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Die Entstehung und Entwicklung des politischen Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich

Parteien oder Verbände als Schaffer einer völkisch-rassenantisemitischen Ideologie?

Hausarbeit 2006 13 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Politisierung des Antisemitismus
2.1. Die Christlichsoziale Partei Adolf Stoeckers
2.2. Die radikalen Antisemitenparteien
2.2.1. Die „Berliner Bewegung“
2.2.2. Die „Böckel- Bewegung“
2.2.3. Der Richtungsstreit zwischen konservativen und
reformerischen Antisemiten
2.3. Die Auswirkung des Parteienantisemitismus

3. Der Antisemitismus im gesellschaftlichen Bereich
3.1. Studentische Organisationen
3.2. Interessenverbände
3.3. Der Alldeutsche Verband

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema Antisemitismus wird in Deutschland meist mit Adolf Hitler in Verbindung gebracht. Unter seiner politischen Führung erreichte dieser, sich nicht allein auf die Religion des Judentums sondern vielmehr auf die jüdische Rasse gerichtete Hass, sein schlimmstes Ausmaß. Doch nicht Hitler selbst schuf die dem zugrunde liegende Ideologie, vielmehr bezog er sich auf eine bereits bestehende völkisch- rassenantisemitische und nutzte die antijüdischen Tendenzen in der Bevölkerung für seine politischen Zwecke.

Es stellt sich in diesem Zusammenhang nun die Frage, wer der eigentliche Schaffer der völkisch- rassenantisemitischen Ideologie war und wie es zu ihrer Etablierung in der deutschen Bevölkerung kommen konnte. Im Folgenden soll deshalb zunächst ein Überblick über die Entstehung und Entwicklung des politischen Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und 1914 gegeben werden. Es gilt die Entwicklung des Antisemitismus an sich und die Wirkung der Parteien auf die deutsche Gesellschaft zu untersuchen. Hierbei sollen sowohl die Christlichsoziale Partei, als auch die radikalen Antisemitenparteien Erwähnung finden, wobei deren Schaffen und Wirkung im Vordergrund stehen soll.

Insbesondere soll aber der Antisemitismus im gesellschaftlichen Bereich des Kaiserreichs zu dieser Zeit betrachtet werden. Dies macht zunächst ein Eingehen auf studentische Organisationen und Interessenverbände sowie deren Wirken notwendig. Der Schwerpunkt soll jedoch auf das Agieren des Alldeutschen Verbandes unter Heinrich Claß gelegt werden.

Diese Arbeit wird sich im Wesentlichen auf historische Überblicke verschiedener Autoren über die Entstehung des politischen Antisemitismus und über die Situation der Juden im Deutschen Kaiserreich stützen. Insbesondere sei an dieser Stelle das Werk Helmut Berdings zu diesem Thema genannt. Jedoch sollen zudem auch die Hauptwerke Heinrich Claßs in die Darstellung des Alldeutschen Verbandes einfließen. Vermieden werden soll insgesamt das genaue Eingehen auf das Wirken einzelner Personen sowie auf Theorien.

2. Die Politisierung des Antisemitismus

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte, ausgehend von dem Schriftsteller Wilhelm Marr, eine neue antijüdische Bewegung im Kaiserreich ein. Der so genannte „moderne Antisemitismus“ verband dabei bereits existierende ökonomische und religiöse Vorurteile mit neuen, überwiegend rassistischen Elementen und gab den Juden die Schuld an Fehlentwicklungen im Reich.

Die Voraussetzung für diese Entwicklung bildete der Gründerkrach 1873 und die ihm folgende schwere wirtschaftliche Rezension, die insbesondere den Mittelstand stark traf. Infolgedessen kam es zu einem starken Bedeutungsverlust des Liberalismus sowohl im politischen als auch im gesellschaftlichen Bereich, wo sich die sozialen Konflikte zuspitzten.[1]

2.1 Die Christlichsoziale Partei Adolf Stoeckers

Die eben beschriebene Entwicklung versuchten konservative Kreise für sich zu nutzen, um ihren politischen Einfluss im Kaiserreich wieder zu stärken, wobei die Katholiken eine herausragende Stellung einnahmen.

Bereits um 1875 hatte der Journalist Otto Glagau mit seiner Artikelserie „Der Börsen- und Gründungsschwindel in Berlin“, in der er die Juden als Verursacher des Gründerkrachs darstellte, großen Erfolg.[2] Hieran konnte der Hofprediger Adolf Stoecker anknüpfen. Die von ihm gegründete „Christlichsoziale Partei“ sollte dem Aufbau eines christlich geprägten Staates dienen, wobei es zur Umsetzung dieses Ziels einer breiten, die Idee stützenden Masse und damit einer wirksamen Propaganda bedurfte.[3] Durch den Kontakt mit Vertretern der antijüdischen Bewegung, wie Wilhelm Marr, wurde Stoecker bald das Potential des Antisemitismus für sein Vorhaben bewusst.[4] Er nutzte die im Mittelstand bereits stark ausgeprägte antisemitischen Tendenz, um durch radikale antijüdische Reden die Wähler für sich zu gewinnen. Auf die geäußerten Forderungen, folgten jedoch keine solch radikalen auf politischer Ebene. Adolf Stoeckers Ziel war lediglich die Massen durch judenfeindliche Propaganda für sich zu gewinnen. Auf diese Weise führte er jedoch den Antisemitismus in die praktische Politik ein.[5]

2.2 Die radikalen Antisemitenparteien

Um 1880 kam es, beeinflusst durch die erwähnten antisemitischen Tendenzen im publizistischen Bereich, neben der Gründung der Christlichsozialen Partei auch zur Etablierung radikal antisemitischer Parteien, die jedoch keine einheitliche Bewegung bildeten .[6]

[...]


[1] Vgl. Berding, Helmut: Moderner Antisemitismus in Deutschland, Frankfurt am Main 1988, S. 85.

[2] Vgl. Greive, Hermann: Geschichte des modernen Antisemitismus in Deutschland, Darmstadt 1988, S. 50- 56.

[3] Vgl. Berding, S. 88.

[4] Vgl. Brakelmann, Günther/ Greschat, Martin/ Jochmann, Werner: Protestantismus und Politik. Werk und Wirkung Adolf Stoeckers, Hamburg 1982, S.149.

[5] Vgl. Berding, S. 90- 95.

[6] Vgl. Berding, S. 92-95.

Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638874533
Dateigröße
369 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v82346
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Historisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Entstehung Entwicklung Antisemitismus Deutschen Kaiserreich NSDAP Weimarer Republik Machtübernahme

Autor

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