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Wandel in der Auseinandersetzung der Bundesrepublik Deutschland mit der NS-Vergangenheit

Eine Reise durch die 1950er Jahre in die frühen 1960er Jahre

Lizentiatsarbeit 2007 109 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Forschungsstand
1.3 Aufbau

2. ‚Vergangenheitsbewältigung’ - ein facettenreicher Begriff
2.1 Grundlegendes und Herkunft des Wortes
2.2 Was ist ‚Vergangenheitsbewältigung’? - Ein theoretisches Konzept
2.2.1 Ziel
2.2.2 Wege
2.2.3 Politische Ebenen
2.2.4 Die Akteure

3. Der öffentlicher Diskurs über die nationalsozialistische Zeit in den 1950er Jahren

4. Mentalitäten in der Bundesrepublik während den 1950er Jahren

5. Vergangenheitspolitik oder die Bewältigung der ‚Vergangenheitsbewältigung’
5.1 Der Abschluss der Entnazifizierung und die 131er
5.2 Von der Entnazifizierung zur Renazifizierung
5.3 Die Kriegsverbrecherfrage - Deutschland und die alliierten Kriegsverbrecherprozesse
5.4 Deutsche Reaktionen auf die alliierten Prozesse
5.5 Die Kriegsverbrecherfrage nach der Gründung der Bundesrepublik

6. Die 1950er Jahre - Verbrechen ohne Täter

7. Das Ende der 1950er Jahre - Ein Einstellungswechsel bahnt sich an

8. Erste Skandale und antisemitische Vorfälle rütteln die Bevölkerung auf

9. Aufklärungsarbeit - vor und nach den Schmierereien und den ersten Skandalen

10. „Auch das noch! Der Eichmann-Prozess in Jerusalem“

11. Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg

12. Der Frankfurter Auschwitz-Prozess
12.1 Die Vorgeschichte
12.1.1 Der ehemalige Auschwitz-Häftling Adolf Rögner erhebt Anzeige gegen Wilhelm Boger
12.1.2 Zufällig aufgetauchte Dokumente, die Fritz Bauer zugestellt werden
12.2 Die Ermittlungen - ein steiniger Weg
12.3 Der Prozess vom 20. Dezember 1963 bis zum 19. August 1965
12.4 Die Angeklagten und deren Vernehmung
12.5 Die Anklage und die juristische Bewertung
12.6 Die Zeugen
12.7 Das Urteil
12.8 Der Auschwitz-Prozess - Ein Kommentar

13. Schluss

14. Bibliographie
14.1 Literaturverzeichnis
14.2 Quellen
14.3 Internetseiten

„Vergessen verlängert das Exil.

Die Erinnerung ist das Tor zur Erlösung.“

(Baal Schem Tow)

1. Einleitung

1.1 Fragestellung

Die amerikanische Fotografin Margaret Bourke-White enthüllte mit eindrucksvollen Bildern den vollen Schrecken der NS-Diktatur. Schutt und trostlose Trümmerhaufen, verkohlte Leichen und ausgehungerte Menschen mit eingefallenen Gesichtern, die Leichenberge in den Konzentrationslagern oder die vorrückenden GIs, welche selbstbewusst in die Kamera blicken. Die Fotoreportage zeigt das grauenhafte Gesicht des Krieges und die unbeschreiblichen Folgen einer Diktatur, welche durch einen Vernichtungskrieg und den Genozid alle Grenzen normaler Kriegsführung überschritten hatten.[1]

Deutschland lag vor einem Trümmerhaufen. Was aber neben der physischen Zerstörung noch gewichtiger wog, war das moralische Unheil. Die Entdeckung der Kriegsverbrechen und der Unmenschlichkeiten im Frühjahr 1945 rückte die deutsche Bevölkerung immer weiter aus der Gemeinschaft der zivilisierten Völker hinaus. Die Meldungen von Greueltaten und die Befreiung der Konzentrationslager schockierten die Welt. Am 29. April 1945 befreiten Soldaten der amerikanischen 7. Armee das Konzentrationslager Dachau. Bei der Ankunft der Soldaten lagen die Toten zu Tausenden am Boden, in Räumen des Krematoriums fanden die amerikanischen Soldaten über zwei Meter hohe Haufen mit leblosen Körpern. Man entdeckte die Laboratorien, in welchen Versuche an Menschen durchgeführt worden waren, die Folterkammern oder ganze Ballen von Bekleidungsstücken der ermordeten Menschen. Das ganze Ausmass des Genozids und des Vernichtungskrieges kam zum Vorschein und verbreitete sich in der internationalen Öffentlichkeit. Um sich selbst ein Bild von dem unermesslichen Grauen machen zu können, besuchten zahlreiche Kongressabgeordnete, Journalisten und führende Militärs, wie Dwight D. Eisenhower, befreite Lager. Das Bild der Unmenschlichkeiten erhöhte die Schmach der deutschen Bevölkerung stetig und bestärkte auch die Befürworter einer Politik der Strafe und der Vergeltung.[2]

„Bei Gott, ich hasse die Deutschen!“, schrieb General Eisenhower. Seine Reaktion fiel ähnlich heftig aus, als er ein befreites Konzentrationslager besucht hatte. „Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass es auf dieser Welt solche Grausamkeit, Bestialität und Barbarei tatsächlich geben kann. Es war schrecklich.“[3]

Die Deutschen wurden immer stärker zu einem geächteten Volk. Wie war es möglich, dass ein Land, welches einen Lessing, Goethe oder Kant hervorbrachte, nun für solch beispielslose Scheusslichkeiten verantwortlich war? Thomas Mann schrieb aus seinem Exil:

„Der dickwandige Folterkeller, zu dem der Hitlerismus Deutschland gemacht hat, ist aufgebrochen, und offen liegt unsere Schmach vor den Augen der Welt, den fremden Kommissionen, denen diese unglaubwürdigen Bilder nun vorgeführt werden und die zu Hause melden, dies übertreffe an Scheusslichkeit alles, was Menschen sich vorstellen können. Unsere Schmach, deutsche Leser!“[4]

Wie sollte es mit Deutschland weiter gehen? Die deutsche Zukunft lag in tiefstem Dunkel.

„Es gibt in Deutschland keine zentrale Regierung oder Behörde, die fähig wäre, die Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ordnung, für die Verwaltung des Landes und für die Ausführung der Forderungen der siegreichen Mächte zu übernehmen. [...] Die Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika, der Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken und des Vereinigten Königreichs und die Provisorische Regierung der Französischen Republik übernehmen hiermit die höchste Autorität hinsichtlich Deutschlands, einschliesslich aller Machtvollkommenheiten, die der deutschen Regierung, dem Oberkommando der Wehrmacht und allen staatlichen, städtischen oder örtlichen Regierungen oder Behörden zustehen.“[5]

So hiess es in der Machtübernahme der Alliierten am 5. Juni 1945. Gleichzeitig wurde die Aufteilung Deutschlands für die Besatzungszwecke in vier Zonen und Berlins in vier Sektoren sowie die Bildung der Alliierten Kontrollbehörde verkündet. Ein deutsches Handlungssubjekt gab es nicht mehr, die alliierten Besatzungsmächte sollten fortan über die Zukunft Deutschlands bestimmen. Vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 trafen sich in Potsdam im Schloss Cecilienhof die Siegermächte, um über die Neuordnung Europas und vor allem Deutschlands zu sprechen. Die Grundlagen des deutschen Staatslebens sollten grundlegend verändert werden. Nicht nur die kurzfristigen Schäden des Nationalsozialismus sollten repariert werden, sondern auch mit längerfristigen Traditionen deutscher politischer Kultur sollte gebrochen werden. Militarismus und Nazismus sollten ausgerottet werden und die Alliierten wollten dafür sorgen, dass von Deutschland aus weder für Deutschlands Nachbarn noch für den Weltfrieden fortan eine Bedrohung ausgehe.[6]

Es folgten komplizierte Entnazifizierungsprozeduren und die bekannten Strafprozesse, in welchen die Alliierten das Recht vor wilde Abrechnung stellten, obwohl viele Zeitgenossen forderten die Nazi-Verbrecher direkt an die Wand zu stellen.[7]

Schon bald kam Kritik an den alliierten Strafverfahren auf, es handele sich um Siegerjustiz, und da die Ankläger nur aus dem Lager der Siegermächte stammten, sprach man vom „Besatzungsgericht“.[8] Karl Jaspers beschrieb die Stimmung und die geistige Situation im damaligen Deutschland sehr treffend:

„Man will einfach aufhören zu leiden, will heraus aus dem Elend, will leben, aber nicht nachdenken. Es ist eher eine Stimmung, als ob man nach so furchtbarem Leid gleichsam belohnt, jedenfalls getröstet werden müsste, aber nicht noch mit Schuld beladen werden dürfte.“[9]

Es sei nicht die Absicht der Alliierten, „das deutsche Volk zu vernichten oder zu einem Volk von Sklaven zu machen. Es ist vielmehr ihre Absicht, dem deutschen Volk Gelegenheit zu bieten, sich auf eine spätere Erneuerung seines Lebens auf einer friedlichen, demokratischen Grundlage vorzubereiten. Falls seine eigenen Bemühungen ständig auf dieses Ziel gerichtet bleiben, wird es dem deutschen Volk nach angemessener Zeit möglich sein, einen Platz unter den freien, friedliebenden Nationen der Erde einzunehmen“, hiess es im Potsdamer Abkommen vom August 1945.[10]

Der politische Wandel fand auch statt. Von den Alliierten eingesetzte Verwaltungen, Regierungen und Parlamente auf Gemeinde- und Länderebene begannen bereits 1945/46 wieder ihre Tätigkeit. In allen Zonen gab es Diskussionen und Initiativen für einen demokratischen Aufbau des staatlichen und wirtschaftlichen Lebens. Das letzte Wort lag aber immer bei der entsprechenden Besatzungsmacht, welche die ihr genehmen politischen Kräfte fördern, andere in ihrer Arbeit behindern konnte. Am 1.September 1948 trat in Bonn der von den Ministerpräsidenten der Länder in den Westzonen eingesetzte Parlamentarische Rat zusammen, um über ein Grundgesetz, welches das künftige Staats- und Gesellschaftsleben regeln sollte, zu beraten. Anfang Mai 1949 präsentierte der Parlamentarische Rat schliesslich den Westalliierten und den Länderparlamenten einen Entwurf zur Billigung, welcher am 23. Mai 1949 in Kraft trat. Im August 1949 fanden die Wahlen zum ersten Bundestag statt, in welchen Konrad Adenauer zum ersten Bundeskanzler gewählt wurde. Die Staatsgründung in den Westzonen war somit vollzogen, obwohl ihnen noch die volle Souveränität fehlte. Noch konnten die Westalliierten die politischen Entwicklungen kontrollieren.[11]

Doch sollte der September 1949 der erste Schritt in die Souveränität sein. Eine Selbstständigkeit, welche neben wiedererlangten politischen Möglichkeiten und Freiheiten auch Verantwortung auf die junge Bonner Republik lud. Erste Schritte einer Vergangenheitsbewältigung[12] wurden durch die alliierten Besatzer und antinazistische Bewegungen unternommen, nun war der Ball bei der deutschen Bevölkerung und der deutschen Politik.

Wie verfuhr nun die junge Bundesrepublik mit der schweren Hypothek des Dritten Reiches in den 1950er Jahren? „Was soll eigentlich ein Kollektiv tun, das schutzlos der Einsicht preisgegeben ist, dass in seinem Namen sechs Millionen Menschen aus keinem Grund als aus dem der eigenen aggressiven Bedürfnisse getötet wurden?“, fragten auch Alexander und Margarete Mitscherlich.[13] Jaspers forderte ein „miteinander reden lernen“, denn nur so schaffe man die Grundlage, „mit den anderen Völkern reden zu können. In voller Offenheit und Ehrlichkeit liegt nicht unsere Würde [...], sondern auch unsere eigene Chance. [...] Dieser Weg ist der einzige, der unsere Seele vor dem Pariadasein bewahrt. Was aus ihm sich ergibt, müssen wir sehen.“[14] Nun, wurde dem Verlangen von Jaspers in den 1950er Jahren Rechnung getragen? In der Forschung überwiegt der folgende Standpunkt:

„Von der mehrheitlichen Bereitschaft zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit kann in der bundesdeutschen Gesellschaft der 50er Jahre nicht die Rede sein. Vielmehr dominierten, [...], bis zum Ende des Jahrzehnts Amnesie und Verdrängung, rigorose Stille bzw. lautes Umdeuten.“[15]

Auch Walter Dirks wetterte in seinen Frankfurter Heften über den „restaurative[n] Charakter der Epoche“.[16] Die Verantwortung, welche nach dem militärischen Zusammenbruch auf den Völkern lastete, wurde nicht genutzt. Es folgte, keine Geburt des Neuen aus der Katastrophe, sondern das Drängen zurück in die Normalität. „Angst, Bedürfnis nach Sicherheit und Bequemlichkeit waren stärker als Mut, Wahrheit und Opfer, und so leben wir denn in einem Zeitalter der Restauration.“

Die politische Abkehr vom Nationalsozialismus aber auch die soziale Integration seines mehr oder weniger kompromittierten Personals fand im Rahmen stabiler politischer und schnell prosperierender wirtschaftlicher Verhältnisse statt. Über die NS-Vergangenheit wurde zwar immer wieder in der Öffentlichkeit geredet und gestritten, aber im stark gegenwartsorientierten Bewusstsein einer Gesellschaft, die sich als modern verstand und vor allem an Wiederaufbau und Wirtschaftswachstum, an Konsum, Freizeit und Unterhaltung dachte, verblassten die Schreckensbilder der Hitler-Vergangenheit.[17]

Erst gegen Ende der 1950er wuchs die Sensibilität für die eigene Vergangenheit. Es wurde schlagartig offenkundig, dass die Mehrzahl der Täter und Massenmordgehilfen, aber auch ein Grossteil der durch den Nationalsozialismus belasteten Eliten in der Politik, der Wirtschaft, Medizin und Justiz nicht nur straflos davongekommen waren, sondern ihren bürgerlichen Ruf zurückgewonnen hatten und ihre Pension bezogen oder es in ihrer früheren beruflichen Stellung wieder zu Wohlstand brachten. Kurz: Die personelle Kontinuität in der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft war sehr hoch. Vermehrt kam man zur Einsicht, dass die „Mörder unter uns“ leben, was der Titel eines Spielfilms von 1946 war und genau diese Problematik behandelte.[18] Vermehrt begann ein Teil der Bevölkerung nun hinzuschauen, begann zu fragen und zu hinterfragen. Es war vorerst nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, welcher auch oft als ‚Nestbeschmutzer’ betitelt wurde. Doch es war der Teil der Bevölkerung, welcher mit diesen ungesühnten Verbrechen nicht mehr leben konnte und wollte. Mit Beginn der 1960er Jahre sollte also eine Zeit folgen, in welcher die Bundesrepublik mit Vehemenz von ihrer Vergangenheit eingeholt wurde. Verschiedene Vorfälle werden dafür verantwortlich gemacht, den Stein ins Rollen gebracht zu haben und die deutsche Bevölkerung zu einem Umdenken gezwungen zu haben. Im Jahre 1957 kam es zu einem Prozess vor dem Schwurgericht in Ulm gegen Gestapo-, SD-, und Polizeiangehörige, welche an Erschiessungen von Juden im litauisch-deutschen Grenzgebiet beteiligt gewesen waren. Dieses Verfahren und weitere, die folgen sollten, thematisierten erstmals die Vernichtung des europäischen Judentums vor einer breiten Öffentlichkeit. Doch es kam noch zu weiteren Skandalen, welche zeigten, dass auch der Antisemitismus noch latent in der bundesdeutschen Bevölkerung zugegen war. Am 24. Dezember 1959 wurde eine neu eingeweihte Synagoge in Köln mit Schmierereien, wie „Deutsche fordern Juden raus“, geschändet.[19] Aber auch die Einrichtung der Ludwigsburger Zentralstelle der Landesjustizverwaltung für die Verfolgung von NS-Verbrechen kennzeichnete „das Ende des 50er Jahre-Modells und den Beginn einer neuen Phase im Umgang mit der NS-Vergangenheit [...]. Es hatte sich in einer Reihe spektakulärer Affären angekündigt und vorbereitet.“[20]

Es wurde nun immer klarer, dass an die Stelle der Vergangenheitspolitik der 1950er Jahre etwas Neues treten müsse. So kam es auch: Verschiedene Prozesse gegen ehemalige NS-Verbrecher oder antisemitische Skandale konfrontierten die deutsche Öffentlichkeit erstmals empfindlich mit den Verbrechen des Nationalsozialismus und der Tatsache, dass die eigene Vergangenheit bisher eben ‚unbewältigt’ war. Die Zeit des kollektiven Schweigens war endgültig vorbei, „die Diskussion über die NS-Zeit und die Verantwortung der deutschen Gesellschaft an den Verbrechen erreichte eine neue Qualität“.[21] Auch Hartmut Berghoff stellte eine „Entwicklung von der weitgehenden Erinnerungsverweigerung zur ersten Etappe einer aufrichtigen Auseinandersetzung“ fest. „Dieser Trend verstärkte sich in den frühen 60er Jahren, [...]. Kritische Schriftsteller gewannen zunehmend an Einfluss vor allem auf die junge Generation. Eine wachsende Bereitschaft, sich der tabulosen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit zu öffnen, war also schon vor der Studentenbewegung zu spüren, wenngleich Abwehrreaktionen und Vorbehalte der Älteren noch immer überwogen.“[22] Zum ersten Mal begann die Bundesrepublik sich von innen her mit der nationalsozialistischen Zeit zu beschäftigen. Die Thematisierung der NS-Vergangenheit wirkte zwar noch als Provokation, sie war Sache von Einzelnen, von Aussenseitern und Intellektuellen. Werke wie „Die Blechtrommel“ von Günter Grass oder „Die Ermittlung“ von Peter Weiss zeugen von diesem modifizierten Umgang mit der eigenen Vergangenheit.[23] Die Beschäftigung mit dieser Thematik setzte verständlicherweise Empörung und Erschütterung, Enttäuschung und Wut, Klage und Anklage frei.

In der vorliegenden Arbeit werde ich diese Entwicklung von den 1950er Jahren in die 1960er Jahre darstellen. Diese Darstellung wird sich vor allem mit der politisch-justitiellen Ebene der Vergangenheitsbewältigung im Nachkriegsdeutschland auseinandersetzen, da diese Ebene massgeblichen Anteil daran hatte, dass sich die Einstellung der Bundesrepublik zur eigenen Vergangenheit veränderte. Die ausgewählten Themenbereiche können jedoch nicht vollständig dargestellt werden, noch kann ein Gesamtüberblick über die politisch-justitielle Vergangenheitsbewältigung gezeichnet werden, dies würde den Rahmen sprengen. Fokussiert werden ausgewählte Einzelthemen, welche die 1950er und die 1960er Jahre charakterisieren und auch den Übergang vom einen zum anderen Zeitabschnitt verständlich machen. Diese Ereignisse sollen sich nur teils aus sich selbst legitimieren, sie sollen vielmehr dazu beitragen, einen Prozess, einen fortschreitenden Lernprozess, in der deutschen Nachkriegsgeschichte mitverfolgen zu können: den Bruch vom Beschweigen zur kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Dabei soll auf folgende Fragen eingegangen werden: Wie verfuhr die junge Bonner Republik in den 1950er Jahren und in den frühen 1960er Jahren mit der eigenen Vergangenheit? Wie war die Gesinnung im Volk während dieser Zeit? Welche Geschehnisse sind verantwortlich für den Zeitgeist der 1950er bzw. 1960er Jahre? Und welche Geschehnisse können direkt verantwortlich gemacht werden die angesprochene Zäsur, von der Verdrängung zur Aufarbeitung, zum genaueren Hinschauen, herbeigeführt zu haben?

1.2 Forschungsstand

Am 8. Mai 1945 schwiegen die Waffen, es wurde die bedingungslose Kapitulation unterzeichnet - die Geschichte der Hitler-Diktatur war aber damit keineswegs beendet. Die ‚zweite Geschichte’ des Nationalsozialismus begann danach unmittelbar.

„Es ist die bis heute andauernde, konfliktreiche Geschichte der Schuldbewältigung und Schuldverdrängung, des politischen Wandels, des trauernden Gedenkens, des öffentlichen Erinnerns und Vergessens, der historiographischen Deutung und Umdeutung, des Erfindens und Erzählens.“[24]

Die Forschung hat sich also inzwischen nicht mehr allein mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt, sondern vermehrt eben auch mit ihrer zweiten Geschichte. Zahlreich hat man sich der Thematik beschäftigt und für die 1950er dominiert die Ansicht, dass die eigene Vergangenheit verdrängt und beschönigt wurde, wie es etwa Alexander und Margarethe Mitscherlich formulierten. Ihr Werk „Die Unfähigkeit zu trauern“[25], gilt als eines der wichtigsten Beiträge, welche diese Sichtweise darstellen. Sie forderten, dass nach der Entstehung von Schuld „Reue und das Bedürfnis der Wiedergutmachung“ folgen sollten. Es stellte sich aber ein „Rückzug“ ein, man hielt den Rückzug für besser „als furchtloses Wühlen in der Vergangenheit. Wenn überhaupt Erinnerung, dann als Aufrechnung der eigenen gegen die Schuld der anderen.“[26] Sie gingen weiter und meinten, dass dort, „wo psychische Abwehrmechanismen wie etwa Verleugnung und Verdrängung bei der Lösung von Konflikten, [...], eine übergrosse Rolle spielen, ist regelmässig zu beobachten, wie sich die Realitätswahrnehmung einschränkt und stereotype Vorurteile sich ausbreiten [...]“.[27]

Weitere gewichtige Werke, welche die Sichtweise stützen, dass die eigene Vergangenheit verdrängt wurde, sind in den 1980er Jahren entstanden. So Gabriele von Arnim, welche von einem „grossen Schweigen“[28] sprach, welches dazu diente, um „sich selbst zu schonen“.[29] Auch von „Schatten“, welche über den Deutschen liegen, sprach der Politikwissenschaftler Peter Graf Kielmannsegg in seiner Monografie.[30] Auch er spricht von Kontinuitäten in Deutschland nach 1945 und eben davon, dass „es nach 1945 nicht zu einer wirklichen Erneuerung der Führungsschicht kam“.[31]

Einen Schritt weiter ging Manfred Kittel, als er von einer „Zweiten Schuld“ sprach, angesichts des kollektiven Beschweigens der Vergangenheit.[32]

In der Forschung wird aber auch die These vertreten, dass niemals sonst in der modernen Geschichte eine nachdiktatorische Gesellschaft so radikal mit der Vergangenheit gebrochen habe. Der Philosoph Hermann Lübbe meinte, es sei nicht zu übersehen, dass die Adenauer-Ära eine relativ stille Zeit bezüglich der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit darstelle, dies sei aber nötig gewesen, um aus den ehemaligen NS-Volksgenossen demokratische Bürger der Bundesrepublik zu machen. Die traumatischen Verletzungen bedürften eines Heilschlafs, um gelindert werden zu können. Seine zentrale These lautet:

„Diese gewisse Stille war das sozialpsychologisch und politisch nötige Medium der Verwandlung unserer Nachkriegsbevölkerung in die Bürgerschaft der Bundesrepublik Deutschland“.[33]

Er fokussiert also vor allem den Weg von der Diktatur in die Demokratie, die Systemtransformation. Seine These zog dann auch zahlreiche Kritik auf sich, denn bei ihm wird nur die physische Katastrophe angesprochen. Die moralische Wiedergutmachung, die eigene Schuld und die Opfer des Nationalsozialismus werden bei ihm nicht in Betracht gezogen.[34] Ein weiterer Verfechter der These, dass die eigene Vergangenheit ausreichend aufgearbeitet wurde, ist Manfred Kittel, welcher direkt auf Ralph Giordano Bezug nahm und die ausgebliebene Vergangenheitsbewältigung als eine „Legende“ betitelte.[35]

Das ‚Entweder-oder’ kann hier etwas relativiert werden, da es verschiedene Wege und Handlungsfelder in Richtung einer umfassenden Vergangenheitsbewältigung gibt. Der Professor für Politische Wissenschaft, Peter Reichel, weist darauf hin, dass die verschiedenen Handlungsfelder allesamt betrachtet werden müssen. Eine Fokussierung nur auf eines dieser Themenfelder würde eine ungenügende Auffassung der Problematik entstehen lassen. Er unterscheidet vier Handlungsfelder oder Wege einer umfassenden Vergangenheitsbewältigung:[36]

- erstens die politisch-justitielle Auseinandersetzung mit den Folgen der Hitler-Diktatur und ihrer Verbrechen - also das, was seit Jahrzehnten im Kern mit Vergangenheitsbewältigung gemeint ist. Die ersten politischen Handlungen also, welche die Bundesrepublik nach ihrer Entstehung tätigte. Diese Handlungen werden von Norbert Frei als „Vergangenheitspolitik“ betitelt. Sie umfassen nach ihm einen politischen Prozess, welcher Amnestie und Integration bewirkte und welcher durch eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz gezeichnet war. Die Werke des Letzteren sind für die detaillierte Darstellung dieser Vergangenheitspolitik sicher bisher auch massgebend.[37] Ein weiteres Werk, welche sich ebenfalls mit der politischen „Vergangenheitsbewältigung“ der Bundesrepublik beschäftigt ist dasjenige von Ulrich Brochhagen, der neben der Dokumentation der ersten politischen Handlungen der Bundesrepublik auch die entsprechenden Reaktionen der Alliierten thematisiert.[38] Auch das Buch von Peter Reichel gibt eine gelungene objektive Zusammenstellung vor allem der politisch-justitiellen Vergangenheitsbewältigung seit 1945 bis heute.[39] Die vorliegende Arbeit wird sich grösstenteils mit diesem Themenbereich beschäftigen.
- zweitens die Geschichte der öffentlichen Erinnerungs- oder Memorialkultur, also die emotionale Hinwendung zur Vergangenheit und ihrer Toten in rituellen Erinnerungsfeiern und Gedenktagen, Gedenkstätten und Denkmälern. Das Buch von Peter Reichel „Politik mit der Erinnerung“, gilt als bekanntestes Werk zu diesem Problem. Er berichtet über die verschiedenen Gedächtnisorte und die jeweiligen Diskurse, welche sie in ihrer Entstehung und Wirkung ausgelöst haben.[40]
- drittens die Geschichte der ästhetischen Kultur, also die subjektive Vergegenwärtigung der NS-Vergangenheit in den künstlerischen Medien
- viertens schliesslich die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus, also die objektivierende Darstellung und Deutung der Vergangenheit. Die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in der Schule würde ich auch diesem Handlungsbereich zuordnen. Weiter unten werde ich auf diesen Gegenstand noch eingehen, da auch er einen Teil der vorliegenden Arbeit darstellt.

Ab den 1980er Jahren erschienen dann einige Gesamtdarstellungen der Geschichte der frühen Bundesrepublik, welche einen guten Überblick bieten und ebenfalls fast ausnahmslos die Auffassung stützen, dass während der 1950er Jahren in keiner Weise die eigene Vergangenheit aufgearbeitet wurde. Erwähnenswert ist die Darstellung von Anselm Doering-Manteuffel, welche die versäumte „politische Aufarbeitung der Vergangenheit“ als „das gravierenste Defizit der geistig-politischen Entwicklung“ deutete. Durch die unterbliebene Aufarbeitung musste sich die Bundesrepublik „also aus sich heraus legitimieren. Dies geschah dadurch, dass sie sich antitotalitär begriff, als einen Hort der Freiheit und des Rechts [...].“[41]

Eine weitere gelungene Gesamtdarstellung der Geschichte der Bundesrepublik ist das Werk von Edgar Wolfrum. Es bietet einen Überblick zu der Geschichte der Bundesrepublik mit zahlreicher Literatur zu breit angelegten Themenfeldern.[42] Für die 1950er Jahre ist zudem das ausgezeichnete Werk von Axel Schildt und Arnold Sywottek zu nennen, welches ebenfalls einen breiten thematischen Überblick über die 1950er Jahre in Deutschland gibt.[43]

Der Begriff der ‚Vergangenheitsbewältigung’ erfreut sich nun einer verstärkten Zuwendung. Erstmals nimmt sich auch die Zeitgeschichte den Fragen des Umgangs mit der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik an[44], denn auch der Umgang der DDR mit ihrer Vergangenheit hat die Frage des Umgangs mit der eigenen Vergangenheit nach der Beendigung von Tyranneien oder Kriegen aktualisiert. Dies lässt darauf schliessen, dass die Vergangenheitsbewältigung kein gänzlich deutsches Thema ist, sondern weltpolitische Bedeutung hat, da sich die Frage nach den Hinterlassenschaften der Vergangenheit überall dort stellt, wo ein abrupter Übergang von vordemokratischen bzw. diktatorischen Verhältnissen zu einem liberal-demokratischen System stattfindet.[45] Für die rein theoretische Beschäftigung mit dem Begriff der Vergangenheitsbewältigung scheinen mir zwei Titel wichtig: Der immer noch aktuelle Vortrag von Theodor W. Adorno, der sich Gedanken über die „Aufarbeitung der Vergangenheit“[46] machte und der Aufsatz von Helmut König, aus welchem viel Grundlegendes und Weiterführendes zu entnehmen ist.[47] Auch das Buch von Peter Reichel gibt einen guten Überblick und Einstieg in die Thematik.[48]

Neben der politisch-justitiellen Vergangenheitsbewältigung interessiert auch die öffentliche Meinung, welche in dem erwähnten Zeitabschnitt herrschte. Der Forschungsstand zum öffentlichen Umgang mit der NS-Vergangenheit ist bisher jedoch wenig entwickelt. Einen Überblick bietet Kielmansegg oder auch Berghoff.[49] Ein weiterer gelungener Überblick über Forschungsstand und Probleme bei der Erforschung des öffentlichen Umgangs mit der NS-Zeit bietet Axel Schildt. Vor dem Hintergrund umschriebener Forschungsprobleme skizziert er eine Periodisierung der öffentlichen Diskurse in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft, und dabei stellt er einen Wandel des Umgangs mit der NS-Vergangenheit im letzten Drittel der 50er Jahre fest, welcher als Beginn eines tief greifenden „sozial- und kulturgeschichtlichen Umbruchs verstanden werden“ kann.[50]

Zu den 1960er Jahren ist wiederum die Gesamtdarstellung von Edgar Wolfrum zu empfehlen. Auch zu dieser Thematik lässt sich bei ihm viel Literatur und Information gewinnen.[51] Der neueste Forschungsstand für die 1960er Jahre ist jedoch bei Axel Schildt zu finden. Dieses Werk bietet einen sehr guten Überblick über verschiedene Themenbereiche in den 1960er Jahren, wobei der Umgang mit dem Nationalsozialismus in den 1960er Jahren einen prominenten Platz einnimmt. Auch hier wird die These vertreten, dass nach einer Zeit der Stille und einer Schlussstrich-Atmosphäre während der 1950er Jahre mit Beginn der 1960er Jahre eine Zeit der kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit anbrach.[52]

Der sich anbahnende Einstellungswechsel, war unweigerlich zuvor mit einer tief greifenden Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit verbunden. Erste Skandale über Kontinuitäten in den Funktionseliten der jungen Bonner Republik oder antisemitische Skandale rüttelten die Bevölkerung auf. Zwei Werke scheinen mir für diesen Themenbereich notwendig: Einerseits die bereits genannte ausführliche Dokumentation von Ulrich Brochhagen und andererseits das einen breiten Überblick über antisemitische Vorfälle und Skandale verschaffende Werk von Werner Bergmann.[53] Der Aufsatz von Clemens Vollnhals bietet einen Überblick über weitere Komponenten, welche dazu beitrugen, dass sich ein Wandlungsprozess in der deutschen Bevölkerung bemerkbar machte. Dabei fokussiert Vollnhals verstärkt die Aufklärung der Bevölkerung durch Fernsehserien oder die Modifizierung der Schulbücher zu Schulungszwecken.[54] Zudem ist der Beitrag von Konrad Kwiet erwähnenswert. Er betrachtet die zeitgeschichtliche Erforschung der NS-Zeit in den Jahren 1945-1961. Er macht sich Gedanken, wer vor allem im ersten Nachkriegsjahrzehnt in diesem Bereich tätig war und stellt sehr übersichtlich Themenbereiche dar, welche in diesen Jahren durch westdeutsche aber auch jüdische Historiker erforscht wurden.[55]

Ein weiterer Anlass, welcher für ein Umdenken in der deutschen Bevölkerung verantwortlich gemacht werden muss, ist der Auschwitz-Prozess. Zum Auschwitz-Prozess gibt es eine Fülle von Literatur. Das Fritz Bauer Institut gilt als bedeutendster Herausgeber von Literatur zum Auschwitz-Prozess. Es veröffentlichte anlässlich des Prozesses ein Werk, welches sowohl den wirkungsgeschichtlichen Hintergrund des Verfahrens, seine historische Einordnung, sein Echo als auch juristische, politische und kulturelle Folgen darstellt. Es ist eine Sammlung von Aufsätzen und Illustrationen, welche den gesamten Holocaust, vor allem aber den Auschwitz-Prozess, thematisiert.[56] Als unverzichtbar gilt auch das Werk von Bernd Naumann, welcher im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über den Prozess, während seiner gesamten Dauer berichtete.[57] Die ausführlichste Dokumentation des Prozesses stammt von Hermann Langbein, welcher selber als Zeuge am Prozess aussagte und danach an fast allen Verhandlungstagen dabei war und mit stenografierte und danach aus seinen Notizen seine Dokumentation zusammensetzte. Sie beinhaltet die wichtigsten Aussagen aller Angeklagten und stellt verschiedene andere Problembereiche des Prozesses ausführlich dar.[58] Aus juristischer Sicht ist die Dokumentation von Gerhard Werle und Thomas Wandres eine notwendige Einführungslektüre.[59]

1.3 Aufbau

Der Begriff ‚Vergangenheitsbewältigung’ soll zu Beginn der Arbeit geklärt werden. Was versteht man unter dem heute sehr populären Wort der ‚Vergangenheitsbewältigung’. Dies soll einführend und theoretisch analysiert werden.

Ein erster grosser Teil soll sich den 1950er Jahren widmen. Ich werde dort zuerst einen Überblick über die Stimmungslage in der Bundesrepublik in Bezug auf die nationalsozialistische Vergangenheit darzustellen versuchen. Die politischen Tätigkeiten der jungen Bundesrepublik beginnen am 7. September 1949 mit der ersten Sitzung des neu gegründeten Bundestages. Sofort setzte das Kabinett erste legislative Massnahmen in Gang, welche die Bemühungen der Vergangenheitsbewältigung der Alliierten Rückgängig machen sollten. Diese legislativen Massnahmen hatten zur Folge, dass die meisten Deutschen, die auf die eine oder andere Weise noch von der Entnazifizierung betroffen waren, amnestiert wurden. Ich werde also in der Folge einige dieser legislativen Massnahmen aufzeigen, da sie der damalig omnipräsenten Forderung nach dem ‚Schlussstrich’ entsprachen. Es soll vor allem die Rückgängigmachung der Entnazifizierung angesprochen werden und in einem weiteren Kapitel soll das „Feilschen“[60] um die noch inhaftierten Kriegsverbrecher[61] im In- und Ausland dargestellt werden. Auch in der Kriegsverbrecherfrage drückt die öffentliche Meinung, welche im Übrigen weit über das bürgerliche Lager hinausreichte, stark durch und dient daher ausgezeichnet die 1950er Jahre zu charakterisieren.[62]

In einem zweiten grösseren Teil soll der Übergang von den späten 1950er Jahren in die frühen 1960er Jahre behandelt werden. Auch hier werde ich exemplarisch einige Ereignisse auswählen, welche die Gegensätzlichkeit, aber auch den einsetzenden Lernprozess in der deutschen Nachkriegsgesellschaft dokumentieren. Ich werde einige Begebenheiten auswählen, welche die bundesdeutsche Bevölkerung aufrüttelten und sie mit unangenehmen Fragen konfrontierten. So sollen antisemitische Vorfälle, erste Skandale oder der Eichmann-Prozess exemplarisch dargestellt werden und dafür stehen, einen Lernprozess in der Bevölkerung initiiert zu haben. Im Weiteren werde ich auf zwei Angelegenheiten eingehen, welche bereits der veränderten Stimmung in der Gesellschaft Rechnung tragen. Erstens werde ich die Errichtung der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltung zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigshafen erläutern. Diese Stelle errichtete man erst acht Jahre nachdem eine Zentrale Rechtsschutzstelle eingerichtet wurde, deren Aufgabe es war, „jedem deutschen Häftling im Ausland und in den alliierten Gefängnissen in Landsberg, Werl und Wittlich, aber auch den in Spandau einsitzenden Verurteilten aus dem Nürnberger Prozess, eine optimale Verteidigung zu garantieren.“[63] Die Errichtung dieser Stelle, war ein direktes Resultat der ersten Skandale in den späten 1950er Jahren und stellt somit einen ersten Schritt in die neue Richtung dar.

Der Auschwitzprozess werde ich als letztes Ereignis darstellen, welches dafür verantwortlich gemacht werden kann, dass die Bereitschaft der Bundesrepublik zur kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit zunahm. Es war der erste grosse Nachkriegsprozess, welcher vor deutschen Gerichten stattfand und dank der riesigen medialen Präsenz auch grosse Teile der Bevölkerung erreichte und aufrüttelte.

Der Schluss der Arbeit soll einige zusammenfassende Gedanken und einen Ausblick beinhalten.

2. ‚Vergangenheitsbewältigung’ - ein facettenreicher Begriff

2.1 Grundlegendes und Herkunft des Wortes

Das Abstraktum ‚Vergangenheitsbewältigung’ ist ein typisch deutscher Begriff. Der Ausdruck ist für fremdsprachige nur sehr umständlich zu übersetzen, was doch andeutet, dass dieses Wort eine deutsche Schöpfung sein muss, welche nach ihresgleichen in anderen Sprachen sucht. Die Einordnung des Begriffes ‚Vergangenheitsbewältigung’ wird somit auch geographisch und zeitlich definiert. Er wird a priori Deutschland für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zugeschrieben.[64]

Die ‚Verbindung’ zwischen Bundesrepublik und dem Begriff ‚Vergangenheitsbewältigung’ begann 1945 mit den von den Alliierten geäusserten Absichten, diesen Krieg nicht einfach mit einem Waffenstillstand und einem Friedensschluss zum Abschluss zu bringen. Die Siegerallianz reagierte mit vielen Massnahmen und versuchte, das Land von Faschismus und Militarismus zu befreien. Zu diesen Massnahmen „gehörte an erster Stelle, dass Teile der politischen und funktionalen Elite vor ein internationales Gericht gestellt und verurteilt wurden“.[65] Damit war ein grosser Schritt zu einem „Weltbürgerrecht“ getan und auch die „Ächtung des Krieges“ wurde in bestimmte Strafbestände umgesetzt; man schuf den „neuen Strafbestand des ‚Verbrechens gegen die Menschlichkeit’ und machte Einzelpersonen persönlich auch für solche Verbrechen haftbar, die sie in Staats- und Kriegsdiensten und in Befolgung bestehender Gesetze und Anordnungen begannen hatten“.[66] Neben diesen Strafprozessen wurde die ganze deutsche Bevölkerung durch aufwendige Verfahren einer Entnazifizierung unterzogen, um den Nazismus vollständig zu entwurzeln und in der ganzen Gesellschaft zu beseitigen. Und schliesslich wurden „umfassende aufklärerische, pädagogische und kulturelle Massnahmen der Umerziehung, der re-education und re-orientation in Gang“ gesetzt.[67] Der Begriff ‚Vergangenheitsbewältigung’ hat hier seine Anfänge.

Erstmals aber sei das Wort ‚Vergangenheitsbewältigung’ 1955 bei einer Evangelischen Tagung in Berlin aufgetaucht. Zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, nach Wirtschaftswunder, wiedererlangter Souveränität und Westintegration entstanden wohl erste spärliche Bemühungen, „Antworten zu finden auf Gewissensfragen nach Mitverantwortung und Mitschuld an allem, was von 1933 bis 1945 in und durch Deutschland geschehen war“.[68] 1959 erwähnt Hermann Heimpel, Direktor des Max-Planck-Instituts für Geschichte in Göttingen, in einem Vortrag das Wort ‚Vergangenheitsbewältigung’. In der Zeit ab 1959 wurde die Bundesrepublik von ihrer Geschichte zunehmend eingeholt und damit konfrontiert, was die Aussage von Hermann Heimpel nicht ganz zufällig macht:

„Die Unrast und die Unlust, mit der wir der Geschichte begegnen, oder ihr auszuweichen suchen, ist zunächst also eine deutsche Erscheinung, ein deutsches Verhängnis - es ist die viel zitierte ‚unbewältigte Vergangenheit’. Diese bricht über alle herein, ob sie es wissen oder nicht - denn der Kampf um unsere Vergangenheit liegt nicht hinter uns, sondern vor uns.“[69]

Auch Ulrich Brochhagen spricht von einem „neudeutschen Wortungetüm“, dem aber „im umgekehrten Verhältnis zu seiner inflationären Nutzung“ eine fehlende Definitionsschärfe anhafte.[70]

Es ist ein facettenreicher Begriff, welcher dazu noch ziemlich ungenau ist und daher einiger Erläuterungen bedarf. Es ist ein Terminus, welcher zu einem „Sammelbegriff für jene Aktivitäten geworden ist, mit denen sich demokratische und auf die Menschenrechte verpflichtete politische Systeme und Gesellschaften mit ihren durch Diktatur und Verbrechen gekennzeichneten Vorgängersystemen auseinandersetzen“.[71]

Kann aber Vergangenheit überhaupt bewältigt werden? Auf den Wortteil ‚Bewältigung’ richtet sich auch die Kritik. Geschehenes ist geschehen und abgeschlossen und kann nicht mehr verändert werden. Einzig die Gegenwart und die Zukunft können verändert und umgestaltet werden.[72] „Gegenüber der Vergangenheit sei überhaupt nur ein Bewerten, nicht ein Bewältigen denkbar.“[73] Auch der deutsche Professor für Rechtswissenschaften, Bernhard Schlink, stimmt in diesen Kanon ein:

„Was vergangen ist, kann nicht bewältigt werden. Es kann erinnert, vergessen oder verdrängt werden. Es kann gerächt, bestraft, gesühnt und bereut werden. Es kann wiederholt werden, bewusst oder unbewusst. [...] Aber was geschehen ist, ist geschehen. Das Vergangene ist unerreichbar und unveränderbar. Bewältigung im eigentlichen Sinn, wie man eine Aufgabe bewältigt, die zunächst vor einem steht, dann bearbeitet wird, durch die Bearbeitung ihre Gestalt verändert und schliesslich erledigt ist und als Aufgabe verschwindet, gibt es bei Vergangenem nicht.“[74]

2.2 Was ist ‚Vergangenheitsbewältigung’? - Ein theoretisches Konzept

Helmut König schlüsselt den Begriff ‚Vergangenheitsbewältigung’ in vier Teilbereiche auf:[75] Ziel, Aufgaben, Ebenen und Akteure.

2.2.1 Ziel

Bevor man irgendetwas unternimmt müssen die Akteure sich im Klaren sein, welches die zu erreichenden Ziele sind. Das Ziel besteht darin, entweder von der Linie der Vergangenheit nicht abzuweichen oder umgekehrt, ihrer Macht zu entkommen. Im ersten Fall versucht man gewisse Bestände der Vergangenheit in der Gegenwart festzusetzen, was einer Bestätigung der bisherigen Bemühungen entspricht, was „für die Zwecke der Identitätsstiftung sehr dienlich und zweckmässig ist“.[76] Man erinnert sich auch lieber an Vergangenheit auf die man stolz ist und ohne Schuldbewusstsein und Reue zurücksehen kann und somit das Selbstbewusstsein stärkt und stabilisiert.

„Dieses simple Faktum ist dafür verantwortlich, dass Individuen wie Kollektive im Falle der Divergenz von Selbstbild und geschichtlichen Fakten nicht das Selbstbild relativieren, sondern die Erinnerung manipulieren und auf diese Weise Vergangenheit und Gegenwart einander annähern. Legenden sind angenehmer als Wirklichkeit.“[77]

So wird Wirklichkeit oft zu einem Zerrbild, oder sie wird einfach dem Wunschbild gefügig gemacht. Nietzsche beschreibt das in folgender Weise: „Das habe ich getan, sagt mein Gedächtnis. Das kann ich nicht getan haben - sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich gibt das Gedächtnis nach“.[78] Die Umdeutung der Vergangenheit ist allgegenwärtig und jeder Mensch neigt dazu, denn das Beschönigen ist oftmals einfacher als die nackte Wahrheit. Wo Geschichte umgedeutet und instrumentalisiert wird, um gegenwärtige politische Bedürfnisse und Tendenzen zu befriedigen und steuern, dort spricht man von ‚Geschichtspolitik’. Die Weimarer Republik mit der Durchsetzung der Dolchstosslegende ist dafür ein klassisches Beispiel.[79]

Da setzt der Begriff der ‚Vergangenheitsbewältigung’ oder der ‚Aufarbeitung der Vergangenheit’, wie sie Theodor Adorno genannt hat, ein. Es geht darum die fortwirkende Macht der negativ bewerteten Vergangenheit, welche in der Gegenwart eben oftmals instrumentalisiert und oder zu einem Wunschbild verklärt wurde, aufzuklären oder aufzuarbeiten. Es geht weiter darum die Vergangenheit nun eben unbeschönigt wahrzunehmen. Dies lehnt an die Lehre Sigmund Freuds an, der von „Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten“ spricht.[80] Die Krankheit besteht darin, dass man Böses oder Unrecht, das einem widerfahren ist, ins Unbewusste verdrängt. Der Patient oder ein Kollektiv krankt an einer Schuld, welche er verdrängt. Und es geht darum nun diese Schuld, dieses Böse „dem Patienten“ bewusst zu machen, es zu vergegenwärtigen und erst, wenn man der Vergangenheit ins Auge blickt, sich für die ungeschönte Erinnerung frei macht, kann die Macht der Vergangenheit gebrochen werden. Nur konfrontiert mit der ungeschminkten Wahrheit, erhöht sich die Chance auf Heilung.[81]

2.2.2 Wege

Entscheidend für das Erreichen von Zielen ist der Weg, der beschritten wird. Vergangenheitsbewältigung beinhaltet aber zahlreiche Wege. Theodor W. Adorno spricht von der „Aufarbeitung der Vergangenheit“.[82] Adorno gibt auch gleich eine Empfehlung, wie er nach seinem Dünken die Vergangenheit zu ‚bewältigen’ oder eben ‚aufzuarbeiten’ sucht:

„Dass der Faschismus nachlebt, dass die vielzitierte Aufarbeitung der Vergangenheit bis heute nicht gelang und zu einem Zerrbild, dem leeren und kalten Vergessen, ausartete, rührte daher, dass die objektiven gesellschaftlichen Voraussetzungen fortbestehen, die den Faschismus zeitigten“.[83]

Er argumentiert aus einem neomarxistisch-gesellschaftskritischen Ansatz heraus und stellt eine Kontinuität zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit in Deutschland fest. Folglich kann ein Neuanfang, wie er nach der totalen Niederlage hätte folgen sollen, so nicht entstehen. Es bedarf also einer gesellschaftlichen Umwandlung, um den Neuanfang auszulösen und die Vergangenheit aufzuarbeiten. Die Vergangenheit wäre erst dann aufgearbeitet und gebannt, wenn die Ursachen des Vergangenen beseitigt wären. Nur weil die Ursachen fortbestehen, sei sein Bann bis heute nicht gebrochen.[84]

Andere sprechen von der „Bewältigung der Vergangenheit durch Recht“.[85] Doch auch die „Bewältigung von Vergangenheit durch Recht“ kann geschehenes eben nicht ungeschehen machen.[86] Das Recht kann nur zukünftiges und gegenwärtiges Leben umgestalten. Weiter wirkt die Verjährung gegen die Vergeltung von Vergangenem und auch der Grundsatz „nulla poena sine lege“, der den Gedanken beinhaltet, dass niemand verantwortlich gemacht werden kann für einen Strafbestand, welcher erst nachträglich als strafbar deklariert wurde, wirkt gegen die Strafverfolgung von Taten in der Vergangenheit.[87]

Dennoch kann ist die Bewältigung der Vergangenheit durch Recht ein Weg. Er kann aufklären und die Erinnerung unterstützen gegen das Verdrängen und Vergessen. Recht kann ein Exempel setzen und dafür eintreten, dass in Zukunft Geschehenes nicht mehr geschieht. Recht kann auch dafür sorgen, dass das Vergangene um sein Fortbestehen gebracht wird oder dass ihm die Fortwirkung gesichert wird. Das Recht kann auch „verurteilte Bürger rehabilitieren und vergangene Enteignungen rückgängig machen und kann ebenso vergangene Verurteilungen, Bestrafungen, Enteignungen und Karrieren bestehen lassen“.[88] In diesem Sinn gibt es eine Bewältigung von Vergangenheit, denn die Vergangenheit wird so in ein aktuelles Konstrukt verwandelt, welches in die gegenwärtige Gesellschaft oder ins individuelle Bewusstsein integriert werden kann und somit zu einer neuen Leitidee der Gesellschaft wird.[89]

Diese Beispiele zeigen, dass es verschiedene Wege der Vergangenheitsbewältigung gibt. Die Handlungsebenen beinhalten neben politischen, eben auch kulturelle, juristische, wissenschaftliche, pädagogische und religiöse Leistungen. Die Reduktion auf nur eine dieser Handlungsebenen würde dem Anspruch einer umfänglichen ‚Vergangenheitsbewältigung’ nicht gerecht, auch wenn der jeweilige Begriff auf den ersten Blick vielleicht präziser erscheint.[90]

Edgar Wolfrum unterscheidet vier Handlungsebenen, welche betrachtet und auseinandergehalten werden müssen:

„Auf der politisch-justitiellen Ebene die Strafverfolgung von NS-Verbrechern, die Entschädigung von Opfern und die Personalpolitik von Institutionen; auf der Ebene der Erinnerungspolitik das öffentliche Gedenken an den Nationalsozialismus, auf der wissenschaftlichen Ebene die Erforschung des Dritten Reiches und auf der Ebene kollektiver Einstellungen die Deutungs- und Verhaltensmuster der Bevölkerung sowie populäre Geschichtsbilder.“[91]

Auch Helmut König unterscheidet verschiedene Wege einer umfassenden Vergangenheitsbewältigung. Eine erste Massnahme nach dem Ende diktatorischer Regime, ist die Auflösung und das Verbot verbrecherischer Organisationen und Institute.[92] Ein weiterer Schritt ist die „strafrechtliche Ahndung von Verbrechen und Vergehen des alten Regimes“.[93] Dies stellt die Ankläger vor grosse Probleme, denn es handelt sich hier nicht um ‚normale’ Verbrechen, sondern um Verbrechen, welche auf Staatswegen und auf gesetzliche Anordnungen begangen wurden.[94] Ein dritter Schritt ist die „Säuberung des öffentlichen Lebens von belasteten Personengruppen des alten Regimes. Massnahmen dieser Art, also Entlassungen, Suspendierungen, der Entzug bürgerlicher Rechte richten sich zumeist auf die Gesamtheit einer Statusgruppe und sind nicht, wie Strafprozesse, an den Nachweis individuellen Fehlverhaltens gebunden.“[95] Ein weiterer Weg, der beschritten werden muss, ist die „Rehabilitierung und Entschädigung von Opfern“.[96] Die Entschädigung beinhaltet einerseits materielle Leistungen, andererseits umfasst sie auch symbolische Leistungen wie Wertschätzung, öffentliche Anerkennung oder die Aufhebung von Unrechtsurteilen.[97] Der letzte Schritt der hier unterschiedenen Wege ist die Aufarbeitung der Vergangenheit in der „öffentlichen Diskussion“.[98] Die Aufarbeitung kann in einer breit entfalteten Erinnerungs- und Gedenkkultur mit Mahnmalen, Gedenktagen, Museen, Ausstellungen ihren Ausdruck finden.[99]

Auch Michael Wolffsohn unterscheidet die verschiedenen Handlungsdimensionen in seinem Definitionsversuch von ‚Vergangenheitsbewältigung’, welcher aber vornehmlich auf Deutschland zugeschnitten ist.

„Zur Vergangenheitsbewältigung gehören Wissen, Werten, Weinen, Wollen, als vier Ws. Wissen, was geschah. Das Werten der Taten als Untaten. Das zumindest symbolische Weinen über die Opfer. Das Wollen eines anderen, als besser und moralischer empfundenen Allgemeinwesens. Das Wollen wäre die Voraussetzung zum Handeln.“[100]

2.2.3 Politische Ebenen

Helmut König unterscheidet drei unterschiedliche politische Ebenen.

1. Sofern Massnahmen in den Zuständigkeitsbereich des „politischen Systems“ fallen, sind sie an Verhandlungen zwischen Parteien und Verbänden gebunden.[101] Die Aktivitäten der Legislative, der Regierung und der Justiz sind an den politischen Prozess gebunden und stehen immer unter dem Einfluss der Öffentlichkeit oder dem Kalkül von Parteien.[102]

[...]


[1] Margarete Bourke-White, Deutschland April 1945, München 1979.

[2] Klaus-Dietmar Henke, Die amerikanische Besetzung Deutschlands, München 1995, S. 862-882.

[3] John Dwight D. Eisenhower, Letters to Mamie, Garden City 1978, S. 210, S. 248.

[4] Mann, Thomas, Essays, 6 Bde., Frankfurt am Main 1996, Bd.6: Meine Zeit 1945-1955, Frankfurt am Main 1997, S. 11.

[5] Wolfgang Lautemann/Manfred Schlenke (Hg.), Geschichte in Quellen, 7 Bde., München 1977-1980, Bd. 7: Die Welt seit 1945, München 1980, S. 73.

[6] Günther-Arndt Hilke [et. al.] (Hg.), Geschichtsbuch - Neue Ausgabe. Die Menschen und ihre Geschichte in Darstellungen und Dokumenten, 4 Bde., Neuauflage, Berlin 1996, Bd. 4: Geschichtsbuch 4. Von 1918 bis 1995, Neuauflage, Berlin 1996, S. 143-148.

[7] Helmut König, Die Zukunft der Vergangenheit. Der Nationalsozialismus im politischen Bewusstsein der Bundesrepublik, Frankfurt am Main 2003, S. 21.

[8] Siehe dazu: Peter Reichel, Vergangenheitsbewältigung in Deutschland. Die Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur von 1945 bis heute, München 2001, S. 42-65.

[9] Karl Jaspers, Die Schuldfrage, in: Karl Jasper, Hoffnung und Sorge. Schriften zur deutschen Politik 1945-1965, S. 70-88, hier S. 75.

[10] Lautemann/Schlenke, Geschichte in Quellen, Bd. 7, S. 73.

[11] Siehe dazu: Hilke, Geschichtsbuch, S. 143-148.

[12] Siehe zu diesem Begriff Kapitel 2 der vorliegenden Arbeit.

[13] Alexander Mitscherlich/Margarete Mitscherlich, Die Unfähigkeit zu trauern, Neuausgabe, München 1977, S. 30.

[14] Jaspers, Die Schuldfrage, S. 70.

[15] Hartmut Berghoff, Zwischen Verdrängung und Aufarbeitung. Die bundesdeutsche Gesellschaft und ihre nationalsozialistische Vergangenheit in den Fünfziger Jahren, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 49, 1998, S. 96-114, hier S. 111.

[16] Siehe für folgende Zitate: Walter Dirks, Der restaurative Charakter der Epoche, in: Frankfurter Hefte 5, 1950, S. 942-954 hier S. 942

[17] König, Die Zukunft der Vergangenheit, S. 25f.

[18] Marc von Miquel, „Wir müssen mit den Mördern zusammenleben!“. NS-Prozesse und politische Öffentlichkeit in den sechziger Jahren, in: Irmturd Wojak (Hg.) im Auftrag des Fritz Bauer Instituts, „Gerichtstag halten über uns selbst...“. Geschichte und Wirkung des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses. Jahrbuch 2001 zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, Frankfurt am Main 2001, S. 97-116, hier S. 97.

[19] Werner Bergmann, Antisemitismus in öffentlichen Konflikten. Kollektives Lernen in der politischen Kultur der Bundesrepublik 1949-1989, Frankfurt am Main 1997, S. 235.

[20] König, Die Zukunft der Vergangenheit, S. 31.

[21] Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, Stuttgart 2006, S. 272.

[22] Berghoff, Zwischen Verdrängung und Aufarbeitung, S. 114.

[23] Siehe dazu die Bibliographie.

[24] Reichel, Vergangenheitsbewältigung in Deutschland, S. 9.

[25] Mitscherlich/Mitscherlich, Die Unfähigkeit zu trauern, siehe dazu die Bibliographie.

[26] Ebd., S. 36.

[27] Mitscherlich/Mitscherlich, Die Unfähigkeit zu trauern, S. 24.

[28] Gabriele von Arnim, Das grosse Schweigen. Von der Schwierigkeit mit den Schatten der Vergangenheit zu leben, München 1989.

[29] Ebd., S. 15.

[30] Peter Graf Kielmansegg, Lange Schatten. Vom Umgang der Deutschen mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, Berlin 1989.

[31] Ebd., S. 19.

[32] Ralph Giordano, Die zweite Schuld oder Von der Last ein Deutscher zu sein, Hamburg 1987.

[33] Hermann Lübbe, Der Nationalsozialismus im deutschen Nachkriegsbewusstsein, in: Historische Zeitschrift, 236, 1983, S. 579-599, hier S. 585.

[34] Siehe dazu: Ebd., S. 579-599.

[35] Manfred Kittel, Die Legende der „Zweiten Schuld“: Vergangenheitsbewältigung in der Ära Adenauer, Berlin 1993.

[36] Siehe zum Folgenden: Reichel, Vergangenheitsbewältigung in Deutschland, S. 9.

[37] Frei, Vergangenheitspolitik und ders., Vergangenheitspolitik in den fünfziger Jahren, in: Wilfried Loth, [et. al.] (Hg.), Verwandlungspolitik. NS-Eliten in der Westdeutschen Nachkriegsgesellschaft, New York 1998, S. 79-93, hier S. 79f.

[38] Brochhagen, Nach Nürnberg, siehe dazu die Bibliographie.

[39] Reichel, Vergangenheitsbewältigung in Deutschland, siehe dazu die Bibliographie.

[40] Peter Reichel, Politik der Erinnerung. Gedächtnisorte im Streit um die nationalsozialistische Vergangenheit, München 1995.

[41] Anselm Doering-Manteuffel, Die Bundesrepublik in der Ära Adenauer, Darmstadt 1983, S. 210.

[42] Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Eine Gesamtdarstellung mit den wichtigsten Entwicklungslinien der Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre bietet das Werk von: König, Die Zukunft der Vergangenheit, siehe dazu die Bibliographie.

[43] Axel Schildt/Arnold Sywottek, Modernisierung im Wiederaufbau. Die westdeutsche Gesellschaft der 50er Jahre, Bonn 1998.

[44] Siehe zum Beispiel: König, Die Zukunft der Vergangenheit oder Frei, Vergangenheitspolitik.

[45] Siehe dazu: Helmut König, Von der Diktatur zur Demokratie oder Was ist Vergangenheitsbewältigung, in: Leviathan (Sonderheft) 18, 1998, S. 371-392 hier S. 390-392.

[46] Theodor W. Adorno, Erziehung zur Mündigkeit, Frankfurt 1970, S. 10-28, hier S. 10.

[47] König, Von der Diktatur zur Demokratie oder Was ist Vergangenheitsbewältigung, siehe die Bibliographie.

[48] Reichel, Vergangenheitsbewältigung in Deutschland, siehe die Bibliographie.

[49] Kielmansegg, Lange Schatten sowie Berghoff, Zwischen Verdrängung und Aufarbeitung, siehe die Bibliographie.

[50] Axel Schildt, Der Umgang mit der NS-Vergangenheit in der Öffentlichkeit der Nachkriegszeit, in:

Wilfried Loth, [et. al.] (Hg.), Verwandlungspolitik, Frankfurt am Main 1998, S. 19-54 hier S. 26.

[51] Wolfrum, Die geglückte Demokratie, siehe die Bibliographie.

[52] Axel Schildt/Arnold Sywottek [et. al.] (Hg.), Dynamische Zeiten. Die 60er Jahre in den beiden deutschen Gesellschaften, Hamburg 2000.

[53] Brochhagen, Nach Nürnberg sowie Werner Bergmann, Antisemitismus in öffentlichen Konflikten. Kollektives Lernen in der politischen Kultur der Bundesrepublik 1949-1989, Frankfurt am Main 1997.

[54] Clemens Vollnhals, Zwischen Verdrängung und Aufklärung. Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust in der frühen Bundesrepublik, in: Ursula Büttner (Hg.), Die Deutschen und die Judenverfolgung im Dritten Reich, Frankfurt am Main 2003, S. 381-422.

[55] Konrad Kwiet, Die NS-Zeit in der westdeutschen Forschung 1945-1961, in: Ernst Schulin (Hg.), Deutsche Geschichtswissenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1965), München 1989, S. 181-198.

[56] Irmtrud Wojak (Hg.) im Auftrag des Fritz Bauer Instituts, Auschwitz-Prozess 4 Ks 2/63 Frankfurt am Main. Katalog zur Ausstellung vom 27. März bis 23. Mai 2004 im Haus Gallus/Frankfurt am Main, Köln 2004.

[57] Bernd Naumann, Auschwitz. Bericht über die Strafsache gegen Mulka u. a. vor dem Schwurgericht Frankfurt, Neuausgabe, Berlin 2004.

[58] Hermann Langbein, Der Auschwitzprozess. Eine Dokumentation, 2 Bde., Frankfurt am Main 1995 (unveränderte Neuauflage).

[59] Gerhard Werle/Thomas Wandres, Auschwitz vor Gericht. Völkermord und bundesdeutsche Strafjustiz. Mit einer Dokumentation des Auschwitz-Urteils, München 1995.

[60] Frei, Vergangenheitspolitik, S. 21.

[61] Der Begriff ist unscharf, ich werde ihn aber im Folgenden auch verwenden. Unscharf deshalb, weil es sich bei diesen inhaftierten Deutschen nur bei einem Teil um Soldaten handelt, die wegen Kriegsverbrechen im Sinne der Haager Konventionen verurteilt wurden. Die anderen waren SS-Leute, Parteifunktionäre und Zivilisten, die sich wegen ihrer Taten als KZ-Personal, als Kommandeure von Einsatzgruppen oder etwa als Rüstungsindustrielle (wegen Verwendung von Zwangsarbeitern) zu verantworten hatten. Frei, Vergangenheitspolitik, S. 21 und 234f.

[62] Siehe dazu: Ebd., S. 22.

[63] Frei, Vergangenheitspolitik, S. 21f.

[64] Siehe dazu: Grete Klingenstein, Über Herkunft und Verwendung des Wortes „Vergangenheitsbewältigung“, in: Geschichte und Gegenwart 4, 1988, S. 301-312, hier S. 301. Stefan Zweig schreib zwar bereits 1919 über „Die Tragik der Vergesslichkeit“ und gibt so, in Bezug auf den Ersten Weltkrieg, dem Wort seine universelle Bedeutung. Siehe dazu: Ebd., S. 306.

[65] König, Von der Diktatur zur Demokratie oder Was ist Vergangenheitsbewältigung, S. 371.

[66] Ebd.

[67] Ebd.

[68] Klingenstein, Über Herkunft und Verwendung des Wortes „Vergangenheitsbewältigung“, S. 301.

[69] Zitiert nach: Klingenstein, Über Herkunft und Verwendung des Wortes „Vergangenheitsbewältigung“, S. 304.

[70] Brochhagen, Nach Nürnberg, S. 11.

[71] Helmut König, Einleitung, in: Leviathan (Sonderheft) 18, 1998, S. 7-14, hier S. 7.

[72] Siehe dazu: Reichel, Vergangenheitsbewältigung in Deutschland, S. 20f.

[73] König, Einleitung, S. 8.

[74] Bernhard Schlink, Die Bewältigung von Vergangenheit durch Recht, in: Leviathan (Sonderheft) 18, 1998, S. 433-451, hier S. 433.

[75] Siehe dazu: König, Von der Diktatur zur Demokratie oder Was ist Vergangenheitsbewältigung, S. 378.

[76] Ebd., S. 380.

[77] König, Von der Diktatur zur Demokratie oder Was ist Vergangenheitsbewältigung, S. 380.

[78] Zitiert nach: Ebd., S. 380.

[79] Ebd., S. 380.

[80] Zitiert nach: Klingenstein, Über Herkunft und Verwendung des Wortes „Vergangenheitsbewältigung“, S. 305.

[81] Siehe dazu: Ebd., S. 305f.

[82] Adorno, Mündigkeit, S. 10.

[83] Ebd., S. 22.

[84] Ebd., S. 28.

[85] Siehe dazu: König, Einleitung, S. 9f.

[86] Schlink, Die Bewältigung der Vergangenheit durch Recht, S. 433f.

[87] Keine Strafe ohne vorherige gesetzliche Festlegung, die sogenannte Rückwirkung, siehe dazu: Gerd Ueberschär, Vorwort des Herausgebers, in: Gerd, Ueberschär (Hg.), Der Nationalsozialismus vor Gericht. Die alliierten Prozesse gegen Kriegsverbrecher und Soldaten 1943-1952, Frankfurt am Main 1999, S. 9-12, hier S. 11f.

[88] Schlink, Die Bewältigung von Vergangenheit durch Recht, S. 434.

[89] Siehe dazu: Ebd., S. 435.

[90] Siehe dazu: König, Einleitung, S. 9f.

[91] Wolfrum, Die geglückte Demokratie, S. 171. Eine weitere Ebene wäre noch die pädagogische Arbeit in den Schulen. Siehe dazu das Kapitel 9 der vorliegenden Arbeit.

[92] König, Von der Diktatur zur Demokratie oder Was ist Vergangenheitsbewältigung, S. 381.

[93] Ebd., S. 382f.

[94] Siehe dazu auch die angestrebten Ziele und Wirkungen von Strafprozessen. König, Von der Diktatur zur Demokratie oder Was ist Vergangenheitsbewältigung, S. 382f. Siehe auch Kapitel 12.5 der vorliegenden Arbeit.

[95] Ebd., S. 384.

[96] Ebd.

[97] Siehe dazu: Ebd., S. 384f.

[98] Ebd., S. 385.

[99] König, Von der Diktatur zur Demokratie oder Was ist Vergangenheitsbewältigung, S. 385.

[100] Zitiert nach: Brochhagen, Nach Nürnberg, S. 11.

[101] König, Von der Diktatur zur Demokratie oder Was ist Vergangenheitsbewältigung, S. 386.

[102] Siehe dazu: König, Von der Diktatur zur Demokratie oder Was ist Vergangenheitsbewältigung, S. 386.

Details

Seiten
109
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638896092
ISBN (Buch)
9783640708482
Dateigröße
795 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v84751
Institution / Hochschule
Universität Bern
Note
1.3
Schlagworte
Wandel Auseinandersetzung Bundesrepublik Deutschland NS-Vergangenheit

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Titel: Wandel in der Auseinandersetzung der Bundesrepublik Deutschland mit der NS-Vergangenheit