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Die Integration von Migranten auf dem Arbeitsmarkt

Seminararbeit 2007 27 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die aktuelle Situation von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt

3. Wovon hängt die Integration von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt ab?
3.1 Schulbildung
3.2 Berufliche Bildung

4. Wie sieht die ökonomische Integration von Migranten im Ländervergleich aus?
4.1 Kompositionseffekte
4.2 Kontexteffekte
4.3 Hypothesen und Ergebnisse

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ Unter Integration wird – ganz allgemein – der Zusammenhalt von Teilen in einem „systemischen“ Ganzen verstanden, gleichgültig zunächst worauf dieser Zusammenhalt beruht. Die Teile müssen ein nicht wegzudenkender, ein, wie man auch sagen könnte, „integraler“ Bestandteil des Ganzen sein.“ (Esser 2001: 1). Das die Integration von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch nicht gelungen ist, zeigt das Fazit der Bundesregierung in ihrem 2. Armuts- und Reichtumsbericht: „Die Teilhabechancen der ausländischen Bevölkerung sind gegenwärtig noch nicht ausreichend. Ihre ökonomische und soziale Situation unterscheidet sich nach wie vor deutlich von der Situation der Gesamtbevölkerung.“ (Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2005: XLVI). Migranten[1] sind häufiger von Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe und niedrigeren Einkommen betroffen als die deutsche Bevölkerung. Diese Entwicklung ist der Öffentlichkeit zwar bekannt, doch worin mag die fehlende Integration der Migranten auf dem Arbeitsmarkt begründet sein, ungeachtet dessen, dass ein Großteil von ihnen in Deutschland geboren, mit der hiesigen Sprache aufgewachsen und hier zu Schule gegangen ist?

Der erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit der aktuellen Situation von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Anhand der Indikatoren Arbeitslosen- und Sozialhilfequote und ihrer spezifischen Beschäftigungssituation wird dargestellt, wie sehr sich die Teilhabechancen der ausländischen Bürger von der deutschen Bevölkerung unterscheidet. Die Frage, wovon die Integration der Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt abhängt, steht im zweiten Teil dieser Arbeit im Fokus. Hierbei spielen die Schulbildung und im Anschluss daran die betriebliche Ausbildung eine entscheidende Rolle, da Jugendliche hier Qualifikationen erwerben, die ihnen den Eintritt in den Arbeitsmarkt ermöglichen. Der Vergleich zwischen deutschen und türkischen Jugendlichen steht im Vordergrund. Türkische Migranten bilden die größte Einwanderungsgruppe in Deutschland und weisen in vielen Bereichen, wie beispielsweise der ökonomischen Situation der Familie und der Bildung, die größten Differenzen zu deutschen Jugendlichen auf. Im dritten Teil wird die Studie von van Tubergen et al. (2004) vorgestellt, die sich mit der ökonomischen Integration von Migranten aus verschiedenen Herkunftsländern in einer Reihe von Zielländern beschäftigt. Diese breit angelegte Studie ist die erste ihrer Art, die einige interessante Aspekte zu der ökonomischen Integration von Einwanderern mit Hilfe von Kompositions- und Kontexteffekten erkennen kann. Welche Faktoren fördern die Integration von Immigranten, welche Faktoren wirken eher hinderlich? Diese Frage soll im Fazit noch einmal speziell für die türkischen Immigranten in Deutschland beantwortet werden.

2. Die aktuelle Situation von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt

Brinkmann et al. (2006) verdeutlicht die aktuelle Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt für Menschen mit Migrationshintergrund und sieht hierbei eine „Annäherung von Migration und prekären Beschäftigungsverhältnissen.“ (Brinkmann et al. 2006: 42).

Die Beschäftigungsquote von Personen mit Migrationshintergrund ist durchschnittlich deutlich geringer als für die deutsche Gesamtbevölkerung. Dabei arbeiten Migranten häufiger als Deutsche in Teilzeit oder in geringfügiger Beschäftigung, was zu einem niedrigen Haushaltseinkommen dieser Familien führt. Die problematische Situation der Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird durch die aktuellen Zahlen von der Bundesanstalt für Arbeit verdeutlicht. Die Arbeitslosenquote für Migranten ist im Vergleich mit der deutschen Bevölkerung mehr als doppelt so hoch, während im Mai 2007 die Arbeitslosenquote für alle zivilen Erwerbspersonen bei 9,1% lag, waren 20,4% Migranten ohne Beschäftigung (Bundesagentur für Arbeit 2007: 28). Der Anteil der Sozialhilfeempfänger übersteigt nach dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung den der deutschen Bürger nahezu um das dreifache (Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2005: 162). Ausländische Personen leiden mit 24% unter einem deutlich höheren Armutsrisiko als die Deutschen mit 15,4% (Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2005: 166). Die geringeren Chancen der Migranten auf dem Arbeitsmarkt „basieren in erster Linie auf einem höheren Erwerbsrisiko, welches neben Sprachproblemen, geringerer Bildung und beruflicher Qualifikation auf z. T. unsichere Aufenthaltsbedingungen, gesetzlich geregelter Nachrang bei den Zugängen zum Arbeitsmarkt sowie (indirekter) Diskriminierung von Beschäftigern zurückzuführen ist.“ (Brinkmann et al. 2006: 42). Allerdings sieht die Beschäftigungssituation nicht für alle Migranten gleichermaßen schlecht aus: Während Einwanderer aus den EU-Staaten oder anderen Industriestaaten seltener von einer problematischen Beschäftigungssituation betroffen sind, werden gerade die türkischen Mitbürger häufig von dem deutschen Arbeitsmarkt ausgeschlossen.

Für die problematische Situation der Migranten auf dem Arbeitsmarkt scheinen neben individuellen Merkmalen auch politische und gesellschaftliche Bedingungen verantwortlich zu sein. Vor allem Deutsche und EU-Bürger haben einen gesetzlichen Vorrang bei dem Eintritt in den Arbeitsmarkt. In der EU gilt das Recht der Arbeitnehmerfreizügigkeit. Darin enthalten ist das Recht auf die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit in jedem anderen Mitgliedsstaat der EU. Allerdings bestehen für die neuen Mitgliedsstaaten der Osterweiterung noch Übergangsregelungen. Einwanderer aus diesen Staaten unterliegen weiterhin der Arbeitsgenehmigungspflicht. Im Gegensatz dazu erhalten Nicht-EU-Bürger nur dann eine Arbeitsgenehmigung, wenn „für die Stelle bundesweit keine deutschen oder bevorrechtigten ausländischen Arbeitnehmer zur Verfügung stehen“ (vgl. http://www.bmi.bund.de, Stand: 26.06.2007). Nicht-EU-Bürger, Flüchtlinge und Asylsuchende sind also auf dem Arbeitsmarkt deutlich im Nachteil. Ein weiteres Problem ist, dass Bildungsabschlüsse aus diesen Ländern in Deutschland häufig nicht anerkannt werden. Die Qualifikationen dieser Migranten werden entwertet, so dass die Integration auf dem Arbeitsmarkt für die Betroffenen noch schwieriger wird. Damit bleiben den ausländischen Bürgern nur wenige Möglichkeiten offen: Sie nehmen häufig Jobs an, die „für Deutsche wegen ungünstigen Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen, geringeren Verdiensten und Aufstiegschancen sowie höherem Arbeitslosigkeitsrisiko unattraktiv sind“. (Brinkmann et al. 2006: 44).

3. Wovon hängt die Integration von Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt ab?

Der Schulerfolg spielt eine erste und entscheidende Schlüsselrolle für den späteren Eintritt in den Arbeitsmarkt der Jugendlichen. Gute Schulnoten vor allem in den Hauptfächern Deutsch und Mathematik und der Abschluss der Realschule oder des Gymnasiums sind die Kriterien, nach denen Arbeitgeber ihre Auszubildenden aussuchen. In vielen Ausbildungsberufen werden die Bewerbungen von Absolventen der Hauptschule direkt abgelehnt, da die Arbeitgeber ihre Lehrstellen mit Realschülern oder Gymnasiasten besetzen möchten und können.

Die Zusage für eine Lehrstelle und der erfolgreiche Abschluss einer betrieblichen Ausbildung oder eines Studiums stellen den zweiten grundlegenden Schlüsselfaktor für die Integration in den Arbeitsmarkt dar. Nur wer hier erfolgreich ist, hat Chancen auf ein sicheres und stabiles Beschäftigungsverhältnis. Für diejenigen, die diese Qualifikationen nicht aufweisen können, bieten sich zumeist nur Tätigkeiten in ungelernten Berufen, in geringfügiger Beschäftigung und Teilzeitarbeit, im schlimmsten Fall droht die Arbeitslosigkeit. Die Qualifikation durch ein Studium erleichtert den Eintritt in das Arbeitsleben ebenfalls deutlich, sie ist jedoch in dieser Arbeit nicht von Interesse, da die Aufnahme durch eine Universität oder Fachhochschule durch objektive Gegebenheiten wie Notendurchschnitt, Wartesemester usw. geregelt ist. Darüber hinaus kommt eine akademische Laufbahn nur für die Jugendlichen in Betracht, die das Gymnasium besucht haben. Die betriebliche Ausbildung hingegen ist eine Möglichkeit für die Absolventen aller Schulformen, sich Qualifikationen für den Arbeitsmarkt anzueignen, die von individuellen und subjektiven Faktoren abhängt. Schließlich muss ein Lehrstellenbewerber den Personalchef in einem persönlichen Gespräch erst von seinen Fähigkeiten überzeugen und ist somit dessen subjektiven Einstellungen unterworfen. Daher ist die Frage, ob in der beruflichen Ausbildung Unterschiede zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen existieren, für diese Arbeit von größerem Interesse.

3.1 Schulbildung

Die Schulbildung ist ein wichtiger Schlüssel zum Eintritt in den Arbeitsmarkt. Während die Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitnehmern steigt, sinken die Chancen für Geringqualifizierte auf ein sicheres und stabiles Beschäftigungsverhältnis.

Janßen & Polat (2005) zeigen, dass türkische Migranten im Durchschnitt über einen geringeren Bildungsabschluss als Deutsche verfügen. Während im Jahr 2000 21,5% der deutschen Frauen und 26,8% der Männer ein Abitur aufweisen konnten, waren dies nur 6,0% der türkischen Frauen und 8,4% der türkischen Männer. Ein großer Teil der türkischen Einwanderer weist gar keinen Schulabschluss (31,2% der Frauen, 19,8% der Männer) auf. Über die Hälfte der türkischen Mitbürger verfügt über einen Hauptschulabschluss (Janßen & Polat 2005: 184). Damit besitzt die Mehrheit der Türken einen Bildungsabschluss, der ihnen einen Großteil der Chancen und Optionen auf dem deutschen Arbeitsmarkt verschließt. Diese Tendenz ist anhaltend: Die jüngere Generation zeigt zwar ein höheres Bildungsniveau als die älteren Jahrgänge, dennoch ist der Hauptschulabschluss der verbreiteste Abschluss in der türkischen Gemeinschaft. Dies führt dazu, dass sich die Chancen für türkische Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt in Zeiten der Bildungsexpansion und Globalisierung nicht verbessern.

Cornelia Kristen (2002) untersucht in ihrer Studie Schulen in Baden-Württemberg in den Jahren 1983 bis 2000 und zeigt, dass Kinder aus Migrantenfamilien bei dem Übergang auf die weiterführenden Schule benachteiligt sind, da sie häufiger als deutsche Kinder auf die Hauptschule wechseln und an Realschule und Gymnasium unterrepräsentiert sind. Dies betrifft im Besonderen die italienischen und türkischen Kinder. Der Übergang in Hauptschule, Realschule oder Gymnasium hängt primär von den erbrachten Schulleistungen ab, vor allem in den Hauptfächern Deutsch und Mathematik. In dem Schulfach Deutsch klaffen die Fähigkeiten erwartungsgemäß zwischen deutschen und ausländischen Kindern deutlicher auseinander als dies in Mathematik der Fall ist. Kinder, die in diesen Fächern keine guten Leistungen erzielen, werden in der Regel nicht auf die Realschule oder das Gymnasium wechseln. Dennoch bleiben auch nach Kontrolle der Schulnoten ethnische Ungleichheiten vor allem für Kinder aus türkischen und italienischen Familien bestehen. Dabei muss betont werden, dass die ethnische Herkunft nur für die leistungsschwächeren Kinder eine Rolle spielt, also bei denjenigen, die auf die Hauptschule wechseln. Bei der Entscheidung, ob ein Kind zur Realschule oder dem Gymnasium wechselt, übt der Migrationshintergrund hingegen keinen signifikanten Effekt mehr aus. Kristen (2002) findet heraus, dass ein hoher Anteil an Migrantenkindern in einer Schulklasse mit negativen Folgen für die Kinder dieser Klasse verbunden ist, unabhängig davon, ob die Kinder deutscher oder ausländischer Herkunft sind. Die Umgebung der Grundschule, in der ein Kind seine erste Erfahrung mit Bildung macht, ist also von großer Bedeutung. Die allgemeine Annahme, dass Schulklassen mit einem niedrigen Leistungsniveau, sich negativ auf die individuellen Ergebnisse der Kinder auswirken, kann durch Kristen (2002) nicht signifikant nachgewiesen werden.

Das Ergebnis der Studie ist dennoch alles andere als zufriedenstellend, da sich die Frage aufdrängt, warum Kinder mit Migrationshintergrund trotz gleicher Noten häufiger auf die Hauptschule wechseln als deutsche Kinder. Die Grundschule spielt dabei eine entscheidende Rolle, da das hier dargestellte Übergangsverhalten den Bildungsempfehlungen der Schulen entspricht. Kristen (2002) resümiert, dass „der Verweis auf Diskriminierungen seitens der Schulen nahe zu liegen“ scheint (Kristen 2002: 549). Dennoch bedarf es hier weiterer Forschung, da in der vorliegenden Studie Hintergrundmerkmale der Familien, wie z. B. die soziale Herkunft, nicht einbezogen wurden.

Diese können die Schullaufbahn von Kindern jedoch erwiesenermaßen entscheidend prägen, wie Scharenberg (2006) in ihrer Arbeit zeigt. Sie verdeutlicht, welche wichtige Rolle die Familie für den Bildungserwerb der Kinder spielt. Die Lesekompetenz wird durch die Bildungsnähe des Elternhauses stark beeinflusst. Somit wirkt sich ein höheres Bildungsniveau der Eltern und der Stellenwert, den die Bildung innerhalb der Familie einnimmt, positiv auf die schulischen Leistungen der Kinder aus. Der dadurch häufig bedingte höhere soziale Status der Familien übt gleichermaßen einen positiven Effekt auf die Lesekompetenz der Kinder aus. Kinder aus privilegierten Familien erzielen bessere Ergebnisse als Kinder aus ärmeren Familien.

[...]


[1] Der Gruppe der Migranten werden in dieser Hausarbeit all jene Menschen zugeordnet, die nicht in dem jeweiligen Aufenthaltsland geboren wurden. Desweiteren können auch Einheimische mit einem ausländischen Familienhintergrund, als Migranten bezeichnet werden, unabhängig davon, welche Staatsangehörigkeit sie besitzen.

Details

Seiten
27
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638858779
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v81918
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Forschungsinstitut für Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
Integration Migranten Arbeitsmarkt Kontexteffekte

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