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Die Kriemhildfigur im Nibelungenlied und im Rosengarten zu Worms

Hausarbeit (Hauptseminar) 2000 33 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Forschungsstand

III. Die Kriemhildfigur des Nibelungenliedes
III.I Kriemhild und ihre Beziehung zur Familie
III.II Kriemhild und die Liebe
III.III Kriemhild und ihre Einstellung zur Macht
III.IV Vom „vil edel magedin“ zur „valandinne“- Kriemhilds Rache

I.V. Die Kriemhildfigur im Rosengarten zu Worms ( Fassung A)
IV.I Der Rosengarten zu Worms – Fassung A
IV.II. Die Kriemhildfigur im Rosengarten zu Worms
IV.II.1 Die Beziehung zu ihrer Familie
IV.II.2 Kriemhild und ihre Liebe zu Siegfried
IV.II.3 Kriemhild und ihre Freude am Kampf
IV.III. Die Sicht auf Kriemhild im Rosengarten zu Worms

V. Schlussbemerkung

V.I Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Kriemhild ist die erste wirklich individuelle Gestalt der abendländischen Erzählliteratur.“[1]

Kriemhild ist die Hauptperson des Nibelungenliedes und in gewisser Weise ist die Geschichte, die das Lied erzählt, Kriemhilds Geschichte. Sie ist ein Mensch mit vielen Facetten und Charakterzügen. „...das Nebeneinander verschiedener seelischer Möglichkeiten in dieser Frau oder besser : ...das Nacheinander, in dem - durch das Schicksal provoziert - die vorgegebenen Möglichkeiten ihres Wesens in Erscheinung treten.“[2]

So möchte ich, anknüpfend an dieses Zitat, im ersten Teil dieser Hausarbeit versuchen, Kriemhilds "seelische Möglichkeiten", d.h. wesentliche Züge ihres Charakters anhand von verschiedenen z.T. für sie schicksalhaften Situationen und Umständen näher zu beleuchten. Hiefür habe ich gewisse für Kriemhild handlungsbestimmende Aspekte, wie Familie, Liebe, Macht und ihre Rache ausgewählt, hinsichtlich derer ich versuchen möchte, Kriemhilds Wesen teilweise zu erschließen. Dabei kommt es mir weniger auf die Fragestellung an, ob all jene Charakterzüge, die sich besonders im zweiten Teil des Nibelungenliedes dem Leser offenbaren von vorn herein in Kriemhilds Person angelegt sind oder ob sie sich im Laufe ihres Leben erst entwickeln. Vielmehr möchte ich die Kriemhild des Nibelungenliedes charakterisieren, um diese im zweiten Teil meiner Arbeit mit der Kriemhild des Rosengartens zu Worms in Ansätzen zu vergleichen.

Für mich war die Frage interessant, wie Kriemhild, die vordergründig nur mit dem Nibelungenlied in Verbindung gebracht wird, im Vergleich dazu in weniger bekannten Texten dieser Zeit dargestellt wird. Da jedoch das Nibelungenlied den Kern dieser Arbeit bilden soll und eine Analyse mehrerer Texte den Rahmen der Hausarbeit gesprengt hätte, habe ich demzufolge den Rosengarten zu Worms - Fassung A als ein Beispiel der Kriemhildcharakterisierung herausgegriffen.

II. Forschungsstand

Die Literatur zur Kriemhildfigur des Nibelungenliedes ist ziemlich umfangreich und teilweise auch sehr alt Für die meisten Wissenschaftler steht der Aspekt der Rache und die von mir bereits oben angedeutet Frage wie es dazu kommen konnte, dass aus der liebenswürdigen Prinzessin eine kaltblütige Rächerin wurde im Vordergrund.

Die Ansichten in der Literaturwissenschaft über die Kriemhildfigur gehen weit auseinander, dabei stellt die Hortforderungsszene (2367)[3] und der Streit der Königinnen (14. Aventiure) zentrale Aspekte dar. Im Hinblick auf die Kriemhildfigur und ihrer Charakterisierung gibt es keinen eindeutigen Konsens unter den Wissenschaftlern.

In der von mir verwendeten Literatur lässt sich dieser Zwiespalt in der Beurteilung der Kriemhildfigur nachvollziehen. So beruft sich Bert Nagel[4] und Marianne Wahl Armstrong[5] beispielsweise auf eine Entwicklung Kriemhilds innerhalb des Liedes, durch die sie zur Rächerin wurde. Während Walter Seitter[6], Joachim Bumke[7] und Eva Schäufele[8] eher dazu tendieren, dass diese negativen Züge der Rächerin Kriemhild in ihr von Beginn an angelegt sind.

Auch die Hortforderungsszene zeigt für z.B. Hans Kuhn[9] Kriemhilds Aufgabe des eigentlichen Ziels, der Vernichtung Hagens, aufgrund ihrer Gier nach Geld und Macht, wohingegen diese Szene für Bert Nagel ein bloße „Verschärfung des Racheaktes“[10] darstellt.

Die neueren Forschungen z.B. von Walther Haug und Werner Schröder[11] beschäftigen sich eher mit dem Besonderen in der Darstellung der Kriemhildfigur in dieser Zeit und ihrer Individualität. Man kann nicht behaupten, Kriemhild sei eine völlig individuelle Gestalt, doch meine ich, dass sie, soweit ich es beurteilen kann, weniger als alle anderen Frauen der älteren deutschen Literatur einen Typus verkörpert.[12]

[...]


[1] Walther Haug, Montage und Individualität im Nibelungenlied, in: Strukturen als Schlüssel zur Welt. Tübingen 1989. S. 336

[2] Bert Nagel, Höfische Heroik - Das Nibelungenlied, in: Staufische Klassik-Deutsche Dichtung um 1200. Heidelberg 1977. S.466

[3] Die Angaben der einzelnen Textstellen des Nibelungenliedes beziehen sich immer auf die Ausgabe von: Helmut de Boor, Das Nibelungenlied. Leipzig 1959

[4] Bert Nagel, Höfische Heroik - Das Nibelungenlied.

[5] Marianne Wahl Armstrong, Rolle und Charakter, Studien zur Menschendarstellung im Nibelungenlied; Göppinger Arbeiten zur Germanistik Nr.221. Göppingen 1979

[6] Walther Seitter, Das politische Wissen im Nibelungenlied. Berlin 1987

[7] Joachim Bumke, Geschichte der deutschen Literatur im hohen Mittelalter, 3.Auflage. München 1996

[8] Eva Schäufele, Normabweichendes Rollenverhalten: Die kämpfende Frau in der deutschen Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts; Göppinger Arbeiten zur Germanistik Nr. 272. Göppingen 1979

[9] Hans Kuhn, Der Teufel im Nibelungenlied, in: Kleine Schriften II. Berlin 1971

[10] Bert Nagel, ebenda. S.534

[11] Werner Schröder, Wolfram von Eschenbach, das Nibelungenlied und die Klage, in: Frühe Schriften zur ältesten deutschen Literatur. Frankfurt/Main 1999

[12] Vgl. Walther Haug, Montage und Individualität im Nibelungenlied

Details

Seiten
33
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638004435
ISBN (Buch)
9783638912266
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v83973
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,3
Schlagworte
Kriemhildfigur Nibelungenlied Rosengarten Worms

Autor

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Titel: Die Kriemhildfigur im Nibelungenlied und im Rosengarten zu Worms