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Die Französische Revolution als Krisen-Konstruktion moderner, ideologisch konträrer Geschichtsschreibung

Hausarbeit 2005 20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Krise in der sozialistischen Geschichtsschreibung
2.1. Die Krise des Adelsgesellschaft
2.2. Der Aufstieg der Bourgeoisie
2.3. Der Zusammenbruch

3. Die Krise in der bürgerlich-konservativen Geschichtsschreibung
3.1. Die Revolution beginnt lange vor 1789
3.2. Tocqueville erklärt Frankreichs vorrevolutionäre Strukturen

4. Revisionismus versus Marxismus und andere Streitigkeiten - die Gegensätze der Ideologien
4.1. Die persönliche Ebene
4.2. Der wissenschaftliche Diskurs

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Immer am 14. Juli - dem Nationalfeiertag - bejubelt sich Frankreich selbst in landesweiten Erinnerungsritualen und manifestiert den 14. Juli 1789 als Anbeginn einer neuen Zeitrechnung, die durch den Niedergang der Adelsgesellschaft geprägt wird und als fulminanten Endpunkt die Errichtung der Republik setzt. Schon das Festlegen der Bastille- Erstürmung als Start der Französischen Revolution stellt eine beliebige Geschichtskonstruktion von Historikern, Medien und Gesellschaft dar. Viele Einzelschritte begleiteten einen langen Prozess, der hinführte zu den heftigen Entwicklungen des Jahres 1789. Schon die Zeitgenossen beschrieben das 18. Jahrhundert als das Zeitalter der Revolutionen1. Das lässt sich unter anderem an eigentlich völlig unverdächtigen Details zeigen. Niccolò Machiavellis Text „Discorsi sopra la prima decada de Tito Livio“ wurde in den Jahren 1571, 1664, 1691 und 1782 jeweils neu ins Französische übersetzt. Das Wort Revolution taucht in der ersten Übersetzung nicht auf, im 17. Jahrhundert ein und zwei Mal und 1782 plötzlich 25 Mal2. Ist es schon schwierig, einen genauen Anfang zu bestimmen, so fällt es nicht leichter, einen zeitlichen Endpunkt zu benennen. François Furet sieht eine Ablösung der Französischen Revolution als Modell-Revolution mit der kommunistischen Umwälzung 1917 in Russland:

Alles wird anders im Jahre 1917. Da die sozialistische Revolution nunmehr ein Gesicht hat, hört die Französische Revolution auf, Modell für eine mögliche, wünschenswerte, erhoffte, aber noch inhaltlose Zukunft zu sein. Nun ist sie die Mutter eines wirklichen, datierbaren, verzeichneten Ereignisses, das den Namen trägt.3

Ist damit die Französische Revolution abgeschlossen? 1989 sagte François Furet, dass Frankreich die Revolution mit der Ära von François Mitterand akzeptiert habe und diese somit ein Ende gefunden habe4. Noch komplexer zeigt sich die Materie, wenn man sich auf die Suche nach den Ursachen für dieses die Ordnung in Europa verändernde Ereignis begibt. Eine einfache Lösung bietet ein Schulbuch von 1967 in einer Zusammenfassung:

Wir merken uns: Die Bürger Frankreichs waren von den Ideen der Aufklärung erfüllt und verlangten ein politisches Mitspracherecht. Bauern und Bürger lehnten sich gegen die Vorrechte des Adels und der Geistlichkeit auf. Die Einberufung der Ständevertreter zur Behebung der Finanznot führte 1789 zur Revolution.5

Diese Arbeit untersucht, wie ideologisch konträre Geschichtsschreibung konträr mit der Ursachenforschung der Französischen Revolution umgeht - und beschreibt dadurch auch schon wieder Geschichts-Prozesse. Denn die sozialistischen Historiker wurden von der Entwicklung ab dem Jahr 1989, der allgemein friedlichen Revolution in den kommunistischen Staaten, überholt und dadurch - aus heutiger Sicht - in eine Randlage gedrängt. Der DDR- Historiker Walter Markov wurde selbst schon Gegenstand ausführlicher Geschichtsschreibung6. Albert Sobouls Ansatz und der seines sozialistischen Mitstreiters Walter Markov, die Krise in Frankreich aufzuzeigen, die in die Revolution führte, bildet die eine Säule dieser Arbeit. Das Gegenkonzept des Konservativen François Furet die andere. Der dritte Teil dieser Ausarbeitung behandelt die Geschichte der konträren Geschichtsschreibung in diesem speziellen Fall. Es waren bei den beteiligten Historikern nicht allein ideologische Gegensätze, sondern auch persönliche vorhanden. Von 1982 bis 1997 starben diese drei Historiker7 - und mit ihnen eine auch in Zukunft einzigartige Streitkultur.

2. Die Krise in der sozialistischen Geschichtsschreibung

Sozialistisch geprägte Historiker der Französischen Revolution sehen in ihr die Kulmination eines lange sich abzeichnenden Übergangs der Herrschaft vom Adel hin zur Bourgeoisie. Albert Soboul beginnt sein Vorwort der Revolutionsgeschichte mit folgenden Worten: „Die Französische Revolution bildet zusammen mit den holländischen und englischen Revolutionen des 17. Jahrhunderts die Krönung einer langen ökonomischen und sozialen Entwicklung, die schließlich die Bourgeoisie zur Herrin der Welt machte.“8 Die Akademie der Wissenschaften der DDR benennt 1989 geradezu begeistert die „herausragende Konsequenz, mit der Frankreichs Revolutionäre Altes hinwegfegten“.9 Kurt Holzapfel und Matthias Middell stellen in ihrem einleitenden Forschungsbericht die weltweite Bedeutung der Französischen Revolution vor:

Sie brach aus Europas Feudalordnung am Ende des 18. Jh. nicht allein das stärkste Kettenglied heraus, sondern erzeugte auch eine fortan wachsende Internationalisierung des Klassenkonflikts, der über den europäischen Kontinent hinausgriff. Als welthistorische Zäsur stand die Revolution von 1789 am Beginn einer beinahe hundert Jahre umspannenden Epoche der Ablösung des Feudalismus durch den Kapitalismus im Weltmaßstab.10

Mit dem Adel und der Bourgeoisie treten in der sozialistischen Geschichtsschreibung zwei Klassen als zentrale Träger der Französischen Revolution auf - als Lieferanten der Ursachen wie auch der Auslöser. Ihre konträr verlaufenden Entwicklungen im 18. Jahrhundert bilden die Grundlage eines sich in kleinen Schritten im gesamten, zersplitterten Frankreich verbreitenden Krisenbewusstseins, das am 14. Juli 1789 in der „Volksrevolution“11 von Paris ausbrach und das ganze Land erfasste. Das sozialistische Verständnis liest sich in der Gedenkschrift zum Tode von Albert Soboul so:

Schon heute jedoch kann gesagt werden, daß sein Verständnis der „Revolution von unten“ Epoche machte. Seine Darstellung der Volkskräfte - der Sansculotten der Städte und der Bauern auf dem Lande - als Träger der Geschichte, mit kritischer Sorgfalt materialreich belegt und bezeugt, setzte neue, von allen Angriffen der „Revisionisten“ nicht mehr wegzuwischende Maßstäbe.12

2.1. Die Krise des Adels

Zur Adelsgesellschaft zählten rund 350000 Personen, ein Anteil von 1,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Im 17. Jahrhundert hatte der Adel im zersplitterten Frankreich in der Fronde den Aufstand gegen die zunehmend absolutistische Politik von Ludwig XIV.13 gewagt und nach fünfjährigen Kämpfen 1653 mit einem deutlichen Machtverlust gebüßt. Bis zur Französischen Revolution war es dem Adel gelungen, wieder einige Machtpole auf sich zu vereinen. Zentral waren hier die Steuererhebung, die Aushebung von Soldaten, die Münzprägung und die Gerichtsbarkeit. Einer ganzen Reihe von Privilegien14 standen zahlreiche Befreiungen gegenüber15.

Dennoch befanden sich die unterschiedlichen Ausprägungen des Adels in jeweils individuellen Krisen, die mit ihrer jeweiligen Situation erklärbar sind. Etwa 4000 Menschen führten als Angehörige des Hofadels am Königssitz in Versailles ein ausschweifendes Leben. Trotz großer Einnahmen16 stellte sich der Alltag für die Hofadligen unbefriedigend dar: „Nichtsdestoweniger war der hohe Adel zum Teil ruiniert; der größte Teil seiner Einkünfte diente ihm dazu, seinen gesellschaftlichen Rang zu halten; die zahlreiche Dienerschaft, mit der er sich umgab, der Kleiderluxus, das Spiel, Empfänge, Feste, Schauspiele und Jagden erforderten immer mehr Geld. Der Hochadel geriet in Schulden, ...“17 Ein vermeintlicher Ausweg war die Heirat von nichtadligen Erbinnen, was nur temporär zu Entspannung der Finanzen sorgte, aber das Eindringen aufgeklärter Geisteshaltungen in den Hofadel zur Folge ihren gesellschaftlichen Vorrechten und Vorurteilen festhaltende Gruppe driftete in Richtung Großbourgeoisie, mit der sie bestimmte ökonomische Interessen wie Aktienbesitz und Hebung der Landwirtschaftserträge mehr und mehr verbanden“.18

Der weit verbreitete Landadel kannte dererlei Luxus-Sorgen nicht, denn oft sah sein Leben karg und von Armut geprägt aus. Von der einfachen Bevölkerung unterschieden sich die Adligen praktisch nicht19, aber dennoch deutlich. Mithelfen durften sie bei den Arbeiten nicht, da sonst der Standesverlust drohte. Noch unbeliebter machten sich die Landadligen aber durch ihre Aufgabe, bei der Landbevölkerung die Feudalabgaben einzuziehen. Dies schürte den Hass der Bauern, verhalf - bedingt durch Kaufkraftverlust und ständig steigende Lebenshaltungskosten - selbst nur zu einem kargen Einkommen. So kommt Soboul zu dem Schluss:

Es hatte sich, um einen Ausdruck von Albert Mathiez aufzunehmen, eine wahre Adelsplebs gebildet; sie lebte eingeschnürt von der eigenen Not, gehaßt von den Bauern und von den Grandseigneurs verachtet, und verwünschte ihrerseits die Adligen am Hofe wegen ihrer zahlreichen Einkünfte, die sie dem königlichen Tresor entzogen,...20

Eine dritte Gruppe stellte der Amtsadel dar, der dadurch entstand, dass sich nach dem Kauf eines Amtes dieses weitervererbte. Diese Gruppe bildete zwar einen streitbaren Gegenpol zum Königshaus. Auf der anderen Seite war ihr der Erhalt eigener Privilegien so wichtig, dass sie jegliche Reformbemühungen blockierte.21

Albert Soboul und Walter Markov sind sich in ihren abschließenden Betrachtungen über den Adel einig, dass sich der Niedergang deutlich abzeichnete: „Je kritischer sich seine Lage gestaltete, desto zäher klammerte er sich zur Sicherung der bedrohten Klassenhegemonie an seine herkömmlichen Rechte“22 Einzelne Adlige erkannten die Chancen der aufblühenden Industrie und sahen die Reichtums-Möglichkeiten der aufstrebenden Bourgeoisie. Der Adel bildete eine inhomogene Gruppe, die auf egoistische Lebensmaximierung mehr Wert legte als

[...]


1 Baker, Keith Michael: Inventing the French Revolution, Cambridge 1990, S. 204.

2 Ebd. S. 204-205.

3 Vgl. den Diskurs um das Ende der Französischen Revolution in Furet, François: 1789 - Vom Ereignis zum Gegenstand der Geschichtswissenschaft, Frankfurt a.M. 1980, S. 11-13.

4 Weis, Eberhard: Nekrolog. François Furet (1927-1997), in: Francia. Forschungen zur westeuropäischen Geschichte 25/2 (1998), S. 223.

5 Kaier, Dr. Eugen: Grundzüge der Geschichte. Band 3. Vom Westfälischen Frieden bis zum Jahre 1890, Frankfurt a.M. 1967², S. 140.

6 Vgl. dazu die Bücher Heitkamp, Sven: Walter Markov. Ein DDR-Historiker zwischen Parteidoktrin und Profession, Leipzig 2003 sowie Neuhaus, Manfred und Seidel, Helmut (Hgg.): „Wenn jemand seinen Kopf bewußt hinhielt...“ Beiträge zu Werk und Wirken von Walter Markov, Leipzig 1995 oder die Autobiographie Markov, Walter: Zwiesprache mit dem Jahrhundert. Dokumentiert von Thomas Grimm, Berlin/Weimar 1989.

7 Albert Soboul lebte von 1914 bis 1982, Walter Markov von 1909 bis 1993 und François Furet von 1927 bis 1997.

8 Soboul, Albert: Die große Französische Revolution. Ein Abriß ihrer Geschichte (1789-1799). Teil 1, Frankfurt a.M. 1973, S. XIV.

9 Holzapfel, Kurt und Middell, Matthias: Einleitung. 1789: Ereignis - Wirkung - Rezeption. Ein Forschungsbericht, in: Holzapfel, Kurt und Middell, Matthias (Hgg.): Die Französische Revolution 1789 - Geschichte und Wirkung, Berlin 1989, S. 9-61, hier S.10.

10 Ebd., S. 10.

11 Walter Markov benutzt die Begriff Volksrevolution als Kapitelüberschrift für das als Beginn der Revolution konstruierte Ereignis 14. Juli 1789, das als spontaner Ausbruch einer Art von Volkszorn gesehen wird, in bewusster Abgrenzung zur Bourgeoisie, deren positive Gesamtentwicklung lediglich Vorbereiter war. Vgl. dazu Markov, Walter und Soboul, Albert: 1789. Die große Revolution der Franzosen, Köln 1989 [Lizenzausgabe des Urania-Verlags Leipzig/Jena/Berlin], S. 59.

12 Markov, Walter: Albert Soboul zum Gedenken, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 31/4 (1983), S. 353. Soboul und Markovs Kritik am Revisionismus wird Thema im dritten Teil dieser Arbeit.

13 Vgl. dazu sehr knapp Soboul, Die große Französische Revolution, S.10. In Fußnote 1 verweist Soboul fälschlicherweise auf die absolutistische Politik Ludwig XVI., die zur Fronde führte. Gemeint war Ludwig XIV.

14 Adlige hatten das Recht, einen Degen zu tragen; eine reservierte Kirchenbank; im Falle eines Todesurteils durften sie das Enthaupten wählen im Gegensatz zum üblichen Hängen. Sie besaßen das Jagdrecht sowie das Monopol auf die höchsten Ränge in der Armee, in der Verwaltung und in den kirchlichen Ehrenämtern. Vgl. dazu Soboul, Die große Französische Revolution, S. 11.

15 Adlige waren befreit von der Taille, einer bis zur Revolution immer wieder erhöhten direkten Steuer; sie mussten keinen Frondienst beim Wegebau leisten und hatten auch keine Soldaten einzuquartieren. Vgl. dazu ebd., S.11.

16 Dazu zählten königliche Pensionen, Militärsolden, diverse Einkünfte aus den Amtsstellen am Hof und Einkommen von Kommendatar-Abteien sowie von Domänen. Vgl. dazu ebd., S.12.

17 Ebd., S.12. hatte. Es entwickelte sich ein partiell liberaler Adel „und diese liberalisierende, obwohl an

18 Markov, Die große Revolution der Franzosen, S.11.

19 Vgl. dazu Soboul, Die große Französische Revolution, S. 12: „Die Junker lebten zusammen mit ihren Bauern; oft war es ein fast gleich schwieriges Leben.“

20 Ebd., S.13.

21 Ebd., S.13.

22 Markov, Die große Revolution der Franzosen, S.12. Zu dieser Rechte-Absicherung zählte ein königliches Verdikt von 1781, das die Vergabe von Offizierspatenten an den Nachweis von mindestens vier adligen Vorfahren koppelte. Als Reaktion auf die industrielle Revolution verschärfte der Adel laut Soboul das grundherrschaftliche System durch die é dits de triage und die terriers. Durch erstere sicherte sich der Adel automatisiert ein Drittel der den Dorfgemeinden gehörenden Güter. Zweitere waren eine Wiedereinführung von Verzeichnissen, in denen alte Adelsrechte aufgeführt waren, die in Vergessenheit geraten waren.

Zusammenfassung

Immer am 14. Juli – dem Nationalfeiertag – bejubelt sich Frankreich selbst in landesweiten Erinnerungsritualen und manifestiert den 14. Juli 1789 als Anbeginn einer neuen Zeitrechnung, die durch den Niedergang der Adelsgesellschaft geprägt wird und als fulminanten Endpunkt die Errichtung der Republik setzt. Schon das Festlegen der Bastille-Erstürmung als Start der Französischen Revolution stellt eine beliebige Geschichtskonstruktion von Historikern, Medien und Gesellschaft dar. Viele Einzelschritte begleiteten einen langen Prozess, der hinführte zu den heftigen Entwicklungen des Jahres 1789. Schon die Zeitgenossen beschrieben das 18. Jahrhundert als das Zeitalter der Revolutionen1. Das lässt sich unter anderem an eigentlich völlig unverdächtigen Details zeigen. Niccolò Machiavellis Text „Discorsi sopra la prima decada de Tito Livio“ wurde in den Jahren 1571, 1664, 1691 und 1782 jeweils neu ins Französische übersetzt. Das Wort Revolution taucht in der ersten Übersetzung nicht auf, im 17. Jahrhundert ein und zwei Mal und 1782 plötzlich 25 Mal2. Ist es schon schwierig, einen genauen Anfang zu bestimmen, so fällt es nicht leichter, einen zeitlichen Endpunkt zu benennen. François Furet sieht eine Ablösung der Französischen Revolution als Modell-Revolution mit der kommunistischen Umwälzung 1917 in Russland:
Alles wird anders im Jahre 1917. Da die sozialistische Revolution nunmehr ein Gesicht hat, hört die Französische Revolution auf, Modell für eine mögliche, wünschenswerte, erhoffte, aber noch inhaltlose Zukunft zu sein. Nun ist sie die Mutter eines wirklichen, datierbaren, verzeichneten Ereignisses, das den Namen trägt.3
Ist damit die Französische Revolution abgeschlossen? 1989 sagte François Furet, dass Frankreich die Revolution mit der Ära von François Mitterand akzeptiert habe und diese somit ein Ende gefunden habe4. Noch komplexer zeigt sich die Materie, wenn man sich auf die Suche nach den Ursachen für dieses die Ordnung in Europa verändernde Ereignis begibt. Eine einfache Lösung bietet ein Schulbuch von 1967 in einer Zusammenfassung:
Wir merken uns: Die Bürger Frankreichs waren von den Ideen der Aufklärung erfüllt und verlangten ein politisches Mitspracherecht. Bauern und Bürger lehnten sich gegen die Vorrechte des Adels und der Geistlichkeit auf. Die Einberufung der Ständevertreter zur Behebung der Finanznot führte 1789 zur Revolution.5
Diese Arbeit untersucht, wie ideologisch konträre Geschichtsschreibung konträr mit der Ursachenforschung der Französischen Revolution umgeht – und beschreibt dadurch auch schon wieder Geschichts-Prozesse. Denn die sozialistischen Historiker wurden von der Entwicklung ab dem Jahr 1989, der allgemein friedlichen Revolution in den kommunistischen Staaten, überholt und dadurch – aus heutiger Sicht – in eine Randlage gedrängt. Der DDR-Historiker Walter Markov wurde selbst schon Gegenstand ausführlicher Geschichtsschreibung6. Albert Sobouls Ansatz und der seines sozialistischen Mitstreiters Walter Markov, die Krise in Frankreich aufzuzeigen, die in die Revolution führte, bildet die eine Säule dieser Arbeit. Das Gegenkonzept des Konservativen François Furet die andere. Der dritte Teil dieser Ausarbeitung behandelt die Geschichte der konträren Geschichtsschreibung in diesem speziellen Fall. Es waren bei den beteiligten Historikern nicht allein ideologische Gegensätze, sondern auch persönliche vorhanden. Von 1982 bis 1997 starben diese drei Historiker7 – und mit ihnen eine auch in Zukunft einzigartige Streitkultur.

Details

Seiten
20
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638884211
ISBN (Paperback)
9783638884884
DOI