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Gesundheitsförderung in Schulen

von Verena Heitzinger (Autor) E. Ettmayer (Autor) A. Gaspar (Autor)
Seminararbeit 2007 32 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Definition Gesundheit
1.2 Definition Gesundheitsförderung

2. Theoretische Ansätze und Aktivitäten
2.1 Einfluss des Salutogenen Modells auf Schulen
2.2 Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung
2.2.1 Unterschiede Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung
2.2.1.1 Ziele
2.2.1.2 Themen
2.2.1.3 Zielgruppen
2.2.1.4 Methoden
2.2.1.5 Verankerung in der Schule

3. Gesundheitsförderung in Schulen
3.1 Leitlinien der WHO
3.2 Ausgangslage
3.2.1 Situation der SchülerInnen
3.2.2 Situation der LehrerInnen
3.3 Förderungsmaßnahmen

4. Praktische Beispiele zur Gesundheitsförderung in Schulen
4.1 Beispiel 1: Förderung der körperlichen Gesundheit von SchülerInnen
4.1.1 Einführung von Sitzbällen
4.1.2 Weitere Maßnahmen zur Gesundheitsförderung
4.2 Beispiel 2: Förderung der psychosozialen Gesundheit von SchülerInnen
4.2.1 Weitere Maßnahmen zur Gesundheitsförderung
4.3 Beispiel 3: Förderung der Gesundheit von LehrerInnen
4.3.1 Weitere Maßnahmen zur Gesundheitsförderung

Bibliographie

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Unter dem Begriff der „schulischen Gesundheitsförderung“ werden verschiedene Maßnahmen der Verbesserung der Lebens- und Umweltbedingungen für Kinder und Jugendliche subsumiert. Sie will alle Mitglieder einer Schulgemeinschaft dazu befähigen, Gesundheit zu unterstützen und zu fördern. Diese pädagogischen und präventiven Bemühungen sollen nicht nur die Gesundheitsqualität der Schule verbessern, sondern auch die Bildungsqualität nachhaltig positiv beeinflussen.[1]

1.1 Definition Gesundheit

Um über Gesundheitsförderung sprechen zu können, bedarf es zunächst einer Definition von Gesundheit. Laut WHO ist Gesundheit „ein Zustand des völligen körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit oder Gebrechen.“[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abb. 1

1.2 Definition Gesundheitsförderung

Gemäß der Ottawa Charta (1986) definiert die WHO Gesundheitsförderung als Prozess, der darauf abzielt „allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit befähigen. Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre Umwelt meistern bzw. verändern können. In diesem Sinne ist die Gesundheit als wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens zu verstehen und nicht als vorrangiges Lebensziel. Gesundheit steht für ein positives Konzept, das in gleicher Weise die Bedeutung sozialer und individueller Ressourcen für die Gesundheit betont wie die körperlichen Fähigkeiten. Die Verantwortung für die Gesundheitsförderung liegt deshalb nicht nur beim Gesundheitssektor, sondern bei allen Politikbereichen und zielt über die Entwicklung gesünderer Lebensweisen hinaus auf die Förderung von umfassenden Wohlbefinden hin.“[3]

2. Theoretische Ansätze und Aktivitäten

Das Salutogenese Modell von Aaron Antonovsky beschäftigt sich mit den zentralen Fragen:[4]

- „Warum bleiben Menschen - trotz potentiell gesundheitsgefährdender Einflüsse – gesund?“
- „Wie schaffen sie es sich von Erkrankungen wieder zu erholen?“
- „Was ist das Besondere an Menschen, die trotz extremster Belastungen nicht krank werden?“

Antonovsky sieht die Salutogenese nicht als Gegner der Pathogenese („Was macht krank?“) sondern als wichtige Erweiterung. Er lehnt die Dichotomie „Gesund-Krank“ ab und stellt diese Begriffe als Extrempole des Gesundheits-Krankheitskontinuums dar. Damit ist gemeint, dass sich die Menschen zwischen diesen Extremen bewegen und sie mal mehr oder weniger gesund bzw. krank sind. Das Salutogenesemodell richtet sein Interesse nicht auf die Symptombehandlung, sondern auf die Stärkung von vorhandenen Ressourcen und die einzelnen Lebengeschichten der Betroffenen.[5]

Das Salutogenesemodell besteht aus den Bestandteilen Kohärenzgefühl, Gesundheits-Krankheits-Kontinuum, Stressoren, Spannungszuständen und generalisierten Widerstandsressourcen.

Das Kohärenzgefühl (bzw. Kohärenzsinn) beschreibt dabei die Grundeinstellung eines Menschen gegenüber der Welt und seinem eigenen Leben. Je mehr Kohärenzgefühl ein Mensch besitzt, umso gesünder sollte er/sie sein um umso schneller sollte er/sie gesund werden. Die Grundhaltung setzt sich dabei aus den Gefühlen der Verstehbarkeit, Handhabbarkeit bzw. Bewältigbarkeit und der Sinnhaftigkeit bzw. Bedeutsamkeit zusammen.

Die zentrale Aufgabe des Organismus ist es Spannungszustände zu bewältigen, um die Gesundheit erhalten und fördern zu können. Stress ist dabei ein wichtiger Aspekt. Antonovsky unterscheidet drei verschiedene Stressoren: den psychosozialen, den physischen und den biochemischen Stressor.

Die generalisierten Widerstandsressourcen teilt er verschiedene Bereiche. Sie beziehen sich auf individuelle, soziale und kulturelle Faktoren, die in Situationen aller Art zum Einsatz kommen.[6]

Das Zusammenspiel der Bestandteile wird durch die nachfolgende Grafik erläutert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abb.2

2.1 Bezug auf Gesundheitsförderung in Schulen

Schulische Stressoren sind zum Teil schlechte Ernährung, die sitzende Lebensweise im Schulalltag, Lärm, schlechte Luft im Klassenzimmer, unergonomische Schulmöbel, schwere Schultaschen und die Vielzahl von Krankheitserregern. Hinzu kommen neben Überforderungen, Leistungsdruck, soziale Diskriminierung, Beziehungskrisen und viele andere, auch Anforderungen die sich LehrerInnen und SchülerInnen an sich selbst stellen.[7]

Im Zuge dessen ist es wichtig die Widerstandsressourcen zu stärken. Zwar lassen sich individuelle Ressourcen wie ein intaktes Immunsystem oder eine günstige genetische Ausstattung nicht in Schulen vermitteln, aber man kann SchülerInnen und LehrerInnen gesundheitsrelevantes Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln Einstellungen und Verhalten prägen und soziale Kompetenzen stärken. Soziale Widerstandsressourcen finden sich im Umfeld der SchülerInnen und LehrerInnen. Ein stabiler Freundeskreis, Familie, Partnerschaften und die Einbindung in soziale Netzwerke stärken diese.

Eine wichtige Rolle spielen dabei kompetente und engagierte Autoritätspersonen in den Schulen, wie die Schulleitung, oder SchulärztInnen. Vor allem aber wirken die PädagogInnen auf die Gesundheitsförderung und Gesundheitserziehung von SchülerInnen ein.

2.2 Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung

Die Begriffe Gesundheitserziehung “health education“ und Gesundheitsförderung „health promotion“ ersetzten erst in jüngster Zeit die im deutschen gebräuchlichen Termini der Gesundheitsaufklärung, -erziehung, -bildung und -fürsorge.[8]

Die Gesundheitserziehung bezieht sich dabei auf Aktivitäten, die vor allem in Familien und in Erziehungseinrichtungen ablaufen. Es geht darum, Wissen, pädagogische Kontakte Einstellungen, Kompetenzen aber auch Fertigkeiten zu vermitteln, die der Selbstentfaltung dienen und ein gesundheitsbewusstes Verhalten der Menschen fördern.[9]

Der Begriff der Gesundheitsförderung wurde unter Abschnitt 1.2 bereits definiert.

2.2.1 Unterschiede Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung

Gesundheitserziehung ist demnach ein Teilaspekt der übergeordneten Aufgabe der Gesundheitsförderung. Während Gesundheitserziehung auf die Verhaltensbeeinflussung abzielt, beschäftigt sich die Gesundheitsförderung auch mit der Schaffung von gesunden Verhältnissen im Schulalltag.[10]

Diese Unterschiede werden im Anschluss auch hinsichtlich ihrer Ziele, Themen, Zielgruppen, Methoden und ihrer Verankerung in den Schulen näher erläutert.[11]

2.2.1.1 Ziele

Hauptziel der Gesundheitserziehung ist die Wissensentwicklung im Bereich Gesundheit bei einzelnen Gruppen oder Personen.

Bei der Gesundheitsförderung hingegen sind zwei wichtige Ziele zu nennen:[12]

1. Die Kompetenzentwicklung im Umgang mit Gesundheit und mit Faktoren, welche die Gesundheit beeinflussen können, das heißt, Wissensentwicklung und Entwicklung von persönlicher Handlungskompetenz. Der sogenannte „Empowerment-Ansatz“ der Gesundheitsförderung bezeichnet die Stärkung der persönlichen Gesundheitsressourcen.
2. Die Veränderung des Umfeldes – schädliche Einwirkungen wie zum Beispiel Stress oder eine ungünstige Beleuchtung sollen reduziert und günstige Einflussfaktoren wie zum Beispiel die gesunde Jause oder partizipative Unterrichtsstile sollen verstärkt werden.

Somit kann gesagt werden, dass sich Gesundheitsförderung auf Veränderung bei einzelnen Gruppen und auf die gesundheitsförderliche Gestaltung von Situationen und Umwelten konzentriert, in denen sich die Personen und Gruppen aufhalten. („Setting-Ansatz“ der Gesundheitsförderung)

2.2.1.2 Themen

„Klassische Gesundheitserziehung“ behandelt in erster Linie Themen der körperlichen Gesundheit wie zum Beispiel Ernährung, Bewegung und Haltung.[13]

Gesundheitsförderung hingegen behandelt Gesundheit aus ganzheitlicher Perspektive, das heißt körperliche Gesundheit wie zum Beispiel Haltung, Ernährung aber auch psychische Gesundheit wie zum Beispiel Stressbewältigung und soziale Gesundheit (Erarbeiten von Möglichkeiten einer erfüllten Lebensgestaltung) rücken ins Zentrum des Interesses.

2.2.1.3 Zielgruppen

Zielgruppe schulischer Gesundheiterziehung stellen in erster Linie die SchülerInnen einer Schule dar. Gesundheitsförderung richtet sich an alle Personen in einer bestimmten Umwelt. Auf das Thema Schule bezogen, bedeutet das, dass nicht nur die Förderung der Gesundheit von SchülerInnen im Zentrum des Interesses steht, sondern auch die der LehrerInnen und des nicht unterrichtenden Personals und, wenn auch in geringerem Ausmaß, die Gesundheit der Eltern.[14]

[...]


[1] vgl. Grasböck, Martina (2004): Psychosoziale Gesundheitsförderung. Linz: Institut für Soziologie, S. 112

[2] Die WHO-Definition von Gesundheit: URL: http://www.euro.who.int/AboutWHO/20021122_3?language=German (dl. 05. 04. 2007)

[3] Marks, Wolfgang / Schöppl, Ilona (2005): Kompendium Vorsorge- und Gesundheitsmanagement. Linz: Trauner Verlag, S.71f

[4] Schärf Anja (2000): Gesundheitsfördernde Schule als lernende Organisation: Pädagogische Hochschule Heidelberg. URL: http://www.phheidelberg.de/org/ife/zulas/Gesundheitsfoerdernde_Schule_als_Lernende_Text.pdf (dl. 27.04.2007) S.18

[5] vgl. Schärf Anja (2000): Gesundheitsfördernde Schule als lernende Organisation: Pädagogische Hochschule Heidelberg. URL: http://www.phheidelberg.de/org/ife/zulas/Gesundheitsfoerdernde_Schule_als_Lernende_Text.pdf (dl. 27.04.2007) S.19ff

[6] vgl. Schärf Anja (2000): Gesundheitsfördernde Schule als lernende Organisation: Pädagogische Hochschule Heidelberg. URL: http://www.phheidelberg.de/org/ife/zulas/Gesundheitsfoerdernde_Schule_als_Lernende_Text.pdf (dl. 27.04.2007) S.21ff

[7] vgl. Kleindienst-Cachay, Christa (2006): VL Grundlagen der Sportpädagogik:

Gesundheitserziehung im Sport. URL: http://www.uni-bielefeld.de/sport/arbeitsbereiche/ab_iv/lehre/grundlagen%20der%20sportp%C3%A4dagogik2003/websitepp31_1_2006GesundWagnis.pdf (dl. 27.04.2007) S.4ff

[8] vgl. Haug, Christoph (1991): Gesundheitsbildung im Wandel: Heilbrunn: Klinkhardt Verlag, S.16ff

[9] vgl. Projekt: Praxisfelder der Gesundheitspädagogik. URL: http://www.agw.uni-osnabrueck.de/derma/gesundprojekt/GesundheitserziehungundaffineBegriffe.html (dl. 08.05.07)

[10] vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2000): Schulische Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung. Köln: BZgA S.10

[11] vgl. Dietscher, Christina (2001): Schritt für Schritt zur gesundheitsfördernden Schule: Ein Leitfaden für LehrerInnen und SchulleiterInnen.

URL: http://www.bmukk.gv.at/medienpool/14249/schrittfuerschritt.pdf (dl. 04. 04. 2007) S.8

[12] vgl. Dietscher, Christina (2001): Schritt für Schritt zur gesundheitsfördernden Schule: Ein Leitfaden für LehrerInnen und SchulleiterInnen.

URL: http://www.bmukk.gv.at/medienpool/14249/schrittfuerschritt.pdf (dl. 04. 04. 2007) S.8

[13] vgl. Dietscher, Christina (2001): Schritt für Schritt zur gesundheitsfördernden Schule: Ein Leitfaden für LehrerInnen und SchulleiterInnen.

URL: http://www.bmukk.gv.at/medienpool/14249/schrittfuerschritt.pdf (dl. 04. 04. 2007) S.8

[14] vgl. Dietscher, Christina (2001): Schritt für Schritt zur gesundheitsfördernden Schule: Ein Leitfaden für LehrerInnen und SchulleiterInnen.

URL: http://www.bmukk.gv.at/medienpool/14249/schrittfuerschritt.pdf (dl. 04. 04. 2007) S.9

Details

Seiten
32
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638009768
ISBN (Buch)
9783638942447
DOI
10.3239/9783638009768
Dateigröße
753 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz
Erscheinungsdatum
2008 (Februar)
Note
1,0
Schlagworte
Gesundheitsförderung Schulen

Autoren

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Titel: Gesundheitsförderung in Schulen