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Chancen und Risiken von Projektunterricht. "Die Projektmethode" nach Karl Frey

Hausarbeit 2006 21 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Projektmethode nach Karl Frey
2.1. Geschichtlich-philosophische Einordnung
2.2. Allgemeine Curriculumtheorie
2.3. Ablauf und Komponenten der Projektmethode nach Karl Frey
2.3.1. Schematischer Ablauf eines Projekts
2.3.2. Die sieben Komponenten der Projektmethode

3. Projektunterricht in der Diskussion
3.1. Warum Projektunterricht?
3.1.1. Lernpsychologische Gründe
3.1.2. Sozialtheoretische Gründe
3.1.3. Handlungspsychologische Gründe
3.1.4. Didaktische Gründe
3.2. Risiken und Grenzen der Projektmethode
3.2.1. UnklareBegrifflichkeit
3.2.2. Unklare Rollenverteilung
3.2.3. Unbekannter Ausgang
3.2.4. Unbekannte Kommunikationsformen
3.2.5. Ungeeignete Organisationsform
3.3. Kritik an Frey und seiner Projektmethode

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Was ist die Projektmethode? Was macht Sie aus? Wo liegen ihre Stärken, wo ihre Schwächen? Gibt es wissenschaftliche Argumente für Projektunterricht?

In der vorliegenden Arbeit versucht der Autor Antworten auf diese Fragen zu geben. Gleichzeitig werden die großen Fragen der Erziehungswissenschaft - Was ist Bildung? An welchen Werten soll sich (schulische) Erziehung orientieren? - mit angesprochen.

Der Autor stellt, nach einer kurzen geschichtlichen Einordnung, zuerst Merkmale der Curriculumtheorie und der Projektmethode nach Karl Frey vor. Anschließend präsentiert er wissenschaftliche Begründungen des Projektunterrichts und zeigt abschließend Schwierigkeiten und Schwachpunkte von Projektunterricht und der Projektmethode nach Karl Frey auf.

,Die’ Projektmethode oder ,den’ Projektunterricht gibt es nicht, weil im Laufe der Zeit viele Wissenschaftler eigene Arbeiten zu dem Thema darlegten und „es ein allgemein geteiltes Verständnis der Sache nicht gibt.“[1]

Der Autor wählte als Grundlage seiner Ausführungen die Projektmethode nach Karl Frey, weil sie im deutschsprachigen Raum weit verbreitet ist und ein umfassendes Konzept zu diesem Bereich darstellt. Im vierten Kapitel verwendet der Autor auch die Ausdrücke ,Projektunterricht’ und ‚Projektlernen’, weil dort übergeordnete Prinzipien, die in den meisten Projektkonzepten enthalten sind, behandelt werden.

2. Projektmethode nach Karl Frey

Frey beansprucht für seine Projektmethode, dass sie eben mehr als nur eine Methode darstellt. Das wird verständlich, berücksichtigt man seine philosophischen Wurzeln und damit einhergehend seine Abneigung gegenüber der strikten Trennung von Methodik und Didaktik sowie seine Auffassung von Bildung.

2.1. Geschichtlich-philosophische Einordnung

Obwohl Frey John Dewey und William Heard Kilpatrick als die Hauptvorbilder seiner Projektmethode benennt, besteht er darauf ein neuartiges Konzept, basierend auf seiner Curriculumtheorie von 1972, erarbeitet zu haben. Auch wenn die Grundschemata für die Praxis Ähnlichkeiten aufweisen, so ist deren theoretische Herleitung und Begründung zum Teil verschieden. Dennoch können beide als ‚geistige Väter’ von Freys Konzept - der Pragmatismus Deweys, „Learning by doing“[2], kommt auch bei Frey zum Vorschein - und des Projektunterrichts in der Moderne überhaupt betrachtet werden.[3]

Frey hat inhaltlich ein weit gefasstes Bildungsverständnis, denn für ihn kann „alles (…) Bildung werden.“[4] Das einzige, was bildendes Handeln von alltäglichem Handeln für Frey unterscheidet, ist „die Art und Weise (…), wie Bildung entsteht.“[5] Demokratische Kommunikations- und Interaktionsformen stehen hierbei im Vordergrund. Intellektuelle Beschäftigung hat keinen Vorrang vor motorischer oder emotionaler, ein klassisches Gedicht nicht Vorrang vor dem Handwerkunterricht, denn, bemerkt Frey: „Was bedeutet Goethe für einen Hirten in der Mandschurei?“[6]

Frey hält also den Weg zur Bildung, das Zustandekommen von Bildungssituationen für wichtiger als die sachlichen Inhalte, weil die Inhalte von Bildung je nach Kulturkreis variieren können. Seine Bildungssauffassung enthält dennoch Werte und Inhalte, ist also nicht beliebig. Er legt dies in seiner Allgemeinen Curriculumtheorie, die ihm zufolge mehr als eine didaktische Theorie ist, dar.[7]

2.2. Allgemeine Curriculumtheorie

Um Freys Projektmethode zu verstehen, muss zuerst seine Curriculumtheorie kurz vorgestellt werden, die sein Verständnis von Bildung darlegt und gleichzeitig Handlungsanweisungen beinhaltet, durch die nach Freys Ansicht Bildung entsteht.

Laut Frey sind die wichtigsten Merkmale, die alltägliches Handeln zu bildendem Handeln qualifizieren: eine Zielorientierung, Interaktion in einem vorher vereinbarten Rahmen, situative Distanz und spezifische Reflexion. Diese Begriffe werden im Folgenden näher erläutert.

Ein idealer curricularer Prozess findet nach Frey nur dann statt, wenn die zu Bildenden nicht ,von oben herab’ gebildet werden, wenn Bildung, bildlich gesprochen, nicht übergestülpt wird, sondern die Lernenden in die Planung ihrer Bildung möglichst von Anfang einbezogen sind. Der Lehrende soll die Inhalte nicht allein bestimmen und präsentieren, der Bildungsprozess muss dialogisch, eben durch „Interaktion in einem vorher vereinbarten Rahmen“[8] verlaufen.[9]

Eine weitere Voraussetzung für Bildung besteht für Frey darin, sich als Lernender von seinem Bildungsfeld distanzieren zu können. Das impliziert: darüber nachzusinnen, es anderen zu vermitteln, darüber zu diskutieren, in eine Metainteraktion darüber einzutreten oder sich vollkommen davon zu lösen. Dies und noch mehr enthält sein Begriff der situativen Distanz.[10]

Die spezifische Reflexion bei Frey beinhaltet beispielsweise das Nachdenken während oder zur Distanzierung vom Lerngegenstand und während der Interaktion. Auch das Innehalten und Bewusstmachen von Handlungen, damit diese zu Lernhandlungen werden und nicht nur Imitation oder unbedachte Handlungsausführung bleiben, ist damit gemeint.[11]

Schlussendlich vertritt Frey die Ansicht, dass es keine Bildung ohne Ziele gibt. Die Ziele dürfen, ihm zufolge, aber nicht als Zweck für das Tun missbraucht werden, wie er es beispielsweise der geisteswissenschaftlichen Didaktik vorwirft.

Wenn die Werte bei Frey aber nicht nur in den Zielen enthalten sind, sondern die Handlungsausführung schon einen Wert an sich darstellt, kann die von Frey kritisierte Zweiteilung von Didaktik und Methodik teilweise aufgehoben werden. Dies gelingt aber eben nur, wenn die Methode nicht Mittel zu einem höheren Zweck ist.[12]

Frey nennt explizit Werte, die im Bildungsprozess enthalten sein sollen: „Selbständig werden, sich mit der realen Welt um uns auseinandersetzen, möglichst viele menschliche Ausdrucksformen aktivieren, im Handeln auf den nächsten achten.“[13]

Um eben diese und weitere Werte schon durch die Methode verwirklichen zu können und weil er unter anderem mit Dewey und Kilpatrick in einigen Punkten nicht übereinstimmt, entwickelte Frey ein eigenes Projektkonzept.

[...]


[1] Hänsel, Dagmar (Hg.), Projektunterricht. Ein praxisorientiertes Handbuch, Weinheim/Basel 1999, S. 54.

[2] Emer, Wolfgang/ Lenzen, Klaus-Dieter, Methoden des Projektunterrichts, in: Bastian, Johannes u.a. (Hg.), Theorie des Projektunterrichts, Hamburg 1997, S. 218.

[3] Vgl. Frey, Karl, Die Projektmethode. Der Weg zum bildenden Tun, Weinheim/Basel 1998, S.61-70.

[4] Ebd. S. 26.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Frey, S. 25.

[8] Ebd. S. 27.

[9] Vgl. ebd. S. 27f.

[10] Vgl. Frey, S. 28f.

[11] Vgl. ebd. S. 31f.

[12] Vgl. ebd. S. 30f.

[13] Ebd.

Details

Seiten
21
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638899925
ISBN (Buch)
9783638903981
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83467
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Erziehungswissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Chancen Risiken Projektunterricht Pädagogik Disziplin

Autor

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Titel: Chancen und Risiken von Projektunterricht. "Die Projektmethode" nach Karl Frey