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Die Entscheidung im Streit um die Krone: Der Königsmord zu Bamberg 1208

Hausarbeit 2004 12 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

DER KÖNIGSMORD 1208
Historischer Abriss der Ereignisse unmittelbar vor der Tat
Der Täter: Otto von Wittelsbach
Der Helfershelfer: Heinrich von Istrien
Der Nutznießer: Bischof Ekbert von Bamberg
Weitere Mitverschwörer?

DIE FOLGEN DES KÖNIGSMORDS

FAZIT

BIBLIOGRAPHIE

Einleitung

Am 21. Juni 1208 lagen Freude und Trauer, Ausgelassenheit und Bestürzung so nah bei einander wie kaum. Gerade waren die Gäste und das Brautpaar einer rauschenden Hoch- zeitsfeier aus Bamberg abgereist, da musste auch schon eine Beerdigung zelebriert werden. Das Opfer: König Phillip von Schwaben. Der Staufer auf dem Höhepunkt seiner Macht ge- genüber dem Gegenkönig Otto IV von Braunschweig hatte gerade das Hochzeitspaar, seine Nichte Beatrix von Burgund und Otto von Andechs-Meranien, selbst noch vermählt. Er ruh- te sich zu Ader gelassen aus, als sein Mörder Otto von Wittelsbach das Zimmer stürmte und mit einem gezielten Streich zum Hals erst Philipp und dann auch noch dessen Truchsess Heinrich von Waldburg niederstreckte1.

Im Reich brach Chaos aus. Der Reichsfriede war mit dem Tod des Königs dahin2. Die poli- tische Situation durcheinander gewirbelt, ja ganz auf den Kopf gestellt durch einen Mann, der eigentlich durch ein Bündnis mit seinem Opfer vertraglich gebunden war, und der an dessen Seite kämpfte. Persönliche Rache lautete die gängigste Antwort auf die Frage nach den Motiven von Otto von Wittelsbach für diesen Mord. Die Bestrafung erfolgte zügig: Auf dem Frankfurter Hoftag im November 1208 wurden Otto von Wittelsbach und zwei zur Beihilfe zum Mord verdächtigte Brüder aus dem Hause Andechs-Meranien, Bischof Ekbert von Bamberg und Markgraf Heinrich von Istrien, für friedlos erklärt3. Die Friedloslegung war eine noch schwerere Strafe als Acht und Oberacht, denn sie war unlösbar. Ein sicher gerechtfertigtes Urteil für einen Mord. Aber war es wirklich eine Tat aus persön- lichen Motiven oder gab es weitere Beweggründe? Hatte man überhaupt alle Beteiligten als Täter überführen können, oder sollte es noch andere Hintermänner geben, die vom Tod des Königs profitieren konnten?

Im Rahmen dieser Arbeit können diese Fragen nur unzureichend, wenn überhaupt, beantwortet werden. Aus der zeitlichen Distanz betrachtet scheinen die Bamberger Ereignisse wie eine mittelalterliche Kriminalgeschichte, die nun teilweise neu aufgerollt werden soll. Nach ein kurzen Überblick über die damalige politische Lage, rücken im Hauptteil dieser Hausarbeit die drei Verurteilten in den Mittelpunkt. Anhand ihrer möglichen Motive soll versucht werden eine Antwort auf die aufgeworfenen Fragen zu finden .

Der Königsmord 1208

Historischer Abriss der Ereignisse unmittelbar vor der Tat

Obwohl Otto IV in den Jahren 1202/03 seine Machtposition durch Bündnisse mit den Fürs- ten von Böhmen und Thüringen, sowie dem dänischen König enorm ausbauen konnte und er sogar die erneute Unterstützung Englands erlangen konnte, waren diese Erfolge in den Folgejahren mehr Schein als eine wirkliche Umkehr der Machtverhältnisse4. Die englische Niederlage und der Verlust der Normandie 1204 spiegelten auch das Kräfteverhältnis im deutschen Thronstreit passend wieder. Die eindeutige Dominanz Philipps von Schwaben wird auch daran deutlich, dass nicht nur der Bruder Ottos IV, der Pfalzgraf Heinrich, sich dem Staufer zuwandte, sondern auch der größte Unterstützer des Welfen bei der Königs- wahl, Adolf von Köln5. Seit der erneuten Wahl mit anschließender Krönung am 6.Januar. 1205 war Philipp entgültig seinem welfischen Widersacher überlegen, der in der Folgezeit eine militärische Niederlage nach der anderen einstecken musste6.

Im Sommer 1208 plante Philipp den letzten welfischen Widerstand mit einer eindeutigen militärischen Übermacht in Braunschweig zu brechen. Dieser Heereszug wäre wohl erfolg- reich gewesen, doch die Ereignisse in Bamberg machten alle Planungen zu Nichte, und es fand innerhalb kürzester Zeit eine Umwälzung der Situation statt: Otto trat aus seiner Rolle als Gegenkönig heraus, schaffte die Vereinigung der beiden verfeindeten Häuser und hatte auf einmal die Unterstützung aller Anhänger, die zuvor fest an der Seite Philipps gestanden waren.7

Alles bloß ein Zufall, durch die Tat eines Einzelnen mit persönlichen Motiven, oder steckte doch mehr dahinter? Es ist nicht leicht, die damaligen Ereignisse aus einer zeitlichen Dis- tanz von fast 800 Jahren genau nachzuverfolgen. Durch die Analyse der drei wichtigsten beteiligten Personen und deren Intentionen können jedoch weitere Aspekte ergründet wer- den, die die Vermutung bestätigen, dass es möglicherweise doch nicht die Tat eines Einzel- nen war.

Der Täter: Otto von Wittelsbach

Dass gerade ein Wittelsbache r zum Mörder eines Stauferkönigs wurde, scheint auf den ersten Blick unverständlich. Nach dem Sturz Heinrich des Löwen, waren es nämlich die Staufer, die das Haus Wittelsbach mit dem bayrischen Herzogtum belehnte8. Sein Name taucht unter denjenigen Fürsten auf, die am 28. Mai. 1199 eine Protesterklärung gegen die Einmischung des Papstes in den deutschen Thronstreit, unterzeichneten und so Philipp unterstüt z- ten9. Otto von Wittelsbach kämpfte zudem auf staufischer Seite gegen die Böhmen im Jahre 120410, die noch mit Otto IV verbündet waren.

Wie ist es erklärbar, dass dieser Mann das ihm zugebrachte Vertrauen missbrauchte und denjenigen tötete, dem er seine nicht gerade unbedeutende Stellung innerhalb der deutschen Fürstenhierarchie verdankte?

Otto von St. Blasien schreibt in seiner Chronik:

„Der Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, dem die Erinnerung an das Unrecht, des ihm König Philipp bei der Wegnahme seiner Tochter zugefügt hatte, im Gedächtnis geblieben war (...) hielt die Zeit für günstig, auf Anstiftung des Markgrafen von Andechs ermutigt, entbrannte er zur Rache.“11

Diese verweigerte Hochzeit war lange Zeit Motiv genug, um die Tat zwar nicht rechtferti- gen, aber dennoch erklären zu können. Zu klar schien die Beweiskette, dass Otto von Wit- telsbach mordete, weil die ihm versprochene Ehe mit einer Tochter Philipps nicht zu Stande kam. Die ältere der beiden Töchter mit dem Name Beatrix, war ihm durch Philipp verspro- chen worden. Doch verfolgte dieser schon bald andere heiratspolitische Ziele und löste das Eheversprechen.12 Aber ist sie wirklich die einzige klare Erklärung? Bei genauerer Betrach- tung zeigt sich, dass der gesamte Komplex um die Vorgänge am 21. Juni 1208 keine reine Privatsache war, sondern eine hochpolitische Angelegenheit13. Fakt ist, dass weder im Jahre 1208 und auch schon nicht 1207 Otto von Wittelsbach mit einer Staufertochter verlobt und anderweitig gebunden war14. Von einer spontanen Rache des oft als aufbrausend beschrie- benen Wittelsbachers kann also keine Rede sein. Da die Auflösung der Verlobung schon mindestens anderthalb Jahre zurücklag, muss dieser Mord schon länger geplant worden sein.

[...]


1 Winkelmann, E.: Philipp von Schwaben und Otto IV von Braunschweig, Darmstadt 1963 (Nachdruck der Leipziger Originalausgabe von 1873), Bd. 1 S. 466

2 Csendes, P.: Philipp von Schwaben, Darmstadt 2003, S. 193

3 Hucker, B.: Der Königsmord von 1208. Privatrache oder Staatsstreich? In: H. Lothar (Hg.): Die AndechsMeranier in Franken, Mainz 1998 S. 111

4 Hampe, K.: Deutsche Kaisergeschichte, Heidelberg 1949, S. 247

5 Hampe, K.: (1949), S. 247

6 Besonders schmerzlich dürfte die Eroberung Kölns durch Philipp im Jahre 1206 gewesen sein, da dies Ottos Hauptstützpunkt gewesen ist. Vgl.: Hampe, K.: Deutsche Kaisergeschichte, Heidelberg 1949, S. 247

7 Hampe, K.: (1949), S. 249

8 Abel, O.: Philipp der Hohenstaufe, Berlin 1852, S. 232

9 Abel, O.: (1852) S. 232 und Mundy, J.: Europe in the High Middle Ages 1150-1300, Essex 2000, S. 206

10 Schlachtenbeschreibung in der Slawenchronik, 6.Buch | 8. Kapitel

11 Schmale F. (Hg.): Die Chronik Otto von St. Blasien und die Marbacher Annalen, Darmstadt 1998, Kapitel 50, S. 149

12 Oft ist auch überliefert worden, dass Otto von Wittelsbach ein „grausamer Mensch“ gewesen sei und Philipp diese Ehe Beatrix nicht zumuten wollte. Der Chronist Arnold von Lübeck berichtet zudem, dass Philipp Otto v. Wittelsbach entzürnte, da er ihm ein gefälschtes Empfehlungsschreiben überreichte, das Otto sehr im schlechten Licht darstellte. vgl.: Abel, O.: (1852) S. 234 bzw. Slawenchronik Buch 7 | Kapitel 14

13 Hucker, B.: Otto IV. Der wiederentdeckte Kaiser, Frankfurt 2003, S. 145

14 Hucker, B.: (2003), S. 146

Details

Seiten
12
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638886802
ISBN (Buch)
9783638886833
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v82131
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,0
Schlagworte
Entscheidung Streit Krone Königsmord Bamberg

Autor

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Titel: Die Entscheidung im Streit um die Krone: Der Königsmord zu Bamberg 1208