakter Sprache versteckte Subjektivität nicht objektiv zu entschlüsseln, sondern den SchülerInnen Werkzeug zur Metaphernanalyse zu vermitteln, das es ihnen erlaubt subjektiv ansprechende und individuelle entsprechend Interpretationen für sich selber herauszufinden.

Der Schwierigkeitsgrad des Stoffes ist als hoch einzustufen. Vor allem bei der Anwendung der zu lernenden Metapherntheorie werden sich schwächere SchülerInnen vielleicht ein wenig überfordert fühlen. Daher ist es umso wichtiger, Beispieltexte zu wählen, welche die SchülerInnen nicht abschrecken, sondern motivieren.

In einer siebenten Klasse, in der sich einige SchülerInnen aber vielleicht schon auf Maturaniveau bewegen und alle sprachlichen Voraussetzungen (kreativer, spielerischer Umgang mit Sprache möglich, größer Fremdwörterschatz) erfüllen, scheint mir das folgende Projekt nicht zu ehrgeizig. Für den Regeldeutschunterricht wäre es in der Form zu umfangreich.

1.3 Der Deutschunterricht

Die Lernziele, welche in Punkt 2.3 ausführlicher diskutiert werden, seien hier kurz zusammengefasst vorausgeschickt: Die SchülerInnen sollen in lyrischen Texten mit Metaphern umgehen können und bei der Interpretation abstrakter Inhalte, unbekannter Sprachbilder und schwieriger Gedichte auf erlernte Methoden zurückgreifen können. Das Projekt Metaphernanalyse ist daher im Kontext Gedichtinterpretation oder (allgemeiner formuliert) im Kontext Arbeiten mit lyrischen Texten zu sehen.

1.4 Die Projektphase

Um den Rahmen der in dieser PS-Arbeit ausführlich behandelte Unterrichtseinheit (UE), die als dritte UE im Zentrum einer sechsstündigen Projektphase steht, noch enger und konkreter abzustecken, möchte ich in diesem Abschnitt die Projektphase als solche thematisieren. Nicht ausführlich didaktisiert, aber wenigstens als Kontext der dritten UE sollen die fünf anderen UE des Projekts Metaphernanalyse vorgestellt werden.

In der ersten UE zu diesem Projekt wird der Begriff Metapher eingeführt und an Textbeispielen erklärt werden. Zunächst soll mit den SchülerInnen einen Impulstext (1) gelesen, die darin enthaltenen Informationen dann in einem Arbeitsblatt (2) vertieft und abschließend nach einer kurzen Partnerphase zur Fragestellung, was ist eine Metapher, an der Tafel (3) die Ergebnisse gesammelt werden. Ein Gespräch über Metaphern[1] (das im Anhang dieser PS Arbeit zu finden ist) könnte als erster Impuls dienen, sich über die metaphorische Struktur der Sprache und das Phänomen der Mehrdeutigkeit bewusst zu werden. In dieser hier nicht im Detail vorbereiteten und strukturierten UE ginge es vor allem darum, bei den SchülerInnen Fragen und Problembewusstsein für diese Thematik zu wecken. Ein mögliches Arbeitsblatt, das auch im Anhang beigelegt ist (zu Metaphern in der Jugendsprache und dem Herleiten von Redewendungen durch ihren Kontext) könnten bei den SchülerInnen die Grundlagen dafür schaffen, was in der zweiten und dritten Einheit vertieft werden soll: (1.) Dass es verschiedene Definitionsversuche und Metapherntheorien gibt (Metapher als Vergleich, als Ersetzen, als Interaktion); (2.) dass Metaphern aus bestimmten Bildfeldern stammen oder von unterschiedlichen Strukturmetaphern herzuleiten sind.

In der zweiten Stunde werden die SchülerInnen mit drei unterschiedlichen Metapherntheorien konfrontiert und sollen selbständig Metapher mit Blick auf Vergleichs- Substitutions- und Interaktionstheorie analysieren. Es wäre denkbar, (1.) am Beginn der UE viele Metaphernbeispiele aus der Sprache der SchülerInnen an der Tafel zu sammeln, (2.) diese anschließend in Partnerarbeit den drei metapherntheoretischen Konzepten zuordnen zu lassen und (3) im letzten Drittel der UE die Vorschläge der SchülerInnen als vorläufige Ergebnisse gemeinsam zu vergleichen und zu diskutieren.

In der dritten Stunde, die in dieser Arbeit didaktisch aufbereitet wird, werden die ersten beiden Stunden mit Hilfe der Power Point Präsentation (Folie 1-4) wiederholt und die Begriffe Bildfeld und Strukturmetapher theoretisch erläutert und praktisch in einer Textanalyse angewendet (Folie 5-12). Zwei Arbeitsaufgaben (eine Metaphernanalyse und ein Bildfeldgedicht zu schreiben) sind als Hausübung vorgesehen. Diese werden in der vierten UE abgegeben, in der fünften UE in der Klasse gemeinsam verglichen und verbessert werden.

In der vierten UE werden weitere Methoden zur Metaphernanalyse, nämlich die Bestimmung von Formen und Funktionen von Metaphern besprochen. Die Wiederholung des 1. Teils der PPP (der Folie 1 bis 12) scheint vor der Erarbeitung des 2. Teils (der Folien 13 bis 18) sinnvoll.

In der fünften UE wären weitere Arbeitsblätter vorgesehen, die neue Begriffe für bereits bekannte Themen einführen (z.B. Analogiewurzel für Bildfeld und Herkunfsbereich, oder das Konzept von Lakoff und Johnson für die Form orientierender Metaphern) und Gelerntes durch neue Beispiele wiederholen.

Am Ende des Projekts in der sechsten und letzten UE hätten die SchülerInnen mit ihrer Folien- und Handoutssammlung einen Einblick in die Metapherntheorie gewonnen und könnten mit Hilfe ihrer Analysewerkzeuge und Beispieltexte auch an andere Texte herangehen. Die letzen beiden Unterrichtseinheiten wären im hier konstruierten Projekt zur Metaphernanalyse für die Anwendungs- und Übungsphase vorgesehen und sollten der Ergebnissicherung und Wiederholung dienen. Die SchülerInnen kennen nach den sechs UE die Begriffe Bildfeld und Strukturmetapher und die Einteilung in konzeptionelle, orientierende und ontologisierende Metaphern und können den Metaphern unterschiedliche Funktionen zuordnen.

Bei meinem ersten Modellentwurf hatte ich vorgesehen, schon in der ersten Stunde die gesamte Präsentation durchzunehmen, was die meisten SchülerInnen aber überfordern würde. Möglich wäre auch, für jede Powerpoint-Folie eine eigene Unterrichtseinheit zu planen und diese mit Texten unterstützen. In schwächeren oder langsameren Klassen wäre diese Vorgehensweise empfehlenswert. In einem Wahlpflichtfach Deutsch für interessierte SchülerInnen scheint mir aber das hier vorgestellt Modell (mehrere Folien in einer UE zu zeigen, die Präsentation aber in zwei Teile gegliedert und zwei oder drei Mal in zwei oder drei UE zu wiederholen) interessanter und für die SchülerInnen herausfordernder. Um die geplante Stoffmenge auch anwenden zu lernen, scheinen zwei (5. und 6.) UE sinnvoll. Weitere Adaptionen wären natürlich möglich.

2. Metaphernanalyse in der didaktischen Umsetzung

In diesem Abschnitt meiner Arbeit steht die Frage im Zentrum: Warum sollen die SchülerInnen der 7. Klasse mit ihrem (angenommenen) Interesse für Herbert Grönemeyer und ihren Erfahrungen als 16-, 17-, oder 18-Jährige ausgerechnet mit diesem Unterrichtsinhalt und diesen Methoden zu den angestrebten Lernergebnissen kommen?[2]

Um diese Frage zu beantworten, ist es hilfreich, (1.) auf vorausgesetzte Lerninhalte einzugehen (2.) Textbeispiele als Motivation und (3.) Lernziele zu bestimmen, (4.) mögliche Erweiterungen zu nennen und (5.) auf Methoden und Medien der UE zu erläutern.

2.1 Vorkenntnisse und Wiederholung

Wenn ich in der dritten UE mit den SchülerInnen die Begriffe Bildfeld und Strukturmetapher erarbeiten und in Textbeispielen entdecken möchte, setzte ich voraus, dass die SchülerInnen in den beiden vorhergehenden UE für den Begriff der Metapher und für Metapherntheorien sensibilisiert worden sind. Mit Hilfe der PPP sollen die Lerninhalte der ersten beiden UE wiederholt werden. Es geht zunächst darum, an die ersten beiden Stunden anzuknüpfen. Die ersten drei Power Point Folien sind daher der Wiederholung gewidmet und den Fragen: Was bedeutet der Begriff Metapher und welche Metapherntheorien kennt ihr? Die PPP (Power Point Präsentation) ist erst in der dritten Einheit gedacht, weil sich die Vorbereitung der Präsentation (Aufbau des Notebooks, etc.) für nur eine Folie nicht lohnt. In den ersten UE haben sich die SchülerInnen die Fragen gestellt: Was ist eine Metapher? Wie gehe ich damit um? Ist es bloß eine rhetorische Figur? Wird etwas verglichen oder ersetzt? Wird ein Bild erzeugt? Was heißt, etwas ist wörtlich zu verstehen? Was heißt metaphorisch? Die beiden ersten UE helfen mir, mich zu vergewissern, dass die SchülerInnen die Fragestellung nachvollziehen können, bevor ich als Lehrerin versuche, Antworten zu geben. Außerdem ist die Frage, wie analysiere ich Metaphern, aufbauend auf den Fragen der ersten beiden UE und auf den Folien 2 und 3. Das Handout zu den drei Metaphertheorien (Folie 4) soll als Arbeitsblatt in der UE zuerst in Einzelarbeit ausgefüllt werden, um die SchülerInnen aufzufordern, selber aktiv zu werden und neue Beispiele zu finden. Bevor die Präsentation mit den Fragen zur Metaphernanalyse (Folie 5) fortgesetzt wird, muss noch Zeit eingeplant werden, für das gemeinsame Vergleichen der Ergebnisse auf den Handouts, damit sich die SchülerInnen in den Unterricht einbringen können.

2.2 Textbeispiele als Motivation

Eine PPP soll nicht als Hang oder Zwang zum Frontalunterricht missverstanden werden und es ist darauf zu achten, dass die Klasse nicht in eine passive Zuhörerrolle gedrängt wird. Die vorgetragenen Folien sollen (anders als bei einem Vortrag) gemeinsam erarbeitet werden. Das ist bei den ausgedruckten Folien nicht erkennbar, wird aber bei der auf CD gespeicherten Präsentation deutlich, da hier die Begriff einzeln per Mausklick ins Bild kommen und nicht sofort auf der Folie sichtbar sind.

Das eigentliche Thema dieser UE, die Funktion von Bildfeldern und Strukturmetaphern soll auch nicht zuerst durch die Folien 10 und 11 erläutert, sondern anhand von Textbeispielen (z.B. Folie 6-9) erarbeitet werden. Die Motivation der SchlülerInnen für eine dritte Metaphernstunde möchte ich durch die ausgewählten Textbeispiele aus Grönemeyers Liedtexten steigern. Folie 6 ist voll von Metaphern, die Bewegungen ausdrücken (z.B. auf den letzten Zug aufspringen, den jüngsten Tag überholen, durch Träume rasen). Die Frage nach Ähnlichkeiten zwischen den Metaphern soll die SchülerInnen darauf hinweisen, dass es verschiedene Bildfelder[3] gibt, die es uns erlauben, eine einzelne Metapher nicht einzeln interpretieren zu müssen, sondern innerhalb eines Bildfeldes analysieren zu lernen und zu erkennen, dass sich Metaphern, die bestimmten Bildfeldern angehören, auch gegenseitig stützen. Wenn sich Metaphern einem Bildfeld zuordnen lassen, können wir versuchen, die Metaphern in deren Rahmen zu interpretieren und dabei auf die unterschiedlichen Zielbereiche eingehen. Das heißt, dass bei den Textbeispielen nicht zuerst die Frage kommt, um welches Thema es sich handelt und was dieser Text bedeuten könnte, sondern zunächst die Sprache als solche wahrgenommen und beschrieben werden muss – ohne Deutung, ohne Wertung. Wenn die SchülerInnen das erkennen, verstehen sie auch, dass das Erkennen von Bildfeldern die Interpretation der Metaphern erleichtert oder wenigstens beeinflusst und sie lernen, dass Bildfelder als Rahmen funktionieren, der es erlaubt, Neuschöpfungen zu basteln. Mögliche erkannte Bildfelder, welche die Herkunft der Metaphern erhellen sollen, wären zum Beispiel Bewegung (Folie 6), Sprache (Folie 7) oder Geld (Folie 8).

[...]


[1] Vgl. Pablo Neruda und der Briefträger. Ein Gespräch über Metaphern. In: Deutschunterricht 1, 2004, S. 4-5.

[2] Vgl. Meyer 1980, auf http://www.ruediger-weingarten.de/PLANUNG.html

[3] Vgl. Harald Weinrich: Semantik der kühnen Metapher. In: Anselm Haverkamp [Hg]: Theorie der Metapher. Darmstadt 1983, S. 284.

Details

Seiten
25
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638874441
ISBN (Buch)
9783638878821
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v80929
Institution / Hochschule
Universität Wien – Germanistik
Note
1,00
Schlagworte
Konzept Unterrichtseinheit Deutsch Thema Metaphernanalyse Didaktik Methodik

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