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Der Wert biologischer Vielfalt von Wäldern in Deutschland

Eine sozioökonomische Untersuchung von Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität

Doktorarbeit / Dissertation 2007 446 Seiten

Forstwirtschaft / Forstwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Untersuchungsrahmen
1.1 Aufgabenstellung und Zielsetzung
1.2 Bedeutung der Biodiversität
1.3 Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität
1.4 Ökonomische Bewertung der Biodiversität
1.4.1 Ökonomischer Wert
1.4.2 Öffentliches Gut
1.4.3 Wohlfahrtstheoretische Einordnung
1.4.4 Ökonomischer Gesamtwert

2 Befragungskonzept
2.1 Pretest und Focus-group als Voruntersuchungen
2.2 Struktur und Inhalt der Bevölkerungsbefragungen
2.3 Frageform und Materialien
2.4 Durchführung der Hauptbefragungen in der Bundesrepublik Deutschland und in Schleswig-Holstein

3 Kontingente Bewertungsmethode
3.1 Marktsimulation
3.2 Zahlungsbereitschaft als Wohlfahrtsmaß
3.3 Beschreibung des Umweltgutes und deren Umweltwirkungen
3.4 Ermittlung der Zahlungsbereitschaft mittels der Fonds-Idee
3.5 Verhalten und Einstellungen als hypothetische Erklärungs- größen für die geäußerte Zahlungsbereitschaft
3.6 Vermeidung potentieller Verzerrungsmöglichkeiten

4 Statistische Auswertung
4.1 Deskriptive Statistik
4.1.1 Soziodemographische Kennzahlen
4.1.2 Akzeptanz der Maßnahmen und des Programms
4.1.3 Akzeptanz der Maßnahmen im Bundesgebiet und in Schleswig-Holstein
4.1.4 Untersuchte Korrelationen zur Akzeptanz des Programms
4.1.5 Umweltspezifische Verhaltens- und Einstellungsfragen
4.2 Aufbereitung des Datenmaterials
4.2.1 Skalierung der Variablen
4.2.2 Aufteilung des Datensatzes entsprechend der Untersuchungsgebiete
4.2.3 Abgrenzung der Antwortverweigerer und Definition der Null-Werte
II
4.3 Zahlungsbereitschaftsanalyse
4.3.1 Zusammenführung der Zahlungsbereitschaftsgrößen zu einer Standardvarianten
4.3.2 Zahlungsbereitschaftsgrößen der Befragten im Bundesgebiet
4.3.3 Zahlungsbereitschaftsgrößen der Befragten in Schleswig-Holstein
4.3.4 Zusammenfassende Darstellung der ermittelten Zahlungsbereitschaften
4.3.5 Mittlere Zahlungsbereitschaften bei unterschiedlichen Annahmen
4.3.6 Mittlere Zahlungsbereitschaften bei unterschiedlicher Fragenreihenfolge
4.3.7 Auswirkungen bei Einbeziehung der indifferenten Personengruppe
4.3.8 Auswirkungen der Zusatzfrage zur Revisionsmöglichkeit
4.3.9 Vergleich des Pretests mit der Hauptbefragung
4.4 Faktorenanalyse
4.4.1 Durchzuführende Rechenschritte
4.4.2 Beschreibung der Datenmatrix
4.4.3 Behandlung fehlender Werte
4.4.4 Variablenauswahl und Korrelation
4.4.5 Test auf Stichprobeneignung
4.4.6 Wahl des Extraktionsverfahrens
4.4.7 Anzahl der Faktoren
4.4.8 Rotationsmethode
4.4.9 Interpretation der Faktoren
4.4.10Faktorwerte
4.5 Regressionsanalysen
4.5.1 Prüfung der Regressionsfunktion und Bedeutung der Koeffizienten
4.5.2 Methoden der Regressionsanalysen
4.5.3 Lineare Regressionen zur Zahlungsbereitschaft der Bundesbürger für das Bundesgebiet und für Schleswig-Holstein
4.5.4 Semi-log Regressionen zur Zahlungsbereitschaft der Bundesbürger für das Bundesgebiet und für Schleswig-Holstein
4.5.5 Lineare Regressionen zur Zahlungsbereitschaft der Schleswig-Holsteiner für Schleswig-Holstein und für das Bundesgebiet
4.5.6 Semi-log Regressionen zur Zahlungsbereitschaft der Schleswig-Holsteiner für Schleswig-Holstein und für das Bundesgebiet

5 Diskussion
5.1 Zusammenfassung
5.2 Methodik
5.2.1 Aussagekraft der Daten
5.2.2 Vermeidung potentieller Verzerrungen
5.3 Stellenwert
5.3.1 Ökonomische Bedeutung
5.3.2 Politikberatung
5.3.3 Märkte für Biodiversität: Ausgesuchte Beispiele

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Anteil der Männer und Frauen an den befragten Haushalten

Tab. 2: Altersverteilung der befragten Haushaltsvorstände

Tab. 3: Herkunft der befragten Haushalte im Bundesgebiet nach Bundesländer

Tab. 4: Monatliches Haushaltseinkommen der befragten Haushalte

Tab. 5: Anzahl der Personen in den befragten Haushalten

Tab. 6: Schulabschluss des befragten Haushaltsvorstandes

Tab. 7: Akzeptanz der Maßnahme zum Erhalt des Totholzes

Tab. 8: Akzeptanz der Maßnahme zur Verringerung der Wilddichte

Tab. 9: Akzeptanz der Maßnahme zur Einrichtung von Schutzgebieten

Tab. 10: Akzeptanz der Maßnahme zum Umbau von Nadel- zu Laub- und Mischwald

Tab. 11: Akzeptanz der Maßnahme zur Vernetzung fragmentierter Bestände

Tab. 12: Akzeptanz der Durchführung des Programms

Tab. 13: Untersuchte Korrelationen zur Akzeptanz des Programms

Tab. 14: Persönliche Abschätzung zu den Auswirkungen des Programms auf die Befragten

Tab. 15: Akzeptanz des Programms durch Freunde und Bekannte der Befragten

Tab. 16: Beurteilung der ökologischen Zielerreichung des Programms

Tab. 17: Persönliche Bewertung der ökologischen Ziele des Programms

Tab. 18: Beurteilung des Waldzustands in der Stadt bzw. in der Gemeinde der Befragten

Tab. 19: Beurteilung der Umweltqualität in Deutschland

Tab. 20: Engagement der Befragten im Natur- und Umweltschutz

Tab. 21: Spendentätigkeit der Befragten an eine Umwelt- oder Naturschutz- organisation

Tab. 22: Zahlungsbereitschaftsgrößen (EUR) der bundesweiten Befragung

Tab. 23: Zahlungsbereitschaftsgrößen (EUR) der Befragung in Schleswig-Holstein ..82

Tab. 24: Übersicht zu den mittleren Zahlungsbereitschaftsgrößen für die Bundesrepublik Deutschland und für Schleswig-Holstein

Tab. 25: Mittlere Zahlungsbereitschaften der Haushalte im Bundesgebiet für das bundesweite Programm bei unterschiedlichen Annahmen

Tab. 26: Mittlere Zahlungsbereitschaften der Haushalte in Schleswig-Holstein für das Programm in Schleswig-Holstein bei unterschiedlichen Annahmen 89

Tab. 27: Ermittelte Zahlungsbereitschaften durch die Reihenfolge zuerst Bundesgebiet dann Schleswig-Holstein

Tab. 28: Ermittelte Zahlungsbereitschaften durch die Reihenfolge zuerst Schleswig-Holstein dann Bundesgebiet

Tab. 29: Auswirkungen auf die Zahlungsbereitschaftsgrößen für das bundesweite Programm durch Einbeziehung der indifferenten Personengruppe

Tab. 30: Auswirkungen auf die Zahlungsbereitschaftsgrößen für das bundesweite Programm durch die Revisionsmöglichkeit

Tab. 31: Auswirkungen auf die Zahlungsbereitschaftsgrößen für das Programm in Schleswig-Holstein durch die Revisionsmöglichkeit

Tab. 32: Vergleich der mittleren Zahlungsbereitschaft des Pretests mit der Hauptbefragung

Tab. 33: Aufgenommene Variablen in die Faktorenanalyse

Tab. 34: Eignungstest der Ausgangsvariablen für die Faktorananalyse

Tab. 35: Erklärte Gesamtvarianz der Befragung im Bundesgebiet

Tab. 36: Erklärte Gesamtvarianz der Befragung in Schleswig-Holstein

Tab. 37: Faktorladungen der rotierten Komponentenmatrix (Bundesrepublik)

Tab. 38: Faktorladungen der rotierten Komponentenmatrix (Schleswig-)

Tab. 39: Thematische Einordnung der Faktoren für die Befragung im Bundesgebiet

Tab. 40: Thematische Einordnung der Faktoren für die Befragung in Schleswig-Holstein

Tab. 41: Koeffizienten zur Zahlungsbereitschaft der Bundesbürger für das bundesweite Programm (lineare Regression)

Tab. 42: Koeffizienten zur Zahlungsbereitschaft der Bundesbürger für das Programm in Schleswig-Holstein (lineare Regression)

Tab. 43: Koeffizienten zur Zahlungsbereitschaft der Bundesbürger für das bundesweite Programm (semi-log Regression)

Tab. 44: Koeffizienten zur Zahlungsbereitschaft der Bundesbürger für das Programm in Schleswig-Holstein (semi-log Regression)

Tab. 45: Vergleich der Regressionsmodelle der signifikanten und hochsignifikanten Einflussgrößen auf die Zahlungsbereitschaft der Bundesbürger

Tab. 46: Koeffizienten zur Zahlungsbereitschaft der Schleswig-Holsteiner für das Programm in Schleswig-Holstein (lineare Regression)

Tab. 47: Koeffizienten zur Zahlungsbereitschaft der Schleswig-Holsteiner für das Programm im Bundesgebiet (lineare Regression)

Tab. 48: Koeffizienten zur Zahlungsbereitschaft der Schleswig-Holsteiner für das Programm in Schleswig-Holstein (semi-log Regression)

Tab. 49: Koeffizienten zur Zahlungsbereitschaft der Schleswig-Holsteiner für das Programm im Bundesgebiet (semi-log Regression)

Tab. 50: Vergleich der Regressionsmodelle der signifikanten und hochsignifikanten Einflussgrößen auf die Zahlungsbereitschaft der Schleswig-Holsteiner

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Ökonomische Einteilung und Eigenschaften der Umweltgüter und Umweltleistungen von Biodiversität

Abb. 2: Umweltleistungen und -güter des Ökosystems Wald

Abb. 3: Zusammensetzung des ökonomischen Gesamtwertes und Möglichkeiten der Bewertungsmethoden

Abb. 4: Skizzen zu den einzelnen Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität in Wäldern

Abb. 5: Bezahlkarte

Abb. 6: Untersuchungsgebiete

Abb. 7: Übersicht der Stichproben und der Befragungsreihenfolge

Abb. 8: Methoden der Präferenzerfassung für öffentliche Güter

Abb. 9: Verfahren der Wohlfahrtsmessung

Abb. 10: Untersuchte Einflussgrößen auf die geäußerte Zahlungsbereitschaft zur Förderung biologischer Vielfalt in Wäldern

Abb. 11: Systematik potentieller Verzerrungsmöglichkeiten

Abb. 12: Akzeptanz der Maßnahmen im Bundesgebiet und in Schleswig-Holstein

Abb. 13: Vergleich der Zustimmung zum Programm im Bundesgebiet und in Schleswig-Holstein

Abb. 14: Maximale Zahlungsbereitschaft der Bundesbürger für das Programm im Bundesgebiet

Abb. 15: Maximale Zahlungsbereitschaft der Bundesbürger für das Programm in Schleswig-Holstein

Abb. 16: Maximale Zahlungsbereitschaft der Schleswig-Holsteiner für das Programm in Schleswig-Holstein

Abb. 17: Maximale Zahlungsbereitschaft der Schleswig-Holsteiner für das Programm im Bundesgebiet

Abb. 18: Empirische Verteilung der Zahlungsbereitschaft der Bundesbürger zur Durchführung des Programms in der Bundesrepublik Deutschland

Abb. 19: Empirische Verteilung der Zahlungsbereitschaft der Schleswig-Holsteiner zur Durchführung des Programms in Schleswig-Holstein

Abb. 20: Beispiel eines Screeplots für die bundesweite Befragung

Abb. 21: Ausschnitt des Datensatzes mit den Faktorwerten für die extrahierten Faktoren

Abb. 22: Zahlungsbereitschaften und Marktpreise von forstlichen Gütern und Leistungen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Untersuchungsrahmen

1.1 Aufgabenstellung und Zielsetzung

Die gesellschaftlichen Anforderungen an den Wald wachsen weltweit. Die Erhaltung und umweltverträgliche Entwicklung der Wälder sind Aufgabe der internationalen Umwelt- und Forstpolitik, um die vielfältigen Funktionen und Nutzungen der Wälder zu sichern. Der Erhalt und die Förderung von Biodiversität sind ein zentrales Thema der Konferenz der Vereinten Nationen über „Umwelt und Entwicklung“ (UNCED) in Rio de Janeiro 1992 gewesen. Die Konferenz und ihre Ergebnisse werden als Mei- lenstein des internationalen Dialogs über die Zukunft der Menschheit und als Weg- weiser für die weltweite Zusammenarbeit zur Bewältigung dieser Anforderungen an- gesehen.

Vor diesem Hintergrund wird die Bewertung biologischer Vielfalt zunehmend zum Gegenstand ökonomischer Untersuchungen. Während in vielen Fällen nicht die bio- logische Vielfalt selbst, sondern einzelne biologische Ressourcen, wie z.B. Gene, Ar- ten oder ein Ökosystem bewertet werden, bezieht sich die biologische Vielfalt auf deren Variabilität. Der Artikel 2 des internationalen Übereinkommens zur Konventi- on über biologische Vielfalt definiert Biodiversität1 als „die Variabilität unter leben- den Organismen jeglicher Herkunft, darunter u. a. Land-, Meeres- und sonstige aqua- tische Ökosysteme und die ökologischen Komplexe, zu denen sie gehören; dies um- fasst die Vielfalt innerhalb der Arten und zwischen den Arten sowie die Vielfalt der Ökosysteme“ (PEARCE, 2001). Dieses Übereinkommen ist eines der drei inter- nationalen Übereinkommen der Vereinten Nationen, die auf der Rio-Konferenz 1992 unterzeichnet wurden. Es hat die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Biodiversi- tät zum Inhalt. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich im Rahmen dieser Konven- tion zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der Biodiversität verpflichtet (KORN et al., 1999).

Im „Nationalen Forstprogramm“ hat die Bundesregierung 1999 forstpolitische Leit- linien erarbeitet, wobei auch das Thema „Wald und biologische Vielfalt“ bearbeitet wurde. In diesem Zusammenhang hatte das Bundesministerium für Verbraucher- schutz, Ernährung und Landwirtschaft von Januar 2001 bis Januar 2004 ein Ver- bundprojekt „Zur biologischen Vielfalt der Wälder in Deutschland“ unter Beteili- gung der Universitäten Göttingen und Hamburg sowie der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft (BFH), Hamburg, gefördert. Zentrales Anliegen war dabei die Entwicklung von Maßnahmen, mit denen die Zielsetzung "Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt der Wälder" umgesetzt werden kön- nen. Die am Verbundvorhaben „Zur biologischen Vielfalt der Wälder in Deutsch- land“ beteiligten naturwissenschaftlichen Teilprojekte erarbeiteten Maßnahmen, die sich unter Nachhaltigkeitsaspekten zur Förderung und zum Schutz biologischer Viel- falt in Wäldern eignen.

Aus naturwissenschaftlicher Sicht wird zumeist eine Expertenbewertung als ausrei- chend angesehen. Um jedoch den gesellschaftlichen Nutzen zu ermitteln, den die hier entwickelten Maßnahmen zur Förderung und zum Schutz der Biodiversität in Wäl- dern der Bevölkerung stiften, ist eine sozioökonomische Bewertung notwendig. Die ökonomische Bewertung stellt einen integralen Bestandteil für die Erreichung von Naturschutzzielen und von Nachhaltigkeitsstrategien dar und ist eine wichtige Vor- aussetzung, um die Biodiversitätspolitik im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Nach Artikel 11 der Rio-Konvention werden die Unterzeichnerstaaten aufgefordert, „…to adopt economically and socially sound measures that act as incentives for the conservation and sustainable use of components of biological diversity“ (OECD, 2002). Neben der naturwissenschaftlichen Behandlung des Themas Biodiversität, ist das Verbundprojekt deshalb um ökonomische Untersuchungsansätze ergänzt worden. Grundlage für die vorliegende Untersuchung sind die im ökonomischen Teilprojekt spezifizierten Maßnahmen zur Förderung und zum Schutz der biologischen Vielfalt in Wäldern. Erst auf dieser Grundlage können die ökonomischen Auswirkungen un- tersucht und erfasst werden. Dazu wurden anhand der Wälder des Stadtforstamtes Lübeck und des Kreisforstamtes Herzogtum-Lauenburg, Art und Umfang der aus na- turwissenschaftlicher Sicht erforderlichen Schutzmaßnahmen präzisiert. Die ausge- wählten Untersuchungsgebiete sind für die Bearbeitung der naturwissenschaftlichen Fragestellungen geeignet, da es kleinräumig eine hohe Vielfalt an Arten, Standortty- pen und forstgeschichtlicher Entwicklung repräsentiert. In Zusammenarbeit mit den in den Untersuchungsgebieten gelegenen Forstämtern wurden zwei Focus-Unter- suchungsflächen „Behlendorf” und „Steinhorst” eingerichtet. Dazu wurden zwei Landschaftsausschnitte ausgewählt (Streifen von ca. 20 x 5 km Kantenlänge). Ein Ost-West-Streifen in der Jungmoränenlandschaft umfasst vor allem Laubwaldstand- orte mittlerer bis hoher Basen- und Nährstoffversorgung, während ein Nord-Süd- Streifen, der sich von der Jungmoräne über Sanderflächen erstreckt und an die Alt- moräne grenzt, auch nährstoff- und basenarme Standorte einschließt, auf denen Nadelholzforsten vorherrschen.

Zentrales Arbeitsziel der vorliegenden sozioökonomischen Untersuchung ist es, den Nutzen zu beziffern und monetär zu quantifizieren, der dem Schutz und der Förderung der Biodiversität im Wald durch die Bevölkerung zugemessen wird. Dieser Nutzen wird im Rahmen von Bevölkerungsbefragungen unter Verwendung der umweltökonomischen Methode der kontingenten Bewertung ermittelt. Dabei wird eine Aufteilung der Befragungen auf Schleswig-Holstein, in der die Untersuchungsflächen liegen und auf das Bundesgebiet vorgenommen. Die Bundesbevölkerung stellt die Zielpopulation dar, die letztendlich für die Bundespolitik von Bedeutung ist, denn die ermittelten Ergebnisse dienen u.a. der Politikberatung.

Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es nicht nur, eine Bewertung von biologi- scher Vielfalt in Wäldern anhand ausgewählter Maßnahmen vorzunehmen, sondern auch Größen zu finden, die die in diesem Zusammenhang ermittelte Zahlungsbereit- schaft erklären helfen. Um die Motive der Befragten offen zu legen, die zur Nennung einer Zahlungsbereitschaft geführt haben, finden Fragen aus dem sozialwissenschaft- lichen Bereich im Rahmen von Einstellungsmessungen Eingang in die Analysen.

Eine sozioökonomische Bewertung lässt sich effektiv dann durchführen, wenn der Begriff „Biodiversität“ anhand konkreter Maßnahmen operational gemacht wird, da dieser je nach Fragestellung eine sehr umfangreiche Bedeutung besitzen kann.

1.2 Bedeutung der Biodiversität

Biodiversität kann eine Vielzahl von Funktionen erfüllen. Dies betrifft sowohl die Ökosystem-Dienstleistungen wie Filterfunktionen für Luft, Wasser und Boden als auch die Pufferfähigkeit von Systemen im Hinblick auf Kalamitäten oder durch Ver- änderungen aufgrund biologischer Invasionen. Darüber hinaus existieren ökonomi- sche Aspekte, die die Erhaltung zukünftiger Optionen auf die Entwicklung von z.B. neuer Nahrung und von Medikamenten betreffen. Zunehmend wird auch die Funkti- on von Vielfalt für das menschliche Wohlbefinden im Hinblick auf Erholung, Ästhe- tik, etc. betont. Im Naturschutz wirken die Umweltleistungen von Biodiversität auf Elemente des Ökosystems, wodurch der Biodiversität eine Funktion als Mittel zur Erreichung von Naturschutzzielen zufallen kann. Die Beschäftigung mit biologischer Vielfalt ist dabei weder in der Kulturgeschichte noch in Ökologie und Naturschutz ein neues Thema; hinzugekommen ist aus heutiger Sicht die hohe öffentliche Aufmerksamkeit und die politische Relevanz, die dieses Thema unter dem Stichwort „Biodiversität“ erlangt hat (JAX, 2003).2

Bei der Behandlung des Themas Biodiversität treten in der Literatur z.T. erhebliche Divergenzen bei den Wahrnehmungen, den Begriffen und den theoretischen Syste- matisierungen dieses Themas auf.3 Unklarheiten bei der adäquaten Beschreibung der mit Biodiversität gemeinten Schutzgüter gilt es durch interdisziplinäre Anstrengung zu überwinden, damit die politische und gesellschaftliche Diskussion auf einer trag- fähigen Grundlage stattfinden kann. Nur eine klare Begriffsdefinition4 kann eine aus- reichende Grundlage sowohl für wissenschaftliche Forschungsprogramme als auch für die Rechtfertigung politischer Handlungsweisen sein (z.B. zur Erhaltung der Ar- ten; vgl. hierzu GUTMANN & JANICH, 2001).

Der aus dem Ausdruck „biological diversity“ entstandene Kurzbegriff „Biodiversi- tät“ wurde geprägt, um einer breiten Öffentlichkeit den globalen Verlust von biologi- scher Vielfalt bewusst zu machen sowie die wissenschaftlichen, politischen und so- zioökonomischen Dimensionen zu verdeutlichen. Mit der zunehmenden Verwendung in der Naturwissenschaft und in der politischen Agenda steht der Begriff im Zentrum nationaler und internationaler Umweltpolitik (Übereinkommen über die biologische Vielfalt). Während der Begriff „Diversität“ in der Diversitäts-Stabilitäts-Debatte fast ausschließlich deskriptiv benutzt wurde - meist in der Form der Artenvielfalt oder diverser abgeleiteter Indizes als Maßeinheit - trug „Biodiversität“ von Beginn an ei- nen wertenden und appellierenden Charakter.5 Er war in diesem Sinne von Beginn an kein rein deskriptiv-naturwissenschaftlicher Begriff, sondern ein bewusst wertbela- dener und politisch geprägter Begriff und stellt hierbei einen Kompromiss unter- schiedlicher Interessen dar (ESER, 2001).

Für 2006 wurde beschlossen, die Biodiversität zu einem Schwerpunkt der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie zu machen, um das Übereinkommen über die biologische Vielfalt umzusetzen, denn Deutschland fällt die Aufgabe zu, sowohl Mitverantwor- tung für den Erhalt der biologischen Vielfalt auf europäischer Ebene zu tragen als auch für den Erhalt von ca. 80 höheren Arten im Land zu sorgen (DOYLE et al., 2005). Die politische Umsetzung dieser Aufgabe scheitert zum einen an der Definiti- on und an dem fehlenden Eingang des Begriffs in den Sprachgebrauch der Bevölke- rung. Zum anderen existiert eine Vielzahl von Maßeinheiten und Methoden zur Er- fassung von Biodiversität (vgl. SOLOW et al., 1993 sowie BACK & TÜRKAY, 2001), so dass eine einheitliche Bestandsaufnahme bisher noch nicht realisiert werden konnte. Um die biologische Vielfalt dennoch erfassen und bewerten zu können, sind Indika- toren als Instrumente zur Darstellung der komplexen Zusammenhänge notwendig. Diese Indikatoren6 dienen der Kommunikation und der richtungsweisenden Politik- steuerung ebenso wie der Evaluation der hieraus resultierenden Entscheidungsfolgen. Sie werden benötigt, um die relevanten Sachverhalte zu vereinfachen und um politi- sche Entscheidungen voranzutreiben (SPANGENBERG, 1999). Im Vordergrund steht dabei das „Ziel 2010“. Hierunter versteht man die Entwicklung von Biodiversi- tätsstrategien, um der Politik zur Umsetzung des Übereinkommens über die biologi- sche Vielfalt konkrete Aktionsfelder anzubieten (DOYLE et al, 2005 sowie KÜCHLER- KRISCHUN & PIECHOCKI, 2005). Es ist allerdings weithin strittig, welche Elemente aus dem umfangreichen Sortiment der Biodiversität für die jeweilige Fragestellung am zweckmäßigsten sind und welche Maße zur Erfassung hierfür geeignet erschei- nen. Um Aussagen über den optimalen Schutz treffen zu können, ist es daher not- wendig, Elemente der Biodiversität zu definieren und die geeigneten Meßmethoden darauf abzustimmen (SOLOW et al., 1993).

In der Naturwissenschaft erfasst Biodiversität die Vielfalt auf drei Ebenen; auf der Ebene der Gene, der Arten (bzw. Populationen) und der Ökosysteme. Daneben gibt es ökologisch-funktionale Prozesse (sog. Sphären), die sich innerhalb jeder dieser Ebenen wiederfinden: die Komposition beschreibt die Einzelelemente, die Struktur befasst sich mit der räumlichen Verteilung und die Funktionen geben die Wechsel- wirkungen innerhalb des Systems wieder. Es handelt sich hier also um einen nicht scharf eingegrenzten naturwissenschaftlichen Begriff, sondern um einen Oberbegriff, der als Synonym für belebte Natur steht.

Neben der Bedeutung der Biodiversität für den Naturhaushalt und für die Auswir- kungen auf das Beziehungsgefüge des Ökosystems und der ökologischen Funktionen fällt der Biodiversität zudem eine Bedeutung für das menschliche Wohlbefinden zu, da z.B. 75 % aller Heilmittel pflanzlichen, tierischen oder mikrobiologischen Ur- sprungs sind. Der Nutzen für den Menschen hängt folglich entscheidend vom Erhalt der biologischen Vielfalt ab (DOYLE et al., 2005). Somit besitzt das Konzept Bio- diversität hinsichtlich seiner inhaltlichen Ausgestaltung einen sehr hohen Bedeu- tungsumfang. Es bringt die Komplexität der Natur zum Ausdruck, ist aber gleichzei- tig für die jeweilige Fragestellung verwendbar, da es eine angepasste Selektion von Indikatoren erlaubt.

In der vorliegenden Untersuchung wird eine ökonomische Bewertung auf die gesell- schaftliche Wohlfahrt vorgenommen und der Grad der Akzeptanz von Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität in Wäldern durch die Bevölkerung beurteilt. Um ei- nen effizienten Instrumenteneinsatz für die Erhaltung und für die Förderung von Bi- odiversität im Sinne der Allgemeinheit zu gewährleisten, sind Informationen darüber notwendig, wie hoch der Nutzen solcher Maßnahmen für die Bevölkerung ist. Zuvor ist es notwendig, jene Elemente der Biodiversität zu definieren, die im Rahmen die- ser Fragestellung deren Schutz und Förderung gewährleisten. Vor diesem Hinter- grund wurde für die vorliegende Untersuchung der Begriff Biodiversität operational gemacht, um die Biodiversität einer Bewertung zugänglich zu machen. Dies geschah dadurch, dass im Rahmen des Verbundprojektes Maßnahmen bestimmt wurden, die aus naturwissenschaftlicher Sicht für notwendig erachtet werden. Diese entwickelten Maßnahmen bilden die Grundlage für die sozioökonomische Bewertung. Die Nut- zenermittlung erfolgte mit der umweltökonomischen Methode der kontingenten Be- wertung (Kap. 3), die im Rahmen von Bevölkerungsbefragungen ihre Anwendung findet (Kap. 2).

1.3 Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität

Die Biodiversität wurde in der vorliegenden Form für die an dieser Arbeit angepasste Fragestellung operational gemacht, indem die innerhalb des Verbundprojekts entwi- ckelten Maßnahmen präzisiert wurden. Für die durchzuführende Befragung ist eine umfassende Beschreibung der einzelnen Maßnahmen und den daraus resultierenden Umweltwirkungen erforderlich. Ziel ist es, sowohl gesicherte Präferenzen für die Akzeptanz dieser Maßnahmen zu gewinnen als auch eine ökonomische Größe in Form von Zahlungsbereitschaften zu ermitteln. Um verzerrte Ergebnisse von vorn- herein zu minimieren, die durch die Vermittlung von Informationen im Rahmen der Beschreibung der Maßnahmen entstehen könnten, müssen die Befragten in adäquater Form, d.h. umfassend, informiert werden. Der verzerrte Einfluss auf die Untersuchungsergebnisse durch falsche Informationsbereitstellung (information bias) ist besonders dann wahrscheinlich, wenn die Befragten keine Informationen über das Gut besitzen (AJZEN et al., 1996).

Grundlage der umfassenden Bewertung ist somit eine vermittelbare und repräsentati- ve Auswahl der geplanten Maßnahmen zur Förderung und zum Schutz der Biodiver- sität. Zu diesem Zweck wurden auf Basis der Ergebnisse des Abschlussberichts eines Vorgängerprojekts die dort entwickelten Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität für die ökonomische Bewertung zusammengefasst und präzisiert. Unter Beachtung des Vorsorgeprinzips und vor dem Hintergrund des Abkommens über die biologische Vielfalt wurde dort das Ziel verfolgt, die Biodiversität in Wäl- dern für kommende Generationen zu erhalten. Grundlage zum Forschungsschwer- punkt „Biodiversität und genetische Grundlagen von Waldökosystemen” sind die Projektarbeiten zur Biodiversitäts- und Ökosystemforschung der beteiligten Institute in dem Vorgängerprojekt. In diesem Zusammenhang wurde eine Reihe von Maß- nahmen herausgearbeitet. Die folgende Auswahl daraus bildete die Grundlage für die Erarbeitung von Maßnahmen zur Förderung und zum Schutz der biologischen Viel- falt der Wälder in dieser Untersuchung und sind dem Abschlußbericht „Einflussfak- toren auf die Biodiversität in Wäldern“ entnommen (vgl. SCHOLZ & DEGEN, 1999). Der Maßnahmenkatalog des Vorgängerprojektes wird zusammenfassend dargestellt:

- Sperrung und Ausweisung von Waldgebieten aus Naturschutzgründen,
- Einrichtung von flächenrepräsentativen Naturwäldern auf Wuchsbezirks- ebene,
- Waldumbau durch Orientierung der Baumartenauswahl an möglichst großer Naturnähe durch Umbau von nichtstandortheimischen Nadelholzbeständen in laubholzreiche Mischwälder unter Verwendung standortheimischer Arten:
a) Umbau von Fichte/Kiefer zu Rotbuche,
b) Umbau von Eiche/Edellaubhölzer zu Rotbuche,
- Förderung hoher Grade der Autochthonie unter Verwendung standortheimi- scher Arten,
- forstliche Maßnahmen und Bewirtschaftungen nur auf der Kleinfläche als Er- satz des natürlichen Störungsregimes zur Förderung störungsangepaßter Wald-Gefäßpflanzen,
- nachhaltige und konsequente Reduzierung von erhöhten Wildbeständen,
- nachhaltiger Umgang mit biologischen Ressourcen (Zertifizierung),
-Erhöhung des Alt- und Totholzanteils,
- Vernetzung fragmentierter Bestände,
-Benennung und Ableitung von Weiserarten und anderen Artengruppen,
- Nutzung unterschiedlicher Verjüngungsverfahren (u.a. Naturverjüngung),
- Schaffung von Besiedlungskorridoren für Begleitbaumarten und Gefäßpflan- zen für den interdemischen Genfluss (z.B. für den Austausch von Diasporen),
- Kontrolle bei der Verwendung von sortenreinem Saat- und Pflanzgut.

Dieser Maßnahmenkatalog wurde für die durchzuführende Bevölkerungsbefragung grundlegend überarbeitet und konkretisiert. Zentrales Anliegen dabei war die Her- ausarbeitung von Maßnahmen, mit denen die Zielsetzung „Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt der Wälder“ umgesetzt werden konnte. Die am Verbundvorhaben „Zur biologischen Vielfalt der Wälder in Deutschland“ beteiligten drei naturwissenschaftlichen Teilprojekte leiteten aus diesem Katalog Maßnahmen ab, die sich unter Nachhaltigkeitsaspekten zur Förderung und zum Schutz biologi- scher Vielfalt in Wäldern eignen. Das Institut für Weltforstwirtschaft der Universität Hamburg bearbeitete im Verbundvorhaben das Gebiet „Waldökosysteme/Artenviel- falt“. Im Vordergrund der Untersuchungen dieses Teilprojektes standen die Erfas- sung der Artenvielfalt und der Ökosystemvielfalt im Untersuchungsgebiet sowie ökologische und populationsbiologische Prozesse im Landschafts- und Ökosystem- verbund. Mit der Bedeutung des Genflusses für die Erhaltung der genetischen Viel- falt beschäftigte sich das Teilprojekt „Metapopulation/Genfluss“ des Instituts für Forstgenetik und Forstpflanzenzüchtung der BFH. Schwerpunktmäßig wurde hier die genetische Vielfalt von Einzelbeständen, der genetische Informationsaustausch in- nerhalb der Bestände, und die genetische Diversität im Landschaftsverbund in Ab- hängigkeit von räumlichen Mustern beschrieben. Das dritte naturwissenschaftliche Teilprojekt unter der Leitung des Instituts für Forstgenetik und Forstpflanzenzüch- tung der Universität Göttingen beschrieb unter dem Begriff „Autochthonie“ die Bo- denständigkeit und Alteingesessenheit von Baumarten und -populationen an einem bestimmten Ort (örtliche und genealogische Kontinuität). Man erhoffte, die Ermitt- lung unterschiedlicher Autochthoniegrade aufzeigen zu können, die bestimmbar sind in Anteilen von Selbst- und Fremdregulation und sich aus dem Reproduktionsmodus und der Abstammung des Vermehrungsgutes konzeptionell herleiten ließen. Das vierte Teilprojekt Ökonomie bestand aus einem betriebswirtschaftlichen Teil des In- stituts für Ökonomie der BFH und aus einem volkswirtschaftlichen Teil des Instituts für Weltforstwirtschaft der Uni Hamburg (s. Abschlußbericht KÜPKER et al., 2005). Grundlage für die vorliegende Untersuchung bilden die in dem volkswirtschaftlichen Teil des ökonomischen Teilprojekts spezifizierten Maßnahmen zur Förderung und zum Schutz der biologischen Vielfalt in Wäldern. Erst auf dieser Grundlage können die ökonomischen Auswirkungen untersucht und erfasst werden.

Den o.a. Maßnahmenkatalog des Vorgängerprojektes als Grundlage nehmend, wur- den fünf Maßnahmen abgeleitet, die den grundlegenden Bestandteil für die Befra- gung und somit für die sozioökonomische Bewertung bilden. Für diese Bewertung ist es essentiell, dass die einzelnen Maßnahmen zu einem Bündel zusammengefasst werden, da Biodiversität nicht einzelne Naturschutzziele verfolgt, sondern ein Ge- samtkonzept darstellt, das nur im Zusammenwirken aller Maßnahmen realisiert wird. Für dieses Maßnahmenbündel werden die Akzeptanz und der Nutzen für die Bevöl- kerung mittels einer Befragung ermittelt - sowohl bundesweit als auch für das Bun- desland Schleswig-Holstein. Im Folgenden wird im jeweiligen Zusammenhang ei- nerseits von den einzelnen Maßnahmen und andererseits vom „Programm“ gespro- chen, womit das Maßnahmenbündel aller fünf Maßnahmen gemeint ist, die für diese Untersuchung präzisiert wurden. Innerhalb der Befragung wurden die Maßnahmen kurz und prägnant mit den einhergehenden erwünschten und nicht erwünschten Um- weltwirkungen beschrieben, um anschließend hierfür die Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung zu ermitteln.

Die erste Maßnahme, die für diese Untersuchung erarbeitet wurde, hat den Erhalt von Totholz zum Ziel und wurde den Befragten in der Weise dargestellt, dass ca. 4 % der Waldbäume als liegendes oder stehendes Totholz dienen sollen. Neben der Funk- tion als Biotop für diverse Insektenarten (z.B. für xylobionte Käfer) wurde auch auf den positiven Einfluss auf die Avifauna hingewiesen. Neben diesen erwünschten Wirkungen sähe der Wald auf der anderen Seite auch ursprünglicher und „weniger aufgeräumt“ aus.

Die zweite Maßnahme sieht vor, den Wildbestand zu regulieren. Durch die Wildregulierung soll der Verbissdruck durch Schalenwild am Jungwuchs eingeschränkt werden, um einer Selektion bestimmter Baumarten vorzubeugen. Hierdurch wird der Erhalt eines naturnahen Bestandes angestrebt. Allerdings könnten die Waldbesucher weniger Wild als zuvor zu sehen bekommen.

Die dritte Maßnahme hat zum Ziel, Schutzgebiete auf etwa 10 % der Waldfläche einzurichten, die teilweise nicht betreten werden dürfen. Jede Holzentnahme oder sonstiger anthropogener Einfluss ist untersagt, damit die natürliche Dynamik des Waldes sich selbst überlassen bleibe. Dadurch müssten Waldbesucher mit gewissen Einschränkungen, wie z.B. dem Betretungsverbot, rechnen.

Der Umbau von nicht standortheimischen Nadelwäldern zu naturnahen Laub- und Mischwäldern wird mit der Durchführung der vierten Maßnahme verfolgt. Mit der Anlehnung des Waldzustandes an die potentielle natürliche Vegetation solle das Ökosystem Wald gestärkt werden, d.h. vor Kalamitäten und Umwelteinflüssen geschützt werden. Das Erscheinungsbild der Wälder könne allerdings durch den Verlust von Nadelbäumen einheitlicher werden.

Durch die fünfte Maßnahme sollen fragmentierte Wälder und Bestände durch Auf- forstungen mit einander verbunden werden. Sowohl der Austausch von Individuen zwischen isolierten Wäldern als auch der Genfluss zwischen Beständen solle dadurch erhöht werden. In der Landschaft gäbe es durch die Vernetzung allerdings weniger offene Flächen.

Mit der Entwicklung und der Formulierung dieser fünf Maßnahmen wurde der Begriff „Biodiversität“ für die vorliegende Untersuchung operational gemacht.

1.4 Ökonomische Bewertung der Biodiversität

Mit dieser Arbeit über die ökonomische Bewertung von Biodiversität in Wäldern Deutschlands wurde weitgehend Neuland betreten. Im deutschsprachigen Raum hat die KBM bisher noch wenig praktische Bedeutung erlangt (ENNEKING, 2001). In Deutschland leistet die Ökonomie einen vergleichsweise geringen Beitrag zur Be- wertungsdiskussion, da es zum Teil Widerstand gegen die Idee gibt, Landschaften und Umwelt allgemein in monetären Einheiten zu bewerten.7 International gibt es je- doch mehrere Untersuchungen, die sich mit der Bewertung und dem Wert von Biodiversität beschäftigen (vgl. OECD 2001, 2002, 2003).

Die Ermittlung des ökonomischen Wertes ermöglicht es, sowohl die Präferenzen für das nicht auf Märkten gehandelte öffentliche Gut der Biodiversität aufzuzeigen als auch den Umfang abzuschätzen, inwieweit von der Bevölkerung die Realisierung dieser Maßnahmen erwünscht wird. Wird der Erhalt biologischer Vielfalt angestrebt, so kann dies in Konkurrenz zu anderen Nutzungsformen stehen. Der Bewertung der Biodiversität in Wäldern kommt einerseits die Bedeutung zu, eine Größe zu ermit- teln, die z.B. bei der Frage von alternativen Landnutzungen als Auswahlkriterium ei- ne Rolle spielt. Jene Nutzungsform mit dem höchsten ökonomischen Wert könnte im Vergleich zu anderen potentiellen Nutzungen berücksichtigt und entsprechend favo- risiert werden. Andererseits könnte anhand der Nachfragekurve für Biodiversität sichtbar gemacht werden, wie hoch die einzelnen Wertschätzungen von Biodiversität seitens der befragten Personen sind. Hieraus lässt sich der Vergleich mit anderen nicht marktgängigen Gütern anstellen (PEARCE, 2001).

Eine ökonomische Bewertung stößt bei Nicht-Ökonomen oft auf fundamentale Kri- tik. Es wird vielfach hinterfragt, ob biologische Vielfalt überhaupt im Geldmaßstab bewertet werden dürfe (vgl. PEARCE, 1999). Das Anliegen ökonomischer Bewertung liegt jedoch nicht allein in der Angabe eines absoluten ökonomischen Wertes, son- dern in der Möglichkeit, Nutzen und Kosten in spezifischen Entscheidungssituatio- nen aufzuzeigen. Für Entscheidungen ist es nützlich zu wissen, dass der ökonomi- sche Wert der biologischen Vielfalt, und damit der Wert der Erhaltung einer be- stimmten Waldfläche, größer sein kann als der Wert einer alternativen Landnutzung (z.B. Holzproduktion). Damit können neben möglichen ethischen und naturwissen- schaftlichen Gründen gewichtige ökonomische Argumente für die biologische Viel- falt aufgezeigt werden (LERCH, 1999; PEARCE, 2001).

1.4.1 Ökonomischer Wert

Die Ökonomie wird als die Methode verstanden, die menschliches Verhalten als rati- onales Verhalten erklärt. Menschen haben Ziele und versuchen solche Mittel zu wäh- len, um diese Ziele mit dem geringsten Aufwand zu erreichen. Obwohl ökonomische Rationalität das Bild eines berechnenden Wesens skizziert („homo oeconomicus“), beschreibt diese Grundannahme nicht die Gedanken, sondern die Handlungen eines Einzelnen.8 Der Wert eines Gutes offenbart sich in den Handlungen der nachfragen- den Personen. Man spricht vom Prinzip der bekundeten oder offenbarten Präferenz. Ökonomischer Wert ist für Individuen der Wert, wie er von ihnen selbst beurteilt wird und in ihren Handlungen zum Vorschein kommt, weil sie von dem Gut einen Nutzen erwarten. Handlungen machen Präferenzen erkennbar. Die Rationalitätsan- nahme erleichtert wesentlich die Gewinnung von Erkenntnissen, die sich aus den Vorhersagen über das Verhalten der Menschen ableiten lassen, die ihre Ziele verfol- gen. Diese Annahme bedeutet nicht, dass die Person über alle notwendigen Informa- tionen verfügt. Die Handlungen werden meist unter unvollständigen Informationen vollzogen. Eine Änderung der Informationen kann zu einer Änderung in den Präfe- renzen und der Wertschätzung führen. Dabei kommt es nicht auf das Verhalten jeder einzelnen Person an als viel mehr auf die Summe des Verhaltens vieler Individuen (vgl. FRIEDMAN 1999, S. 17f.).

Die Frage nach dem ökonomischen Wert der biologischen Vielfalt führt zu der vor- gelagerten Frage, wodurch sich der ökonomische Wert eines Gutes9 bestimmt. Der Wert allgemein beschreibt die Präferenz (Interesse, Wichtigkeit, Dringlichkeit) einer Person an oder für etwas. Werte werden stets von Menschen bestimmt und zugeord- net. Bei Werten, die Menschen der Umwelt zuschreiben unterscheidet man drei Wertebenen (vgl. BERGEN, 2001): Der Nutzen als Ausdruck individueller Präferen- zen, das Gemeinwohl als Ausdruck gesellschaftlicher Präferenzen und die Natur in ihren natürlichen Prozessen und Systemen. Während die zwei letztgenannten von den Naturwissenschaften sowie den Rechts- und Sozialwissenschaften behandelt werden, beschäftigen sich die Wirtschaftswissenschaften mit der Wertebene des Nutzens, d.h. mit der Erfassung der Wertschätzung eines Gutes, aus dem einzelne Personen Nutzen ziehen. Die neoklassische Ökonomie bedient sich der subjektiven Wertlehre, wobei sich die jeweiligen individuellen Bewertungen in einer entsprechenden Zahlungsbe- reitschaft als Ausdruck der Nachfrage für das Gut ausdrücken.

Diesen Zahlungsbereitschaften der Nachfrager steht eine Angebotsbereitschaft der Produzenten gegenüber, die sich an den Grenzkosten der Herstellung des jeweiligen Gutes orientiert. Auf funktionierenden Märkten bilden sich durch das Aufeinander- treffen von Angebot und Nachfrage Preise, die dafür sorgen, dass nur jene in den Genuss eines Gutes kommen, deren Wertschätzung für das Gut mindestens den Grenzkosten für seine Produktion entspricht. Diese Preise können als Maßstab für den Wert der Güter herangezogen werden. Für Güter, die nicht am Markt gehandelt werden, existieren keine Preise; sie würden bei rein marktwirtschaftlich ausgeprägten Allokationsentscheidungen vernachlässigt werden. Dies gilt insbesondere für die un- terschiedlichen Elemente der Biodiversität. Ihre weltweite Reduktion ist zum einen auf eben diese Problematik zurückzuführen, und zum anderen sind sie oft im Wandel der hieraus resultierenden Landnutzungsformen begründet (SWANSON, 1994).

Die ökonomische Bewertung stellt für den Erhalt biologischer Vielfalt eine wichtige Voraussetzung dar, denn die fehlende Zuordnung der ökonomischen Wertschätzung, einhergehend mit nicht genau definierten Eigentumsrechten führt zu einem unregu- lierten Gebrauch der biologischen Ressource. Folglich resultiert aus dem, was nicht gemessen oder bewertet wird, sehr schnell eine Unterbewertung bzw. eine Überbean- spruchung dieser Ressource (OECD, 2002). Eine Ablehnung der expliziten monetä- ren Bewertung bedeutet in sehr vielen Fällen, dass dem Umweltgut ein Wert von Null zugewiesen wird, da kein Marktpreis vorliegt. Mit der Feststellung, keine Be- wertungen vornehmen zu können, würden Nutzenaspekte einer verbesserten Um- weltqualität praktisch ignoriert (HACKL & PRUCKNER, 2000). Der Ausdruck in mone- tären Einheiten kann dabei als Maßstab im Vergleich zu anderen Landnutzungen herangeführt werden. Ökonomische Bewertungen machen erst das Wert-Potential sichtbar, das der Biodiversität innewohnt. „The higher non-market economic values are, the less likely it is that land conversion that damages biodiversity will be justi- fied.“ (OECD, 2002, S. 41).

Im Rahmen dieser nachfrageorientierten Analyse wird somit die Wertschätzung der- jenigen Personen offen gelegt, die einen Nutzen aus den Schutzmaßnahmen ziehen, wodurch sich eine Größenordnung der gesellschaftlichen Wertschätzung für Biodi- versität im Wald - in monetären Einheiten - ableiten und abbilden lässt. Dies ent- spricht der gesellschaftlichen Nachfragefunktion, die die Grundlage für die gesell- schaftliche Bereitstellung des öffentlichen Gutes durch die politischen Entschei- dungsträger bildet.

1.4.2 Öffentliches Gut

Der Nutzen, der mit dem Gebrauch eines Gutes in Verbindung gebracht wird, hinter- lässt bei privaten Gütern anhand des Verhaltens von Wirtschaftssubjekten auf dem Markt „Spuren“ in Form von Markttransaktionen. Der Preis, den hier ein Individuum für ein Gut zahlt, stellt bei funktionierenden Märkten eine untere Schranke für die Wertschätzung dieses Gutes dar, weil die Person dieses Gut bei rationalem Verhalten ansonsten nicht konsumieren würde. Für Umweltgüter, die nicht auf Märkten gehan- delt werden, existieren keine Preise. Deshalb lässt sich der Nutzen, der durch den Gebrauch dieser Güter entsteht, durch Marktbeobachtung nicht ermitteln; offenbarte Präferenzen können nicht unmittelbar zur Wertermittlung herangezogen werden. Diese Umweltgüter haben die Charakteristik von öffentlichen Gütern, denn ihnen fehlen zwei grundlegende Eigenschaften, die den privaten Gütern eigen sind (AR- NOLD, 1992):

- die Möglichkeit des Nutzungsausschlusses für den Fall, dass z.B. ein potentieller Nutzer die Zahlung für die Inanspruchnahme verweigert,
- die Rivalität in der Nutzung, die bedingt, dass das in Anspruch genommene Gut nicht gleichzeitig durch beliebig viele Individuen genutzt werden kann.

Öffentliche Güter können somit gleichzeitig von beliebig vielen Personen benutzt werden, und zwar solange bis es zu Überfüllungserscheinungen oder zu einer Überbeanspruchung im Gebrauch kommt. Wenn gleichzeitig keine Möglichkeit des Ausschlusses von nicht zahlungswilligen Nutzern vorhanden ist, bestehen zudem nur wenig Anreize, dieses Gut bereitzustellen.

Möchte man Märkte für Biodiversität etablieren, müssen zunächst die in Frage kommenden Güter und Leistungen definiert werden, die entsprechend der Nachfrage angeboten werden können. Nur wenige Umweltgüter und -leistungen haben die Cha- rakteristik eines privaten Gutes bzw. lassen sich in ein solches umwandeln. Je nach- dem, inwieweit man private Eigentumsrechte etabliert oder den Charakter des öffent- lichen Gutes beibehält, lassen sich Güter und Leistungen von der Art „privat“ bis „öffentlich“ einteilen. Eine Zwischenform bildet die Art der „Club-Güter“, die die Eigenschaft der Nichtrivalität jedoch die der Ausschließbarkeit besitzen. Hieraus re- sultiert auch für die ökonomische Betrachtung von Biodiversität ein Spektrum der privaten Güter bis hin zu den rein öffentlichen Gütern (s. Abb. 1).

Abb. 1: Ökonomische Einteilung und Eigenschaften der Umweltgüter und Umweltleistungen von Biodiversität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: OECD (2003, S. 30).

Die ökonomische Eigenschaft des Gutes Biodiversität stellt in der vorliegenden Un- tersuchung ein rein öffentliches Gut dar (in der o.a. Abbildung unten rechts). Die Nachfrage nach diesen Gütern und Leistungen hängt stark von den individuellen Wertschätzungen für diese Art von Gütern ab, die unterschiedlich motiviert sein können. Der Wert von Biodiversität ist deshalb immer im Kontext der ihr innewoh- nenden Güter und Leistungen zu sehen, der je nach individueller Präferenz unter- schiedlich ausfallen kann. Wie in der obigen Abbildung zu sehen ist, beschreibt der Begriff Biodiversität die globale biologische Vielfalt in sämtlichen Ökosystemen (z.B. Agrar-Ökosysteme, aquatische und ozeanische Systeme, Grünland, usw.). Be- zogen auf das Wald-Ökosystem, welches in dieser Untersuchung zum tragen kommt, kristallisieren sich eine Reihe von Gütern und Umweltleistungen der biologischen Vielfalt dieses Ökosystems heraus (OECD, 2003, S. 26).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Umweltleistungen und -güter des Ökosystems Wald Quelle: OECD (2003, S. 26, gekürzt, übers. vom Autor).

Das Gut Biodiversität mit seinen dazugehörigen Leistungen wird in dieser Untersu- chung in einem umfassenderen Sinn gebraucht, die ausschließlich die hier behandel- ten fünf Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität beinhalten, welche innerhalb des Verbundprojekts entworfen wurden. Die Realisierung dieser Maßnahmen ist mit Kosten verbunden, die in diesem Zusammenhang Opportunitätskosten darstellen10. Opportunitätskosten spiegeln die wahren wirtschaftlichen Kosten einer Sache wider, wie sie aus der verpassten Gelegenheit bestehen (FOLDVARY, 2000). Der Schutz der natürlichen Ressource „Biologische Vielfalt von Wäldern“ kann deshalb bedeuten, dass eine anderweitige Nutzung in Form der Holzproduktion nicht oder nur einge- schränkt möglich ist. Die Opportunitätskosten des Schutzes dieser biologischen Res- source stellen somit den (gesellschaftlichen) Wert der entgangenen Alternativen dar und sind dem Nutzen aus den Maßnahmen gegenüber zu stellen. Aufgrund der Nicht- ausschließbarkeit und der Nichtrivalität im Konsum wären zur Ermittlung der opti- malen Bereitstellungsmenge sämtliche individuelle Grenznutzen zu addieren, was die Summe der Konsumentenrenten entspricht. Ökonomisch vorteilhaft wären diese Schutzmaßnahmen dann, wenn der hieraus zu erwartende Nutzen größer wäre als die entgangenen Erträge der alternativen Nutzung. Während die Kosten entsprechender Maßnahmen in den Forstbetrieben anfallen, kommt ihr Nutzen nicht in erster Linie den Forstbetrieben zugute, sondern denjenigen, die die Schutzleistungen in Anspruch nehmen (z.B. den Waldbesuchern). Würde den Kosten kein Wert in Form eines Nut- zens gegenüber stehen, würde dies zu verzerrten Aussagen hinsichtlich der umfassenden Bewertung dieser Ressource führen. Eine ökonomische Bewertung hat gegenüber allen anderen Bewertungsmaßstäben den Vorteil, nachfrageorientiert aufzuzeigen, wie viel Biodiversität geschützt und bereitgestellt werden soll, bzw. welche Prioritäten in der Landnutzung gesetzt werden können (OECD, 2002, S. 66). Die Bewertung bezieht sich dabei immer nur auf das zu bewertende Gut im Untersuchungsgebiet und umfasst nicht gleichzeitig den globalen Gesamtbestand der biologischen Ressourcen (vgl. PEARCE, 1998 sowie HEAL, 2002).

1.4.3 Wohlfahrtstheoretische Einordnung

Die Ökonomie setzt sich zur Aufgabe, die Aktivitäten der Menschen so zu gestalten, dass diese ihre materiellen Bedürfnisse in einer durch Knappheiten gekennzeichneten Welt möglichst weitgehend befriedigen können. Diese Aktivitäten schließen auch die Nutzung der Umwelt mit ein. Hintergrund der ökonomischen Betrachtungsweise ist, dass Menschen auch für die Natur Präferenzen unterschiedlicher Art besitzen kön- nen. Der Umgang mit Präferenzen für Umweltgüter ist analog zu der Art und Weise zu sehen, in der mit Präferenzen für private Güter verfahren wird. Er richtet sich nach den individuellen Wünschen und Bedürfnissen. Diese individuellen Bedürfnisse sind rein subjektiver Natur. Für die exogene Bewertung aus ökonomischer Sicht gilt der methodologische Grundsatz des Individualismus. Der Wert, den Individuen ver- schiedenen Gütern beimessen, kommt in ihren Wahlentscheidungen für diese Güter zum Ausdruck. Die Aufdeckung der Präferenzen erfolgt für private Güter auf Märk- ten, auf denen sie sich nachfrageorientiert als Preise offenbaren.

Für nicht auf Märkten gehandelte Güter bedarf es anderer Ansätze, um die Präferen- zen offen zu legen.11 Aufgrund der vielfachen Nutzungskonflikte um ein öffentliches Umweltgut wäre es nicht wohlfahrtsoptimal, dass ein Experte allein über die Nut- zung dieser Ressource entscheidet, es sei denn, die Grundsätze der neoklassischen Ökonomie sollten zugunsten eines „wohlwollenden ökologischen Diktators“ aufge- geben werden (WEIMANN, 1999). Individuelle Nutzungsentscheidungen wären auf diese Weise nicht zu ermitteln. Im Mittelpunkt der Bewertung steht deshalb jene Per- son, die das Gut bewertet, und nicht Politiker, Wissenschaftler oder Entscheidungs- träger. Denn erst durch diese subjektive Betrachtungsweise lässt sich klar erkennen, was einzelne Personen bereit sind, aufzugeben, um im Tausch etwas anderes für sie persönlich Wertvolleres zu erhalten.

Die ökonomische Wohlfahrtstheorie basiert darauf, dass sämtliche Individuen nut- zenmaximierend handeln (PRUCKNER, 1995). Ein Mehr eines Gutes bedeutet einen höheren Nutzen für das Individuum. Der zusätzliche Nutzen einer zusätzlichen Gü- tereinheit wird mit zunehmender Verfügbarkeit kleiner.12 Die Verfügung über Güter unterliegt in der Summe der Budgetbeschränkung einer jeden nachfragenden Person, so dass eine substitutive Beziehung zwischen den Gütern vorliegt, die die Person gewillt ist nachzufragen, d.h., dass die Zahlungsbereitschaft für das Gut begrenzt wird durch Faktoren wie das persönlich verfügbare Einkommen und durch die Be- reitschaft, auf andere Dinge im Gegenzug zu verzichten, die man sich nun nicht mehr oder weniger leisten kann. Auch ist die Nachfrage davon abhängig, inwieweit die Bedürfnisse bereits mit ähnlichen Gütern abgedeckt wurden. Somit steht die Person vor dem Abwägungsproblem, das wertmäßige Verhältnis zwischen den Gütern fest- zulegen, die sie nachfragen will. Aufgrund der vorliegenden Budgetrestriktion wird die individuelle Wahlentscheidung für oder gegen eine Veränderung eines Umwelt- gutes auf der Grundlage nach dem ökonomischen Effizienzkriterium getroffen.

Auch der Staat handelt unter der Restriktion einer Budgetbeschränkung der ihm zur Verfügung stehenden Einnahmen; das schließt auch das Problem ein, öffentliche Gü- ter in der optimalen Menge bereitzustellen (Allokationsproblem). Ein zuviel an Be- reitstellung würde eine Ressourcenverschwendung auf Kosten anderer ebenfalls ge- wünschter Güter bedeuten. Eine zu geringe Bereitstellung hätte eine Überbeanspru- chung des betreffenden Gutes zur Folge (POMMEREHNE & RÖMER, 1992, S. 172).

1.4.4 Ökonomischer Gesamtwert

Der ökonomische Wert einer natürlichen Ressource setzt sich sowohl aus nutzungs- abhängigen Wertschätzungen, sog. Gebrauchswerte, zusammen als auch aus Wert- schätzungen, die unabhängig von jeder Form einer direkten Nutzung sind, sog. Nichtgebrauchswerte. Gebrauchswerte bestehen aus Einzelleistungen, die Biodiversi- tät erbringt, entweder durch Konsum oder durch andere spezifische Nutzungen. Sie sind solche Werte, die dadurch entstehen, dass z.B. Rohstoffe aus dem Wald als Gü- ter direkt genutzt werden, indem bestimmte Pflanzenarten als Grundlage für pharma- zeutische13 oder für landwirtschaftliche Zwecke dienen (vgl. SWANSON, 1997). Demgegenüber stiften Nichtgebrauchswerte auf indirektem Wege Nutzen für den Einzelnen und für die Gesellschaft. So entsteht ein Existenzwert z.B. dadurch, dass aus dem bloßen Vorhandensein einer einzelnen Art Nutzen gezogen wird, mögli- cherweise ohne jemals diese Art gesehen zu haben. Beim Optionswert kann ein Nut- zen daraus erwachsen, dass heute noch unbekannte Nutzungsmöglichkeiten des Wal- des in der Zukunft realisiert werden können. Beispielsweise wird das Potenzial der biologischen Vielfalt des Waldes als Gen-Pool zunehmend wichtiger, welches in der Vergangenheit kaum Bedeutung besaß. Auch kann die indirekte Wertschätzung dar- auf basieren, Nutzungsmöglichkeiten an die Nachkommen als Vermächtniswert wei- terzuvererben. Diese Wertkategorien sind insofern von Bedeutung, als dass sie die individuellen Motive für die Wertschätzung von Umweltgütern widerspiegeln und somit in die Ermittlung der Wertschätzung mit einbezogen werden können. Bei der Ermittlung des ökonomischen Wertes für biologische Ressourcen ergibt sich hieraus das Konzept des „total economic value“ (TEV), d.h. des ökonomischen Gesamtwer- tes (PEARCE, 2001). Dieser Wert bezeichnet die Gesamtsumme aller relevanten Grö- ßen zur geäußerten Zahlungsbereitschaft, die in Bezug auf das Umweltgut angegeben werden können und setzt sich aus den Gebrauchs- und Nicht-Gebrauchswerten zu- sammen (vgl. OECD, 2003, S. 25).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Zusammensetzung des ökonomischen Gesamtwertes und Möglichkeiten der Bewertungsmethoden.

Quelle: DIXON & PAGIOLA (2001), verändert.

GÖSCHL (1999) hat in diesem Zusammenhang aufgezeigt, dass Individuen bereit sind, für die Erhaltung biologischer Vielfalt Geld bereitzustellen, selbst wenn ihnen kein Anteil der Gebrauchswerte der so geschützten Vielfalt zugute kommen sollte. Diese Zahlungsbereitschaft für die Existenz biologischer Vielfalt muss danach in ei- nem umfassenden Bewertungsverfahren seinen Niederschlag finden. Dies gilt auch für die Zahlungsbereitschaft in Bezug auf die Weitergabe von Biodiversität an kom- mende Generationen, d.h. eine Zahlungsbereitschaft für die zukünftige Existenz bio- logischer Vielfalt und auch für die Erfassung von Optionswerten.

Der viel umfassende Begriff Biodiversität wurde anhand der aus naturwissenschaftli- cher Sicht herausgearbeiteten Maßnahmen operational gemacht, damit auf dieser Ba- sis eine ökonomische Bewertung vorgenommen werden kann. Da für das Kollektiv- gut Biodiversität keine realen Marktpreise vorliegen, wird die Bewertung anhand der umweltökonomischen Methode der Kontingenten Bewertung (KBM), d.h. unter Verwendung der in dieser Arbeit ermittelten Zahlungsbereitschaften, vorgenommen. Die Anwendung dieser Methode (Beschreibung s. Kap. 3), die besonders geeignet ist, sowohl die Gebrauchs als auch die Nicht-Gebrauchswerte zu erfassen, kommt im Rahmen von Bevölkerungsbefragungen zum tragen, die in zwei Untersuchungsgebie- ten durchgeführt wurden.

2 Befragungskonzept

Für die empirische Forschung hat sich die Erhebungsmethode des Interviews als ei- nes der meistgebrauchten Verfahren der Datenerhebung etabliert.14 Die Befragung als Mittel der empirischen Datenerhebung ist auch im forstlichen Kontext denselben methodischen Kriterien unterworfen wie jede andere Sozialforschung mit wissen- schaftlichem Anspruch auch (WILD-ECK, 2002). Sie dient in dieser Untersuchung der Verifizierung von naturwissenschaftlich-planerischen Konzepten, die den Erhalt und die Förderung der biologischen Vielfalt von Wäldern beinhaltet. Zudem dient sie der Durchführung empirisch-praktischer Forschungstätigkeiten zum Zwecke der ökono- mischen Effizienz und der gesellschaftlichen Akzeptanz. Hierzu wurde ein Befra- gungskonzept entwickelt, das neben der umweltökonomischen Methode der KBM weitere, wesentliche Elemente erfasst, die für die Analyse der Zahlungsbereitschaft und der Akzeptanz der Biodiversitäts-Maßnahmen von Bedeutung sein können.

2.1 Pretest und Focus-group als Voruntersuchungen

Die Informationen, die den Befragten während des Interviews gegeben werden, tra- gen dazu bei, die Präferenzen des Interviewten zu offenbaren (SPASH & HANLEY, 1995). Bei der Ermittlung der Wertschätzung für ein öffentliches Gut gibt es gewisse Unwägbarkeiten, die sich auf die Zuverlässigkeit und auf das angewandte Verfahren beziehen. In Bezug auf das Befragtenverhalten bei Interviews können sich systemati- sche Messfehler ergeben. Diese können bei der sozialwissenschaftlichen oder sozio- ökonomischen Datenanalyse von Fragebögen aus den Reaktionstendenzen von Be- fragten sowie aus den Einflüssen von den Interviewern auf die Messung entstehen. Für die Befragung wurden somit die vorliegenden Maßnahmen sprachlich in einer angemessenen Weise beschrieben, um die Befragten kognitiv nicht zu überfordern und um sie zeitlich nicht zu strapazieren. Kognitive und sprachliche Kommunikati- onsbarrieren können einerseits Desinteresse und Meinungslosigkeit erzeugen, ande- rerseits können Stimuluseindeutigkeiten zur Präsentation von Sicherheit und zu sozi- al erwünschten Verhaltensweisen führen. Die Folgen sind für die Interviewer nicht immer sichtbare Fehlreaktionen, die auf unterschiedliche Stimuli in der Erhebungssi- tuation zurückzuführen sind. Die unter dem Begriff „response sets“ potentiellen Ver- haltensweisen der Befragten werden wie folgt zusammengefasst (REINECKE, 1991):

- Tendenz zu raten,
- Tendenz zu lügen,
- Tendenz zur Vollständigkeit,
- Bevorzugung von mittleren und neutralen Antwortkategorien,
- Bevorzugung von Extremkategorien,
- Bevorzugung von Geschwindigkeit vor Genauigkeit,
- Beurteilungsunterschiede bezüglich der Kategorien,
- inhaltsunabhängige Zustimmungstendenz,
- die Tendenz, sozial erwünscht zu antworten.

Um diese Verhaltensweisen zu minimieren, die zu Messfehlern führen können, ist es unerlässlich, das zu bewertende Gut den Teilnehmern möglichst genau zu beschrei- ben, und die umweltspezifischen Veränderungen zum bestehenden status quo zu skizzieren. Da das Wissen über Biodiversität in der Bevölkerung nicht sehr verbreitet ist (FRÖR, 2003), würde das Bereitstellen umfangreicher Informationen zum Zeit- punkt des Interviews die Ausgangslage der Befragten verändern. Werden umgekehrt wesentliche Zusammenhänge außer Acht gelassen, würde man zu einer verzerrten Bewertung der Biodiversität gelangen. HANLEY et al. (1995) zeigten, dass das Kon- zept Biodiversität von den Befragten bei der Verwendung von weniger abstrakten Definitionen nur bedingt verstanden wurde. Mehr Informationen führen danach zu einer signifikant höheren Zahlungsbereitschaft, solange dies nicht zu einem sog. „in- formation overload“ führt, d.h. solange die Befragten kognitiv und zeitlich nicht ü- berfordert werden. Somit kommt es darauf an, eine Menge an bereitgestellten Infor- mationen zu finden, die eine adäquate Bewertung durch die Befragten ermöglicht. Dabei wurden im Interview sowohl die erwünschten, umweltqualitätsverbessernden Wirkungen als auch mögliche nicht erwünschte Auswirkungen prägnant beschrieben, um die Befragten nicht einseitig zu informieren (s. Kap. 1.3).

Darüber hinaus reichen kritische Einwände von der hypothetischen Fragesituation (im Rahmen der KBM) über strategisches Verhalten der Interviewten, auftretende „embedding-Effekte“, fragebogenspezifische Verzerrungen bis hin zur generellen Einschätzung, dass die abgeleiteten Ergebnisse zur ökonomischen Theorie nicht konsistent seien.15 Durch ein sorgfältig durchdachtes und zuvor getestetes Befragungskonzept können jedoch diese Verzerrungen im Vorfeld analysiert und entschärft werden, und die erforderlichen Informationen können sodann in adäquater Form bereitgestellt werden (CARSON et al., 2001).

Vor der Durchführung der Hauptbefragung ist daher die Durchführung eines Pretests zur Überprüfung des Messinstruments und zur Minimierung von Verzerrungsmög- lichkeiten in den Ergebnissen zu empfehlen (SCHNELL et al., 1992). Die Fragebögen wurden während der Entwicklungsphase im Rahmen von Focus-group-Befragungen, d.h. in Form von initiierten Gruppenbefragungen und anschließend in Form eines Pretests, d.h. anhand einer Vorstudie, die von einem Befragungsunternehmen durch- geführt wurde, empirisch getestet. Innerhalb der Focus-group Befragung wurden ca. 40 Leute interviewt, die zufällig auf öffentlichen Plätzen oder im Bekanntenkreis des Autors als Testpersonen für die Befragung ausgewählt wurden. Es konnten direkt Rückfragen durch die befragten Personen gestellt werden, so dass Erkenntnisse aus inhaltlichen Verständnisschwierigkeiten der Fragen und aus missverständlichen Formulierungen gewonnen werden konnten. Es stellte sich beispielsweise heraus, dass kurze, prägnante und allgemein verständliche Formulierungen zur Beschreibung der Maßnahmen essentiell waren. So wurden bei der Beschreibung der Maßnahmen Kürzungen vorgenommen, um die Befragung in einem akzeptablen zeitlichen Rah- men zu halten. Wörter mit negativen Konnotationen wurden vermieden (z.B. Totholz und Jagd) und weitere Formulierungen wurden der Umgangssprache angepasst, ohne dabei die Befragten mit nur einseitigen Informationen zu konfrontieren. Es stellte sich bei dieser Testphase erfreulicherweise heraus, dass das Instrumentarium der Fonds-Idee als Zahlungsvehikel (Kap. 3.4) auf Anhieb verstanden wurde.

Der Pretest, der bundesweit und repräsentativ durchgeführt wurde, lieferte erste Er- gebnisse zur bundesweiten Akzeptanz der Maßnahmen und Aufschlüsse zur Ver- ständlichkeit der Fragen. Aus den gewonnenen Ergebnissen wurde ersichtlich, dass der Fragebogenaufbau in der vorliegenden Form geeignet erschien. Im Bereich der Focus-group-Befragung gab es keine Antwortverweigerer, was auf eine hohe Akzep- tanz und Verständlichkeit des getesteten Szenarios schließen ließ. Im Bereich des Pretests liegen hierzu keine Zahlen vor. Die Durchführung lässt jedoch ebenfalls eine hohe Akzeptanz vermuten, da ansonsten das Befragungsinstitut einen verhältnismä- ßig hohen Befragungsaufwand für die Gewährleistung der Repräsentativität hätte leisten müssen. Nur wenige Modifizierungen wurden im Nachhinein vorgenommen. Es wurden zusätzliche Fragen aus dem Bereich vom umweltspezifischen Verhalten und vom umweltbezogenen Einstellungen aufgenommen, um bei der anschließenden Analyse solche Erklärungsvariablen zu erhalten, die die Höhe der genannten Zah- lungsbereitschaften erklären helfen. Grundlage hierfür sind neue Erkenntnisse aus dem sozialpsychologischen Bereich, die die Motive der Befragten zur Nennung der Zahlungsbereitschaft offen legen sollen (s. Kap. 3.5). Nach der Entwicklungs- und Testphase der Fragebögen, konnte sodann mit der Hauptbefragung begonnen werden.

2.2 Struktur und Inhalt der Bevölkerungsbefragungen

Entsprechend der angewandten Methode und der Themengebiete gliedert sich der Aufbau der Fragebögen in vier Abschnitte. Nach einem kurzen Abschnitt zur Einführung in die Thematik, folgen im ersten Teil die Fragen zur Zustimmung der einzelnen Maßnahmen und des Programms. Innerhalb dieses Fragenkomplexes wurden die Probanden mit der Thematik der Biodiversität vertraut gemacht.16

1. Beschreibung der fünf Maßnahmen und des Programms zur Förderung und des Erhalts der Biodiversität in Wäldern für die Ermittlung der Akzeptanz (Biodiversität).

Im ersten Teil wurden die Befragten darüber aufgeklärt, dass zum Zweck des Schut- zes und des Erhalts der Artenvielfalt in Wäldern verschiedene Maßnahmen entwi- ckelt worden seien. Sodann wurden die Interviewten aufgefordert, anzugeben, ob sie der Durchführung der einzelnen Maßnahmen zustimmen, bzw. ob sie diese ablehnen. Hierzu wurden bestimmte Skalen zur Messung von Einstellungen verwendet. Bei der angewandten Likert-Skala wird der Grad der Zustimmung der Befragten auf einer fünfstufigen Antwortskala erfasst, die auf dem sozialwissenschaftlichen Messmodell der Psychometrik beruhen (SCHUMANN, 1997, S. 33ff.). Diese Skala umfasst die Ka- tegorien von „stimme voll und ganz zu“ (Stufe 1) bis „stimme überhaupt nicht zu“ (Stufe 5). Mit den Werten dazwischen kann die Zustimmung oder Ablehnung indivi- duell abgestuft werden.

Die einzelnen Maßnahmen und das Programm zur Förderung und zum Erhalt der biologischen Vielfalt der Wälder wurden ebenso wie die erwünschten Umweltwirkungen und die nicht erwünschten Auswirkungen beschrieben.17 Hierfür kamen Skizzen als Entscheidungsstütze zum Einsatz (s. Abb. 4).

Nachdem die Befragten mit dem Untersuchungsobjekt vertraut gemacht wurden, erfolgte im Hauptteil die Anwendung der kontingenten Bewertungsmethode.

2. Ermittlung der Zahlungsbereitschaften zur Durchführung bzw. zur Verhin- derung des Programms (Kontingente Bewertungsmethode).

Hier wurde konkret die Frage nach der Zahlungsbereitschaft gestellt, wobei die Be- fragten aufgefordert wurden, einen Betrag für die Realisierung der Maßnahmen zu nennen. Die Maßnahmen können nur durchgeführt werden, wenn genügend Geld zu- sammen käme. Die Frage zur Zahlungsbereitschaft ergibt sich je nach persönlicher Einschätzung des Interviewten entweder für oder gegen die Durchführung des Pro- gramms zur Förderung und des Erhalts biologischer Vielfalt. Zu diesem Zweck wur- de die Zahlungsform eines Fonds entwickelt, in dem man den individuellen Präfe- renzen entsprechend einzahlen kann. Zur Unterstützung der Zahlungsentscheidung kam die Bezahlkarte (Abb. 5) zum Einsatz (die KBM wird in Kap. 3 erläutert).

Anschließend kommen im dritten Teil jene Fragen aus dem Bereich sozialpsychologischer Theorien (Umweltbewusstsein, Umweltverhalten sowie allgemein und spezielle Umwelteinstellungen) zum Einsatz.

3. Fragen zum Umweltbewusstsein, Umweltverhalten, Umwelteinstellung all- gemein und speziell zum Programm sowie allgemein politische Einstellungen (Allgemeiner Teil).

Entsprechend der Hypothese, dass umweltbezogene und politische Einstellungen, Verhalten und Bewusstsein (s. Kap. 3.5) die Höhe der geäußerten Zahlungsbereit- schaft erklären können, wurde ein Großteil an Fragen aus diesem sozialwissenschaft- lichen Themenkomplex mit in die Befragung aufgenommen. Hierdurch lassen sich die Motive offen legen, die zur Nennung einer Zahlungsbereitschaft geführt haben. Die Verwendung dieser Fragen erfolgte in Anlehnung an Studien, die sich mit ähnli- cher Thematik befasst haben. Daher fließen diese ermittelten Größen als Erklärungsvariablen in die sich anschließenden Regressionsanalysen mit ein.18 U.a. wurde mitgeteilt, dass mit den Maßnahmen erreicht werden soll, das Ökosystem Wald in einem möglichst naturnahen Zustand zu erhalten.19 Die Befragten wurden aufgefordert, mitzuteilen, inwieweit sie das Programm für geeignet halten, um diese Ziele zu erreichen. Bei diesem Themenkomplex handelt es sich um eine objektspezifische, d.h. auf die bewertete Biodiversität bezogene Fragestellung.

Nicht objektspezifisch, sondern thematisch etwas allgemeinere Fragen wurden zum Bereich Wald gestellt. Zu diesem Zweck wurden die Interviewten u.a. hinsichtlich ihrer Beurteilung zum Waldzustand befragt, und in welcher Form sie ihn nutzen, z.B. zur Freizeitgestaltung, und wie oft sie diesen besuchen.

Allgemeine Fragestellungen zu Umwelteinstellungen und zum Umweltbewusstsein, die nicht das Thema Wald berühren, wurden durch ein breites Spektrum aus dem Be- reich des Natur- und Umweltschutzes abgedeckt. Eine Frage zielte z.B. darauf ab, ob die Förderung des Umweltschutzes als politische Aufgabe wichtig sei. Fragen zur Mitgliedschaft in Umweltorganisationen und die Spendentätigkeit für den Umwelt- schutz spielen zudem eine entscheidende Rolle bei der Suche nach Determinanten für die geäußerte Zahlungsbereitschaft.

Über den Themenbereich der Umweltfragen hinaus kamen noch allgemeiner gefasst Fragen aus einem breiten Spektrum politischer Aufgabenbereiche zum tragen, wie z.B. aus dem Bereich der sozialen Sicherheit oder aus dem Wirtschaftsbereich.

4. Erfassung personenbezogener Daten zu den befragten Haushalten (soziodemographische Kennzahlen)

Zur weiteren Ermittlung von Einflussfaktoren wurden die personenbezogenen Daten der Interviewten zum Alter, Geschlecht, Haushaltsgröße, Nettoeinkommen des Haushalts, Schulabschluss, Beruf, Landkreiskennziffer, Ortsgröße, sowie die Region (Bundesland) in dem befragten Haushalte erfasst. Diese sind neben der Postleitzahl und der Landkreiskennziffer des befragten Haushalts zusätzlich in den Fragenkatalog mit aufgenommen worden (s. Anhang Fragebogen, S1 -S9, s. auch Kap. 4.1.1).

Diese Angaben dienen zum einen zur Überprüfung der Repräsentativität der gezogenen Stichprobe und zum anderen zur Ermittlung weiterer Erklärungsvariablen zur geäußerten Zahlungsbereitschaft.

2.3 Frageform und Materialien

Für die Befragten sollten die Fragen in erster Linie nicht-suggestiv, einfach, eindeutig und neutral formuliert sein, da die Befragung sonst zur kognitiven Überforderung führen könnte. Ein zu geringer Operationalisierungsgrad von Begriffen und Fragen mit doppelter Verneinung können die Redundanz gegebener Antworten erhöhen bei gleichzeitiger Verminderung motivationsbedingter Rollenübernahmen, wie z.B. die des sozial erwünschten Verhaltens (REINECKE, 1991).

Es gibt bei der Formulierungsmöglichkeit der Fragen die Form der geschlossenen (restriktive Form) und der offenen (unrestriktive Form) Darbietung. Innerhalb der geschlossenen Form kann man wiederum zwischen Alternativfragen (entweder/oder) und Auswahlfragen (Vorgabe von Kategorien) unterscheiden. Für die Alternativfra- gen spricht die Verwandtschaft zu alltäglichem Denken, die fortwährende Reduktion von Sachverhalten auf Alternativen und Entscheidungen. Dem Befragten wird aber eine Bewusstseinsstrukturierung unterstellt, die sich mit der vom Forscher vorge- nommenen Begrenzung der Reaktionsmöglichkeiten nicht decken muss. Für die Auswahlfrage spricht die Erweiterung der Entscheidungsfreiheit des Befragten und dem daraus resultierenden höheren Informationsgehalt. Länge und Komplexität der Antwortkategorien beeinflussen aber das Antwortverhalten und können u.U. zu in- haltsunabhängigen Bevorzugungen bestimmter Antwortkategorien führen. Die Vor- teile von offenen Fragen liegen in der Vermeidung von Antwortverzerrungen durch vorgefasste Meinungen und in der Vergrößerung des untersuchten Themenbereichs. Offene Fragen stellen gewisse kognitive Anforderungen an den Befragten und ver- langen mehr Erinnerungs- und Darstellungsvermögen. Dagegen stellen geschlossene Fragen weniger Anforderungen kognitiver Art, verlangen vom Befragten aber mehr Wiedererkennungsvermögen. Offene Fragen eignen sich mehr zur Exploration (z.B. in Pretests), geschlossene Fragen mehr zur Überprüfung inhaltlicher Studienhypothe- sen. Wesentlich bei der Entscheidung ist die explizierte Thematik, die adäquat wie- dergegeben werden soll (REINECKE, 1991).

Mit Ausnahme der für die Befragten objektiv und einfach zu beantwortenden Fragen

- aus dem soziodemographischen Teil,
- zur Höhe der Zahlungsbereitschaft,
- zur Besuchshäufigkeit des Waldes,
- zur Entfernung zu dem besuchten Wald sowie
- zur Spendenhöhe an Umweltorganisationen,

enthielten die verwendeten Fragebögen ausschließlich geschlossene Fragen. Hierbei wurden den Interviewten die Antwortalternativen vorgegeben, so dass es keine Mög- lichkeit zur Nennung von nicht vorgesehenen Antwortalternativen gab. Geschlossene Fragen vereinfachen die Durchführung des Interviews, da den Befragten eine Hilfe- stellung bei der Formulierung ihrer Antworten gegeben wird und die Interviewer we- niger Zeit für die Aufzeichnung der einzelnen Antworten verwenden müssen. Durch die Standardisierung wird das Ziel verfolgt, sowohl objektive als auch verlässliche (reliable) und gültige (valide) Aussagen über die gewonnen Ergebnisse zu gewinnen. Zur Durchführung der Befragung stehen prinzipiell schriftliche und mündliche Be- fragungen zur Verfügung. Mit mündlichen Befragungen lassen sich Daten hoher Qualität erheben (ROSCHEWITZ, 2001). Schriftliche Befragungen sind weniger kos- tenintensiv als mündliche und frei von Intervieweinflüssen. In der Praxis ergeben sich jedoch Probleme in Hinsicht auf unbefriedigende Rücklaufquoten, mangelnde Identifikation zwischen Ziel- und Auskunftsperson sowie Grenzen für komplexe Fragestellungen. Telefonische Befragungen fallen aus Gründen der fehlenden Ver- mittelbarkeit komplexer hypothetischer Szenarien in Form von Mappen, Grafiken, Bildern etc. aus. Der Kontakt zwischen Befragten und Befrager ist hier unpersönli- cher als bei der mündlichen Befragung, zudem ist die Bereitschaft, über einen langen Zeitraum Auskunft zu geben, am Telefon sehr begrenzt.

Die mündliche Befragung stellt für diese Untersuchung die zweckdienlichste Form dar. Diese Frageform gewährleistet einerseits einen hohen Rücklauf, der bedingt wird durch die höhere Motivation beim direkten Kontakt mit dem Interviewer, und andererseits können bei Verständnisproblemen hinsichtlich der Komplexität des Un- tersuchungsthemas Erklärungen gegeben werden. Die für die hypothetische Ent- scheidungssituation notwendigen Informationen können auf diese Weise am geeig- netsten übermittelt werden. Das Interview findet zudem in der vertrauten Umgebung des Befragten als Haushaltsbefragung statt. Mit der persönlichen Befragung wurde das Befragungsverfahren gewählt, mit der nach WILLIS (1995) die zuverlässigsten Ergebnisse erzielt werden können.

Um das Abstraktionsniveau während der Beschreibung niedrig zu halten sowie der besseren Verständlichkeit wegen und zur Veranschaulichung des Programms, wurden den Interviewten Skizzen der einzelnen Maßnahmen gereicht (s. Abb. 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Skizzen zu den einzelnen Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität in Wäldern. Quelle: Eigene Darstellung

Diese Hilfsmaterialien dienten der Visualisierung jeder einzelnen Maßnahme. Dabei wurde jeweils zu der aktuell beschriebenen Maßnahme die dazugehörige Skizze der befragten Person gereicht, um ihr die Vorstellung der intendierten Ziele zu vereinfa- chen, die mit der Durchführung der Maßnahmen und den dazugehörigen Umwelt- wirkungen zusammenhängen. Die Focus-group Untersuchungen ergaben, dass die Skizzen gut angenommen wurden, und dass die Befragten dadurch eher zum Mit- denken angeregt wurden.

Unter Anwendung der kontingenten Bewertungsmethode stellt die Bewertungsfrage ein zentrales Element dar, bei dessen Formulierung mehrere Optionen zur Wahl ste- hen. Die Bewertungsfrage kann in offener oder dichotomer Form („ja“ oder „nein“), einmalig oder iterativ (mehrmalige Wiederholung mit steigenden oder sinkenden Be- trägen) gestellt werden. Die Vorgabe eines Antwortmöglichkeitenraums ist ebenso denkbar wie ein Anfangsbetrag in einer bestimmten Höhe. Die offene Frageform lie- fert die tatsächliche individuelle maximale Zahlungsbereitschaft, während die dicho- tome Form zu einem diskreten Indikator der individuellen maximalen Zahlungsbe- reitschaft führt (ROSCHEWITZ, 2001). Da die Befragten a priori keinerlei Preisvorstel- lung im Hinblick auf Umweltgüter aufgrund fehlender Kauferfahrung dieser Güter haben, sind die Befragten mit einer völlig neuen „Kaufsituation“ konfrontiert. Damit die Testperson bei der Äußerung eines Preises nicht überfordert wird („Ich habe kei- ne Wertvorstellung“), wird dem Befragten eine sog. Bezahlkarte zur Hilfestellung präsentiert (Abb. 5).

Abb. 5: Bezahlkarte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quellen: MITCHEL & CARSON (1981) sowie

Die Bezahlkarte dient der Unterstützung bei der Nennung eines Betrages. In der Lite- ratur gibt es keine eindeutige Empfehlung für die Wahl der Befragungsmethode zur Erfassung der Zahlungsbereitschaft, hilfreich sind allerdings Voruntersuchungen zur Ermittlung einer Größenordnung zur Zahlungsbereitschaft (CHAMP et al., 2002). Die Höhe der Beträge, die auf dieser Karte abgebildet sind (von 0 bis über 200 EUR) ori- entierten sich an den Ergebnissen aus dem Pretest, der 2001 als Grundlage für die Entwicklung der Hauptbefragung, ohne eine unterstützende Bezahlkarte als offene Frage, durchgeführt wurde. Diese Angaben dienen den Befragten als Orientierungs- hilfe, so dass der Zahlungskartenansatz zum einen die völlige Beliebigkeit der direk- ten, unbeschränkten Befragungsmethode und zum anderen das langwierige und zum verfrühten Abbruch verleitende „Herantasten“ an die wahre Zahlungsbereitschaft durch die Versteigerungsmethode vermeidet. Die Beträge, die durch die Intervallan- gaben auf der Karte angegeben wurden, waren jedoch nicht bindend für die Befrag- ten. Es konnten den individuellen Präferenzen entsprechend eigene Beträge genannt werden. Durch die Erfahrungswerte aus dem Pretest wird eine subjektive Beeinflus- sung durch die Höhe der Intervallangaben auf der Karte weitgehend vermieden und gleichzeitig wurde ein zweckdienliches Spektrum der monetären Intervalle für die Bezahlkarte gefunden.

2.4 Durchführung der Hauptbefragungen in der Bundesrepublik Deutschland und in Schleswig-Holstein

Wie eingangs erwähnt, wurde als potentieller Markt zum einen das Gebiet der Bun- desrepublik Deutschland bestimmt und zum anderen fand eine Zielgebietsbefragung in Schleswig-Holstein statt. Zur Bewertung des Umweltgutes wird den Befragten be- schrieben, auf welcher Aggregationsebene die Beurteilung vorgenommen wird, da der räumliche Bezug für die ermittelte Zahlungsbereitschaft relevant ist. Durch die Aufteilung der Befragung nach Bundesgebiet und Schleswig-Holstein werden die Unterschiede in der klein- und großräumigen Bewertung untersucht.

In beiden Untersuchungsgebieten wurden Interviews als repräsentative Haushaltsbefragungen in mündlicher Form („face-to-face“) von einem Befragungsunternehmen durchgeführt. Der Stichprobenumfang betrug für das Bundesgebiet N=1003 und für Schleswig-Holstein N=1000. Für die Durchführung der Befragungen lagen zwei Fragebogenvarianten vor, die sich dadurch unterscheiden, dass in der Variante 1 die Maßnahmen zur Biodiversität zunächst für das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Deutschland beschrieben werden und anschließend der Fall konstruiert wird, dass diese Maßnahmen nur für Schleswig-Holstein gelten.

Abb. 6: Untersuchungsgebiete

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Die Begriffe „Biologische Vielfalt“ und „Biodiversität“ werden hier als Synonyme verwendet.

2 Vgl. hierzu die „Vilmer Thesen zum Natur- und Umweltschutz“ (PIECHOCKI et al., 2004).

3 Es existiert eine Fülle von Definitionen über Biodiversität. „Biological diversity is enigmatic even within the scientific community.“ (FITZSIMMONS, 1999, S. 96).

4 Die Vilmer Thesen zur Biodiversität bieten dazu eine fundierte Grundlage (PIECHOCKI et al., 2003).

5 Einen Überblick zur Entstehungsgeschichte und zur Funktion des Begriffs „Biodiversität“ geben FLITNER (1999) sowie PIECHOCKI (2002).

6 Im Bereich der Biodiversitätskonvention gibt es Versuche, sich auf international geltende Indikatoren zu einigen (vgl. KORN, 1999). Zu der Umsetzung von Strategien zur biologischen Vielfalt im Bereich der Forstwirtschaft vgl. BMVEL (2002).

7 Zu Ursachen der geringen Akzeptanz der ökonomischen Umweltbewertung vgl. PRUCKNER (2001).

8 Zum Wesen des homo oeconomicus vgl. KIRCHGÄSSNER (1991) sowie HOMANN (1994).

9 MENGER (1923) definiert die Güterqualität einer Sache dadurch, indem vier Voraussetzungen erfüllt werden: 1. Ein menschliches Bedürfnis; 2. Vorhandensein von Eigenschaften an der Sache, um das menschliche Bedürfnis befriedigen zu können; 3. Erkennen dieses Kausal-Zusammenhangs durch

den Menschen; 4. Verfügung über die Sache, um es der Befriedigung des Bedürfnisses zuzuführen.

10 Die Kosten wurden hier nicht untersucht; s. hierzu die betriebswirtschaftlichen Analysen im Teilprojekt Ökonomie des Abschlußberichts KÜPKER et al. (2005).

11 Innerhalb der Wohlfahrtsökonomie erfolgt die Bewertung einer geplanten Handlung allein auf der Basis der Interessen der betroffenen Individuen, d.h., dass der Wert einer Änderung von Umweltgü- tern (hier: die Realisierung von Biodiversitäts-Maßnahmen) aus den Interessen der von der Hand-

lung betroffenen Menschen abgeleitet wird.

12 Der Nutzen für eine Person liegt in ihrem Wohlergehen begründet. Der Grenznutzen wird bei dem Genuss eines Gutes bis zur Bedürfnisbefriedigung erreicht, d.h. je mehr ich von einem Gut habe, desto weniger nützt mir eine weitere Einheit und ist mir deshalb weniger wert. Ich kaufe erst dann

keine weitere Einheit, wenn der Wert der zusätzlichen Einheit für mich so gering ist, dass er unter dem Preis für dieses Gut liegt und somit nicht mehr nachgefragt wird (FRIEDMAN, 1999).

13 Eine Übersicht von medizinischen Werten diverser Pflanzenarten gibt PEARCE (2001, S. 36).

14 Das Interview wird als mündliche Befragung in Form persönlicher, verbaler Interaktion zwischen zwei Personen bezeichnet, wobei die Kommunikation asymmetrisch ist (ähnlich der Kommunikati- on zwischen Arzt und Patient), und die Ergebnisse dieser auf verbale Reize abgestimmten Kommu- nikation durch den Interviewer bewusst nicht sanktioniert bzw. Werturteilen unterzogen werden. Der Befragte wird aufgefordert, über sich, seine Erfahrungen, seine Perzeptionen oder seine Einstellungen dem Interviewer zu berichten, die jener mit entsprechend vorbereiteten (wissenschaftlichen) Hilfsmitteln festhält (Definitionen s. REINECKE, S. 12, 1991).

15 Zur Diskussion der kritischen Einwände und Methodenfragen vgl. AHLHEIM (1995), HAUSMAN (1993), PRUCKNER (1995); s. hierzu auch das Kap. 5.2.2.

16 Die Ergebnisse zur Ermittlung der Akzeptanz sind in den Kapiteln 4.1.2 und 4.1.3 ersichtlich.

17 Der Wortlaut für das durchgeführte Interview ist dem Anhang der Fragebögen, Fragen M1-M5 sowie der Frage I zu entnehmen; zu den Skizzen der einzelnen Maßnahmen s. Abb. 4.

18 Die Hypothesen hierzu sind im Kap. 3.5 und die Ergebnis im Kap. 4.5 ersichtlich.

19 Der genaue Wortlaut und der gesamte Umfang zu diesem Themenkomplex ist dem Anhang der Fragebögen, Fragen A1-A18 zu entnehmen.

Details

Seiten
446
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638884594
Dateigröße
2.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v84868
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Department Biologie
Note
gut
Schlagworte
Wert Vielfalt Wäldern Deutschland

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Titel: Der Wert biologischer Vielfalt von Wäldern in Deutschland