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Ein Exkurs durch die bedeutendsten Weltausstellungen von 1851 bis 2005 für Fachleute, Interessierte und Laien

Projektarbeit 2007 229 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einführung

Die Weltausstellung 1851 in London

Die Weltausstellung 1855 in Paris

Die Weltausstellung 1862 in London

Die Weltausstellung 1867 in Paris

Die Weltausstellung 1873 in Wien

Die Weltausstellung 1876 in Philadelphia

Die Weltausstellung 1878 in Paris

Die Weltausstellung 1879 & 1880 in Sydney

Die Weltausstellung 1880 & 1881 in Melbourne

Die Weltausstellung 1885 in Antwerpen

Die Weltausstellung 1888 in Barcelona

Die Weltausstellung 1889 in Paris

Die Weltausstellung 1893 in Chicago

Die Weltausstellung 1897 in Brüssel

Die Weltausstellung 1900 in Paris

Die Weltausstellung 1904 in St. Louis

Die Weltausstellung 1905 in Lüttich

Die Weltausstellung 1906 in Mailand

Die Weltausstellung 1910 in Brüssel

Die Weltausstellung 1913 in Gent

Die Weltausstellung 1915 in San Francisco

Die Weltausstellung 1929 & 1930 in Barcelona und 1929 in Sevilla

Die Weltausstellung 1933 & 1934 in Chicago

Die Weltausstellung 1935 in Brüssel

Die Weltausstellung 1937 in Paris

Die Weltausstellung 1939 & 1940 in New York

Die Weltausstellung 1958 in Brüssel

Die Weltausstellung 1962 in Seattle

Die Weltausstellung 1967 in Montreal

Die Weltausstellung 1970 in Osaka

Die Weltausstellung 1992 in Sevilla

Die Weltausstellung 2000 in Hannover

Die Weltausstellung 2005 in Nagano

Die Weltausstellung 2010 in Shanghai

Resümee

Ausgewählte relevante Quellenangaben

Kurzbiographie des Autors

Zusammenfassung für den Buchrücken

Vorwort

Die Geschichte der Weltausstellungen ist noch nicht sehr alt. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts beschränkten sich die Länder auf rein nationale Leistungsschauen. Nur in wenigen Fällen informierten Messen über die gewerblichen und künstlerischen Tätigkeiten ein

Die unterdessen zur Tradition gewordenen Weltausstellungen, auch World Fairs, Expositions Universelles, Exposiciónes Internacionales, International Exhibitions oder Expos genannt, begannen vor rund 155 Jahren.

1851 führte England in London mit der The Great Exhibition of the Works of Industry of All Nations die erste Internationale universelle Exposition durch. Dabei ging es Großbritannien darum, einerseits seine industrielle Vormachstellung mit britischem Nationalstolz zu demonstrieren und andererseits einen Überblick über die auf der Welt produzierten Industrieerzeugnisse zu erhalten.

2000 war es Deutschland vergönnt durch das Votum des Bureau International des Expositions (B.I.E.) für Hannover eine Weltausstellung neuen Typs mit dem Blick in die Zukunft unter dem Leitthema: Mensch - Natur - Technik - Eine neue Welt entsteht, ausrichten zu können.

Das vorliegende Buch soll den Interessierten einen relativ gedrängten Überblick über die Entstehung und Entwicklung sowie Erfordernis der Weltausstellungen von ihren Anfängen als Industrieschau vermitteln und bis hin zu den Megaschauen mit exotischem Charakter Auskünfte geben. Angelegt ist es somit weder als ein Lehr- noch Geschichtsbuch. Beabsichtigt ist aber, jeden themenspezifischen und historisch interessierten Leser anzusprechen und ihn mit der Geschichte, dem Charakter, den Inhalten, dem Wandel und der Zukunft von Weltausstellungen vertraut zu machen. Darüber hinaus ist es das Anliegen des Autors, den Leser zum Griff zu weiteren Quellen über Weltausstellungen anzuregen.

Die Quellenauswahl für: Ein Exkurs durch die bedeutendsten Weltausstellungen von 1851 bis 2000 erfolgte entsprechend des Zieles dieser Abhandlung. Auf Grund der Fülle des vorliegenden Schrifttums und die darin fast ins Unendlich gehenden Informationen, kann unmöglich angenommen werden, hier eine vollständige Abhandlung aller Momente der Weltausstellungen zu erhalten. Weil dies zu voluminös werden würde, wird in diesem Exkurs versucht, nur das Wichtigste und Interessanteste herauszuheben und anzuführen.

Einführung

Mit diesem Exkurs durch die Weltausstellungen von 1851 bis 2005, verbunden mit einem Blick auf die kommenden Expositionen, wird versucht, aus einem überaus großen Fundus von Quellen, etwas Interessantes, Neues, Nennenswertes, Besonderes, Herausragendes und Sonderbares zu vermitteln.

Da alles Ausgewählte zu seiner jeweiligen Zeit Anspruch auf das Erste, Umfangreichste, Höchste, Originellste, Faszinierendste, Phantastischste, Aufregendste, Gesehenste und Erlebteste besitzt, wird dieses, da teilweise Schriften über die Weltausstellungen nicht nur Details, sondern ganze Veranstaltungen dieser Art ignorieren, hiermit vorgestellt.

Was sind nun die Ausstellungen im Allgemeinen und die Weltausstellungen im Besonderen?

Nach allgemeingültigen, anerkannten Definitionen gilt, Ausstellungen sind im Allgemeinen Darstellungen der gewerblichen und künstlerischen Tätigkeit eines Landes oder mehrerer Länder durch Vorführung der in diesem Gebiet erzeugten Produkte. Genauer gesagt, sind sie öffentliche, zumeist in dafür eigens errichteten Pavillons, Hallen, Gebäuden, Räumen und Freigeländen sowie Landschaftsparks, ausgerichtete Veranstaltungen zur Schaustellung wirtschaftlicher, technischer, handwerklicher und künstlerischer Produkte sowie von Forschungs- und Bildungsergebnissen, aber auch von Zukunftsprojekten sowie Visionen und ähnlichem mehr.

Je nach der sachlichen, örtlichen und zeitlichen Ausdehnung werden die Ausstellungen gegliedert in allgemeine Expositionen, Konsum- und Industriemessen sowie Fach- und Spezialausstellungen, wobei die letzteren sich auf bestimmte Gebiete der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Kunst, der Geschichte, der Bildung, der Kultur, der Medizin, der Biologie usw. beschränken.

Diese Begriffe für Ausstellungen oder Messen lassen sich definitiv zusammenfassen, dass sie politisch und weltanschaulich neutrale Instrumente sind, mit denen unter rein wirtschaftlicher Betrachtungsweise Geschäftstätigkeiten entstehen sollen.

Durchgeführt werden sie als periodische und permanente Ausstellungen, wobei letztere sich von Sammlungen und Museen im Wesentlichen dadurch unterscheiden, dass die ausgestellten Exponate von Zeit zu Zeit durch neue, meist verbesserte ersetzt werden.

Dies gilt sowohl für die Regional-, Bezirks-, Landes- wie auch Weltausstellungen. Alle diese Ausstellungen gewannen insbesondere in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an Bedeutung, weil auf denselben nicht mehr allein nur fertige Produkte, sondern sowohl auch die aufeinander folgenden Stadien der Verarbeitung wie auch der Verarbeitungsprozess dem Publikum vorgestellt und/oder vorgeführt wurden.

Geschichtlich überliefert ist, dass die Idee für eine Weltausstellung bereits vor über 2300 Jahren aufgekommen sein soll. Nämlich schon zurzeit von König Xerxes I., altpersisch Chšajarša, der um 519 v. Chr. bis 465 v. Chr. lebte und König von Persien von 485 v. Chr.

bis 465 v. Chr. war und der Sohn von Dareios I. und Atossa, der Tochter von Kyros II. der Große (um 600 bis 529 v. Chr.), welcher König von Persien von 559 bis 529 v. Chr. und

Begründer des persischen Großreiches war, ist. Dieser soll bereits um 500 v. Chr. die Völker aus aller Herren Länder zu einer solchen Ausstellung nach Persien eingeladen haben.

Glaubwürdiger und relevant historischer ist, dass das klassische Altertum, also die Geschichte

der Griechen und Römer vom 5. Jh. v. u. Z. bis zum Untergang des Weströmischen Reiches 476 u. Z. solche Ausstellungen noch nicht kannte und brauchte. Erst das christlich-germanische Mittelalter brachten Novitäten, namentlich von Gegenständen religiöser Verehrung, zur Schaustellung.

Als frühe Veranstalter von Ausstellungen gelten die Klosterschulen, die vordergründig die Arbeiten ihrer Zöglinge ausstellten. Als Wegbereiter für Ausstellungen gelten insbesondere auch die Zünfte, welche auserwählte Meisterstücke zur Schau stellten.

Vornehmlich entwickelten sich Ausstellungen aus den zahlreichen Warenmessen und Märkten in den europäischen Handelsstädten heraus. Sie sind als die Vorläufer der mit ihnen verwandten Weltausstellung anzusehen. Eigentlich entstanden sie im 18. Jahrhundert auf dem der Handwerkskünste und Kunst verwandten Gebieten.

Mehr und mehr zogen Ausstellungen die gesamte Industrie, schließlich das ganze wirtschaftliche und soziale Leben, soweit es gegenständlich darstellbar ist, in ihr Bereich. Ihrem Wesen nach waren die ersten Ausstellungen fast ausschließlich Industrieausstellungen. Ihnen folgten aber fast zeitgleich Ausstellungen auf denen künstlerische Leistungen ausgestellt wurden. Namentlich die Malerei gab die Veranlassung dazu, da deren Werke nicht so häufig an allgemein zugänglichen Plätzen zu finden sind. Damit waren auch die Kunstausstellungen entstanden.

Die erste Industrieausstellung wurde 1756 und 1757 durch die Society fort he promotion of arts, manufactures and commerce in London veranstaltet.

Auf dem europäischen Festland gelten als die ersten eigentlichen Gewerbeausstellungen die französische 1763 in Paris und die 1791 zu Prag. Letztere brachte den Umfang und den Stand der Industrie des Königreiches Böhmen zur Anschauung.

In Paris, im sechsten Jahr der Republik, fand vom 17. September bis zum 01. November 1798 auf dem Marsfeld, begleitet von einem großen Spektakel, aus heutiger Sicht die erste moderne Ausstellung, die Première Exposition de Produits de l`industrie Française, statt.

Zu dieser ersten Industrieausstellung in Frankreich war jeder französische Bürger, der ein ausstellungswürdiges Erzeugnis vorweisen konnte, zugelassen. Eingeschrieben hatten sich 109 Teilnehmer. Ihre Exponate wurden in einem provisorischen Bau, welcher mit 68 hölzernen Rundbögen eine Rechteckfläche überdachte, und schon bestehender Bebauung den Besuchern dargeboten. Die darin errichteten Stände stellte der Staat den Ausstellern kostenlos zur Verfügung. Eröffnet wurde diese Ausstellung mit Ausstellern aus Gewerbe und Kunst durch den damaligen Innenminister Frankreichs, Francois de Neufchateau.

Diese Ausstellung gilt auf Grund ihrer Anlage und ihres Konzeptes auch als eine des neuen Typs und war für diese Zeit, nach unserem heutigen Wortschatz, eigentlich ein erstes Mega-Event. Auf ihr wurden bereits festliche Bälle abgehalten, die die späteren universellen Weltausstellungen so prägten.

Auf ihr machten sich Händler wie auch Käufer unter anderem mit den neuen im Jahr drei der Republik eingeführten republikanischen Maßen und Gewichten, dem metrischen System für Meter-, Kilo- und Literangaben, bekannt. Ihr folgten ebenda die Ausstellungen von 1834, 1839, 1844 und 1848. Alle mit zunehmender Beteiligung. 1848 waren es schon 4.532 Aussteller.

Die erste deutsche Gewerbeausstellung fand 1790 in Hamburg statt. Nachfolgend waren durch die Entwicklung des Verkehrswesens an zahlreichen anderen Orten Ausstellungen veranstaltet worden. In Deutschland fand die erste gemeinsame Industrieausstellung 1842 zu Mainz statt, 1844 folgte Berlin, 1850 Leipzig, 1854 München. Erwähnenswert sind aber auch die 1835, 1839 und 1850 in Wien stattgefundenen Ausstellungen.

Als erste Kunstausstellung im größeren Umfang gilt die 1763 zu Paris von der Ecole des Beaux Arts eröffnete. Ihr nahe kommt die 1786 von der Berliner Kunstakademie begründete Ausstellung. Die bildenden Künste wurden auch bei den Landes- und Provinzialausstellungen sowie Weltausstellungen relativ schnell ein fester Ausstellungsbestandteil.

Alle diese Expositionen waren indes nur auf das eigene Land beschränkt. Den Wendepunkt brachte die erste Weltausstellung 1851 zu London, die zum ersten Mal Aussteller verschiedener Länder vereinigte. Ihr Zustandekommen ist hauptsächlich den Bemühungen von zwei Nationen - England und Frankreich - zu verdanken.

Mit dem Jahr 1851 bekam der ökonomische und technische Schaukampf der Nationen eine eigene Einrichtung, die Weltausstellung. Denn die Industrialisierung machte im 19. Jahrhundert einen internationalen Austausch über technische Innovationen und die Sondierung der Märkte der Welt erforderlich. Die treibenden Kräfte dazu waren nicht nur Technik und Kommerz, sondern auch der imperialistische Zeitgeist.

Am Anfang war das Ausstellungsanliegen Belehrung, überaus schnell wandelte sich dies aber in eine Absatz fördernde Reklame. Und mit den bald hinzukommenden Erlebnisparks, Vergnügungsveranstaltungen, Schauarchitekturen und Völkerschauen sollten mehr Besucher angezogen werden, um die Kosten der Expositionen verringern zu helfen.

Die seit diesem Jahr in unregelmäßigen Zeitabständen stattfindenden Weltausstellungen hatten zunächst das Ziel, mit den Errungenschaften aus Wissenschaft und Technik die Besucher zu unterrichten. Des Weiteren wollten insbesondere die Kolonien besitzenden Länder auch Exotisches aus aller Welt zur Schau stellen. Mittlerweile verfügten die Weltausstellungen auch über ein sehr weit gespanntes Rahmenprogramm.

Alle gezeigten Exponate, insbesondere aber ihre monumentalen Bauten der bisherigen Weltausstellungen, sind nicht nur einzigartige nationale und menschliche Leistungen, sondern oftmals auch Ausdruck einer ausrichterbezogenen Megalomanie.

Gemeinsamkeiten aller Ausrichter, Ausgestalter und Aussteller in der über 155jährigen Geschichte dieser Expositionen scheinen der Trieb, etwas Großes, Bemerkenswertes zu schaffen, zu sein, um damit eindrucksvolle Spuren anfänglich in der Architektur und Technik sowie zunehmend auch in der Kunst und Kultur zu hinterlassen.

Vieles was an Bauwerken und Exponaten, Erfindungen und Novitäten sowie Personen und Historischem beschrieben wird, stellt in den meisten Fällen das zum jeweiligen Zeitpunkt gestalterisch Größte, wirtschaftlich Wichtigste, ingenieurtechnisch sowohl Imposanteste, Kühnste wie auch Exotischste, aber auch historisch Relevanteste, zeitlich Kunstvollste und punktuell Futuristischste dar.

Weltausstellungen waren immer auch ein Ort der Diplomatie. Beispielsweise nutzte 1855 Großbritannien mit der Reise von Königin Victoria von England (1819 bis 1901) zur Pariser Weltausstellung die Möglichkeit, erstmals seit dem Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich (1337/39 bis 1453), dass wieder ein englischer Monarch französischen Boden betrat.

Des Weiteren waren die Weltausstellungen auch immer ein gigantischer Pilgerplatz des internationalen Massentourismus.

Bei allem Beschriebenen wurde davon ausgegangen, ob dies mit zu den Meilensteinen in der Bau-, Technik-, Wissenschafts-, Kunst- und Kulturgeschichte gezählt werden kann. Einiges empfahl sich wegen seiner Ausgefallenheit, Exzentrizität und seinem nachfolgend entstandenem Allgemeininteresse.

Über den Veranstaltungsort und Ausstellungszeitraum von Weltausstellungen, auch World Fairs, Expositions Universelles, Exposiciónes Internacionales, International Exhibitions oder Expos genannt, hat das Bureau International des Expositions (B.I.E.) mit Sitz in Paris zu entscheiden. Es wurde am 22. 11. 1928 von 31 Nationen zur Erstellung allgemein gültiger Regeln und Definitionen gegründet.

Ihr erstes Regelwerk trat 1933 in Kraft. Die Festlegung, dass Weltausstellungen einem Zehnjahresrhythmus und innerhalb eines Landes einem Fünfzehnjahresrhythmus folgen müssen, wurde 1988, der letztmaligen Überarbeitung der Regularien und Statuten des B.I.E., in einen Fünfjahresrhythmus verändert, welcher mit der EXPO 2000 in Hannover begann.

Da das B.I.E. nicht ganz eindeutige Kriterien für die Wertung von Weltausstellungen besitzt und retrospektiv nicht alle als Weltausstellungen deklarierten universale anerkennt, gibt es in der Literatur über diese Expositionen folglich unterschiedliche Zählweisen.

Meist wurden Weltausstellungen vorwiegend zu Ehren historischer Jubiläen durchgeführt. Ihre Merkmale, Funktionen und Schwerpunkte veränderten sich aber nicht. So sind Weltausstellungen ein Motor für Wirtschaft und Wachstum. Sie zeigen Erfindungen und Neuerungen, bieten Wissen für die Massen, dienen der nationalen und kulturellen Repräsentation, beeinflussen Stadtplanung und Architektur, gelten als Kulturereignisse, dienen der Unterhaltung und dem Vergnügen.

Aus Ihrer Entwicklung entstand letztendlich die Definition: Die Weltausstellung, auch Exposition Mondiale beziehungsweise Expo oder World`s Fair, ist eine internationale Ausstellung, die sich in der Zeit der Industrialisierung als technische und kunsthandwerkliche Leistungsschau etablierte.

Sie repräsentieren extrem verdichtete und informationsergiebige Räume ihrer Zeit. Als internationale Foren fixierten sie, stets neu und Zeit bezogen, gesellschaftliche Zustände, wie

kaum eine andere Bühne oder ein anderes Mittel. Besonders wirkungsvoll unterstützt wurde dies anfänglich durch Themenhäuser, Demonstrationen und Aufführungen. Ein noch nachhaltigeres Erscheinungsbild lieferten die Weltausstellungen nach ihrem Verzicht auf einen vereinenden Messepalast, insbesondere durch die so genannten Staatenhäuser beziehungsweise ein Pavillonsystem.

Aus der recherchierten Literatur findet der Autor für die Darstellung der Weltausstellungen zu folgender Definition: „Weltausstellungen sind langfristig geplante Veranstaltungen mit internationaler Beteiligung von Nationen, Staaten und Staatengemeinschaften, Regionen, Organisationen, Institutionen, Religionen und Glaubensgemeinschaften, Personen, Gruppen Nationalitäten, Unternehmen, Industriezweigen und Wirtschaftsverbänden sowie Bildungseinrichtungen zum Zwecke weltweiter Kommunikation und öffentlicher Repräsentation in den Bereichen Gesellschaft, Geschichte, Kultur, Kunst, Gewerbe und Wissenschaft sowie Politik, Verständigung, Volkswirtschaft, Handel, Innovation, Vision und Zukunft der Menschheit.“

Alles begann 1851 in London mit einem so genannten Friedenstempel oder Tempel der erst beginnenden Friedens- und Freihandelspolitik, wie er ebenso genannt wurde.

Wenn auch in England die erste Weltausstellung stattfand, sieht sich Frankreich als der Ideengeber, neben nationalen auch internationale Industrieausstellungen durchzuführen. Die Franzosen hatten eine solche bereits für das Jahr 1849 geplant. Bedingt durch innenpolitische Schwierigkeiten scheiterte aber dieses französische Vorhaben.

Die historisch jüngste universelle Weltausstellung fand im Jahr 2000 in Deutschland in Hannover statt.

Aus dem Schrifttum heraus lassen sich die in diesen 155 Jahren stattgefundenen Weltausstellungen in vier Perioden einteilen, nämlich die im Zeitraum

- von 1851 bis 1889 das waren gewerblich-industrielle Expositionen,
- nach 1889 bis 1939 das waren national und ideologisch geprägte Expositionen,
- nach 1939 bis 1992 das waren unterhaltungsdominierte Expositionen und
- nach 1992 bis 2000 das war eine global orientierte Exposition.

Die Weltausstellung 1851 in London

Sehr gut vorbereitet begann am 1. Mai 1851 die Eröffnungsfeier der The Great Exhibition of the Works of Industry of all Nations. Vorbereitet wurde sie bereits seit dem 29. Juni 1849. London 1851 ist die erste Ausstellung mit internationaler Beteiligung und gleichzeitig die erste Weltausstellung .

Im Vorfeld stieß zunächst dieses Vorhaben, eine internationale Ausstellung auf britischem Boden auszurichten, auf Kritik. Die Gegner des Projektes befürchteten durch das Zusammentreffen zehntausender Menschen aus unterschiedlichen Kulturen den Ausbruch von Unruhen in London und Attentaten politischer Extremisten.

England ging es inmitten des 19. Jahrhunderts erstens darum, mit einer universellen und internationalen Exposition das Wachstum der englischen Wirtschaft, Industrie und Kunst sowie den britischen Nationalstolz der Welt zu demonstrieren und zweitens darum, einen Überblick über die auf der Welt produzierten Industrieerzeugnisse zu erhalten und dadurch das Mangelnde zu erkennen, aber auch drittens auch darum, allem weitere Anregungen für die Zukunft zu geben.

Diese erste Weltausstellung stand aber auch ganz im Zeichen der Politik, denn das Vereinigte Königreich verfolgte mit ihr mehr als nur die Durchführung einer Industriemesse, denn Großbritannien verstand es sehr gut, sich als Nation mit Weltmachtanspruch und als Vorbild für die Welt präsentierten.

Für die Vorbereitung, Finanzierung und Organisation dieser Weltausstellung wurde Ende des Jahres 1849 eine vierundzwanzigköpfige Royal Commission bestellt. Den Vorsitz hatte der Prinzgemahl Albert (1819 bis 1861) von Königin Viktoria von England, die Königin von Großbritannien und Irland von 1837 bis 1901 und Kaiserin von Indien von 1876 bis 1901 war.

Prinz Albert von Sachsen-Coburg-Gotha war nicht nur ihr einflussreichster Berater in der Innen- und Außenpolitik, sondern er zeichnete sich auch als ein sehr engagierter Förderer der Künste und Wissenschaften aus. Ihm ging es aber auch darum, mit der Architektur eines universellen Ausstellungspalastes die Darstellung der Einheit der Menschheit auszudrücken. Dafür wurden 254 Entwürfe, 253 aus dem In- und Ausland sowie ein eigener der Planungskommission, eingereicht. Sie wurden alle verworfen auch der qualifizierte des Franzosen Hector Horeau. So verhinderte englisches Prestigebedürfnis einen französischen Palast.

Den Auftrag erhielt aber Paxton für seine brillante, revolutionierende und futuristische Idee, die er genau zum richtigen Zeitpunkt hatte. Er verwendete für seinen Bau, dies darf an dieser Stelle doch einmal so bezeichnet werden, dieselben Prinzipien, die er schon als Chefgärtner beim Herzog von Devonshire, der Grafschaft in Südwestengland, zwischen dem Kanal von Bristol und dem Englischen Kanal gelegen, für das Lilienhaus des Duke of Devonshire in Chatsworth angewandt hatte.

Seine Inspiration kam aus der Natur, wobei er seinen schöpferischen Einfall vom Blattaufbau der südamerikanischen Seerose Victoria regia bekam. Und er war auch der Einzigste, der, gegenüber allen eingereichten Entwürfen, dem Programm der Royal Commission, voll entsprach:

1. Umschließen eines größtmöglichen Flächenraumes mit verhältnismäßig geringen Kosten.

2. Die vom Gebäude eingeschlossene Fläche soll ein soviel als möglich geteiltes Ganzes

bilden, da im Voraus nicht zu bestimmen sei, nach welchen Verhältnissen der Raum für

die unterschiedlichsten Ausstellungsgegenstände verteilt wird.

3. Die auf dem Bauplatz stehenden Bäume sollen möglichst verschont bleiben.

Begonnen hat dies alles am 11. Juni 1850 mit einer Löschblattskizze, die der Landschaftsgärtner und Gewächshauskonstrukteur Joseph Paxton (1801 bis 1865) während einer Sitzung der Midland-Mailway-Companie, deren Direktor er nach 1838 geworden war und für die er auch im Auftrag vom Herzog von Devonshire tätig war, anfertigte. Die schnell folgenden Detailpläne, baureif erarbeitet von einem von ihm geleiteten Expertenteams gestatteten es, am 01. August 1850 mit den Gründungsarbeiten zu beginnen.

Die erste gusseiserne Säule wurde am 26. September 1850 aufgerichtet. Im genannten Monat waren auf dieser Baustelle nur 39 Arbeiter tätig und ab Dezember 1850 belief sich die Zahl der Beschäftigten rund 2.000. So konnte am 31. Januar 1851 der Ausstellungspalast für die erste Weltausstellung übergeben werden. Damit war der Grundstein für einen Triumph ohnegleichen für den Eröffnungstag der Weltausstellung nur zehneinhalb Monate nach Planungsbeginn und nur vier Monaten Bauzeit am 01. Mai 1851 gelegt.

Die von ihm vorbereitete Expo London 1851 fand vom 01. Mai 1851 bis 11. Oktober 1851 im

bekanntesten Londoner Landschaftsgarten, dem Hyde Park, auf Grund seiner günstigen, zentralen Lage und attraktiven Umgebung auf einer Fläche von 10,5 Hektar statt, wobei die Teilnehmer aller Länder in einem Pavillon, einer gewaltigen temporären Ausstellungshalle, ihre Exponate vorstellten.

Bis 1536 war dieser Park im Besitz der Westminster-Abtei, danach nutzte ihn der ehrgeizige und kühne Heinrich VIII. (1507 bis 1547) als Jagdrevier, Anfang des 17. Jahrhunderts wurde er für das Publikum geöffnet und 1730 entstand der kultivierte Landschaftsgarten mit einem künstlichen See The Sepentine. Dieses Gelände stellte der Staat kostenlos für die Weltausstellung zur Verfügung.

Feierlich eröffnet wurde diese Universalausstellung im für diese Exposition von Paxton geschaffen Kristallpalast, wie vorgesehen, pünktlich 12.00 Uhr am 01. Mai 1852 in Anwesenheit von Königin Victoria, die nach dem Tod des König von Großbritannien und Irland und König von Hannover (1830 bis 1837) - Wilhelms IV. (1765 bis 1837) - 1837 als seine 18-jährige Nichte ihre Thronbesteigung hatte, und ihrer Familie sowie ihrem engeren Hofstaat.

Zeitzeugen bezeichnen sie als eine sehr würdevolle Eröffnung mit 25.000 erwartungsvollen Zuschauern in den Seitenschiffen des Kristallpalastes. Ihre Ankunft war begleitet von Kanonendonner, Fanfarenstößen und den Hochrufen der wartenden Menge auf dem Weg zum und im Palast. Sie glich einem besonders festlichen Gottesdienst, der drei herausragenden Zeremoniells besaß, nämlich das Gebet des Erzbischofs von Canterbury, das Halleluja hunderter Londoner Chorsänger aus Händels Messias und den Prozessionszug durch den Crystal Palace begleitet von festlicher Musik.

Paxtons Leistung findet sogar Würdigung in den Tagebuchaufzeichnungen von Königin Victoria, die da schrieb:

Als wir die Mitte des Gebäudes betraten, eröffnete sich ein magischer Anblick – so geräumig, so glorios, so ergreifend.

Den Grundstein für eine solche Ehrung hatte sich der geistige Kopf dieses Gebäudes selbst gelegt, indem er die Nutzfläche in seinem Einraum-Palast durch integrierte Emporen wesentlich erhöhte und damit den Innenraum auch wesentlich imposanter gestaltete. Sein gewähltes Stützenraster von 24 Fuß (7,32 Meter) sicherte einerseits eine Gewichtsbegrenzung und schuf andererseits eine besser Bauästhetik.

Während der 164 Öffnungstagetage, der von britischen Geschäftsleuten privat finanzierten Exposition, erfolgte in dem vom Staat kostenlos zur Verfügung gestellten Ausstellungspalast ein erster internationaler Leistungsvergleich von England mit fünfzehn britischen Kolonien und 25 weiteren teilnehmenden Ländern zum erzielten Stand der Technik auf der Welt, welchen sich 6.039.195 Besucher anschauten.

Das Programm der universellen Bestandsaufnahme des materiellen und geistigen Fortschritts im damals Industrialisiertesten Land der Erde umfasste die Darbietung in sechs Warengruppen, nämlich Rohstoffe und Fertigwaren, Maschinenwesen, Manufakturwaren, Metall- und Irdenwaren, Holz- und Steinfabrikate, sowie Kurz- und Gemischtwaren sowie Schöne Künste.

Alles war gegliedert in insgesamt 30 Klassen. Präsentiert wurden von 17.062 Ausstellern 32.612 Exponate. Rund 8.200 Aussteller kamen allein aus England. Dafür standen rund dreizehn Kilometern Ausstellungstische auf 92.200 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Aus dem damals noch rückständigen Deutschen Zollverein waren 1.563 und aus den USA über 500 Aussteller vertreten, die ihre Exponate feilboten. Auf Verdienst der Ausgestalter dieser Expo fanden auch zwei internationale Kongresse, der vierte internationale Kongress über den Frieden und die Versammlung der evangelischen Gesellschaft Genf, mit guter Resonanz sowie zahlreiche Konferenzen statt.

Als die hervorzuhebendsten Neuheiten sind der Telegraph und der erste Plastikstuhl aus vulkanisiertem Kautschuk zu nennen. Schon damals zeigte eine englische Firma eine erste Anlage zur Bewetterung mit sauberer, warmer Luft von Räumen und/oder ganzer Gebäude. Aus den USA stammte eine Mähmaschine, die den heutigen modernen Erntekombines schon sehr nahe kam.

Auch Kurioses war anzutreffen, wovon hier ein Exponat genannt werden soll, nämlich, dass das erste Stahlhaus Englands einen Gussstahlblock mit einer Masse von 250 Kilogramm und mit großer Aufschrift Monster Bloc ausstellte, und ein renommiertes Gießereiunternehmen schaffte es bis zum Beginn der Expo einen 2.500 Kilogramm schweren Gussstahlblock mit kleiner Schrift Little Bloc zu zeigen. Es war ein Gigantenscherz, der Langzeiterheiterung mit sich brachte.

Breiten Raum auf dieser ersten Weltausstellung nahmen auch die Erzeugnisse des Eisenhüttenwesens ein. So wurde im Mutterland der Weltausstellungen und industriellen Revolution ein sensationelles Sachzeugnis von Paxton geschaffen, ein Ausstellungsgebäude, auch als Prototyp des allumfassenden Ein-Gebäudes bezeichnet, in der architektonischen Form eines überdimensionalen dreifach abgestuften Gewächshauses, das erste ganz aus Eisen, Glas und Holz, den Crystal Palace.

Er wurde entsprechend des Zieles der ersten Weltausstellung als Friedenstempel bezeichnet. Und von Kritikern der Weltausstellung wurde er auch als Tempel zur Anbetung des Kommerzes betitelt.

Der Kristallpalast war aber auch so groß, dass in ihm eine 32,9 Meter hohe ausgewachsene Ulme beim Bau erhalten werden konnte und Maschinen in Betrieb Platz fanden. Mit der Firma Fox & Henderson Co. entstand dieser Kristallpalast in nur 104 Tagen.

Das konnte nur verwirklicht werden, da für den Bau standardisierte, leicht montierbare Bauteile zur Verfügung standen. Damit wurde auch gleichzeitig der Nachweis für die wirtschaftliche Anwendung der Methoden der industriellen Produktion und der Vorfertigung

im Bauwesen erbracht.

Es war ein Baukörper, der eine Länge von 563 Meter und Breite von 122,40 Meter hatte, wobei das Mittelschiff 21,60 Meter und das Querschiff-Tonnengewölbe 33,0 Meter sowie die zwei inneren Seitenschiffe 12,80 Meter und die zwei äußeren 6,71 Meter hoch waren. Das Mittel- und Querschiff hatte mit 22 Metern die größte Spannweite aufzuweisen. Eine frei unterteilte Ausstellungsfläche von rund 74.000 Quadratmetern wurde durch eine einbezogene 20.000 Quadratmeter große Galerie ergänzt.

Auf dekorative Elemente verzichtete der Konstrukteur. Er setzte auf eine wirkungsvolle farbliche Gestaltung. So ließ er für die Bauelemente im Inneren die Farben weiß, rot, blau und gelb sowie im Äußeren in hellem Blau verwenden. Als Baumaterialien wurden 3.500 Tonnen Gusseisen für 3.230 hohle Säulen und 2.141 Träger, 358 Binder, 550 Tonnen Schmiedeeisen, 293.665 Glasplatten mit 83.238 Quadratmeter Fläche, 307 Kilometer Fenstersprossen, 170.000 Kubikmeter Holz, 46 Kilometer Dachrinnen und 55 Kilometer Abflussrohre. verarbeitet.

Wie sinnvoll mit Baumaterial schon damals umgegangen wurde, zeigt, dass der Fußboden des Interieurs ganz aus dem Holz gefertigt wurde, welches während des Baus als Umzäunung gedient hatte. Ein Rastersystem von 24 englischen Fuß, gleich 7,32 Meter, lag dem gesamten Gebäude zugrunde. Bei der Dachgestaltung hatte Paxton das von ihm entwickelte ridge- and furrow-principle angewandt. Dieses Dachfirst- und Hohlkehle-Prinzip auch Paxtonschen Dachtraufen genannt, sicherte mit Glastafeln von 1.200 Millimeter Höhe, 250 Millimeter Breite und 1,58 Millimeter Dicke eine Quadratmetermasse von nur 5,35 Kilogramm. Das Dach war für eine Last von 10,5 Kilogramm pro Quadratmeter ausgelegt worden.

Der Kristallpalast, die riesige Ausstellungshalle von strenger Funktionalität, die Sir Joseph Paxton für die erste Internationale Ausstellung in London 1851 errichtete und die nicht nur wegen ihres klaren, rationalen Entwurfs, sondern gilt auch wegen der neuartigen Verwendung vorgefertigter Bauelemente als Meilenstein der Ausstellungs- und Glasarchitektur. Es war damals ein Gebäude, dem keine andere Stadt der Welt Ähnliches an die Seite zu stellen hatte.

Der in Rekordgeschwindigkeit zur Great Exhibition 1851 in London errichtete Kristallpalast gilt als Inkunabel einer Eisen-Glas-Bauwelt.

Interessant ist, dass Paxtons Bau erstens bereits auch schon eine an die Dachkonstruktion anmontierte Berieselungsanlage zur eventuellen Brandbekämpfung besaß und zweitens, dass durch eine über das Glasdach gezogene Leinwand das einfallende Licht gebrochen wird und ein Schutz sowohl für Hagelschlag darstellte wie auch zur Kühlwirkung an heißen Tagen diente.

Da das konstruktive Gerüst des Kristallpalastes grundsätzlich untereinander mit Schrauben verbunden wurde, kam es den Forderungen einer Demontage und Wiederverwendung nach. So erhielt er auch in den Jahren 1852 bis 1854 im Hyde Park zu Sydenham, einem etwa neun Kilometer südlich von London gelegenen Vorort, seinen zweiten Standort. Erworben hatte ihn ein Privatmann zur hauptsächlichen Nutzung als Ausstellungshalle.

Der Grundriss von Crystel Palace II erfuhr dort durch das Hinzufügen zweier Querschiffe eine

geringfügige Veränderung. Die dortige Neuerrichtung soll Sir Joseph Paxton auch noch beaufsichtigt haben. Für seine Leistung bekam er nicht nur Würdigung sowie ein Honorar von 5.000 Pfund, sondern er wurde auch geadelt. Kurz danach wurde er Parlamentsabgeordneter für Coventry.

Paxton war ein Autodidakt, der sich sowohl den Gärtnerberuf wie auch das Konstruieren von großen Gewächshäusern und Glaspalästen beibrachte. Sein Wissen gab er auch literarisch weiter, in dem er mehrere Zeitschriften gründete, beispielsweise die Paxton´s Magazine of Botany. Des Weiteren schrieb er über die Dahlienzucht ein Lehrbuch und gab ein Botaniklexikon heraus. Im Jahr 1936 fiel dieser Bau, der ein Zeugnis für den hohen Stand der Gusseisenerzeugung vor rund 150 Jahren war, leider einem Brand zum Opfer.

Der Kristallpalast war ein Gebäude der Innovation, Superlative sowie von Ingenieurleistung. Des Weiteren zählt es mit zu den ersten Gebäuden, die die moderne funktionelle Architektur ausdrückt, aber auch zum Symbol der zeitgenössischen Fortschrittsgläubigkeit wurde. Diese riesige errichtete Ausstellungshalle von strenger Funktionalität, galt nicht nur wegen ihres klaren, rationalen Entwurfs, sondern auch wegen der neuartigen Verwendung vorgefertigter Bauelemente als Meilenstein der Ausstellungs- und Glasarchitektur.

Paxton bewies mit seinem phantastischen Palast nicht nur die Möglichkeit der Industrialisierung im Hallen- und Pavillonbau, sondern auch, dass nicht nur für die Ewigkeit gebaut werden muss. Auf Grund seines standardisierten Konstruktionssystems und seiner Formgebung sowie seiner Funktion und Materialien, wird der Crystal Palace als Ikone der modernen Architektur und futuristischerer Bau des 19. Jahrhunderts bezeichnet. Sie war auch der Initialzünder für weitere solcher futuristischen Kristallpaläste, nämlich dem in Dublin (1852/1853), dem in München (1853/1854) und viele Bahnhofshallen.

Gegliedert war die Ausstellung in vier Hauptgruppen: Rohstoffe, Maschinen, Fabrikate und angewandte Künste, die ihrerseits in dreißig Kategorien unterteilt wurden. Bedingt dadurch, dass die Expo industriellen Charakter haben sollte, fehlten in London die schönen Künste.

Hervorstechende metallurgische Erzeugnisse waren weiter hin eine gezeigte englische Eisenbahnschiene von 20 Meter Länge und ein Walzstab aus England von sechs Meter Länge

und 180 Millimeter Durchmesser. Alfred Krupp (1812 bis 1887) demonstrierte die Leistungsfähigkeit der Gussstahlproduktion aus Tiegeln mit einem 2.250-Kilogramm-Stahlblock und nahm damit eine Spitzenposition in dieser Branche ein.

Des Weiteren präsentierte das 1811 Krupp (1787 bis 1826) gegründete Essener Unternehmen ein Sechspfündergeschütz und einen 2.200 Kilogramm schweren Gussstahlzylinder, den zu dieser Zeit größten der Welt. Neben dem ältesten deutschen Stahlproduzenten Krupp erzielte auch das deutsche Unternehmen Siemens mit dem Zeigertelegraphen einen Prestigeerfolg. Beide Unternehmen wurden mit goldenen Preisen ausgezeichnet.

Hydraulische Pressen für das Schmieden und Stanzen einzusetzen konnten die Besucher der Weltausstellung 1851 auch erstmals betrachten. Gezeigt wurde eine von dem Schotten John Haswell (1812 bis 1896) konstruierte Vierzylinderpresse, die eine Kraft von 25 Millionen Newton aufbrachte, die für das Gesenkschmieden und Stanzen dünnwandiger, kleiner Gegenstände bestimmt war.

Für das ab 1791 an der Pariser Akademie der Wissenschaften von einer speziellen Kommission erarbeitete natürliche Maßsystem, welches für alle Zeiten und Völker anwendbar ist, hatten die Weltausstellungen, insbesondere beginnend 1851 in London, große Bedeutung für die Verbreitung des metrischen Maßsystem. In London schlugen die Mitglieder der Jury die Einführung eines einheitlichen Maßsystems mit einer Zehnerteilung durch

Vereinbarungen zwischen den Ländern vor. Und verhalf damit diese in Frankreich per Gesetz vom 04. Juli 1837 geschaffene Basis weltweit durchzusetzen.

Zu den Ersten zählten 1845 Piemont und 1849 Modena in Norditalien, im gleichen Jahr folgte Spanien, etwas später Mexiko, Venezuela, Kolumbien und Brasilien. 1864 war das System in England, 1866 in Amerika und mit der Maß- und Gewichtsordnung für den Norddeutschen Bund vom 17. August 1868 beziehungsweise mit dem Reichsgesetz zum 01. Januar 1872 in Deutschland gesetzliche Grundlage.

Aus den Aufzeichnungen über die Weltausstellung ist auch zu erfahren, dass als älteste deutsches Produkt, das je auf einer Weltausstellung gezeigt worden ist, die 1851 auf der ersten Expo in London ausgestellte Underbergs typische Kräuterlikörflasche gilt.

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass bereits ab der ersten Weltausstellung auch Bekleidung ein fester Bestandteil der Expositionen war. Gleiches trifft ebenfalls für das Hausgewerbe und die Volkskunst zu. Maßgeblichen Anteil an dieser Ausstellungsgestaltung 1851 in London, und insbesondere für die kanadische, dänische, ägyptische, schwedische und norwegische Abteilung, hatte der deutsche Baumeister und Kunsttheoretiker Gottfried Semper (1803 bis 1879), der aufgrund eines wegen seiner Beteiligung an der Revolution 1848/1849 erlassenen Haftbefehls über Paris nach London in die Immigration gegangen war.

Durch ihn und Henry Cole (1808 bis 1882), den Mitinitiator der ersten Weltausstellung, bekamen diese Ausstellungszweige ihre eigene individuelle Spezifikation und Ausstrahlung. Dabei kommt Semper das Verdienst zu, mit auffälliger Frische, lebendigeren Darstellungen, neuen Ideen, futuristischen Theorien, sowie einer neuen Ästhetik, die Aufmerksamkeit für diese Künste, ihre Attraktivität, unter Wahrung des historischen Erbes, sowie Aufwertung ihrer nationalen und regionalen Besonderheiten stark gefördert zu haben.

Seine von ihm im von ihm als Glas bedeckten Vakuum bezeichneten Kristallpalast gewonnenen Eindrücke sowie Auffassungen zur Volkskunst inspirierten ihn, dies unter dem Titel: Wissenschaft, Industrie und Kunst. Vorschläge zur Anregung nationalen Kunstgefühles bei dem Schlusse der Londoner Industrie-Ausstellung zu publizieren. Hierzu lehrte er auch an der aus dem Gewinn der Londoner Weltausstellung gegründeten Abteilung für Metall- und Möbeltechnik an der gebildeten Schule des Department of Practical Art.

Für England selbst hatte diese Expo noch weitere nennenswerte Auswirkung. Es war die Einrichtung eines Museums für Industrieerzeugnisse. Nicht nur für Großbritannien gilt die erste Weltausstellung als Wegbereiter für das Museumswesen, sondern sie gab auch die Initialzündung für die Kulturmuseen der Menschheit.

Woran es heute zum Teil noch bei mancher Ausstellung mangelt, hatten die Organisatoren der

ersten Weltausstellung mit ihrer strengen, aber gerechten Hausordnung im Griff. Auf der Expo waren Alkohol, Rauchwaren und Hunde verboten.

London war ein leidenschaftlicher, gelungener Auftakt für die World`s Fair und ein Erfolg im Streben nach Wissen, Bildung und Vergleich mit dem Prädikat ein Fest des Fortschritts und des Friedens gewesen zu sein.

Diese Expo war die erste und letzte, wo die Welt nur unter einem Dach ausstellte. Angemerkt sei, dass weder diese erste Weltausstellung 1851 in London, welche als Fest des Friedens durchgeführt worden war noch alle folgenden Expositionen leider nicht in der Lage waren, mit ihrem Ziel, den Frieden für immer und vielleicht für alle Zeiten zu sichern.

Der Erfolg Großbritanniens 1851 in London rief Nachahmer auf den Plan. So ließen die USA 1853 eine Weltausstellung in New York folgen. Da sie nicht mehr als ein dürftiges Plagiat der ersten Great Exhibitio of the Works of Industry off All Nations, die sich auch noch in einem exakten Nachbau des Londoner Kristallpalastes präsentierte. Sie geriet daraufhin auch in die sofortige Vergessenheit. In die Annalen ging aber Frankreich als zweites Ausrichterland ein.

Die Weltausstellung 1855 in Paris

Drei Dekrete des Kaisers Napoleon III., genannt Louis Napoléon, eigentlich Charles Louis Napoléon Bonaparte (1808 bis 1873), Kaiser der Franzosen (1852 bis 1870), bildeten die Grundlage für die vom 15. Mai 1855 bis 15. November 1855 an 185 Tagen in Paris auszurichtende Weltausstellung.

In kurzen Worten beinhalteten diese im Wesentlichen:

- Erstens – Frankreich gestaltet 1855 eine internationale Ausstellung von Erzeugnissen der Industrie und Landwirtschaft aus,
- Zweitens – alle Produkte menschlichen Schaffens sind mit den schönen Künsten zur

Schau zustellen, es ist die Erweiterung von der Industrie- zur

Universalausstellung zur Exposition Universelle umzusetzen und

- Drittens – lebende Tiere und lebende Pflanzen, dem Verderben unterworfene Tier- und

Pflanzenstoffe, explosive Präparate sowie solche Produkte, deren Umfang

die Grenzen der Ausstellung überschreiten würde, ist auszuschließen.

Somit bekam diese Weltausstellung auch den offiziellen Titel: Exposition Universelle des Produits de l´Agriculture, de l´Industrie et des Beaux-Arts de Paris, 1855.

Alle Vorbereitungen standen in Verantwortung des Monarchen, dem eine Kommission, gebildet aus zwei Gruppen, zur Seite stand, wobei die eine für die Industrie und die andere für die Kunst zuständig war.

Eigentlich sah der erste Erlass vom damaligen Prinz-Präsidenten Louis N. Bonaparte (1808 bis 1873) vom 08. März 1852 eine Eröffnung der Exposition zum 01. Mai 1855 vor. Da es aber bei der Fertigstellung von Gebäuden Verzug gab und bei der Anlieferung von Exponaten Verzögerungen auftraten, wurde kurzfristig, am 28. April 1855, der Entschluss gefasst, die Expo erst am 15. Mai 1855 zu eröffnen. An diesem Tag gab sie dann Kaiser Napoleon mit den Worten: Ich eröffne mit Freuden diesen Tempel des Friedens, der die Völker zur Eintracht auffordert, frei.

Sie waren nicht ganz ironiefrei, denn das Kaiserreich hatte sich zum Ziel gesetzt, London in mehrfacher Hinsicht zu übertrumpfen. Grund war, das französische Ziel, die Revanche pour Londres. Es war entstanden durch die Verstimmung Frankreichs, als Land mit einer über fünfzigjährige Ausstellungsgeschichte, nicht die erste Weltausstellung ausgerichtet zu haben. So wurde für die Ausstellung die beste Lage im vornehmsten Park von Paris für den Ausstellungsbau, die Camps Elysées, ausgewählt. Genauer gesagt, es war das Gelände Cours La Reine, Carré Marigny und Avenue Montaigne.

Für die Ausstellung wurden 15,2 Hektar freigegeben. Dem Organisationskomitee gelang es mit seiner Einteilung in sieben Gruppen mit 31 Klassen, die Exponate von 23.953 Ausstellern, wovon rund 12.000 aus Frankreich eingetragen waren, nicht nur breiter zu fächern, sondern auch durch die aus 31 Ländern plus neun französische Kolonien kommenden Aussteller, damit 5.162.230 Besucher anzuziehen. Auch auf Grund einer sehr großzügigen Ausgabe von Freikarten an die Jury, Aussteller, Beamten, Journalisten, Arbeiter sowie Militärs ist die erreichte Resonanz verständlich.

Für die Teilnahme der Deutschen an der Pariser Weltausstellung warb 1854 ein Rundschreiben der preußischen Behörden. Darin erinnerten sie an den deutschen Nationalstolz, es müsse Ehrensache sein, der sich auf dem Nationalreichtum gegründeten Kraft des Vaterlandes Geltung erringen zu helfen.

Leider schaffte es das Organisationskomitee nicht, internationale Kongresse zu organisieren. Auch auf der zweiten Weltausstellung 1855 in Paris waren es die für diese Exposition geschaffenen Bauwerke, wie der gewaltige Industriepalast, eine schmal wirkende Maschinenhalle und der Palast der Bildenden Künste, welcher sich an das zentrale Hauptgebäude anschloss, die die Aufmerksamkeit der Besucher und Aussteller auf sich zogen.

Der Industriepalast, mit einer Grundfläche von 28.085,76 Quadratmetern, der ursprünglich Palais Napoléon heißen sollte, und der als bleibender Pavillon gebaut war, bestand aus einer massiven monumentalen palastartigen Umbauung aus 25.000 Kubikmetern gelblichweißem Sandstein von 254,40 Meter Länge, 110,40 Meter Breite und 35 Meter Höhe.

Die Mauern der Außenfassade waren von 380 Bogenfenstern durchbrochen. Das halbrunde Dach aus Zinkblech und rauen Gussglasscheiben mit der Größe von 900 Millimeter Höhe, 490 Millimeter Breite und vier Millimeter Dicke des Palais de l´industrie wirkte gleich einem riesigen transparenten Zelt.

Das Kernstück eine Eisen-Glas-Konstruktion hatte eine Länge von 192 Meter sowie Breite von 48 Meter und war aus 24 handgeschmiedeten Gitterträgern von zwei Meter Höhe zusammengesetzt und untereinander waren diese wiederum durch 500 Millimeter hohe Gitterträger verbunden. Die Rippen des Mittelschiffes wogen 9.000 Kilogramm und die der beiden Seitenschiffe 4.500 Kilogramm.

Zum Abfangen des enormen Seitenschubes wurden große Bleiblöcke als Widerlager eingesetzt. Mittels Diagonalverstrebungen am Obergurt des Rippenbogens wurde die Längssteifigkeit sichergestellt. An den Ecken und in der Mitte der Längsfronten des Industriepalastes waren Pavillonbauten mit Eingängen und Treppenaufgängen integriert. Sie gliederten die Fassade. Damit hatte der Bau eine Überdachung von insgesamt 31.666,60 Quadratmeter.

Ein gewaltiges triumphbogenförmiges Tor La Porte Impériale bildete den Haupteingang. Um der hohen Anzahl der Ausstellungsbewerber nachzukommen, entstand die Galerie des Machines. Es war eine reine Maschinenhalle von 1.200 Meter Länge und nur 25 Meter Breite sowie 17 Meter lichte Höhe. In der Halle links- und rechtsseitig befanden sich auch zwei 600 Meter lange Galerien.

Das tonnenartig gewölbte Eisen-Glas-Dach trugen 400 achteckige gusseiserne Säulen. Frankreichs Bauten 1855 hoben sich von den Englischen 1851 davon ab, dass diese deutlich größer waren und größere freitragende Spannweiten besaßen.

Zum Unterschied zur ersten Weltausstellung in London wurden als erste Neuerung alle ausgestellten Maschinen in Bewegung gezeigt, wofür 30 Dampfmaschinen die Antriebskraft lieferten.

Dass die Exponate der Schönen Künste aus Malerei, Bildhauerei und Architektur ein eigenes Palais erhielten, war Frankreich zweite Neuerung. Es war als temporäres Gebäude konzipiert, ein Holz-Fachwerk-Bau mit exzellenter Gestaltung der Oberlichter, die einen blendfreien Lichteinfall sicherten. Entworfen hatte dieses Ausstellungsgebäude Lefuel, der Architekt Kaiser Napoleons III. war. Errichtet wurde dieses in der Avenue Montaigne zwischen schon vorhandenen Wohngebäuden.

Auf Initiative von Napoleon wurde eine dritte Neuerung ins Leben gerufen, nämlich, dass für die Lebensbedingungen der arbeitenden Klassen eine eigene Abteilung eingerichtet wurde. Mit dieser Exposition wurde auch die Entwicklung des Stahlformgusses für Gebrauchsgegenstände weiter belebt.

Jacob Mayer (1813 bis 1875), der bereits 1851 in London Zahnräder aus in Formen vergossenem Tiegelstahl ausstellte, zeigte in Paris mit der Firma Mayer & Kühne sowohl drei größere als auch mehrere kleine Glocken aus Stahlguss.

Eine von Krupp noch auf der Weltausstellung verlangte Materialprüfung belegt nicht nur die Schmiedbarkeit des Glockenmaterials, sondern schuf damit gleichzeitig die Basis für eine größere Anwendung des Stahlformgusses in der Technik. Sein Unternehmen stellte in Paris bereits einen 5.000 Kilogramm schweren Block vor.

Auf dieser Pariser Weltausstellung wurde der Welt wie auch einer großen Öffentlichkeit ein neuer Werkstoff vorgestellt. Es war das Aluminium, das von Henri Etienne Sainte-Claire Deville (1818 bis 1881) erstmals 1854 industriell auf chemischem Wege gewonnen wurde.

Nur Dank der finanziellen Unterstützung Napoleons III. konnte Sainte-Claire Deville eine große Experimentalfabrik errichten und somit schon auf der Pariser Weltausstellung von 1855 reines in Javel fabriziertes Aluminium in Barrenform vorstellen.

Gezeigt wurden außerdem eine Auswahl von ansprechenden Aluminiumfabrikaten wie eine geprägte Denkmünze mit dem Brustbild Napoleons III., Becher, Bestecke, kleine Gewichte, ein Wagebalken, Chronometer und Kinderservice.

Einer breiten Nutzung standen aber noch die hohen Herstellungskosten von 2.000 Gulden pro Kilogramm, die zu jener Zeit annähernd so hoch wie die des Goldes waren, entgegen. So waren die ersten für die Weltausstellung und auch danach hergestellten Aluminiumartikel alle noch teure Einzelanfertigungen.

Die Exposition Universelle schloss am 15. November 1855 mit einer prunkvollen Feier mit 30.000 Teilnehmern. Nicht nur diese, sondern auch die übrigen Besucher der Pariser Weltausstellung waren sich in der Meinung über diese einig, dass sie an Pracht, Umfang und Mannigfaltigkeit alles Bisherige von London übertroffen hat.

Die Weltausstellung 1862 in London

Die zweite Weltausstellung in London, der Hauptstadt Englands und des britischen Reichs sowie die zur damaligen Zeit die bevölkertste Stadt der Welt, hatte offiziell für 184 Tage, nämlich vom 01. Mai 1862 bis 01. November 1862 ihre Tore und Ausstellungshallen geöffnet. Sie trug den Titel: London International Exhibition on Industry and Art 1862.

Den Anstoß für diese dritte Internationale Exposition gab, wie schon für die erste 1851 stattgefundene Ausstellung dieser Art, der Königliche Verein für Kunst, Handwerk und Handel in London.

Ihre Planung begann im Jahr 1858 und ihr Baubeginn erfolgte am 09. März 1861. Der Standort dieser Expo war ein etwas über zwölf Hektar großes Gartengelände. Es war der an den Hyde-Park grenzende Kensington Gardens, exakt auf dem Areal der königlichen Gartenbaugesellschaft in Süd-Kensinton. Zusammen bilden diese Parks in London die größte Grünfläche der Stadt. Anfänglich lag die Organisation in den Händen der Royal Society of Arts, Manufactures and Trade und ab dem 14. Februar 1861 leitete durch eine Inkorporationsakte von Königin Viktoria ernannte Königliche Kommission alle Vorbereitungen.

Aus gesundheitlichen Gründen konnte sich ihr Gemahl Prinz Albert nicht mehr so engagieren, wie es für die Expo 1851 der Fall war.

Und trotz des Todes von Prinzgemahl Albert am 14. Dezember 1861, der heute weltweit als Nestor und geistiger Vater der Weltausstellungsidee gilt, begann die Ausstellung pünktlich am Donnerstag, den 01. Mai des Jahres 1862. Begründet durch die Trauer im englischen Königshaus, fand die Eröffnung ohne Ihre Majestät, ihrer Verwandten und ihren Hofstab statt. Ein leerer Thron und links und rechts aufgestellte Büsten der Königin und ihres verstorbenen Gemahls drückten den schweren Verlust für die Weltausstellung und Großbritannien aus.

Eröffnet wurde diese Weltausstellung deshalb am 01. Mai 1862 vom Duke of Cambridge.

Für die 27.466 eingetragenen Aussteller, dies waren rund 5.800 mehr als 1855 in Paris, die knapp 80.000 Exponate vorstellten, stand ein extra für diese London-Exposition konzipiertes von dem Architekten und Ingenieur der Gartenbaugesellschaft von Kensington Gore, Captain Francis Fowke (1823 bis 1865), geschaffener Ausstellungspalast in Süd-Kensingston zur Verfügung. Dieses bestand aus einem dauerhaften 350 Meter langen und 175 Meter breiten Gebäude und zeitweiligen Baukörpern. Mit seinen damals zwei größten Kuppeln der Welt war dieser Ausstellungsbau das Wahrzeichen dieser Exposition.

In nur elf Monaten Bauzeit wurde es von den Bauunternehmern Kelk und Lukas am 12. Februar 1862 termintreu übergeben.

Das durch eine filigrane Glas-Eisen-Konstruktion überdachte Hauptgebäude von 351 Meter Länge, 26 Meter Breite und 35 Meter Höhe, mit seinen ebenfalls 35 Meter hohen nach Norden und Süden gebauten Querschiffen besaß einen H-förmigen Grundriss. Und durch die zwei peripher über achteckigen Räumen angeordneten Eisen-Glas-Kuppeln von 49 Meter Durchmesser und 79 Meter Höhe erhielt der Bau sein Gepräge. Durch Annexen und die mit Glas überdachten Höfe wurde die Grundfläche des Gebäudes erweitert. Insgesamt überdeckte

der Ausstellungspalast eine Fläche von 6,5 Hektar. Mit den temporären Anbauten stand eine Gesamtausstellungsfläche von 125.393,19 Quadratmetern zur Verfügung.

Besucht wurde diese Exposition, auf der 36 Länder plus fünfzehn britische Kolonien vertreten waren, von 6.096.617 Interessenten, um erstens die Ausstellungsstücke aus Industrie und Kunst in Augenschein zu nehmen, zweitens diese zu betrachten sowie drittens sie auch zu bewerten. Diese herausgefundenen, hier mit veröffentlichen Zahlenangaben bezeugen auch den starken Magnetcharakter, der von London ausgegangen ist, den Stand der Technik und die Qualität der Erzeugnisse auf nationaler wie auch internationale Ebene demonstrieren zu können.

Vier durchgeführte gut besuchte internationale Kongresse trugen des Weiteren auch dazu bei, dass Neues, Wissen und Erfahrungen an die Interessierten weitergegeben werden konnte.

Auf dieser zweiten und letzten Weltausstellung in Großbritannien wurde durch Henry Bessemer (1813 bis 1898), dem Erfinder des Windfrischverfahrens und Begründer des Flussstahlalters im Jahr 1855, eine breite Palette von Flussstahlerzeugnissen vom Dampfkessel über Kanonen bis zum Rasiermesser gezeigt.

Sein nach ihm benanntes Bessemerstahlverfahren und seine damit erzeugten Bessemer-Stahl-Erzeugnisse waren nicht nur ein Highlith auf dieser Expo, sondern demonstrierten insbesondere der Fachwelt auch die Vorteile des nach dem Verfahrenserfinder in einem Konverter, der nach ihm benannten Bessemer-Birne, erzeugten Stahls:

- erstens den Wegfall der Handarbeit, wie sie beim Puddelstahlverfahren erforderlich ist,
- zweitens die damit verbundene sprunghafte Produktivitätssteigerung und
- drittens den Übergang zur großindustriellen Stahlerzeugung.

Erster Patentnehmer für dieses revolutionierende Stahlgewinnungsverfahren in Deutschland war Krupp, der fast zeitgleich mit der Weltausstellungseröffnung im Mai 1862 sein erstes Bessemerstahlwerk in Betrieb nahm. Auch Krupp brillierte wieder auf dieser Expo mit einem 20.000-Kilogramm-Gußstahlblock.

Russland legte der Welt offen, dass es in relativ kurzer Zeit auf dem metallurgischen Gebiet verstanden hatte, das Problem der Gewinnung großer und gleichmäßig zusammengesetzter Tiegelstahlgussstücke in anerkannter Qualität, höherer Widerstandsfähigkeit, vierzig bis fünfzig Prozent geringerem Materialeinsatz gegenüber geschweißten Rohstahl- und Eisenplatten sowie außerdem wesentlich billiger als Krupp-Stahl beziehungsweise in England produzierten herzustellen.

Es war der Bergingenieur P. M. Obuchow (1820 bis 1869), der ab 1854 Geschäftsführer der Slatowsker Waffenfabrik im Ural war, und der die von Pawel Petrowitsch Anossow (1797 bis 1851) aufgebauten Traditionen von vier Varianten für die Erzeugung des besten Kohlenstoffstahls, Damaszenerstahls, Gussstahls und Tiegelstahls bewahrte und weiterführte. Sein 1857 daraus entstandenes Projekt einer neuen Kanonengießerei mit 96 Schmelzherden von jeweils zwei 25-Kilogramm-Tiegeln lieferten homogene Tiegelstahlrohlinge bis zu einer Masse von 5.000 Kilogramm. Eine aus solchem Obuchow-Tiegelstahl hergestellte, mit 4.000

Probeschüssen getestete und ohne Materialfehler auf der Weltausstellung 1962 gezeigte Kanone wurde für ihre Stahl- und Produktqualität mit der verliehenen Goldmedaille sehr hoch bewertet.

Auch Neuigkeiten gab es aus der technischen Umrüstung der einzelnen Industriezweige. So zeigte Österreich aus der K. K. Landesbefugte Maschinenfabrik in Wien eine der in der Zeit von 1859 bis 1861 in diesen Eisenbahnwerken von J. Haswell (1812 bis 1896), welcher als der Begründer des österreichischen Lokomotivbaus anzusehen ist, gebauten sieben, zehn beziehungsweise eine Million Newton Gesenkschmiedepressen. Sie war geeignet, Teile für Dampflokomotiven, wie Kolben, Kreuzköpfe, Federn, Schellen und Kurbeln sowie anderer Großteile herzustellen.

Charakteristisch für die zweite Londoner Weltausstellung war, dass sie weniger stark durch neue Maschinen geprägt war, sondern auf ihr stand die Vorstellung von Detailverbesserungen im Mittelpunkt. Großes Augenmerk wurde der Präsentation von neuen Werkstoffen wie Kautschuk, Jute und Linoleum geschenkt. Neu war auch die Ausstellung von Naturprodukten einzelner Länder.

Ein besonderer Anziehungspunkt waren aber auch die vielen gezeigten Modelle von Nähmaschinen, insbesondere die von der noch heute weltweit bekannten amerikanischen Firma Singer. Isaac Meritt Singer (1811 bis 1875) stellte 1851 eine Nähmaschine der Öffentlichkeit vor, die als Weiterentwicklung der ersten Nähmaschinen aus den Jahren 1804 und 1846 gilt. Bei seiner Ausführung handelte es sich um die erste Nähmaschinemaschine mit Einzelfadentechnik, die auch über eine Kettenstichfunktion verfügte. Singer ließ sich seine Erfindung patentieren und gründete noch im selben Jahr die Singer Manufactoring Company in Boston. Mit ihr brachte er seine Entwicklung serienmäßig auf den Markt und für sie entstand national und international eine stetig steigende Nachfrage.

Zu dieser Zeit waren es die Maschinen, die nicht nur die Mechanisierung in die Haushalte brachte, sondern mit der mechanisierten Fertigung die Herstellung in der Bekleidungsindustrie revolutionierte. Nicht weniger beachtet wurde eine kombinierte Wasch-, Ausring- und Mangelmaschine, die von der Maschinenfabrik Richard Hornsby & Sohn vorgestellt wurde. Weitere technische Neuheiten waren die ausgestellten Druckereimaschinen und auch die Babbages Rechenmaschine, eine Entwicklung des britischen Mathematikers und Erfinders Charles Babbage (1792 bis 1871), der um 1835 den ersten programm- gesteuerten Digitalrechner entwickelte. In den Seitengebäuden, die nach der Expo wieder abgerissen wurden, waren hauptsächlich neueste Maschinen und landwirtschaftliche Geräte zu sehen.

Mit der Entsendung einer französischen zweihundert Mann starken Arbeiterdelegation auf die Expo 1862 in London, die von Napoleon III. initiiert, finanziert und organisiert wurde, stimmen die Historiker überein, am 28. September 1864 habe der Monarch den Gründungsanstoß zur Internationalen Arbeiter Association, der I. Internationalen gegeben.

Erwähnenswert ist noch, dass die bis zum 01. November terminierte Ausstellung um weitere fünfzehn Tage zum Verkauf der Ausstellungsgegenstände geöffnet blieb.

Nach Abschluss der Londoner Weltausstellung von 1862 weist die Bilanz der Expo-Kritiker folgendes Positives wie auch Negatives auf. Die Demonstration von Produktionsprozessen

und die zuschauerwirksame Ausstellung von Maschinen sowie die Popularisierung des technischen Fortschritts wurden einheitlich gewürdigt.

Dagegen als abträglich wurden empfunden die politischen Umstände, der Tod von Prinz Albert, die unzureichende Arbeit der Königlichen Kommission, die schlechte Presse, die fehlende Zuständigkeit für die Entsorgung von Verpackungen, die nicht ausreichende Platz- und Raumzuweisung für Aussteller, die unübersichtlichen Regelungen zum Besuch der Weltausstellung und die fehlende Ordnung.

Aber auch, dass die Exponate auf diese Expo mehr Masse als Klasse gewesen sein sollen. Dadurch wurde der Erfolg der Weltausstellung von 1851 leider nicht erreicht. Dies war die überwiegende Meinung der Fachkundigen, Beobachter, Berichterstatter, Historiker und Besucher. Überliefert ist auch, die Weltausstellung 1862 in London wäre ein zweiter platonischer Basar gewesen. Abträglich für die Meinungsbildung war auch die Tatsache, dass auf dieser Messe leider nur Waren gezeigt, aber nicht verkauft wurden.

Ein weiterer Wermutstropfen überschattet im Nachgang diese Weltausstellung. Prinz Alberts Vorhaben, das Ausstellungsgebäude nach der Expo als permanentes Museum zu nutzen, wurde vom britischen Parlament nicht gebilligt. So wurde das Gebäude abgebrochen und im Park Alexandra auf dem Muswell Hill als Konzert- und Festsaal aufgebaut.

Für die ersten drei Weltausstellungen in London 1851, Paris 1855 und London 1862 geht aus den recherchierten Quellen hervor, dass diese fast ausschließlich nur auf europäische und amerikanische Produkte konzentriert waren. Die Welt unter einem Dach war 1862 immer noch eine Vision.

Und für die Briten war es die letzte Universalausstellung auf der Insel, da zu der damaligen Zeit die englischen Industriellen mehr Chancen und Erfolge in der Ausrichtung von Fachmessen sahen. – Und heute?

Die Weltausstellung 1867 in Paris

Paris war 1867 erneut Gastgeber einer Weltausstellung, nämlich der vierten Expo, mit dem Titel: Exposition universelle de Paris 1867 und dem Inhalt Geschichte der Arbeit, welche vom 01. April 1867 bis 03. November 1867, also 217 Tage, geöffnet hatte.

Ihre gedankliche Geburtsstunde ist mit dem 05. Juni 1863 datiert. An diesem Tag schlug die französische Kommission für die Weltausstellung in London von 1862 in Auswertung dieser Exposition die Durchführung einer Weltausstellung in Paris im Jahre 1867 vor.

Ein kaiserliches Dekret Napoleon III. für diese Expo wurde bereits am 22. Juni 1863 gefasst. Und mit einem zweiten kaiserlichen Erlass vom 01. Februar 1865 wurde die gleichzeitige Integrierung einer Kunstausstellung, wie dies schon 1855 der Fall war, fixiert. Von diesem Tag an und bis zum 26. Mai 1865 arbeitete eine kaiserliche Kommission von 60 Mitgliedern, die in elf Spezialkomitees gegliedert war unter der Leitung von Prinz Napoleon, einem Cousin des Kaisers, an der Vorbereitung der Expo 1867.

Zu dem hochkarätigen Ausschuss der Beauftragten zählten auch drei Vizepräsidenten, nämlich Frankreichs Ministerpräsident, der Minister für Landwirtschaft, Handel und öffentliche Arbeiten sowie der Minister der Krone und der schönen Künste. Zum Generalkommissar wurde Frédéric Le Play (1806 bis 1882) berufen. Ab 22. Februar 1866 war durch kaiserlichen Erlass der neunjährige Kronprinz des Kaisers, Eugéne (1856 bis ), Ehrenpräsident der kaiserlichen Kommission. Damit lagen alle Aufgaben für die Vorbereitung dieser Weltausstellung in den Händen von Le Play.

Als Ausstellungsgelände war auf dem Champ de Mars, dem Aufmarschplatz des Militärs, ein 8,7 Hektar großes Areal dafür freigegeben worden, welches interessant bebaut und gestaltet wurde. Vor allem war dies der Ausstellungspalast, welcher von dem Architekten Frédéric Le Play, dem Generalkommissars der Weltausstellung, und dem Ingenieur Jean-Baptiste Krantz geschaffene wurde.

Frankreichs Ziel war es, der Welt in diesem so genannten modernen Kolosseum mit einer Grundfläche von rund 150.000 Quadratmetern den technischen und ökonomischen Fortschritt des Second Empire zu offerieren. Was unter anderen auch ein weiteres kaiserliches Dekret vom 12. Juli 1865 nach sich zog und damit das Reglement der Ausstellung regelte. So sah das Konzept, welches hauptsächlich die Handschrift des geistigen Schöpfers und Generalkommissars der Ausstellung, Frédéric Le Play, trug, ein Klassifikationssystem von zehn Gruppen für die Darstellung der Gebiete menschlicher Tätigkeit vor. Gegliedert wurde:

1. Kunstwerke,
2. Material und Anwendung der freien Künste,
3. Möbel und Hausgeräte,
4. Kleidung, Stoffe und andere Objekte, die von Menschen getragen werden,
5. Industrieprodukte und Maschinen zur Gewinnung von Rohstoffen,
6. Instrumente und Prozesse der angewandten Künste,
7. Nahrungsmittel,
8. Landwirtschaftliche Produkte,
9. Gartenbauprodukte und
10. Gegenstände zur Verbesserung der physischen und moralischen Lage der Völker.

Mit Senator Frédéric Le Play, ein ausgebildeter Bergwerks- und Hütteningenieur, der bereits 1855 die Federführung der Weltausstellung in Paris übernommen hatte und mit der Einrichtung der französischen Sektion auf der Weltausstellung in London 1862 beauftragt war, war diese zweite Pariser Weltausstellung eine auf allen Ebenen durch ihn überaus gut vorbereitete Exposition.

Le Play, der bis 1854 an der Ecole des mines als Professor und in Ernennung zum Inspecteur général de l`Ecole des mines lehrte, der auch acht Sprachen beherrschte und durch viele Reisen Europas Länder gut kannte, war, im modernen Sprachgebrauch formuliert, ein Allroundman. Denn es gab in der Vorbereitung und Durchführung der Expo weder ein Gebiet noch Detail, welches nicht von ihm geprägt war.

Bemerkenswert war weiterhin, dass er als Generalkommissar eine Bezahlung dafür ablehnte und das es ihm darüber hinaus auch für die Vorbereitung und Durchführung der Weltausstellung gelang, fast nur ehrenamtliche Mitarbeiter zu engagieren. Von 5.250 gewonnenen Kräften wurden nur 174 entlohnt. Bezahlt wurden auch die für die Expo angestellten 400 Wachmänner.

Eröffnet wurde diese Expo ohne Ansprache am 01. April 1867 um 14.00 Uhr, als Kaiser Napoleon III. und seine Gemahlin die feierliche Promenade durch einige Teile des größten Palastes unserer Zeit, welcher größer als das Colosseum des alten Rom, zwischen 70 und 80 n. Chr. erbaut, als der gotische Sankt Peter Riesendom in Regensburg, zwischen dem 13. und 16. Jh. errichtet, als die Riesenfestung Alhambra aus dem 12. bis 15. Jh. der Nasridenherrscher in Granada oder als die zwischen 1563 und 1584 von König Philipp II. (1527 bis 1598), Regent von Spanien von 1556 bis 1598, erbaute Klosterresidenz San Lorenzo el Real de El Escorial, vollführte.

Im Palastbereich des Kaiserzuges waren nur geladene Gäste zugelassen und das Eintrittsgeld von 20 Franken pro Person und Tag regelte von selbst, dass an dieser außergewöhnlichen und vornehmen Eröffnungsfeier nur ein standesgemäßes Publikum teilnahm.

Diese Eröffnungszeremonie war aber von einer so genannten gedämpften Euphorie begleitet. Gründe dafür waren nicht nur das angespannte nationale und international politische Klima sowie eine belegte Stimmung in der Ausstellungskommission, sondern auch die unaufgeräumte Situation in der gesamten Ausstellungshalle. Letzteres war dadurch gekennzeichnet, dass ein Großteil der Hallenfläche durch zu spät angelieferte Kisten und nicht ausgepackte Ausstellungsgegenstände belegt war und alle Exponate sich noch nicht an ihrem festgelegten Platz waren.

Ein abgeschlossenes Baugeschehen, eine Vollständigkeit bezüglich ihrer Aussteller und Ausstellungsstücke sowie ein ungehinderter Zugang zu allen Abteilungen und Dependancen dieser Expo waren ab dem 30. Mai 1867 gegeben.

42 Länder plus elf französische Kolonien mit 52.200 Ausstellern, davon kamen rund 15.660 aus Frankreich, zogen zur Bewunderung ihrer Produkte über 11.000.000 Besucher, teilweise wird über bis zu 15.000.000 Interessenten berichtet, an.

Es gab aber auch Positives. Besonders publikumswirksam auf dieser Expo war, dass auf ihr nicht nur Fertigerzeugnisse zum Vergleich angeboten wurden, sondern auch deren

Herstellung und somit die Arbeitstätig der Menschen dafür Berücksichtigung fand. In einer Vielzahl speziell für die Expo eingerichteter so genannter Produktionsstätten von Betrieben, Einrichtungen, Niederlassungen und Anlagen wurden den Besuchern, deren Exponate in zehn Gruppen und 95 Klassen eingeordnet waren, schnell und präzise, handwerklich oder maschinell hergestellt, wie Schmuck und Schmuckwaren, Modeschmuck, Kunsthandwerk, Gebrauchsgegenstände, Schuhe, Borten, Kämme, Portemonnaies, Billardbälle, Korbwaren, Spielkarten, Pomaden, Bonbons, optische Gläser, Druckerzeugnisse, Zeichnungen, Hüte und vieles andere mehr auch zur Kauf angeboten. Nicht zu übersehen war dabei auch eine kleine Druckerei mit Setzerei, Schriftgießerei, Kupferätzerei und Kupferstecherei.

Da es sich um einen ganz besonderen Ausstellungspalast handelte, soll er hier etwas näher vorgestellt werden.

Das so genannte Grüne Licht durch den Senat gab es für den Ausstellungspalast am 04. Juli 1865.

Der Baubeginn für die Erdarbeiten begann mit einer Verzögerung von sechs Wochen Ende Oktober 1865. Sie hatten einen Arbeitsumfang von 350.000 Kubikmetern, die von durchschnittlich 900 Arbeitern ausgeführt wurden. Eine gleichgroße Zahl an Arbeitskräften bewältigte die Maurerarbeiten für das Mauerwerk unter der Erde mit einem Arbeitsumfang von 32.000 Kubikmetern. Das Mauerwerk über der Erde hatte einen Arbeitsumfang von 10.200 Kubikmetern.

Die Grundsteinlegung für den Ausstellungsbau und das Aufrichten des ersten großen Pfeilers der Maschinengalerie fand am 03. April 1866 statt. Kurz nach dem Baubeginn sollen bis zu 1.500 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt gewesen sein. Die Eisenkonstruktion aus Schmiede- und Gusseisen bestehend, hatte einen Arbeitsumfang (Liefern, Montieren und Streichen) von 13.500.000 Kilogramm. Im Einzelnen eingeschlossen waren die Errichtung von694 schmiedeeisernen Pfeilern, 636 gusseisernen Säulen, sechs Millionen Nietungen und fünfzehn Millionen Nietbohrungen. Abgeschlossen waren alle Bauarbeiten Ende November 1867. So konnten die Aussteller, wie vertraglich festgehalten, ab dem 15. Januar 1867 den Einzug vornehmen.

Zeitgenossen bezeichneten den Ausstellungspalast nicht nur als einen sehr funktionalen Bau, da bei ihm auf auffallende Inschriften, Verzierungen, Fassade und pompöse Eingänge verzichtet wurde, sondern auch als ein außerordentliches wirtschaftliches Gebäude, weil jahreszeitlich bedingt auf eine Beleuchtung und Beheizung verzichtet werden konnte. Als sehr vorteilhaft trat in Erscheinung, dass alle Exponate zu ebener Erde rez-de-Chaussee gezeigt wurden, was sowohl die Besucherresonanz erhöhte wie auch den An- und Abtransport der Exponate erleichterte.

Seine Form glich einem riesigen Oval von 494 Meter Länge und 384 Meter Breite, welches von sieben Ausstellungshallen durchzogen wurde, wobei die Maschinengalerie mit einer Stützweite von 35 Meter, bei einer Höhe von 25,80 Meter und 1.200 Meter Länge, mit rund 1.000 über neun Meter hohen Fenstern, den bedeutendsten Teil bildete.

Schmiedeeiserne Dachbinder dienten für die gläserne Überdachung. Diese waren als Korbbögen ausgebildet. Sie wurden in 19 Meter Höhe von 25,45 Meter hohen Pfeilern aufgenommen. Achtundachtzig eiserne Joche, wie Pfeiler, Kronbogen, Zugbinder, gaben dem Ganzen ihren Halt. In der Mitte dieses Ovals befand sich in fünf Meter Höhe auf gusseisernen Stützen ein Gang, an dem unten, die die Maschinen antreibenden Transmissionen befestigt waren und von dem von oben aus ein ausgezeichneter vergleichender Überblick über die ausgestellten Maschinen gewonnen werden konnte.

Ein Novum für eine Maschinenhalle der Weltausstellung war auch, dass erstmals in eine solche hydraulische Aufzüge, konstruiert von Léon Èdoux, eingebaut worden waren. Die Besucher hatten somit vom Dach aus die Möglichkeit sowohl die gewaltigen Abmessungen des Kolosseums wie auch das große Weltausstellungsgelände sowie Paris, die Stadt an der Seine, wahrzunehmen. Für den Gesamtbau wurden 13.500 Tonnen Eisen verbraucht, 6.000.000 Niete von Hand eingeschlagen, 52.000 Kubikmeter Mauerwerk verarbeitet, 64.700 Quadratmeter Wellblech, 50.100 Quadratmeter vier Millimeter dickes Glas und 53.000 Quadratmeter Bretterverschalung mit Zinkdeckung benötigt.

Für die Fundamente der sich von außen nach innen verkleinernden Ovals wurde erstmals Beton, bestehend aus Zementmörtel und Bruchsteinsplitt, verarbeitet. Sie zeigten in der äußeren, offenen Galerie Nahrungsmittel und Getränke, es folgten die große Maschinengalerie mit den Industriemaschinen, und die Galerien für die Rohstoffe, Bekleidungsindustrie, Möbelindustrie und Haushaltwaren, Bildende Künste und Kunstgewerbe, Historisches zur Geschichte der Arbeit.

Von 16 durchgehenden radialen Gängen wurden die Ausstellungsovals in tortenförmige Segmente für die teilnehmenden Nationen unterteilt. Im innersten 5.100 Quadratmeter großen nicht überdachten ovalen Bereich, dem Jardin Central, einem Ort zum Verweilen und der Ruhe, befanden sich ein Palmengarten mit Plastiken und zwei Themenpavillons zu Währungen, Maßen, Gewichten verschiedener Länder sowie deren Umrechnungsverfahren.

Durch das große Interesse, was die teilnehmenden Nationen dieser Pariser Weltausstellung entgegenbrachten, entstanden im großzügig angelegten rund 46 Hektar großen, zum Gesamtgelände gehörenden Ausstellungspark, von vielen Ländern eigene Pavillons.

In dem Kolosseum vor gelagerten herrlichen Expo-Park nutzten die ausstellenden Länder diesen speziell für eine völkerkundliche Schaustellung sowie den Bau ihrer landestypischen Gebäude und Einrichtungen sowie Gegenüberstellungen von Gebäuden aus unterschiedlichen Ländern zum Wohnen der Arbeiterschaft weitere individuelle Ausstellungsbauten.

Dies war das erste Mal, wenn auch unsystematisch, dass auf einer Weltausstellung Bauten mit national geprägten Architekturelementen, errichtet worden waren. Berichtet wird über annähernd 227 entstandene Häuser, wobei der parc étranger mit seinen 175 Gebäuden als Ausgangspunkt der ethnographischen Dörfer und historischen Ensemble gilt. Er wurde entsprechend der Flächennutzung in vier Quartiere gegliedert und somit als französisches, englisches, belgisches und deutsches Viertel benannt.

Frankreich hatte eine gotische Kathedrale aufgebaut und England mit einer elektrischen Bogenlampe betriebenen Leuchtturm, der nachts den Himmel über Paris erleuchtete. Ein englischer Pub und eine österreichische Weinstube waren auch dabei.

Frankreich hatte eine gotische Kathedrale aufgebaut und England mit einer elektrischen Bogenlampe betriebenen Leuchtturm, der nachts den Himmel über Paris erleuchtete. Ein englischer Pub und eine österreichische Weinstube waren auch dabei.

Im englischen Areal entstanden unter anderem ein Kuppel überwölbter tunesischer Palast, das Modell des Suezkanals sowie einem Maurischen Pavillon mit einem typischen maurischen Bad. Und auf dem ägyptischen Terrain im Quartier Anglais waren orientalische Pavillons und Gärten, das Palais des Vizekönigs, eine Moschee, ein Tempel aus der Pharaonenherrschaft, die Replik des Tempels von Philae, arabische Zelte, eine Karawanserei mit echten Kamelen, ein Café, ein Bazar zu sehen. Im orientalischen Bereich standen auch ein Minarett, ein Haus eines Paschas, traditionelle orientalische Wohnhäuser, ein tunesisches Kaffeehaus. Zum Flair des Orients gehörte die Rue de Caire und zu dem exotischen Asiens trugen ein japanischer Kiosk, ein chinesisches Haus und ein asiatischer Palmenpavillon. Das Fremdländische komplettierte ein mexikanischer Tempel.

Den Maurischen Pavillon der Weltausstellung erwarb König Ludwig II. von Bayern (1845 bis 1886) , König von Bayern (1864-1886), und ließ diesen im prunkvollen Schloss Linderhof wieder aufbauen.

China wartete mit einen nach gebautem Manchu-Sommerpalast auf, wo traditionelle Teezeremonien stattfanden und echt chinesische Theaterstücke aufgeführt wurden.

Russland protzte mit einem ganzen russischen Dorf aus hölzernen, mit ihren reichlichen und phantastischen Schnitzereien verzierten Bauernhäusern sowie Stallungen, worin die echten russischen Lebensweisen zu erleben waren. Kosaken und Tscherkesen tanzten, Bauernkapellen spielten auf, Stutenmilch und textile Spitzen konnten gekauft werden. Ein Meilenanzeiger vor einem kleinen Zollhaus gab die Entfernung bis St. Petersburg an. In zwei Zelten wurde das Leben zweier russischer Nomadenvölker, der sibirischen Jakuten und der kirgisischen Jurte, widergespiegelt. Russlands Landleben zeigten zwei naturgetreue Isbahns.

Im Quart Alemand wurde eine originalgetreue Lapplandhütte gezeigt. Norwegen präsentierte ein landestypisches Holzhaus, die Schweiz war mit einer alpenländischen Sennhütte vertreten. Schweden stellte eine idealisierte Kopie des Hauses von Ornäs in der Provinz Darlane beziehungsweise Dalekarelien vor, wo in einem solchen sich nach der Überlieferung der schwedische Nationalheld Gustav Eriksson Wasa (1496 bis 1560), der König von Schweden von 1523 bis 1560 war und unter dem Schweden ein unabhängiger Staat wurde, vor den Dänen verborgen haben soll, die er an der Spitze eines schwedischen Heeres 1523 besiegt und vertrieben hatte.

Österreich-Ungarn, der Kaiserstaat, präsentierte sich mit allen Teilen der k. u. k. Monarchie mit großen Tiroler und Steirischen Holzhäusern, Bauernhäuser aus Galazien, Oberösterreich und der Walachei sowie einer ungarischen Csarda der Pussten.

Im niederländischen Areal gab es eine Meierei und eine Dampfbetriebene Diamantenschleiferei. Mit einem pompejanischen Tempel war Italien vertreten.

All diesem schloss sich ein 50.000 Quadratmeter großer Erholungspark mit einer Oase, mit einheimischen und fremdländischen Laub- und Nadelbäumen, Wiesen, Blumen, Grotten, Kaskaden, kleine Seen, Gewächshäusern mit Pflanzen tropischer und subtropischer Länder,

Palmen, Riesenfarne, Wasserpflanzen, Orchideen, Aquarien mit Süß- und Meerwasserbewohnern, eine bunt schillernde, singende, zwitschernde Vogelwelt in großräumigen Volieren.

Im Ausstellungspark führten die Araber exotische Tänze, Sitten und Gebräuche vor. Und mutige Besucher konnten von einem Turm mit dem Fallschirm springen. Rund um den Ausstellungspalast fanden abends bei Gaslicht bis 23.00 Uhr Veranstaltungen und ein reges Treiben statt.

Da 1867 das Marsfeld noch relativ weit vom Stadtzentrum Frankreichs Metropole Paris entfernt lag, brachte diese Geländeauswahl auch einen Innovationsschub für die damaligen Verkehrsmittel mit sich. Beispielsweise bewirkte dieser Umstand, dass Eisenbahnen, Dampfschiffe, Pferdeomnibusse, Kutschen. Chaisen und Droschken moderner und leistungsfähiger gebaut waren, wie nie zuvor.

Auf dem Ausstellungsgelände konnten die Besucher mit Dampf betriebenen Bussen oder kleineren Fuhrwerken zu ihren Zielen gelangen. Wer mit dem Ballon und/oder dem Schiff eine Fahrt unternahm, der konnte ein einzigartiges Expo-Panorama genießen.

Fortschrittliches war auch auf dem Gebiet der Motorisierung mit fahrbaren Dampftraktoren zu sehen. Anziehungspunkt war beispielsweise eine mobile Dampfmaschine von Ransomes et Sims. Bestaunt wurde auch ein Gasmotor von dem französischer Motorenbauer und Mechaniker Jean Joseph Étienne Lenoir (1822 bis 1900 ). Er war es auch, der bereits 1860 den ersten betriebsfähigen Gasmotor, den sich der deutscher Maschinenbauer und Unternehmer Nikolaus August Otto (1832 bis 1891) zum Vorbild für seinen 1877 Otto-Motor nahm, entwickelt und gebaut hatte.

Als vielfach noch bedeutender wird die durch die deutsche Firma Siemens & Halske dargebotene anspruchsvolle innovative Produktpalette angesehen. Dies sind insbesondere Erzeugnisse aus den Bereichen Telegraphie, synthetische Isolationsmaterialien, wie Guttapercha, eine elastische gummiartige Substanz, unter anderen auch eine geniale Siemenserfindung, wie auch der Zeiger- und Drucktelegraph von ihm.

Von diesem Unternehmen wurde in Paris 1867 auch die 1866 von Ernst Werner von Siemens (1816 bis 1892), dem deutschen Ingenieur, 1847 Unternehmensmitbegründer sowie preußischer Artillerieoffizier (1838 bis 1849), getätigte revolutionierende Erfindung der Dynamoelektrischen Maschine zur ununterbrochenen wirtschaftlichen Stromerzeugung der Welt vorgestellt. Damit begann ein neues Zeitalter der Elektro- und Energietechnik. Ernst Werner von Siemens gilt weltweit somit als Begründer und Nestor der Starkstromtechnik.

Eine elektrotechnische Novität stellten auch die 50 Meter hohen elektrischen, als Leuchttürme gestalteten Beleuchtungssysteme dar. Auch der amerikanische Maler und Erfinder Samuel Finley Breese Morse (1791 bis 1872) und die Neuentwicklungen der Telegraphentechnik zogen viele Besucher an.

Die ersten 1856 durch die Chemiker Sir William Henry Perkin (1838 bis 1907) aus England und J. Natanson (1832 bis 1884) aus Polen hergestellten synthetischen Farbstoffe auf Anilinbasis hatten so an Bedeutung und Produktionsumfang gewonnen, dass sie als eine bedeutende Neuerung auf dieser Expo gezeigt wurden. Vorwiegend hatte sich diese

Farbstoffchemie und Farbenindustrie in England und Frankreich herausgebildet, denn alle dreizehn Auszeichnungen für die Produktion von Teerfarben erhielten auf der Londoner Weltausstellung von 1862 Franzosen und Engländer.

Einen weiteren Fortschritt der Chemie und der chemischen Technologie bot die Pariser Weltausstellung auch mit der Vorstellung des von dem belgischen Chemiker und Unternehmer Ernest Solvay (1838 bis 1922) in den Jahren 1861 bis 1863 ausgearbeiteten und mit seinem Bruder gegründeten Solvay & Cie. S. A. in Brüssel 1863 entwickelten und 1865 erfolgreich im belgischen Couillet zur Marktreife eingeführten Ammoniak-Soda-Verfahren, dem Solvay-Verfahren, sowie der Ausstellung von gewonnen Sodaproben nach diesem Verfahren.

Solvays 1863 patentiertes Sodagewinnungsverfahren stellte, wie die Gewinnung von Soda nach dem 1791 von dem französischen Arzt und Chemiker Nicolas Leblanc (1742 bis 1806) geschaffenen Technologie einen bedeutenden Meilenstein in der Entwicklung der chemischen Industrie in der Welt in der Mitte der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts dar.

Unterstützt durch die Weltausstellung entwickelte sich das Solvay-Verfahren parallel zum Leblanc-Verfahren, ohne das letztere zu verdrängen. Es führte damals eher zu einer Erweiterung des Marktes an Sodaprodukten.

Auch diese Weltausstellung war von der stark zunehmenden Bedeutung der Stahlgewinnungsverfahren, wie des Bessemerverfahren, Krupps Tiegelstahlerzeugung und das 1864 von dem Deutschen Sir Wilhelm Siemens (1823 bis 1883) und dem Franzosen Pierre

Martin (1824 bis 1915) entwickelte Siemens-Martin-Verfahren sowie die daraus erzeugten Produkte geprägt.

Der erste im Martinofen gewonnene und ausgestellte Martinstahl zeichnete sich durch seine sehr gute Qualität aus und er wurde deshalb auch auf dieser Pariser Weltausstellung prämiert. Das Essener Unternehmen Krupp demonstrierte diesmal seine Leistungsfähigkeit unter anderem mit einem 52.500 Kilogramm schweren Gussstahlblock und einer Riesenkanone, der Dicken Berta, wo allein das Rohr 50.000 Kilogramm wog und womit 500 Kilogramm schwere Geschosse abgefeuert werden konnten. Warb Krupp 1867 in Paris damit noch für sein militärtechnisches Know-how, so beschossen sie bereits im Jahr 1870 die französische Hauptstadt.

Die vom Bochumer Verein gezeigten riesigen Gussstahlglocken versetzten die Besucher ebenfalls ins Erstaunen.

Von den in den Hüttenwerken der französischen Aktiengesellschaft Schneider-Creusot in Le Creusot erzeugten schönen Industriemaschinen, wurden in einem eigenen Pavillon dieses Unternehmens die Besucher in hoher Zahl angezogen. Damit war es zum schärfsten Konkurrenten von Krupp geworden.

Zum Gegenstand der Aufmerksamkeit als Industrieprodukt wurde auf dieser Weltausstellung auch das immer mehr an Bedeutung gewinnende Aluminium. Konnte der deutsche Chemiker

Friedrich Wöhler (1800 bis 1882) experimentell 1827 nur kleine Mengen Aluminiumpulver herstellen und 1845 stechnadelgroße Körner zu gewinnen, so war es nach dem 1854 vom französischen Chemikers Henry E. Sainte-Claire Deville (1818 bis 1881) verbesserten Verfahren, von den Wöhlerschen Arbeiten ausgehend und großzügig finanziell unterstützt von

Napoleon III., möglich, 1855 bis zu 25 Kilogramm Aluminium pro Jahr zu produzieren, wobei der chemische Grundgedanke des Verfahrens in der Reduktion des Aluminium-Natrium-Hexachlorids (Na3AlCl6) durch metallisches Natrium bestand.

Zu dieser Expo stellte auch der russische Erfinder I. M. Fjodorowski (1834 bis 1897) die von ihm durch Elektrolyse hergestellten nahtlosen Kupferrohre mit einem Innendurchmesser von 3 Millimetern bis 240 Millimetern und einer Wanddicke von 0,75 Millimetern bis 9,5 Millimetern aus. Des Weiteren informierte er darüber, dass nach dem von ihm geschaffenen Verfahren bis zu 100 Kilogramm Kupfer abgeschieden werden können. Für seine Entwicklung auf dem Gebiet der Metallurgie erhielt Fjodorwski eine Silbermedaille in Paris.

Von dem deutsch-russischen Wissenschaftler Moritz Hermann (B. S.) von Jakobi (1801 bis 1874) im Jahr 1837 nach St. Petersburg berufen und hier zum Staatsrat und Mitglied des Manufakturkonseils beim Finanzministerium ernannt, auf den die Entdeckung der Galvanotechnik zurück geht, wurde auf der Expo 1867 eine seiner Erfindungen, das Verfahren der Galvanoplastik, vorgestellt und sowohl mit einem ersten Preis wie auch mit einer Goldmedaille gewürdigt.

Mit der Mitteilung über die Entdeckung von dem Physiker und Techniker Jacobi am 05. Oktober 1838 auf der Beratung der Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg, begannen umgehend die Entwicklungen der elektrometallurgischen Technologien und ihre sich schnell verbreitende industrielle Nutzung in mehreren Ländern.

Manifestierten technischen Fortschritt stellten insbesondere die Dampflokomotiven für den normalen Straßenverkehr, Förderwerke für das Montanwesen, Schifffahrtsmaschinen, hydraulische Aufzüge, Gaslampen dar. Sie wurden zum Auslöser für die Zunahme des internationalen Warenaustauschs.

Dadurch war es auch dringend erforderlich geworden, zu internationalen Regelungen auf dem Gebiet der physikalischen Größen zu kommen. Hierzu wurde zur Expo in Paris 1867 die Konferenz zur Einheitlichkeit von Maßen und Gewichten, die sich auch mit dem Problem der Währungen beschäftigte, einberufen und ein internationales Komitee der Maße, Gewichte und Münzen konstituiert. In ihm arbeitete mit akribischer Beteiligung der Akademiker B. S. Jacobi am metrischen System und für international einheitliche Maße mit. Ihre Ergebnisse waren von so nachhaltiger internationaler Wirkung, dass sich daraus letztendlich 1875 in Paris das Internationale Büro für Maße und Gewichte gründete.

Dieses Büro mit seinen nachfolgenden Konferenzen und internationalen Einigungen zu den physikalischen Einheiten gilt somit auch als Basisveranstaltung für das Internationale Einheitensystem (Le Système International d’Unités), welches 1960 auf ihrer Elften Generalkonferenz für Maße und Gewichte verabschiedet wurde. Es bezeichnet ein weltweit verwendetes, einheitliches und in sich schlüssiges Maßsystem.

Das internationale Einheitensystem wird weltweit üblicherweise SI, nach den Anfangsbuchstaben von Système International, genannt.

Erwähnenswert für diese Weltausstellung ist auch, dass in Paris 1867 erstmals Trachten in das offizielle Ausstellungsprogramm aufgenommen worden waren.

Unerwähnt bleiben kann auch nicht, dass mit vierzehn weiteren Kongressen, über homöopathische Medizin, Schach, Anthropologie u. a. m. diese Weltausstellung neben ihrer exponentiellen eine beachtenswerte internationale wissenschaftliche Ausstrahlung besaß. Und

somit schuf dieser Expo auch einen neuen Gestaltungsschwerpunkt für die Teilnehmer und Besucher, die genau gezielte Wissensvermittlung.

Dazu zählt auch die Vorstellung des Großprojektes Suezkanal (1859 bis 1869) durch den französischer Diplomaten und Ingenieur Ferdinand Marie Vicomte de Lesseps (1805 bis 1894), der, als er dem Vizekonsul in Ägypten assistierte (1832 bis 1837), das Projekt für einen Kanal durch den Isthmus von Suez plante. Mit einem Diorama wurde der Suezkanal, der ein Symbol des 19. Jahrhunderts ist, wurden die Fortschritte der Bauarbeiten demonstriert.

Erstmals wurde hier auch in der Öffentlichkeit über den Isthmus von Panama gesprochen. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch, dass es zu dieser Expo für die Beförderung des Wohles der arbeitenden Klasse sowohl eine Sonderschau zum Thema Geschichte der Arbeit wie auch ein Preis für humanitäre Leistungen gaben. Und für rund 10.000 Arbeiter wurden verbilligte Eintrittskarten ausgegeben.

Paris 1867 zählt erstens zu den Weltausstellungen, die weit gefächerte Erzeugnisweiterentwicklungen sowie eine zunehmende Mechanisierung und Technisierung der Produktion zeigten. Der Ausstellungscharakter zeigte eine zunehmende Expansion und Spezialisierung in allen Gruppen und Klassen.

Um dies auch in Deutschland zur Wirkung kommen zu lassen, schickte der Preußische Centralverein 131 Gewerbetreibende zu dieser Expo. Des Weiteren erhielten auch 292 deutsche Stipendiaten eine zehn bis zwölf Tage dauernde Reise zu dieser Weltausstellung, um durch diese Visite bei ihnen auch den Gewerbefleiß anzuregen.

Paris 1867 war aber auch zweitens ein riesiges Volksfest für die Pariser und ihre Besucher. Dazu trugen insbesondere auch die vielen um das Oval des Ausstellungsgebäudes entstandenen Restaurants bei, welche auch an den Abenden, als die Expo bereits geschlossen hatte, zum Verweilen einluden.

Und drittens war es eine Expo, wo der Kommerz deutliche Zeichen setzte. Viertens vermerkten die Kritiker und Berichterstatter, die Kunst wäre degradiert worden und die Kunstausstellung hätte eine dekorative Nebenrolle gespielt.

Zu vermerken bleibt noch, dass diese Weltausstellung für Frankreich auch ein großer Erfolg auf diplomatischer Ebene war, denn fast alle Fürsten Europas kamen nach Paris.

Stellvertretend genannt seien die Visiten folgender Regenten, der Prinz of Wales, Leopold II. (1835 bis 1909), der König von Belgien von 1865 bis 1909, der Khedive (Vizekönig) Ismail Pascha von Ägypten (1830 bis 1895), Regent von 1863 bis 1879, der türkische Sultan Abdul Aziz (1830 bis 1876), Knecht des Glorreichen, 32. osmanischer Herrscher von 1861 bis 1876, Dom Luis von Portugal, dessen Regentschaft von 1861 bis 1889 währte, der Bruder des japanischen Tenno sowie die Herrscher der drei kontinentalen Mächte Österreich, Russland

und Preußen, Kaiser Franz Joseph I., Zar Nikolajewitsch Alexander II. (1818 bis 1881), russischer Zar von 1855 bis 1881, und König Wilhelm I. (1797 bis 1888), erster Kaiser des neu gegründeten Deutschen Reiches (1871 bis 1888) und König von Preußen (1861 bis 1888),

die bis 1814 gegen Napoleon I. (1769 bis 1821), Kaiser der Franzosen von 1804 bis 1814/15, gekämpft hatten.

König Wilhelm I. wurde begleitet von seinem Kanzler Otto Eduard Leopold Graf von Bismarck (1815 bis 1898) und seinem Generalstabschef Helmuth Johannes Ludwig Graf von Moltke (1848 bis 1916).

Bedingt durch die damals bestehende Disharmonie zwischen Italien und Frankreich, fehlte als einziger europäischer König Victor Emmanuel II. von Sardinien und Italien (1820 bis 1878) , der König von Sardinien von 1849 bis 1861 und von Italien von 1861 bis 1878 war.

Mit dem Abschluss der Expo kam auch das Aus für das so gut besuchte Ausstellungsgebäude. Der Grund dafür war, dass das Gelände wieder an das Kriegsministerium zurückgegeben werden musste. Über den Abbau ist folgendes festgehalten. Das Leerräumen des Expo-Gebäudes und der Verkauf der Materialien zogen sich bis zum Frühling des Jahres 1868 hin. Die Abbrucharbeiten und die Geländewiederherstellung begannen Anfang März. Es waren dafür, je nach Bedarf, zwischen 112 und 182 Arbeitskräfte im Einsatz. Unter anderem mussten sie 370.000 Kubikmeter Verfüllmasse in den Untergrund einbringen.

Über die Verwertung des Gebäudes wurde bekannt, dass etwa ein Drittel in Frankreich und im Ausland zum Bau von Gewächshäusern und Fabrikgebäuden genutzt wurde. Zirka ein Drittel des Eisens wurde eingeschmolzen. Meist als Einzelteile wurde das übrige Drittel wiederverwertet.

Das letzte Joch der Maschinenhalle wurde am 16. Juli 1868 beseitigt und am 15. März 1869 erfolgte die Rückgabe des Marsfeldes.

Die Weltausstellung 1873 in Wien

Österreich war die erste Nation des deutschen Sprachraums, die eine Weltausstellung organisierte. Die Bemühungen zur Durchführung dieser Exposition reich bis in das Jahr 1868 zurück. Besonderes Engagement ging dabei von dem Industriellen Franz Wertheim, dem Hersteller von feuersicheren Panzerschränken aus. Im Jahr 1870 erging für diese Wiener Expo ein zustimmendes kaiserliches Handschreiben. Im gleichen Jahr wurde ein Garantiefonds zur Sicherung der Finanzierung der Weltausstellung 1873 in Wien aufgelegt. Mit der Ernennung des erfahrenen und international bekannten Ausstellungsfachmanns Wilhelm Schwarz-Senborn begannen 1871 die konkreten Expo-Planungen.

Sie fand vom 01. Mai 1873 bis zum 01. November 1873 in Wien anlässlich des fünfundzwanzigjährigen Krönungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. von Österreich-Ungarn (1830 bis 1916) statt. Er war Kaiser von Österreich (1848 bis 1916) und König von Ungarn (1867 bis 1916).

Sie trug den offiziellen Namen: Weltausstellung 1873 in Wien. Ihr Thema lautete Kultur und Erziehung. Das Anliegen war das Kulturleben der Gegenwart sowie die Gesamtheit der volkswirtschaftlichen Darstellung und deren Fortschritte zu fördern.

Eingerichtet wurde diese Ausstellung auf einem 17 Hektar großen Teilstück des 233 Hektar großen erstmals 1403 erwähnten Pratergeländes, dem jetzigen Messegelände, anschließend an den ab 1767 bestehenden so genannten Wurstelprater, direkt an der Donau gelegen. Es war das im ab dem 16. Jahrhundert eingezäunten ehemaligen Jagdrevier des Kaisers Maximilian II. (1527 bis 1576). Seine Regentschaft als Kaiser währte von 1564 bis 1576, wobei er auch König von Böhmen (1562 bis 1576) und Ungarn (1563 bis 1576) war.

Historisch relevant für das Pratergelände sind auch das erste 1771 abgebrannte Kunstfeuerwerk und der Aufstieg des ersten Blanchards Montgolfièreballon im Jahr 1791 sowie die Inbetriebnahme des ersten großen Praterringelspiels von Basileo Calafati 1840, das seit1854 der Große Chinese bewacht.

Die gewählte Ausstellungsfläche zwischen Donau und Donaukanal bot den Vorteil der Einbindung der Natur in die Exposition und brachte somit eine zusätzliche Qualität für die Expo im Prater mit sich. Des Weiteren trug auch dafür mit bei, dass alle vorhandenen alten Buden und Stände geschleift und durch neue, ansehnlichere und modernere Gebäude ersetzt wurden.

Für die Ausstellung entstanden unter der Leitung des österreichischen Chefarchitekten Carl Freiherr von Hasenauer (1833 bis 1894) auf dem Prater der riesige Industriepalast mit einem Festsaal in der Mitte, eine Maschinenhalle, zwei Hallen für die Landwirtschaft und eine Kunsthalle. Das Eingangsportal zur Weltausstellung wirkte nach Meinung der Baufachleute und Besucher bombastisch, autoritär und imposant. Damit sollte sowohl Österreichs Selbstbewusstsein als österreichisch-ungarische Doppelmonarchie wie auch Wien als die sich emanzipierende Metropole Europas zum Ausdruck gebracht werden.

In Anwesenheit von Mitgliedern des Kaiserhauses, fürstlicher Gäste, zahlreicher Regierungsmitglieder, ohne Mitglieder der Kirche, eröffnete am 11. Mai 1873 Kaiser Franz Joseph die Wiener Weltausstellung. Bereits um 11.00 Uhr begann die Zeremonie mit einer großen Praterauffahrt. Um 12.00 Uhr war die Ankunft Ihrer Majestäten.

Nach der Nationalhymne wurde nur mit geladenen Ehrengästen in der festlich geschmückten Rotunde die Eröffnung gefeiert. Nach den Eröffnungsreden folgte auch eine festliche Umrahmung mit Musik und Festgesängen. Dies geschah alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Genau um 12.30 Uhr erfolgte der erste Rundgang der Ehrengäste.

Auf der Expo in Wien kam es auch zum ersten Mal zu einer nationalen Repräsentation des Deutschen Reiches.

Der Hauptpavillon und zugleich Zentralgebäude mit der Rotunde, war mit einer Grundfläche ist, von 70.000 Quadratmeter das größte Gebäude und war 907 Meter lang, 206 Meter breit und 25 Meter hoch. Er besaß 17 geschlossene Quergalerien, die im Fischgrätprinzip angeordnet waren. Erbaut wurde er im pompösen Stil der Neorenaissance. Sämtliche konstruktiven Bauglieder waren in Eisen ausgeführt.

Des Weiteren hatte er einen quadratischen Zentralbau und eine Rotunde in seinem Zentrum mit der damals größten freitragenden Kuppel der Welt. Diese Riesenkuppel wurde ironisch auch umgekehrter Blechtrichter, Guglhupf, architektonisches Monstrum, plumper Koloss, riesiger Narrenturm genannt.

Dieser spektakulärste Neubau der Wiener Weltausstellung verschlang mehr an Kosten als das für die gesamte Exposition veranschlagte Gesamtbudget. Zur Sicherung der Expo wurde somit bereits im Jahr 1872 eine Erhöhung des Expo-Etats um 7 Millionen Gulden vorgenommen.

Es war eine schmiedeeiserne, gläserne Kuppel in Rippenstruktur mit einem Durchmesser von 108 Meter, die von 32 Säulen, welche eine Länge von 24 Meter hatten, getragen wurde. Sie verschlang mit den dazugehörigen Seitenhallen insgesamt rund 7.570.000 Kilogramm Eisenkonstruktionen.

Ihr erstes Oberlicht hatte einen Durchmesser von über 30 Meter. In 30 Meter Höhe befand sich eine Aussichtsplattform. Über der 84 Meter hohen Riesenkuppel ragten zwei Laternen, wobei die untere noch einen Durchmesser von 33 Meter hatte und von ihrem Umgang hatten die Besucher einen herrlichen und imposanten Rundblick über das gesamte Ausstellungsgelände wie auch die Metropole Wien an der blauen Donau. Der höchste Punkt war eine vergoldete und mit Steinen besetzte vier Meter hohe Nachbildung der Kaiserkrone.

Einen solchen Rundbau für eine Weltausstellung zu errichten, dies war etwas ganz Neues. Erbaut wurde dieser imponierende Bau nach dem Entwurf und der Konstruktion des schottischen Technikers, Ingenieurs und Schiffsbauers John Scott Russel (1808 bis 1882), der 1832 als Professor für Experimentalphysik nach Edinburg berufen wurde und ab 1844 universitär in London wirkte, in veränderter Form vom berühmten Wiener Ringstraßenarchitekt Carl Freiherr von Hasenauer (1833 bis 1894).

Ausgeführt wurde der Bau durch die renommierte 1785 gegründete deutsche Brückenbau- und Eisenkonstruktionsfirma Firma Johann Caspar Harkort (1817 bis 1896) aus Duisburg.

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Details

Seiten
229
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638886055
ISBN (Buch)
9783638892742
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83815
Note
Schlagworte
Exkurs Weltausstellungen Fachleute Interessierte Laien

Autor

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Titel: Ein Exkurs durch die bedeutendsten Weltausstellungen von 1851 bis 2005 für Fachleute, Interessierte und Laien