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Interkulturelle Erziehung - Fremde in Deutschland

Über die geschichtliche Entwicklung der Arbeitsmigration, ihre Gründe, Konsequenzen und Probleme

Hausarbeit 2002 22 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fremd ist der der heute kommt und morgen bleibt
2.1 Geschichtliche Entwicklungen der Arbeitsmigranten
2.2 Fremde Welten
2.2.1 Integrationsprobleme
2.2.1.1 Integrationsbegriff
2.2.1.2 Generationsunterschiede
2.2.2 Kommunikations- und Verhaltensprobleme
2.2.2.1 Sprachschwierigkeiten
2.2.2.2 Symbolisieren durch die Sprache
2.2.2.3 Berücksichtigung des Kontext
2.2.2.5 Handlungsschemata

3. Interkulturelle Erziehung
3.1 Der Beginn- Ausländerpädagogik
3.2 Was ist interkulturelle Erziehung?
3.3 Merkmale der interkulturellen Erziehung
3.4 Ziele der interkulturellen Erziehung

4. Ich spreche deutsch und fluche italienisch- zwischen den Kulturen

II. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema „interkulturelle Erziehung“ hat mich bereits in den Seminarstunden fasziniert, da ich ein Kind der dritten Generation von Arbeitsmigranten, die um 1955 durch die „Deutsche Bundesbahn“ angeworben worden sind, bin. Und obwohl ich, wie gesagt, bereits die „dritte Generation“ darstelle, habe ich die Konflikte und Problematiken des „zwischen den Kulturen Lebens“ zu spüren bekommen und besonders bei meinen Eltern und Großeltern beobachten können. In meiner Hausarbeit beziehe ich mich daher insbesondere auf Arbeitsmigranten, ihre Konflikte, Integrationsprobleme usw.

Der Ablauf meiner Hausarbeit kennzeichnet sich wie folgt:

Zunächst gehe ich auf die geschichtliche Entwicklung der Arbeitsmigranten ein, d.h. warum sie wann nach Deutschland gekommen sind, und welche Konsequenzen und Probleme sich daraus ergeben haben. Insbesondere das Integrationsproblem, sowie die Kommunikations- und Verhaltensprobleme beleuchte ich genauer.

Aus diesen Zusammenhängen heraus, also ausgehend von der Situation der Zuwanderung von Arbeitsmigranten nach Deutschland aus den süd- südosteuropäischen Ländern, sowie die daraus resultierenden Konflikte, stelle ich die notwendig gewordene Entwicklung der „interkulturellen Erziehung“ dar, beginnend mit der Ausländerpädagogik.

Hierbei gilt es besonders die spezifischen Merkmale, sowie die Zielsetzung der inter-kulturellen Erziehung zu betrachten.

Und „last but not least“ stelle ich im Beitrag „Ich rede deutsch und fluche italienisch- zwischen den Kulturen“ meinen persönliche Bezug und meine Erfahrungen als Ausländerin in Deutschland dar, bezugnehmend auf die inhaltlichen Aspekte der vorangegangenen Sachverhalte.

2. Fremd ist der der heute kommt und morgen bleibt

2.1 Geschichtliche Entwicklungen der Arbeitsmigranten

Die gezielte „Anwerbung“ und Zuwanderung von Arbeitsmigranten begann in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Ausgangslage war ein Arbeitskräftemangel in der Industrie und Wirtschaft, der die Politiker dazu bewog, gezielt Arbeitskräfte aus anderen Ländern, wie etwa Italien, Spanien, Griechenland und der Türkei anzuwerben. Interessanterweise gingen sowohl die Anwerbeländer, als auch die Vertreter der deutschen Wirtschaft und Politik davon aus, dass die sogenannten „Gastarbeiter“ spätestens in fünf Jahren wieder in ihre Heimatländer zurückkehren und dadurch neue Arbeitskräfte ersetzt werden würden, im Sinne eines „Rotationsprinzips“. Viele der „Gastarbeiter“ entschlossen sich allerdings, in Deutschland zu bleiben und zunehmend zogen auch ihre Familien nach oder gründeten hier eine Familie. In einer repräsentativen Studie von 1980, die im Auftrag des Bundesministers für Arbeit und Sozialordnung erstellt wurde, stellte man fest, dass über 70% der Menschen aus den Anwerbeländern inzwischen länger als 10 Jahre in der Bundesrepublik leben.

Um dem damaligen Vorgang der Arbeitsmigration und vor allem dem darauffolgende „Bleiben“ entgegenzuwirken, wurde 1973 ein Anwerbestopp ausgesprochen.

1964 wurde dann für die Kinder der ausländischen Arbeitskräfte die in Deutschland blieben, die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Die Kinder standen vor der schwierigen Situation, trotz kaum vorhandener Deutschkenntnisse in den laufenden Schulunterricht integriert zu werden. Man versuche durch Nachhilfe, Sprachunterricht in gesonderten Lerngruppen außerhalb des regulären Unterrichts und sonstigen Unterstützungen in schulischen Angelegenheiten zu helfen. Diese Art der Nothilfe war der Schwerpunkt der „Ausländerpädagogik“. (Siehe dazu „Interkulturelle Erziehung- Ausländerpädagogik“)

Doch nicht nur durch verschiedene Sprachen entstanden Probleme.

2.2 Fremde Welten

Nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Eltern standen vor großen, inneren Konflikten. Es war schwer die eigenen Norm- und Wertvorstellungen mit denen der Menschen zu verbinden, die um einen herum wohnten. Die Kinder begannen sich zu verändern, und versuchten ein Kompromiss zwischen dem „zu Hause“ und dem „Schulhof“ zu finden. Und Heimweh und Diskriminierung gehörten zum Alltag. Diese zwiespältigen Gefühle, nämlich einerseits mit der sozialen, politischen und kulturellen Situation in der Bundesrepublik nicht zufrieden zu sein und gerne in das Herkunftsland zurückzukehren zu wollen, und andererseits dieses aber nicht wirklich zu können, da die Heimat für die Rückkehrer in der Regel auch keine Perspektive bietet, da die wirtschaftliche Lage und die Arbeitsmarktsituation dort oft noch problematischer als in der Bundesrepublik sind, waren damals besonders dominant. Doch auch heute noch ist die Heimkehr nicht leicht, zum Teil durch den gerade genannten Aspekt, aber auch durch die herangewachsenen Kinder, welche in der neuen,„ fremden“ Kultur aufgewachsen sind, evtl. einen deutschen Partner gefunden und selbst mittlerweile eine eigene „bilinguale“ Familie gegründet haben. Die Kinder in weiter Ferne zurückzulassen und die Enkelkinder nicht heranwachsen sehen zu können, ist ein hoher Preis für die Rückkehr „nach Hause“.

2.2.1 Integrationsprobleme

Oh, ich flehe Sie an, ich flehe Sie an, das Thema hängt mir zum Halse heraus!

1966 habe ich meine Heimat verlassen, ich bin überall in Europa gewesen: ich habe in England gearbeitet, ich habe in Holland gearbeitet, ich habe in Österreich gearbeitet. Und seit 1972 bin ich in Deutschland. Ich kann nicht sagen, dass ich in den anderen Ländern, gerade in England oder Holland, besser behandelt worden bin. Aber man war ehrlich, ich wusste immer, woran ich bin, womit ich rechnen kann.

Aber in Deutschland ist es abscheulicher. Auf der einen Seite ergreift man ganz radikale Maßnahmen. Auf der anderen Seite behauptet man, dass man wirklich Wert darauf legt, dass die Leute integriert werden. Das ist für mich ein Widerspruch. Ich werde wahnsinnig, wenn ich daran denke, und dieses Problem kann ich auch nicht einem Außenstehenden begreiflich machen. Man muss es erleben, ja, erleben; sonst kann man sich davon kein Bild machen.“ (Türkischer Sozialberater zum Stichwort „Integration“)[1]

Der Begriff „Integrationsproblem“ entstand als politische Rechtfertigung für „Ausländerprobleme“, als man feststellte, dass die Familien der Arbeitsmigranten blieben, es aber keine vorausschauenden, einführenden Maßnahmen gab. Ganz im Gegenteil, da man glaubte die „Gastarbeiter“ würden nicht lange bleiben, wurden sie in „Gettos“ untergebracht, wodurch eine Konfrontation zwischen Deutschen und Ausländern kaum gegeben war. Zudem wurde die Anpassung der „Gäste“ vorausgesetzt, also die Aufgabe von Wert- und Normvorstellungen.

In den ersten Zeiten der „Ausländerpolitik“ bedeutete es im Wesentlichen zwischen zwei Grundstrategien zu wählen (natürlich mit einer Fülle von unterschiedlichen Varianten): einerseits existiere die integrative Variante: Ausländer, die in diesem Lande leben wollen, haben sich auf die Dauer den Wert- bzw. Kulturvorstellungen der Deutschen anzupassen. Die andere Strategie bestand darin, sie in ihre Heimat zurückzuschicken, entweder mittels administrativer Zwänge, oder mittels Rückkehrprämien und/oder Zuzugsbeschränkungen. Der letzte Satz ist natürlich unverblümt rassistisch: „Ausländer werden solange in diesem Land geduldet, wie man sie brauchen kann, und dann sollen sie sehen, wo sie bleiben.“[2]

Diese Grundstrategien führten bei den Ausländern zu ähnlichen Reaktionen, wie es im obigen Beispiel des türkischen Sozialarbeiters deutlich wird.

2.2.1.1 Integrationsbegriff

Vor etwa 20 Jahren stand Integration neben Rotation und Arbeitsplatzverlagerung als eine von mehreren Möglichkeiten emotionslos zur Diskussion. Nach Anwerbestopp (1973) und Familienzusammenführung war praktisch nur noch von Integration die Rede. Seit dieser Zeit ist der Begriff, je nach wissenschaftlicher und/oder politisch-ideologischer Zielsetzung, tausendfach definiert oder missbraucht worden. Die Politiker und Journalisten waren gezwungen, ihr Verständnis von Integration zu definieren. „Nur wurde der wissenschaftliche Markt inzwischen mit einer Vielzahl von Definitionen überschwemmt, die zwar in sich klar, aber untereinander widersprüchlich sind.“[3] Um die vorherrschende Verwirrung über den Integrationsbegriff deutlich zu machen, möchte ich drei Beispiele namhafter Autoren darstellen.

„Bingemer, Meistermann- Seeger und Neubert unterscheiden drei Integrationsformen:

1. monistische Integration- „damit ist gemeint eine Integration durch Assimilation[4], durch Unterwerfung...“[5]
2. pluralistische Integration- „die Partner behalten ihre Eigenart und leben im Sinne einer Koexistenz mit Notlösungen zusammen...“[6]
3. interaktionistische Integration- „Minderheit und Mehrheit stehen in einem Prozess ständiger und gegenseitiger Interaktionen...“[7]

[...]


[1] „Bayaz/ Damolin/ Ernst (Hrsg.);1984; S. 158.

[2] Bayaz/Damolin/Ernst,1984; S. 46.

[3] ebd.; S. 159

[4] Individuelle oder gruppenweise Übernahme kultureller Normen und Wertvorstellungen anderer Indi-viduen oder Gruppen bzw. Angleichung des Verhaltens an ein neues soziales Umfeld.

[5] Bayaz/Damolin/Ernst,1984; S. 159

[6] ebd.

[7] ebd.

Details

Seiten
22
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638885379
ISBN (Buch)
9783638890724
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v81892
Institution / Hochschule
Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven; Standort Oldenburg
Note
1,0

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Titel: Interkulturelle Erziehung - Fremde in Deutschland