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Die Seefahrt der frühen Ming-Dynastie im historischen Kontext

Die Politik des Kaiser Yongle

Hausarbeit 2007 14 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Chinesisch / China

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Seefahrt in der frühen Ming Dynastie (1368-1450)
2.1. Das Erbe des ersten Kaisers der Ming
2.2. Der Höhepunkt der Hochseeschifffahrt

3. Schlüsselereignisse der frühen Ming-Dynastie
3.1. Feldzüge
3.1.1. Feldzüge gegen die Mongolen
3.1.2. Krieg in Annam (Nord Vietnam)
3.2. politische, militärische und zivile Projekte
3.2.1. Umzug der Hauptstadt von Nanjing nach Beijing
3.2.2. Reorganisation des Militärs

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Zheng He's Reisen

Abb. 2 Die Giraffe, welche Zheng He nach China mitgebracht hat

1. Einleitung

Im Sommer des Jahres 1405 stach in der chinesischen Hafenstadt Liujia die gewaltigste Segelflotte, welche die Welt jemals gesehen hat, in See. Über 300 Schiffe, davon über 60 so genannte „Schatzschiffe“ (baochuan), neunmastige Schiffe mit einer Länge von 135 Metern und einer Breite von 55 Metern. An Bord befanden sich insgesamt über 28.000 Mann Besatzung und Soldaten, und zusätzlich noch Pferde.[1]

Die Schiffe, welche unter Befehl des Eunuchen Zheng He stehen, befanden auf den Weg zur ersten von sieben Seeexpeditionen im chinesischen Meer und Indischen Ozean. Ihr Auftraggeber war der Kaiserliche Hof. 3 Jahre zuvor, nachdem der Kaiser Zhu Di seinen Neffen vom Thron vertrieben und sich selbst zum Kaiser ernannt hatte, gab dieser den Bau der Schiffsflotte in Auftrag. Der Auftrag: „Waren eintauschen, Piraten jagen, den Glanz des Kaisers von China verkünden“[2]. Dafür waren die Schiffe und die Besatzung optimal ausgerüstet. An Bord eines jeden „Schatzschiffes“ befanden sich 24 Bronzekanonen, die Besatzung bestand aus Experten der Nautik, Astronomie, Dolmetscher, Offiziere der Armee, Schmiede, Ärzte und Apotheker und viele mehr.

In den sieben Expeditionen (1405, 1407, 1409, 1413, 1417, 1421 und 1430) führte es die Flotte durch das südchinesische Meer nach Chaban (im heutigen Südvietnam), über Java, Sumatra, Colombo, Cohin, Calicut (alle drei in Indien), Hormus (Persien) bis nach Aden, Jiddah (beide Persien) und Mogadischu auf den ostafrikanischen Kontinent.

Dort wo die Flotte eintraf, wurde gehandelt. Schließlich gab es in den Schiffen mehr als nur Soldaten. An Bord befanden sich Tonnenweise Luxusgüter wie Silber, Bronze, Seide, Porzellan, Metallwaren, Tee und Kerzen. Nach der Rückkehr einer Expedition erwarteten den Kaiser Luxusgüter aus den entlegensten Regionen des selbst geschaffenen Handelsreich; Elfenbein, Schwarzer Bambus, Pfeffer, Zimt, Edelsteine, Perlen, Heilkräuter, aber auch lebende Elefanten, Papageien und Giraffen. War ein fremder Herrscher nicht bereit zu Handeln, wurde dieser durch die mitgereiste Armee durch einen neuen Herrscher ausgewechselt. Die Chinesen eröffneten aber keine Kolonien (wie die Europäer es machten), man zog es stattdessen vor, den Frieden der Region zu Fördern, indem man Piraten und Schmuggler vertrieb oder am kaiserlichen Hof exekutieren ließ. Die ansässigen Herrscher dankten dem Kaiser dies mit Tributen, welche sie durch Diplomaten an den Kaiserlichen Hof übergeben ließen.

Doch mit dem Tod des Kaisers Yongle 1424 und der letzten Expedition, welche sein Nachfolger 1930 orderte, nahm die Hochseeschifffahrt ein jähes Ende. Was waren die Gründe dafür? Innerhalb kürzester Zeit ist es China gelungen die Meere Asiens (das südchinesische Meer und den Indischen Ozean) zu dominieren. 30 Jahre lang behielt man die Vorherrschaft der Meere, weitere 30 Jahre später war von der Flotte nichts geblieben.

In dieser Hausarbeit werde ich mich mit den Expeditionen Chinas im Historischen Kontext beschäftigen. Dafür werde ich in Kapitel 2.1. die private Seefahrt zu Beginn der Ming Dynastie betrachten. Im folgenden Kapitel werde ich dann nochmal speziell auf die Expeditionen des Eunuchen Zheng He eingehen. Damit man versteht, weshalb die Seeexpeditionen zu Ende gingen, werde ich in Kapitel 3. dediziert auf die wichtigsten politischen und sozialen Ereignisse eingehen. Zum Abschluss werde ich in Kapitel 4. erklären, warum kein Platz mehr für die Seeflotte des Kaisers war.

2. Seefahrt in der frühen Ming Dynastie (1368-1450)

2.1. Das Erbe des ersten Kaisers der Ming

1368 besiegte Zhu Yuanzhang als Anführer der „Rebellen der Roten Turbane“ die Mongolen, die Herrscher der Yuan Dynastie (1271–1368), vertrieb diese, gründete die Ming Dynastie und wurde ihr erster Kaiser Hongwu[3]. Schon vor seinem Amtsantritt, 1364, ließ Zhu Yuanzhang den zukünftigen Gesetzestext entwerfen. Dieser sollte für die ganze Ming-Dynastie von entscheidender Bedeutung werden. In diesem Gesetzestext, dem Ming-Code (da ming lü)[4], welcher 1364 erstmals verteilt, 1373 und 1389 korrigiert und 1397 offiziell veröffentlicht wurde, findet man die Ursprünge der Seeverbotspolitik Chinas. In der Passage Militärgesetze, Pässe und Furten, findet man folgenden Abschnitt:

„[Gesetz] über den privaten[5] Grenzübertritt und das Verbot der Hochseefahrt.

Wer Pferde, Ochsen, kriegswichtiges Eisengerät, Kupfergeld, Satin, Seide, Seidengaze, Rohseide oder Seidenfäden über die Grenze bringt und diese verkauft oder [damit] über See geht, wird mit 100 Stockschlägen bestraft.

[...]


[1] Seitz, Konrad: Eine Weltmacht kehrt zurück. München: Goldmann, 2006 (S. 15)

[2] Philip, Leo: Die Armada des Kaisers in Geo Epoche Nr. 8. Das Alte China, 2002 (S. 72)

[3] Hongwu ist eigentlich die Regierungsdevise des Kaisers. Sie bedeutet „gewaltig an militärischer Kraft“ und spielt somit auf die militärischen Siege gegen die Mongolen an. Der eigentliche Name des Kaisers ist Taizu. Da man in der Literatur die Kaiser sowohl unter der Regierungsdevise als auch unter ihrem Kaisernamen findet werde ich der Einfachheit halber alle Kaiser mit ihrer Regierungsdevise bezeichnen.

[4] Insgesamt soll der Ming-Code von 1364 aus 285 Artikeln und 145 Verordnungen bestehen. Hongwu hat den Ming-Code zusammen mit seinen gebildeten konfuzianischen Gelehrten formuliert. Vgl.(Chan, 1982)

[5] Vgl. Wiethoff, 1963 (S. 22f): Wie Wiethoff darauf hinweist, hat der chinesische Ausdruck für privat () nicht nur die Bedeutung privat, persönlich, sondern auch eine negative Färbung wie selbstsüchtig, eigennützig, illegal, unerlaubt.

Details

Seiten
14
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638014458
ISBN (Buch)
9783638919241
Dateigröße
667 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v84916
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,3
Schlagworte
Seefahrt Ming-Dynastie Ideengeschichte Ostasiens Yongle Zheng He China

Autor

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