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Pragmatik als Teil von Sprachleistungsmessungen

Hausarbeit 2007 9 Seiten

Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedeutung von Sprachleistungsmessung

3. Merkmale von Sprache und Probleme der Bestimmung von Testkriterien

4. Aufbau von Sprachtests

5. Allgemeine Sprachtests
5.1 Heidelberger Sprachentwicklungstest – H-S-E-T

6. Fazit

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Sprache ist Handeln. Diesen Grundsatz der Pragmatik, der vor allem durch Searle[1] und Austin[2] geprägt wurde, möchte ich zum Bezugspunkt meiner Untersuchung von Sprachleistungsmessungen nehmen. Die Pragmatik gilt als ein wichtiger Bestandteil der Sprachfähigkeit (langage[3]) jedes Menschen. Zahlreiche Kommunikationsmodelle, wie die von Schulz von Thun[4] oder Paul Watzlawick[5] versuchen die menschliche Kommunikation modellhaft zu veranschaulichen und schreiben ihr einen Beziehungsaspekt zwischen Sender und Empfänger zu. Der Mensch verbalisiert damit seine Gedanken nicht nur auf sachlicher, sondern auch auf emotionaler und pragmatischer Ebene. Der Beziehungsaspekt wird maßgeblich durch nonverbale Kommunikationsweisen wie Intonation, Mimik, Gestik, Lautstärke usw. bestimmt. In dieser Arbeit soll erörtert werden, inwiefern allgemeine Sprachleistungstests pragmatische Gesichtspunkte als Teil der Sprachfähigkeit anerkennen und diese bei Sprachstandsmessungen berücksichtigen. Abschließend wird sich dabei die Frage stellen, ob pragmatische Aspekte als Teil der Sprachfähigkeit überhaupt messbar gemacht werden können.

Die kritische Betrachtung solcher Tests soll am Beispiel des Heidelberger Sprachentwicklungstest, einem allgemeinen Sprachleistungstest, durchgeführt werden und auf die genannte Anmerkung und Fragestellung hin überprüft werden.

Die Charakteristika und die Konstruktion von Sprachleistungsmessungen, sowie die Gütekriterien dieser, sollen mich hier ebenfalls interessieren und einer Untersuchung unter sprachwissenschaftlichen Gesichtspunkten unterzogen werden. Auch die Bedeutung von Sprachleistungsmessung im schulischen und gesellschaftlichen Kontext soll kurz erläutert werden.

2. Bedeutung von Sprachleistungsmessung

Leistungsbewertungen gehören zum Alltagshandeln von Lehrenden in der Schule. Diese Bewertungen, Einstufungen, Beurteilungen und Einschätzungen der Schüler und Schülerinnen gehört zu den verantwortungsvollsten Aufgaben der Lehrkraft und entscheiden häufig über den weiteren Verlauf der schulischen Laufbahn der Schüler. Eine geringe Anzahl an Lehrern bestimmt damit sogar die Bildungschancen im weiteren Verlauf des Lebens eines Schülers oder einer Schülerin. Leistungsbewertung kommt also innerhalb unseres Schulsystems, aber auch innerhalb unserer Gesellschaft überhaupt, ein bedeutsamer Stellenwert zu.

Sprachleistungsmessungen sollen helfen die Subjektivität einer Lehrkraft bezüglich ihrer Einschätzungen zu minimieren und der selektiven Wahrnehmung, über die jeder einzelne Mensch verfügt und nach der er handelt, entgegenzuwirken und zu objektivieren. Die Einschätzung eines Schülers wird dadurch unabhängig von der momentanen Beurteilung durch die Lehrkraft und gibt somit ein verlässlicheres Bild der Sprachleistungskompetenz eines Schülers wieder. Auch Stöler hält durch ein Zitat von Lukesch dazu fest: „,den Schulleistungstests kommt ein wichtiger Stellenwert bei Fragen der Objektivierung von Wissen zu.’“[6] Die von der Subjektivität geprägte Beurteilung eines Schülers wird, beziehungsweise sollte also durch Sprachtests gemäß der Gütekriterien der klassischen Testtheorie[7] objektiver, reliabler und valider werden.

Die Kritik an Sprachleistungsmessungen in der Geschichte genauer darzustellen, fehlt in dieser Ausarbeitung der Platz. Es sei nur so viel erwähnt, dass die Leistungskontrolle durch Tests in der Schule in den 70er Jahren im Speziellen und auch heute noch im Allgemeinen in der Diskussion steht. Sprachleistungsmessungen werden auch fortgesetzt Anlass zur Diskussion bieten, da bisher und wohl auch zukünftig keine Methode zur Überprüfung der Sprachleistung gefunden werden kann, die eine hundertprozentige Zuverlässigkeit erreicht hat. Trotzdem, oder gerade deshalb, besteht allzeit ein Bedarf an immer besseren, neuen und innovativen Verfahren zur Leistungsüberprüfung im sprachlichen Bereich.

3. Merkmale von Sprache und Probleme der Bestimmung von Testkriterien

„Sprache ist aus dem Bedürfnis der Menschen heraus entstanden, untereinander Gedanken auszutauschen, sich Fragen, Erlebnisse und Erfahrungen mitzuteilen.“[8] Allein aus diesem Zitat wird ersichtlich, wie vielen komplexen Zwecken die Sprache eigentlich dient. Die Ausbildung der Sprachfähigkeit gehört entwicklungspsychologisch zu den frühen Erwerbsprozessen eines Menschen und kann als Emanzipation, Loslösung von aber gleichzeitig auch als Verbindung mit Menschen gesehen werden. Sie ist Statussymbol und dient der Findung eines Individuums innerhalb einer Gesellschaft. Die Vielfalt und Komplexität der Sprachfähigkeit eines Sprechers wird oft als Indikator für sein großes Leistungsvermögen gesehen. Auch die Sprache an sich ist ein komplexes Konstrukt und System von Zeichen, welches zu den hervorragenden Leistungen der Entwicklung des Menschen zählt. Zudem ist sie eng mit der Leistungsfähigkeit der Kognition verbunden. Diese Auflistung nur vereinzelter Merkmale von Sprache soll einen Eindruck darüber liefern wie komplex die Sprache ist und wie schwierig es aus eben diesem Grund ist, bestimmte Kriterien für einen Test auszuwählen, die im Stande sind die Sprachfähigkeit zwar indirekt aber dennoch möglichst präzise messbar machen zu können. Allein die schon erwähnte, enge Verbindung von Sprache und Kognition[9] und damit die Verknüpfung mit anderen Leistungsbereichen macht es schwer genaue Kriterien für eine gute und allumfassende Sprachleistungsmessung festzulegen.

[...]


[1] aus Searle, John R.: Speech act theory and pragmatics. In: Synthese language library 10 (1980).

[2] aus Austin, John L: How to do things with words. 2. Auflage. Oxford u.a.: Oxford Univ. Press 1992.

[3] aus de Saussure, Ferdinand: Cours de linguistique générale. Wiesbaden: Harrassowitz 1989.

[4] vgl. „4-Ohren-Modell“

[5] vgl. „5 Axiome menschlicher Kommunikation“

[6] vgl. Schöler, Hermann: Sprachleistungsmessungen. In: Didaktik der deutschen Sprache. Ein Handbuch. Hrsg. von Ursula Bredel, Hartmut Günther, Peter Klotz, Jakob Ossner u. Gesa Siebert-Ott. Bd. 2. Paderborn u.a.: Ferdinand Schöningh 2003. S. 899.

[7] vgl. Rost, Jürgen: Lehrbuch Testtheorie – Testkonstruktion. 2. Auflage. Bern u.a.: Verlag Hans Huber 2004. S. 33-39.

[8] vgl. Breuer, Helmut u. Maria Weuffen: Lernschwierigkeiten am Schulanfang – Lautsprachliche Lernvorraussetzungen und Schulerfolg. 7. Auflage. Weinheim u. Basel: Beltz Taschenbuch 2006. S.26.

[9] vgl. Schöler, Hermann: Sprachleistungsmessungen. In: Didaktik der deutschen Sprache. Ein Handbuch. Hrsg. von Ursula Bredel, Hartmut Günther, Peter Klotz, Jakob Ossner u. Gesa Siebert-Ott. Bd. 2. Paderborn u.a.: Ferdinand Schöningh 2003. S.900.

Details

Seiten
9
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638004312
ISBN (Buch)
9783638912150
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83826
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Institut für deutsche Sprache und Literatur
Note
1,3
Schlagworte
Pragmatik Teil Sprachleistungsmessungen Schriftspracherwerb Grundschule Primarstufe

Autor

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Titel: Pragmatik als Teil von Sprachleistungsmessungen