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Vergleich der Vorgeschichten des Films - „Sinn und Industrie“ von Lorenz Engell und „Der Weg des Films“ von Friedrich v. Zglinicki

Seminararbeit 2005 14 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Vergleich der Kapitel zur Vorgeschichte des Films:
Lorenz Engel: „Die Fortsetzung des 19. Jahrhunderts mit anderen Mitteln“
Friedrich v. Zglinicki: „Alles Urdenken geschieht in Bildern“
1. struktureller Aufbau
2. Ansatz und Bearbeitung des Themas
3. zentrale Begriffe
4. Quellen und Argumentationsweise

III. Resümee

Bibliographie

I. Einleitung

Die folgende Hausarbeit befasst sich mit dem Vergleich zweier Vorgeschichten des Films. Hierbei werden die Kapitel „Die Fortsetzung des 19. Jahrhunderts mit anderen Mitteln“ aus „Sinn und Industrie- Einführung in die Filmgeschichte“ von Lorenz Engell und „Alles Urdenken geschieht in Bildern“ aus „Der Weg des Films“ von Friedrich v. Zglinicki als Analyseobjekte herangezogen, welche hinsichtlich verschiedener Aspekte untersucht werden.

Da es verschiedene Möglichkeiten gibt, Vorgeschichte zu schreiben, wird es Aufgabe dieser Arbeit sein, zu untersuchen, in wie weit genannte Texte auf wissenschaftlicher Basis beruhen, bzw. die Durchführung ihres Vorhabens zu beurteilen.

Den Ursprung einer jeden Geschichtsschreibung bildet eine Annahme oder Theorie über das, was der Historiker als Grundstein für eine bestimmte Entwicklung oder ein Ereignis betrachtet. Auf dieser Annahme oder Theorie wird folglich die gesamte Geschichte aufgebaut, so dass Sprünge zwischen verschiedenen Möglichkeiten, Vorgeschichte zu beschreiben, vermieden werden. Je nach Geschichtsschreibung werden folglich Ereignisse in der Entstehung des Films auf unterschiedlichste Art und Weise und aus differentem Blickwinkel betrachtet.

Dies ist ebenfalls in beiden zu analysierenden Texten der Fall, woraus sich unterschiedliche Analyseaspekte, wie struktureller Aufbau, zentrale Begriffe, Ansatz und Bearbeitung des Themas und Quellen und Argumentationsweisen, ergeben.

II. Vergleich der Kapitel zur Vorgeschichte des Films:
Lorenz Engel: „Die Fortsetzung des 19. Jahrhunderts
mit anderen Mitteln“
Friedrich v. Zglinicki: „Alles Urdenken geschieht in Bildern“

1. struktureller Aufbau

An Hand des Inhaltsverzeichnisses beider Werke lässt sich auf die grobe Struktur der einzelnen Kapitel schließen. Engells „Sinn und Industrie“ ist durch eine chronologische Periodisierung in vier Hauptkapitel eingeteilt, die wiederum in mehrere Kapitel untergliedert sind. Das Kapitel „Die Fortsetzung des 19. Jahrhunderts mit anderen Mitteln“, dessen genauerer Inhalt mit „Vorgeschichte und Entstehung der Kinematographie. Vorraussetzung der Filmgeschichte“ angekündigt wird, belegt somit den ersten Gliederungspunkt des Hauptkapitels „Sinnverlust und Sinnproduktion (1895- 1915)“. Zglinickis „Der Weg des Films“ weist ebenfalls eine zeitlich chronologische Gliederung in 36 Kapiteln auf, allerdings ohne genaue Zeit- bzw. Jahresangaben. „Alles Urdenken geschieht in Bildern“ bildet hier ebenso das erste Kapitel mit dem Untertitel „Zeitgeschichtliche Vorraussetzungen für die Entstehung des Films/ Sieg des Bildes über das Wort/ Bewegung im Bild/ Bewegungsphasen vor Jahrtausenden/ Schattentheater“. Auffallend bei beiden Werken ist die Betitelung der einzelnen Kapitel mit ausschmückenden Überschriften, welche dem Leser erst im Zusammenhang mit den Untertiteln Klarheit über den Inhalt verschaffen.

Bei genauerer Betrachtung des Kapitels von Zglinicki wird die im Inhaltsverzeichnis angekündigte Struktur eingehalten, indem die Untertitel nacheinander und aneinander anschließend erörtert werden. Engells Kapitel dagegen liefert mit seiner Betitelung ausschließlich einen Grobüberblick über den Inhalt, jedoch keine genaue Struktur, wodurch dem Leser erschwert wird, dem Inhalt sinngemäß problemlos zu folgen.

2. Ansatz und Bearbeitung des Themas

Bereits in der Einführung erwähnt Zglinicki, dass sich die Argumentationsweise des Werkes ausschließlich auf historische Quellen beschränkt, um romanhafte Erzählkunst zu vermeiden und um somit auf Fakten fundiertes Wissen zu vermitteln. Des Weiteren übt er Kritik an der Wissenschaftlichkeit anderer Werke über die Entstehung des Films und grenzt sein Werk folglich von allen anderen ab.

„Diverse Schriften über den Film lassen eine wissenschaftliche Systematik und Gründlichkeit vermissen, enthalten keinerlei Literaturangaben und schwimmen mit novellistischer Sorglosigkeit an der Oberfläche oder servieren uns eine Sammlung von Anekdoten und Stories als kuriosen Cocktail aus Dichtung und Wahrheit.“

(Zglinicki 1956: 6)

Diese Behauptung der fehlenden Wissenschaftlichkeit und Vernachlässigung wichtiger Aspekte in den meisten Filmgeschichten äußert Engell ebenfalls bereits zu Anfangs seiner Erörterung des Themas. Im Gegensatz zu Zglinicki, welcher zugibt, ebenso wenig eine lückenlose Abhandlung des Themas bereitstellen zu können, stellt Engell sein Werk als Behandlung des Themas ohne Lücken und Fehler vor.

Ausgangspunkt für die Erörterung der Entstehung des Films ist für Engell die Definition des Begriffes „Filmgeschichte“. Da für ihn nicht die chronologische Auflistung einzelner Filme als Filmgeschichte betrachtet werden kann, da einzelne Filme als Ausgangs- und Quellenmaterial nur Vorraussetzung für Filmgeschichte sind, ergibt sich nach Engell folgende Definition für den Begriff „Filmgeschichte“:

„Der eigentliche Ort der Filmgeschichte ist nämlich nicht in den einzelnen Filmen anzutreffen, sondern genau zwischen ihnen. Filmgeschichte ist stets ein Phänomen des Zwischenraums, der Beziehung, des Zusammenhangs.“ (Engell 1994: 10)

Allerdings ergibt sich hierbei das Problem der Darstellung. Da Filme in die Geschichte eingegliedert sind und diese wiederum dynamisch und unmittelbar nicht fassbar ist, ergibt sich das Problem, dass Geschichte mit fortlaufender Zeit ständig neu geschrieben wird und somit auch Filmgeschichte ständig im Wandel ist. „Aus dem grundsätzlich beweglichen Zustand der Historie folgt, dass ich in der Filmgeschichte nicht zurückgehen kann, ohne sie zu verändern.“ (Engell 1994: 11)

Daraus resultiert, dass die Geschichte durch jeden Zugriff auf die Vergangenheit, d.h. durch jede Geschichtsschreibung, beeinflusst und geändert wird. „Es ist Rekonstruktion, Projektion vom Jetzt- Zeitpunkt aus zurück in die Vergangenheit. Die filmhistorische Vergangenheit wird ständig neu geschrieben.“ (Engell 1994: 12)

Des Weiteren beschreibt Engell die Geschichtsschreibung als makroskopisch, als Beschreibung der Bewegung auf allgemeiner Ebene, die Kinematographie als mikroskopisch, die sich den kleinen Bewegungen widmet. Ziel der Filmgeschichtsschreibung laut Engell ist nun, mikroskopische und makroskopische Bewegungselemente zu einer Einheit zusammenzufügen, um den Begriffen „Film“ und „Geschichtsschreibung“ gerecht zu werden.

Folglich definiert Engell zunächst den Grundbegriff „Filmgeschichte“, um sich damit bei der Ausarbeitung dieses Themas der Gefahr von Unklarheiten bezüglich des Begriffes zu entziehen. Zudem bestätigt er in diesem Aspekt die Behauptung, eine lückenlose Abhandlung des Gegenstandes zu liefern.

Zglinicki dagegen verzichtet auf die Definition einzelner Begriffe und wählt als Ausgangspunkt für seine Erörterung zeitgeschichtliche Vorraussetzungen für die Entstehung des Films, wie dies im Inhaltsverzeichnis angekündigt ist. Ausgehend von den kulturhistorischen Wurzeln des Films, macht er zahlreiche weitere Veränderungen in den Jahrhunderten für den Einfluss auf die Entstehung des Films verantwortlich. Hierzu werden konkrete Beispiele, wie die räumliche Ausweitung durch die modernen Verkehrsmittel, die Horizonterweiterung durch das Post- und Nachrichtenwesen und technische Erfindungen, angeführt. (vgl. Zglinicki 1956: 10) Unter all diesen Einflüssen war auch das Sensationsbedürfnis und der Bildungshunger der Menschen eine treibende Kraft in der Entstehung des Films. „[Der Film] entspricht dem uralten Wunsch der Menschen nach Fortbildung und er befriedigt die erregende Neugier.“ (Zglinicki 1956: 10)

Bevor Zglinicki zum eigentlichen Thema des Bildes übergeht, diskutiert er kurz den Untertitel „Sieg des Bildes über das Wort“. Die These des französischen Psychologen Gustave Le Bon „Die Massen können nur in Bildern denken und lassen sich nur durch Bilder beeinflussen“ erfährt Bestätigung in der Tatsache, dass sich Menschen Bilder stärker einprägen können als Worte, da keine zusätzliche Assoziation erforderlich ist. Den Beweis hierzu liefert Zglinicki in der Beschreibung der Höhlenmalerei zahlreicher Naturvölker. Anstatt schriftliche Zeichen an Wänden oder auf Gegenständen zu hinterlassen, hinterließen die Völker Zeichnungen und Malereien und konservierten somit Nachrichten an die Nachwelt. Um die Behauptung des Dranges des Menschen zur bildhaften Fixierung von Informationen zu belegen, folgt ein historischer Exkurs in die Religion, in welcher Bilder gleichermaßen zur Darstellung von Geschichten und Nachrichten genutzt wurden und werden. Einen weiteren Beleg für die enorme Bedeutung des Bildes liefert der Autor durch zeitliche Sprünge bis in die Gegenwart, in der der Aufschwung der Photoindustrie, Bebilderung normaler Tageszeitungen und weitere Faktoren dem Bild zur Herrschaft über das Wort verholfen haben. (vgl. Zglinicki 1956: 12)

Jene These begründet er mit der unumstrittenen Tatsache, dass ganze Texte oder Textabschnitte durch Bilder ersetzt werden, da diese dem Leser im Gegensatz zu Worten den Sachverhalt visuell illustrieren und Emotionen vermitteln können, wodurch Bildern eine narrative Funktion zugeschrieben wird.

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Details

Seiten
14
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638883917
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v80935
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Theater- und Medienwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Vergleich Vorgeschichten Films Industrie“ Lorenz Engell Films“ Friedrich Zglinicki Basiskurs Theater- Medienhistoriografie

Autor

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Titel: Vergleich der Vorgeschichten des Films  - „Sinn und Industrie“ von Lorenz Engell und „Der Weg des Films“ von Friedrich v. Zglinicki