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Form und Funktion von Wenn-Sätzen im Vor-Vorfeld

Referat (Ausarbeitung) 2007 10 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Nicht in das Vorfeld verrückbare Wenn-Sätze
2.1. Diskursstrukturierende Wenn-Konstruktionen
2.2. Relevanz-Konditionalkonstruktionen
2.3. Metakommunikative Konditionalkonstruktionen

3. In das Vorfeld verrückbare Wenn-Sätze
3.1. Reale Konditionalkonstruktionen
3.2. Potentiale Konditionalkonstruktionen
3.3. Irreale Konditionalkonstruktionen

4. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Ausarbeitung meines Referates behandelt Wenn-Sätze, die sich in der, dem Vorfeld vorangestellten, topologischen Position des Vor-Vorfeldes befinden, und untersucht deren verschiedene Formen und Funktionen. Unter welchen Umständen können diese Vor-Vorfeldelemente wiederum in das Vorfeld gerückt werden, unter welchen Umständen nicht und welche Konsequenzen hat dies für die Aussage des Satzes und das sozial erfolgreiche Kommunizieren in der Gesellschaft? Untersucht wird zudem, in welchen Fällen die prosodischen Merkmale eine besondere Gewichtung erhalten und welche Funktion sie erfüllen. Das verwendete Datenmaterial kann auf Grund von Mangel an passenden Beispielen leider nur teilweise auf die Audio-Datenbank „lAuDa“ zurückgeführt werden.

2. Nicht in das Vorfeld verrückbare Wenn-Sätze

Es wird zunächst zwischen zwei Typen nicht-integrierter Wenn-Konstruktionen unterschieden. Im einen Fall ist es unmöglich, sie semantisch neutral in die Vorfeld-Position zu rücken, im anderen ist eine solche Umformung bedeutungsneutral[1]. Ersteres weist verschiedene Subtypen auf.

2.1. Diskursstrukturierende Wenn-Konstruktionen

Dieser Subtyp nicht-verrückbarer Wenn-Sätze erfüllt eine kohärenzbildende Funktion und dient zur thematischen Orientierung.[2] Durch diese Eigenschaft kommt er den ‚freien Themen’ „sehr nahe“[3], was „die große Vielfalt an Strukturen, die allesamt zum FT gerechnet werden“[4], begünstigt.

Beispiel 1 Hans: wenn wir grad über New Orleans sprechen; (-)

also (-) das ist auch so=n beispiel, (.)

für die Bush-Regierung (-) typisch. ne.

Der Wenn-Satz bereitet darauf vor, dass sich die folgende Äußerung weiterhin in den Diskurs einfügen wird, und ist somit kohärenzbildend.[5] Durch die verwendete Proform („das) wird das Thema („New Orleans“) wiederum aufgegriffen. Was in der Protasis ausgesagt wird, ist unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Apodosis, denn New Orleans wird nicht nur gerade dann zu einem Beispiel für die Bush-Regierung, wenn man darüber redet. Es liegt weder eine „semantische Folgebeziehung noch eine temporale Sequentialität“[6] zwischen dem Wenn-Satz und dem folgenden Syntagma vor.

Beispiel 2

57 K: = mich = FInanZIELL sag = ich = ma .h AUSnimmt ganz EINfach`

58 D: ach ER DICH ?

59 K: ja ER (.) MICH sag = ich = mal

60 D: i`inwieFERN ?

61 K: ja das HEI?T WENN wir irgendwie Essen gehn

62 = oh = ich hab = mein = portmoNEE vergesseb

63 = oder :, wir = warn = letztemal = in = der = discoTHEK geWEsen

64 .hh ähm ja kannste mir nochmal AUShelfen[7]

Anhand dieses Gesprächsausschnittes lässt sich erkennen, dass die Protasis zur Kohärenzbildung beiträgt, indem die Sprecherin ein Beispiel einführt, dass ihre Argumentation stützen soll. Dadurch liefert „sie den diskursorganisatorischen Hintergrund für die folgende Redewiedergabe“[8].

In den Zeilen 62-63 ist die fremde Rede gekennzeichnet durch das unmittelbare, schnelle Aneinanderreihen von Redeeinheiten und hebt sich somit vom Wenn-Satz ab. Vergleicht man die Anbindung zwischen Wenn-Satz und Folgeäußerung mit der in Beispiel 1, so ist festzustellen, dass in Beispiel 2 kein resumptives Element verwendet wird, um das im Wenn-Satz eingeleitete Thema wieder aufzugreifen, sondern es geht sofort mit der Imitation der fremden Stimme los. Dadurch liegt in Beispiel 2 eine schwächere Anbindung vor als in Beispiel 1.

2.2. Relevanz-Konditionalkonstruktionen

Konstruktionen dieser Art unterscheiden sich von prototypischen Konditionalkonstruktionen dadurch, dass die Proposition in der Protasis nicht die notwendige Bedingung für den Wahrheitsgehalt der Apodosis ausmacht, sondern eher angibt, unter welchen Umständen letzteres für den Gesprächspartner relevant ist.[9] Während der Prototyp nach dem Schema „if and only if“[10] zu lesen ist und die Propositionen der Teiläußerungen zueinander „kontingent“[11] sind, besteht im vorliegenden Subtyp eine Unabhängigkeit zwischen den Wahrheiten der Protasis und Apodosis.[12]

[...]


[1] Auer, Peter: Formen und Funktionen der Vor-Vorfeldbesetzung im gesprochenen Deutsch. In: Syntax des gesprochenen Deutsch. Hrsg. von Peter Schlobinski. Opladen: Westdeutscher Verlag 1997. S. 68.

[2] Günthner, Susanne: Wenn-Sätze im Vor-Vorfeld: Ihre Formen und Funktionen in der gesprochenen Sprache. In: Deutsche Sprache 27 (1999). S. 219.

[3] Ebd.

[4] Scheutz, Hannes: Satzinitiale Voranstellungen im gesprochenen Deutsch als Mittel der Themensteuerung und Referenzkonstitution. In: Syntax des gesprochenen Deutsch. Hrsg. von Peter Schlobinski. Opladen: Westdeutscher Verlag 1997. S. 35.

[5] Günthner, S.: Wenn-Sätze im Vor-Vorfeld. S. 219.

[6] Günthner, S.: Wenn-Sätze im Vor-Vorfeld. S. 220.

[7] Pfeiffenberger, Sarah: Telefontalksendung: „Domian“ Thema: Freithemennacht,

Anruferin berichtet von verhängnisvoller Affäre. 21.04.2004. Audio-Datenbank (lAuDa). http://noam.uni-muenster.de/audiodb/audiodb/seminar01/2004_04_20domian/transkription_gespraech_2_d~.doc (21.02.2007)

[8] Günthner, S.: Wenn-Sätze im Vor-Vorfeld. S. 220.

[9] Günthner, S.: Wenn-Sätze im Vor-Vorfeld. S. 214.

[10] Ebd.

[11] Ebd.

[12] Ebd.

Details

Seiten
10
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638892414
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v84338
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Germanistisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Form Funktion Wenn-Sätzen Vor-Vorfeld Seminar Syntax Sprache

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Titel: Form und Funktion von Wenn-Sätzen im Vor-Vorfeld